So oder so ähnlich lautet seit Wochen eine fast stereotype Aussage Katrins. Verständlich, wenn wir dann vor einigen Wochen den Entschluß fassten, den geplanten Abstecher nach Samoa nicht ihren Kürzungswünschen zu opfern und uns auf die Suche nach einer passenden Flugverbindung mit möglichst geringer Reisedauer und einem Quartier sowohl auf der Insel Upolu als auch auf der Insel Savai’i machten und endlich auch buchen konnten.
Als wir heute im Anflug auf den Flughafen von Samoa, Faleolo, Wasser an unserem Fenster vorbeifließen sahen, glaubten wir, die falsche Entscheidung getroffen zu haben und quasi vom Regen in die Traufe geraten zu sein, denn Regen hatten wir ja zuletzt in Sydney kennen gelernt. Auf Regen folgt Sonnenschein, meistens, so sicherlich auch hier, machten wir uns Mut, denn die eigentliche Regenzeit ist ja bereits seit längerem vorbei, die Zyklonsaison sollte im Grunde auch beendet sein. Wie wir später verfuhren, zieht gerade ein starker Zyklon an Fiji vorbei, mit der Beurteilung der Regenzeit lagen wir aber richtig.
Kaum hatten sich die Kabinentüren geöffnet, verspürten wir eine schwüle Hitze; es hatte zu regnen aufgehört, wie wir sehen konnten war richtig etwas herunter gekommen, und die üblichen gut 30 und mehr Wärmegrade in diesen Breitengraden empfingen uns. Natürlich reagierten die Schweißdrüsen auf diesen Hitzeüberfall sofort, um uns abzukühlen. Die Wirkung des leichten Windes erscheint aber größer zu sein und macht die klimatischen Bedingungen, wir haben es ja so gewollt, erträglicher. Nun waren wir, endlich, mit einem Tag Verspätung auf Samoa angekommen und zu unserer Freude wurden wir auch von unserem Gepäck begleitet, also keine lange Warterei und Ängste, ohne unsere Rucksäcke zu bleiben. Grenz- und Zollformalitäten wurden zügig erledigt, es gab ja nur diesen einen Flug zu diesem Zeitpunkt, und draußen wartete schon unser vereinbarter Transportservice zu unserer Bleibe.
Api unser einheimischer Fahrer brachte uns wohl in dem Tempo, das hier üblich ist, in das Örtchen Faleapuna, 30 Kilometer westlich von Apia gelegen, wo sich unser “Resort” befindet. Er schien sehr um unsere Sicherheit besorgt zu sein, denn das Tempo, das er wählte, konnte nur noch von einem Sänftenträger oder Eselskarren unterboten werden, wir fuhren nicht, wir zuckelten. Natürlich bremsten die unzähligen Bodenwellen sein, Tempo, erfüllten somit ihren Zweck, aber für die Distanz von etwa 60 Kilometer zwei Stunden zu benötigen, stellt in unseren Augen einen Rekord dar. Mit dem landestypischen Beförderungsmittel, dem Bus, soll man die Strecke in etwas mehr als der halben Zeit schaffen!
Rund um Upolu verläuft eine Hauptstraße, dabei geht es meistens nah an der Wasserkante entlang. Für uns schön, denn so konnten wir einen ersten Eindruck vom Leben und dem Lebensumfeld der Bevölkerung gewinnen. Samoa hat rund 186.000 Einwohner, von denen wir auf unserer Fahrt deutlich mehr als die Hälfte direkt oder indirekt “gesehen” haben, denn wir durchfuhren das die Inseln dominierende Wohngebiet, das insbesondere zwischen dem westlich von Apia gelegenen Flughafen Faleolo und Apia selber liegt. Wie die entlang der Straße liegenden Unterkünfte zeigen, besteht ein erhebliches Wohlstandsgefälle im Land, wobei die ärmeren und baufälligeren Hütten eher in der Nähe des Flughafens und am Wasser liegen. Der überwiegende Teil der vor den Toren der Stadt liegenden Häuser, alle auf einem mehr oder weniger großen Grundstück gelegen, waren Holzhäuser relativ einfacher Bauweise. In vielen Fällen war den kleinen geschlossenen Räumen im hinteren Hausbereich im vorderen Bereich eine große überdachte Terrasse vorgesetzt, in dem sich das Leben der Familie abspielt. Hier stehen Sofas, Sessel, Tische, Stühle, Matratzen liegen auf dem Boden. Dieser luftige Platz hat seine Reize und seinen Sinn; bei diesem Klima, weht der kühlende Wind hindurch und das vorgezogene Dach schützt vor den Regengüssen. Im Bedarfsfall kann man oft aus Stoff gefertigte – ebenso sahen wir aber auch aus Palmblättern geflochtene – “Vorhänge” herunterlassen oder vorziehen, um weiteren Schutz zu haben oder die Einsicht zu verhindern, wenn dieser Raum als Nachtlager, wie die Matratzen andeuten, genutzt wird. Ist diese große Veranda nicht ín das Haus integriert, stehen in unmittelbarer Nachbarschaft ein oder mehrere dieser Fale, auf Stelzen gebaute überdachte aber an den Seiten offene Plattformen. Hin und wieder, wir fuhren in der Mittagshitze zu unserem Quartier, konnte man auch gesellschaftliches/familiäres Leben in diesen Fales beobachten. Die Hitze schien das Leben zumindest zum Teil einzubremsen.
Die Bevölkerung von Samoa ist überwiegend christlich, hier haben die Missionare sehr erfolgreich gearbeitet. Daß jede Gemeinde seine eigene Kirche haben muß, kann man verstehen – aber sind die Gemeinden so klein, daß im Abstand von 100-200 Metern immer wieder Kirchengebäude auftauchen? Manchmal reihen sich diese Bauten fast nahtlos aneinander, alle möglichen Glaubensrichtungen haben hier ihre Gotteshäuser errichtet. Nachdem diese Kirchendichte bemerkt worden war, habe ich gezählt und verglichen – Schulhäuser und Kirchen. Zwischen Faleolo und dem Stadtrand von Apia kommen auf eine Schule mehr als vier Kirchengebäude! Ein wahrlich frommes Volk bei dem wir uns befinden.
Unsere Unterkunft für nur noch zwei statt der drei geplanten vollen Tage heißt hochtrabend “Le Uaina Beach Resort”. Uns stand gar nicht der Sinn, in einem Resort unsere Zeit zu verbringen; wir haben intensiv im Netz die möglichen Quartiere auf der Insel, natürlich wassernah und vielleicht mit Strandzugang, recherchiert, Beurteilungen gelesen und schließlich vier Favoriten je Insel angeschrieben, per Mail natürlich, schließlich enthielten ihre Internetpräsentationen diese Kontaktmöglichkeit. Es herrscht derzeit nicht gerade Hochsaison auf Samoa, eine schnelle Reaktion auf unsere Anfrage (Preis, Info zur Zimmerausstattung, vegetarisches Essen, Flughafentransfer) sollte keine Probleme bereiten. Offensichtlich aber doch, denn auch nach vier Tagen lagen von den angemailten Unterkünften keine Reaktionen vor, so daß wir höflich an unsere Anfrage erinnerten und erneut warteten. Zwei Kandidaten schafften es dann innerhalb von drei weiteren Tagen zu antworten, eine letzte Antwort traf am Tag unseres Fluges und somit dem ersten Übernachtungstag ein! Die Uhren gehen hier erheblich langsamer als bei uns. Wir kamen so langsam unter Druck, denn die Flüge waren gebucht, aber unter dem Sternenhimmel am Kai wollten wir dann doch nicht schlafen. Katrin stieß dann in einer ganz anderen Ecke der Insel Upolu als wir ursprünglich gesucht hatten, auf gute Bewertungen unseres dann ausgesuchten Quartiers, eben dieses Resort. Auf unsere Mailanfrage wurde schnell geantwortet, das ließ hoffen, so daß wir schließlich auch buchten – große Alternativen hatten wir immer noch nicht gefunden und vor Ort unsere kostbare Zeit mit der Suche nach einem schönen Quartier am Meer zu verplempern, war nicht die wirkliche Alternative. Der Begriff “Resort” ist sehr hochtrabend gewählt, es ist eine Anlage mit einer größeren Anzahl von Strand- und Gartenbungalows, einem Pool und Liegemöglichkeiten, schönem Garten und freien Blick auf das Meer. Auch der Preis war nicht gerade resortmässig, denn hier wurde nicht mehr als anderswo auch verlangt. Wir waren, hier angekommen, auf das erste zufrieden mit der Wahl – für das erste.
Nach dem ersten Tag erkennt man dann die zahlreichen Mängel dieser “Anlage”, bei der deutlich mehr Gewicht auf die Instandhaltung gelegt werden sollte. Wir nehmen es hin und werden die Tage hier trotz der Abstriche, die gemacht werden müssen, genießen. Katrin ist nicht nur ein wenig über das dann nicht im Einklang mit den euphorischen und äußerst positiven Bewertungen bei tripadvisor Vorgefundene enttäuscht. Wie kann man die Wirklichkeit so schönschreiben als Gast? Also machen wir auch jetzt keinen Luxusurlaub, obgleich die Sicht und das Wetter, die Bademöglichkeiten derzeit für uns einen Luxus bedeuten, etwas lange Vermisstes. Frust kam am ersten unserer beiden vollen Tage im “Resort” auf als wir erst auf Nachfrage erfuhren, daß am heutigen Tag eine große Hochzeitsfeier stattfinden würde, was die Vorbereitungen erklärte. Eigentlich waren wir hierher gekommen, um in Ruhe uns zu entspannen und im Meer und dem Pool zu schwimmen, das war dann wohl kaum möglich. Und genau so war es auch – Service für uns Fehlanzeige, wir fühlten uns als Fremdkörper in der Anlage; um zum Pool zu gelangen nahmen wir aus Rücksicht auf die Festgäste, einen Umweg, schlichen quasi zu einem Ort der Entspannung, der aber keiner war, denn die Musik der bereits am frühen Nachmittag aufspielenden Band war hier nicht minder laut und störend. Aus der Entspannung wurde es nichts, Frust fraß sich ins Gehirn. Zum Glück goß es am früheren Abend so gegen 20:00 Uhr heftig, alle strömten unter das Dach, in den Speiseraum, in dem wir gerade aßen, die Musik verstummte, er wurde ruhiger. Wir hatten schon befürchtet, auch des nachts mit dem Lärm notgedrungen leben zu müssen, dies war ein kleiner Lichtstreifen für das bewölkte Gehirn. Am Tag danach machte Katrin, auch sie empörte sich über unsere Behandlung, aus ihrem Herzen zwar keine Mördergrube, beschwerte sich jedoch bei der Rezeption über die vorgefundene Situation. Hier gehen die Uhren anders, mussten wir feststellen. Man nahm zur Kenntnis, daß wir ernsthaft sauer und empört waren, uns um einen ruhigen Urlaubstag, den wir bezahlt haben, geprellt fühlten, ein Hinweis vorab hätte u.U. unsere Entscheidung beeinflusst, meinte aber, diese Hinweise künftig zu berücksichtigen. Das war es dann. Etwas Bedauern ausdrücken und zum Gewohnten übergehen. Ich bin ja kein Freund von Beurteilungen, aber diesmal werden wir wohl unsere Einschätzung dieser Herberge auf tripadvisor deutlich machen.
Genug gemeckert, denn es gab auch viele schöne Eindrücke hier am Meer. Wenn wir die Tür unseres Bungalows öffnen kommt uns nicht nur bereits am frühen Morgen ein Schwall sehr warmer Luft entgegen geströmt, sondern wir blicken auf das Meer, auf ein Riff, eine Lagune und die unendliche Weite; alles schrumpft etwas zusammen wenn Ebbe ist, denn dann ragen die Riffe gut 50 Zentimeter aus dem Wasser heraus, sehen aus der Ferne sehr unscheinbar und bräunlich aus. Nur an einer Stelle weit im Nordwesten unserer Lagune haben wir bei einer Kajakfahrt ein kleines Eiland “entdeckt” das sogar bewachsen ist, also auch von Flutwellen nicht überrollt wird. Wenn keine Feier ist, herrscht hier nahezu himmlische Ruhe, was wir hören ist extrem wohlklingend. Unentwegt laufen die Wellen an oder über das Riff, diese Brandungsgeräusche sind Musik für die Ohren; wenn man dies ausblendet und nah an der Wasserlinie sitzt, hört man dieses sanfte heranplätschern der auslaufenden Wellen, die in der Lagune kaum in Zentimeterhöhe gemessen werden können. Um unseren Bungalow herum stehen eine Anzahl stattlicher Bäume, die einerseits wohltuenden Schatten spenden, andererseits durch den relativ oft vorbeiströmenden Wind schön zum Rauschen gebracht werden. So könnte man sich einen nahezu paradiesischen Zustand ausmalen und wir träumen uns ab und an davon, wenn wir auf den, leider ungepolsterten und somit holzharten, Sonnenliegen liegen. Bei der Suche nach den vielen bunten Fischlein in der Lagune blieb es beim träumen; außer vereinzelten kleinen Schwärmen oder einzelnen Fischen kam uns nichts fischähnliches lebend vor die Augen. Offensichtlich wurde hier erheblich überfischt, denn wenige hundert Meter neben dem Resort ist großflächig ein Bereich durch am Meeresboden verankerte Netzte vom Rest der Lagune abgetrennt in dem versucht wird, den noch vorhandenen geringen Fischpopulationen genügend Schutz zu geben, damit sie sich wieder zahlenmäßig stärker entwickeln können.
Um su größer die Freude und das Erstaunen, auf einmal einen großen Schwarm in Wellen immer wieder aus dem Wasser schnellender Fische an unserem Strand vorbeifliegen zu sehen – kaum erkannt, schon waren sie wieder abgetaucht und schwammen ihren gewohnten Stil. Ob sie auf der Flucht vor einem Raubfisch waren oder aus Übermut dieses Kunststück vorführten, wer weiß.
Wir sind zwar außerhalb der Regenzeit hier unterwegs, aber Regen gehört dennoch zum Tagesablauf. Dies hat uns wenig gestört, denn die Sturzbäche rauschten wenige Stunden vor der Morgendämmerung herunter, brachten den Pflanzen das notwendige Naß, das so nicht sofort verdunstete. Nur wenige Regentropfen störten unseren Tagesablauf. Ohne diesen nahezu täglichen Regen, die nächtlichen Schauer waren so heftig, daß wir jede Nacht dadurch geweckt wurden, würde nicht eine so schöne bunte und vielseitige Pflanzenwelt um uns herum existieren können.
Hier in Faleapuna ist im Grunde der Hund begraben, eine Kneipe aufsuchen – unmöglich, es gibt hier keine, einzig einen kleinen Krämerladen haben wir entdeckt. Im übrigen wird jeder Spaziergang für uns Mitteleuropäer zu einer sehr schweißtreibenden Angelegenheit bei der schwülen Hitze, die über der Insel liegt. So dürfte verständlich sein, wenn wir einen großen Teil des Tages entspannt im Meerwasser, im Pool, auf der schattigen Bungalowveranda oder im kühleren Zimmer verbringen und nicht durch die schattenlose Umgebung laufen. Will man hier etwas besonderes besichtigen, z.B. an einen interessanten Strandabschnitt von der Straße aus gehen, muß man die Spielregeln vor Ort bedenken und beachten. Hier gehört jedes Stückchen Erde jemand, und sei es der Gemeinde. Jeder will gefragt werden, bevor man sein Eigentum betritt, denn dieses ist zu respektieren, und gestattet dies in der Regel gegen eine Gebühr von 10 Dollar. Auch diese Prozedur hält einen ab, ziellos die Küstenstraße hinauf zu wandern auf der Suche nach einem wunderschönen, außergewöhnlichen Spot. Trotz dieser Gebühr ließen wir uns jedoch nicht abhalten, den in der Nähe zum Resort liegenden Piula Cave Pool aufzusuchen. Auf dem Gebiet eines methodistischen theologischen Seminars befindet sich direkt am Meer dieser Pool, der in eine Grotte hineinreicht, von Natursteinen eingefasst ist, teilweise ein natürliches Becken besitzt und anscheinend durch eine in der Grotte austretende Quelle gespeist wir. Die geringen Mengen von der Decke herabtropfenden Wassers dürften nicht ausreichend sein, die Menge an erkennbar Richtung Meer abfließenden Wassers zu ersetzen. Das tolle an diesem Pool – nein nicht die nur 5 Dollar Eintritt pro Person, sondern die erfrischende Wassertemperatur. Wechselt man vom Pool in das direkt hinter einer Mauer liegende Meerwasser kommt einem dieses wie Badewannenwasser vor, so warm ist es. Hier konnte man es lange aushalten und immer wieder die Erfrischung und Abkühlung durch das Poolwasser genießen und dabei den einen oder anderen Fisch als Badegast sehen. Der Pool hatte dann auch endlich einmal Ausmaße, die zu schwimmen erlaubte, man stieß nicht nach 5-8 Schwimmzügen wieder an einen Beckenrand oder eine Felsmauer; alles in allen schätze ich betrug die Länge durchaus freibadmäßige 50 Meter, wenn man in die Tiefe der Grotte hineinschwamm. Katrin fühlte sich hier pudelwohl und war kaum vom Fleck zu bewegen. Erst als kurz vor dem Schließen des Pools gegen 16.00 Uhr Heerscharen von anderen Touristen mit ihren Führern hier einfielen, es laut und voll wurde – bis dahin vergnügten sich hier maximal 6 Gäste (!) – konnte sie sich schweren Herzens von diesem Badevergnügen trennen. Das war eine echte Bereicherung des Tages.
Die zwei Genußtage hier am Strand waren schneller vorbei als gedacht, aber es stehen ja noch weitere fünf Tage auf der Nachbarinsel Savai’i an, auf die wir uns schon freuen. In diversen Gesprächen während der letzten beiden Tage mit Einheimischen hörten wir nur positives über das Gebiet, in dem sich unser Quartier und der Strand befinden. Warten wir es ab. Zuvor werden wir beim auschecken noch einmal Dampf ablassen um dann ab 08:00 Uhr an der Straße zu stehen und auf unseren Bus zu warten, der uns nach Apia bringt. Von dort aus geht es dann mit einer anderen Verbindung bis hin zum Fährhafen, wo wir hoffentlich die 12:00 Uhr-Fähre besteigen können. Am Kai auf Savai’i werden wir dann erwartet und zum Quartier gefahren. Wird schon alles klappen.