Der 4. und 5.9. waren als Transfertage nach Santiago de Chile über Buenos Aires geplant; Direktflüge gibt es nicht, deshalb der Rückweg nach Buenos Aires, wo wir eine weitere Nacht verbrachten. Schade, daß wir uns von unserem Hostel verabschieden mußten, denn obgleich uns der Regentag Stimmung und Planung versaut hatten, wohl haben wir uns hier gefühlt! Den großen Pool hatte Katrin am Vorabend des Abreisetages dann auch noch benutzt und ihre Runden gezogen; so wie es aussah, war sie wohl die erste oder einzige seit langem, die in diesem täglich penibel gereinigten Pool badete und schwamm. Es soll auch nicht – viel – kälter als im Vaihinger Freibad gewesen sein. Nachprüfen kann ich es nicht, denn mir war nach Arbeit zu Mute.
Auf dem Rückflug hatten wir im Vergleich zum Hinflug auf der gegenüberliegenden Seite Fensterplätze und blickten, im Vertrauen daß die Angaben in Reiseführern und/oder Berichte von erfahrenen Travellern zutreffend sind, angestrengt jedoch ohne den erhofften Blick auf die Fälle zu erhalten hinaus und waren auch hier um eine Erfahrung reicher.
Uns bekannten Informationen zur Folge sollte es möglich sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich dem Bus, direkt vom nationalen Flughafen in die unmittelbare Nähe unseres Nachtquartiers an der Plaza de Congresso/Av. de Mayo, dem Hotel Mundial, zu kommen. Nähere Hinweise erhofften wir von der im Flughafen präsenten Touristeninformation zu erhalten. Wie erstaunt waren wir, als uns, nachdem die erste Frage von uns auf Englisch gestellt worden war, die Gegenfrage erreichte, ob wir aus Deutschland seien und dann das Gespräch auf Deutsch weitergeführt wurde. Mit den notwendigen Hilfsmitteln und Plänen ausgestattet, vor allem aber eine ältere Ausgabe von “Argentinisches Tageblatt” – seit 1889 erscheint die Zeitung wohl wöchentlich auf Deutsch, berichtet insbesondere über Ereignisse in Deutschland und weist über gut zwei Seiten im Innenteil auf Veranstaltungen, Treffen verschiedenster Deutscher Zirkel, Vereine etc. hin,
so gibt es auch den “Schwäbischer Sport- und Turnverein Pineyro” – im Rucksack, gingen wir auf die am Flughafen vorbeiführende Schnellstraße und suchten die Bushaltestelle. In gut 400m Entfernung wurden wir fündig, auf der dem Flughafen gegenüberliegenden Seite; stutzig wurden wir nicht, denn die Straße machte – auch – einen Bogen um die Startbahn, bevor sie in die Innenstadt, wo unser Ziel lag einbog. Darüber hinaus war auf einer Tafel auch an fünfter Position unsere Zielhaltestelle angezeigt.
Bus um Bus fuhr vorbei, es dauerte fast eine halbe Stunde, bis endlich unsere 37 eintraf. Wir zahlten (3 Pesos am Automaten) und hielten uns auf der rasanten Fahrt, die immer weiter in Richtung Norden führte, manchmal nur mühsam auf den Beinen. Langsam stiegen Zweifel auf, ob dies der richtige Bus sei, die zur Gewißheit wurden, als an der Universität es hieß : Endstation. Was nun? Hin zum Busfahrer, unser Mißgeschick so gut es auf Spanisch ging erklärt, der schloß dann die Türen und fuhr einfach wieder los – auf die gegenüberliegende Straßenseite um seine Rücktour zu beginnen. Wie viele Stationen wir passiert haben, bis wir an der Plaza de Congresso dann endlich ausstiegen konnten – wir wissen es nicht, aber es war alles in allem eine mehr als 1 1/2 stündige fast kostenlose Stadtrundfahrt, denn für die Rückfahrt wurden wir nicht erneut zur Kasse gebeten.
Unser Hotel befand sich in einem klassizistischen Bau, vor 3 Jahren grundlegend restauriert und machte von innen einen guten Eindruck. Ins Auge fiel die Aufzuganlage, die wohl auch schon an die 100 Jahre auf dem Buckel hatte, aber funktionsfähig war und insbesondere durch ihr schmiedeeisernes Gehäuse auffiel.
Auf unserem nachmitttäglichen Spaziergang durch dieses Viertel um das Kongressgebäude bemerkten wir immer wieder, wie zahlreich doch Gebäude mit bemerkenswerten Fassaden noch in den Straßenfluchten zu sehen waren. Leider in den meisten Fällen in einem bedauernswerten Zustand, die wenigsten Gebäude erschienen angemessen restauriert, an wenigen wurde gerade Hand angeleggt, die meisten existierten irgendwie vor sich hin und warteten auf ein Wunder. Schade, denn die in diesen Fassaden zum Ausdruck kommende Handwerks- und Architektenkunst, sich auch um das gestalterische Detail zu kümmern, Fassaden schön zu gestalten, so zu gestalten, daß sie ein Blickfang sind, scheint m.E. bei der heutigen Hochbauarchitektur abhanden gekommen zu sein, in der Glasfronten und Stahl inzwischen dominieren, das kleine Detail aber zu kurz kommt. Diese stark beschädigten Fassaden vor dem inneren Auge kann ein Gefühl für die frühere Schönheit der Stadt aufkommen. Tempi passati.
Eigentlich war geplant, auch am 5.9. zum internationalen Flughafen Ezeiza mit dem Bus zu fahren; wir wußten, dies dauert gut zwei Stunden, aber da der Abflug ja erst gegen 14:00 Uhr erfolgen sollte, schien dies machbar zu sein. Und die Relation von etwa 16 Argentinischen Pesos gegen mindestens 240 Pesos war auch ein Argument. Der Concierge unseres Hotels hat aber mit solch Engelszungen uns deutlich gemacht, daß aus den zwei auch schon mal drei Stunden werden könnten, die Gefahr bestünde den Abflug zu verpassen, was auch schon vorgekommen sei etc., so daß wir dann doch von unserem Vorhaben Abstand nahmen und auf die bequeme Tour in gut einer 3/4 Stunde uns zum Flughafen chauffieren ließen.
Bereits bei unseren ersten Ankunft in Buenos Aires ist mir im unserem Bus ein Gast aufgefallen, der sich, als eine Kirche direkt neben der Straße auftauchte, bekreuzigte. Ich nahm dies zur Kenntnis, ist halt eine Marotte von ihm. Als dann aber auch unserer Fahrer als er genau diese Kirche auf unserem Weg zum Flughaffen passierte sich ebenfalls bekreuzigt, wies dies auf einen wohl bei manchen oder vielen Menschen in BA vorhandenen besonderen Glauben hin.
Der Flug über die Anden nach Santiago de Chile gehörte zu den kürzeren, zuerst überflogen wir endlich bräunlich erscheinende Felder, dann wohl Mendoza am Fuß der Anden um diese dann zu überqueren – schrundige Bergrücken, lange Täler, aufgefaltete Bergkuppen und dann auch Eis und Schnee kamen ins Blickfeld und schienen gar nicht so weit von unserem Flieger entfernt zu sein.
Und dann begann auch schon der Abstieg von unserer Flughöhe zur Landung in Santiago de Chile. Damit wurde auch deutlich, wie nah die Stadt an den Andenbergen liegt, in Sichtweite.
Nach Erledigung der Einreise- und Zollformalitäten – zuvor hatten wir den nicht einführbaren Apfel (!) verspeist – sowie Informationsbeschaffung bei der Touristeninformation wegen des Busverkehrs uns mit neuen, diesmal chilenischen Pesos versorgt, den Bus bestiegen (20km Fahrt für jeweils rund 2 Euro), in die Metro gewechselt, um dann von der Station Salvador die gleichnamige Straße zu unserem Quartier in der Hausnummer 915 zu laufen. Die Wegstrecke entpuppte sich als deutlich länger als an Hand der ins zu Hause zur Verfügung stehenden Karte ermittelt, das Gepäck drückte ganz schön auf die Schultern, aber schließlich um 17:15 Uhr waren wir da, an unserem Heim für die nächsten 4 1/2 Wochen. Die Vermieterin und ein Vertreter der Vermittlungsagentur warteten auf uns; nach Erledigung der Vertragsformalitäten, der Mietzahlung konnten wir uns dann endlich “langmachen”. Gerade angekommen hatten wir natürlich noch keine Orientierung, was wir wo in diesem Viertel finden könnten.. Und so gingen wir dann am Abend mit hungrigem Magen auf Erkundungsgang. Dieser zog sich hin, denn so viele Straßen wir auch abgingen, wir fanden, kein Restaurant, Bistro etc., in das wir einkehren wollten oder konnten und endeten schließlich bei einer Minipizzeria, die unserem Haus gegenüber liegt!
So konnten wir dann mit vollem Magen uns relativ früh betten.