Von Cafayate auf Umwegen nach Mendoza

Geplant war, von Cafayata aus über die Ruinenstätte Quilmes nach Tafí de Valle, einer idyllisch an einem See, im Grünen und in den Bergen liegenden kleinen Städtchen zu fahren, wo es auch Möglichkeiten zum Wandern geben soll. Je nach Lust und Laune wollten wir dann weiter nach Belém fahren. Am Vorabend wurde uns dann aber klar, daß Belém als Stadt der Ponchoweberei doch nicht so interessant ist, um einen 250km Umweg teilweise über Pisten zu rechtfertigen, also sollte es dann von Tafí direkt weiter in den Süden gehen. Unsere Schweizer Reisefreunde Sabina und Lukas strebten ebenfalls Tafí an, wo sie bleiben wollten, um dann per Bus wie auch immer nach Mendoza weiterzureisen.

Wie immer, brachte ein neuer Tag neue/alte Überraschungen. Zum einen : zum ersten Mal seit Wochen sahen wir über weite Strecken und mehrstündiger Fahrt nicht mehr braunes Gestein, trockene Wüste, sondern Laubwälder im Tal und die Hänge hinauf; kaum waren wir über die letzte Kuppe auf der Bundesstrasse 307 hinter El Mollar gefahren und ließen den Wagen abwärts rollen, umfing uns anfangs leichter, dann die ganze Strecke von gut 35km bis ins Tal in unendlichen Kurven und vielen Serpentinen  dichter Wald Für unsere Augen aber vor allem für die Seele eine Wohltat. Zum anderen :rund um Tafí de Valle kann (!) es grün sein, darauf weist die vergleichsweise umfangreiche Viehhaltung auf den quasi Hochalmen hin (der Ort selber liegt auf 2.100m), andererseits war das Grün eher braun, Hinweis auf seit längerem ausbleibenden Regen. Und von Wald mit Ausnahme eines Schutzwaldes oberhalb des Ortes keine Spur; bei sengender Hitze wandern – daran hatte keiner Interesse. Wieder einmal hatten unsere Unterlagen etwas anderes versprochen als zum jetzigen Zeitpunkt gehalten werden konnte – vielleicht waren wir auch nur am falschen Tag an diesem Ort. Alle waren enttäuscht, waren wir doch darauf erpicht, endlich einmal etwas längere Strecken zu gehen, zu wandern, denn immer nur Autofahren war eigentlich nicht unser Ziel.

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Sabina und Lukas entschieden, vom Ort aus mit dem Bus nach Tucuman zu fahren, um dann mit einem Nachtbus möglichst bis nach Mendoza zu gelangen; Katrin und ich wollten erst noch einen Abstecher zu den Grabungsstätte mit Menhiren in der Nähe des Sees in El Mollar machen, bevor wir Richtung Süden weiterreisen. Wir fanden die Grabungsstätte – an diesem Samstag aber verschlossen! So blieb uns nur ein Blick durch den Zaun, der uns in der Ferne einige relativ kleine aufrecht stehende Stelen zeigte, einige von ihnen bearbeitet. Schade, da aber nicht zu erwarten gewesen wäre, vor Ort im Falle eines Zugangs auch auskunftsfähige Guides vorzufinden, hielt sich der “Schaden” in Grenzen.

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Tafi de Valle liegt gut 2.100m hoch.  Von hier aus mußten wir in die Ebene hinabfahren, d.h. mehr als zahlreiche Kurven in einem teilweise sehr engen Tal standen vor einem dann in der Ebene gemütlichen und schnellen Fahren. Am Ende des Tales sahen wir vor uns dann eine riesige Ebene, auf der anfangs Obstanpflanzungen auszumachen waren, denen aber sehr bald unendliche Anbauflächen für Zuckerrohr folgten, das Hauptprodukt dieser Provinz. Entsprechende Fabriken waren dann auch nicht weit, einmal umringten uns vier dieser Komplexe, die ihren manchmal sehr schwarzen Rauch in den Himmel abließen. Das passte dann auch zu der Beobachtung, wie auf einigen Flächen dann die noch aufstehenden Stoppel großflächig abgebrannt wurden und die Sicht stark beeinträchtigten.

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Zügig ging es durch die Provinz Tucuman Richtung unseres Ziels der Stadt San Fernando de Valle de Catamarca (schlicht Catamarca genannt) in der Provinz Catamarca, wo wir nach einigem Suchen und wie immer über die Touristeninformation dann ein Quartier am frühen Abend fanden, leider ohne Frühstück, da müssen wir dann schauen, wie wir den nächsten Morgen starten.

Fast vergessen : Quilmes, heute kein Ort, aber eine archäologische Grabungsstätte, die ihren Namen von den hier vor rund 1000 Jahren siedelnden Quilmes-Indianern herleitet. Vor etwa 1000 Jahren hat dieser Indianerstamm hier einen wehrhaften Ort erbaut, in dem, so heißt es, 5000 Menschen (und eine nicht bekannte Anzahl von Tieren) lebten. Der Ort war als Festung ausgebaut, wie an Rudimenten der extrem dicken Umfassungsmauer festgestellt werden kann, um sich gegen die anderen Indianerstämme und schließlich auch gegen die Inka zu behaupten. Wie es heißt, konnten 1665 die Spanier die Quilmes nach 35-jähriger (!) Gegenwehr schließlich besiegen. Die obsiegenden Spanier zwangen anschließend die überlebenden rund 270 Quilmes-Familien zu einer Umsiedlung per Fußmarsch nach Buenos Aires, d.h. auf einen gut 1000km langen Weg durch die Hitze und über hohe Berge. Nur wenige sollen überlebt haben. Da entstehen Assoziationen zu der “Umsiedlung” der Armenier im Großtürkischen Reich, die ebenfalls zu hunderttausenden einen langen Marsch in Richtung Süden (Irak, Libanon?) antreten mussten, auf dem ein sehr großer Teil der Vertriebenen das Ziel nicht lebend erreichte.

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Vielleicht um einen Bezug zur Vorkolonialgeschichte und den unterdrückten und zum Teil ausgelöschten indigenen Volksstämmen für das eigene Marketing zu nutzen, gibt es seit vielen Jahren ein Bier, das den Namen Quilmes trägt. Vielleicht aber wollten die Brauherren auch ihre Solidarität mit den tapferen Indianern zeigen. Vom letzteren ausgehend trinken wir seit dem immer wieder ein Quilmes im Andenken an die Ureinwohner dieses Landes. Übrigens, vor einigen Tagen hatte ich eine Information in der Hand, in der die noch vorhandenen indigenen Volksgruppen Argentiniens aufgelistet sind wie auch ihre Verbreitungsgebiete. Erstaunlich, wie weit verstreut einzelne Stämme in diesem riesigen Land leben (müssen). Den Namen der Quilmes-Indianer habe ich der Liste nicht entnehmen können!

Wie von einem hoch in den Bergen liegenden Eckpunkt der Verteidigungsmauer festzustellen war, ist bislang nur ein kleiner Teil der Stadt freigelegt worden. Wie die einzelnen zu identifizierenden Räume sich zueinander verhielten, was Wohnräume oder Ställe z.B. waren, warum in vielen Fällen mehrere Ein-/Ausgänge – übrigens sehr schmal und nicht sehr hoch – sich in einem Raum befanden, in anderen Fällen es nur einen einzigen Zugang gab, warum immer wieder auch runde Umfassungsmauern zu erkennen waren – Fragen über Fragen, die uns vor Ort nicht beantwortet werden konnten. Ein am Eingang der Grabungsstätte anwesender “guia” versuchte uns auf Spanisch zu vermitteln, welche Routen es durch das Mauergewirr gibt und zu ermahnen, nicht auf den Mauerresten herum zu klettern, aber das war es dann auch mit den “hilfreichen” Erklärungen. Schriftliches – Fehlanzeige, Hinweisschilder – Fehlanzeige, Museum – Fehlanzeige! Dahinter steckt vermutlich keine böse Absicht, wohl eher mangelndes Verständnis für die besonderen Wünsche der Besucher, gleich ob Einheimische oder Ausländer. Unserer Beobachtung entsprechend ist Quilmes gar kein Einzelfall, auch in den übrigen Museen und Natur- und sonstigen Parks waren die Informationen äußerst dürftig.

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Wird der Sonntag unser Glückstag? Da das Hotel sonntags kein Frühstück anbietet suchten wir abends nicht nur ein Restaurant für das Abendessen, sondern hielten unsere Augen auch nach Cafés mit frühen Öffnungszeiten auf. So richtig glücklich fühlten wir uns, als es in unserem Abendrestaurant auf Nachfrage hieß, auch Frühstück am Sonntagmorgen anzubieten.

Wegen der vor uns liegenden langen Fahrtstrecke klingelte der Wecker schon um kurz nach sieben; gegen acht Uhr, keine unchristliche Zeit, aber offensichtlich war außer uns fast niemand in der Stadt schon auf den Beinen, standen wir dann vor unserer Frühstücksquelle – vor verschlossenen Türen! Enttäuschung war groß, denn mit leerem Magen und vor allem ohne anständigen Kaffee uns auf den Weg zu machen löste gar keine Jubelstürme sondern eher Flüche aus. Um es vorwegzunehmen : bis zum Abend konnten wir keine beachtenswerte Restauration ausmachen, um unseren steigenden Hunger, der mit Obst und Keksen stillen versucht wurde, zu besiegen.

Als wir am Abend in Mendoza angekommen den Tachostand ablasen, waren an diesem Tag fast genau 800km mehr auf der Uhr. Als wir uns fragten, was denn haften geblieben ist von dieser Mörderstrecke, dann gibt es nicht sonderlich viel zu berichten. Teilweise kilometerlang gingen die Straßen geradeaus, links und rechts der Straße über hunderte von Kilometern niedrige Buschsteppe, anfangs mit eher dichterem und grünerem Bewuchs, ab und an stand dann auch ein vereinzeltes Bäumchen zwischen den Sträuchern, später nahm das Strauchgrün die Bodenfarbe an und wirkte eher sandfarben; selten war ein Gehöft/Gebäude auszumachen, auf den ersten gut 500km konnten wir kaum Viehhaltung feststellen, bestellte Äcker schon gar nicht. Kein Wunder, denn die Provinz Catamarca gehört zu den mit am dünnsten besiedelten in Argentinien. Das Bild änderte sich, als wir die letzten 300km in Angriff genommen hatten. Offensichtlich waren hier die klimatischen Bedingungen oder aber die Voraussetzungen für eine künstliche Bewässerung besser, denn zunehmend größere Viehbestände waren festzustellen, oft als frei vagabundierende Herden, später kamen sichtbar Landwirtschaft hinzu, aber offensichtlich primär in Form von Monokulturen, denn schon deutlich vor San Juan sahen wir neben der Straße über Kilometer nichts anderes als Olivenbaumplantagen, die später, je näher wir Mendoza kamen, in ähnlichem Umfang von Weinanbauflächen in enormen Ausmaßen abgelöst wurden. Wie es heißt, erfolgt in der Region Mendoza, durch das heiße Klima begünstigt und mit enormem Aufwand durch künstliche Dauerbewässerung ermöglicht, gut 80% der Weinproduktion Argentiniens. Grund genug, neben dem in Cafayate angebauten Wein, den wir auf einer Weinprobe kosteten, auch hiesigen Weinkellereinen einen Besuch abzustatten.

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So ganz ohne ein Zwischenziel wollten wir die lange Fahrt doch nicht hinter uns bringen. Da die Beschreibung des Valle de Luna/NP Ischigualasto, die wir in den Reiseführern lesen konnten, sich mit der Empfehlung von Karl-Ulrich deckten und der mit einem Besuch verbundene Umweg gering war, steuerten wir es an. Auch hier gibt es positive und negative Wahrnehmungen. Unser Zeitplan – wir hatten unser Hostel in Mendoza vorgebucht und deshalb am Abend keinen Suchstreß zu erwarten – erlaubte, trotz gut 10stündiger Fahrtzeit einen Ausflug von 1-1 1/2 Stunden, um das Tal mit seiner bizarren Landschaft zu erkunden. Am Eingang zum NP angekommen, trafen wir auf einen völlig leeren Parkplatz – offensichtlich verirren sich selten Besucher hierher, es sei denn, es kommen organisierte Touren an –, ein geschlossenes Museum – im Valle de Luna wurden zahlreiche bis zu 180 Mio. Jahre alte Fossilienfunde gemacht und sollen hier ausgestellt sein –  und ein NP-Büro, in dem uns der Mitarbeiter kundtat, eine durch einen Ranger zwingen zu begleitende Rundfahrt würde gut drei Stunden dauern. Es war 14:00 Uhr und erst die Hälfte der Strecke bewältigt, Parkrundfahrt und Weiterfahrt würden auf eine Ankunft gegen 22:00 Uhr hinauslaufen, wenn alles rund läuft. Da hieß es, Prioritäten zu setzen, denn in völliger Dunkelheit auf schlecht ausgeschilderten Straßen zu fahren, dürfte kein Vergnügen sein und eher zu weiteren Verzögerungen führen. Also Verzicht, schweren Herzens, auf die Parkfahrt, statt dessen Weiterfahrt – dies war die negative Wahrnehmung.

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Zur positiven : Nur weil wir in den Nationalpark gefahren waren, haben wir Guanacos gesehen, nicht nur eines oder zwei, sondern mehrfach größere Gruppen dieser Lamaart, die vom Wuchs her wohl etwas größer sind als die bislang kennengelernten Vicunas. Es scheint, als ob die Vegetation im Park diesen Tieren genügend Nahrungsgrundlage für ihr Überleben in der  Wildnis bietet; sicherlich trägt auch der Schutzstatus des Parks seinen Teil dazu bei, daß diese Tiere sich hier ansiedeln. Und zwei weitere Tierarten sind uns auf den wenigen Kilometern, die wir im Parkgelände zurück legten, begegnet : 3 Straußen (Korrektur : Es waren Nandus) sind uns fast in den Wagen gelaufen, zumindest sahen die Tiere wie ein Strauß aus und ein kleiner Fuchs querte unseren Weg sogar zweimal, als wir auf das Gelände der Parkverwaltung einfuhren, offensichtlich das Haustier vor Ort.

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Ansonsten waren wir froh, so gegen 19:00 Uhr im Hostel angekommen zu sein, nachdem wir, auf Grund fehlender Beschilderung rund um San Juan manchen zusätzlichen Kilometer fuhren, umkehrten und den richtigen Weg fast schon erahnen mussten.

Es war nicht einfach, uns in Mendoza zurechtzufinden, wir waren froh, endlich am Ziel zu sein. Unser Hostel Punto Urbana machte auf den ersten Blick, d.h. den Eingangsbereich, einen akzeptablen Eindruck, aber als wir dann in Richtung unseres Zimmers geführt wurden, änderte sich unser Eindruck gewaltig. Nun bedeutet Hostel natürlich auch, daß hier vorzugsweise jüngere Menschen übernachten und sich dann auch oft selber verpflegen. Daß dies auch mit Einhaltung normaler Reinheitsstandards möglich ist, konnten wir z.B. bei unserem Hostel in Cafayate feststellen – die Küche sah, auch wenn Gäste sie benutzt hatten, wie geleckt aus! Ganz anders hier im Punto Urbano – dreckiges Geschirr stand herum, Abfälle lagen an unterschiedlichen Stellen, die Küchentische waren versifft, in einer Ecke stand eine größere Ansammlung leeren Wein- und sonstiger Flaschen, die Fliegengittertür vor dem Küchenausgang hing nur noch an einem Scharnier – so unsere ersten kurzen Feststellungen. Und durch dieses Chaos mußten wir in unser Zimmer im ersten Geschoss! Dieses wirkte zwar auf den ersten Blick sauber, gleichzeitig aber auch schmuddelig; eher behelfsmäßig war in einer Ecke des sehr kleinen Zimmers ein Waschbecken angeschraubt, dies war jedoch nicht in eine Waschtischplatte eingelassen, sondern diese mit eher sehr hobbymäßig ausgesägter Öffnung für die Waschschüssel von oben auf den Waschtisch silikoniert. Das “Bad” wies neben einem WC und einem Bidet eine Dusche auf, bei der die Halterung für den Duschkopf fast aus der Wand fiel und zu allem Überfluß auch noch in einem Abstand von ca. 60cm der E-Schalter für das Bad in die Wand eingelassen war. IP-44 – hier wohl nicht Standard. Übrigens, man mußte gelenkig sein, wenn man erfolgreich duschen und dabei nicht gleichzeitig auf dem Toilettendeckel stehen wollte – so viel zu den Platzverhältnissen. Und schließlich das Schiebefenster, bei dem wir feststellten, als wir uns zum Abendessen auf den Weg machen wollten, daß der Feststellhebel zum Verschließen abgebrochen war, also keine Sicherheit für unsere Barschaft etc. bei Abwesenheit.

Also was tun, zufrieden mit dem Vorgefundenen waren wir beide nicht, hatten jedoch per Internet über booking.com für fünf Nächte gebucht und waren unsicher, wie die Rücktrittsbedingungen aussehen. Auf der Suche nach einem Lokal stießen wir, keine 200m von unserem Hostel auf ein kleines Hotel, in dem Katrin sich direkt nach einem Zimmer erkundigte und, welch Überraschung, es gab freie Zimmer für die kommenden Nächte, sogar zu einem günstigeren Preis als in unserem Hostel!! Wir reservierten für den kommenden Tag und wollten prüfen, wie wir den Wechsel vollziehen können, ohne dabei unnötigerweise noch zusätzliches Geld ausgeben zu müssen. Denn in einem weiteren Fall fühlten wir uns vom Hostel getäuscht : Katrin hatte wegen eines Parkplatzes angefragt und auch in der Buchung zum Ausdruck gebracht, daß ein Parkplatz benötigt würde. Die Mailantwort besagte, es gäbe kostenlose Parkplätze in der Nähe, man müsste dies vorher mitteilen, was ja geschehen war. Angekommen verwies man uns auf nicht sichere Laternenparkplätze sowie auf gebührenpflichtige Parkhallen, von umsonst und man kümmere sich keine Rede. Also bissen wir in den sauren Apfel und spendiertem unserem roten Flitzer eine Nobelunterkunft, die uns für 4 Tage so viel kostet wie zwei Nächte im Hotel! Die von Booking.com zugestellte Reservierungsbestätigung wies aus, daß wir ein Zimmer u.a. mit einem Kabelfernseher gebucht hatten. Trotz Suche, einen Fernsehen fanden wir in unserem schlichten Zimmer – wie im Gefängnis : Bett, ein Stuhl, Waschtisch – trotz eifrigen Suchens nicht. Das war dann der Aufhänger, denn das Bestellte war nicht geliefert und konnte nicht geliefert werden. Das überzeugte auch die verantwortliche Mitarbeiterin und wir kamen nach dieser einen Nacht im Hostel “frei”.

Zur Ehrenrettung des Hostels : das Frühstück gehörte zu den besseren, die wir bislang auf unserer Reise genießen durften, dennoch, auch am Abend danach, beim Bierchen in unserem neuen Quartier in Mendoza müssen wir feststellen, daß der Quartierwechsel gut und richtig. war.

Der Ritt über die Schotterpisten – von Salta nach Cafayate

Trotz wiederholter Pleiten mit den Empfehlungen der Reiseführer ließen wir uns nicht abhalten, durch das Salta umgebende Bergland, den Nationalpark Los Cardones nach Cachi und von dort durch die Quebrada Calchaquies nach Cafayate zu fahren. Die Entscheidung war richtig, diese leider sehr lang dauernde Fahrt hat  sich gelohnt, war interessant und hat uns neue Seiten des Landes gezeigt.

Ging es anfangs, nachdem wir bei Cerrillos Richtung Westen von der RN 68 abgebogen waren, noch durch zumindest teilweise grünes Gelände, folgten wir einem Rio Escoipe, begann sehr bald das Gekurve um die Kurven, um Höhenmeter zu gewinnen, denn der Scheitelpunkt unserer Strecke in den NP Los Cardones lag bei über 3.000m. Schon bald umgab uns das übliche aus dem Norden gewohnte Bild : Steine, groß und klein, Sand, Wüste, Geröll, Felsen, wenig Sträucher, dafür hier aber in steigender Anzahl die in diesem NP besonders geschützt Art von Kakteen, die Cardones, die nicht nur 200-300 Jahre alt werden sollen, sondern mit ihrer Höhe von bis zu 12 Metern zu den Kakteenriesen zu zählen sind. Ein solches riesiges Exemplar haben wir natürlich nicht gesichtet, aber immer wieder Exemplare, die mit ihrer schieren Größe imponierten. Die Kakteen standen nicht in dichten Gruppen, sondern eher vereinzelt und zogen sich die Berghänge auf dem kargen Untergrund hinauf.

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Auch Schotter- und insbesondere Erdstraßen bedürfen der “Pflege” und Reparatur. Wer sie gefahren ist wird gegenüber dem Arbeiter, der mit seiner Maschine versucht, die Oberfläche einigermaßen einzuebnen und dabei die größten Schlaglöcher – für kurze Zeit – mit verfüllt, dankbar sein, und nimmt die Verzögerung durch die Streckensperrung gerne in Kauf, so auch wir, als wir eine ganze Weile anhielten und warteten.

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Kurz vor der Passhöhe wies ein kleines Schild auf ein abseits gelegenes Gehöft hin; Lukas, der mit Sabina auf dem Weg nach Cafayate mitfuhren, hatte gelesen, daß es abseits der Straße eine tolle Aussicht geben sollte, und zwar in das Valle Encantado. Warum nicht, für einen tollen Blick in die Landschaft sind wir schon so manchen Umweg gefahren. Und so ging es einen landwirtschaftlichen Weg im wahrsten Sinne bergab bis zu einem Plätzchen, auf dem ein Wenden möglich war. Lukas und seine Information hatten schon Recht, es war ein schöner Blick in dieses karge Land, in dem weit unten im Tal ein kleiner Bauernhof auf der ihn umgebenden Grünfläche Kühe und Pferde hielt. Von einem weiteren Fahrexperiment gen Tal sahen wir ab und kehrten auf die “Straße” zurück.

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Dann war es nicht mehr weit bis zur Passhöhe (3.348m); steil ging es hinauf und später auch auf einer anfangs sogar geteerten Piste ebenso steil wieder abwärts. Oben am Pass stand eine kleine Kapelle, die Piedra del Molino; wir schauten zu beiden Seiten in tiefe Täler, gleichzeitig ragten um uns herum höhere Berge auf, im Norden fiel dabei das Massiv des Cerro Malcante mit seinen 5.226m besonders auf. Höhe und die damit verbundene Kälte sowie der Wind verkürzten trotz der permanent scheinenden Sonne  den Aufenthalt außerhalb des Wagens.

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Der erste Streckenteil nach der Passüberquerung in Richtung Cachi war mit einem alten Inkatreck identisch, worauf an wenigen Stellen ein Schild hinwies (Recta Tin Tin); sogar im Straßenatlas war dieser Hinweis in extrem kleiner Schrift enthalten!

Unser eigentliches erstes Ziel auf dieser uns über diesen gewollten Umweg nach Cafayate führenden Fahrt war dann Cachi. Beschrieben wird er als ein traditioneller Ort mit starkem indigenen Einfluß. In seiner Struktur jedoch wirkt er wie ein aus der spanischen Kolonialherrschaft stammender Ort. Ein das Zentrum einnehmender mit umfangreichem Blumenanpflanzungen und zahlreichen stattlichen Bäumen repräsentativ gestalteter Platz, die Plaza de 9. Julio, sowie die umliegende koloniale Bebauung weisen auf den dominierenden Einfluß der Spanier hin. Im Osten der Plaza befindet sich eine kleine hell gehaltene schlichte Kirche aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; bei seiner Innenausstattung sowie der Decke wurde das auch früher im Salar de Atacama verwendete Holz der Baumkakteen (Cardones) eingesetzt. Die Stammstruktur verleiht z.B. den Beichtstühlen und sonstigen Inneneinrichtungen eine besondere Note.

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Weitere Platzseiten waren von anderen aus der Kolonialzeit stammenden Bauten besetzt; wenn durch öffentliche Einrichtungen genutzt, wie z.B. durch das Museo Arqueologico oder einem Teil der Gemeindeverwaltung, war offensichtlich der Gebäudeunterhalt gesichert – war dies nicht der Fall, verfielen die Gebäude nach und nach.

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Nachdem wir unsere Mittagspause mit sehr unterschiedlichen Urteilen über die vorgefundenen Speisen beendet hatten – Lukas und Sabina hatten sich an einer lokalen Spezialität, einer Art Ziegenbraten versucht und dabei vor lauter Knochen kaum Fleisch zum abnagen gefunden – ging es etwas vor 16:00 Uhr weiter. Nun lag ein sehr schönes Stück Weges vor uns, die Quebrada (Schlucht) Calchaquies, die als äußerst malerisch beschrieben wird. Zum Unglück für den Fahrer war die Straße sprich die Erdpiste wenig malerisch, sondern besonders eng, kurvenreich und über gut 150 Kilometer lang bis zum Tagesziel. Es würde spät werden mit unserer Ankunft.

Wir hatten ja vor wenigen Tagen extra einen Ausflug von Salta nach Purmamarca und in das Welterbetal Humahuaca unternommen, um die Vielfalt der Farben in dem Gestein der Gebirge uns näher anzusehen. Mit dem Wissen dieser 150 Kilometer zwischen Cachi und Cafayate hätten wir diesen Tag damals zumindest zum Teil anders nutzen können. Auch hier begleiteten uns auf der ganzen Fahrt bunte Berge; mal mit mehr Rottönen versehen, mal dominierte eher Ocker, auch Grün wurde entdeckt. Zwischendurch tauchten kleine oder größere Haziendas auf, die offenbar begünstigt durch das günstige Klima, dass Vorhandensein von Wasser durch den Rio Calchagui, fruchtbare Böden bestellen konnten. Böden, die anfangs der spanischen Kolonialherrschaft noch den einheimischen Indigenen, dem Volk der Calchaqui-Indianer gehörte. Diese wurden jedoch enteignet, vertrieben bzw. nach Buenos Aires zwangsumgesiedelt als sie sich weigerten, den Spaniern Lohndienste zu leisten.

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Endlich gegen 20:00 Uhr fuhren wir dann in Cafayate ein; von unserem Hostel in Salta hatten wir eine Empfehlung und die steuerten wir auch direkt an. Für zwei Nächte kamen wir im Rusty-k Hostal unter und haben diese Unterkunftswahl nicht bereut.

Den Folgetag, den 24.10., wollten wir nicht untätig vergeuden. Lukas und Sabina wollten schauen, ob und wenn ja wie sie mit einem Fahrrad die Gegend erkunden können. Uns stand eher der Sinn nach einer Wanderung. Aber wie wandern in einem vom Weinanbau fast völlig beanspruchten Umland? Als eine Möglichkeit hatten wir im Touristenbüro von einer 1-1 1/2 stündigen Wanderung zu einem schönen Wasserfall in einem nördlich vom Ort gelegenen Tal erfahren. Die Zeitangabe bezog sich einerseits auf den Hinweg und zum anderen ist es sinnvoll, die ersten 6 Kilometer mit dem Wagen zu fahren, was die Wanderzeit nicht wirklich verkürzt. Wie wir später nach Rückkehr feststellten, war die Zeitangabe im Büro völlig aus der Luft gegriffen. Am Startpunkt der kleinen Wanderung angekommen wurden wir zuerst von einem Einheimischen angesprochen; er wollte sich uns als Führer empfehlen; Dauer des Hinweges – jetzt waren es schon drei Stunden. Noch ohne besondere Erfahrungen was die Kennzeichnung von Wanderwegen in Chile betrifft lehnten wir ab. 300m später saß ein anderer Bewohner des indigenen Dorfes vor einem Tischchen und forderte uns auf, unsere Daten in eine Kladde einzutragen; darin wurde auch der Startzeitpunkt ab Dorf vermerkt. Auch jetzt hieß es, mit einer Wanderzeit von drei Stunden sollten wir rechnen. Mit einer kurzen Wegbeschreibung, die aber nur für den ersten Kilometer galt, schickte er uns dann in das Tal hinein. Zu Anfang konnten wir auch munter ausschreiten, passierten kleine Gärtchen, überquerten den Fluß/Bach mehrfach, kamen an einen kleinen Staudamm, von wo aus über Kanäle die Bewässerung der Anbauflächen der Dorfbewohner gewährleistet wurde und stießen immer weiter in das Tal vor. Aus dem anfänglich kleinen aber nicht gekennzeichneten Weg wurden zunehmend viele kleiner und kleinste Wege durch das Geröll, das der Fluß im Verlaufe der Jahrtausende hinuntergerissen hatte. Wir kletterten also über Felsen, balancierten immer wieder über den Fluß und suchten permanent nach “dem” Weg zu unserem Ziel. Zunehmend wurde uns klar, daß es den Königsweg gar nicht gibt, wir folgten den sichtbaren Ziegenwegen. Leider waren wir nicht so behende wie die Tiere, manches Wegstück fiel uns richtig schwer und umkehren mußten wir auch wiederholt. Aber wir kamen voran! Nach weit über 1 1/2 Stunden standen wir dann vor einem wirklich steilen Felsen, auf den hinauf natürlich auch wieder Ziegenpfade führten. Teile der Strecke waren aber ganz schön ausgesetzt und der Untergrund nicht immer fest. Katrin kletterte oder krabbelte vornweg, ich in gebührendem Abstand hinterher. Ich hatte das Ende dieses Abschnittes noch gar nicht ganz erreicht als es von oben hieß : wir gehen zurück. Katrin hatte keinen Hinweis auf einen vernünftigen Weg gefunden, die Plackerei fortzusetzen, schien wenig Sinn zu geben, der Weg wurde immer beschwerlicher und der Rückweg stand uns auch noch bevor. Für den Rückweg benötigten wir nahezu die gleiche Zeit wie ins Tal hinein, mehrfach hieß es zurück auf Start, wir verliefen uns wiederholt. Wer kann sich in diesem Steingewirr auch einprägen, welchen der unzähligen Ziegenpfade wir gegangen waren, wo wir den Fluß überquert hatten? Froh waren wir, nach weiteren fast 1 1/2 Stunden wieder am Wagen Wir hatten zwar den Wasserfall weder gesehen noch gehört – war wahrscheinlich auch nur so ein ganz kleiner, so daß es kein Verlust ist, nicht bis zu dieser Stelle vorgedrungen zu sein –, aber wir waren ohne Blessuren wieder auf sicherem Boden angelangt.

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Am nächsten Tag hieß es innerhalb des Ortes in ein neues Quartier umzuziehen. Wir hatten bei der Rückkehr von unserer Wasserfallwanderung ein kleines Hostel am Ortsrand gefunden, bei dem Preis und Leistung stimmte. Lukas und Sabina hatten bei ihrer Suche am Nachmittag nichts besseres aufgetan, so daß wir eine Nacht im Hostal Candelaria übernachteten.

Katrin und ich hatten uns für den 25.10., unseren zweiten Tag in Cafayate, vorgenommen, in die nach Norden führende Quebrada del Rio de las Conchas, auch Quebrada de Cafayate genannt, zu fahren. Der durch die Quebrada fließende Fluß, der Rio de las Conchas, das Wetter, der Regen, der Wind und die Sonne, die Erosion, haben hier im Verlaufe von wahrscheinlich Millionen von Jahren ein Kunstwerk in die Felsen gefräst. Dabei entstanden eine Vielzahl von mit Phantasie zu erkennende Figuren, Strukturen, Gebilde. Betont wird das Plastische dann noch durch den Buntsandstein, der in seiner Farbenvielfalt zu dem prächtigen Gesamtbild beiträgt. Was bereits von Weitem imponierend ist und Neugier weckt, wirkt aus der Nähe noch interessanter. Also konnten wir unser Interesse an den “Figuren” mit ausführlichen Spaziergängen in die einzelnen Täler verbinden. Je weiter wir uns von der durch die Quebrada führende RN 68, die Salta mit Cafayate verbindet, entfernten, desto einsamer wurde es, denn die auch in diese Region ihre Gäste chauffierenden Agenturen sorgten dafür, daß nur wenig Zeit vor Ort blieb. Für uns ein schönes Geschenk, konnten wir im wesentlichen völlig ungestört durch die Täler laufen. Wo die Phantasie den erkannten Gebilden Namen gibt, werden sie zu Erkennungs- und fast auch Markenzeichen. So findet man neben dem Amphitheater, die Garganta del Diablo (Teufelsrachen), El Sapo (die Kröte), El Fraile (der Ordensbruder), El Obelisco (der Obelisk) oder Los Castillos (die Burgen).

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Es war faszinierend zu sehen, wie künstlerisch die Natur mit dem vorgefundenen Material umgehen kann und dabei keine geringen Anforderungen an unser Vorstellungsvermögen stellt.

Cafayate ist von zahlreichen Rebflächen umgeben; der Weinanbau ist einer der dominierenden Landwirtschaftszweige des Ortes. Überall wo möglich, werden neue Anbauflächen erschlossen. Das warme Klima und offensichtlich auch der Boden sollen gute Voraussetzungen für das Gedeihen der Rebstöcke liefern. Wie wir sehen konnten, werden alle Rebstöcke in Form von Tropfenbewässerung mit Wasser versorgt; aufwendige Installationen sind dafür ebenso erforderlich wie erhebliches Kapital. Damit ist mehr oder weniger vorherbestimmt, daß die Großbetriebe hier über kurz oder lang bestimmend sein werden. Wasserprobleme scheint man zu negieren. Wie wir bei einer Weinprobe bei einem kleinen örtlichen Weinbauern erfuhren, haben nur wenige sogenannte Wasserrechte; so wie ich es verstanden habe, darf nur ein Großproduzent sein notwendiges Wasser direkt dem Rio de las Conchas entnehmen, die übrigen müssen Tiefbrunnen bohren mit der Folge, daß der Grundwasserspiegel auch für die sonstige Landwirtschaft absinken wird. Es hat den Anschein, als ob hier mittelfristig eine Monokultur entsteht mit den bekannten negativen Folgen für Umwelt und Bevölkerung. Die hier angebauten Weine sind, so erfuhren wir, überwiegend Weißweine. Die Weinprobe nach einer Führung durch einen kleinen Betrieb mit einer Jahresproduktion von rund 700.000 Litern, in dem auch die Flaschen noch per Hand abgefüllt werden, die Arbeitskraft ist deutlich billiger bei dem Mengendurchsatz als die Automatisierung der Produktion, war nett, in gewissem Umfang informativ, die zur Verkostung gereichten Weine trafen jedoch fast alle nicht unseren Geschmack

Ohne beschwipst zu sein, gingen wir Richtung Quartier, um uns auf die am nächsten Morgen anstehende Abreise “einzustimmen”.

Salta – la linda

Schien am Samstagabend der größte Teil der Bevölkerung in der Innenstadt auf den Beinen zu sein, waren am Sonntag bei gleißendem Sonnenschein die Straßen nahezu leer, Autoverkehr in einem Umfang, der an einen autofreien Sonntag vor vielen Jahren in Deutschland erinnert. Also beste Zeit, um entspannt die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die wir uns für einen Besuch ausgewählt hatten, anzusteuern. Wie immer dominiert das historische Zentrum ein großer Platz, diesmal der Plaza 9 de Julio , eingerahmt von Palästen, Prunkbauten, Kolonialbauten und natürlich einer Kirche, hier der Kathedrale. Der Platz selber, auch wie immer, war von den Bürgern in Beschlag genommen, aktuell in überschaubarer Zahl, was sich nachmittags und insbesondere abends spürbar verändert, wenn sich hier Gruppen treffen, flaniert wird, oder man entspannt auf einer der Bänke die Zeit genießt..

Die Kathedrale stand auf unserem Besuchsprogramm und wir hatten Glück : gerade war eine Sonntagsmesse mit für unsere Verhältnisse enormer Beteiligung zu Ende gegangen und wir konnten anschließend, wenn auch nur für kurze Zeit, die Kirche bestaunen. Nicht nur, daß hier auch ein Panteon zahlreicher historisch wichtiger Personen aus dem Norden Argentiniens, u.a. General Güemes, Platz gefunden hat, sondern es soll auch Altäre zweier Heiliger mit ihren Reliquien dort geben. Identifiziert wurde der Altar der Virgen del Milagro; zu ihrem Pendant auf der anderen Chorseite konnte ich noch keine Informationen erschließen. Weitere zahlreiche Altäre befanden sich in den Seitenschiffen, meist eher für unsere Verhältnisse kitschig gestaltet, was der gezeigten Frömmigkeit jedoch keinen Abbruch tat. Vor manchen Altären verharrten die Menschen minutenlang in innerer Einkehr, vor anderen ließen sie sich niederfallen, vor wiederum anderen, wie z.B. der Virgen del Milagro bildeten sich Schlangen, um an der Reliquie vorbeizugehen.

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Typisch für die hier vorgefundenen Kirchen, neben der Kathedrale besuchten wir die Iglesia San Francisco, daß insbesondere die aus dem 19. Jhd. stammenden in Bonbonfarben gestrichen waren. Wer es mag …; und am Abend waren dann die wichtigsten Kirchen beleuchtet, auch ein besonderes Bild; manchmal wurde dadurch der Kitschcharakter noch unterstrichen.

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Neben einem Spaziergang durch die historische Innenstadt, in der immer wieder Häuser/Hausfassaden aus der Kolonialzeit zu bewundern waren, standen aber auch, selbst in Innenstadtnähe, Objekte, die nur auf die Abrißbirne warteten. Das hat wohl auch einen besonderen Charme, dieses morbide.

Unsere Versuche, die angesteuerten Sehenswürdigkeiten auch wirklich zu besichtigen, waren bis auf eine Ausnahme, die Kathedrale, nicht erfolgreich. Selbst die Kirchen hatten keinen Tag der offenen, sondern ausdauernd Tage der geschlossenen Türen. Und in einem Fall, dem Museo de Bella Arte, das entgegen den uns bekannten Gepflogenheiten nicht montags, sondern sonntags geschlossen hatte, kehrten wir am Folgetag zurück – und wurden in diesem Fall durch eine eindrucksvolle Ausstellung insbesondere der Werke einer in Salta seit Jahrzehnten wohnenden und sehr bekannten Künstlerin,Telma Palacios, belohnt.

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Wir lernten auf diesem mehrstündigen Spaziergang viele der Innenstadtstraßen näher kennen, stolperten über manch aufgerissenen Bürgersteig, umkurvten hin und wieder Hundekot und klapperten nahezu alle Banken in Reichweite ab, um an Geld zu kommen. Alle Versuche mehr als 700 arg. Pesos, das sind nicht ganz 100 Euro, abzuheben scheiterten. Und dazu waren die meisten angesteuerten Geldausgabeautomaten auch nicht so gekennzeichnet, daß wir sicher sein konnten, bei Einsatz unserer Visa-Card nicht noch mit horrenden Gebühren belastet zu werden. Irgendwann stießen wir auf eine Banelco-Filiale, bei der m.E. auf einem Automaten ein Visaaufkleber sichtbar war – und hier schlugen wir zu. Ohne zu zögern gab der Automat bei vier Transaktionen immer den möglichen Höchstbetrag heraus, unsere Bargeldkasse war endlich wieder gefüllt. Und das ist nötig, denn das Restaurantpreisniveau z.B. kann mit den heimischen Preisen ohne Probleme mithalten.

Uns drückte erheblich unser “Kartenproblem”, in diesem Fall ist nicht die Kreditkarte sondern sind die fehlenden Straßenkarten gemeint. In der Hoffnung, der Argentinische Automobilclub verkauft vielleicht von der Qualität ähnliches Kartenmaterial, wie wir es auf chilenischer Seite bei der Tankstellengruppe COPEC vorgefunden hatten, machten wir uns am Montag zu Fuß auf den Weg, orientierten uns dabei an einem kleinen vom Tourismusbüro der Stadt herausgegebenen Stadtplan. Um Vergleichsmöglichkeiten zu haben, prüften wir die Angebote an Straßenkarten in diversen Buchläden, die auf dem Weg lagen. Nichts von dem Vorgefundenen, sowohl bei ACA als auch in den Buchläden überzeugte so wirklich, die Maßstäbe waren alle ziemlich groß, für eine Groborientierung brauchbar, aber Detailinformationen fehlten. Dennoch, weiter im Blindflug – nein danke; so klemmten wir uns dann ein Handbuch mit begrenztem Kartenmaterial vom ACA unter den Arm – ein Problem war damit weitestgehend gelöst.

Montagnachmittag standen dann 1074 Treppenstufen hinauf auf den Cerro San Bernardo auf dem Programm, quasi der Stadthügel von Salta, von wo aus die Möglichkeit einer Stadtübersicht besteht. Natürlich, wie in einer modernen Stadt, gibt es auch eine Aufstiegshilfe, den “Teleferico”, eine Gondelbahn, mit deren Hilfe und einigen Pesos man den Höhenunterschied von mehr als 200m überwinden kann. Der Weg hinauf zog sich, denn die Stufenpassagen wurden durch Passagen ansteigenden Pflasterweges unterbrochen. Ganz erstaunt waren wir, als wir schon zu Beginn unseres “Aufstieges” auf eine kleine Kapelle stießen, der im Verlaufe des Weges weitere folgten, insgesamt 14 an der Zahl, also ein Kreuzweg. Wir konnten lesen, daß dieser Weg dann auch als Prozessionsweg einmal im Jahr beschritten wird. Man kann nur hoffen, daß die die Prozession begleitenden Priester eine gute Kondition mitbringen.

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Die Stadt beherbergt auch ein Kloster der Schwestern des Carmeliterordens;  ihr Kloster ist nur von außen zu besichtigen – wir konnten beobachten, wie einem Handwerker fast verstohlen die Pforte geöffnet und sofort wieder geschlossen wurde. Ihr Klostergebäude, ein sehr schlichtes Gebäude, an dem das prunkvollste wohl die aus dem Jahr 1742 stammende verzierte hölzerne Eingangstür ist, soll aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stammen und zählt damit zu den ältesten noch vorhandenen religiösen Bauten.

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Aus Angst, zu spät für eine erfolgreiche Quartiersuche in Salta anzukommen, sind wir bei der Anreise am Samstag mit Höchsttempo Richtung Süden gefahren und hatten dabei manch interessantes Ziel links oder rechts liegen gelassen – genug Gründe gab es, wieder in den Norden zurückzufahren, wenn auch als 1-Tagestour, um die Quebrada de Humahuaca aus der Nähe in Ruhe kennen zu lernen, schließlich ist dieses Tal/Schlucht in die Liste der Welterbekulturgüter aufgenommen worden. Ein Tal – Welterbe? Man muß es gesehen haben, um ein Urteil fällen zu  können. Vor allem die zahlreichen Farben des Felsgesteins waren wohl bestimmend für diese Entscheidung. So findet man z.B. im Ort Purmamarca einen Berg der sieben Farben, auch den galt es in Augenschein zu nehmen.

In unserem Quartier in Salta hatten wir ein Pärchen aus der Schweiz kennengelernt, Sabina und Lukas aus Luzern, die in den nächsten zwei Monaten primär per Bus Argentinien bereisen wollten. Als wir hörten, daß sie planten, einen PKW für die Fahrt in die Quebrada zu mieten haben wir angeboten, mit uns mitzufahren – also machten wír uns zu viert auf den Weg. Diesmal nahmen wir nicht den kürzesten Weg in den Norden und die Ausgangsstadt JuJuy, sondern fuhren durch eine selten besuchte an unsere Mittelgebirge erinnernde Berglandschaft auf schmaler Straße, die immer wieder neue Ausblicke bot. Die sehr kurvenreiche Straße kostete Zeit, aber gegen 13:30 Uhr waren wir dann in Purmamarca, unserem ersten eigentlichen Ziel. Nun, aus der Nähe betrachtet, wirken die farbigen Sandsteinfelsen schon, aber überwältigend war es nicht; das war auch das Fazit nach einer mehr als einstündigen Wanderung durch die farbige Gesteinslandschaft. Also weiter talaufwärts, nach Tilcara.

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Der Reiseführer wies hier neben einer typischen Ortsgestaltung durch die indigene Bevölkerung auf die “Garganta del Diablo” hin, einer kleinen tiefen Schlucht, zu der man in einer  mehrstündigen Wanderung oder über eine 8km lange schmale Geröllpiste den Berg hinauffahrend gelangen konnte. Zeitökonomie gebot, zum Ziel zu fahren. Und wieder mußte festgestellt werden, daß zwischen unserer Wahrnehmung und den überschwenglichen Schilderungen der Reiseführerverfasser große Differenzen bestehen. Ernüchtert machten wir uns auf die holprige Bergabstrecke. Der nächste Reiseführerhinweis sollte dann die Fahrt aus dem Feuer reißen. In der Nähe von Tilcara gab es eine Ortschaft indigener Bevölkerung aus präcolumbinischer Zeit, die z.Zt. archäologisch untersucht und in Teilen freigelegt ist. Gegen 16:30 standen wir am Eingang und mußten feststellen, daß für eine auch mit einem längeren Fußweg verbundene Besichtigung der Grabungsstätte nur eine gute halbe Stunde verblieb – zu wenig, damit es sinnvoll ist.

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Nun waren wir seit dem späten Vormittag unterwegs, das erhoffte Highlight unser Fahrt fehlte – ob die Weiterfahrt nach Humahuaca das schwache Ergebnis verbessern könnte? Nach einer guten halben Stunde Fahrt, immer wieder vorbei an den “bunten” Felsformationen erreichten wir das Ziel, oft als malerisch beschrieben mit seinem Kopfsteinpflaster, dem Leben auf den (?) Plätzen, dem ursprünglichen Leben seiner Bewohner. So richtig malerisch war der Ort nicht, eher verschlafen, sein Kopfsteinpflaster zwar vorhanden, aber oft ausbesserungsbedürftig. Geprägt wurde der Ort einerseits durch die in übergroßer Zahl vorhandenen Geschäfte mit kunstgewerblichen Artikeln, andererseits durch zwei, drei besondere Gebäude : dem Cabildo sprich dem Rathaus, seiner wieder einmal geschlossenen in weiß gehaltenen Kirche de la Candelaria y San Antonio, die 1641 durch die Spanier errichtet worden war und das Monument der Heroen der Unabhängigkeit. Und wie überall : auf dem zentralen Platz versammelte sich gegen Abend die Jugend, die Alten und die Polizei (ihr Quartier war direkt am Platz im Rathaus) zu einem Schwätzchen. Das Leben scheint hier sehr geruhsam vonstatten zu gehen; in einem Führer wird ausgeführt, daß der Ort zweimal am Tag zum Leben er/aufwacht – immer dann, wenn der Linienbus mit Touristen ankommt. Rückblickend betrachtet : die letzten 60km das Tal hinauf auf rund 2.700m in Humahuaca hätten wir uns sparen können.

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Bleibt noch nachzutragen, was es mit dem Titel “Salta – la linda” auf sich hat. Der Begriff “linda” wird hier nach unserer Wahrnehmung nahezu inflationär verwendet, alles ist linda (schön, hübsch). Auch die Stadt wirbt selber mit dem Slogan “Salta – la linda”. Resumiert man jedoch die gemachten Erfahrungen in Stadt und Umland, so liegt hier eine wirkliche Übertreibung vor, denn die Stadt hat sowohl schöne Seiten uns gezeigt, als auch offenbart, wie umfangreich die Probleme sind. Über große Teile der Kernstadt verstreut besteht immenser Bedarf, die häßlichen Seiten auszubessern, zu beseitigen. Salta war interessant, aber in überschwenglichen Jubel über das Vorgefundene können wir nicht ausbrechen.

San Pedro nach Salta/Argentinien – ein anderer Blick auf die Anden

Chile und Argentinien sind Länder mit erheblicher Ausdehnung, dies muß man bei der Planung von Tagesreisen berücksichtigen. Als wir uns am 19.10. um 9:00 Uhr aufmachten, um über den Paso de Jama (Höhe 4.406m) nach Argentinien weiter zu reisen, gingen wir von einer langen aber auch langweiligen Fahrt aus. Wir irrten uns, mußten aber am Tagesende feststellen, wie gut es war, am Vorabend noch schnell über das Internet unser Quartier in Salta gebucht zu haben.

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Liegt San Pedro de Atacama  schon auf gut 2.400 m, ging es in den kommenden drei Stunden den Altiplano hinauf zur Grenzstation direkt hinter dem Paso de Jama stetig bergauf, manchmal in steilen Serpentinen, manchmal stetig ansteigend in einer weiteren Hochebene, manchmal verloren wir auch wieder gewonnene Höhenmeter, nachdem die nächste Bergkuppe überwunden war. Hatten wir in den zurückliegenden drei Tagen die östlich unseres Standortes gelegene Bergkette zur Genüge studieren können, gewannen wir auf unserer Fahrt völlig neue Ein- und Ausblicke auf die Giganten, teilweise Vulkane, teilweise nur “einfache” Berggipfel. War der den Ort San Pedro überragende und für die Atacamawüste oft als prägend dargestellte Vulkangipfel Lincancabur, Berg des Volkes in Aymara genannt (5.920m), von Westen aus nahezu ohne Schneeauflage, wiesen seine nach Süden gerichteten Flanken zahlreiche Schneeflächen auf, wirkte der massive Berg wieder anders als von der Talseite aus betrachtet.

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Im Verlaufe der vielstündigen Fahrt hatten wir nicht nur ungeahnte Ausblicke auf die sich ständig ändernde Berglandschaft, sondern ebenso immer wieder “Begegnungen” mit der Tierwelt dieser kargen Region. In der Region zwischen etwa 2.800 – 3.500m nahm die spärliche Vegetation wieder zu, begünstigt durch die zunehmende Feuchtigkeit der Höhenlage, gespeist aus dem Schmelzwasser der Bergwelt. Zwar gab es nie einen grünen Teppich, jedoch standen die harten Grasbüschel und sonstige Flechten immer dichter, wodurch offensichtlich genügend Nahrungsgrundlage für Vicunas, Lamas, Ziegen und später, auf argentinischer Seite auch Schafe bestand. Sahen wir, teilweise nah an der Paßstraße anfangs vereinzelt kleine Gruppen von Vicunas, nahm mit zunehmenden Abstand zu San Pedro und steigender Höhe die Gruppengröße der wild lebenden Vicunas zu. So mußten wir öfter einen Fotostop einlegen. Lamaherden kreuzten die Straße; ihre Markierungen an den Ohren wiesen auf ihre Besitzer hin. Putzig, wenn sie aufmerksam, die Ohren steil aufgestellt beobachteten, wie sich die unbekannten Wesen an der Strasse verhalten. Konnten wir vor zwei Tagen bei unserem Besuch Laguna Chaxa , einem Bereich, in dem sich zahlreiche Flamingos aufhalten sollten, nur wenige Exemplare teilweise in großer Entfernung ausmachen, hatten wir auf den ersten 200km von San Pedro in die Berge hinein mehr Glück.

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Mehrfach passierten wir kleinere und größere Salzseen im Nationalpark Los Flamencos, in denen zahlreiche Flamingos nach Nahrung fischten, in Höhen von 3000m und mehr! Manchmal gesellten sich auch Vicunas dazu, die diese Wasserflächen als Tränke  nutzen.

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Auch das dritte Wüstentier bekamen wir zu Gesicht, leider in einem anderen Zustand, als dieses es sich gewünscht hätte – plötzlich lag vor uns auf der Straße ein überfahrener Wüstenfuchs. War wohl nicht listig genug oder sehr schlecht bei Fuß der kleine Kerl. In den drei Stunden Fahrt bis zur Grenzstation hatten wir das Glück,mehr der hier heimischen Tiere zu sehen als in der vorangegangen Woche, ein schöner – vorläufiger – Abschluß unserer ersten zwei Reisewochen.

Hochachtung nötigte uns die Anpassungsfähigkeit von Fauna und Flora in dieser unwirtlichen Umgebung ab. Große Flächen sind versalzen, dennoch gedeihen hier kleinste Sträucher, finden in der Hochebene lebende Tiere hier ihre Nahrung, kommen z.B. auch Vicunas mit dem salzigen Wasser der Hochlandseen zurecht.

Wie hoch wir während unserer Fahrt hinaufkamen belegen auch die zunehmenden, wenn auch insgesamt spärlichen Schneefelder und die Schneereste am Straßenrand. Kein Wunder, wenn die Paßstraße  im hiesigen Winter für sämtlichen Verkehr gesperrt ist.

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Nach geschätzten 20-25 Fotostops erreichten wir nach fast dreistündiger Fahrtzeit den Paß, konnten einen letzten Blick auf den hier sich ausbreitenden Salzsee werfen, und kurz danach die gemeinsame Grenzstation von Chile und Argentinien. Aufwendige Grenzprozeduren waren zu erledigen, insbesondere wegen unseres Mietwagens, aber nach etwa 20 Minuten und einen Blick der Grenzpolizisten auf die Ladefläche unseres Pickups ging es dann hinein und hinunter nach Argentinien.

Geplant war, an der hinter der Grenze befindlichen Tankstelle uns mit aktuellen Straßenkarten Argentiniens auszustatten, um einen weitgehenden “Blind”flug zu vermeiden. Tanken hätten wir können – aber mussten wir nicht –, aber eine Straßenkarte – Fehlanzeige; vielleicht im nächsten Dorf, das aber auch unendliche Kilometer landeinwärts lag. Wir wußten, daß die von uns befahrene Straße zuerst nach Jujuy führen würde, von wo aus es dann weitere 120 km nach Salta, unserem nächsten Stop wären, es jedoch eine Abkürzung von über 100km gibt, wenn wir eine nach Süden führende Piste nutzen, die uns auf eine südlicher verlaufende direkt nach Salta führende Bundesstraße bringen würde. Soweit die Theorie, aber in der Praxis benötigen wir, um bei den schlecht ausgeschilderten Straßen die richtige Abzweigung nehmen zu können verläßliches Kartenmaterial. Und so fuhren wir auf unserer schönen Teerstraße gen Osten und hielten die Augen nach einem Hinweisschild in Richtung Salta offen, konnten aber keines erkennen. Nach 64km durch das Altiplano auf argentinischer Seite, das anfangs dem bekannten Bild auf chilenischer Seite entsprach, dann aber zunehmend grüner wurde, trafen wir auf eine Ortschaft, Susques, wo wir endlich nachfragen konnten. Natürlich wurden wir weiter auf die alte Strecke nach Jujuy geschickt. Wie wir später feststellen konnten, auch zu Recht, denn die Alternative, die wir verpassten, hätte gute 140 Schüttelkilometer auf schlechter Piste bedeutet. So hatten wir zwar, in Salta angekommen, statt knapp 500km über 600km Fahrt hinter uns gebracht, diese waren jedoch deutlich entspannter zu bewältigen als auf der alternativen kürzeren Strecke.

Susques, eine kleine Gemeinde, ist geprägt durch seine wie an einer Perlenschnur die wenigen Straßen entlang aufgereihten Adobehäuser, geduckt, kleine Fenster, braune Ziegel, strohgedeckte Dächer, Straßen, die aus festgefahrenem Boden bestehen, einzelnen nahezu vertrockneten knorrigen Bäumen, die versuchen, der Vegetationszeit folgend auszuschlagen und zu grünen und kaum einer Menschenseele auf den Straßen. Wann immer wir durch derartige Dörfer kamen, die weit abgelegen ihr Dasein fristeten fragten wir uns, wovon die Bewohner eigentlich lebten. In den ariden Bereichen, die wir in der vergangenen Woche durchfahren hatten, war im allgemeinen nur sehr eingeschränkt eine rudimentäre auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft möglich, konnten kleine Viehbestände gehalten werden; besser die Situation in den Oasen, aber Susques liegt in keiner Oase. Eine Antwort kennen wir nicht, die immer wieder in den Ortschaften zu sehenden verfallenden und unbewohnten Häuser sprechen ihre eigene Sprache – auch die Bevölkerung des Altiplano beiderseits der Grenze nimmt Reißaus.

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Wie wir so ab der 5./6. Fahrstunde bemerkten, hatte die “Umweg”strecke nicht nur den Vorteil einer asphaltierten Straße, sondern bestach auch durch seine “einzigartige” Landschaft. Nahezu stundenlang ging es oft stupide geradeaus, ab und an ein kleiner Schlenker, aber wir blieben fast 160 km auf der gleichen Höhe bei zunehmender Vegetation und erkennbar umfangreicherer Viehhaltung. Und dann bemerkten wir auch am Straßenrand einzelne Bauernhäuser, auf deren Dächern sich ein Solarpanel befand – zumindest die Stromversorgung war gesichert, der Raubbau an der Natur bei der Suche nach Feuerholz konnte damit vielleicht reduziert werden, auch meilenweit von der nächsten Stadt entfernt, konnten so einige Familien am technischen Fortschritt teilhaben. Auf der anderen Seite steht aber die Wasserversorgung aus einem Ziehbrunnen.

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Und dann kam insbesondere Katrin noch zur Bekanntschaft mit einem richtigen Salzsee, den Salinas Grandes auf argentinischer Seite. Eigentlich hatte ja der Besuch des Salar de Uyuni auf bolivianischer Seite auf unserem Plan gestanden. Mit eigenem Fahrzeug oder per Bus möglich, nicht aber mit einem Mietwagen – striktes Verbot, die bolivianische Grenze zu  überqueren, da die Fahrzeuge dort offenbar schneller mit neuen Papieren umdeklariert werden können als dem Vermieter recht sein kann. In San Pedro klärte Katrin dann die Alternative einer von dort organisierten Rundfahrt über 4 Tage mit einem ernüchternden negativen Ergebnis. Um so erfreulicher, als plötzlich vor uns eine riesige weißglänzende Fläche auftauchte und beim Heranfahren auch erkennbar wurde, daß hier, wie in Bolivien, Salz abgebaut wurde. Wir waren an den Salinas Grande angekommen, durch den auf einem Damm die Straße führte. In der Ausdehnung zwar nicht mit dem Salar de Uyuni zu vergleichen, dennoch sehr beeindruckend, auch interessant wahrzunehmen, wie hier die Salzgewinnung manuell erfolgt.

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Und dann kam ein weiterer Höhepunkt unserer heutigen Fahrt. Nachdem wir uns an einem Talende durch wie wir glaubten unzählige U-turns in die Höhe schrauben mussten, ging es kurz nach der Überquerung der Passhöhe der Cuesta de Lipan (rund 4.100m hoch)) fast 1200m in wirklich unendlichen Serpentinen hinunter ins Tal. Wann immer wir, wenn es denn möglich war, einen der sehr langsam vor uns fahrenden schwer beladenen LKWs überholten, nahmen wir den Geruch von verbranntem Bremsgummi wahr, zumindest kam uns immer dann eine überriechende Duftwolke in die Nase. Diese Strecke forderte von Mensch und Maschine wirklich viel ab – und erst die bergauffahrendem LKWs! Im ersten Gang quälten sich die wenigen Exemplare, denen wir begegneten, zur Paßhöhe hinauf. Immer wieder taten sich eindrucksvolle Einblicke in das Tal auf, eine tiefeingeschnittene Schlucht mit bizarr geformten Felsformationen. Und dann öffnete sich der Einschnitt zu einem kleinen aber grünen Tal – wir waren in Purmamarca angekommen, ein kleines Städtchen, in das sich, wie die zahlreichen Hotels ausweisen, nicht nur Durchreisende verirren. Und dann am Ausgang des Ortes nahmen wir in der Ferne mehrere Bergrücken mit unterschiedlichen Farben wahr; nicht nur das allseits bekannte Braun war sichtbar, sondern Rottöne prägten die Felsen ebenso wie Grau- und Grüntöne. Manche Reiseführer weisen auf insgesamt sieben Farben hin, die diese Felsen aufweisen sollen.

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Der Rest des Tages verging dann wirklich wie im Flug, denn die Zeit drängte und wir wollten möglichst vor Dunkelheit unser Quartier in Salta erreicht haben. So nahmen wir mehr aus den Augenwinkeln die große Breite der bis auf ein kleines Rinnsal  nur aus Geröllmassen bestehenden Flußbette des Rio Grande und der zuströmenden Nebenflüsse wahr.

Und immer noch hatten wir weder Karte noch Stadtplan von Salta, einer Stadt mit 500.000 Einwohnern, d.h. mal eben reinfahren und nach dem Quartier suchen war keine erfolgversprechende Strategie. Gut 10km vor dem Stadtzentrum dann ein mautpflichtiger Straßenabschnitt und ein Hinweis auf eine Touristeninformation an dieser Stelle. Obgleich im allgemeinen auch samstags die Geschäfte in Argentinien bis 20/21:00 Uhr offen sind, die Infostelle hier vor Ort war verwaist. Zu unserem Glück hing im Fenster ein übersichtsartiger Stadtplan von Salta. Wir entschieden uns ins Zentrum zum zentralen Platz, hier Plaza 9. Julio, zu fahren und von dort aus das Quartier anzusteuern; also mußten wir nur noch die Teile des Stadtplanes “abmalen”, die uns an unser Ziel führen. Und wir kamen, wenn auch über Umwege, weil Einbahnstraßen zu beachten waren, an unser Ziel, das Hostel Salta por siempre.

Hatten wir schon beim Durchqueren des Stadtzentrums die Menschenmassen, die sich durch die Straßen schoben wahrgenommen, wurden wir, auf der Suche nach einem Restaurant am Abend dann förmlich durch die Straßen geschoben. Es hatte den Anschein, als ob alle Bewohner der Stadt sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht hatten, um entweder nur zu Schaufenstern oder gleich die Läden leerzukaufen.

3 Tage in San Pedro de Atacama

Geht man durch San Pedro fällt sofort auf, daß jedes Haus im innerdörflichen Bereich mit dem Tourismus verbunden ist, sei es als Herberge, Hotel, Hostal, Adventureanbieter –  hiervon gibt es unzählige –, Restaurant, kleiner Lebensmittelladen, Kunstgewerbe, Sportbekleidung, Kunst, Andenkenläden, Empanadabüdchen, gehobene und normale Bekleidung etc. Alles aber auch alles ist auf die Einnahmequelle Tourismus zugeschnitten. Es sieht so aus, als ob es eigentliche “Ur”einwohner von San Pedro, die Atacamenas, im Dorfkern nicht mehr gibt, sie hier auch nicht mehr wohnen. Stattdessen bevölkern, wir auch, größere Touristengruppen die innerdörflichen Straßen. Uns erschien die Menge der Gäste schon groß, wie wird hier erst geschoben, wenn die Saison begonnen hat, denn jetzt sind wir in der Vorsaison.

Grund genug, möglichst wenig Zeit im Ort zu verbringen und sich auf den Weg zu den uns interessierenden Orten im und am Salar de Atacama zu machen. Dennoch, der Vormittag wurde der Ortsbegehung gewidmet, schließlich steht hier eine alte “Kathedrale” aus dem Jahr 1744, aus Adobesteinen – wie fast alles hier – gebaut, ganz in weiß gehalten und mit einer Deckenkonstruktion aus Kaktusholz versehen, die immer noch an vielen Stellen entweder mit Lederriemen oder Holzdübeln zusammengehalten wird. Und noch etwas von kultureller Bedeutung zeichnet San Pedro aus, das Museo Arqueológico Padre Gustavo Le Paige, in einem sehenswerten ortsangepassten kleinen modernen Museum präsentiert. Der Pater kam in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach San Pedro und entdeckte Gräber und Wohnhäuser früherer Bewohner der Atacamawüste. Seine sehr umfangreichen Funde sind der wesentliche Grundstock des Museums, in dem das Leben und die Lebensbedingungen der Atacama-Bewohner über eine Zeitspanne von mehreren tausend Jahren nachgezeichnet wird. Interessant war die Ausstellung und in Teilen sehr informativ; leider krankte die Wissensvermittlung manchmal an den nicht vorhandenen englischsprachigen Erläuterungen – für die spanischen Ausführungen waren wir nicht sprachkundig genug.

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Da der Mietwagen nicht nach Bolivien mitgenommen werden darf, wollten/mussten wir andere Optionen einer Fahrt zum Salar de Uyuni in Bolivien, der größte und in meinen Augen auch schönste Salzsee der Erde, prüfen. Uns war bekannt, daß von San Pedro aus, nicht weit von der Bolivianischen Grenze gelegen, auch 3-4 Tagestouren um den See angeboten werden. Katrin machte sich deshalb auf den Weg zu den diversen Agenturen und kam enttäuscht aber mit einem Entschluß zurück.  Positiv : derartige Touren werden angeboten; Negativ :die Übernachtungsmöglichkeiten sind jedoch mehr als dürftig und Katrins Anforderungen an eine Mindesthygiene werden nicht erfüllt. Schienen dies noch Rahmenbedingungen zu sein, über die man diskutieren kann, war die Antwort auf den Guide dann das Aus für diesen Reisepunkt. Obgleich es hier in San Pedro nur von internationalem Publikum so wimmelt, die Touren werden nur mit einem spanischsprechenden Guide durchgeführt. Es scheint wenig zu interessieren, den Gästen auch etwas über die Region zu vermitteln. Auf Katrins Nachfrage, ob eine Tour auch mit einem englischsprachigen Guide durchgeführt würde – wohlgemerkt, die Mindestteilnehmerzahl ist 6 Gäste –, meinte man, dies lasse sich eventuell einrichten. Für diesen “Service” hätten wir jedoch pro Tag (!) 100 US-Dollar zusätzlich entrichten müssen! Das hätte den Preis für uns nahezu verdoppelt und nur Sinn gegeben, wenn wir vier weitere Mitfahrer mit gleichem Interesse gefunden hätten, um die Kosten zu teilen. Damit war das Thema Abstecher zum Salar de Uyuni abgeschlossen und wir bemühten uns, die vor uns liegenden Salzseen in Chile und Argentinien als “Ersatz” zu verstehen.

Der Nachmittag wurde dann ganz der Kultur gewidmet; in der Nähe von San Pedro sind die Überreste sprich Ruinen der Festung Quitor zu besichtigen. Quitor, ein Wehrdorf, wurde im 12. Jahrhundert errichtet und widerstand mehrere Jahrhunderte allen Eroberungsversuchen. Auch die Inkas konnten sich den Ort nicht mit kriegerischen Mitteln einverleiben, sondern mit Diplomatie. Erstmals den Spaniern gelang es im 16. Jahrhundert, die Festung einzunehmen. Viel zu sehen ist nicht mehr, auch wenn die Restauratoren einiges wieder hergestellt haben. Erkennbar ist die sich einen Hügel terrassenförmig hinaufziehende Ortsanlage und die sie umfassende Wehrmauer. Ohne weitere Erläuterung standen wir, obgleich es sich hier um einen Museumskomplex handelt und Eintritt erhoben wurde, eher staunend als wissend vor den Mauerresten.

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Interessanter war es dann schon, auf den nahegelegenen Aussichtspunkt etwa 45 Minuten hoch zu laufen, um von dort einen Überblick über die Oase San Pedro zu erhalten.

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Und dann war es schein Zeit, sich in das Valle de la Luna aufzumachen, auch nicht gerade um die Ecke gelegen und die Zufahrt musste erst noch gefunden werden, wollten wir nicht nur zum Sonnenuntergang dort sein, sondern bis dahin auch das Tal erkunden. Es liegt mehr als 10 Kilometer von San Pedro entfernt und man benötigt weitere gut 25 Kilometer Fahrt, um bis an sein Ende zu gelangen. Das Valle de la Luna war zu Urzeiten ein See, der dann nach oben gedrückt und zum Teil aufgefaltet wurde. Zusammengepresster Sand, Lehm und teilweise Salz waren dann das durch Wind und Wetter zu formende Material, als dessen Ergebnis nicht nur bizarre Formen entstanden sind, sondern tiefe Vadis, interessante Höhlen, ein tolles Farbenspiel der verschiedenen Sand-/Gesteinsarten erkennbar ist, Verwitterung überall seine besonderen Spuren hinterlassen hat. Nicht nur menschenähnliche Figuren wie die Tres Marias sind das Ergebnis, sondern auch eine hohe Düne, von der aus man nicht nur einen tollen Einblick in das als Amphitheater genannte und von Hügeln umkränzte Oval hat, sondern zugleich den besten Aussichtspunkt für einen Sonnenuntergang bietet. Wir waren zeitig dort und blieben, während angereiste Reisegruppen nach wenigen Minuten den Weg zurück in den geschützten Bus suchten, denn gegen Abend wurde es nicht nur wegen des Windes empfindlich kühl. Das sich dann präsentierte Farbenspiel bei abnehmendem Sonnenlicht auf den umliegenden Hügeln war es wert, hier oben zu frieren und dann im Halbdunkel sich aus dem Tal herauszutasten.

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Für den heutigen Tag, den 17.10., war eine längere Rundreise geplant, die uns zu der Reserva National de los Flamencos im Salar de Atacama führen sollte, anschließend dann weiter und wieder einmal in Richtung argentinischer Grenze zu den unterhalb des Vulkans Miniques liegenden Lagunen. Der Salar ist nicht gerade klein, und so standen etliche Kilometer Anfahrt auf dem Programm, die uns zuerst an den sich im Süden an das Hauptdorf San Pedro anschließenden kleineren Oasen, die anscheinend inzwischen Schlaf- und Wohnort der einheimischen Bevölkerung geworden sind, vorbeiführte, bevor uns dann die Weite des Salars umgab.  Rechts von uns der Salzsee bzw. die sand- und schotterbedeckte sichtbare Oberfläche, durch die nur hin und wieder deutlich die Salzkristalle durchschimmerten, rechts begleitete uns eine Bergkette, aus der natürlich der Vulkan Lincancábur herausragte, dominiert dieser Berg doch die Bergkette allein schon durch seine Größe (5.916m).

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Der kleine Ort Toconao war nach knapp 40 Kilometern erreicht; er liegt eher am Rande des Salzsees und ist von großflächigen Waldungen insbesondere der einheimischen Tamarugo Bäumen umgeben. Sehenswert hier insbesondere die alte zu Kolonialzeiten erbaute kleine Kirche mit ihrem abseits auf der Plaza  stehenden dreistufigen Glockenturm, deren Tür als Kakteenholz gefertigt ist. An die Kirche angeschlossen ist ein kleines Frauenkloster; die Nonnen trafen gerade die Vorbereitungen für das am kommenden Tag stattfindende Kirchenfest. Das war es aber schon an feststellbaren Aktivitäten in diesem kleinen Dorf, in dem die wenigen sichtbaren Menschen sehr gemächlich sich bewegten oder plaudernd zusammen standen. Auf eine Besonderheit in der Hausbauweise muß hingewiesen werden. Im Gegensatz z.B. zu San Pedro, wo die Häuser aus Adobesteinen gebaut werden, greift man hier auf in der Nähe abbaubares Vulkangestein zurück, das weiche und zugleich auch weiße Liparitagestein . Auch die Kirche ist aus diese Material gebaut und erstrahlt dementsprechend weiß.

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Bald hinter Tocanao mußten wir dann die schöne Asphaltstrasse, die zum Paso de Jama und somit nach Argentinien führt, verlassen und tauschten das ruhige Fahren gegen ein Dauergerüttel auf einer Erdpiste durch den Salar ein, um zum Lago Chaxa zu kommen, wichtiger Teil der Reserva National de los Flamencos. Der Salar de Atacama ist praktisch der See, in dem der Rio San Pedro aber auch andere aus den Andenbergen unterirdisch abfließender Flüsse münden. Da kein Abfluß besteht, denn es ist eine Senke, verdunstet das Wasser schnell an der Oberfläche und zurück bleiben die im Wasser enthaltenen Salze. An einigen Stellen des Salar bilden sich dennoch einige sehr salzhaltige Wasserflächen, ein ideales Revier für Flamingos. Der Lago Chaxa ist die größte dieser Wasserflächen auf dem Salar; hier haben sich dauerhaft eine ganze Anzahl von Flamingos angesiedelt. Rund um die Lagune dann das übliche Salarbild, eine braune Kruste, nicht glatt, sondern oft aufgebrochen, mit Gesteinsablagerungen, auch aus den letzten Vulkanausbrüchen, übersäht, mit einigen weißen Salzsprenkeln,  eine große weiße Salzfläche ist kaum zu erkennen. Der Besuch bei der Flamingostation beginnt mit einem kleinen erläuternden Rundgang, auf dem dem Besucher die Entstehung des Salar aber auch das Verhalten der hier lebenden Flamingos vermittelt wird. Für uns neu, die Flamingos leben in monogamer Beziehung, bis das der Tod sie scheidet. Nun war dies die erste Möglichkeit, Flamingos in freier Wildbahn zu sehen; aber die Vögel halten sich verständlicherweise nicht dort auf, wo der Besucher sie leicht zu Gesicht bekommen kann. So blieb uns die Fernsicht auf die im Grunde sehr kleine Gruppe an Flamingos, die zudem auch immer wieder ihren Standort auf dem See wechselten. Auch wenn die großen Flamingopopulation hier nicht zu sehen war, beeindruckt haben uns die wenigen Tiere in ihrem majestätischen Gang und eleganten Flug schon.

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Unser nächstes Ziel waren zwei schöne Bergseen/Lagunen in der Nähe des Paso de Jama, die wir nach fast 100 Kilometer Fahrt erreichten. Gute 75 Kilometer lang war es, nachdem wir vom Salar wieder auf die RN 23, die zum Pass führt, zurückgekehrt waren, ein angenehmes Fahren, genügend Gelegenheit, nach rechts und links zu schauen und das Bergpanorama zu genießen. Stetig ging es bergauf, schließlich waren wir auf deutlich über 4.000m angelangt und fuhren über eine Hochebene. Fast hätten wir es übersehen, dieses kleine unscheinbare Schild, das auf eine kleine enge Schotterpiste den Berg hoch hinwies. Da war es dann mit dem gemütlichen Fahren vorbei, denn die nächsten mehr als 20 Kilometer ging es im wahrsten Sinne über Stock und Stein auf einer Piste, die nur Platz für ein Fahrzeug bot. Dem einzigen entgegenkommenden Wagen konnten wir zum Glück in einer Ausweichstelle Platz machen. Trotz des angestrengten Blickes auf die vor uns liegende Wegstrecke bemerkten wir mehrfach oberhalb von uns Wildtiere. Einzelne Guanakos grasten dort, machten sich aber schnell davon, als sie bemerkten, wie wir anhielten und machten somit unser Bemühen um eine Dokumentation dieser Begegnung zu Nichte.

Der Bereich um die beiden Lagunen Laguna Miscanti und Laguna Meniques, nach meiner Erinnerung teil des Nationalparkes, wird von der indigenen Dorfbevölkerung von Socaire, gut 30 Kilometer entfernt, betreut. Und so wartete am Eingang zu dem Park in einer kleinen Steinhütte eine dick eingepackte und sich vor der Kälte schützende Indigena, um uns die Eintrittskarten zu verkaufen. Auf einer vorgeschriebenen Route war es möglich, in die Nähe der tiefer in einer Senke  liegenden beiden Lagunen zu fahren, auf vorgezeichneten Fußwegen konnte man sich dem Wasser nähern, ohne es zu erreichen. Gutes Sehen war also angesagt. Was sahen wir : zum einen kristallklares grünliches Wasser, im Hintergrund jeweils imposante Gipfel, den Cerro Miscanti und den Cerro Meniques, beide fast 6.000m hoch, und eine einsame Möwe, die die Nähe der Wandernden suchte, um Futter abzustauben. Ein strammer Wind ging hier oben, und warm war es auch nicht, eigentlich sollte man sagen, es war saukalt, was nicht unbedingt zu längeren Fußwegen anregte. Es war wohl eher das geeignete Möwen- als Menschenwetter, weshalb wir diese malerische und nahezu ohne Störung durch andere Besucher wahrzunehmende Gegend nach einer guten Stunde wieder verließen und uns über die Holperstrecke zurück zur RN 23 und nach San Pedro auf den Weg machten.

(Fremdbilder von beiden Lagunen, mein Foto hatte eine Störung!)

Der Besuch der El Tatio Geysire in einem etwa 100 Kilometer von San Pedro entfernten Hochtal gehört zu den Ausflugszielen, wenn man in San Pedro ist. Da, so wird berichtet, die Chance auf hohe Fontänen am frühen Morgen, wenn das gefrorene Wasser auftaut und die Fontänen einen größeren Druck aufbauen müssen, am größten ist, hieß dies, am heutige 18.10. im Dunkeln aufstehen und fast 2 Stunden in Richtung El Tatio in die Hochebene fahren. Da wir zu Recht vermuteten, die Beschilderung ist nicht nur mangelhaft, sondern im Dunkeln auch kaum zu erkennen, legten wir uns gegen 04:30 Uhr an der in Richtung El Tatio führenden “Straße” auf die Lauer und warteten auf die Busse der Reiseagenturen. Wir wurden nicht enttäuscht und konnten uns dann an ein Fahrzeug über lange Zeit dranhängen. Sichtlich vor Morgendämmerung und 30 Minuten vor der geplanten Zeit erreichten wir fast als erste den Park. Nun hieß es in schneidender Kälte warten. Trotz Dunkelheit konnten wir weit vor uns weiße Rauchwolken erkennen, die Geysire dampften so vor sich hin. Ein gespenstisches aber auch sehr interessantes Bild. Mit zunehmendem Morgenlicht war es möglich, das gesamte Areal wahrzunehmen. Aus gut 100 Löchern zischte und dampfte es, kleine Fontänen schossen ab und zu in die Luft, es brodelte um uns herum, als wir bei Tageslicht über das zugängliche Gelände liefen. Obgleich es von unten warm heraufströmte und Gelegenheit bestand, sich auf der einen Seite zu wärmen, überkam einem auf der Rückseite ein Frösteln, es war wieder einmal saukalt hier oben in den Bergen. Die Frostgrenze war unterschritten. Und eine wärmende Sonne war (noch) nicht in Sicht. Es war ein sehr beeindruckendes Bild zu erleben, wie hier die Erde atmete, unter uns quasi lebte und wir praktisch in den Erdschlund blicken konnten. Natürlich hatten wir das erhoffte besondere Erlebnis einer meterhohen Fontäne nicht, aber der gesamte Eindruck der El Tatio Geysire war ein starker. Fast waren wir geneigt zu sagen, nachdem wir dies gesehen haben ist eine Fahrt zu den Geysiren auf Island entbehrlich. Übrigens, die Erdwärme sollte genutzt werden, weshalb man vor Ort in dem Gebiet der Geysire Bohrungen ausführte mit dem Ergebnis, die Geysire versiegten. Großer Protest wegen des Verlustes dieser Naturschönheit und die Bohrungen wurden eingestellt. Auf dem Areal kann man noch einige versiegelte Bohrlöcher “bestaunen”.

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Einfach gegen 09:00 Uhr wieder zurück nach San Pedro zu fahren war nicht unser Ding. Die Straßenkarte und Hinweise in den diversen Reiseführern legten nahe, eine kleine Rundfahrt durch das Gebirge hier im Norden von San Pedro zu unternehmen. Es war eine denkwürdige Rundfahrt, die zu nicht geplanten Einsichten und Erlebnissen führte.

Offensichtlich ist die Morgendämmerung des Guanakobetrachtenden Freund, denn auf dieser Fahrt durch das Altiplano in Richtung Calama sahen wir sehr häufig diese scheue Lamaart. Immer wieder bemerkten wir in akzeptabler Entfernung auch größere Tiergruppen, die wohl beim Frühstücken durch die Täler liefen.

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Die Fahrt über das Altiplano hatte seine Reize und seine Herausforderungen. Straßenschilder, natürlich, Fehlanzeige, so konnten wir uns nur auf unsere nicht gerade einen kleinem Maßstab darstellende Straßenkarte und die vermutete Himmelsrichtung verlassen. Irgendwie kamen wir, wenn auch nicht immer sofort an unser erstes Ziel, die Gemeinde Caspana, ein kleines unspektakuläres Nest direkt am Rio Caspana gelegen, von indigenen Atacamenas, den Aymara, bewohnt. Kurz vor dem Ort bemerkten wir einen Friedhof, dem wir einen Besuch abstatteten. Friedhöfe unterscheiden sich erheblich von den uns in Deutschland bekannten. Hier werden kleine Häuser für die Toten gebaut, oft stehen auch Getränke bereit und ganz besonders auffällig ist der üppige (Kunst-)Blumenschmuck.

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Hinein kamen wir nach Caspana, die Karte wies auch einen Weg durch den Ort in Richtung Bundesstrasse im Norden, den wir aber nicht fanden. Also hieß es über eine sehr schmale Brücke über den Rio Caspana zurück und die in der Karte eingezeichnete Alternativroute suchen. Ich erinnerte mich, am vor dem Ort gelegenen Friedhof eine Wegabzweigung in Form einer sehr einfachen Piste gesehen zu haben. Das mußte dann wohl die in der Straßenkarte eingezeichnete Verbindung zur Bundesstraße sein, die nach etwa 10 Kilometern erreicht sein sollte.  Recht hatte sie, die Straßenkarte, aber ein so richtig befahrbarer Weg oder Sträßchen war es nicht!

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Karten können sich nicht irren, die Richtung stimmte und der Weg schien zu Beginn auch gut befahrbar, schließlich sitzen wir in einem ganz gut motorisierten Wagen mit großer Bodenfreiheit. Die gute Stimmung verflog in dem Maße, wie die Wegverhältnisse sichtbar schlechter wurden. War es zu Anfang noch eine weitgehend normale Schotterpiste mutierte dieser Weg zunehmend zu einem nur mit Ochsenkarren und viel Geduld der Zugtiere nutzbaren Strecke. Wir ruckelten langsam unserem – vermeintlichen – Ziel entgegen, doch die Stimmung verschlechterte sich weiter als erkennbar war, nun geht es ziemlich steil in eine Schlucht hinunter. Links der Felsen, dann eine Art Weg und rechts ging es dann mehr oder weniger steil und direkt hin zum Fluß. Umkehren war nicht möglich, wie sollte man auf einem maximal drei Meter breiten Weg unser Ungetüm von Auto wenden und rückwärts hinauf ging schon gar nicht. Ich muß zugeben, ich erinnere mich nicht, jemals so langsam und behutsam eine Strecke gefahren zu sein und angespannt war ich auch ziemlich. Katrin auf dem Beifahrersitz wurde ganz ruhig und starrte starr und sehr angespannt nach vorne. Meter um Meter ging es abwärts; mußte hart gebremst werden hatte ich das Gefühl, auf der Schotterschicht zu schwimmen. Ich weiß nicht, wie lange die Bergabfahrt dauerte, es fühlte sich nach Stunden an. Endlich im Tal angekommen stand uns die zweite Überraschung bevor. Zwar führte ein Weg auf der anderen Flußseite wieder die Wand hinauf zum Licht, aber zuvor war der Fluß zu durchfahren. Nach eingehender Prüfung der Wassertiefe wurde der Versuch gewagt und mit dem maximal möglichen Anlauf dann durch das Wasser geprescht. Wir waren also drüben aber noch nicht oben. Die bislang gefahrene Strecke zurückzufahren traute ich unserem nur auf einer Achse angetriebenen Wagen bei der starken Steigung nicht zu, also konnte es nur heißen mit Hoffnung sich auf den Weg nach oben zu machen. Katrin ging voraus, um den Anfang der Strecke zu prüfen – es war machbar. Also Mut gefasst und den Wagen im zweiten Gang behutsam am Gas haltend langsam nach oben ziehen – Anspannung pur, denn Stehenbleiben und dann erneutes Anfahren, ob das gelingt? Wir schafften auch diese Hürde und sahen unter uns ein wirklich schönes sehr enges Tal. Natürlich hätten wir den Blick zurück lieber nach einer anderen als dieser stressigen Erfahrung gemacht. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten, es wartete noch eine zweite Schlucht mit ähnlichen Bedingungen auf uns. Man könnte fast sagen, wir hatten ja jetzt Erfahrung und könnten die neue Herausforderung gelassen angehen – traf aber nicht auf uns zu. Auch diesmal ging “der Arsch/mein Arsch auf Grundeis”. Aber, man darf den Beifahrer ja nicht ängstigen und so blieb ich äußerlich ganz cool, kein Problem, das schaffen wir doch! Ja, wir kamen durch, und das ohne Blessuren. Zugegeben, der Weguntergrund an der zweiten Schlucht war nicht ganz so extrem wie zu Beginn, aber auch für Ralleyfahrer wäre es eine besondere Herausforderung gewesen. Und wie zum Beweis, daß wir nicht die einzigen und schon gar nicht die ersten waren, die diesen in unseren Augen Wahnsinnsritt unternommen haben, begrüßten uns in der zweiten Schlucht eine Reihe frei laufender Lamas, die auch irgendwann von irgendwem eingefangen werden. Endlich wieder sicheren Boden unter den Reifen an der Bundesstrasse mußte ich Katrin versprechen, derartige Mutproben nicht mehr abzuliefern. Ja wenn ich gewußt hätte, wie die Strecke insgesamt ist, wären wir sicherlich so nicht gefahren. Aber wer ist schon Hellseher oder Allwissend?

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Angesichts dieser stressigen Fahrerei verzichteten wir auf einen Besuch des indigenen Dorfes Toconce, das eine besondere kleine Kirche besitzen soll und beschränkten uns auf einen Abstecher zu den Banos de Turi, einer Kulturstätte. Als wenn wir nicht schon genug Frust an diesem Tag geschoben hätten, die fehlende oder falsche Beschilderung verhinderte trotz aller Bemühungen, an diesen Ort zu gelangen. Irgendwann ist die Geduld weiter zu suchen erschöpft und wir traten den Rückweg auf die schöne Bundesstrasse in Richtung Calama an. Einzig den für die Region und seine indigene Bevölkerung typischen Ort Ayquina, nahe an unserer Strecke gelegen, wollten wir noch besuchen. Hier war auffallend, daß quasi im Oberdorf Neubauten für die Bürger geschaffen worden waren, im alten Unterdorf jedoch das Leben in den alten Gemäuern stattfand. So wie wir es verstanden haben, wurde hier für die Aymara ein Ort geschaffen bzw. der vorhandene indigene Ort so “erweitert”, daß weitere im Umland lebende Aymara hierher umsiedeln konnten/mußten. Der Ort soll in bestimmten Belangen eine ihre Kulturbelange berücksichtigende Selbstverwaltung haben. Der alte Ortsteil, die Häuser aus Bruchstein gemauert, warvoller kleiner Treppenfluchten zwischen den Häusern und den Gassen. Die Häuser waren quasi übereinander in den Hang gebaut worden und der jeweils einzige Zugang erfolgt über die Steintreppe. Ein nur noch in wenigen Fällen historisches Bild war zu sehen, denn die Modernisierer waren auch hier schon am Werk. Immer wieder konnten wir auch an zentralen Orten Brotbacköfen für die Ortsbewohner sehen.

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Die weitere Fahrt führte uns nah an Calama heran. So hatten wir die “Gelegenheit”, aus großer Entfernung die über Chuquicamata liegende Dunst- und Staubglocke zu bewundern. Und wie zum Beweis, daß die Atacama Goldgrube für die Schürfrechte Besitzenden ist, trafen wir dann auch auf einige weitere Minen. Erfreulich hingegen der Anblick einer überschaubaren Anzahl von Windrädern modernster Bauart, die sich heute, im Gegensatz zu unserer ersten Fahrt nach San Pedro wirklich im Wind drehten. Angesichts des Potentials für alternative Energieerzeugung in Chile erscheinen diese vom Energiemulti Endesa errichteten Spargel wie die Beruhigungspille für den Kritiker.

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Später als geplant erreichten wir unser Quartier in San Pedro, konnten auf einen schönen und ereignisreichen Tag zurückblicken, der uns manchmal auch ganz schön Angst eingejagt hatte. Morgen geht es dann wieder weiter in Richtung Argentinien.