Bislang hatten wir von Rainbow Beach nicht mehr als einige Straßen auf der Suche nach unserem Campingplatz “kennengelernt”, etwas wenig für einen Ort, der über einen Traumstrand verfügen soll und noch nicht von Touristenmassen überflutet wird. Wie überall werden vom örtlichen Touristenbüro möglichst viele attraktive Orte genannt, man will vor dem Gast ja nicht als Ort der wenig zu bieten hat dastehen. Auch uns ist ein Blättchen in die Hand gefallen, das mehr als ein Dutzend wichtiger Orte für Rainbow Beach aufführte; uns genügte der Besuch von drei dieser Sehenswürdigkeiten um das Urteil, dieser Ort ist zu empfehlen, auszusprechen.
Die Beach/der Strand von Rainbow Beach ist eine Wucht. Die Bucht, an dem unser Ort liegt, verläuft in einem großen Bogen und überall befindet sich ein mal breiter mal bei Flut kaum noch vorhandener feinstkörniger gelber Sandstrand, der gut und gerne mehr als 10 Kilometer lang ist. Wohin das Auge blickt, Strand und nichts als Strand.und kaum einer badet. Dies ist verständlich, denn wir laufen morgens gegen halb neun am Strand entlang. Die Lebensretter rammen gerade die Fahnen an den Endpunkten des bewachten Bereiches in den Sand, daneben tummelt sich bereits eine Gruppe von Kindern mit ihren Minisurfbrettern unter den kritischen Augen der Eltern. Auf zwei Kilometern abgelaufenen Strand kamen neben der genannten Gruppe gerade einmal fünf weitere Frühaufsteher, die jedoch eher der Sonne sich zugewandt hatten als zum Wasser zu streben. Die Knirpse machten es vor, das Wasser war zum ausdauernden Schwimmen sehr geeignet. Badenixe Katrin musste erst überredet werden, den Strand mit seinen stark anbrandenden Wellen so richtig zu nutzen.
Ihr Urteil, ein super Badestrand, so stellt sie sich die australischen Strände vor. Aus der Existenz einer Strandwache und den unter Aufsicht im Wasser sich tummelnden Kindern hatten wir geschlossen, daß das Baden hier ungefährlich ist, also keine Gefahr durch z.B. den Box-Jellyfish etc. besteht. Wir wissen, daß weiter die Küste hinauf dies nicht mehr der Fall sein wird, ein Grund mehr, die Chance hier in Rainbow Beach zu nutzen. Diesen riesigen und gepflegten Strand kann man ausnahmslos jedem ans Herz legen.
Mancher nutzt den Strand auch, um mit einem 4WD seine Surfbretter an noch bessere Abschnitte für einen langen Surf zu bringen; auch am Vormittag war Betrieb auf der Sandpiste, wollte man doch vor vollem Auflaufen der Flut an seinem Ort sein, was bei Fluthöchststand nicht mehr für alle Strandabschnitte möglich ist.
Die weitere von uns näher betrachtete Attraktion des Ortes sind die “Coloured Sands”, außerhalb des Ortes und über den Strand zu erreichen. Im Grunde nichts Außergewöhnliches, denn bunte Sande haben wir bereits an vielen Stellen gesehen. Hier scheinen die Klippen schon von weitem in verschiedenen Farben, vorwiegend in rötlichen, gelblichen und Ockertönen. Sie kommen sicherlich noch besser zur Geltung, wenn die Abendsonne diesen Küstenbereich beleuchtet. Dennoch – schön anzusehen.
Unter dem “Carlo Sand Blow”, unserem letzten Ziel in Rainbow Beach konnten wir uns vorab nichts vorstellen. Nach einem kleinen Spaziergang durch einen außerhalb vom Ort gelegenen Wald gelangt man auf die Kuppe der die Bucht einrahmenden Sandhügelkette, an sich nicht spektakuläres. Während jedoch rings um die Bucht erkennbar die Sandhügel durch niedrige Büsche bis hin zu Bäumen bewachsen sind, öffnet sich vor dem Besucher hier auf einmal eine breite quer über die Sandklippe hinweggehende Schneise ohne jeglichen Bewuchs. Die dabei entstandenen teilweise steilen Abhänge nutzten einige zum Sandsurfen, auch eine der hier möglichen Sportarten. Für uns interessant die Erklärung. Diese Schneise macht deutlich, wie wichtig der Dünenbewuchs für den Schutz der Düne aber auch des Hinterlandes ist. Carlo Sand Blow soll durch zu starke Naturgewalt, spricht Wind, anfangs entstanden sein, wodurch ein Teil des schützenden Bewuchses entwurzelt und verweht worden ist. An dieser Schwachstelle konnten die Naturgewalten dann um so leichter ihr Werk fortsetzen; nur mit gezielten “Aufforstungen” ist das Problem in den Griff zu bekommen, wovon jedoch nichts zu sehen ist, denn dann würde eine der Sehenswürdigkeiten gestrichen werden müssen. Wir nutzten die Gelegenheit von hier oben an den Rand der Sandklippe zu laufen und hatten einen wunderschönen Einblick auch in den Bereich der “Coloured Sands”.
Dann hieß es auf zum nächsten Ziel, das als Zwischenetappe den Ort Maryborough vorsah, bereits 1847 gegründet und somit eine der ältesten Städte in Queensland. Die wenigsten werden mit dem Dreiklang Mary River, Maryborough und Pamely Lyndon Travers etwas verbinden – wir ursprünglich auch nicht. Den Ort Maryborough, er liegt in etwa auf unserer Strecke in Richtung Norden, hatten wir ausgewählt, weil er zahlreiche wie es heißt “liebevoll” restaurierte Häuser aufweisen soll. Und erst im Zuge unseres Befassens mit diesem Ziel tauchte “Mary Poppins” auf. Maryborough ist der Geburtsort der Erschafferin dieser Figur. Natürlich wird auf das Geburtshaus von Travers hingewiesen und zur Verstärkung des Eindrucks hat man davor noch eine Bronze der Supernanny gestellt.
Es stimmt schon, eine ganze Anzahl der mehr als einhundert Jahre alten repräsentativen Bauten im Zentrum der Stadt sind “liebevoll”, besser wäre wohl fachgerecht restauriert; manche werden von öffentlichen Einrichtungen genutzt, aber nicht alle. Manche Objekte haben heute noch die Funktion wie im ersten Jahr; hierzu zählt z.B. das Postgebäude, in dem diese Einrichtung seit etwa 1880 ununterbrochen präsent ist. Ein einheitliches Innenstadtbild ergibt sich dadurch nicht. So stehen die “Altertümer” schön herausgeputzt neben einfachen Funktionalbauten, also ein Sammelsurium. Wer sucht der findet und kann sich an dem einen oder anderen schönen Haus erfreuen.
Einen kurzen Abstecher machten wir in den am Mary River gelegenen Queens Park; eine Büste der Königin suchten wir vergeblich, dafür wurde uns reichlich Schatten gespendet. Ein um 1900 gepflanzter Bayan Feigenbaum steht noch immer, hat sich enorm ausgedehnt und wurzelt auf vielen “Stelzen”.
Ein anderer großer Baum fiel uns durch seine herabhängenden Früchte auf; ein Schild nannte den Namen, “sousage tree”. Mehr wissen wir nicht, die Früchte konnten wir natürlich nicht kosten.
Viel zu spät machten wir uns nach einem letzten Wochenendeinkauf auf den Weg an die “Discovery Coast”, für die insbesondere die Orte Agnes Water und Town of 1770 stehen. Letzterer ist Ausgangspunkt für eine Fahrt zum “Lady Musgrave Island” vor der Küste gelegen und Bestandteil des Great Barrier Reef. Über mehr als allgemeine Informationen zu einem Ausflug auf dieses Korallenatoll verfügten wir nicht; vor Ort würden wir uns schlau machen können. Das verlangte aber rechtzeitig vor Geschäftsschluß dort anzukommen. Deutlich über 300 Kilometer lagen noch vor uns, als wir von Mary Poppins Stadt aufbrachen. War die Fahrt von Rainbow Beach bis nach Maryborough eher eine Fahrt durch endlose Kiefern- und Eukalyptusplantagen, gestaltete sich die Fahrt weiter in Richtung Agnes Water anfangs als Sightseeingtour entlang von Zuckerrohrplantagen. Zum Glück blieb uns eine qualmende und stinkende Fabrik für das Zuckerrohr am Straßenrand erspart; das Rohr war noch nicht erntereif. Hin und wieder tauchten dann Obstplantagen auf, vorwiegend Apfelsinen konnten wir erkennen, manchmal versuchte auch ein Viehwirt sein Glück mit Kühen und Rindern auf der Wiese. Erfreulich, alles war grün, sattgrün. Verständlich, wenn die Feuerwarnschilder alle auf grün geschaltet waren. Die Fahrt war, kurzgesagt, eigentlich langweilig, denn abwechslungsreich war die Aussicht nicht gerade.
Um 17:00 Uhr erreichten wir Agnes Water, einer der beiden möglichen Campingorte. Vergeblich fuhren wir die Touristeninformation an; Samstagnachmittag geschlossen, also keine Chance, uns über den beabsichtigten Ausflug zu informieren, d.h. die Katze im Sack kaufen, was und dann telefonisch noch gelang, Morgen früh machen wir uns auf den Weg zu Lady Musgrave Island. Ein Quartier für uns und unseren Camper fanden wir auch noch in Agnes Water; das Büro war zwar schon ab 17:00 Uhr geschlossen, jedoch hingen vor dem Büro Umschläge mit noch nicht vergebenen Plätzen, insgesamt waren es vier. Den Stellplatz beziehen und Morgen zahlen. Geht doch! Also eigentlich alles in Butter, wenn es denn nicht so früh stockdunkel werden würde. Die australischen Campingplätze verfügen meistens nicht über Räumlichkeiten, in denen man sich aufhalten kann was zur Folge hat, daß man früh flach liegt. Werden wir auch befolgen (müssen), denn um 07:45 Uhr müssen wir im Büro des Ausflugveranstalters in Town of 1770 sein. Und auf später müssen wir auch den Test des Campingplatzstrandabschnittes verschieben, ja, der Platz liegt direkt an einem schönen weiten Sandstrand, man muß nur aufstehen und kann direkt ins Wasser laufen. Heute in der Dunkelheit nicht möglich, Morgen wegen des Ausfluges eher unwahrscheinlich, also am frühen Morgen des Abreisetages. Wir holen wenn möglich alles nach!