Puerto Iguazu–Wasser von allen Seiten

Auf dem Anflug auf Puerto Iguazú versuchten wir wie fast alle Fluggäste die Wasserfälle von Iguazú auszumachen – trotz guten Wetters vergeblich. Die warmen Temperaturen von Buenos Aires waren bis hier in den Norden vorgedrungen. Nicht mit nach hier waren jedoch zu unserem Leidwesen unsere Rucksäcke gekommen, – wir sahen uns, als das Förderband endlich stillstand, ganz bedröppelt an und befürchteten Schlimmstes, wie : und von jetzt an mit neu zusammengestoppelter Ausrüstung weiter reisen etc.! Positives Denken half offensichtlich; zwar konnte die zuständige Mitarbeiterin am LAN-Schalter auch nicht feststellen, in Richtung welchen Erdteils unser Gepäck entschwunden war, machte uns aber Hoffnung – vielleicht dann im nächsten Flieger? Also warteten wir und wurden nicht enttäuscht. Nach einer guten Stunde waren wir wieder vereint – unsere Rucksäcke und wir. ÖPNV gibt es vom Flughafen, der 20 km vor den Toren der Stadt liegt in diese nicht, also kauften wir für angemessene 80 Argentinische Pesos zwei Sitzplätze in einem Kleinbus, der uns sogar direkt vor die Tür unseres “Hostel Inn”, an der R. National 12, km 5 (sagt etwas über die Entfernung ins Städtle aus) fuhr. Quartier bezogen – zu gar nicht JuHe liken Konditionen, aber schön im Eck mit riesigen Fenstern und Blick auf den riesigen Park gelegen.Ein riesiger Pool fand dann auch Katrins Interesse, aber wegen der relativ niedrigen Wassertemperatur wurde das Training auf den Abend/Folgetag verschoben. Stattdessen war Entspannung pur angesagt.

 

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Nachmittags dann der Erkundungsspaziergang in die Stadt, auch um vernünftig zu essen. Wie das leider aktuell nicht hochzuladende Foto belegt, hat Katrin wahrlich den größten Fisch an Land gezogen! Also: Verpflegung war top und gestärkt legten wir den Rückweg dann in knapp einer 3/4 Stunde im Dunkeln zurück. So entspannt und erfolgreich könnten auch die folgenden Tage hier im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Uruguay sein, so unser Wunsch.

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Am Montag wollten wir sehr früh uns in Richtung Wasserfälle mit dem öffentlichen Bus auf den Weg machen und standen um 07:00 Uhr auf. Bereits da gab es anfangs nicht genau zuordnenbare Geräusche draußen vor dem Fenster. Nach intensivem Prüfen kamen wir zu dem Ergebnis, nicht Kofferrollen auf dem Gang vor der Tür sondern Donnergrollen über uns waren Ursache für die Störung. Und es wurde noch besser – mit dem Donner kam auch der Regen, und was für einer. Ein richtiger Landregen brach am Dienstag über uns herein und vereitelte jede Tagesplanung. So blieben wir dann im Hostel und hofften auf ein Einsehen des Wettergottes. Bei dem Wetter schickt man nicht einmal seinen liebsten Feind vor die Tür!

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Unsere Planung, uns am Montag die Wasserfälle auf der Argentinischen Seite und den Nationalpark anzusehen, ein volles Tagesprogramm, um dann am Dienstag über die Grenze nach Brasilien zu fahren; dann wollten wir den von dort möglichen Blick auf die Breite der Cataractas werfen und versuchen, zum Staudamm von Itaipú, dem wohl größten der Welt weiter zu kommen. Stand Montagnachmitttag sind alle Pläne Makulatur. Sei´s drum, ohne Blick auf die Fälle reisen wir nicht ab, und wenn wir dann bis auf die Haut durchnässt werden sollten. Also Morgen haben wir noch einen, den letzten Versuch, denn den Flieger nach Buenos Aires am Mittwochmitttag, um dann – leider – erst am Donnerstagfrüh nach Santiago de Chile weiterreisen zu können, müssen wir nehmen.

Bei Einbruch der Dunkelheit am Montagabend ließ der Regen langsam nach, um dann völlig zum Erliegen zu kommen. Es gab Hoffnung – mal schauen, wie es Dienstagfrüh aussieht. Wenn wir in der Nacht aus dem Schlaf aufwachten lauschten wir, nahmen aber keine Regengeräusche wahr und konnten uns beruhigt wieder umdrehen. Um 07:00 Uhr hieß es aufstehen, der erste Bus in Richtung Iguazú fuhr um 08:00 Uhr am Hotel vorbei, den galt es zu erreichen, um vor dem Ansturm der sonstigen Besucher im Park zu sein. Und wir schafften es, mit uns fuhren nur knapp 10 Gäste in Richtung Parkeingang. Der Himmel war zwar bezogen, Temperatur angemessen so um 18 Grad, und es blieb trocken. Zum Fotografieren keine guten Bedingungen, aber uns ging es ja vor allem darum, dieses Naturwunder mit eigenen Augen zu sehen.

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Wir wurden nicht enttäuscht. Es war weniger die Höhe der einzelnen Wasserfälle als vielmehr die riesige Anzahl breiter, schmaler, in Kaskaden oder direkt in die Tiefe stürzende, mehrere in dichter Folge oder jeweils einzeln aus dem Felsen herausbrechend, von einer Gischtwolke umhüllt oder ganz rein und unverfälscht abwärts stürzend – wir waren und sind begeistert, überwältigt und freuten uns beim Gang über die verschiedenen Rundstrecken, die den Besucher an die einzelnen Fälle heranführten, immer wieder von Neuem über die Naturschönheit. Wir konnten in die Fälle von oben, von der Seite hereinsehen und an seltenen Wegstellen sogar fast von unten in die Abrißkante blicken.

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Natürlich waren wir nicht allein unterwegs, im Verlaufe des Vormittags strömten immer mehr Besucher in den Nationalpark, so daß sich auf manchem Wegteil, insbesondere dort, wo über Stege die Zuwegung zu Aussichtpunkten erfolgte, regelrechte Aufkommensstaus ergaben.

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Durch den frühen Start sind uns wohl die größten Auswüchse des Besucheranstroms erspart geblieben. Da es unterschiedliche zu Fuß zu bewältigende Wege gibt und man darüber hinaus zu dem berühmtesten Wasserfall, dem Teufelsschlund, den größten Teil des Weges mit einem Bähnchen im Zuckeltempo gefahren wird,

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kann man problemlos, mit Muße ausgestattet und vom Wunsch beseelt, jeden auch noch so kleinen Weg abzugehen, einen vollen Tag auf der argentinischen Seite des Weltwunders verbringen. Der wiederholt Blick zum Himmel, der sich immer wieder am Vormitttag verdunkelte, ließ uns aber rational handelnd ein zügiges Tempo vorlegen und nicht jeden Wegschlenker mitnehmen. Wir wollten möglichst viel sehen und dabei – hoffentlich – trocken bleiben. Denn das tatsächliche Wetter entsprach in keiner Weise der lokalen Wettervorhersage, die für den Vormitttag leichten Regen und nachmittags Starkregen angekündigt hatte. Jeder irrt einmal, auch die Wetterfrösche, heute war es uns sehr lieb. Nachdem wir gegen Mittag nahezu alle Besuchspunkte auf der argentinischen Seite erkundet hatten und wenig Sinn darin sahen, durch den Naturpark weiter zu streifen, um außen den uns ständig begleitenden Waschbären noch weitere als die unten abgebildeten erwähnenswerte Tiere zu sehen, reifte der Plan den Versuch zu wagen, irgendwie doch noch auf der brasilianischen Seite in den Park zu kommen.Im übrigen hatten wir schon ganz besondere Tierarten aufgespürt, die eine, das Krokodil lag unweit unseres Weges im Wasser, die andere, eine Wasserschildkröte entdeckte Katrin dank ihrer durch die Costa Rica Reise im Schildkrötenaufspüren geschulten Augen in großer Entfernung auf einem kleinen Felsen im Flußlauf.

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Auch anderes Getier kreuzte unseren Weg :

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In den Reiseführern wurde hervorgehoben, daß von der brasilianischen Seite zwar nicht eine große Vielzahl an Wasserfällen wie auf der argentinischen  Seite aus der Nähe betrachtet werden könnte, dabei aber Brasilien mit einem wunderschönen Panoramablick entlohnen würde. Wir erfuhren, daß vom Busbahnhof in Puerto Iguazú eine Busverbindung in den brasilianischen Parkteil bestünde, aber wann fahren die Busse ? Dennoch, wir machten und auf dem Weg, fanden die passende Buslinie und fuhren um 14:00 Uhr Richtung brasilianische Grenze. Die letztmögliche Rückfahrt  ab Brasilien Nationalpark war um 17:00 Uhr. Relativ wenig Zeit, aber wir wollten es versuchen. Obgleich erkennbar “kleiner Grenzverkehr” mit einem kurzen Übertritt nach Brasilien stattfand, war die Grenzbürokratie unbarmherzig und uns wurde Zeit gestohlen. Am Ende des Nachmitttags wiesen unsere Pässe jeweils vier weitere Stempel auf (jeweils Ein- und Ausreise aus/nach Brasilien/Argentinien). Endlich am Park angekommen, die Eintritttickets gelöst, blieben uns gut 2 1/4 Stunden!! Zum Glück gibt es einen Bustransfer in die Nähe der Fälle, so daß ein kilometerlanger Anmarsch dem Besucher erspart bleibt, bei dem er ohnehin nicht viel Bedeutendes zu Gesicht bekäme. Aber dann, nach gut 15 Minuten langsamer Busfahrt, eröffnete sich uns nach wenigen Metern hangabwärts ein wahnsinniger Panoramablick; ein Teil der Fälle uns direkt gegenüber – wenn auch sicherlich gut 1-2 km entfernt, jedoch imposante Erscheinungen.

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Und so ging es dann den weiteren Weg in Richtung Abbruchkante an er brasilianischen Seite weiter, ein Panoramablick folgte dem nächsten, wir kamen den Wasserfällen immer näher bis wir kurz vor Ende auf einer Aussichtsplattform standen, von dem aus man eigentlich in das brodelnde Wasser des Teufelsschlunds hineinsehen können sollte, wären da nicht die wahnsinnigen Gischtwolken, die ein Erkennen unmöglich machten, uns umgab nicht als Wassernebel.

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Das Brausen des in die Tiefe fallenden Wassers hat uns ja den ganzen Tag begleitet, wenn man die Augen schließt, ein stark entspannendes Geräusch, aber hier, praktisch im Schlund des Teufels, brauste es noch um Einiges stärker. Gigantisch – aber auch ganz schön naß! Welches Ausmaß die Wasserfälle von Iguazú in ihrer Breite haben, erschließt sich erst von der brasilianischen Seite. Auch mit einem Weitweitwinkelobjektiv lasst sich das Gesamtpanorama nicht auf das Bild bannen. Interessierte seien für weitere Informationen an die Fachliteratur verwiesen, aus der dann Werte über Ausdehnung, Höhe, Anzahl der Fälle – je nach Wasserstand von gegen 170 bis zu 240 Fälle –, Wassermenge die pro Sekunde in die Tiefe fällt, Geschichten und Anekdoten verwiesen – uns hat der Anblick stark in den Bann gezogen, die Zahlen sind etwas für Statistiker. Wenn man auf argentinischer Seite auf dem Weg zum Teufelsfall auf Stegen über den Rio Paraná geht und unter sich dann den teilweise träge dahinfließenden aber doch ziemlich breiten Fluß mit seinen zahlreichen Armen sieht, dann wächst das Erstaunen über die Gewalt, die durch den Absturz der Unmengen Wasser entsteht.

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Waren wir am Montag ziemlich geknickt und haben uns den Dienstag positiv “geträumt”, so sind wir jetzt am Dienstagabend total glücklich. Der Abstecher hierhin hat sich wirklich gelohnt und wir hoffen, daß auch weitere Entscheidungen für ein kleines Reiseziel am Ende zu der gleichen positiven Bewertung führt. Darauf wollen wir einen trinken, bevor es Morgen wieder zurück nach Buenos Aires für eine Nacht geht. Donnerstag landen wir in Santiago de Chile und hoffen, daß mit dem dort wegen des Sprachkurses für vier 1/2 Wochen gebuchten Quartier alles in Butter ist.

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