Von Santiago ins Valle de Elqui

Am 5.10. beginnt unsere Reise so richtig. Überpünktlich wurde unser hoffentlich treuer Begleiter für die kommenden 3 Monate an unsere Wohnung angeliefert. Ein ganz schöner Drum, wie wir dann staunend feststellen mussten, aber, wir hatten ja zuletzt auch keine Wahl mehr und mussten uns mit dem begnügen, was noch verfügbar war.

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Wohnungsübergabe dann um 11:30 und um 12:15 ging es dann ab auf die große Rundfahrt. Zwar hatten wir uns, um aus dem Chaos der Stadt herauszukommen, auf dem Stadtplan eine “leichte” Route ausgesucht, der wir dann auch folgten, jedoch konnten nicht alle Straßen so befahren werden wie vorgesehen – das wahnsinnige Einbahnstraßensystem Santiagos war jetzt kurzfristig unser Feind. Mehr im Schritt- als in Fahrtempo ging es in Richtung Panamericana Norte/N5, die wir nach gut 15 km und fast einer Stunde im Schritttempo erreichten.

Santiago zog sich ganz schön hin, aber bald kamen Bergrücken uns auf dem Weg in Richtung Westen immer näher, Bergflanken erdfarben, mit Buschwerk und kleinen Bäumen bewachsen, bald übergehend in steppenartigen Bewuchs.Zwischendurch waren auch größere Flächen mit Rebstöcken besetzt. Auch ausgedehnte Flächen mit lockerem Kakteenbewuchs lagen rechts und links der Straße.

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Unser Ziel war, schnell über die Autobahn nach  Los Villos zu kommen um dann je nach Uhrzeit  weiter nach Illapel zu fahren. Die ersten 150 Kilometer waren ziemlich eintönig, die Landschaft änderte sich um Grunde nicht, geringer Verkehr und zügiges Fahren, immer wieder unterbrochen durch Mautstellen, die Bares wollten. Als dann für eine Tunnelfahrt gute 6.000 CLP verlangte wurden, gleichzeitig aber auch eine Umgehungsmöglichkeit angezeigt war, nutzen wir die preiswerte Variante und konnten dabei auf einer mit zahlreichen Serpentinen gespickten Strecke bergauf- und bergab den Wagen und sein Reaktionsvermögen so richtig testen. Da es ziemlich warm war, fuhren wir mit offenem Fenster. Nach etwa 180 Autobahnkilometern zeigte sich im Augenwinkel eine weite Fläche, vielleicht blau? Vielleicht das Meer? Und dann nahmen wir auch den besonderen Meeresgeruch war – endlich keine trockene und verpestete Luft. Ein Blick, eine Entscheidung, bei der nächsten Autobahnabfahrt ging es rechts heraus und durch den Ort Los Molles an den menschenverlassenen Sandstrand. Die Ferienhütten im Hintergrund, die erkennbare Infrastruktur des Ortes lassen erahnen, daß zu anderen Jahreszeiten hier richtig was los ist – heute trafen wir am Strand nur drei Fischer und ein Pärchen, das auf Klappstühlen und sonnenschirmbehütet die Frische genoß. Katrins Wassertest fiel negativ aus – zum baden zu kalt, aber die Vorstellung, man könnte baden, löste schon positive Gefühle aus. Da wurde auch so richtig deutlich, wie sehr wir uns nach der Weite der Landschaft gesehnt hatten, froh waren, endlich aus der Stadt herauszukommen.

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In Los Villos verließen wir die Panamericana um über Illapel durch das Nationalreservat Los Chincillas nach Combarbala zu gelangen. Die putzigen Pelztiere, die hier eine beschützte Heimat haben, kamen uns nur als überfahrenes Exemplar vor die Augen. Da die Tiere auch sehr scheu und eher nachtaktiv sein sollen, fiel uns der Verzicht auf einen Besuch des Parks sehr leicht. Zu dieser Zeit schenkten wir der Landschaft um uns herum viel Aufmerksamkeit, wechselten doch karg bewachsene Berghänge, oft waren es Kakteen und Steppenebenen mit Ausblicken auf Andengipfel, teilweise noch schneebedeckt, ab. Alles um uns herum wirkte und war wohl bereits Wüste – Steinwüste, Geröllwüste oder was auch immer.

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Hier wurde auch deutlich, daß 75% der chilenischen Bevölkerung in Städten lebt – über lange Strecken waren kaum im allgemeinen sehr kärgliche Behausungen zu entdecken. Wie soll man auch in dieser im Grunde menschenabweisenden Umgebung, in einer Steppen- oder Wüstenlandschaft überleben können? Hier und da nahmen wir Ziegen vereinzelt, selten als kleine Herde wahr, offensichtlich die einzigen hier lebensfähigen Nutztiere. Auch wir wurden herausgefordert durch rund 80km Piste, hier galt es, da die Straße sehr kurvenreich durch die Täler und über Bergrücken führte nach Staubfahnen vor uns Ausschau zu halten, denn nicht überall war ein problemloses Ausweichen möglich. Bei der Straße war die große Bodenfreiheit unseres Wagen sehr von Nutzen, gewöhnungsbedürftig war/ist der Heckantrieb, denn bei rippigem Untergrund springt der Wagen gern, was insbesondere in Kurven nicht viel Spaß macht.

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Gegen Abend dann Ankunft in Combarbala und hohe Zeit, ein Quartier zu suchen, denn es war nach 19:00 Uhr. Im Reiseführer und dem Ergänzungsmaterial zu unseren Straßenkarten gab es Quartierhinweise und eine Skizze der Innenstadt. Über Umwege fanden wir dann das von uns favorisierte (eine von drei Möglichkeiten) Hostel Apuwara, wo wir ein  Doppelzimmer beziehen konnten. Man sollte meinen, in einer Gemeinde von mehr als 10000 Einwohnern gibt es auch an einem Samstagabend zahlreiche Möglichkeiten zu Abend zu essen – weit gefehlt. In unserem Hostel war es nur nach Voranmeldung möglich, in der weiteren offenen Alternative wurde ein Geburtstag gefeiert und die dritte Option hatte geschlossen. Da einzig ein Supermarkt geöffnet hatte versorgten wir uns dort mit dem Notwendigen einschließlich Bier, um selber ein Abendbrot zubereiten zu können. So hatten wir uns den ersten Abend auf unserer Weiterreise nicht vorgestellt, aber das Zimmer, eine ruhige Nacht, das schöne Ambiente des Apuwara entschädigten dann.

Unser erstes größeres Ziel war das Valle de Elqui. Von Combarbala über eine Piste nach Telahuén, das Tal des Rio Grande abwärts und über Monte Patria nach Ovalle; wenn dann noch Zeit blieb wollten wir versuchen über Sama Alto das als landschaftlich reizvoll beschriebene Hurtadotal aufwärts fahren um über einen Pass – die Strecke fast nur als Piste gekennzeichnet – direkt in das Valle de Elqui, nach Vicuna, zu gelangen. Soweit der Plan.Wir kamen auch gut über die teilweise sehr enge Piste voran und erreichten nach nicht ganz zwei Stunden und 51km Telahuén, einem kleinen Weiler, der uns an ein Oasendorf erinnerte und ebenso gut auch in Ägypten hätte liegen können.

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In der Talniederung um den Ort herum konnte Landwirtschaft betrieben werden, einige hundert Meter hangaufwärts sowie wenige Kilometer talab- oder aufwärts endete das grüne Band. Die Landschaft änderte sich um Grunde kaum, manchmal war in den Talniederungen genügend Wasser, um eine kleine Vegetation zu ermöglichen, meistens begleiteten uns jedoch niedrige Sträucher und kleine Büsche, meistens jedoch eine Steinwüste. Wahrlich keine Abwechslung für die Augen, dominierten doch grau und diverse Erdtöne. Eine Weile hinter Telahuén verbreiterte sich die Piste, gleichzeitig nahm erkennbar die Landwirtschaft, insbesondere in Form von Obstanbau zu. Dies war offensichtlich der Grund, um die Straßenverhältnisse insgesamt zu verbessern, um den Abttransport der Ware reibungsloser gestalten zu können.

Übrigens,einige der Täler, auch hier am Rio Grande oder von der Küste hoch nach Illapel, waren wohl vor Jahrzehnten auch durch Schienen erschlossen; heute findet man Bahndämme, weitgehend durchgängigen Schienenverlauf, der an einigen Stellen teilweise bau- teilweise klaubedingt unterbrochen war, den Bahndamm begleitende Strommasten, an denen heute noch Kabel hängen, aber auch ein Gleisbett, das an vielen Stellen überwachsen ist.

Vor Ovalle war auf der Karte ein riesiger Stausee eingezeichnet und endlich war er auch in Sicht, aber im wesentlichen sahen wir nur trockene Ufer und eine kleine Pfütze Wasser in der Mitte des Tales. Einige Straßenkilometer weiter dann der riesige Staudamm des Stausees La Paloma. Ein Spaziergang über den Damm, der 85m hoch ist, zeigt dann das ganze Ausmaß des Problems : selbst der Fuß des Damms stand trocken, d.h. gegenüber dem Normalniveau lag das derzeitige Seeniveau 60-70 Meter tiefer! Später in Vicuna erfuhren wir, daß es jahrelang (die einen sprechen von 8, die anderen von 4 Jahren) keine normalen Regenfälle mehr gegeben habe; auch der Wasserzufluß durch Schmelzwasser sei in den vergangenen Jahren deutliche geringer ausgefallen, da die Schneehöhen in den Bergen im Winter nicht mehr 3-4 Meter sondern nur noch 1-1,5 Meter betrugen. Hier kommt ein Riesenproblem auf die Region zu, in der erkennbar das Wassersparen noch nicht praktiziert wird, wasserintensive Landwirtschaft durch Obst- und den enorm angewachsenen vor allem exportorientierten Weinanbau bis in 1700 Meter Höhe stark forciert wird.

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Am frühen Nachmitttag in Ovalle angekommen war uns noch nicht danach, ein Quartier zu suchen, also setzten wir unsere Fahrt auf der geplanten Route fort. Nächstes Ziel war der Nationalpark Pichasca; dort soll es Hinweise auf frühere steinzeitliche Besiedlung geben, vor allem aber versteinerte Bäume zu finden sein. Da auf dem Weg liegend schien ein Stop naheliegend. Während der Fahrt las Katrin die entsprechenden Passagen im Reiseführer und stieß auf einen Hinweis, wonach für den letzten Streckenabschnitt über einen Bergrücken in das Tal de Elqui wegen der Steilheit Vierradantrieb empfohlen wird, den wir leiden doch nicht hatten. Entscheidung : nach der Kurzbesichtigung des Parks auf anderer Strecke und gut 160 zusätzlichen Fahrkilometern auf teilweise dürftiger Piste unser Ziel Vicuna erreichen.

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Nicht nur aus Zeitgründen sondern weil es wirklich nicht viel im NP Pichasca zu sehen gab, saßen wir um 15:00  Uhr wieder im Wagen und machten uns auf den Rückweg nach Sama Alto. Hier stießen wir auf die Weinanbauflächen durchschneidende hohe Netze; bis wir eines besseren belehrt wurden glaubten wir, daß hier ähnlich wie von den Fischern von Chungungo berichtet wird, durch diese Netze aus dem Frühnebel Wasser heraus”fischen” zu können.

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Richtig ist, diese Netze dienen dazu, den Windeinfall auf die Rebstöcke zu reduzieren, wodurch die Verluste an Traubendolden verringert würden. Von Sama Alto aus ging es dann wieder auf einer schmalen Piste über mehrere Bergrücken gut 40 Kilometer in Richtung Andacollo, ein Ort, über den wir nichts wußten und der auch nur als Durchgangsstation vorgesehen war. Von dort ab sollte es dann auf geteerter serpentinenreichen Straße nach La Serena an der Küste zügig weiter gehen. Es kam aber ganz anders. Was wir nicht wußten, nach Andacollo findet jährlich eine Zehntausende bewegende Wallfahrt just an diesem Sonntag statt; sämtliche Straßen waren verstopft, alle verfügbaren Flächen rund um den gut 10.000 Einwohner starken vom Bergbau geprägten Ort standen als Parkplätze zur Verfügung, selbst in einem kein Wasser führenden Bachbett standen Busse. Vernünftige Ausschilderung der Umleitung : Fehlanzeige; hilfreiche und richtige Auskünfte der angesprochenen Polizisten waren nicht zu bekommen, aber irgendwie schafften wir es dann doch, die richtige nach Norden führende Straße zu erreichen, um uns dann in einem gut 20 Kilometer langen Stau wiederzufinden, der sich teilweise im Schritttempo die Serpentinen talwärts bewegte. Folge : wir kamen erst in der Dunkelheit in Vicuna, weitere 68 Kilometer von La Serena talaufwärts gelegen an. Vorher ausgesuchte Quartiere waren, als wir sie endlich im Ort gefunden hatten geschlossen, manche konnten wir in der Dunkelheit nicht ausfindig machen bis wir per Zufall auf ein Schild mit “Cabanas” stießen, d.h. kleine Hütten für Selbstversorger. In der Not waren wir auch mit einem solchen Quartier einverstanden.

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Am Montag wollten wir eigentlich direkt weiter nach Pisco Elqui weiterfahren, unser eigentliches Ziel, das von vielen als das Ziel schlechthin in dieser Region bezeichnet wird. Aber so ganz ohne den Ort,, von dem wir im Dunkeln nicht mitbekommen hatten, wenigstens in groben Zügen kennengellernt zu haben, wollten wir dann doch nicht weiterfahren. und so kam es anders als geplant. Zum einen stießen wir auf ein Tourismusbüro, das uns über die möglichen Besuche von Observatorien in der Umgebung hinwies, zum anderen stießen wir auf das von uns eigentlich favorisierte Quartier, diesmal geöffnet. Nachdem die Zimmerbesichtigung sehr positiv ausfiel buchten wir für die anstehende Nacht und vermieden, da wir für den Abend einen Observatoriumsbesuch gebucht hatten, die An- und Rückfahrt von Pisco Elqui von gut 120 Kilometer, eine Entscheidung, die wir nicht bereuten.. Die Wirtin des Valle Herrmoso war eine nette ältere Dame, die mit Tips nicht geizte und die ihren Ehrgeiz darin setzte, ihr gut 100 Jahre altes Herrschaftsthaus in Schuß zu halten. Etwas, was wir bislang in dieser Intensität noch nicht erlebt hatten, nahmen wir doch bislang eher einen sehr nachlässigen Umgang mit der Substanz von Objekten wahr.

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Der Besuch des Observatoriums Cerro Mamelluca hat sich gelohnt; bei klarem Himmel intensiver Sternenhimmel und englischsprachige Erläuterungen zu einzelnen Planeten, Sternen, Galaxien, Geburt und Sterben von Sternen etc. Die zwei Stunden Führung waren sehr kurzweilig.

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Dienstag dann die Weiterfahrt in das sagenumwobene hintere Elquital; um es vorwegzunehmen : den bislang wahrgenommenen Hype können wir nicht nachvollziehen. Ja, es ist ein grünes Tal, aber nur dort, wo der Mensch im Talkessel und teilweise die Berghänge hinaus mit Bewässerung nachhilft. Nein, es ist kein ursprüngliches Tal mit entsprechendem Bewuchs, denn fast jeder Quadratmeter nutzbarer Fläche wird mit Rebstöcken bepflanzt. Unten ein mal schmal, mal breiter werdendes grünes Band und wenn man hochblickt sieht man die üblichen von kam einer Vegetation gestörten Geröll- und Steinlandschaft, die Berge. Pisco Elqui, ein kleiner Ort im hinteren Teil des Elquitales hat seinen Reiz, aber Tage dort zu verbringen konnten wir uns nicht vorstellen.

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Unser Kulturprogramm bestand an diesem Tag darin, das Grab der ersten Nobelpreisträgerin Chiles, Gabriele Mistral, eine Schriftstellerin, 1945 geehrt, zu besuchen, ebenso die winzige Grundschule in Monte Grande, wo sie mit ihrer Schwester lebte

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aufzusuchen und zu guter Letzt, schließlich steht ein berühmter Schnaps, der Pisco, für das Tal – und Chile – bei einer kleinen Piscomanufaktur an einer Führung teilzunehmen. Erstaunlich, wie in diesem Betrieb mit für mich vorsintflutlichen Destilliergeräten, die offensichtlich Tag und Nacht in Betrieb sind, jährlich  300.000 Liter hochwertigen Pisco herzustellen.

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Übrigens, unser Quartier für diese Nacht war Spitze; das positiv erwähnte “Tesoro de Elqui” hat uns sehr gut gefallen, geschmackvolle Hütte, gutes Frühstück, auskunftsfreudige und hilfsbereite Eigentümerinnen, einen tollen Garten mit Pool, also eine richtige Oase, wenn man die Seele baumeln lassen will, wonach uns aber jetzt noch nicht der Sinn stand.

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