Den Straßenlärm, der unseren Schlaf so beeinträchtigte, daß wir ab der zweiten Nacht in Melbourne mit Ohropax ins Bett gingen, haben wir heftig verflucht und uns nach unserem Camper zurück gesehnt, wo uns des Nachts nichts und am Morgen dann die Vögel geweckt haben. Andererseits haben wir in der JuHe wieder das vorgefunden, was wir in Südamerikas Hostels bereits erlebt haben – in der Küche alle möglichen Menschen zu treffen und miteinander über dies und das zu sprechen. In unserer Stockwerksküche haben wir eine ganze Reihe sehr netter Menschen kennengelernt und wurden von ihnen mit zahlreichen Tips für unsere restlichen australischen Reiseziele versorgt. Sicher werden wir einige dieser Anregungen aufgreifen. So gesehen haben die positiven Seiten der JuHe-Übernachtung überwogen; wir machten uns zwar nicht schweren Herzens auf die Weiterreise nach Sydney am 5.4., jedoch verbinden wir mit diesem Aufenthalt viele positive und angenehme Erinnerungen an sehr nette Menschen.
Am Flughafen Melbournes angekommen konnte man glauben, wir seien nicht gut organisiert, was auf den ersten Blick auch stimmte. Den Flug nach Sydney hatten wir im Februar gebucht und das einzige, woran wir uns erinnerten war die Abflugzeit, die auch im Kalender eingetragen war. Ein Blick auf das Abflugtableau im Flughafen wies nur einen Quantasflug auf, so daß wir uns auf den Weg zu deren Schalter machten. Trotz intensiver Suche in den Unterlagen konnte man dort jedoch unsere Buchung für den 12:00 Uhr Flug nach Sydney nicht finden was mich – endlich – veranlasste, die auf einem Speicherstick gesicherte Buchung auf den Laptop hochzuladen. Das Ergebnis verblüffte und erklärte unser Scheitern am Quantasschalter – wir hatten bei Virgin Australia gebucht, die zur selben Zeit abfliegen! Zum Glück hatten wir genügend Zeit, um zu den am anderen Flughafengebäudeende liegenden Abfertigungsschalter von VA zu gehen. Dem Abflug nach Sydney stand dann nichts mehr im Weg, wir hatten sogar das Glück, während des Anflugs auf den Flughafen von Sydney das Hafenpanorama der Stadt zu sehen.
Heute hatten wir so unsere Probleme mit unseren Reservierungen/Buchungen. Katrin schwor Stein und Bein, in Sydney in der JuHE Sydney Centre eingebucht zu sein, die in der Nähe vom zentralen Bahnhof liegt. Also schleppten wir uns und unsere Rucksäcke bei sehr sommerlichen Temperaturen dorthin um zu erfahren, nicht hier, sondern in der direkt neben dem Bahnhof befindlichen JuHE Sydney Railway Station eingebucht zu sein. Auch diese zusätzliche Strecke bewältigten wir, wobei der Schweiß reichlich strömte. Nachdem wir das Zimmer bezogen und geduscht hatten, stand uns noch der ganze Nachmittag zur Verfügung, es war erst gegen 15:00 Uhr! Was in Melbourne die Straßenbahnlinie 35 ist, die die Gäste kostenlos rund um das Stadtzentrum befördert, ist in Sydney die Buslinie 555, mit der man ebenfalls kostenlos bis hinauf zum Circular Quay am Sydney Cove und damit an die zentralen An- und Ablegestellen der Ausflugschiffe fahren kann. So standen wir dann eine halbe Stunde später dem Sydney Opera House gegenüber, wie viele hundert anderer Besucher. Entlang des Hafenbeckens schob sich an diesem Samstagnachmittag eine große Menschenmenge; manche wollten nur gesehen werden, viele wollten etwas sehen, insbesondere bei diesem sommerlichen Wetter. Auch von weitem macht die Oper und seine fantastische Architektur eine herausragende Figur, strahlt das weiße vielfach geschwungene Dach, reflektiert das Sonnenlicht, reagiert empfindlich auf vorbeifahrende Wolken. Allein diesen Blick zu haben, hat sich die Fahrt an den Hafen gelohnt.
Wir haben auch am Spätnachmittag versucht, quasi Hand an den Baukörper zu legen. Inzwischen hatte sich das Wetter etwas eingetrübt, die Sonne verschwand zunehmend hinter Wolken, der Wind frischte erheblich auf und wir in unseren dünnen T-shirts begannen langsam auszukühlen. So drehten wir gegen 18:00 Uhr ab und setzten unsere Segel in Richtung Quartier bzw. Verpflegungsstelle. Zu diesem Zeitpunkt hatten die sich auf der Mole entlangschiebenden Menschenmassen weiter zugenommen; die Plätze der Außengastronomie waren weitgehend besetzt, in der Erlebnisgastronomie an unzähligen Stehtischen im Umfeld des Opera House standen Trauben von Menschen. Viele waren in unseren Augen extrem aufgehübscht, ja overdressed für einen Abendspaziergang. Eine mögliche Erklärung hierfür erhielten wir am nächsten Tag. Jeden Samstag gibt es hier am Hafen um 21:00 Uhr ein großes Gratisfeuerwerk, das sich offensichtlich viele der hier Flanierenden und in der Gastronomie Wartenden nicht entgehen lassen wollte. Hätten wir es gewußt – irgendwie wäre es auch uns gelungen, trotz der hochsommerlichen Bekleidung bis zu Abschluß des Feuerwerkes nicht völlig zu erfrieren. So aber stiegen wir – leider zu früh – wieder in die Linie 555 ein.
Wir beließen es an diesem Nachmitttag jedoch nicht bei dem einen oder anderen Blick auf das Opernhaus, sondern machten uns auch auf den Weg, die Ostseite des Sydney Cove bis hinauf zur Sydney Harbour Bridge und Teile des ältesten Stadtteil, The Rocks” etwas zu erkunden. Es war sehr interessant, entlang des Überseepiers bis nach Campbells Cove zu schlendern und dabei die alten Hafenhäuser zu betrachten. Die Menschenmassen zogen den Weg zum Opernhaus diesen idyllischen Straßen vor. Hier und im Stadtteil The Rocks herumzulaufen, in dem an zentraler Stelle eine kleiner auf touristische Bedürfnisse zugeschnittener Markt einen gewissen Publikumszuspruch erfuhr, war nur als Appetizer zu verstehen, denn diese Gebiete wollen wir uns alleine oder mit einer Führung intensiver erschließen.
Bei dem einen oder anderen ist der Sonntag ein Ruhetag, für uns war Sonntag der 6.4. ein Ausflugtag. Gelesen und von anderen Reisenden sehr empfohlen wurde uns ein Ausflug in die etwas über 100 Kilometer außerhalb Sydneys liegenden Blue Mountains, ein wunderschönes Naturreservat mit eindrucksvollen Felsformationen. Als wir einige Bilder sahen, fühlten wir uns an die Grampians erinnert, denn die Ähnlichkeiten der Landschaft, der steilen Bergabbrüche, der Felsformationen waren frappierend. Obgleich uns nur zwei Besichtigungstage für Sydney zur Verfügung stehen entschieden wir, uns zu den Blue Mountains auf den Weg zu machen. Hatte uns der Samstag wettermäßig nicht besonders überzeugt, erleichterte uns der Blick auf die Wettervorhersage für Katoomba, unser Ausgangspunkt in den Blue Mountains, am Sonntag die Fahrt anzutreten. Also hieß es früh aufzustehen.
Die Blue Mountains kann man auf unterschiedliche Weise kennenlernen; zum einen bieten zahlreiche Agenturen entsprechende Eintagestouren mit einem festen Ablauf an, hier werden einige Aussichtspunkte angesteuert, zum anderen kann man auch auf eigene Faust, was eher unsere Art ist, sich dorthin begeben. Erleichtert wird dies dadurch, daß zwischen Sydney Central Railway Station und Katoomba, dem zentralen Ort in den Blue Mountains und Ausgangsort einer Vielzahl von Wanderstrecken, eine regelmäßige Zugverbindung besteht. Um 08:18 sollte der Zug den Bahnhof verlassen. Als wir dort eintrafen um die Tickets zu kaufen – übrigens kostete die Fahrt über 120 Kilometer hin und zurück weniger als die einfache Zugfahrt vom Flughafen in die Stadt! – wurden wir darauf hingewiesen, daß am heutigen Sonntag ein Schienenersatzverkehr, sprich Bus, vom Bahnhof nach Penrith fährt und es von dort aus wie geplant mit dem Zug weitergeht. Wir hatten auch gelesen, der Name “Blue Mountains” rühre daher, daß der Wald bei Regen (und Nebel) eher blauscheinend daher kommt. War das ein schlechtes Omen? Zumindest der Fahrplan wurde nicht eingehalten und wir kamen mit kräftiger Verspätung in Katoomba an. Bereits auf der Fahrt entstanden Bedenken, ob der Tag für uns erfolgreich verlaufen würde, denn in Sydney bei Sonnenschein gestartet fuhren wir auf dem Weg in die Berge zunehmend den Wolken entgegen und am Ende in die Wolken hinein. Der Nebel war zwar nicht so dicht, daß sämtlicher Verkehr eingestellt werden musste, aber eine Weitsicht war kaum zu erwarten. Dennoch, nun waren wir am Ausgangsort der Wanderung und wollten einen Teil der Blue Mountains erwandern. Der erste Aussichtspunkt, hier auf die drei Schwestern, drei nebeneinander aufragende steile Felsen, war gut zwei Kilometer entfernt. Je näher wir dem Ziel kamen, desto stärker nahmen wir die Nebelwolken wahr. Endlich auf der Aussichtsplattform angekommen war deutlich zu erkennen, wie der Nebel aus dem Tal aufstieg. Unter der oberen Plattform befindet sich noch eine etwas näher und für Aufnahmen besser geeignete Plattform, zu der ich ging, Fußweg keine 3 Minuten. Während von oben noch die drei Schwestern fast in voller Schönheit zu erkennen waren, auf der unteren Plattform angekommen präsentierten sie sich in Nebel eingehüllt. In einem enormen Tempo waren die Nebelwolken aufgestiegen. Das eine wäre zu sehen gewesen, das andere war zu sehen!
Die schlechte Sicht lud auch nicht gerade zum wandern ein; unsere auf bis zu 4 Stunden veranschlagte Tour immer im Nebel ohne Aussicht auf vernünftige Sicht zu gehen war keine Verheißung.und es gab keine Motivation, die Rundwanderung in Angriff zu nehmen. Somit endete der Ausflug zu den Blue Mountains sehr früh; im Nebel, der später von Regen abgelöst´wurde – auch hiervon war in der Wettervorhersage keine Rede – zuckelten wir dann nach Sydney zurück. Der Bahnhof in Katoomba ist auch ein besonderes historisches Schmuckstück das wir ohne diese Fahrt nicht gesehen hätten.
Somit war der heutige Tag nahezu ohne fotographische Ausbeute mit einer Ausnahme : in einem Vorgarten entdeckt Katrin, wer denn sonst, eine kleine Gruppe sehr bunter Vögel, offensichtlich Papageienvögel, die sich mit kleinen Zieräpfeln den Schnabel füllte.
Heute am 7.4. wäre man morgens um 7:00 Uhr fast jede Wette eingegangen, daß am Nachmittag die Sonne nicht scheint, denn es goss in Strömen. Unsere für 10:30 Uhr angepeilte Stadtführung sahen wir im wahrsten Sinne des Wortes davonschwimmen. Der mögliche Wetter hätte in seinen Überlegungen jedoch die Meer- und Küstenlage von Sydney berücksichtigen sollen, wo das Wetter oft sehr schnell wechseln kann, wie es auch diesmal der Fall war. Der eine oder andere Schauer zwang uns am Vormittag zwar immer wieder, die Regenjacke anzuziehen, genau so oft stopften wir sie wieder in den Rucksack, denn so schnell und überfallartig, wie die Bäche von oben kamen versiegten sie auch und am Nachmittag liefen wir im Sonnenschein am Hafen entlang.
Die bisherigen Führungen auf unserer Reise waren immer ein Gewinn für uns, die heutige Stadtführung bestätigte uns, auf diese Weise zusätzliche nette Informationen über das Buchwissen hinaus vermittelt zu bekommen. Wüssten wir sonst warum die St. Andrew’s Cathedral in unseren Augen falsch herum ausgerichtet ist – was aber zum Zeitpunkt ihres Baus die korrekte Positionierung war –, die Statue von Queen Victoria vor dem gleichnamigen riesigen Kaufhaus (Queen Victoria Building – QVB) erst vor 20 Jahren als Geschenk (!) der Iren hier aufgestellt wurde – die Iren wollten die Queen wohl loswerden, denn diese Statue stand vorher in Dublin –, es einem Bürger über 20 Jahre lang gelungen ist, unerkannt an wichtigen teilweise zur Eröffnung anstehenden Gebäuden seine Botschaft zu hinterlassen, sowohl die in den 80ger Jahren des vorvorigen Jahrhunderts erbaute Town Hall als auch die St. Andrew’s Cathedral auf einem Friedhof stehen, dessen Leichname, da nur knapp mit Erde bedeckt waren, leicht an anderer Stelle beerdigt werden konnten, man aber wegen schludriger Arbeiten noch Jahrzehnte später auf dem Gelände bei Erdarbeiten immer wieder auf menschliche Gebeine stieß, die im 19. Jhd. kurz nach der Gründung arme Stadt ihr erstes Hospital einem Deal verdankte, in dem als Gegenleistung für den Bau des Hospitals das Recht des Alkoholverkaufs und –herstellung für drei Jahre an Kaufleute vergeben wurde, diese aber im Interesse ihres Maximalprofits das Gebäude so schludrig bauen ließen, daß es nur wenige Jahre nach dem Ende ihrer Konzession praktisch baufällig war, der Spitzname des Sydney Tower “golden bucket” lautet, nicht weil die sich drehende einer Kugel ähnelnde Kanzel golden schimmert, sondern weil hier auch ein riesiger Wassertank integriert ist und das Gebilde golden glänzt, in den ersten Jahren der Kolonie, als diese und insbesondere auch Sydney im wesentlichen eine Sträflingskolonie war, selbst für kleinste Delikte härteste Strafen bis hin zum Hängen verfügt wurden, die Gehängten dann bis zu drei Jahre an einem Galgen an der Spitze der Rocks und somit bei der Hafeneinfahrt weithin sichtbar hingen um deutlich zu machen, wie hier mit Straftätern umgegangen wird, die Einweihung der Sydney Harbour Bridge gekonnt in einem Handstreich gekapert wurde, um nur auf einige der Geschichten, die wir auf unserem fast dreistündigen Rundgang erfuhren, hinzuweisen Fast hätte ich vergessen, auf eine Episode aus der neueren Stadtgeschichte hinzuweisen, die mit dem Opera House verbunden ist. Nun liegen auch heutzutage immer wieder die Kostenschätzungen von Prestigebauten deutlich unter den späteren tatsächlichen Kosten, siehe Hamburg oder Berlin. Auch die Kosten der Oper von ursprünglich 7 Millionen explodierten als man sich daran machte, die für damalige Verhältnisse riesige Herausforderung an die Statiker und Betontechniker anzunehmen und nach Lösungen zu suchen, den extravaganten ja revolutionären Entwurf des dänischen Architekten Jörn Utzon ab Anfang der 60er Jahre umzusetzen. Die Kosten explodierten, man trennte sich von dem Architekten im Streit und versuchte, den Innenausbau auf der Basis seiner Entwurfsskizzen zu realisieren. Wie es heißt ist das Ergebnis nicht sehr gelungen, eine ”Überarbeitung” steht bevor. Die Schlußrechnung des Baus belief sich dann auf 102 Millionen. Die Stadt Sydney hielt es 1973 bei der endlich möglichen Einweihung des heute stadtbildprägenden Opernhauses nicht für nötig, den Erfinder und Architekten dieses Monuments einzuladen! Utzon, der 2008 starb, hat nie mehr Sydney besucht und sein fertiggestelltes Werk gesehen. Wir hätten den Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit der Stadt durchaus noch länger zuhören können, bekamen gleichzeitig aber auch viel Wissenswertes über das Stadtleben gestern und heute, über die nur in einem kleinen Ausschnitt angelaufenen historischen Bauten, die Entwicklung der Stadt und die Probleme daraus vermittelt. Also eine kurzweilige sehr interessante Stadtführung, der auch die einzelnen Regenschauer nichts anhaben konnten.
Damit dokumentiert ist, wir haben nicht nur einem Geschichtenerzähler zugehört , sondern auch eine ganze Anzahl interessanter Orte besucht, als da sind die bereits erwähnten St. Andrew’s Cathedral, die Sydney Town Hall, das Queen Elizabeth Building mit der Statue der Königin davor, mit einem Gang durch die weiten ins Nachbargebäude nach gut 150 Metern führenden Gänge,
weiter durch das dicht mit Hochhäusern bebaute Gebiet, in dem aber immer noch einzelne kleinere Bauten der Gigantomanie trotzen und weiterhin ihre alten Werbebemalungen aufweisen, dem golden bucket, St. Mary’s Cathedral – an der man ein Jahrhundert bis zur Fertigstellung gewerkelt hat -, einen Springbrunnen im Hyde Park (Sydney) – vieles was wir hier auf unserem Rundgang sahen, erschien irgendwie bekannt, abgekupfert, nicht aus der eigentlichen Bauzeit stammend, man hat halt nicht die viele Jahrhunderte zurückreichende Kultur, also bedient man sich und nimmt Anleihen bei älteren Kulturen,
die Hyde Park Barracks, das Sydney Hospital – nach dem Deal mit den Schnapsproduzenten und der baldigen Baufälligkeit des von diesen errichteten Hospitals nahm die Stadt das Geschehen in die Hand und baute konventionell und dauerhaft ein großes Hospital an alter Stelle, also nahm man Abschied von einem ersten Modell des public private partnership, was bei den schlechten Erfahrungen verständlich ist, – mit dem Glücksbrunnen davor,
St. James’ Church, dem alten General Post Office, einem mir nicht mehr erinnerlichen imposanten Gebäude, über dessen Eingang die zwei Wappentiere Australiens das Wappen halten (Zentralbank?),
durch kleine Gassen rund um den Australia Square und in das direkt hinter dem Circular Quay befindliche Customs House, in dem man unter seinen Füßen ein Modell von Sydney sehen kann, an der für einen Tag am Überseekai liegenden Pacific Pearl (auf die wir bereits in Pape’ete gestoßen waren) und dem Museum of Modern Art (nicht wirklich einen Besuch wert, wie wir später erfahren mussten) – ohne Bild – vorbei hinein in das älteste Viertel der Stadt, The Rock, mit dem ältesten noch erhaltenen Gebäude aus der Zeit um 1860 stammend, dem Cadmans Cottage,
um nach einem Spaziergang durch einige der verwinkelten Gassen und Gässchen dieses Viertels, dessen alte Gebäude zu einem großen Teil der Zufahrt zur Sydney Harbour Bridge geopfert wurden an Campbells Cove zu enden. Dabei passierten wir eine Vielzahl noch erhaltener ehemaliger jetzt umgenutzter Hafengebäude, Verwaltungsgebäude, das Gebäude des Hafenmeisters, und standen am Ende unseres Stadtspaziergangs nach drei Stunden mit Blick auf das Sydney Opera House und die Harbour Bridge auf der Promenade an Campbells Cove. Wir wußten, daß man angeseilt und in Gruppe für zwischen 300 und 400 Dollar über den Brückenbogen “gehen” kann und hatten die Gelegenheit, einer Gruppe beim Aufstieg zuzusehen. Die Aktion nimmt, wie es heißt, drei Stunden (!) in Anspruch.Die geführte Tour war hier beendet, der Schlussapplaus und das Trinkgeld waren dann auch der guten Leistung angemessen ausgefallen.
Inzwischen hatte sich das Wetter so verbessert, daß sogar einzelne blaue Flecken am Himmel sichtbar waren, also gute Bedingungen, den Stadtrundgang auf eigene Faust fortzusetzen. Eines unserer Ziele war ein Spaziergang über die Harbour Bridge, jedoch muß man dafür erst einmal auf seinen Gehsteig kommen. Kreuz und quer durch den Stadtteil The Rock laufend fanden wir dann den Treppenaufgang. Vom Scheitelpunkt der Brücke hat man schon einen schönen Blick auf den kleinen Stadtteil, in dem sich aber auch eine Vielzahl moderner Hochhäuser breit gemacht hat, die Innenstadt und natürlich auf das Opera House. Das Licht hätte freundlicher sein können, aber wir können nicht auf den strahlenden Sonnenschein oder den Sonnenuntergang warten für ein wirklich schönes Foto.
Mit einem anschließenden Rundgang unter der Harbour Bridge hindurch, einen Stop und Besuch im Museum of Modern Art, um das Opera House herum, durch den Botanischen Garten und am Government House vorbei liefen wir dann durch die Straßenschluchten der George Street im Feierabendverkehr und Gewühl zu unserer JuHe an der Central Station. Der Park rund um die Harbour Bridge wird offensichtlich insbesondere von asiatischstämmigen Brautleuten gerne als Hintergrund für kitschige Hochzeitsbilder gewählt, wir passierten auf unserem Rundgang mehrere derartige von Fotografen, Visagisten etc. begleitete “Teams”.
Im botanischen Garten liefen sehr langschnäblige Vögel über die Wiesen, einer davon wohl herausgehoben, denn dieser war nummeriert.
Bei soviel interessanten Gebäuden in der engeren Innenstadt bleiben die in unmittelbarer Umgebung unserer JuHe befindlichen schönen Gebäude fast außen vor, zu Unrecht. Imposant ist das riesige Bahnhofsgebäude der Central Station mit seinem Turm, ein klassizistisches Gebäude direkt neben der JuHe und ein Eckgebäude mit in unsern Augen Jugendstilelementen in der Fassadengestaltung.
Wir hatten zwar keine wunden Füße, aber unser Kopf rauchte durch die vielen Informationen, die wir versucht haben abzuspeichern. Etwas mehr Zeit in Sydney hätten wir problemlos sinnvoll gestalten können, aber Morgen in aller früh geht der Flieger. Also Abschied nehmen von dieser sehr lebhaften, sehr modernen, architektonisch interessanten, große Grünflächen und diverse weitestgehend neustrukturierte Häfen und Hafengebiete aufweisenden pulsierenden Stadt. Auch wenn wir unserem Stadtführer in Melbourne, der bei verschiedenen Gelegenheiten, wie auch der heutige Führer, auf die Rivalität zwischen beiden Städten seit fast 200 Jahren hingewiesen hat, in den Rücken fallen, Sydney liegt in unserer Schlußwertung eine Handbreit vorne in diesem Wettstreit, der meistens fair ausgetragen wurde. Tschüss Sydney!