Auf der Goldstraße nach Bendigo

Heute am 31.3. wollten wir uns auf die Suche nach unserem eigenen Goldschatz machen; die “Goldfields Touring Route” durch einen Teil des Bundesstaates Victoria sollte in Teilen unser Führer sein. Aber zuvor statteten wir “Brambuk”, dem Nationalpark- und Kulturzentrum von Gariwerd, so heißt nämlich der Grampian in der Sprache der Aborigines, einen Besuch ab. Hier bekommt man nicht nur gute Auskünfte zu den möglichen Wanderungen, sondern wesentlicher Bestandteil des Zentrums ist ein besuchenswertes Museum, das von fünf Aborigines-Stämmen in Eigenverantwortung gestaltet und geleitet wird. Allein die Form des Baukörpers drückt die enge Verbindung dieser Menschen mit der Natur, hier einem cockatoo, aus; es ist ein offener, leichter und luftiger Baukörper, in dem auf einige Aspekte der Kultur der Urbewohner, insbesondere aber auf die Jahrhunderte andauernde Unterdrückung durch die Siedler und die Krone, ausführlich eingegangen wird. Manch Neues erfuhren wir. Aus den Schuhen geschlagen hat uns der Hinweis, daß bis 1960 Aborigines-Kinder von ihren Eltern, insbesondere wenn es sich um “Mischlingskinder” handelte, getrennt wurden und isoliert von der Sippe eine Schule besuchten, in einem ihnen fremden Umfeld aufwuchsen und so zu einer mit ihrer Kultur nicht zu vereinbarenden Assimilation gezwungen wurden. 1960!! Dargestellt wurde in dem Zusammenhang natürlich auch, welche besondere Rolle das Bildungswesen und die Kirche(n) hatten, um aus den Ureinwohnern der Kolonialmacht und deren Kultur genehme Menschen zu machen. Über zwei Jahrhunderte strebten die Ureinwohner nach gesellschaftlicher Anerkennung, die ihnen u.a. im Sport oder durch Ableisten des Militärdienstes z.B. in WWI zuteil wurde, aber nicht ihre Gesamtheit erfasste. Nicht immer blieben die Schuriegelten friedfertig, zu Waffen griffen sie eher selten, in einigen Fällen kam es zu ausdauerndem zivilen Ungehorsam, Streiks. Man nahm es nicht mehr einfach hin, in Camps, was nichts anderes als Konzentrationslager waren, zusammengepfercht zu werden, ihre normale Lebensgestaltung nicht mehr fortsetzen zu dürfen/können. M.E. erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde offiziell anerkannt, welches Unrecht man der Urbevölkerung zugefügt hatte. Eine offizielle Entschuldigung durch einen Beschluß des Parlamentes gab es m.W. erst nach dem Jahr 2000. Das von den Siedlern und der Krone, der Kolonialmacht geraubte/enteignete Land hatte auch vor 300 Jahren Eigentümer, nämlich die unzähligen Stämme der Aborigines. Allein für den Bundesstaat Victoria, wohl flächenmäßig der kleinste in Australien, ist die Existenz von 39 Stämmen mit einer eigenen Sprache nachgewiesen, die in exakt abgegrenzten Territorien lebten und diesen Boden als ihr Eigentum, das sie zu bewahren hatten, ansahen. Dies muß auch der Kolonialmacht bewußt gewesen sein, auch wenn ihr Handeln nicht danach ausgerichtet wurde, denn ein Landkauf, bei dem einige Pakete Wäsche gegen über 100.000 Hektar Boden den Besitzer wechselten, wurde nicht anerkannt. Bei dem “Käufer” handelte es sich um einen der Gründerväter der Stadt Melbourne. Im großen und ganzen wurde der Landraub aber toleriert und staatlich gefördert oder um genau zu sein, durch das Rechtsprinzip, vor Ankunft der Kolonialmacht habe es keinen Rechtsanspruch auf Land gegeben somit sei folglich die Kolonialmacht Eigentümer, war die Krone der Räuber! In welcher Form es in der jüngsten Vergangenheit Entschädigungen gab, wissen wir nicht. In einer Broschüre haben wir am Ende den Hinweis gefunden, wonach man die Besitzrechte der Urbevölkerung, hier wurde der Name eines Stammes genannt, zur Kenntnis genommen hat, man spricht m.W von den ursprünglichen Eigentümern, und die Kultur der Aborigines respektiert.

In einer kleinen Ausstellung wurde auch die Bedeutung der Natur für den Jahresablauf und das Leben der Urbevölkerung sichtbar gemacht, wonach die Aborigines sogar 6 Jahreszeiten unterschieden haben, abhängig von den Möglichkeiten, in den Grampians Nahrungsquellen unterschiedlicher Art sich zu erschließen. Da die Tierwelt einen wichtigen Beitrag zur Ernährung liefert, ist eine ausreichende Futterquelle von großer Bedeutung. Das mit Augenmaß und kontrollierte Abbrennen von Unterholz und Weiden trug dazu bei, das Austreiben besserer Gräser und Sträucher zu fördern, somit die Nahrungsqualität z.B. für die Kängurus zu verbessern. Ob die heutzutage wahrgenommenen großen Brandschäden noch unter diesem Gesichtspunkt als positiv für die bessere Regeration der Natur angesehen werden müssen, bezweifeln wir.

Nach dem Bildungsaufenthalt im Brambuk machten wir noch einen Abstecher ins Gebirge. Gut 20 Kilometer von Halls Gap entfernt, gibt es sowohl den Reed Lookout als auch wenige Gehminuten entfernt die Balconies. Von beiden Orten hat man einen wunderschönen Weitblick hinein in die Grampians.

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Kurvenreich war die Strecke, die uns bis kurz vor die letzte Abzweigung auch durch den typischen Eukalyptuswald dieser Region führte, dann wurde es auf der nördlichen Straßenseite ziemlich licht und verkohlte Stämme standen auf verkohltem Boden. Bis hierhin hatte sich das Feuer aus dem nördlichen Parkgebiet ausgebreitet und konnte wohl an der Straße endlich gestoppt werden. Einige Bäume auf der Südseite der Straße haben gleichfalls unter der Hitze ziemlich gelitten.

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Manchmal ist die Welt sehr klein. Auf dem Weg vom Reed Lookout zu den Balconies überholen wir ein Ehepaar und werden angesprochen, auf Deutsch und mit erkennbar schwäbischem Akzent. Die beiden aus Messkirch stammenden Landsleute hatten ihre auf Kangaroo-Island verheiratete Tochter besucht und reisen nun mit dem Camper einige Wochen durch Victoria.

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Unsere Tierbegegnungen hielten sich heute in Grenzen; gesichtet wurde nur die dritte Eidechsenart in zwei Tagen, diesmal mit geschuppter Haut, nachdem wir gestern sehr schwarze mit gespaltenem Schwanz sowie normale mit runden Schwanz in der Sonne liegend entdeckt hatten.

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Mitte des 19. Jhd. hatte ein Goldrausch Australien erfasst; in großem Maße war davon auch der heutige Bundesstaat Victoria betroffen. In der Mitte des Landes wurde an zahlreichen Stellen eine Goldader entdeckt und sofort strömten Zehntausende hierhin, um ihr Glück zu suchen. Wie auch in Neuseeland, wo der Goldrausch zeitverzögert einsetzte, reisten zahlreiche Chinesen an die Fundorte, teilweise prägten sie die Entwicklung ganzer Ortschaften so stark, so daß auch heute noch ihr Einfluß spürbar ist. Meistens wird geraten, nach Ballarat als “Zentrum der Goldregion” zu reisen. Wir entschieden uns jedoch den deutlich weiter nördlich gelegenen Ort Bendigo zu besuchen. Zur Zeit der Goldfunde war Bendigo der reichste Ort in Australien; aus seinen Gruben wurde die zweitgrößte Goldmenge zur damaligen Zeit in Australien gefördert. Der Boom war zwar nur von kurzer Dauer und dauerte im wesentlichen nur bis etwa 1860, aber in Bendigo selber wurde noch bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine Goldgrube, die bis auf gut 500 Meter abgetäuft wurde, betrieben. Heute steht diese eingeschränkt für Besuche offen. Aber bevor man in Bendigo ist, müssen einige Kilometer gefahren werden.

Unsere Route führte uns über Stawell, Ort bekannter Leichtathletikwettkämpfe und eines sehr alten und ehrwürdigen Stadions, Landsborough, Navarre, Avoca, Maryborough, Maldon bis kurz vor Bendigo nach Marong auf unseren Campingplatz, der nur jedem empfohlen werden kann. So nichtssagend wie die meisten der aufgeführten Ortsnamen, so unspektakulär auch die durchfahrene Landschaft. Wir waren im Korn- und Weideland angekommen, bemerkten manchmal ausgedehnte Wälder, auch Staatsforste und geschützte Regionen passierten wir, umfuhren die Pyrenäen, die weder so wild noch so hoch waren und zu den europäischen Pyrenäen nur eine Namensgleichheit aufweisen. Hin und wieder war sehr deutlich an der Blattfärbung zu erkennen : es herbstet.

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Eine “neue” Schafrasse entdeckten wir auch; kaum vor dem Vorbeifahrenden verborgen grasten sie ein Feld ab.

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Seit langem hatte es in dem Bundesstaat nicht mehr so richtig geregnet; die Teiche und Rückhaltebecken die wir sehen konnten, waren fast leer. In diese Situation passt auch ein nicht nur heute, sondern gleichfalls in den zurückliegenden Tagen wiederholt wahrgenommenes Hinweisschild, das zur sparsamen Wasserverwendung aufruft. In diese Trockenheit passt dann ebenfalls, fern am Horizont eine sehr dunkle Wolke zu entdecken die nach etwa 30 Kilometer Fahrt sich als dunkle Rauchwolke herausstellte. Einige Kilometer abseits der Straße brannte es auf größerer Fläche; aus Richtung Bendigo kamen uns wohl deshalb eine ganze Anzahl kleiner Löscheinheiten entgegen.

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Unser Campingplatz in Marong vor den Toren von Bendigo war ziemlich leer, hatte eine umfassende Ausstattung, wie wir sie bislang in Australien noch nicht gesehen haben, pikobello sauber, grün und einen solarerwämten kleinen Swimmingpool, in den wir uns natürlich sofort – in Badesachen – hineinwarfen. Nicht riesig aber ausreichend und trotz des erwärmten Wassers richtig erfrischend. Das tat auch Not, denn es war ein warmer wenn nicht sogar heißer Tag mit gut 30 Grad. Und für Morgen sind noch höhere Temperaturen angesagt. Auch wenn ich die Sonne mag, so langsam ist aber auch eine Temperatur erreicht, bei der ich nein danke sagen würde.

Am 1.4. besuchten wir Bendigo. Es hat sich richtig gelohnt. Auch wenn die Stadt mit 70.000 Einwohnern keine kleine Stadt ist, sie ist überschaubar, hat eine wunderschöne alte Bausubstanz in der Innenstadt erhalten, wirkt auch in den Einkaufsstraßen nicht aufdringlich, man fühlt sich wohl, denn sie wirkt gemütlich. Dazu tragen nicht nur die auch von uns bewunderten alten Häuserfassaden bei, sondern gleichfalls die großzügigen Grünanlagen in der Stadtmitte. Man hat einen alten botanischen Garten erhalten sowie ein früheres stadtnahes Goldfeld vor vielen Jahrzehnten in den Rosalind Park umgewandelt. Man kann an den Fassaden der öffentlichen Gebäude, die alle aus der Zeit bis 1890 stammen ansehen, daß hier Reichtum vorlag, die Stadt im Geld/Gold nur so schwamm. Der gute Zustand der gesehenen Objekte mag dann auch die Vermutung unterstützen, selbst heute herrscht hier keine Armut. Wir sind mit Freude und oft Erstaunen die gut zwei Stunden im innerstädtischen Bereich von Denkmal zu Denkmal gewandert, haben die Stadthalle, das Gerichtsgebäude, eine Minenschule, das Gaol (Gefängnis) – leider im Umbau begriffen – ebenso angelaufen wie alte Schulgebäude, das Theater, eine Galerie aus damaliger Zeit und eine Mehrzahl von Geschäftshäusern. Während zu Anfang des Rundgangs wir an der St. Killian Kirche, einem Holzbau von 1888, vorbeikamen beschlossen wir fast unsere Wanderung mit der Sacred Heart Cathedral, einem mächtigen Steinbau aus dem Jahre 1897, dann wurde mit dem Bau begonnen um ihn 1901 einzustellen und 1950 fortzusetzen bis zur Weihe in 1977, also ein Jahrhundertbauwerk (!). Hier wurden wir von Orgelmusik empfangen, der Organist übte und es wir hörten ihm gerne eine Weile zu.

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Fast in den Hintergrund gerückt ist die Bedeutung, die die Goldminen für die Stadt haben; im Rosalind Park kann man jedoch einen alten Förderturm besteigen, um von oben einen Überblick über die Stadt zu bekommen. Auf die frühere große chinesische Gemeinde am Goldgräberort Bendigo kann das Golden Dragon Museum wie auch das Bendigo Joss House zurück geführt werden. Als Sportler schlug mein Herz höher, als ich die Tribüne des Queen Elizabeth Oval von weitem erblickte; der Platz war zwar irgendwie oval, vielleicht auch eher rund, aber die sichtbaren Linien hatten nichts mit einer Leichtathletikanlage sondern mit Kricket zu tun. Dennoch, diese Tribüne erinnerte an die altehrwürdigen Grandstands in England, dort aber auf Fußballplätzen.

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Nervig waren dann die nächsten 1 1/2 Stunden die wir damit verbrachten, ins Netz zu gelangen. An allen Stellen, an denen wir es versuchten, brach nach kurzer Zeit die Verbindung zusammen – wie soll man dann die Quartierfrage in Samoa klären? Letzte Rettung war nicht McD, dort haben wir die gleichen frustrierenden Erfahrungen gemacht, sondern, wieder einmal, die öffentliche Bibliothek. Man war so freundlich, uns den Zugangscode mitzuteilen und so konnten wir wenigstens einige Anfragen losschicken und mögliche Quartiere recherchieren.

Den dann am Lake Eppalock ausgesuchten Campingplatz, etwa 25 Kilometer östsüdöstlich von Bendigo, haben wir nach einer kurzen Besichtigung durch Katrin dann doch nicht ausgewählt. Ursprünglich fiel die Wahl auf ihn wegen der direkten Seelage. Bei Betrachtung stellte sich auch dieser See als inzwischen sehr flaches Gewässer heraus, in dem zu schwimmen fast nicht möglich erschien. So sind wir dann in Heathcote am Rande eines Nationalparks gelandet. Weinkenner werden fragen, warum wir denn nicht in einer der Weinkellereien, die es in dieser Region von Victoria gibt, eingekehrt sind – die Antwort, uns war bei diesen Temperaturen wirklich nicht nach einer Weinprobe. Am Abend dann, als wir auf einem Nachbarstellplatz sahen, wie dort eine Flasche geöffnet und geleert wurde, hätten auch wir gerne die Gläser gehoben.

Grampian National Park

Die Sonne begrüße uns heute am 29.3., es schien ein schöner Tag zu werden. Als wir aber uns auf den Weg von Hamilton in die Grampian Mountains nach Halls Gap aufmachten, sahen wir im wesentlichen nur in Nebel, nicht sehr dicht aber intensiv genug, um uns jegliche Freude an einer Weiterfahrt und vor allen Dingen einer Fahrt in die Berge zu nehmen. Vor allen Dingen Katrin war unzufrieden, in einem ihrer Wunschländer vom schlechten Wetter verfolgt zu werden, da könne man ja wirklich depressiv werden. Was sollten wir denn sehen bei diesen Bedingungen, jeden einzelnen Schritt zwar, aber Aussicht oder sogar Fernsicht war auf keinen Fall zu erwarten. Bereits auf den ersten Kilometern, mit derartigen Sichten links und rechts der Straße begrüßt,

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begannen wir, nach Alternativen zu suchen. Eigentlich war der Besuch der Grampians ein wichtiger Baustein in unserer Rundreise durch den Westen von Victoria, jetzt hieß es, den Streckenverlauf zu überdenken, vielleicht bessert sich das Wetter in einigen Tagen. In Dunkelt, knapp 20 Kilometer von Hamilton entfernt, gibt es eine Touristeninformation, dort wollten wir uns noch einmal über die Wetterlage und denkbare Alternativen erkundigen. Wie zum Hohn dann ein Hinweisschild am Straßenrand, das uns auf einen Lookout hinwies. Was wir sehen sollten, war bezeichnet, nur sehen wir …. nichts.

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Und das wäre bei guten Wetterbedingungen zu sehen gewesen (Fremdbild – natürlich).

 

In der Touristeninformation gab es gute Nachricht, das Wetter sollte sich kurzfristig bessern. Was wir zuerst noch als Aufmunterung verstanden hatten unsere Fahrt wie geplant fortzusetzen, stellte sich als wirklich gute Botschaft heraus : kaum hatten wir Dunkelt hinter uns gelassen und waren auf die Straße in den NP eingebogen, lichtete sich der Nebel zusehends und anfangs sporadisch, dann dauerhaft war die Sonne zu sehen. Es wurde bis zum Nachmittag hier in den Bergen richtig warm.

Halls Gap liegt im westlichen Teil der Grampians, gleichzeitig aber auch so zentral, daß von hier aus eine gute Auswahl an Tageswanderungen besteht. Bereits die Fahrt in den NP machte Lust auf mehr; im Osten der Straße Hügelketten bis oben hin bewaldet, im Westen blickten wir auf bewaldete oft felsige Berge und Bergketten. Der Wald des NP besteht, wie fast immer hier, aus Eukalyptusbäumen, die relativ locker stehen und die Entwicklung von Unterholz ermöglichen. Hin und wieder ist erkennbar, daß es hier in den Wäldern gebrannt hat; zahlreiche Stämme weisen eine verkohlte Rinde auf, wachsen zum Glück aber weiter. Bereits in Dunkelt hatten wir erfahren, daß auf Grund eines im Januar im Nordwesten von Halls Gap durch zahlreiche Blitzeinschläge ausgebrochenen Feuers geschätzte 30% des NP feuergeschädigt sind und ein Betreten derzeit nicht erlaubt ist. Zwei Wochen benötigte man, um die Feuer in den Griff zu bekommen.

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Um die Mittagszeit erreichten wir Halls Gap, suchten und fanden einen passenden Campingplatz und begannen mit der Hausarbeit, d.h. das Wetter wurde ausgenutzt, um die angesammelte Schmutzwäsche in die Maschine zu stecken und sie anschließend auf den mitgeführten Leinen um unseren Camper herum aufzuhängen. Da der Einstieg in einen Wanderweg von hier aus gut 6 Kilometer entfernt ist, verschoben wir den aktiven Teil im NP auf den Folgetag, der auch sonnig zu werden versprach.

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Im übrigen hatten wir einen Zoo rings um uns herum, was bei einem in einem NP befindlichen Campingplatz nicht ungewöhnlich ist. Völlig ohne Scheu lief am Nachmittag eine große Gruppe Kängurus über den Platz auf der erfolgreichen Suche nach Grünfutter. Während diese Tiere, die sich auch durch uns herumlaufende Gaffer nicht aus der Ruhe bringen und uns auf 1-2 Meter an sich herankommen ließen, putzig erscheinen sind die zahlreichen Kakadus, die sich in einem der großen Schatten spendenden Bäume versammeln, eine wahre Plage, denn, wie wir beobachten konnten, sind sie so dreist, wie die Geier auf unbeaufsichtigte Speisen zu stoßen, um sich mit der Beute davon zu machen. Gäste fördern dies noch, indem diese Vögel angefüttert werden.

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Und während einige Camper bei Bier und Gegrilltem, der Grill wird hier bei jeder Gelegenheit angeworfen, den schönen sonnigen Samstagnachmittag genießen, machen wir unsere Hausarbeiten, schreiben diesen Text, recherchieren unsere nächsten Ziele, liegen eine kurze Weile auf der faulen Haut am winzigen Pool.

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Der Spaziergang am späten Nachmittag hin zu Lake Bellfield, einem Stausee, hinter dessen fast 60 Meter hohen Mauer unser Campingplatz liegt, bescherte weitere Tierbeobachtungen. Ganz in der Nähe unseres Campingplatzeinganges entdeckte Katrin in einem Busch einen Papagei, der sich durch eine grell rote Brust auszeichnete. Leider machte er sich auf und davon, bevor ich mit der Kamera zurück war. Erfolgreicher waren wir auf dem Rückweg, als unseren Weg eine kleine Gruppe von Emus kreuzte auf dem Weg zu einer kleinen Lichtung, um dort in der Dämmerung zu äsen. Die Tiere kümmerten sich – kaum – um uns, zumindest so lange, wie wir eine Mindestabstand von geschätzten 20 Metern einhielten. Nachdem ich bei dem Versuch, eine bessere Aufnahmeposition zu erreichen, mich zu nah an sie herangeschlichen hatte, stoben sie davon.

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Als wir in völliger Dunkelheit zu unserem Camper zurückkehrten, konnten wir überall auf dem Gelände einzeln oder in Gruppen Kängurus bei der Nahrungsaufnahme schemenhaft erkennen. Selbst unmittelbar vor einem Zelteingang wurde seelenruhig die Wiese abgegrast. Am Morgen konnte man dann das Ergebnis der Futtersuche und anschließender Verdauung überall auf der Wiese erkennen. Wir stehen eben mit unserem Camper mitten im Park, die Tiere haben einen Teil ihrer Scheu offensichtlich verloren. Und morgens wird man dann von einem ohrenbetörendem Vogelgeschrei aufgeweckt, wobei offensichtlich die Kakadus die größten Störenfriede und Kreischer sind.

Den Sonntag, 30.3., kann Katrin mit Fug und Recht wettertechnisch auf der Positivseite verbuchen. Strahlender Sonnenschein schon am frühen Morgen, im Verlaufe des Tages erreichten wir 28 Grad, kaum Wind, die Wolken am Himmel störten die Sicht nicht. Endlich einmal ein Wetter, auf das sie so lange gewartet hatte. Es stellt sich nur die Frage, ob es sich um einen schönen Sommertag handelte oder einen tollen Ausreißer des Herbstes. Da unsere Tage in Victoria gezählt sind, am 5.4. geht es weiter nach Sydney und dann in Richtung Samoa, hoffen wir, daß uns für diese verbleibende Zeit das Wetterglück zur Seite steht.

Heute ist Wandertag, wir hatten uns eine 5-Stundenwanderung in den Grampians hinauf zu “The Pinnacle”, den Wonderland Loop, vorgenommen. Es hat richtig Spaß gemacht, durch diese Landschaft zu wandern, auch wenn es entlang der Strecke so gut wie keinen Schatten gab und wir richtig ins schwitzen kamen. Bereits der Einstieg in den Rundwanderweg war verheißungsvoll, denn direkt vor uns auf einer Wiese pickten sogar zwei der gestern nicht vor die Linse zu bekommenden Papageien – es gibt sie also wirklich.

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Die Grampians sind ein fast 170.000 Hektar großer Nationalpark, der jedoch, wie wir sehen konnten und auf Nachfrage bestätigt erhielten, immer wieder in größeren Teilen in Flammen steht. Auch entlang unserer Wanderstrecke konnte man angekohlte Baumstämme “bewundern”, vor allem aber sich darüber freuen, daß ein großer Teil der verletzten Bäume wieder ausgetrieben hat und offensichtlich “nur” das Unterholz vollständig verbrannt, jetzt aber wieder nachgewachsen ist. Hier wütete 2006 das Feuer wie auch in einem sehr großen Parkteil; es heißt, über 50% der Fläche hätte damals gebrannt, der angesprochene Mitarbeiter der Touristeninformation sprach sogar von 110.000 in Flammen gestandenen Hektar, das sind fast 70%! Gleichzeitig kann man aber auch sehen, wie schnell sich der Wald, der, wie früher bereits gesagt, nur eine sehr lockere Bewaldung aufweist, im Kern erholt, wenn denn die Bäume überleben. Stichwort Wald : erst 1995 wurde der Holzeinschlag in dem NP völlig eingestellt!

Besonders auffallend, ja spektakulär an den Grampians sind die Berg-/Felsformationen. Sie erinnern in großen Teilen an das Elbsandsteingebirge, kein Wunden, liegt auch hier Sandstein vor. Vor Millionen von Jahren aus dem Meer herausgehoben und teilweise steil aufgekantet sind die Felsen ein Blickfang; die Erosion hat es geschafft, immer neue Formen zu gestalten, Zerfallsprozesse tragen ihren Teil zu einer bizarren Berglandschaft bei.

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Und ähnlich wie im Elbsandsteingebirge werden auch hier die steilen aber griffigen Felsen zum Klettern genutzt.

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Wie auf den Tafeln am Parkeingang dargestellt, gibt es eine Vielzahl von Varianten, von Halls Gap aus in den Grampians zu wandern; unser Ziel The Pinnacle, ein Aussichtspunkt/-felsen etwa 400 Meter über dem Tal mit Blick auf Halls Gap und den Stausee.

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Unsere Wanderkarte nannte als erstes Zwischenziel Venus Baths, offensichtlich aus den Felsen durch den kleinen Fluß ausgewaschene Kuhlen, die zum Baden einladen. Wir hatten auch nach 15 Minuten einen Platz erreicht, der von zahlreichen Kindern als Planschbecken benutzt wurde; viel Wasser sahen wir jedoch nicht, der Bach war nur noch ein Rinnsal. Dabei gab es gut 10 Minuten Fußweg den Berg hinauf eine mit deutlich mehr Wasser gefüllte Badewannenlandschaft.

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Wir liefen oder stiegen das Tal des Stoney Creek weiter hinauf; es war mehr ein Steigen, denn einen richtigen Wanderweg gab es nur sehr eingeschränkt, meistens stiegen wir von Stein zu Stein. Es war uns klar, der in der Wanderkarte verzeichnete Wasserfall Splitters Fall dürfte wegen fehlenden Wassers, hier hatte es seit Monaten nicht mehr geregnet, kaum einen Besuch lohnen; dennoch, wenn wir schon in der Nähe sind… Das, was da den Felsen fast schon heruntertropfte und nur mit dem großen Tele erkennbar war, war kaum noch als Rinnsal zu bezeichnen.

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Weiter oben verjüngte sich die Schlucht erheblich, es ging in den Grand Canyon, hier oft steil hinauf und hin und wieder unter Benutzung von Stahltreppen. Schließlich passierten wir einen schmalen nach oben führenden Gang, die Silent Street, um an deren Ende auf einer kleinen Ebene in wenigen Schritten über die Felsen die Aussichtsplattform zu erreichen. Die bis hierhin knapp zwei Wanderstunden waren wirklich schweißtreibend.

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Der Blick von hier oben ging weit hinaus, das Tal und die Bergflanken der östlichen Grampians lagen vor uns und diesmal störte kein Nebel und keine Wolke das Erlebnis. Von hier oben sehen die Grampians dicht bewaldet aus, bei näherem Hinsehen bestätigt sich die eher lockere Bewaldung, von der wir, da die auf unserer Strecke fast nur Buschwerk existierte, keinen Nutzen hatten.

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Der Weg abwärts war dann nicht mehr so spektakulär und interessant wie der Aufstieg und nach etwa 3 1/2 Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt in Halls Gap.

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Eines ist nachzutragen : Katrin hat ihre und unsere erste Schlange gesehen und sich dabei natürlich heftig erschrocken. Vor ihr auf dem Weg lag das Tier, schwarz und etwa einen Meter groß. Vermutlich hat die Schlange blitzschnell erkannt, daß der daherkommende Mensch nicht in sein Beuteschema passt und sich dann schnell verkrochen. Zeit für eine Dokumentation bestand leider nicht.

Der Abend klang dann in unserem Zoo auf dem Campingplatz aus mit der Invasion von einigen Dutzend Kängurus, dem dauernden Gekrächze der Kakadus, unzähligen Entenfamilien, Emus und was es sonst noch so an Getier in diesem Nationalpark gibt. Wozu in den Zoo fahren, hier beim Camping in Halls Gap hat man alles frei Haus.