Nach vier Tagen in Mendoza war es an der Zeit, die Rucksäcke wieder zu packen; bestärkt in unserer Entscheidung wurden wir dann durch den massenhaften “Einfall” chilenischer Kurzurlauber, wodurch nicht nur unser Hotel ausgebucht war, sondern der auch nächtliche Geräuschpegel dauerhaft hörbar unangenehm anstieg. Mit der nächtlichen beschaulichen Ruhe war es vorbei, also weiter ziehen.
San Rafael, etwa 240 Kilometer weiter südlich gelegen, war unser Ziel, schließlich stand noch die Verkostung der regionalen Weine aus. Direkt fahren war zu einfach, so machten wir einen Schlenker nach Tupungato, eigener Werbung zur Folge die “Hauptstadt der Hochlandweine”, gelegen in einer Region intensiver Landwirtschaft, wozu neben Wein und Oliven auch bodenständige Landwirtschaft gehört. Den Umweg fuhren wir jedoch nicht nur wegen der zugegeben deutlich grünen Landschaft, sondern auch wegen der immer wieder möglichen Blicke auf die Anden, die hier um Tupungato mit dem gleichnamigen Vulkan (6.811m) den m.W. zweithöchsten Berg Argentiniens besitzt. Am Vorabend aus dem Gebiet des Aconcagua zurückkehrend kamen wir in den kurzen Genuß einiger Regentropfen; am Morgen sahen wir dann die Bescherung – in den höheren Andenregionen hatte es so richtig geschneit, was wir wegen der hohen Wolkendecke wunderschön während unser Fahrt in den Süden aus den Augenwinkeln aufnehmen konnten.
Eigentlich eine geruhsame Fahrt, mit Augenpflege verbunden, denn während des größten Teils unserer Wegstrecke dominierte nicht mehr die allzu bekannte Buschwüste, sondern das Grün von Bäumen, Sträuchern, Wiesen und Feldern.Eindrucksvoll die letzten 8-10 Kilometer auf San Rafael zu, denn die Bäume am Straßenrand verdichteten sich derart, daß die letzten Kilometer in einer Allee unter einem Blätterdach gefahren werden konnten auf einer Straße, die oft über lange Strecken schnurgerade verlief. Einzig hinderlich und ärgerlich zugleich die völlig unzureichende Beschilderung; immer wieder wurden fast detektivische Fähigkeiten abgefordert um die richtige oder annähernd richtige Fahrtrichtung einzuschlagen. Mit geringen Umwegen erreichten wir dann unser Quartier in San Rafael; hier wartete auf uns ein im Vergleich zu Mendoza fürstlich großer Schlafsaal mit voll funktionierendem Bad und allen Annehmlichkeiten, die man sich wünschen kann und das alles zu einem Preis, der genau in unser Budget passte. Die Entscheidung, einen Tag länger zu bleiben, war schnell gefasst, auch gut begründet mit dem von uns anzuschauenden Umland der Stadt.
Ohne weitere Zeit zu verlieren, machten wir uns sofort auf den Weg zur ältesten ansässigen Bodega/Winzer,”La Abeja”, um neben einer Betriebs-/Kellereibesichtigung von den vorhandenen Rebsäften zu kosten. Nach 40 minütigem schnellen Spaziergang erreichten wir kurz vor 16:00 Uhr rechtzeitig das Ziel, mussten jedoch erfahren, heute sei keine englischsprachige Führung mehr möglich. Freundlicherweise wurden wir in die gerade zu Ende gehende spanische Führung zur abschließenden Verkostung eingeschleust. Die Weine waren ok, auch für unseren Geschmack trocken, aber einzigartig waren sie nicht, was wir auch nicht erwartet hatten. So werden wir, wie anschließend abgesprochen, Samstagfrüh eine englischsprachige Führung durch die Kellerei besuchen.
Auf unserem schnellen Gang durch die Stadt zu Bodega begegneten wir nur sehr vereinzelt Bürgern; die Geschäfte hatten weitestgehend ab 14 bis gegen 16/17 Uhr geschlossen. Ganz anders die Situation am Abend, als wir uns auf die langwierige Suche nach einem Restaurant machten, das nicht nur Pasta, Pizza oder Fastfood anbietet. Jetzt waren die Straßen, es ist Freitagabend, proppevoll, die innerstädtischen Lokale waren sehr gut besucht, die Läden hätten jedoch gut und gerne mehr Kundschaft verkraften können, man wollte wohl im wesentlichen flanieren und gesehen werden.
Nahezu pünktlich, wir hatten uns in San Rafael verfahren, trafen wir am Samstag wohl als erste Besucher um 9:30 Uhr in der Bodega ein und unsere Führerin nahm uns umgehend mit auf den Rundgang. Die Bodega “La Abeja” ist die älteste im Ort, Dutzende sind ihr im Verlauf von über 100 Jahren erfolgt. Wie anders als durch einen emigrierten Franzosen konnte hier der Weinanbau begründet werden; gleichzeitig begründete Herr Iselin auch eine Französische Kolonie, die Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung der Stadt San Rafael war. 1883 wurden die ersten Weinstöcke gesetzt, m.E. sechs Jahre später konnte der erste Wein geerntet werden. Die Bodega blieb, wie uns erzählt wurde, nicht sehr lange im Besitz der Gründerfamilie; inzwischen bewirtschaftet der dritte Eigentümer seit der Gründung die anfangs 700ha Anbaufläche. Was uns sehr erstaunte war die Information, erst seit 10 Jahren den gekelterten Wein selber auf Flaschen zu ziehen, zumindest einen guten Teil der Ernte, der Rest wird, wie früher die gesamte Ausbeute, an größere Winzer weiter verkauft. Erstaunlich, denn der älteste Weinbauer zählt quasi zu den jüngsten Weinproduzenten unter eigenem Namen. Weiterhin erstaunte uns die Aussage, bei den meisten auf Flaschen gezogenen Weinen Vorjahresweine mit bis zu 50% des aktuellen Weins zu “vermischen” – Jahrgangsweine und eindeutige Lagen scheint es hier nicht bzw. nicht bei diesem Weingut zu geben. Insofern nicht sehr erstaunlich, wenn die uns zur Verkostung angebotenen Weine uns auch nur durchschnittlich schmeckten.
Anschließend machten wir uns auf den Weg, das Umland von San Rafael kennen zu lernen. Empfohlen wurde uns durch die Vorgärten der Stadt in den Ort “25 de Mayo” zu fahren, da dort noch Überreste aus der Kolonialzeit und ein alter Ortskern zu finden sei. Das mit dem Ortskern entpuppte sich beim Durchfahren als üblicher Marketinggag, denn hier war nichts untypisches gegenüber den bislang durchfahrenen Ortschaften zu erkennen. Die Überreste aus den Anfängen der Kolonisation fanden wir dann auch – Rest aus einer offensichtlichen Wehrstellung der Spanier, wie immer, ohne nähere Hinweise, so daß jeder sich seine eigenen Gedanken zu den paar Haufen Steinen und Restmauerwerken aus Adobe machen kann. Da dieses Altertümchen nur durch einen schönen Wald zu erreichen war, stimmte uns die Umgebung mit dem Vorgefundenen gnädig – wir hatten schon dürftiges erlebt.
Und dann begann unsere Rundfahrt, die uns durch den Provinzpark von San Raphael bis an die Staumauer bei Nihuil, einem kleinen verschlafenen Dorf führte, vor dem sich ein großer See – wir wir später bemerkten, einer von vieren – aufstaute. Auf den nächsten gut 50 Kilometern wurde der Rio Atuél noch drei weitere Male aufgestaut. Wesentlicher Zweck ist der Betrieb von Wasserkraftwerken, die sich jeweils am nachfolgenden Staudamm befanden und die ihre Wasserzufuhr über kilometerlange Wasserrohre erhielten. Von Nihuil ging es dann eine Weile steil bergab auf den Talboden des Flusses, der hier nur als kleines Rinnsal zu bemerken war. Vor dem Eingriff von Menschenhand muß dies erheblich anders gewesen sein, denn der Canyon von Atuél schneidet sich teilweise bis zu 500m tief in die Erde ein, bildet zum Teil ein sehr enges Tal, manchmal weitete es sich auch auf, was unheimlich interessante Bergwände zur Folge hat, die auf Grund sehr unterschiedlicher Gesteinsarten und somit Gestaltungsmöglichkeiten durch den Millionenjahre dauernden Erosionsprozess oft bizarre Formen und sehr unterschiedliche Farben aufwiesen.
Wir sind zwar nicht mit vor Stauen offenem Mund die gut 50 Kilometer durch den Canyon gefahren, haben jedoch immer wieder anhalten müssen, um die Umgebung genauer zu mustern und legten, natürlich, an jedem Stausee einen Sonderstop ein. Das klare aber sehr kalte Wasser schimmerte oft bläulich und bildete somit einen sehr angenehmen Farbklecks in der ansonsten eher durch gedeckte Farben geprägte Landschaft. Die Fahrt und der Canyon waren wirklich sehr eindrucksvoll, auch wenn der Grand Canyon größer als dieser Canyon ist, sehr viel anders als das hier vorgefundene stellen wir uns das Amerikanische Vergleichsobjekt nicht vor, was quasi einem Verzicht auf seinen Besuch darstellt. Diese Tagesreise, gemütlich vollzogen, kann nur empfohlen werden, insofern verwundert, wie wenig Menschen wir auf der Canyonfahrt als Reisende zu Gesicht bekamen. Ob es an der leicht anspruchsvollen Strecke – schmale Piste mit ungesicherten Banketten, vielen engen Kurven und teilweise ganz schön steilen Abhängen – lag?
Der Canyon Atuél wird auch angepriesen als das Mekka der Wildwasserfahrer und soll für Rafting sehr geeignet sein, natürlich erst ab der letzten Staustufe am Stausee Valle Grande. Wir hatten uns für eine Raftingtour vorbereitet, d.h. die ggf. notwendige zusätzliche Wäsche eingepackt. An den Ablegestellen angekommen bemerkten wir jedoch einen derart zahmen Fluß, der nach Katrins Auffassung noch nicht einmal mit der Enz schritthalten kann, von wildem Wasser keine Spur. Hier floß ein ruhiges Flüßchen gen San Rafael, bei dem lediglich durch den sehr niedrigen Wasserstand ab und an kleine Strudel um aufstehende Steine festzustellen waren. Uns schien dies keinen besonderen Spaß zu machen, also Verzicht, den wir dann bei der anschließenden Autofahrt entlang des Flüßchens auch sehr bestätigt fanden. So wurde es nichts mit der – kalten – Wasserdusche im Fluß.
Sonntag dann wieder Reisetag, aber von sehr begrenzter Dauer, denn als nächste Station war der Ort Malargüe, etwa 220 Kilometer südwestlich gelegen, auserwählt, dies vor allem, weil er ein guter Ausgangspunkt für den Besuch zweier Nationalparks, einer großen vogelreichen Lagune und eines Vulkans zu sein schien. Von dieser Fahrt im wesentlichen haften geblieben ist die Wahrnehmung, wie die Buschwüste zunehmend wohl wegen der besseren klimatischen Verhältnisse in eine Steppe überging, der Boden ganz mit lockerem niedrigem Buschwerk, sehr selten mit Bäumen und sonst mit niedrigem Gras bedeckt war. Hin und wieder wohl ausreichend, um auf den riesigen eingezäunten Flächen Kühe und Pferde weiden zu lassen. Ab und an waren auch großzügig Wälder angelegt worden, weniger als Windbrecher sondern vielmehr als Nutzholzanlagen. Und in der Nähe von San Raphael dominierte der Obst-, Oliven- und Weinanbau. Bislang unbekannt war die Mitgliedschaft Argentiniens in der OPEC, die jedoch auch hier entlang der Strecke – und früher sogar in einem Nationalparkt vorgefundenen – in Massen gesichteten Ölförderpumpen lassen vermuten, ähnlich wie im Emsland in Deutschland, daß auch hier ein sicherlich überschaubarer eigener Beitrag zur Erdölversorgung geleistet wird.
Aus der Heimat eher unbekannt – Windhosen, hier sind wir bei unseren Fahrten durch die wüstenähnlichen Landschaften immer wieder auf dieses Phänomen gestoßen; leider waren sie entweder zu weit entfernt oder zu kurzatmig, um dokumentiert zu werden
Hatten wir bislang mehrfach Gelegenheit, uns einen Salzsee aus der Nähe anzusehen, einen wesentlichen Makel besaßen alle : die Salzkruste war immer im wesentlichen von einer Staub- bzw. Sandschicht dick bedeckt, so war uns heute das Glück hold, denn in der Nähe von El Sosneado tauchte auf einmal sehr überraschend eine weiß glitzernde Fläche linker Hand von uns auf, die sich beim Heranfahren als ein Salzsee entpuppte. Hier wurde sogar Salz abgebaut, wie sowohl eine Zufahrt zum See als auch die Baulichkeiten signalisierten. Sonntags wird wohl keiner vor Ort sein, also Blinker gesetzt und links abgebogen. Was wir sahen, war eine sehr in die Jahre gekommene Produktions- bzw. Abbaustätte des Seesalzes. Die sichtbaren Maschinen hatten schon Patina angesetzt, waren aber offensichtlich noch im Einsatz. Die Lagerhalle enthielt nach Einsichtnahme nur eine Abfüllanlage für das gewonnene Salz in Säcke; im Außenbereich fanden wir Gerätschaften um das Salz zu mahlen sowie, natürlich, einen riesigen Berg gereinigten Salzes. Bei einem kleinen Gang auf den Salzsee hinaus hätten wir, mit geschlossenen Augen, das Gefühl entwickeln können, doch noch in Uyuni auf dem Salzsee zu stehen, die Sonne brannte jedoch zu intensiv, um die kontemplative Ruhe entstehen zu lassen für diese Selbstsuggestion.
Heute hatten wir endlich einmal sehr viel Zeit, um in Ruhe unser Quartier zu suchen. Da noch keine Hauptreisezeit in Argentinien ist, haben offensichtlich zahlreiche Betriebe ihre Türen fest verschlossen oder zogen es vor, in der Zeit zwischen 14 und 16 Uhr keinem Interessenten zu öffnen. So reduzierte sich die Zahl der Kandidaten sehr schnell. Immer wieder erstaunlich bei der Suche festzustellen, welchen Standard mancher in Malargüe glaubt, gegen Geld noch anbieten zu können – kaum vorstellbar, daß in dem einen oder anderen Hostel bei dem vorgefundenen Dreck und Unordnung überhaupt jemand absteigt.
Die Zeit am Nachmittag nutzten wir auch, um unsere nächsten zwei Tage mit den Parkbesichtigungen zu planen. Wesentliche Feststellung : als Tourismusland steht Argentinien noch am Anfang – nicht primär wegen des immer wieder feststellbaren Verständigungsproblems, wer kein Spanisch spricht/versteht, ist auf verlorenem Posten, sondern weil dem Individualreisenden enorm viele Hürden aufgebaut werden, um die Besonderheiten des Landes, seine Schönheiten kennenzulernen. Der Nationalpark Payuni, vielleicht nicht jedem bekannt, kann nur in Begleitung eines Führers besucht werden. Um diesen müssen wir uns hier in Malargüe kümmern, der Park liegt aber vier Autostunden entfernt! Was also macht der Reisende, der direkt zum Parkeingang fährt? Nichts bzw. er ärgert sich erheblich, denn wie gesagt, ohne mitgebrachten Führer kein Zugang. Die Verpflichtung, einen Führer zu engagieren, erschließt sich einem auch nicht schnell, denn die Hinweise in den Reiseführern sind nicht nur unklar sondern in dieser Hinsicht auch irreführend. Da heute die entsprechenden Agenturen geschlossen haben heißt es Morgenfrüh die Agenturen abklappern, um einen englischsprachigen Guide aufzutreiben – was bringt uns ein Guide, wenn wir ihn nicht verstehen? Hoffen wir, erfolgreich zu sein.
Das Folgende gehört nicht nur in diese Reisephase, sondern stellt ein immerwährend wiederkehrendes Problem dar : die Suche nach einem geeigneten Restaurant. Natürlich kann man auch auf der Suche nach dem passenden Lokal eine Stadt kennen lernen, aber wer macht das gerne mit knurrendem Magen? Zunehmend nervt es, immer wieder nur die Abfolge Pizza, Pasta, Fastfood in jeder Form oder Fleisch in allen Variationen vorzufinden, als wenn in Argentinien nicht die Zutaten für ein abwechslungsreiches Speiseangebot existieren würden. Gemüse, Kartoffeln, nicht als Frítten, sondern als Salzkartoffel, wir suchten dies oft vergeblich und wurden nur selten fündig. Verständlich, wenn insbesondere Katrin, die als Vegetarierin es noch schwerer als ich hat, passende Speisen zu finden, oft an das heimatliche Essen denkt.
Als erstes stand am Montagmorgen die Suche nach dem/den notwendigen Guides für unsere Ausflüge an; Bedingung : englischsprachig. Wir hatten Hinweise auf zwei Agenturen vor Ort bekommen, die Zugriff auf entsprechende Führer haben. Also steuerten wir morgens um 9:00 Uhr die erste Agentur an. Dort nahm man unser Anliegen auf und sagte für den Abend um 20:00 Uhr zu, daß der Agenturleiter, englischsprachig, dann anwesend sei, mit dem wir alles Weitere besprechen könnten. Um unseren Besuch des Vulkans Malacara in die Wege zu leiten, besuchten wir die einzige Agentur vor Ort, die wohl das Monopol auf diese Exkursion hat. Leider hielt man uns im Unklaren, ob die um 15:00 Uhr am Vulkan beginnende Führung auch auf Englisch erfolgt. Wir waren jedoch positiv wie so oft im Glauben gegangen, daß dies der Fall sein würde. In der Zeit bis zur Vulkanbesichtigung wollten wir das Vogelreservat und die Lagune Llancanelo besuchen. Hier ist ausreichend, sich bei Betreten des Parks beim Parkwächter anzumelden. Beide Orte ließen sich gut miteinander verbinden, da relativ nah zu einander etwa 50 Kilometer von Malargüe entfernt.
Von Parkwächtern wird i.a. erwartet, daß sie wachen – als wir vor Ort eintrafen waren sie sicherlich wach, aber vor Ort wachen – keine Spur. So saßen wir pflichtbewußt vor der verschlossenen Tür der Hütte, leisteten dem “Wach”hund Gesellschaft am zunehmend heißer werdenden Vormittag und warteten. Nachdem mehr als eine halbe Stunde ohne besondere Ereignisse verstrichen war glaubten wir, uns unserer Anmeldepflicht entledigen zu sollen und machten uns eben unangemeldet auf den Weg, und wie sich herausstellte, auf die Suche nach der Lagune. Ja, während der Anfahrt, man nähert sich der Region, indem man in ein riesiges Tal hineinfährt, hatten wir mehrfach Blickkontakt zur Wasserfläche, der natürlich nicht mehr gegeben war, als wir uns auf gleichem Niveau wie die Lagune befanden. Die vor der Parkwächterhütte angebrachte Routenkarte wies uns, scheinbar, den Weg, auf den wir uns dann auch machten. Nun handelt es sich nicht gerade um eine kleine Lagune; um von einem Ende etwa in ihre Mitte zu gelangen waren gut 18 Kilometer zu fahren, interessante Kilometer. Einige der Vögel, die ihr Quartier in der Lagune haben (sollen), trafen wir auf der Fahrt dorthin an einem überschaubaren Wassertümpel an, den einerseits Kühe und Pferde als Tränke nutzten, andererseits Aufenthaltsort für eine ganze Reihe von Flamingos war. Die Vögel haben wohl besondere Antennen, denn sie stoben davon, als wir uns noch in erheblicher Entfernung zu ihnen auf der Anpirsch befanden. Wasser ist Leben, für manches Rindvieh reichte das wohl nicht aus, denn im Umfeld dieses Wassertümpels lagen mehrere Gerippe verendeter Rinder herum.
Die Lagune Llancanelo ist ein Naturschutzgebiet, auch wir Besucher sollten uns an strikte Regeln halten. Aus ökonomischen Gründen werden wohl die Regelungen so ausgelegt, wie es den Interessen von Ölfördergesellschaften am besten entspricht. Auch hier stießen wir auf zahlreiche Ölförderanlagen, auf stillgelegte oder verschlossene Bohrungen, auf einen Maschinenpark und auf Anlage von Öltanks, die eigentlich in diesem sensiblen Bereich nichts zu suchen haben.
In einem bestimmten Bereich, der Playa, kann man an die Lagune heranfahren, zumindest zu einem Punkt, bis zu dem sie sich vor vielen Jahren einmal ausgedehnt hatte. Inzwischen ist der Wasserstand so stark zurückgegangen, daß wir in einem halbstündigen Marsch es nicht schafften, an das Laguneufer zu kommen. Manchmal gaukelten uns wohl Luftspiegelungen vor, unmittelbar davor zu stehen, jedoch verschwand das “Wasser” dann schneller, als wir uns im näherten. Der Illusion, am Ufer dann auch noch große Teile der ausführlich beschriebenen Vogelwelt dieses Sees zu sehen zu bekommen, hingen wir schon nicht mehr nach. Man erwähnt sie, also gibt es sie, wir müssen das auch ohne Augenschein glauben.
Die Region ist von Vulkanen übersäht; ein solcher Drum von über 1.500m Höhe steht auch in Lagunenähe und bietet sich als Aussichtspunkt an. Von hier ober wurde das Dilemma des Sees so richtig deutlich, denn die trockengefallenen Flächen waren deutlich zu erkennen, die ursprüngliche Lagunefläche hatte sich im Verlaufe der Jahre sehr stark verringert.
Der Besuch oder besser das Eindringen in den Vulkan Malacara war interessant, denn so nah waren wir noch nie dem Boden eines Vulkans wie es hier der Fall war. Der eigentliche Vulkan besitzt 3 Krater, in denen man herumkraxeln und klettern kann. Schade, daß wir keine geologischen Kenntnisse besitzen, denn die Vielzahl der vorgefundenen verschiedenen Gesteinsarten und ihre jeweilige Verbindung zueinander wäre für uns von Interesse gewesen. So standen wir immer wieder vor den bizarren Formen, die der Vulkan und die über ihn hinweggegangenen Millionen Jahre geschaffen haben, die Vielfalt der wahrzunehmenden Farben. Wir waren auf unsere eigene Wahrnehmung angewiesen, denn die Führerin, die mit zwei weiteren Gästen zum Treffpunkt angereist war, konnte ihr Wissen nur in Spanisch weitergeben, für unsere Ohren und unsere Sprachkenntnisse etliche Nummern zu groß. So blieb am Schluß ein Aha-Erlebnis, aber auch die Erkenntnis, daß der hiesige Tourismus noch einiges dazulernen muß, wenn er seine Schätze auch internationalem Publikum zugänglich machen will. Und diese Sprachprobleme bzw. das Fehlen fremdsprachekundiger Guides zieht sich nahezu von Beginn unserer Reise durch, ein Manko, das besonders die Individualtouristen zu tragen haben, denen es nahezu unmöglich ist, sprachkundige Führer aufzutreiben.
Womit wir beim Frust des Tages sind. Zur angegebenen Zeit trafen wir am Treffpunkt im Hotel des Agenturbesitzers ein um zu erfahren, der für 20:00 Uhr angekündigte Chef sei noch nicht da, vielleicht um 21:00 Uhr oder auch später. Stimmung auf dem Nullpunkt, da wieder einmal ein Beweis der Unzuverlässigkeit erbracht worden war und frustrierter Abgang von Katrin und Thomas. Eine Möglichkeit für unsere Tagestour am nächsten Tag in den Provinzialpark El Payun gab es noch, die zweite Agentur, die Zugriff auf fremdsprachenkundige Führer hat/haben soll. Da man hier auch abends arbeitet und oft die Läden bis in die Puppen geöffnet sind, hatten wir Glück, der Laden war noch offen und besetzt – das war es dann auch schon mit der positiven Wahrnehmung. Die Ladenkraft war nicht in der Lage herauszufinden, ob der für den morgigen Tag für diese 12-Stunden-Tour eingeplante Guide mehr al nur Spanisch kann. Nach den Erfahrungen im Vulkan hatten wir jedoch kein weiteres Bedürfnis nur sehende Mitfahrer zu sein, ohne am Wissen des Guides teilhaben zu können. Die Inkompetenz, die wir hier in Tourismusangelegenheiten wiederholt erfahren hatten, wollten wir nicht erneut am eigenen Leib erfahren, deshalb mussten wir uns schweren Herzens von unserem Plan, El Payun zu besuchen, verabschieden. Dies fiel auch deshalb schwer, weil die zu besuchende Region nicht nur besondere Ausprägungen und Ergebnisse vulkanischer Tätigkeit aufweist, sondern weil hier auf engstem Raum Dutzende von Vulkankegeln versammelt sind.
Über die dürftigen Kochkünste haben wir uns schon mehrfach ausgelassen; nach dem Vorstehend geschilderten Frusterlebnis wollten wir mal wieder vernünftig essen und besuchten ein bekanntes Restaurant. Nachdem wir um 19:00 Uhr unter Verweis auf die Öffnung um 20:30 Uhr abgewiesen worden waren, trafen wie gegen 20:45 Uhr ein – als einzige Gäste, auch für die nächste halbe Stunde. Das Essen so la la, die Parilla hat mich nicht überzeugt, die Preise waren teilweise von einem anderen Stern. Dem Faß den Boden schlug jedoch eine Beobachtung Katrins aus, als sie, als erste und wohl bislang auch einzige Frau an diesem Abend die Banos aufsuchte und kopfschüttelnd, mit gewissem Ekel im Gesicht, an den Tisch zurückkehrte. Die Restaurantbesatzung hatte es wohl nicht geschafft, die teilweise Verkotung der Damentoiletten bis zur Öffnung am Abend zu beseitigen oder besser, hat diesen Zustand nicht wahrgenommen. Ein Glück, daß wir schon gegessen hatten.
Der Ausfall des geplanten Tagesausflugs verkürzte unseren Aufenthalt in Malargüe, d.h. am nächsten Morgen war Abreise angesagt. Vom Ort gibt es, wie die Karten belegen, eine Straßenverbindung über den Pass Pehuenche, 2.583m hoch gelegen, nach Chile zum Ort Talca, eine sinnvolle Fortsetzung unserer Reise.