An Stelle einer Fahrt auf eine der Keppel Inseln und wandern stand heute im wesentlichen wieder Autofahren auf dem Programm; es sind über 450 Kilometer zusammen gekommen. Die Entfernungen sind einfach zu groß, um mal eben auf die Schnelle eine neue interessante Gegend zu besuchen.
Nach mehr als einem langen Blick auf die vor uns liegende Bucht machten wir uns auf den Weg, der uns zuerst zu McD führte, wo wir unser Vodafoneproblem wieder einmal nicht gelöst bekamen; wir haben alle bei uns üblichen Passwörter in Zusammenhang mit der uns für den Stick bekannten Nummer durchprobiert, ein Einloggen in das Vodafonsystem ist nicht möglich. Zwar könnten wir das Passwort telefonisch ändern lassen, benötigten dafür aber ein Telefon, mit dem eine SMS empfangen werden kann. Schauen wir mal, wie wir diese Aufgabenstellung lösen.
Bei unserem gestrigen Besuch in der Touristeninformation ist Katrin eine kleine Karte des Dreamtime Cultural Centre in Rockhampton in die Hände gefallen, in dem die Möglichkeit besteht, im Rahmen einer 1 1/2stündigen Führung etwas über die indigene Bevölkerung des Landes und der Torres Strait Inseln zu erfahren. Wir hatten zwar auch in unserem Reiseführer hierüber eine kurze Notiz gelesen, diese Information aber kaum abgespeichert. Wie es heißt, gibt es hier die beste Möglichkeit in Queensland von Aborigines selber etwas über ihre Kultur zu hören und zu sehen. Es war eine interessante, informative aber insgesamt noch an der Oberfläche bleibende Führung, in der wir einiges über die Mythologie der Aborigines, Gesellschafts- und Stammesstrukturen, deren Führung, Sprache, Verhältnis zwischen Mann und Frau auch in ihrer Gesellschaftshierarchie, Bräuche erfuhren, Didgeridoo Klängen zuhören und uns im Boomerangwerfen probieren konnten. Die Torres Strait Bewohner gehören ebenfalls zu den indigenen Urvölkern Australiens, fühlen sich jedoch weniger den auf dem Festland lebenden Aborigines verbunden als den Bewohnern in Papua New Guinea. Die Zeit ist sicherlich zu knapp, um auch einiges über die heutige Situation der Aborigines zu erfahren oder über die fast zwangsweise Christianisierung. Auch die kleine Ausstellung geht auf diese Aspekte der Geschichte der Urbevölkerung nicht ein. Wir waren zu zögerlich, befürchteten auch, auf Unverständnis zu stoßen, wenn wir Fragen zum Verhältnis zwischen der Urbevölkerung und den “Weißen” stellen würden. Dennoch, wir haben einen kleinen Einblick in diese Kultur bekommen. Ob die Zahl der Besucher von Ausstellung und Führung immer so überschaubar wie heute, insgesamt wurden 5 Gäste die eineinhalb Stunden betreut, ist? Es wäre schade.
Um 12:15 Uhr waren wir dann auf der Piste und fraßen Kilometer. Gab es etwas besonders Erwähnenswertes – im Grunde nicht, denn die Landschaft war und blieb ziemlich eintönig, Wald, Busch, Felder, später ewig lang nur Zuckerrohr entlang der Strecke und hier und da eine verarbeitende aber noch nicht in Betrieb befindliche Fabrik. Doch, drei Dinge sind zu nennen. Zum einen beobachtete Katrin zwei sehr groß gewachsene Vögel (Reiher?), die sich in einer Art Balztanz umeinander bewegten, umeinander bemühten.
Zum zweiten : Südlich von Mackay und in das Bergland in Richtung Eungella NP erstreckt sich die Monokultur dieser Region, der Zuckerrohranbau. Hier in Queensland kann man froh sein, daß es auch noch andere prosperierende Wirtschaftszweige wie z.B. den enorm wichtigen Bergbau (Kohle) gibt, denn sonst würde der Bundesstaat wie Kuba am Stock gehen mit seiner einseitig ausgerichteten Wirtschaft. So aber fahren wir durch grüne Gassen, die wohl in Kürze zur Erntezeit verschwinden. Manchmal hatten wir das Gefühl durch einen Rangierbahnhof zu fahren, so viele Gleise überfuhren wir auf unserer Strecke. Ständig querten Schmalspurgleise die Straße, um in den Zuckerrohrfeldern zu verschwinden, Gleise, auf denen bei der Ente dann das Rohr heraustransportiert und zu den zahlreich entlang der Strecke stehenden Fabriken zur Verarbeitung gebracht wird. Noch stehen die Waggons leer auf den Abstellgleisen und qualmen die hohen Schornsteine nicht.
Und das dritte Ereignis : am Rande der M1 lag eine nach Katrins Aussage große und sehr lange schwarze Schlange, die sich mit einem Wagen angelegt haben muß und den kürzeren gezogen hatte. Große, lange, schwarze Schlange – die Assoziation führt zur Taipan-Schlange, die die giftigste im Lande sein soll. Belege können wir nicht liefern, das tote Tier lag auf der Gegenfahrbahn.
Häufig schließen die Touristenbüros um 17:00 Uhr; so mußten wir uns auf dem letzten Wegstück kräftig sputen – um vor einem bereits um 15:00 Uhr (!) geschlossenen Büro zu stehen. Unseren Campingplatz in Mirani, nah beim Eungella National Park, zu dem wir Morgen fahren wollen, erreichten wir gerade noch rechtzeitig, um einchecken zu können. Kein Meerblick mehr, dafür tauchen in der Ferne Berge und Höhenzüge auf.
Der 30.4. war Wander- und Badetag im Eungella Nationalpark. Dieser liegt am Ende des Pioneer Valley, an dessen Eingang unser Übernachtungsort Mirani liegt. Die bereits auf der Anfahrt “bestaunte” Monokultur des Zuckerrohranbaus setzte sich fort, und zwar bis an das Talende gute 50 Kilometer weit. Arbeit auf den Feldern beginnt erst wieder mit der Erntezeit, d.h. ab Mitte Juni; dann steppt der Bär im Tal, wie es heißt, und unendliche Zugreihen transportieren das maschinell geschnittene Rohr zu den Zuckerfabriken am Talanfang. Dann ist man gut beraten, nicht in Richtung Eungella zu fahren, heute jedoch war kaum Verkehr auf der Straße.
Auf dem Weg in Richtung Talende durchfahren wir wenige sehr kleine und unscheinbare Dörfer. Einzig die Ortschaft Finch Hatton blieb haften, da kurz vorher ein Weg zur Finch Hatton Gorge/Schlucht abzweigt. Dies war unser erstes Tagesziel. Die Schlucht ist bereits Teil des Eungella NP, ist von Regenwald bewachsen, ist in Teilen wild und wird von einer ganzen Reihe von Bächen und Flüssen durchflossen. Zufahrt zum Startpunkt für eine Wanderung talaufwärts erfolgt zum größten Teil über eine Piste, in dessen Verlauf einige Bachfurten zu überqueren sind. Offensichtlich hatte es in den vergangenen Tagen nicht sehr geregnet, denn der angezeigte Pegel bei den Furten lag unter 20 cm Überflutung, so daß es keine Probleme mit der Weiterfahrt gab. Die Situation dürfte sich nach einem Wolkenbruch aber schlagartig ändern, denn wie wir in Verlaufe der Wanderung sehen konnten, mündeten zahlreiche Berge in den mehrfach zu querenden Fluß.
Die Besonderheit der Finch Hatton Gorge ist neben seiner Ursprünglichkeit das wilde Bachbett, die zahlreichen Wasserkaskaden, die entstandenen schwimmbaren Wassermulden oder –löcher. Die erste Gelegenheit gab es nach etwa 35 Minuten Weg, wir hatten die Aralulen Falls erreicht. Der Begriff “Falls” ist extrem hoch gegriffen, denn eigentlich strömt der starke Wasserstrom kaskadenförmig in den Badeteich.
Natürlich wurde in diesem “See” gebadet; nachdem die Bademöglichkeiten im Meer wegen der Stingergefahr von uns nicht mehr genutzt werden, wird jede andere Gelegenheit ergriffen, insbesondere auch heute, da das direkt neben unserem Campingplatz befindliche öffentliche Schwimmbad gerade geschlossen wurde und Katrin hätte so gerne darin ihre Bahnen gezogen. Kristallklar, eher grün als blau schimmernd, erfrischend, nicht kalt, so das Urteil. Das Bad kann jedem empfohlen werden.
Nach einer weiteren guten halben Stunde am Bachbett entlang, das heftige Rauschen immer im Ohr, erreicht man nach einer Wanderung durch relativ dichten Regenwald und der Querung des Baches die schwimmbaren Wasserlöcher am Wheel of Fire . Sehr geschickte und mutige Wanderer versuchen über die teilweise ganz schön weit auseinander liegende Steine zu springen, wir zogen für die zweite Hälfte der Bachquerung die Schuhe aus und wateten durch das Geröllbett. Besser nasse Füße als komplett im Wasser liegen. Die Granitsteine waren nicht immer griffig und oft sogar durch das Wasser extrem glitschig.
Hier endete dann auch der Weg durch die Finch Hatton Gorge, nur unter Einsatz einer Machete ist ein Weiterkommen möglich, wie der gesamte Eungella National Park sehr schlecht zugänglich ist, relativ wenige Wanderwege das Gebiet richtig erschließen, wohl auch deshalb, um dem Wald seine Ruhe zu lassen. Wie es heißt, besteht hier in diesem NP der größte zusammenhängende Regenwald in Australien (?) oder nicht eher in Queensland(?).
Es gibt sehr wenige Stellen auf der Welt, an denen man die Chance hat, den Platypus in freier Wildbahn zu sehen. Hier im Eungella NP gibt es diese Möglichkeit. Der Platypus, ein Schnabeltier, ist ein im Grunde sehr scheues Säugetier das zu den extrem wenigen zählt, die Eier legen, und zwar bis zu drei Stück, das Wasser als Lebensumfeld hat, in diesem schwimmt und sich in eine Höhle ähnlich wie der Bieber zurück zieht. Aktiv werden diese Tiere in der Morgen- und Abenddämmerung. Auf Grund der besonderen Lichtbedingungen in einem Bereich des NP kann man dort auch vor der eigentlichen Dämmerung, die hier extrem schnell in die völlige Dunkelheit übergeht, hin und wieder den Platypus sichten. Das Tier war uns nicht unbekannt, denn wir hatten es bereits in einem Zoobecken in Lone Pine hektisch hin und her schwimmen gesehen. Geduld muß man mitbringen, wenn man das Tier sehen will, also warteten wir, und zwar ziemlich lange. Öfter gab es Fehlalarm, die von einer Schildkröte erzeugte Welle wurde als die Bugwelle des Platypus angesehen, aber nicht jede Wahrnehmung führte in die Irre. Wir haben im Verlaufe von mehr als einer Stunde 7-8 Mal den Platypus sehen können, wie er schwamm, wie er mit einer Schildkröte kollidierte (!) und wie der Blitz abdrehte, wie er tauchte.
Die Warterei wurde nicht langweilig, denn die Stimmung an diesem Fluß war extrem friedlich, zahlreiche Vögel flogen um uns herum, saßen in den Bäumen, Enten im Wasser und vor allen Dingen eine große Zahl von Schildkröten schwamm in diesem Flußbereich bzw. hatte sich ein Plätzchen zum Sonnenanbeten gesucht und gefunden. Alles war extrem entschleunigt, die Bewegungen der Schildkröten im Wasser erfolgten nahezu in Zeitlupentempo, man war und ist gelassen. Das hat sich auch auf die Betrachter und nach dem Platypus Ausschau haltenden übertragen.
Bei dieser Begeisterung über die Sichtung des Platypus ist die Wanderung durch den Regenwald in der Höhe von Eungella fast in den Hintergrund gedrängt worden. Der Ort Eungella liegt auf der Kuppe des das Pioneer Valley abschließenden Höhenzuges auf etwa 700 Metern Höhe. Hier hinauf windet man sich bzw. windet sich die Straße in endlosen Schleifen und durchgängig mehr als 12 Prozent Steigung. Oben angekommen werden wir von einem schönen Weitblick in das Tal belohnt. Hier ist die Nutzung des Landes sehr deutlich zu erkennen. Sämtliche entweder als Weideland oder für den Zuckerrohranbau geeignete Fläche – der Zuckerrohranbau wird hier seit über 100 Jahren forciert betrieben – wurden urbar gemacht, der Regenwald gefällt; nur an den Berghängen, die für dies angestrebte Nutzung praktisch wertlos waren, blieb ein Baumbestand erhalten, auch wenn das besonders attraktive Holz lange Jahre gezielt gefällt wurde. Dieser Tatsache ist zu verdanken, daß bei Einrichtung des Eungella NP in der 30ger Jahren überhaupt noch originärer Regenwald in Größenordnung vorhanden war.
Oben auf dem Kamm des Höhenzuges bestehen einige auch kürzere Wandermöglichkeiten durch unterschiedliche Arten des Waldes; Wir entschieden uns, nachdem wir einen kleinen Aussichtspunkt, Sky Window, angelaufen hatten, in gut einer Stunde durch den Waldteil zu wandern, in dem die rote Zeder noch anzutreffen ist. Ja, hier stehen noch – einige – Exemplare dieses Mammutbaumes, aber nur einige. Dennoch, den sich am Berghang auf und ab schlängelnden schmalen Pfad zu gehen, hatte seinen Reiz und forderte unsere Aufmerksamkeit. Geschärft durch die Hinweise auf Schlangen im Wald achteten wir natürlich darauf, wohin wir treten, erzeugten mehr Vibration des Bodens durch unser Auftreten, als normalerweise der Fall, gingen eher wie Elefanten als wie Gazellen. Trotz dieser ständigen Kontrolle des Untergrundes nahmen wir auch die Umgebung des Regenwaldes wahr, sahen wie dominierend die Palmen inzwischen sind, welche Gestalt Würgefeigen auch annehmen können (Baumbogen /Tree Arch), wie wuchtig die verbliebenen roten Zedern sein können.
Als wir uns um 16:30 Uhr auf den Rückweg vom Broken River, wo sich der Platypus tummelt, machten, um noch vor Dunkelheit nach 60 Kilometer Fahrt den Campingplatz zu erreichen, waren wir uns einig, einen Tag mit besonderem Erinnerungswert erlebt zu haben.
Am Abend im BBQ-Bereich des Campingplatzes setzte Katrin ihre Tierbeobachtungen fort; nunmehr entdeckte sie an den Wänden und auf der Mauer kräftig grüne Frösche mit rötlichen Füßen und in der Dunkelheit auf dem Weg zu den Waschräumen schien es ihr, als wenn sie eine sich auf dem Asphalt ringelnde Schlange gesehen hätte. Tierbeobachtungen ja bitte, aber Schlangen doch besser nicht in unserer Nähe. Eine Nachprüfung zeigte, daß Katrin einer sehr echt wirkenden und in der Dunkelheit kaum zu erkennenden Täuschung aufgesessen war. So können wir dann beruhigt die Campertür schließen.