Talca, das Maule Tal und der Parque Nacional Altos de Lircay

Der Himmel meinte es bei unserer Abreise aus Pucón gut, es nieselte und regnete zu Beginn, also kein toller Blick auf die Bergwelt möglich. Ganz im Gegensatz zu unserer Stimmung, wir waren gespannt, was Talca, gut 650 Kilometer Fahrstrecke weiter nördlich und in Schlagdistanz zu Santiago zu bieten hat. Auf Talca sind wir aus zwei Gründen gekommen : zum einen kann man von hier aus bis zur Mittagszeit, unser Abgabetermin für den Wagen, Santiago erreichen, zum anderen befinden sich in der Nähe mehrere interessante Nationalparks, wobei die Parque Nacional Altos de Lircay uns besonders zusagt.

Nach 6–stündiger Fahrt waren wir am Ziel und checkten am frühen Nachmittag in unserem Hostel ein. Als gegen 19:00 Uhr uns der Hunger plagte machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Plaza de Armas, bislang immer ein Ort an dem oder in dessen näherer Umgebung ausreichend Restaurants sich befanden. Auch in Talca mit seinen mehr als 200.000 Einwohnern gingen wir davon aus, fündig zu werden. Wir liefen eine Vielzahl von Straßen rund um den zentralen Platz ab, alle Restaurants waren geschlossen. Ein Kino hatte zwar geöffnet, das benachbarte Restaurant verweigerte sich dem Gast. Nach fast einer Stunde ergebnisloser Suche kehrten wir zum Hostel zurück, vielleicht wußte der Concierge Rat. Dieser schickte uns in eine nahegelegene Straße, in der in der Tat sich zahlreiche Restaurants befinden, jedoch heute alle geschlossen. In unserer Not und mit mehr als nur einem Loch im Bauch besannen wir uns einer Systemgastronomie, die rund um die Uhr jeden Tag im Jahr geöffnet hat, ein “Restaurant”, um das wir sonst immer einen großen Bogen machen. Aber heute schien uns das die einzige Möglichkeit zu sein, nicht mit großem Hungergefühl ins Bett gehen zu müssen. Also stiefelten wir, ausgehend von unserem Hostel, über das wir die Adresse dieses Spitzenrestaurants erfahren hatten, gut 14 Blocks ostwärts und drei Blocks nach Norden. Wir hatten uns nicht geirrt – es kann alles zusammenbrechen, MD hat immer auf und wartet auf sein Geschäft. Groß war der Umsatz mit uns nicht, wir beschränkten uns auf das Allernotwendigste und verließen schnell, zumindest leicht gesättigt, den Tatort.

Es war für uns eine völlig neue Erfahrung, am Neujahrstag in einer Großstadt überall auf geschlossene Lokale zu treffen. Wohl auch deshalb war in der Stadt nicht nur am frühen Abend kaum jemand unterwegs.

Den 2.1. widmeten wir neben einem Stadtrundgang insbesondere weiteren Recherchen zu unseren nächsten Zielen und vor allem dem Versand nicht mehr benötigter Reiseliteratur und unserer Schulbücher. In Santiago wartet bereits ein Karton mit Reiseführern unserer nächsten Stationen. Man mag es kaum glauben, aber der Versand unseres Buchkartons mit etwas über 11 Kg Gewicht kostete so viel, daß wir dafür auch fast 3 Nächte in unserem Hostel, zugegeben, diesmal stimmte der Preis wirklich mal, hätten schlafen können.

Ganz aus unserem Gedächtnis gestrichen war die Information in 2010, in dem ein sehr starkes Erdbeben vor der Küste Chiles insbesondere die Region um Talca heftig getroffen und zu immensen Schäden geführt hatte. Anfangs wunderten wir uns über die auch in der Innenstadt befindlichen zahlreichen Adobehäuser, die leer standen, teilweise keine Dächer mehr besaßen, manchmal zwar von weitem “gesund” aussahen, bei näherem Hinsehen aber von tiefen Rissen im Mauerwerk überzogen waren. Eine stattliche Anzahl von Innenstadtgrundstücken lag brach, war eingezäunt, das Unkraut wucherte. Eigentlich in exponierter Lage nicht verständlich. Aber nicht nur Adobehäuser waren baufällig, auch eine größere Anzahl stattlicher moderner (Schule) oder repräsentativer Bauten (Bank) war gesperrt, die Türen verschlossen, die Fenster teilweise verbrettert oder es gähnte den Betrachter ein großes oft helles Loch entgegen – Licht kam von oben, dem Himmel. Information über die Stadt brachte dann die Erklärung, das Erdbeben in 2010. Wie wir erfuhren, mußten zahlreiche Bürger ihre einsturzgefährdeten Häuser aufgeben, sollen jedoch nicht der Stadt den Rücken gekehrt, sondern sich in den Randbezirken niedergelassen haben. Eine Flucht aus der – gefährdeten – Stadt habe es nicht gegeben. Was jetzt noch fehlt ist ein erkennbarer Einsatz, die noch vorhandenen zahlreichen Schäden dauerhaft zu beseitigen.

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Unser Reiseführer aber auch die eingeholte Auskunft im örtlichen Tourismusbüro bestärkte uns in der Entscheidung, noch einmal in einen Nationalpark wandern zu gehen. Nächstgelegen ist der Parque Nacional Altos de Lircay, d.h. wir müssen gut 60 Kilometer anfahren, um an die Berge und die Anden zu kommen. Unsere Fahrt führt uns über San Clemente in Richtung Osten in ein kleines Tal, an dessen Ende – fast Ende – das Örtchen Vilches Alto liegt. San Clemente muß man eigentlich  noch der Weinbauregion im Mauletal zurechnen, denn zahlreiche sehr große Weinbaubetriebe säumen die Straße hierhin. Wir hatten zwar von der besonderen Qualität der hiesigen Weine gehört, heute jedoch etwas anderes vor und verzichteten auf die zahlreichen Möglichkeiten einer Weinprobe im Umland von Talca. Was dann aber bei der Einfahrt nach San Clemente sehr befremdete war die “Begrüßung” durch eine auf dem Mittelstreifen aufgebaute alte Flak, die gegen Westen, d.h. Talca zeigte. Ein Weinfass oder wegen des ebenfalls ausgeprägten Obstanbaus ein Symbol dieses Wirtschaftszweiges hätten wir noch verstanden, aber ein Flakgeschütz? Gegen wen richtet es sich, wer soll hier geschützt werden? Geschmacklos und verirrt.

Langsam ließen wir den landwirtschaftliche geprägten Bereich hinter uns, fuhren stetig bergauf und wurden nach und nach vom Wald umgeben und trafen dabei wieder einmal auf einige Gauchos, die einige Rinder vor sich her trieben, eine staubige Angelegenheit.

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Bei der Parkverwaltung am Parkeingang informierten wir uns über die Wanderrouten. Unterschiedlich lange Strecken standen für einen Wandertag zur Auswahl; wir entschieden uns, zum etwa 2.300m hoch gelegenen Basaltplateau El Enladrillado zu wandern, einem Ort mit weitem Blick auf und in die umliegenden Andenberge; die Wanderzeit mit angegebenen 8 Stunden passte noch in unseren Zeitplan, denn wir hatten in der Vergangenheit immer wieder die Erfahrung machen können, teilweise erheblich vor den vorgegebenen Zeiten am Startort zurück zu sein. Eine Zusatzoption gab es durch dieses Ziel, bei genügend Zeitpuffer und Lust bestand die Möglichkeit, den Rückweg über die auf 2.200m gelegene Laguna Alto zu wählen. Während wir auf unseren vergangenen Wanderungen durch Nationalparks kaum andere Wanderer angetroffen haben, hier waren doch einige unterwegs, meistens voll bepackt mit Zelt, Schlafsack und Isomatte, Kochgeschirr etc. um einige Tage auf einem der beiden unten im Tal befindlichen CONAF-Campingplätzen zu verbringen. Hier waren dann auch manchmal Familien unterwegs, bei denen erkennbar das eine oder andere Familienmitglied sehr früh unter der Last und dem ansteigenden Weg gelitten hat. Als es dann nach gut 1 3/4 Stunde so richtig bergauf ging, waren wir dann allein unterwegs. So lange wir im Schatten des urwüchsigen Lenga- und Roblewaldes wanderten, lief zwar wegen der großen aber noch auszuhaltenden Hitze auch Schweiß, aber in Grenzen, auch wenn wir nicht gerade bummelten. Doch nach einer weiteren halben Stunde waren wir aus dem Schutz des Blätterdaches heraus und spürten die volle Kraft der Sonne. Ein leichtes Lüftchen brachte etwas Kühlung. Zur Hitze kam dann noch ein immer schlechterer Weg, ein Steig, der immer wieder vorgaukelte, bald hätten wir den Bergsattel erreicht. Nach dreieinhalb Stunden standen wir dann endlich in praller Sonne auf dem Plateau und konnten die wirklich ungewöhnliche Aussicht genießen. So richtig weit sehen konnten wir zwar nicht, dafür waren dann die umliegenden Berge, Bergketten und Vulkane doch zu mächtig, aber die Blicke ins Tal, auf die abwechslungsreichen sichtbaren Felswände, die umherliegenden und den Abhang markierenden Basaltbrocken entschädigten für den vergossenen Schweiß. Als wir dann noch, leider weiter entfernt, einen Kondor in seinem Flug ohne einen Flügelschlag dahingleiten sahen, war der Tag perfekt, wenn nicht noch ein Rückweg durch die Sonne anstehen würde. So interessant der Rückweg über die Laguna Alto auch erschien, wir hätten dann 2 zusätzliche Stunden in der prallen Sonne gehen müssen, wogegen wir uns aus Vernunftsgründen entschieden. Zügig ging es dann auf bekanntem Weg zurück, auf dem wir im Talabschnitt auch zahlreichen wandernden Campern begegneten, von denen einzelne bereits nach einer guten Stunde wandern ziemlich platt am Wegrand saßen. Nach etwas mehr als 5 1/4 Stunden Wanderung meldeten wir uns dann beim Parkranger ab und fuhren zurück nach Talca. Das war dann sicherlich die letzte Wanderung während unserer Reise auf chilenischem Festland. Das nächste Mal werden wir auf Rapa Nui die Wanderschuhe anziehen dürfen.

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Den Abend verbrachten wir damit, unser Gepäck so zu richten, daß unser Handgepäck das Notwendige für den Kurzabstecher nach Valparaiso enthält, der Rest muß in unseren beiden Rucksäcken verstaut werden. Was anfangs als Problem erschien, stellte sich später als fast leicht zu lösende Aufgabe heraus – alles fand seinen Platz, man muß sich halt von Überflüssigem trennen.

Wir hatten die Wagenrückgabe für den 4.1. gegen 12:00 Uhr vereinbart und starteten deshalb bereits um 07:30 Uhr. Für die 250 Kilometer bis zur Hauptstadt viel Zeit, da wir aber kein ausreichendes Kartenmaterial zur Stadt besitzen und uns den letzten in der Stadt verlaufenden Streckenabschnitt aus einem Routenplaner herausgezogen hatten ohne zu wissen, ob dieser Vorschlag zielführend ist, war uns ein größerer Zeitpuffer sehr recht. Und diesen brauchten wir auch. Offensichtlich sprechen Routenplaner und diejenigen, die für die Ausschilderung vor Ort zuständig sind, nicht ausreichend miteinander. Sobald wir die eigentliche Autobahn verlassen mussten, uns dabei auch an den Kilometerangaben des Routenplaners orientierten, waren wir aufgeschmissen. Die aufgezeichneten Ortsangaben existierten nicht, wir fuhren ab der Stadtgrenze Santiago im Blindflug. Die in Stadtrandnähe ersichtlichen Ortsteilangaben brachten uns auch nicht weiter, denn wir konnten diese nicht zuordnen. Nach mehr als einer halben Stunde Irrfahrt endlich ein Hinweis auf die Richtung ins Zentrum. Da kennen wir uns aus, für den Innenstadtbereich haben wir eine Straßenkarte. Wie stark sich Santiago in der Fläche ausbreitet, haben wir dann in der folgenden 3/4 Stunde im wahrsten Sinne des Wortes erfahren können, bis wir uns endlich auf bekanntem Terrain befanden. Bis wir den Wagen an seinem Bestimmungsort abgeben konnten, leider erst um 12:10 Uhr, sind wir fast volle zwei Stunden durch die Stadt gefahren, hatten wiederholt erheblichen Frust entwickelt und mehr als einmal die wilden und rücksichtslosen Raser in der Stadt mit Schimpfwörtern belegt. Alles ging gut, wir konnten den roten Flitzer nach exakt gefahrenen 20.300 Kilometern ohne Beanstandung dem Vermieter zurück geben. Dreckig, voller Staub war er und wir hatten die letzten Stunden ganz schön geschwitzt. Tschüss, der Toyota war ein verlässlicher und hinsichtlich seines Spritverbrauchs mit seinen 2,4l Hubraum genügsamer “Begleiter”. Damit endet hier in Santiago unsere Rundreise per Auto, jedoch nicht unsere Zeit in Südamerika, denn vor dem Weiterflug nach Rapa Nui werden wir noch einen Abstecher nach Valparaiso unternehmen.

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Zurück nach Pucon – jetzt den Volcano Villarrica vor Augen

Vor wir wissen gar nicht mehr wieviel Wochen hatten wir Pucón den Rücken gekehrt bei strahlendem Wetter. Leider haben wir dabei den Volcano Villarrica nur von unten gesehen, statt wie erhofft oben auf ihm zu stehen. Unser Zeitpolster erlaubt es, auf dem Weg gen Norden hier einen 2-Tagesstop einzulegen. Ob das Wetter diesmal für eine Bergwanderung geeignet ist?

Fünf schöne Tage hatten wir in der Posada del Colono verbracht, auch viel mit Emma und Marcelo gesprochen, wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, der Abschied von den beiden und dem so gar nicht als Wachhund tauglichen Pepe fiel herzlich aus. Zu Pepe ist folgendes nachzutragen. Während unserer Anwesenheit nächtigte auch ein Paar hier, das per Fahrrad unterwegs war. Pepe freundet sich mit jedem der hier ankommt an und begleitet sie, sei es nur zum Auto, zum See oder, wie die beiden Radfahrer, diese auf ihrer nächsten Etappe zum Ort Entre Lagos, nicht auf direktem Weg, sondern auf Umwegen. Seine Abwesenheit wurde erst nicht so richtig bemerkt, bis ein Anruf Emma aus dem 50 Kilometer entfernten Rupanco erreichte, hier sei ihr Hund angekommen. Offensichtlich hatten die beiden Radler den dann wohl ziemlich matten Pepe irgendwo auf der Strecke “abgeben” können. Den Hund abholen, daran wurde kein Gedanke verschwendet. Marcelo kehrte das harte Bauernherz heraus, Pepe sei eh kein Wachhund, sondern eher wie ein kleines Kind, soll er doch sehen, wie er zurück kommt. Also wurde nichts unternommen. Am nächsten Morgen lag dann ein völlig erschöpfter Pepe vor der Tür; der kleine Kerl hatte den Rückweg gefunden und war wohl froh, wieder bei seinem Fressnapf zu sein. Die ersten beiden Tage war mit ihm nicht viel anzufangen, verständlich, wenn man als Hund zwei Marathons am Stück in den kleinen Beinen hat.

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Wir haben ja keine Eile, nach Pucón zu kommen und legten einen Übernachtungsstop in Futrono am Lago Ranco ein. Da wir gemächlich fuhren, trafen wir dort auch erst am Spätnachmittag ein. Auf dem Weg dorthin passierten wir nicht nur 5 weitere mehr oder weniger sehr große Seen, schließlich bewegen wir uns hier im chilenischen Seengebiet, sondern auch teilweise sehr unterschiedliche Landschaften. Die Region um den Lago Llanquihue ist nicht nur hügelig, sonden die landwirtschaftlich genutzten Flächen oft auch relativ kleinteilig. Viehhaltung in Mehrhundertergröße haben wir hier nicht wahrgenommen, Großbetriebe fehlten, stattdessen immer wieder kleine Gehöfte und Katen entlang der Strecke. Wiesen und Weiden, immer wieder durch große Waldflächen aufgelockert, zahlreiche Bäume auf den Weiden spenden den Rindviechern Schatten. Getreideanbau konnten wir nicht ausmachen. Dies änderte sich, als wir in den Einzugsbereich des Lago Ranco, nachdem wir vorher einen kleinen Abstecher an den Lago Rupanco, leider erfolglos, denn ein Seezugang war nicht möglich, gemacht hatten, kamen. Die Hügel waren noch sanfter, die Weideflächen nahmen oft sehr große Dimensionen an, bäuerliche Großbetriebe bestimmten das Bild mit ihren in unseren Augen manchmal nicht mehr nach hunderten Tieren zu zählenden Viehbeständen. Hier wurde auch Futtergetreide und Mais in großem Umfang angebaut, Kleefelder wurden über ein umfangreiches Rohrsystem dauerhaft bewässert. Kleinbetriebe gab es kaum, kleine Katen waren von der Bildfläche verschwunden, stattdessen waren um den Hof herum eine ganze Reihe identischer Holzhäuser gebaut worden, offensichtlich für die Arbeiter und ihre Familien.

Nicht immer gelang es uns, ohne Umwege unsere geplante Strecke zu fahren, fehlten, wieder einmal, an wichtigen Kreuzungen Schilder, waren die angegebenen Entfernungsangaben nicht mit den der Karte zu entnehmenden identisch und führten uns deshalb in die Irre. Wahrscheinlich verschlägt es in diese Gegend zu selten Gäste, um diesen Mangel zu beheben. Über die Orte Entre Lagos, wo uns angesprochene Bewohner mit mißverständlichen Hinweisen nach dem Ort der Tankstelle fast in jede Himmelsrichtung schickten, über Crucero, als Ort kaum wahrzunehmen, es standen aber einige Häuser um eine Kreuzung herum, kamen wir zum Ort Lago Ranco am gleichnamigen See, ein unscheinbares Örtchen. Bei der Fahrt entlang des Sees, einer ehemals schmalen Schüttelpiste konnten wir wieder einmal die Bauwut im Land “bewundern”. Hier wurde großzügig auf zwei Spuren ausgeweitet, neue Brückenbauwerke errichtet und unendliche Kubikmeter Erde und Gestein bewegt. Eine normale Fahrt war kaum möglich, ständig musste gewartet oder Baufahrzeuge  vorbei gelassen werden. Die Aussicht an den wenigen anfahrbaren Aussichtspunkten war jedoch immer den Stop wert. Im Lago Ranco befinden sich einige mehr oder weniger große Inseln, deren bedeutendste die Isla Huapi ist, Wohnort einer größeren Mapuche Gemeinde. Wir umrundeten den See fast vollständig und müssen sagen, der Seeblick vom Süden aus war der eindruckvollste, im Osten und Norden führte uns die Straße zu oft vom Seeufer weg und um die den See eingrenzenden Bergrücken herum. Unsere Zeit ließ einen kleinen Abstecher zum etwas abseits gelegenen Lago Maihué zu; unsere Karte wies einen Ort namens Puerto Llolles auf, unser Ziel. Dort angekommen standen wir dann vor den Resten einer Steganlage, Bebauung gab es keine, aber einen kleinen Strand und einen ganz friedlich daliegenden ruhigen See. Zufahrend auf das Tagesziel wurde deutlich, was die seit längerem erkennbare umfassende Forstwirtschaft und die Anlage von überwiegend Eucalyptusplantagen angedeutet haben – wir waren in einem der Zentren der Holzwirtschaft gelandet. Große, kleine und sehr große Sägewerke befanden sich in der Nähe und in der Stadt Futrono. Immer wieder sahen wir auch sehr weit vor der Stadt auf den “Höfen” rechts und links der Straße Maschinen und Lkws stehen, die in der Forstwirtschaft und im Holztransport eingesetzt werden. Futrono ist deshalb auch keine von einem Reisenden besonders zu beachtende Stadt, ihr einziger touristischer Vorteil, weshalb hier auch eine Anzahl von Cabanas zur Vermietung angeboten werden, ist der See und der vor der Stadt liegende Strand.

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Am 29.12. setzten wir unsere Seenrundfahrt in Richtung Norden und an den Lago Villarrica fort. Den ersten am Wegesrand liegenden See, den Lago Rinihue steuerten wir an, mussten beim Versuch an sein Ufer zu kommen, wieder einmal vor den vielen Stacheldrahtzäunen und dem Privateigentum aufgeben. Vor Panguipulli stießen wir auf großflächige Obstanbaugebiete; unserer unfachmännischen Meinung nach könnte es sich hier um Blaubeeren handeln, Auskunft konnte uns keiner geben, obgleich hier im Land am Sonntag nicht nur die Landwirte, sondern auch (z.B.) die Müllwerker ihrer Arbeit nachgehen.

Panguipulli gehört auch zu den unscheinbaren und irgendwie am Rande liegenden Orten in dieser Region; obgleich angabegemäß 16.000 Menschen hier leben sollen, eine gewisse Ausdehnung hat diese Stadt auch, ihre Anziehungskraft, insbesondere wirtschaftlich ist begrenzt, wie wieder einmal der Zustand der in der Innenstadt liegenden Häuser belegt. Nach unserer Auffassung standen hier vergleichsweise viele Objekte leer und waren ihrem Verfall überlassen, andere suchten einen Käufer. Bei unserem kleinen Spaziergang entlang der Ufer”promenade” konnten wir nicht nur oberhalb eine ganze Reihe kleiner Giebelhäuschen mit ihrem tollen Blick in die Weite des Lago Panguipulli ausmachen, sondern stießen auch auf eine Holzskulptur, die offensichtlich die friedliche “Bekehrung” der indigenen Völker darstellen soll, eine Geschichtsverfälschung ersten Ranges, denn friedlich gingen die Glaubensvertreter gar nicht vor.

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Die anschließende Fahrt entlang des nordöstlichen Seeufers des Lago Panguipulli fand leider bei zunehmend schlechterem Wetter statt, es begann leicht zu regnen, der Himmel war dunkel, die Sicht nicht gerade gut. Den im Südosten liegenden Volcano Choshuenco konnten wir mehr ahnen als in seinen Umrissen wahrnehmen. Bei diesem zunehmend unbefriedigendem Wetter verzichteten wir auf einen Abstecher des malerischen Lago Pirehueico, über den auch eine Möglichkeit besteht, per Boot und Bus nach San Martin de los Andes in Argentinien zu reisen, um eher zügig als gemächlich zu unserem Tagesziel zu gelangen. Wir passierten tief unter uns liegend den Lago Neltume, drangen wieder in stark bewaldetes und zunehmend bergigeres Land vor, mussten diverse Regenschauer über uns bzw. unseren Flitzer ergehen lassen, bevor wir an die Thermen von Conaripe kamen. Ein Thermenbesuch war uns ja bislang nicht vergönnt gewesen, also fuhren wir in die Anlage, die zu einem Hotel gehört. Der gewonnene Eindruck deckte sich leider mit vielen früheren Wahrnehmungen – manche Unternehmen halten von Gebäudeunterhalt nicht sehr viel. So war auch dieser sehr weitläufige Hotel- und Resortkomplex mehr schlecht als recht in Schuss gehalten. Die Thermenbecken waren klein und nachdem uns der Preis für einen Besuch mitgeteilt wurde, das Wetter so schlecht wurde, so daß ein Aufenthalt im Freien wenig Freude macht, denn es wurde zunehmend bitter kalt, verschoben wir den Besuch erneut. Es gibt noch genug Thermen entlang unserer Route. Bald darauf durchfuhren wir Conaripe, auch eine dem Tourismus zugewandte Stadt am Lago Calafquen um anschließend am “Hauptort” dieses Sees, Lican Ray endlich mal an einen hier schwarzen Strand zu gehen. Und es regnete immer noch, was einem Gang an das Wasser jedoch keinen Abbruch tat. Lican Ray ist eine Ansammlung von Cabanas wie man sie sich kaum vorstellen kann. Hier stehen im Grunde nur kleine Ferienhäuschen und Cabanas, sonst nichts, wenn von den für einen funktionierenden Ferientourismus notwendigen Infrastrukturen wie Tankstelle, Gastronomie, Lebensmittelgeschäften abgesehen wird. Noch steppte hier nicht der Bär, aber erste Anzeichen für den kommenden Ansturm waren erkennbar, die Vergnügungsindustrie war dabei, ihre Angebote aufzubauen. Aber was ist in diesem Ort außerhalb der Urlaubszeit los – nichts, tote Hose. Die Strände, die schön tief und lang waren und aus feinem schwarzen Lavasand bestanden, sind jedoch attraktiv.

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Und dann war es nicht mehr weit zu unserem Ziel, Pucón, die Strecke waren wir bereits vor Wochen im wesentlichen gefahren. Unser Quartier, die Casa Satya, hatten wir vorab gebucht; wir befürchteten, nicht ganz zu Unrecht, mit unserer üblichen Strategie in den Ort fahren und suchen, kein vernünftiges Quartier zu finden. Die Casa Satya passt schon, ein sehr schönes uriges und überschaubares Domizil für die nächsten drei Nächte.

Unser Ziel ist ja, auf den Volcano Villarrica zu wandern, was entsprechend gutes Wetter voraussetzt. Direkt nach unserer Ankunft machten wir uns auf den Weg zu den beiden empfohlenen Veranstaltern um sehr ernüchtert ins Quartier zurück zu kehren. Nicht nur das schlechte Wetter, der Himmel war und blieb bedeckt, machte uns einen Strich durch unsere Pläne, darüber hinaus erfuhren wir, daß für den eventuell möglichen Termin, Wetterbesserung vorausgesetzt, der 31.12., mehr Voranmeldungen vorlagen, als mitgenommen werden. Für uns sah es sehr schlecht aus, dennoch ließen wir uns auf die Warteliste bei beiden Agenturen setzen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung.

Am 30.12. war wahrlich kein Wetter, bei dem es Spaß machte, längere Strecken zu wandern es sei denn, man liebt es, im Regen zu laufen und wenig zu sehen. Wir nicht, deshalb blieben wir weitestgehend in unserem gemütlichen  Quartier. Wir hatten schon Pläne gemacht, wohin wir am letzten Tag des Jahres, vernünftiges Wetter vorausgesetzt, wandern wollen, als wir vom Veranstalter SummitChile angerufen wurden. Es waren Interessenten abgesprungen, wenn wir wollten, könnten wir … So schnell waren wir selten unterwegs, um zum Veranstalter zu kommen. Gut, Garantie gibt es nicht, aber der Wetterbericht für den 31.12. gibt, so hieß es, etwas Hoffnung, auch wenn diese noch relativ klein ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wir sind dabei. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß  Morgen wirklich ein Tag für einen Aufstieg auf den Volcano Villarrica ist.

Die nötigen Verpflegungseinkäufe für unsere Tageswanderung wurden noch schnell gekauft, dann erfolgte bereits unser erster Zugriff auf die Internetseite www.snow-forecast.cl, die eine auch von den Professionellen genutzte Vorhersage mit wichtigen Parametern wie z.B. Windgeschwindigkeit, Wolkenhöhe etc. bietet. Überzeugend sah das nicht aus, aber wir waren jetzt dabei, hatten unsere Chance bekommen. Ob es an der von Katrin auch eingekauften Tüte sehr fettiger Chips lag, wir schliefen nicht gerade fest oder viel und waren, als unser Wecker um 05:30 Uhr klingelte, eigentlich schon wach. Gefrühstückt haben wir kaum, Kaffee dafür um so mehr getrunken und sind dann schnellen Schritts, als Dritter aus der Casa Satya kam Max, aus Brasilien wie der Name schon sagt, ein Lotse auf dem Amazonas und in Manaus beheimatet, im Schlepptau mit. Wir waren bei SummitChile nicht die ersten an dem frühen Morgen, Claudio und seine Crew sowie weitere Mitwanderer waren bereits dabei, die bereit gestellte Ausrüstung anzuziehen und das nicht sofort benötigte Equipment, Steigeisen, Eispickel, Überhose und weiteren Anorak, Handschuhe (dicke und dünne), Mütze, Helm, Hilfsmittel zum Abrutschen im Schnee, im bereit stehenden Rucksack zu verpacken. Kurz nach 07:00 Uhr fuhren wir los, wie wir an der Liftstation feststellen konnten, waren wir beinahe die ersten am Abmarschpunkt. Es war schon bequem, per Kleinbus gut 10 Kilometer an den Berg herangefahren zu werden und auf bereits 1.400m Höhe aussteigen zu können, bleiben dann nur noch weitere 1.400m zu absolvierendem Aufstieg. Bei der Abfahrt hat jeder aus unserer kleinen Gruppe, Claudio beschränkt sich immer auf maximal 10 Gäste und begleitet diese mit 4 Bergführern, die übrigen Agenturen füllen fast einen Großbus mit ihren 24 Gästen, denen 3 maximal 4 Bergführer bzw. Assistenten zur Seite stehen, gen Süden auf den Villarrica geschaut und sich gefreut, denn der Vulkan präsentierte sich gerade ohne Wolken, auch wenn einige am Himmel zu sehen waren. Stimmung bei der Fahrt gut, auch wenn sicherlich der eine oder andere angespannt war. Bereits vor der Abfahrt hatte Claudio sehr deutlich gesagt, daß seiner Meinung nach keine guten Bedingungen für eine erfolgreiche Gipfelwanderung herrschen, der Himmel sei zwar im Augenblick klar am Berg, aber der dort herrschende Wind sei schon ganz schön stark, wie der aktuelle Wetterbericht aussagte. Wir könnten dennoch abfahren und dann vor Ort prüfen, wie die Chancen stehen. Klare Worte, die unsere Hoffnung natürlich dämpften, aber wohl nicht von jedem so deutlich verstanden wurden. An der Talstation der Lifte angekommen fuhr der Bus, wie im Nachhinein deutlich wurde, ganz bewußt auf eine etwas ausgesetztere Stelle. Während wir unser Gepäck ausluden, sah man Claudio mit einem Gerät an unterschiedlichen Stellen des Plateaus herumlaufen; er stieg auch auf die Liftstation hinauf, und erklärte uns anschließend sein Tun. Er war mit einem Windmeßgerät unterwegs, die Ergebnisse waren jedoch nicht erfreulich. Die Windgeschwindigkeit, die er hier unten messen konnte, betrug im günstigsten Fall 27m/sec; am Berg, wenn wir aus den windgeschützten Senken herauskämen, würde das deutlich mehr als 40m/sec bedeuten, ab 40m/sec würde im allgemeinen abgebrochen. Zudem sei zu erwarten, daß die weit entfernten Wolken im Verlaufe des Vormittages den Vulkan erreichen würden, bevor man oben sei. Das sei seine Prognose, es könne sich – vielleicht – auch anders entwickeln, unsere Entscheidung sei nun gefragt. Man muß wissen, daß wenn mit der Wanderung begonnen worden ist, es keine Erstattung der gezahlten 50.000 CLP gibt! Eine einheitliche Meinung bildete sich nicht unter uns 6 zahlenden Gästen; einer wollte egal wie den Versuch starten, zwei junge Brasilianerinnen schienen bereits jetzt bei dem Wind zu frösteln, ich wäre ein durchschnittliches Risiko eingegangen, Katrin hätte sich der Mehrheitsmeinung angeschlossen und Max war auch bis zum Schluß unentschieden. Dann rief Claudio uns zu einem engen Kreis zusammen, sah jedem in die Augen und entschied dann : die Chancen bis zum Krater zu kommen sind deutlich geringer als 50 Prozent; es entspricht nicht seiner Philosophie bei so schlechten Aussichten  mit der Wanderung zu beginnen. Im übrigen sei auch er von viel mehr Gipfelbesteigungen zurück gekommen als er Gipfel in seinem Bergsteigerleben erreicht habe. Es habe keinen Sinn, nach zwei Stunden festzustellen, es ginge nicht und dann zurück zu gehen. So fuhren wir wieder zurück nach Pucón, während uns die Heerscharen an Wanderer anderer Agenturen entgegenliefen. Bezeichnend, daß ein Bergführer im Blickkontakt mit Claudio ein Zeichen wie beim Kopfabschneiden machte. Diese Entscheidung von Claudio, die ihn und seine Mannschafft um die Tageseinnahme gebracht hat, ist anerkennenswert, zeugt von sehr seriösem Geschäftsgebaren und ist extrem fair gegenüber seinen Kunden. Wie wir am Abend erfuhren, sind alle (!) Wanderer nach etwa zwei Stunden Anstieg wegen der Bedingungen umgekehrt, hatte jeder seinen “Wett”einsatz verloren und die Agenturen richtig Geld verdient, obgleich offensichtlich schon beim Abmarsch erkennbar war, wie gering die Erfolgsaussichten waren. So wurde z.B. der Sessellift, der im allgemeinen benutzt wird, um erst ab 1.700m mit der Wanderung zu beginnen, wegen zu hoher Windgeschwindigkeit nicht in Betrieb genommen! Daraus kann man nur die Schlußfolgerung ziehen : Wanderer, willst du jemals auf den Volcano Villarrica wandern, mach es mit SummitChile, die Leute kann man nur wärmstens empfehlen! Bei unserem Kleinstgruppenfoto mit Claudio Retamal als Zweitem von rechts, war die Enttäuschung noch nicht jedem anzusehen, Ben, der gipfelsturmbesessene Amerikaner stand abseits.

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Wir waren also früher zurück als geplant in unserem Quartier und holten erst einmal das eigentliche Frühstück nach. Was mit dem “gewonnenen” Tag anfangen? Christine, unsere Wirtin, hatte einmal auf einen kleinen privaten Park, den “Parque El Cani” hingewiesen, vom höchsten erreichbaren Punkt gäbe es zur Belohnung nach einem 4 1/2 stündigen Aufstieg einen wunderschönen Rundumblick auf alle großen Vulkane, also eine Tageswanderung. Als wir, ebenso wie Max, gegen 10:00 Uhr immer noch am Tisch saßen und miteinander schwatzten, scheuchte sie uns auf, “also wenn ihr heute noch etwas Wandern wollt, dann wird es aber Zeit”! Christines Fürsorglichkeit als gebürtige aber seit 20 Jahren in Pucón lebende Schweizerin gegenüber ihren Gästen!

Weil ich mir den Fahrweg nicht richtig eingeprägt hatte und wir ohne jegliche Karte unterwegs waren, erreichten wir den Startpunkt der Wanderung erst mit mehr als einer dreiviertel Stunde Verspätung und begannen mit unserer Wanderung um 11:20 Uhr. Ab 17:00 Uhr hatten wir zu Sylvester mit der Heimat Skypetermine vereinbart, bummeln durften wir also nicht, für die Wanderung standen uns maximal 5 Stunden zur Verfügung. Dementsprechendes Tempo schlugen wir auch an, hatten dabei trotzdem genügend Muße, den uns bis zum Gipfelfelsen auf 1.550m begleitenden wunderschönen alten Wald mit seinen riesigen Alercen und später in der Höhe auch großen Araucarien zu bestaunen. Immer wieder konnten wir unter uns im Süden den Lago Villarrica und mehr im Westen den Lago Calburga, nie in Gänze, aber zu einem guten Teil sehen. Nach nicht ganz 70 Minuten hatten wir ein Refugio erreicht

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und gegenüber den Zeitangaben der Parkranger 35 Minuten hereingelaufen, auf einer Strecke, die permanent mehr oder weniger steil bergan ging. Ob wir uns den Frust aus dem Leib laufen wollten oder die Belastung am Abend verspüren wollten, die wir nach einer Wanderung zum Vulkankrater erfahren hätten, wir wissen es  nicht, aber in dem Tempo ging es weiter bis zum Gipfelblick, den wir nach 160 Minuten erreichten. Ganz verschwiegene Lagunen hatten wir dabei passiert, die Laguna Totoras und die Laguna Negra, erstere war fast ausgetrocknet und dient einer Anzahl von Kühen als Weide, letztere lag still da, umgebenen von zahlreichen Alercen sowie einer großen Anzahl von bis zu 2.000 Jahren alten Araucarien. Hinter der Lagune ragte dann der über steile Serpentinen zu erlaufende Aussichtsfelsen auf.

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Dann waren wir oben auf dem Aussichtsfelsen und schauten in die Runde. Der erste Blick ging natürlich in Richtung Volcano Villarrica – voll von Wolken eingehüllt; auch die übrigen von hier aus sichtbaren Vulkane, die Vulkane Quetrupillán, Lanin und Llaima waren unsichtbar, von Wolken eingehüllt, die Wolken flogen wieder einmal tief. Der Weg war das Ziel. Dennoch, auch ohne den Blick auf die hohen Vulkangipfel, der Blick ins Rund, auf die unter uns liegende nahezu geschlossene Baumdecke war prächtig. Schön zu sehen, wie auch in weiter Entfernung noch der typische Wald der Region an den Bergflanken hinauf reicht, nur in geringem Maße der Kettensäge und den Holzwirtschaftsinteressen zum Opfer fiel. Nach gut 10 minütiger Rundschau, dem Verzehr unseres Gipfelproviants, machten wir uns auf den Rückweg, den wir, wegen der Steilheit des Pfades und dem lockeren Untergrund oft mehr in kleinen Schritten laufend als gehend absolvierten. Was vereinbarte Termine so alles bewirken können – diesmal eine Wanderung, die nur knapp 4 Stunden dauerte an Stelle der anvisierten 6 1/2 Stunden – dann hätten wir aber nicht mehr skypen können – stattdessen saßen wir entspannt und geduscht vor dem Netbook und warteten. Unsere Muskeln teilten uns noch am nächsten Tag mit, sie seien ganz schön gefordert worden, also hat das Training sich auch in dieser Hinsicht gelohnt.

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Wir schreiben den 31.12.2013, nicht nur der letzte Tag des Jahres, sondern auch unser letzter Tag in Pucón. Auch wenn wir beim zweiten Versuch, zum Kraterrand des Volcano Villarrica zu wandern, nicht erfolgreich waren, der Ort und seine Landschaft sind es wert gewesen, hier weitere zwei Tage zu verbringen, an denen wir nette Menschen treffen konnten und uns in unserem Quartier sauwohl gefühlt haben. Das berühmte nächtliche Feuerwerk haben wir jedoch nicht bestaunt, nachdem es bald nach unserer Rückkehr von El Cani sehr heftig zu regnen begonnen hatte, ein Zustand, der auch nicht aufhören wollte.

Also, neues Jahr neues Glück, es gibt noch viel zu sehen und zu erleben.

Geschafft!

Lange hat es gedauert, aufgelaufene Rückstände in der Berichterstattung “aufzuarbeiten”, zu vervollständigen,  zu bebildern und nach und nach in den Blog “rüberzuschieben”. Insbesondere in den vergangenen 14 Tagen wurde hart daran gearbeitet, ein mir selber gegebenes Versprechen zu erfüllen. Oft waren andere Dinge dringlicher, war das Netbook für Informationsbeschaffung oder Korrespondenz erforderlich, oder fehlte es schlicht an der notwendigen Zeit. Nicht immer stand uns auch in dem erforderlichen Umfang ein Netzzugang zur Verfügung, das Versenden der Blogdateien überforderte manchen Internetanschluss. Wir hatten in der Vergangenheit selten “freie” Tage, sondern haben, wenn nicht ein Sauwetter uns daran gehindert hat, etwas Interessantes unternommen, die Zeit für uns genutzt. Abends sanken wir oft sehr müde ins Bett, das Schreiben am Blog stand dann zurück. Nun haben wir/ich den Anschluß an die Jetztzeit geschafft und hoffen, in den kommenden Monaten nicht allzu sehr in Rückstand zu geraten.

Die eingestellten Bilder wurden in der Regel im Schnellverfahren aus dem Konvolut gemachter Aufnahmen ohne Bearbeitung ausgewählt, ihre Qualität läßt manchmal zu wünschen übrig, wird aber von uns als ausreichend zur Bebilderung eingeschätzt.

Also noch einmal allen, die hier längere Zeit auf mehr Aktualität gewartet haben : ‘tschuldigung, ging leider nicht anders! Nun sind wir endlich aktuell.

Im Schatten des Vulcano Osorno – am Lago Llanquihue

Unser Standort in der Nähe von Puerto Klocker – wir haben diesen Ort bislang nicht wirklich entdeckt (!?)

oder liegt er hier unten :       P1080905

– auf der östlichen Seite des Lago Llanquihue eignet sich für eine ganze Reihe von Ausflügen, in Richtung Osornovulkan, zum Lago todos los Santos und seinem Hafen Petrohué oder auch  einer Rundfahrt um unseren Haussee, den Lago Llanquihue. Da uns Informationen zu den beiden ersten Tageszielen fehlen, blieb die Seerundfahrt für heute, den 23.12., als Ausflugsziel.

Wir fuhren im Uhrzeigersinn, d.h.  sahen auf den ersten Kilometern das, was wir am Vorabend in der einbrechenden Dunkelheit nur schemenhaft wahrgenommen hatten. Einen dominierenden Begleiter hatten wir den ganzen Tag – der Volcano Osorno war immer und überall in unserem Blickfeld, aber nicht nur dieser Vulkan, sondern zwei weitere waren immer wieder in der Ferne auszumachen.

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Nicht alles was er sah, erfreute den Betrachter – an vielen Stellen während unserer Ganztagesreise über gut 180 Kilometer immer eng am See entlang stießen wir auf Fischzuchtkäfige in großer Anzahl, in denen insbesondere Lachs produziert wird. Leider auch manchmal nur knapp 100 Meter von genutzten Badestellen entfernt. Die bekannten Gesundheitsgefahren werden hier offensichtlich in Kauf genommen, denn ohne Medikamente, insbesondere Antibiotika, läuft in der Fischzucht nichts. Wie zur Beruhigung erfuhren wir, jedem einzelnen Fisch würde per Injektion die Dosis Antibiotika verpasst. Selbst wenn das zutrifft, die Problematik der Fischmehlfütterung – auch per Pipette in jedes Fischmaul? – und die damit verbundene Verseuchung der Gewässer bleibt. Da die Endverarbeitung nicht vor Ort erfolgt, sind in der Nähe der Fischkäfige an Land Umschlagstationen geschaffen worden, in denen der lebende Fisch mitsamt dem Wasser in die Tanks großer LKWs umgepumpt wird.

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Auf unserer Rundreise sahen wir völlig verschiedene Seiten der “Seenutzung”. Insbesondere der südliche und westliche Teil ist stark touristisch orientiert, bestimmen in den Orten ab Ensenada bis nach Puerto Varas die Anbieter von Cabanas und Ferienbetten das Ortsbild, nicht tourismusverbundene Tätigkeiten sind kaum vorhanden, nur sehr selten sah man noch den klassischen Bauernhof, der doch für diese Region früher das typische Bild abgegeben hat. Auch Orte wie insbesondere Frutillar und mit großen Abstrichen Llanquihue werden stark von Touristen und Badegästen angefahren. Daneben steht dann das Bild einer durch die Landwirtschaft geprägten Landschaft. Hier hat man im Gegensatz zu dem aus Südpatagonien und Südargentinien abgespeicherten Bild einer Totalentlaubung der Böden zu Gunsten riesiger Weideflächen mit Augenmaß abgeholzt. Nicht nur Wälder wurden stehen gelassen, sondern die Weideflächen  und Äcker haben zivilisierte Ausmaße, das Landschaftsbild ist nicht eintönig sondern vielseitig durch die Bäume, Wälder, Sträuche, Knicks. Das leicht hügelige Seeumland verstärkt noch den Wohlfühleffekt, wenn durch derartige Landschaft gefahren wird.

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Viele der um den See herum entstandenen Ortschaften haben einen Bezug zu deutschen Einwanderern, meistens Mitte des 19. Jahrhunderts hier eingetroffen. In Frutillar z.B. wurde extra ein Museum geschaffen, um den Beitrag dieser Einwanderer zu würdigen. Kritiker meinen, hier würden nur die Erfolge dargestellt, das für die meisten hier eine neue Heimat Suchende sehr karge und harte Leben sei ausgeklammert worden. Dies deckt sich mit den Ansichten unseres Herbergsvaters, dessen Vorfahren ebenfalls in dieser Zeit hier eingetroffen sind (1854), aus Schlesien hat es sie an die Ufer des Lago Llanquihue verschlagen. Er vertritt die Ansicht, die Deutschen seien hier auch im 19. Jhd. schon die Chefs gewesen, die einheimischen Chilenen die Knechte. Alle Auswanderer von Beginn an Chefs, reich und erfolgreich? Die Wirklichkeit dürfte sehr weit davon entfernt sein, auch wenn es zahlreiche sehr erfolgreiche deutschstämmige Einwanderer gab. Dem deutschen Einfluß oder Deutschlandbezug begegnet man hier immer wieder. Der Begriff “Kuchen” ist in die chilenische Sprache integriert worden, ständig konnten wir entsprechende Hinweise lesen. Besonders deutlich wird der Einfluß deutscher Einwanderer in Puerto Varas. Die Stadt ist eine richtige Kleinstadt, lebt praktisch ausschließlich vom Tourismus, obgleich der direkt vor der Stadt liegende Strand keine Verheißung ist, da haben wir entlang des Lago Llanquihue schönere Abschnitte gesehen. In dieser Stadt sahen wir nicht nur häufiger deutsche Namen an den Geschäften, nein es gibt sogar einen deutschen Verein. Derartige Vereine haben wir aber nicht nur hier, sondern als Sportvereine, Kulturvereine auch in anderen durchfahrenen Orten entdeckt.

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Und die Krönung dann in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Quartier. Hier hat sich ein Uwe Petersen niedergelassen und bewohnt im halbjährigen Wechsel sein Prunkhaus am See oder wohnt in Deutschland. An der Straße flattert an einem Fahnenmast wohl sein Wahlspruch, den er bei den Nordfriesen entlehnt hat – oder ist er selber Nachfahre dieser standhaften Volksgruppe?

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(leewer doad aas slaw)

Puerto Varas hat trotz des Tourismusbooms einiges von seiner alten Struktur und seinen alten Bauten aus dem 19. Jahrhundert bewahrt. Die innere Innenstadt wird zwar von Hotelbauten und anderen modernen Zweckbauten beherrscht, zwei Straßenblocks von der Standpromenade entfernt, findet man jedoch das alte Puerto Varas mit seinen maximal zweigeschossigen mit Holzschindeln – seltener – oder Holzbrettern beplankten Wänden, manchmal verzierten Eingangsbereichen, oft an ähnliche Häuser z.B. im Erzgebirge oder auch Bayern oder Baden-Württemberg erinnernd.

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Auf die Tatsache, daß Weihnachten vor der Tür steht, machte an zentraler Stelle ein ganz besonderer Weihnachtsbaum aufmerksam, alles ist recyclingfähig oder vollständig wiederverwendbar :

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Auch wenn man zur Lebenszeit nicht so exponiert gewohnt hat, eher zu den armen Schluckern zählte – nach dem Tod sind alle gleich, haben sich wohl die Bewohner von Puerto Octay gedacht, als sie ihren Friedhof schufen. Hoch oben auf einem kleinen Hügel direkt am Llanquihue-See befindet er sich. Wenn schon der eine oder andere Hingeschiedene zu Lebzeiten wenig Anlaß hatte, die schöne Aussicht zu genießen mit dem über allem stehenden Volcano Osorno, von seinem Grab aus hat er die beste Sicht auf See und Vulkan, denn ausnahmslos alle Gräber wenden sich dem See und dem dahinter aufragenden Volcano Osorno zu.

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Fährt man durch das landwirtschaftlich geprägte Land, bemerkt man sowohl imposante große und großartige Herren-/Herrschaftshäuser auf dem Gutsland, oft läuft eine von stämmigen Bäumen gebildete Alle auf den Haupteingang zu, als auch aufgegebene Höfe, deren Gebäude verfallen und somit davon zeugen, nicht jeder fand hier auf Dauer sein Glück. Vielleicht wird zu wenig wahrgenommen, wie eng hier großer Wohlstand und Armut nebeneinander wohnen. Nicht nur vereinzelt fielen uns kleine Katen mit ihren Gemüsegärtchen auf, Häuser, denen man ansehen konnte, daß selbst in dieser reichen Region es am Vielem mangelt. Wir haben uns verkniffen vor diesen Häusern anzuhalten und sie zu fotografieren – wir schämten uns unserer Neugier.

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24.12. Weihnachten – warum kommen bei uns so gar keine weihnachtliche Empfindungen auf? Nun, wir sind nur sehr eingeschränkt in den letzten Wochen in Städten unterwegs gewesen, in denen das Weihnachtsgeschäft so richtig brummt und alles auf diesen konsumträchtigen Feiertag hinweist, so daß die übliche  Anstöße zum Geschenkekaufen, Korrespondenz verfassen gar nicht ausgelöst werden konnten. Weihnachtsbäume haben wir, bis auf den heute Abend bei unseren Herbergseltern auch nicht wahrgenommen, Weihnachtsmusik, wir hören kein Radio, ebenfalls nicht vernommen. Da zudem auch das Familientreffen an diesen Feiertagen für uns zumindest ausfällt, gibt es noch einen weiteren Grund, für diese Festtage nicht so richtig in Stimmung zu sein. Oft sind ja die Feiertage auch Tage ohne beruflichen Arbeitsstreß, den haben wir schon gar nicht, für uns ist jeder Tag ein Gewinn und Genuß. Schließlich sind wir es auch gewohnt, daß es an Weihnachten kalt ist, zumindest ist es um uns herum nicht sehr grün – hier erleben wir natürlich genau das Gegenteil. Hier scheint die Sonne prächtig vom Himmel, der See verlockt zum Baden, alles grünt und blüht, auch wenn die Landwirte hier vor Ort sich über die zu lang anhaltende Trockenheit beklagen. Zusammengefasst, vom Weihnachtsblues sind wir weit entfernt, nur schade, daß Familie und Freunde so weit weg sind, aber das wird sich ja in einigen Monaten wieder ändern.

Unser Problem war eher, wo können wir an den Feiertagen Essen gehen. Die Frage haben wir Marcelo, unserem Herbergsvater gestellt. Nun kocht Emma, seine Frau, auf Voranmeldung auch für die Gäste, aber an Weihnachten wollten wir nicht darum bitten. Sehr erstaunt und erfreut waren wir, als beide meinten, wir könnten doch zusammen mit ihnen am 24. essen, auch vegetarische Kost sei dabei kein Problem. Leicht beschämt waren wir, aber nach den Erfahrungen vom Vorabend war das die (!) Lösung. Und es wurde ein gemütliches Abendessen mit den beiden und einem ihrer Kinder, Alfonso, der in Santiago studiert und über die Feiertage nach Hause gekommen ist. Viel wurde miteinander gesprochen, wobei Marcelos Englisch vor allem für mich sehr gewöhnungsbedürftig ist, Katrin konnte sich besser in seine Sprache hineinhören, und wenn das nicht klappte, ging es halt auf Spanisch weiter. Irgendwie haben wir uns alle verstanden. Zur Krönung des Abends, als die Eltern dann Alfonso eine sehr große Türe in die Hand drückten, wurden auch wir beide von ihnen mit einem kleinen lokalen Kupferteller zu Weihnachten bedacht!. Eine sehr schöne Geste. Leicht angeheitert stiegen wir dann einen Stock hinauf zum Schlafen.

Ansonsten verbrachten wir den 24.12. sehr geruhsam mit einem kleinen Spaziergang auf der Suche nach Puerto Klocker, lesen, Blog schreiben etc., saßen in der Sonne und erwehrten uns der zunehmenden Angriffe einer hier nur vorübergehend auftretenden Bremsenart (den colihuachos), eine Art Pferdebremse, die wirklich sehr hartnäckig einem nachsetzen. Irgendwann war dann doch die Flucht in das Haus angesagt. Nicht alle Tiere haben die Attacken überlebt; unsere Tagesstrecke waren locker 20 Exemplare. Schade, denn die Mücken sehen eigentlich ganz putzig aus mit ihrem teilweise orangenfarbigen Körper.

Während daheim am 25.12. häufig Verwandtenbesuche auf dem Programm stehen, große weitere Völlerei erfolgt, gab es für uns ein Aktivitätsprogramm. Wenn schon der Volcano Osorna direkt hinter unserem Haus aufragt, dann sollte man im doch näher kommen. Bis an den Beginn eines Sessellifts auf etwa 1.000m kann man mit dem Auto über eine asphaltierte Straße fahren. Dort nehmen die Gehfaulen, wozu nach Angaben von Marcelo alle Chilenen zählen (“nur die Europäer laufen da hinauf, wo man doch bequem mit dem Lift ein großes Stück nach oben kommt”), die Aufstiegshilfe in Anspruch oder aber man geht, wie wir, die Abfahrtsstrecke nach oben. Da der Untergrund aus meistens aus sehr kleinkörnigem Vulkangestein und Vulkanasche besteht, sinkt man nicht nur immer wieder ganz schön ein, sondern das Vorwärtskommen wird eine anstrengende Tätigkeit, deutlich mühsamer, als im Sand am Strand sich fortzubewegen. Und bei einer Steigung von durchschnittlich gut über 20 Prozent kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Als wir das Ende der beiden hintereinander gekoppelten Sessellifte erreichten, wurden diese dann auch für die anderen Besucher in Betrieb genommen. Wir hatten den Höhenunterschied von über 500m in knapp 50 Minuten überwunden. Viele weitere Höhenmeter konnten wir nicht mehr gehen, dann versperrte uns der Gletscher das weitere Fortkommen. Mit einem Führer und unter Verwendung von Steigeisen und Pickel ist die Besteigung des etwas über 2.600m hohen Vulkankegels an einem Tag möglich, ohne zertifizierten Führer oder als ausgewiesenes aktives Mitglied eines Alpinistenvereins ist die Besteigung, aus gutem Grund wegen der Todesfälle, untersagt. Von Unglücken vor Ort am Berg zeugen kleine Gedenkkreuze. Auch wenn der nicht angestrebte Gipfelblick nicht möglich war, von den erreichten gut 18/19hundert Metern hatten wir einen schönen Blick auf den Lago Llanquihue, die umliegenden Vulkane, insbesondere den Calbuco und in die Weite des Landes, leicht beeinträchtigt durch eine lockere Wolkendecke. Eine Belohnung für den schweißtreibenden Aufstieg, bei dem wieder ein strammer Wind ging. Da auf gut 15/16hundert Meter Höhe einige Nebenkrater bestehen, liefen wir diesen kleinen Schlenker auf unserem Rückweg mit. Interessant war auch zu sehen, in welch unterschiedlichen Farben das Vulkangestein vorhanden ist, nicht nur in schwarz und grau, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Rottöne stachen optisch aus den Geröllfeldern und dem Geröllberg hervor.

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Für den Nachmittag hatten wir uns vorgenommen, den Pazifik zu besuchen, seine Ausläufer befinden sich fast um die Ecke von unserem See. Der Fjord Estuario de Reloncavi erstreckt sich fast 60 Kilometer landeinwärts und man kann zumindest entlang einer Fjordseite bis hin zum Golfo de Ancud, also dem Pazifik fahren. Soweit wollten wir nicht, aber wenigstens etwas Luft der weiten Welt schnuppern, den Tidenhub beobachten. Leider war der Himmel auch weiterhin sehr bedeckt. Die Fahrt führte uns über das bereits mehrfach durchfahrene Ensenada durch das Tal des Rio Petrohué nach Ralún an der Nordspitze des Fjordes. Das befahrene Tal war wieder einmal stark bewaldet, knorrige Bäume, oft eine hier heimische Ulmenart, prägten die Strecke, ein sehr breiter und schnell fließender Rio Petrohué begleitete uns bis zu seiner Einmündung in den Fjord.  Der Tidenhub war sichtbar, denn ein Teil des Landes war trockengefallen. Von hier ab schlängelt die Straße sich am Berg entlang; die wahrgenommene Landschaft und die gegenüberliegenden Bergflanken vermitteln schon den Eindruck eines Fjordes, steil, stark bewaldet wo möglich, kaum bewirtschaftetes Land, selten eine Bebauung. Auch dieser Fjord wird von der Fischindustrie zur Aufzucht von wahrscheinlich Lachs genutzt, wie die zahlreichen schwimmenden Aufzuchtbecken signalisieren. Welche Rolle die in einer systematischen Ordnung ausgebrachten Bojen haben, wissen wir nicht, vermuten aber, daß hieran auch wieder Netze für Fischkäfige befestigt sind. Etwa 15 Kilometer fjordabwärts erreichten wir ein unscheinbares Örtchen, Cochamo, in dem die Zeit stehen geblieben war. Einfache Holzhäuser säumten die wenigen Sträßchen, das mit am besten erhaltene Gebäude war eine nicht ganz neue schindelgedeckte und mit Schindeln beplankte Holzkirche in der Nähe der Mole. Es heißt, dieses Kirchlein sei im Chiloe-Stil erbaut worden; mangels Besuch der Insel und weiterer Kenntnisse gehen wir davon aus, daß der vorgefundene sehr schlichte innere Stil des Gebäudes einem besonderen Stil entsprechen soll. Die Plage der Pferdebremsen, die uns seit einigen Tagen begleitet, ist leider nicht auf unseren Haussee begrenzt, sondern verfolgte uns auch hier. Nachdem wir den Wagen am Ufer geparkt hatten um zum Kirchlein zu laufen, waren wir für diese Mücken Freiwild. Mit wildem Gefuchtel versuchten wir, die immer größere Zahl der Plagegeister uns vom Leib zu halten und waren froh, nach wenigen Minuten und immer schnelleren Schritten in das rettende Dunkel der Kirche zu kommen. Diese Quälgeister waren dann auch der Grund, weshalb wir sehr schnell und auf direktem Weg zurück zum Quartier fuhren, jedoch nicht, ohne vorher noch einen Blick auf den über den Fjord zu uns herüberblickenden Volcano Yates geworfen zu haben.

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Wir hatten noch längst nicht alles gesehen, was uns u.a. auch Emma und Marcelo ans Herz gelegt hatten. Deshalb stand für den 26.12. eine Fahrt zum und Wanderung am Lago todos los Santos, etwa 40 Kilometer entfernt auf dem “Programm”. Natürlich legten wir dabei auch einen kurzen Stop an den angepriesenen Wasserfällen de Petrohué ein, mussten aber feststellen, deutlich interessantere und imposantere gesehen zu haben, ohne dabei einige tausend Kilometer Richtung Iguazu zu schauen. Es war putzig zu beobachten, wie die ebenfalls den Wasserfall besichtigenden Chilenen die Gelegenheit nutzten, sich in allen möglichen Posen vor dem kleinen Gebrause abzulichten, sowohl Männer wie Frauen waren auf derartige Aufnahmen erpicht.

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In Petrohué, dem einzigen Ort am Lago todos los Santos, bestehend aus wenigen Häusern, diversen Anlegestellen für Bootsfahrten, dem Büro der CONAF sowie dem “Abfertigungsgebäude” der Seeschifffahrt – siehe folgenden Tag –, starteten wir, nachdem wir Streckeninformationen im NP-Büro der CONAF eingeholt hatten, zu einer denkwürdigen und rekordverdächtigen gut 18 Kilometerwanderung bergauf und bergab, durch Lavageröll und lange Strecke durch tiefen Lavasand und –kies am Strand in nicht ganz vier Stunden. Fazit : wenn Rekorde gegangen werden sollen, dann ist die beste Zeit zwischen Mitte Dezember bis zum 21. Januar. Warum? Ganz einfach, die bereits erwähnte Pferdebremse, sie lebt nur in dem genannten Zeitraum, hält jeden, der in dieser Zeit versucht, in der Nähe von Gewässern zu wandern, automatisch erheblich in Trab, der Schritt wird trotz der permanenten Abwehrversuche der Viecher schnell, auch sehr kraftzehrender Untergrund wird dann spielend überwunden. Zuerst schritten wir auch ungeplagt munter aus, durchliefen einen jungen Wald in Ufernähe und stiegen langsam die Flanke des Osorno bergauf, kamen in einen sehr schönen Altbestand von Alercen. Über weite Strecken war erkennbar, daß ein großer Teil unseres Weges auf einer dünnen Humusschicht und einem starken Unterbau von Lavageröll verlief. Nur kleinere Waldstücke waren in der Vergangenheit von Vulkanausbrüchen verschont geblieben. Deshalb auch in weiten Teilen ein Baumbestand, der keine hundert Jahre alt ist. Den vereinzelt auftretenden Quälgeistern schenkten wir nicht allzu viel Beachtung, im allgemeinen waren wir zwei gegen eine Bremse, was deren Exitus bedeutete. So ab Kilometer zwei, wir querten gerade ein einige hundert Meter breites Lavaflussbett, sahen wir in angemessener Entfernung einen Wanderer wilde Armbewegungen machen, dann fiel er sogar an zu laufen. Kaum hatten wir das bemerkt, hörten wir auch ein zunehmendes Summen rund um uns herum.  Hatten wir früher die Erfahrung gemacht, schwarze oder dunkle Kleidung zieht die Viecher magisch an und deshalb auf diese Bekleidung verzichtet, mussten wir jetzt feststellen, dies galt gestern, heute aber nicht mehr. Da die Bremsen meistens nur mich umschwirrten, deckte Katrin mich von hinten ab und versuchte zur Landung ansetzende Flugobjekte zu eliminieren. Trotz dieser zusätzlichen Sportübung kamen wir in normalem Tempo voran, hatten manchmal auch für einige Zeit das Glück, entweder den größten Teil der Quälgeister erlegt oder verjagt zu haben. Zur Panik bestand wenig Anlaß, wir schienen alles im Griff zu haben und hatten genug Muße, Landschaft, Wald, Berge und See in Ruhe zu genießen – zumindest auf der ersten Hälfte der Wanderung. Die Situation änderte sich dramatisch, als wir wieder in die Nähe des Sees kamen und uns der zunehmenden Angriffe der gegen uns aufgefahrenen Heerscharen erwehren mussten und erwehrten, indem wir mit einem abgerissenen Ästchen wild um uns herum wedelten. Blicke für unsere Umgebung hatten wir nur noch wenige, eher war der Blick auf den Weg gerichtet, der die Qualität eines echten Pfades hatte mit Stock und Stein. Wir nahmen zwar wahr, daß wir durch einen Wald liefen, der teilweise an einen Regenwald erinnert, durch schöne sehr tiefe Bachtäler uns kämpften, durch fehlende Bezeichnung des Weges auch in einen falschen Pfad eingebogen sind, hin und wieder einen Blick auf den See, seine verschwiegenen Strände warfen, ja sogar solche Strände besuchten – zum Glück konnte ich Katrin von einem Badeversuch abbringen, wie hätte sie anschließend herumspringen müssen, um sich die Bremsen vom Leib zu halten – aber unser größtes Augenmerk richteten wir auf die uns umschwirrenden Flugobjekte. Wenige nur brachten wir zur Strecke, es fiel kaum auf, wenn mal wieder ein Bremsenkörper tot am Boden lag, der Ersatz war bereits zur Stelle. Die Phasen, in denen wir von Angriffen verschont wurden, nahmen spürbar ab und eine Daueroffensive begann, als wir nach etwa 3 1/4 Stunden am Strand ankamen. Von da an schwirrten nach Katrins Angaben deutlich mehr als 20 Bremsen um mich herum und wir beide hatten gut zu tun, unsere Blätterwedel in Betrieb zu halten. Was anstrengender war, das um sich schlagen oder in sehr schnellem Schritt durch den Strandkies und –sand zu laufen, wissen wir nicht. Schweiß floss jedoch in erheblichem Umfang. Und dieser Strand nahm kein Ende, der ersten Bucht folgte eine weitere, und dann wieder eine und so fort. Wegmarkierungen hatten wir seit etwa der Hälfte der Strecke schmerzlich vermisst, deshalb erschien uns der Weg am Strand entlang die einzige Lösung, zum Ziel zu kommen. Wir haben es auch geschafft und – wurden nicht gestochen (die Stiche sollen mehr als unangenehm sein). Wir waren aber auch froh, als wir auf dem Parkplatz unser Auto sahen und wussten, gleich sind wir in Sicherheit. Tür aufgeschlossen, aufgerissen hineingesprungen, Tür zu, waren fast eins. Etwas tröstete uns, wir sahen auch Parkwächter auf dem Weg, die sich ebenfalls der Plagegeister erwehren mussten, also auch Einheimische werden Opfer. Wir hatten ein nicht so kleines Wanderpensum erledigt und waren auch erledigt. Irgendwie ein “ereignisreicher” und besonders aktiver Tag.

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Alle, mit denen wir über unser Ziel Lago Llanquihue sprachen, schwärmten von einer Fahrt über den Lago todos los Santos, am besten als Fährfahrt zum am östlichen Ende gelegenen Peulla. Auch Marcelo legte uns diesen Ausflug sehr ans Herz. Sollen so viele Menschen sich irren? Wir glaubten nein und fuhren am 27.12. deshalb nach Petrohué. Einen stolzen Preis (24.000 CLP, das sind mehr als 30 Euro pro Person) mussten wir für die insgesamt fast 4 Stunden Bootsfahrt bezahlen und uns dabei die Aussicht mit über 300 weiteren Fahrgästen teilen. Der Katamaran war bis auf den letzten Platz gefüllt; zahlreiche Busse hatten aus auch weiter entfernteren Städten wie Puerto Montt oder Puerto Varas hunderte Urlauber hierhin gebracht, meistens ein Ausflugspaket verkauft, das auch noch kostspielige Aktivitäten in Puella umfasste. Dieser Flecken und der Lago todos los Santos wurde vor 100 Jahren von einem Herrn Roth “entdeckt” und seitdem umfassend für den Tourismus und den Geldbeutel der Familie Roth erschlossen. Hier besitzt diese Familie nahezu alles und hat auf vieles ein Monopol. Nicht nur die einzige Fähre gehören zum Besitztum, sondern umfangreiche Ländereien, eine riesige Insel im Lago, übrigens, hier besteht ein Nationalpark (!!), in Peulla die beiden (einzigen) Hotels, die Transferrechte quer durch die Halbinsel zu einem weiteren Hafen, eine landesweit agierende  Reiseagentur, eine Adventuregesellschaft, diverse weitere Hotels, im Grunde alles, was im Rahmen einer kompletten Wertschöpfungskette im Tourismus erforderlich ist, um an jeder einzelnen Station mitverdienen zu können. Angesichts dieser großen Anhäufung von Unternehmen verwunderte dann, den renovierungsbedürftigen Zustand eines der beiden Hotels in Peulla feststellen zu müssen. Hier nagt der Zahn der Zeit beträchtlich.

Natürlich haben wir uns unsere gute Laune durch den Fährpreis nicht vermiesen lassen, dazu war viel zu viel auf der Fahrt zu sehen. Was wir am Vortag durch die Fahrt in den kleinen Fjord schon erleben konnten, wiederholte sich auch hier. Zwar stehen die Berge nicht immer ganz dicht am teilweise grünschimmernden See, aber meistens ragen sie steil aus dem Wasser heraus, sind bis zur Wasserlinie stark bewaldet. Nur sehr selten waren hier und da kleine Häuser in Ufernähe zu sehen, alle nur über den See zu erreichen, denn Straßen oder Pisten gibt es östlich von Petrohué am See entlang nicht. Transfers von Personen erfolgen deshalb auch in der Regel in der Form, daß die Fähre auf dem See kurz anhält, um den Passagier von einem kleinen Boot zu übernehmen und nach Peulla oder Petrohué mitzunehmen. Ein Leben in nahezu völliger Abgeschiedenheit; in dieser Zeit dürften die Bremsen dann für die beste Unterhaltung sorgen. Während der Fahrt konnten wir immer wieder in den einen oder anderen der zahlreichen Seitenarme des Lagos hineinblicken und erkennen, welch große Ausdehnung er besitzt. Unsere Fährfahrt, bei der der See in seiner Länge durchmessen wurde, erstreckte sich über 20sm, das sind rund 32 Kilometer. Natürlich begleitete uns auch hier der Volcano Osorno, aber nicht nur er, sondern auch andere Vulkane waren während unserer Fahrt zu erkennen, wie z.B. der sehr spitz zulaufende Volcano Puntiagudo oder der Grenzvulkan  Monte Tronador mit seinen 3.451m und seinen Gletscherfeldern. Nicht jede Minute konnte man Neues entdecken beim Rundumblick, aber diese ruhig daliegende Natur beeindruckte. In Peulla angelandet hatten wir gut 3 Stunden “zur freien Verfügung”; gerne hätten wir die Pause auch zu einer kleinen Wanderung in das Tal des Rio Puella genutzt. Der Empfang durch eine Armada von Bremsen veranlasste uns aber, im Restaurant Zuflucht zu suchen – einen Gewaltmarsch wie gestern wollten wir heute nicht wiederholen. Mit uns verließen auch einige Reisende das Boot, um per Bus und anschließenden Bootsfahrten nach Argentinien weiter zu reisen mit Zielort Bariloche. Auch hier der gesamte Transportprozess in der Hand von Unternehmen der Familie Roth. In einer schönen spätnachmittäglichen Stimmung ging es dann über den See zurück nach Petrohué.

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Das war dann unser letzter Ausflug von unserem Standort La Posada del Colono aus, ein rundum gelungener Tag.

Auf dem Rückweg Richtung Santiago –ein Besuch im südlichen Teil des chilenischen Seengebietes

Der Kilometerstand heute beim Tanken in Ushuaia war 58.710; von heute an, den 19.12., ist die grobe Fahrtrichtung wieder Nord. Wir haben noch fast 20 Tage bis zu unserem Weiterflug auf die Osterinsel von Santiago aus und es gibt noch einige interessante Regionen insbesondere auf chilenischer Seite, die wir auf unserer sich langsam vollziehenden Rückreise besuchen wollen. Doch davor steht erst einmal Kilometerschruppen, denn bis Bariloche, wohin wir zügig fahren wollen, sind es gute 2.200 Kilometer. Diesmal wollen wir uns nicht auf unser Glück bei der Quartiersuche verlassen und haben  im Vorfeld uns um die Übernachtungen in Rio Gallegos, Perito Moreno und Bariloche gekümmert.  Nur von Perito Moreno kam keine brauchbare Bestätigung, so daß die Route leicht umgeplant werden musste. Nun wird es nicht ein elend langes Stück über die berüchtigte RN40 mit in die hunderte Kilometer gehenden Schotterstreckenabschnitten gehen, sondern über die RN 3 nach Comodore Rivadavia am Atlantik, also küsteaufwärts, um von dort Richtung Bariloche das Land zu queren. Wenn die Straßenkarte die tatsächlichen Straßenverhältnisse richtig wiedergibt, reisen wir auf einem Asphaltband, was bequemer ist und uns auch schneller voran bringt.

In Ushuaia sind wir bei Nieselregen und sehr bedecktem Himmel angekommen, ein Wetter, das leider auch in den beiden Folgetagen dominiert hat. Welch ein Unterschied heute – strahlender Sonnenschein, alle Berge  frei sichtbar, auch die in der Ferne auszumachende Darwin-Kordillere mit ihrer Schneeauflage glänzte im Sonnenlicht. Eigentlich kein Tag zur Abreise, sondern um vor Ort etwas zu unternehmen. Ushuaia hatten wir jedoch nicht als die Stadt kennen gelernt, in der es sich lange zu bleiben lohnt. Dann doch lieber die Zeit in einer uns mehr zusagenden Region wir z.B. dem chilenischen Seengebiet verbringen.

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Das außergewöhnlich gute Vormittagswetter gab uns auf der Rückfahrt die Gelegenheit, immer wieder einen Blick auf die eigentlich sehr niedrigen Küstenberge zu werfen, die, meistens schroff  und zackig, immer wieder auch in Teilen schneebedeckt, uns eine ganze Strecke lang begleiteten. Trotz der geringen Höhe  von rund 1.500m scheinen im Winter hier die Schneeverhältnisse so gut zu sein, daß nicht nur am Rande von Ushuaia eine  Liftanlage besteht, sondern an diversen Orten im Tal  des Rio Lasifasnei ebenfalls “Aufstiegshilfen” entstanden und kleinere Wintersportörtchen im Aufbau begriffen sind. Und alle Berghänge waren mit der hier dominierenden Südbuche bewaldet; erst ab etwa 600m war dann der nackte Fels zu sehen. Oft ein Bild, das uns auch an das eine oder andere Alpental erinnerte.

In einem Reiseführer war ein Abstecher zur Estancia Haberton, am Beagle-Kanal gelegen, als lohnenswert  beschrieben worden, insbesondere die Fahrt durch den dichten Lengawald im Tal wurde dabei hervorgehoben. Wir glaubten, gut in der Zeit zu sein, denn heute standen nur etwas mehr als 600 Kilometer und eine Fährfahrt auf dem Programm und bogen auf die Straße “J” ab. Anfangs war dieser Abstecher eine Enttäuschung, da nur spärlicher Wald, dafür um so mehr gerodeten Land zu sehen war. Nach wenigen Kilometern jedoch fuhren wir durch den als ursprünglich beschriebenen Wald. Da unsere Fahrt wegbedingt sehr gemächlich erfolgen mußte, konnten wir in aller Ruhe aufnehmen, was so rechts und links des Weges sich im Wald verbarg – zahlreiche kleine Gehöfte versteckten sich hier, oft befanden sich die kleinen Holzhäuser in einem bemitleidenswürdigen Zustand. Dennoch, hier lebten Menschen und halten wohl ihre Schafe auf den im Umland geschaffenen Weideflächen. Dann erreichten wir die Laguna Victorio, ein kleiner See, der friedlich vor uns lag, mit sehr klarem aber eiskaltem Wasser. Idyllisch und ruhig war es hier, ein guter Platz, wenn man ungestört und in Frieden sein Zelt aufschlagen möchte. Da bedeutsame neue Eindrücke von einer weiteren Fahrt in Richtung Beagle-Kanal nicht zu erwarten waren, kehrten wir auf die Hauptstraße zurück.

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Hier war dann auch richtiger Verkehr. Zahlreiche Reisebusse karren ihre Passagiere, die erkennbar  mit einem Schiff am Morgen angelandet waren, zu einem der auch vor uns liegenden Höhepunkte, nach dem Passieren des kleinen Lago Escondido den Lago Fagnano und dem von einem Aussichtspunkt in der Ferne noch auszumachenden Lago Yehuin. Dieser Lago Fagnano, tief unter uns so ruhig daliegend, von Bergen und Wald umgeben, war ein imposantes Bild, zumal dieser See sich dem Betrachter nur mit einem Teil seiner insgesamt gut 60 Kilometer messenden Länge darbot. Während die auf Landgang befindlichen Schiffstouristen anschließend wieder in Richtung Ushuaia zurück fahren mussten, durften wir einen guten Teil entlang des Sees weiter fahren, denn die Straße verlief dauerhaft an seinem Ufer entlang und gab uns unterschiedliche Blicke auf den, so weit erkennbar, von keinem Schiff befahrenen See frei.

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Auch jetzt noch, gut 120 Kilometer hinter Ushuaia  dichter Wald, soweit wir blicken konnten. Bei genauerer Betrachtung fiel jedoch auf, daß hin und wieder einige deutlich größere aber abgestorbene Baumstämme aus der grünen Masse hervorragten. Wir zogen daraus die Schlußfolgerung, der ursprüngliche Wald war bereits – zumindest – einmal einem Einschlag zum Opfer gefallen, was wir sahen, war die neue Baumgeneration. Wie zum Beweis, daß in dieser Region Feuerlands die Holzwirtschaft eine besondere Rolle spielt, sahen wir dann in Tolhuin, am Ende des Lago Fagnano gelegen, eine Großsägerei, in der die Baumstämme verwertet wurden; auch zwei Holzkohlenmeiler gehörten zu dieser Anlage.

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Keine Antwort konnten wir auf die Frage finden, weshalb auch in höheren  Regionen auf großen Flächen ein Waldsterben erfolgte; bei den abgestorbenen Bäumen in Bachnähe  hingegen könnte die Vermutung, sie hätten zu lange im Wasser gestanden, da durch den Bau von Dämmen durch die hier ausgesetzten und sich in Massen vermehrten Biber die aufgestauten Bäche und Flüsse Riesenflächen unter Wasser gesetzt haben, mit den entsprechenden Auswirkungen für den Bewuchs, in die richtige Richtung deuten. Entsprechende Hinweise auf die Biberplage und die diversen Versuche, dieses Problem zu lösen, wurde in den Reiseführern verschiedentlich berichtet. An anderer Stelle war erkennbar, daß in manchen Talniederungen auch  Moorland war.

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Nach etwa 200 Kilometern war es dann mit dem grünen Vorhang rechts und links endgültig vorbei, nachdem bereits so nach und nach immer größere Flächen zur Schaffung von Weideland, ohne das wir eine nennenswerte Beweidung feststellen konnten, gerodet worden war.

Dann erreichten wir auch wieder den Atlantik, an dem entlang  wir nun bis hinauf nach San Sebastian/Argentinien in geringem oder größeren Abstand in Richtung Norden fuhren. Eine relativ zügige Abfertigung an beiden Grenzen und wir waren wieder auf Schotterpiste in Chile unterwegs. Unser nächstes Zwischenziel ist die Fähre in Bahia Azul, um auf das Festland überzusetzen. War doch das Fahren entlang von Wäldern und Seen eine Erholung, die Strecke bis zum Hafen bot hingegen kaum eine Abwechslung, einzig die ab und an am Rande sichtbaren Guanakos, manchmal zahlreicher vertreten als das eigentliche Nutztier der Region, das Schaf, sorgte für Abwechslung für Auge und Gehirn. Dann sichteten wir noch in der Nähe unseres Hafens eine kleine Gruppe Lamas, ungeschoren, sowie später die bereits des Winterkleides beraubten Artgenossen. Die Tiere ließen sich durch unsere Annäherung kaum aus der Ruhe bringen, waren sie doch den Menschen gewohnt. Auch das Bild des Cowboys hat sich wohl gewandelt, denn wir sahen zwei Männer auf Quads fahrend eine Schafherde zusammentreiben, natürlich mit Unterstützung der Hütehunde!

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Die Fährfahrt verlief ruhig und planmäßig, wenn davon abgesehen wird, das vor den PKWs eine Fähre die sich aufgestauten LKWs nach Puerto Delgado beförderte. Auf den nach dem Verlassen des Schiffes anstehenden etwas über 100 Kilometern bis zur argentinischen  Grenze wurden die Wagen gefordert was das Zeuge hielt, zumindest von den Argentiniern. Die wußten wohl, was uns dort erwartete – lange Warteschlangen, die sich immer dann spürbar verlängerten, wenn die mit einer Fähre Übergesetzten ankamen. Auf der Fähre weit vorne sahen wir uns an der Grenze weit hinten und durften gut 1 1/4  Stunden warten, bis wir alle 4 Stationen der Grenzprozedur durchlaufen hatten. An diesem Ort arbeiten chilenische und argentinische Grenzer, für uns das erste Mal, zusammen; von einem Hand in Hand Arbeiten, auch organisatorisch ersichtlich, bemerkten wir wenig, nur unnötige Bürokratie und Mehrfacharbeiten. Worin der Sinn dieser getrennt-gemeinsamen Abfertigung bestehen soll, konnten wir nicht so richtig erschließen. Und direkt hinter der Grenze das wohl obligate Schild auf dem aller Welt mitgeteilt wird, die Malvinas (vulgo Falklandinseln) sind Bestandteil des argentinischen Hoheitsgebietes. Hierzu und weiteren Merkwürdigkeiten wird später einmal gesondert berichtet.

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Eine gute Stunde später fuhren wir dann gut nach 21:00 Uhr in Rio Gallegos ein und waren froh, eine bestätigte Unterkunft ansteuern zu können. Uns war zwar bekannt, daß diese Herberge nicht überragend bewertet worden ist, aber das es mit der Sauberkeit und dem Zimmerzustand so schlecht steht, hatten wir nicht erwartet. Für eine Nacht “freundeten” wir uns mehr oder weniger mit dem Vorgefundenen an. Dauerhaft werden wir jedoch nicht in derartigen Quartieren unterkommen (wollen). Und wie immer gestaltete sich das Essenfassen am späten Abend schwerer als gedacht – zum Glück fanden wir dann doch noch eine Gelegenheit, unser Riesenhunger zu stillen.

Am 20.12. stand  der 800 Kilometerritt nach Comodore Rivadavia an. Die Straßen zogen sich, wenn nur irgendmöglich, fast schnurgerade durch das Land. Die Landschaftkontur – sie wechselt zwischen potteben, fast eben, etwas hügelig, also weiter und weitester Blick in die Ferne/Zukunft. Vegetation bietet auch keine oder  nur geringe Abwechslung, Grasbüschel in dichter Form eher braun oder beige, vertrocknet, Büschel in lockerer Anordnung und hin und wieder auch kleinste Sträucher. Wenn man sich bückt und ganz knapp über die Vegetation hinwegblickt könnte man meinen, in der heimischen Lüneburger Heide zu sein. Doch bald wird klar, die Heide hat man nach 100 Kilometern bereits hinter sich gelassen, hier geht es, zumindest heute, sieben Mal weiter und : die Heidefläche wird durch kleine Wälder, Büsche und Haine unterbrochen, ist abwechslungsreich, hier sorgen allenfalls die immer wieder entlang der Straße sichtbaren Guanakos, als Einzel-, Gruppentier oder in einer kleinen Herde sowie ab und an Nandus für etwas eine echte Abwechslung. Es zieht sich endlos,Ortschaften weitgehend Fehlanzeige, Flüsse selten überquert, Tankstellen im 300 Kilometerabstand, Möglichkeiten, einen Imbiß zu bekommen ebenfalls in dieser Häufigkeit. Mit knurrendem Magen nähern wir uns unserem Tagesziel.

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Dann, etwa 80 Kilometer vor Comodore Rivadavia, rechter Hand am Horizont das blaue Meer, der Atlantik läßt grüßen, endlich etwas Abwechslung auf der Fahrt. Anfangs begleitet es uns in respektvollem Abstand oder besser, die Straße hält diesen ein, verständlich, wenn man sieht, welche Landabbrüche durch den Ozean verursacht worden sind. Dann plötzlich gab es eine Möglichkeit, Richtung Ufer abzubiegen und wir standen fast am Strand. Keine Menschenseele war hier zu sehen; Katrins Wassertest fiel positiv aus, Badetemperatur soeben erreicht, aber eine Probe in echt wollte sie dann doch nicht unternehmen, denn das Salz auf der Haut wäre vor Ort nicht abzuspülen gewesen. Dennoch, ein schöner Blick und ein akzeptabler Strand aus kleinem Kies. Von jetzt ab lagen immer wieder Strandabschnitte neben unserer Strecke, die von einigen nicht nur zum Sonnenbaden, sondern auch zum Schwimmen genutzt wurden.

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Wir hätten es wissen können, wenn wir die passierten oder uns passierenden Pickups richtig wahrgenommen hätten – sehr viele von ihnen trugen auf dem Heck und auf der Motorhaube große Buchstaben und Ziffern. Uns waren derartige Fahrzeuge aus dem Minenland im Norden Chiles bekannt, Explorateure, Ingenieure, Servicefahrzeuge etc. unterwegs, dort ausschließlich in roter Wagenfarbe, hier sahen wir weiße Pickups. Darüber hinaus sichteten wir immer wieder Ölförderpumpen und Tankanlagen. Wie zur Bestätigung dann im nächsten Ort, eigentlich der erste Ort seit gut zweihundert Kilometern, Caleta Olivia, begrüßte uns auf einem zentralen Platz eine Skulptur eines Ölarbeiters. Wir waren nicht im Minen-, sondern im Ölland angekommen.

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Unseren ersten Versuch, ein Nachtquartier zu finden, starteten wir in einem kleinen Küstenort, Rada Tilly, gut 15 Kilometer vor Comodora Rivadavia. Das Touristenbüro gab zwar bereitwillig Auskunft, die benannten Quartiere waren jedoch nicht nur kaum zu finden, sondern, was entscheidend war, öffneten nicht. Schade, denn der Ort liegt direkt am Meer. Das hieß weiterfahren in das Herz der Ölindustrie im Süden Argentiniens. Inzwischen war es 18:00 Uhr – wir kamen direkt in den Feierabendverkehr. Als Ortsunkundiger in dieser Situation auf gut Glück ein Quartier in dieser Großstadt (über 160.000 EW) zu suchen war die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Zum Glück hatten wir uns aus dem Netz eine Quartieradresse etwas nördlich vom Zentrum aufgeschrieben, die wir, nachdem wir in einer guten 3/4 Stunde endlich den innerstädtischen Bereich verlassen hatten, auch nach einigen Umwegen endlich gegen 21:00 Uhr gefunden hatten. Wie sich herausstellte, war die Hospedaje im Netz viel zu  positiv dargestellt worden, wir mussten jedoch den Spatz in der Hand mangels Alternative nehmen.

Am Samstag, den 21.12., führt uns eine sehr lange Reiseetappe von gut 850 Kilometern in Richtung Nordwesten nach Bariloche, quer durch das Land, d.h. auch von Ost nach West. Was wir am Vortag in der Annäherung auf den letzten 70-80 Kilometern schon bemerkt hatten, war jetzt noch stärker sichtbar : Ölförderanlagen, Ölförderpumpen, Tanks, Lager, Bohrtürme, kilometerlange Pipelines, Verarbeitungsanlagen, Gelände der Serviceunternehmen etc. Immer wieder waren an den Berghängen große Terrassen angelegt worden, auf denen dann nach Niederbringen der Bohrung die Förderpumpen aufgebaut werden konnten. Über alle Berghänge zogen sich nicht nur schnurgerade auf ein Ziel, die Pumpe,  verlaufende Stromleitungen mit ihren Masten, sondern Fahrspuren waren kreuz und quer aber ebenso zielgerichtet angelegt. Wir waren auf den ersten 150 west-nordwestlichen Kilometern im Ölland unterwegs. An die Stelle der nur einen kargen Ertrag abwerfenden Schafszucht war die renditestarke Ölindustrie getreten. Nur sehr selten konnten wir aufgelassene Gehöfte oder Estancias ausmachen.

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War dieser Teil der Fahrtstrecke noch interessant, weil wir immer wieder neue Förderanlagen entdecken konnten, war nach etwa 150 Kilometern wieder Langeweile angesagt. Bemerkenswert vielleicht das Passieren des sehr großen Lago Musters bei Sarmiento, dem in diesem großen Talkessel offensichtlich eine etwas intensivere Nutztierhaltung zu verdanken ist, denn sonst war Steppenland und fast schon Wüste unser Begleiter. Wir fuhren immer wieder durch große Ebenen, die in der Ferne von niedrigen Hügeln begrenzt wurden. Es war nicht nur staubtrocken, wie unsere Staubfahne auf den ungeteerten Streckenabschnitten über Kilometer sichtbar zeigte, es war ein durch und durch verdorrtes Land, obgleich die vermutlich – nur – 30 Grad in der Sonne nicht so entscheidend sind wie der mangelnde Regen. Für uns insofern noch auszuhalten, als ständig ein ganz schön kräftiger Wind, in der Regel immer aus Westen, für Abkühlung sorgte. Einen weiteren Lichtblick gab es gut 50 Kilometer weiter, als wir am südwestlichen Horizont Teile der Andenkette erkannten und auch schnee- oder gletscherbedeckte Bergteile ausmachen konnten. Dieses Glück war uns über die restliche Fahrtstrecke immer wieder zuteil.

Für einen, der in dieser Hitze hier durch die Wüste/Pampa/Steppe fährt, völlig aus der Zeit gefallen erscheinen Hinweisschilder, daß bei Schneefall Kettenpflicht besteht. Also Affenhitze im Sommer und arschkalt mit Schnee im Winter.

Am Nachmitttag gelangten wir in die Nähe der Vorkordillere und sofort änderte sich das Gesicht der Vegetation. Mühten sich hundert Kilometer weiter südöstlich die Schafe darum, überhaupt Fressbares zu finden, standen jetzt ganze Schafherden auf den Weiden, auch Rindviecher wurden gesichtet. Die aus der Vorkordillere gespeisten kleineren Flüsse brachten das notwendige Wasser in die Ebene, nicht nur an ihren Bach- und Flußläufen entlang entwickelte sich eine üppige Grünzone, in der zunehmend auch richtige Bäume auftauchten. Dann ging es bald nach Gobernador Costa erst in weiterem, dann in näherem Abstand parallel zur Andenkette nordwärts Richtung Bariloche. Die Berge waren nicht mehr nur als Silhouette, sondern deutlich konturiert zu sehen. Endlich wieder flächen- und bergflankendeckender Wald, bald dann auch im Tal nördlich von Esquel sattes Weideland. So langsam kam uns die Landschaft bekannt vor, denn vor gut 6 Wochen kamen wir aus dem Norden um bei Esquel nach Westen und somit nach Futelafú zu reisen. Während damals der Frühling fast noch im Tiefschlaf war, wir mussten warme Sachen tragen und manche liefen in El Bolsón mit Mützen durch die Straßen, begrüßten uns heute bei der Ortsdurchfahrt von El Bolsón nur Träger von Sommerkleidung, d.h. kurze Hose und T-shirt waren in Mode. Was 6 Wochen bewegen können! So viel Grün und so zahlreiche Blumen hatten wir nicht in Erinnerung und das damals nicht mit Wasser gefüllte Freibad mitten in der Stadt war jetzt Anziehungspunkt der nach Abkühlung suchenden Bevölkerung.

Auch in Bariloche war der Sommer richtig ausgebrochen und Katrins Wunsch, endlich kurze Hose tragen zu können, konnte erfüllt werden.

Nach einer so langen Fahrt, am Ende hatten wir seit dem Start in Ushuaia 2280 Kilometer zurück gelegt, haben wir uns verdient, richtig gut essen zu gehen. Sehr zufrieden waren wir damals mit unserem Besuch im El Vegetariano, wohin wir auch diesmal, nach unserem Einchecken im Portofino gingen. Manche zieht es immer wieder zum gleichen Tatort, nicht nur wir waren zurück, sondern ebenfalls eine junge Frau, die vor gut 6 Wochen in unserer Nähe saß. Katrin erkannte sie und so gab es ein freudiges Hallo. Wie sich herausstellte, war der Gast eine Freelance-Journalistin aus Brasilien, die Argentinien bereiste und nunmehr seit mehr als 6 Wochen in Bariloche weilt, weil der Ort ihr so gut gefällt. Gastwirte haben oft ein erstaunliches Gedächtnis, wie wir auch heute wieder feststellen konnten. Unser Wirt erkannte uns, obgleich nur einmal in seinem Lokal gewesen, sofort wieder, aus Deutschland seid ihr doch! Wir haben wohl nicht den schlechtesten Eindruck hinterlassen.

Unsere vergleichsweise kurze Weiterreise in den südlichen Teil des chilenischen Seengebiet um den Lago Llanquihue kann unter der Überschrift “Fahrt in die Weihnachtsferien” laufen, denn wir hatten uns für 5 Tage in einem Hostal in Puerto Klocker, der Posada del Colono, eingemietet, wie sich bei Ankunft herausstellte, eine gute Wahl. Das alte Bauernhaus steht unweit des Sees, es gibt einen Seezugang, wir  haben Blick auf den See und nicht nur auf den Vulkan Osorno, der quasi direkt hinter unserem Gasthaus steht, sondern in Sichtweite stehen zwei weitere Vulkane. Ländlich ruhig, landschaftlich Spitze und das alles bei herrlichem Sonnenschein.

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Nur seltsam, wenn wir in der Badehose am schwarzen Sandstrand herumlaufen und zu Hause zieht man die Mütze auf und Handschuhe an, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Weihnachtsstimmung – Fehlanzeige. Wir sind es eben gewohnt, daß es um die Weihnachtszeit kalt und grau ist, dieses Sommerwetter passt so gar nicht in unserer eingeübtes Bild. Wir werden mal sehen, wie dann der 24./25.12. vergeht.

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, eine Strecke doppelt zu fahren, unsere Fahrt entlang des Lago Nahuel Huapi von Bariloche Richtung chilenischer Grenze gehört dazu, auch wenn die Richtung für uns neu war. Auch diesmal wieder ein Riesenbild, das der See abgab, diesmal lag er jedoch ganz ruhig unter uns, vor 6 Wochen wogten hier die Wellen und blies ein kräftiger Wind, von dem heute so gut wie nichts zu spüren war.

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Die Grenzabfertigungen zogen sich diesmal hin, nicht zuletzt, weil bei uns das gesamte Gepäck aus dem Wagen heraus musste und einer ziemlich genauen Kontrolle unterzogen wurde. Dabei wurde ein Vergehen festgestellt. Es ist verboten, Frischprodukte wie Obst etc. einzuführen. Wir hatten vergessen, vor fast 6 Wochen in El Bolsón frischen Ingwer eingekauft zu haben, dessen Rest in unserem Küchensack auf den Verzehr wartete. Das Produkt hatte inzwischen mindestens viermal die Grenze passiert, immer wurde von uns seine Existenz vergessen. Hier nun wurde die Knolle dann entdeckt und musste entsorgt werden! Den Verlust verschmerzen wir gerne, liegen jetzt doch die beiden letzten Grenzprozeduren mit dem Wagen hinter uns.

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Entspannend war dann die Weiterfahrt, ging es anfangs doch wieder durch einen dichten Wald, in dem auch eine große Anzahl von Alercen erkennbar war. Plötzlich standen dann um uns herum nur noch abgestorbene Bäume, und zwar auf großer Fläche. Bei einem Halt, um an einen vom Straßenrand sichtbaren kleinen See heranzufahren, wurde der Grund für dieses Baumsterben deutlich, denn der Boden auch im See war mit einer dicken Schicht relativ weißen und relativ feinen Staubs bedeckt. Auswurf eines Vulkans bei einem Ausbruch. Wir hatten von derartigen Folgen eines Vulkanausbruchs in anderen Regionen gelesen und standen hier vor einem prägnanten Beispiel. Wenige Kilometer weiter war dann wieder ein intakter Wald zu bestaunen. Später erfuhren wir, daß Mitte 2011 der u.a. der Vulkan Puyehue ausgebrochen ist und für die Verwüstung verantwortlich ist.

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Schon von Weitem begrüßte uns der erste unserer drei Seen auf der Fahrt zum Weihnachtsquartier, der Lago Puyehue, auf den wir aus den Bergen kommend zufuhren. Die dann wahrzunehmende Landschaft glich irgendwie dem Allgäu, leichte Hügel, grüne Wiesen, Tiere auf den Wiesen, Heu gemacht, Bauernhäuser, alles friedlich und ruhig. Klingt nach Stereotype, trifft aber auf das Gesehene zu. Das i-Tüpfelchen gab dann der See.

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Bei Entre Lagos war dann die Fahrtrichtung wieder Süd, es ging am Lago Rupanco vorbei, Landschaft wie vorher beschrieben, bis wir an unseren “Haussee”, den Lago Llanquihue ankamen, ein Mordsdrum, bei dem das andere Ufer nur geahnt aber nicht gesehen werden kann. Ziemlich entspannt kamen wir dann bei unserer Herberge an, exakte 2.541 Kilometer Fahrtstrecke ab Ushuaia liegen hinter uns, packten kurz aus, um unseren ersten, aber gewiß nicht letzten Gang an den See zu machen, den Katrin natürlich sogleich auch praktisch testete. Warm war das Wasser nicht, aber das Schwimmen war angenehm, sogar schöne Wellen gab es, so daß Katrin meinte, fast wie am Meer, nur ohne Haifische!

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Unser “Weihnachtsferienquartier” liegt idyllisch in der Nähe zum See, um uns herum Natur pur, Vieh grast, Ibisse schreien, Hunde bellen (ab und zu), kaum ein Auto passiert die 200 Meter entfernt liegende Straße, der Wind spielt mit den Bäumen, hier kann man sich erholen. Wie immer hat eine solche Idylle, manche würden auch von Abgeschiedenheit sprechen, nicht nur Vor- sondern auch Nachteile. Den wesentlichen bekamen wir am Abend zu spüren. Uns war ja bewußt, das an diesem östlichen Seeabschnitt nur sehr spärlich Ortschaften existieren, das es jedoch so wenige waren, hatten wir unterschätzt. Für das Abendessen wurden wir auf ein 500 Meter entfernt liegendes Restaurant verwiesen, das sich leider als geschlossen präsentierte. In den 5 Kilometer entfernten Ort Las Cascadas gingen wir dann nicht, sondern benutzten – zum Glück – den Wagen. Die beiden Restaurants vor Ort : geschlossen! Der nächste Ort, Ensenada, lag dann 20 Kilometer weiter entfernt. Auf kurvenreicher dem See folgender Straße, eigentlich eine sehr schöne Strecke, aber nicht bei einbrechender Dunkelheit und mit erheblich knurrendem Magen, gelangten wir endlich an diese fast letzte Möglichkeit, etwas zu essen zu bekommen. Auch hier war fast alles dunkel, die zahlreichen Beherbergungsbetriebe und Cabanavermieter hatten gegen 22:00 Uhr schon die Nachtbeleuchtung eingeschaltet und wir begannen uns auf eine Nacht mit knurrendem Magen einzustellen. Ein letzter Versuch, wir fuhren weiter bis ans Ende des im Dunkel liegenden Ortes und, welch eine Überraschung, stießen dabei sogar auf zwei (!) Restaurants, die ein “tenedor libre” anboten. Uns war anfangs nicht bewußt, was das bedeutet, bis wir, nach der Speisekarte fragend, auf das aufgebaute Buffet hingewiesen wurden. Dies hatte auch einen stolzen Preis und veranlasste uns, eher eine Gabel zu viel als zu wenig zu essen – man weiß ja nie, wie die Zukunft aussieht.  Das aufgebaute Buffet war sehr umfangreich wenn auch schon deutlich geplündert, die Gästezahl, uns eingerechnet, betrug um diese späte Abendstunde zwei. An den abgeräumten Tischen konnten wir jedoch ablesen, daß vor uns bereits einige hungrige Mägen besänftigt worden waren und zwar zu einer Zeit, die für das Abendessen in Chile, hier isst man sehr spät zu Abend und wir lagen genau in dieser Zeit, eher untypisch ist. Mehr als gesättigt waren wir dann das einzige Fahrzeug auf der Straße. Mit seiner Hilfe fanden wir den Rückweg zu später Stunde zu unserer Posada.

Al Fin del Mundo – nicht ganz, aber fast!

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Nun liegt Punta Arenas ziemlich am südlichen Ende Südamerikas, aber nur ziemlich. Der eigentlich südlichste Punkt des südamerikanischen Kontinents liegt südlich von Punta Arenas und kann in einem, wie es heißt anstrengenden, Fünftagestrecking erreicht werden; es ist das Cruz de los Mares. Weiter südlich liegt dann nur noch Feuerland/ Tierra del Fuego mit Ushuaia als größter Stadt; und dann ist immer noch nicht das Meer erreicht, weitere, zahlreiche Inseln auf chilenischem Hoheitsgebiet folgen noch, bis man ganz im Süden bei dem berühmt-berüchtigten Kap Horn angelangt ist. Weder das Cruz de los Mares noch Kap Horn waren unser Ziel  – obgleich, als Segler wäre Kap Horn zu umsegeln ein Traum (!) –, aber Südamerika ohne Feuerland wäre eine nicht ganz vollständige Reise.

So lichteten wir dann am 16.12. den Anker und steuerten in Richtung Ushuaia. Sehr viel Neues konnten wir während der über 600 Kilometer langen Fahrt nicht sehen. Die ersten Streckenkilometer aus Punta Arenas hinaus war immer wieder ein Blick auf die hier doch sehr breite Magellanstraße möglich, auf der kaum Schiffsverkehr zu beobachten war. Später ging es etwas landeinwärts und die endlose Weite hatte uns wieder eingefangen. Man hatte den Eindruck, sämtliche Flächen, gleich ob eben oder leicht hügelig, wären rasiert worden, nur sehr wenige vorwitzige Bartstoppeln hatten die Rasur überlebt. Die glatten Flächen wurden zunehmend genutzt, überwiegend von großen Schafherden, seltener von Nandus.

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Als wir uns bei etwa Kilometer 160 wieder der Magellanstraße annäherten, tauchten entlang der Straße eine ganze Reihe heruntergekommener Gebäude auf, die mein Interesse weckten. Ausgestiegen und herumgelaufen stellte sich heraus, es handelt sich um die Estancia San Gregorio. Teile der verwahrlosten Gebäude werden immer noch genutzt. So fand ich in der ehemaligen Garage zahllose Ballen mit Schafswolle, die ehemalige Schurhalle wird immer noch zum gleichen Zweck genutzt – ein Dutzend Schafscherer machte gerade Pause, während in den Boxen dicht zusammengedrängt Tiere auf ihre Körperpflege warteten. In einem Außengatter liefen eine große Anzahl geschorener Schafe herum, hinter weiteren Gattern wartete ein sehr viel größere Zahl Schafe auf ihre Sommerschur. Und unweit des umfangreichen Gebäudekomplexes war am Strand dann ein havariertes Lastenschiff zu “besichtigen”, das hier gestrandet war, auch ein Hinweis darauf, daß von der Estancia die Wolle direkt verschifft worden ist.

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Bald darauf fuhren wir auf Punta Delgada, dem Fährort für ein Übersetzen nach Feuerland, zu. Eine große Schlange an LKWs wartete auf die Passage, die Anzahl der anstehenden PKWs war überschaubar. Wir hatten Glück und kamen mit der nächsten Fährfahrt mit. Die Meerenge beträgt hier nach meiner Erinnerung nur gut 4,5sm, das sind gut 7 Kilometer.

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Auf Feuerland konnten wir hinsichtlich der Landschaft anfangs keine Veränderung gegenüber dem Festland feststellen; sogar Guanakos waren hier anzutreffen. Doch nach und nach mit der Annäherung an die argentinische Grenze nahm die Bewaldung zu,  waren nicht mehr alle Erhebungen kahlrasiert.

Bei San Sebastian (sowohl auf chilenischer als auch argentinischer Seite heißt der Grenzort gleich, obwohl etwa 10 Kilometer auseinander liegend) wechselten wir von Chile nach Argentinien und fuhren, nachdem die letzten gut 120 chilenische Kilometer eine Schotter- und Erdpiste waren, auf geteerter Straße unserem Ziel entgegen. Die Estancias blieben groß. Neu war die Beobachtung, daß wir uns in einer Art Emsland  befanden, denn zu beiden Straßenseiten tauchten immer wieder Ölförderpumpen auf, befanden sich in größeren Abständen Batterien von Öltanks, sogar eine entsprechende Fabrik war in respektvollem Abstand zur Straße in Betrieb, waren über lange Strecken Rohre durch das Land gezogen worden.. Nun war uns auch klar, was es mit den von uns im Dutzend überholten LKWs auf sich hatte, die alle irgendwelche Rohre, Gestänge, Maschinen, Bohrgestänge (?) transportierten.

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Und wieder wurden zahlreiche Stempel in unsere Pässe gedrückt, die Fahrzeugpapiere intensiv geprüft und mit den bereits erfassten Daten früherer Grenzübertritte verglichen, nicht immer ging das wirklich schnell über die Bühne. Dann strebten wir zügig unserem Ziel Ushuaia entgegen, gut 330 Kilometer Strecke lagen noch vor uns und der Nachmittag hatte bereits deutlich begonnen. Da blieb wenig Zeit für Zwischenstops, Fotostops, maximal kurze Pinkelpausen konnten wir uns zugestehen. Wir waren hierin eisern, bis wir das Weideland und den Atlantik hinter uns gelassen und zunehmend wieder in bergiges Gelände und bewaldete Zonen hineinfuhren. Dann lag er plötzlich vor uns, der Lago Fagnano, dessen größter Teil Argentinien zuzurechnen ist und nur ein kleiner Zipfel im Westen in Chile liegt. Umgeben von Wald an manchmal sehr steil aufsteigenden Bergflanken lag er da. Seine Dimension konnten wir erst so richtig wahrnehmen, als wir, kurz bevor die Straße sich wieder vom See wegwandte, anhielten, um zu schauen. Schön war das Bild.

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Kurz danach hatten wir die Passhöhe überschritten und rollten die nächsten gut 45 Kilometer dem Meer und Ushuaia entgegen. Gegen 20:00 Uhr waren wir, endlich, am Zielort, hatten aber noch kein Quartier. Die in der Tourismusinfo erhaltenen Auskünfte und Unterlagen stellten sich ebenso wenig als große Hilfe heraus, wie die im Reiseführer enthaltenen Angaben; in einigen Fällen existierte die Herberge nicht mehr, in einem anderen Fall wurde seit Jahren nicht mehr vermietet – alles Angaben aus einem Werk, das im Juni 2013 in 8. und überarbeiteter Auflage erschienen ist! So fuhren wir mehr oder weniger systematisch die innerstädtischen Straßen ab, hielten hier und da, wo ein Schild auf eine Herberge hinwies, an, fragten nach und schüttelten bei den aufgerufenen Preisen den Kopf. Welche Übernachtungspreise hier für das unscheinbarste kleine Zimmerchen und oft in einem nicht sehr überzeugenden Zustand verlangt werden, überstieg dann doch unsere Schmerzgrenze. Für 100 Euro hätten wir in anderen Städten eine Luxussuite beziehen können, hier reicht es zu einem kargen Zimmer. Lange dauerte die Suche, die Uhr ging auf 22:00 Uhr zu,bis wir per Zufall an einer Ampel stehend neben uns einen Hostalhinweis fanden. Nachgefragt und das überteuerte Angebot dann angenommen, uns blieb kaum etwas anderes übrig. Und wie zur Bestätigung des Nepps, das Frühstück fiel trotz des Hammerpreises so kärglich aus wie kaum eines zuvor. Das einzig positive an unserer Bleibe, der Blick aus unserem Fenster über die Stadt auf den Beagle-Kanal.

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Am 17.12. begrüßte uns morgens schon sehr trübes Wetter, typisch für eine am Meer gelegene Stadt, insbesondere, wenn dies auch noch in Feuerland ist; hier wechselt der Wetterzustand sehr schnell, mit Regenschauern muß man immer rechnen, hat aber  zugleich die Hoffnung, die Sonne bald wieder zu sehen. Wie immer steht am Anfang eine Stadterkundung und die Beschaffung von Informationen. Insbesondere geht es um die verschiedenen Möglichkeiten, den Beagle-Kanal zu befahren. Ich hatte großes Interesse an einem Segeltörn, der hier auch angeboten werden soll. Die über die Touristeninformation bereitgestellten Infos waren sehr dürftig, die in den am Hafen stehenden Verkaufsbüdchen der diversen Veranstalter von Bootsfahrten gegebenen Auskünfte auch sehr ernüchternd. Angebote für Segeltörns gab es, aber keine konkrete Information wann und wo; dies machte der Kapitän wohl vom Wetter abhängig. Keine tollen Aussichten, sich einen Traum zu erfüllen. Zu diesen unbefriedigenden Aussagen kam dann noch ein immer schlechter werdendes Wetter hinzu, es regnete sich ein und trieb uns zurück in unser Hostel. Bei Dauerregen eine Stadt zu erlaufen macht wenig Spaß, also warteten wir auf eine Wetterbesserung und begannen, die verbliebene Zeit zu verplanen, Infos über das Netz einzuholen. Bis zur Rückgabe des Fahrzeuges haben wir noch 2 1/2 Wochen Zeit, neue Ziele ins Visier zu nehmen und anzusteuern. Wie kommt es dazu, soviel Zeit im “Überfluß” zu haben?  Ganz einfach : unser ursprünglicher Plan, den Salar de Uyuni zu bereisen, mussten wir, wie geschildert, beerdigen, d.h. die dafür vorgesehenen maximal 6 Tage stehen für andere Pläne zur Verfügung; die Reise in den äußersten Norden Chiles, für den ebenfalls eine Woche veranschlagt war, haben wir gestrichen, da die dabei zu bereisende Landschaft nur zu Depressionen bei uns geführt hätte. Also heißt es jetzt, sich neue Ziele zu setzen, Ziele, die auf unserer Rückfahrt nach Santiago angelaufen werden können und die lange Fahrtstrecke in erträgliche Teilstücke unterteilt. Da es noch so viele Regionen insbesondere in Chile gibt, deren (Kurz)Besuch uns reizt, war es nicht so schwer, die restlichen Tage in Südamerika sinnvoll zu füllen.

Am Nachmitttag hatte der Regen nachgelassen, so daß wir unseren Erkundungsgang nachholen konnten. Einen Schönheitspreis hat diese Stadt nicht verdient. Am Meer liegend und dahinter dann die aufsteigenden Berge bestimmen das Stadtbild, das durch teilweise steil ansteigende Straßen, manchmal auch durch entsprechende Treppen, geprägt ist. Aber noch deutlicher stechen die Holzhäuser, oft in einem mehr als sanierungsbedürftigen Zustand, bestimmend heraus. Manches sieht nach Behelfsbau aus, manchmal entstanden auch vorzeigbare Objekte, manche Altbauten wurden ansprechend saniert. Insgesamt wirkt die Stadt eher schmuddelig als anheimelnd, Hafenstadt eben. Daß der Tourismus eine wichtige Säule und Wirtschaftsfaktor für die Stadt darstellt, sieht man in der Innenstadt auf Schritt und Tritt, ohne daß damit ein Bild entsteht, wie es z.B. in Calafate gegeben ist.

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Wir hatten uns dazu entschieden, nur noch einen Tag, d.h. den 18.12., in dieser Stadt zu bleiben. Am Vormittag machten wir uns auf den Weg, an den Fuß des Gletschers Martial zu kommen. Eine kurze Fahrt aus der Stadt heraus brachte uns an die Talstation eines kleinen Sesselliftes. Im Gegensatz zu den Einheimischen, die die “Aufstiegshilfe” auch beim “Wandern” benutzen, liefen wir die knapp 30 Meter breite Piste hinauf. Auch von der “Berg”station des Liftes war es noch eine gute Strecke Weges, die uns anfangs auf normalem schmalen Weg, später über Geröll und Schnee zwischen zwei Gletscherzungen führte. Wir standen dann nach 1 1/2 Stunden Wandern wirklich auf einem Gletscher, leider mit schlechter Sicht, denn in den Wolken. Das mögliche Panorama blieb uns versagt.

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Für den Nachmittag hatten wir uns vorgenommen, entweder per Segelschiff oder mit einem normalen Ausflugsboot einige Stunden auf dem Beagle-Kanal zu schippern. Zwar fanden wir einen Anbieter/Vermittler für eine Fahrt auf einem passablen Segelboot, da das Büdchen aber erst wieder ab 15:00 Uhr besetzt sein sollte, sämtliche andere uns bekannten Bootsausflüge aber zu dieser Zeit den Hafen verlassen, gab es keine Chance, die Realisierbarkeit meines Traumes zu prüfen, wollten wir nicht mehr leeren Händen, sprich ohne Bootsfahrt dastehen. Zudem ließ die glatte Oberfläche des Beagle-Kanals nur geringe Windstärke vermuten. So kauften wir dann Tickets für eine Bootsfahrt, die uns in 3 1/2 Stunden über den Beagle-Kanal, rund um einen Leuchtturm, zu mehreren Inseln mit Pinguinen, Seelöwen sowie einer Insel für einen kurzen Landausflug brachte. Gesehen haben wir also viel, gesehen haben wir aber auch, wie zwei Segelboote um 15:00 Uhr am anderen Ende des Hafens die Leinen losmachten und in See stachen. Da wäre ich gerne dabei gewesen, denn, wie sich zeigte, der Wind reichte aus, um gut Fahrt über Grund zu machen.

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Unser Schiff legte dann um 15:30 Uhr ab und steuerte als erstes eine im Kanal aber auf argentinischem Hoheitsgebiet liegende Insel an, auf der sich unzählige Magellanpinguine niedergelassen haben, diesen Flecken Erde aber mit Seemöwen sich teilen müssen. Dabei war manchmal ein Streit insbesondere um geeignete Nistplätze oder erbeutetes Nistmaterial festzustellen.

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Anschließend wurde der Ruheplatz einer kleinen Gruppe von Seelöwen angesteuert, die sich jedoch durch das sich ihnen nähernde Motorboot in keiner Weise in ihrer Ruhe stören ließen. Die Kolosse lagen einfach dick und fett auf den Felsen und dösten vor sich hin. Etwas mehr Aufmerksamkeit, die eine oder andere Aktion hätten wir für unser Geld schon erwartet. Als wir schon am abdrehen waren, machte sich einer der offensichtlich älteren Seelöwen auf den Weg zu einem anderen Ruheplatz.

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Der halbstündige Landgang auf einer kleinen Kanalinsel diente wohl im wesentlichen dazu, die Fahrtzeit auf eine für den bezahlten Preis angemessene Länge zu bringen. Botaniker hätten sicherlich mit Interesse die dort zu findende Vegetation auf Feuerland näher unter die Lupe genommen. Der Nichtbotaniker, wie ich, mußte sich mit einigen Aufnahmen der gesehenen Pflanzen und den Weitblick auf die sich auf chilenischem Gebiet befindliche Darwin-Kordillere begnügen.

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Dann ging es mit großem Tempo auf den östlich von Ushuaia auf einer Insel stehenden Leuchtturm zu, der weiterhin in Betrieb und für die Kanaldurchfahrt wichtig ist. Hier versammelten sich alle die Tiere, die wir bereits vorher auf unserer Bootsfahrt ausführlich betrachten konnten. Neben einer großen Kolonie von Pinguinen lagen auch hier eine nennenswerte Anzahl von Seelöwen faul auf ihrer Haut, die Seemöwen, wenn sie sich nicht gerade auf dem Inselchen ausruhten umkreisten die Spitze des Leuchtturmes und einen (!) Kormoran haben wir auch gesichtet.

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Die Rückfahrt nach Ushuaia verlief nah unter Land und gab dadurch den Blick frei auf den feuerländischen (Ur)Wald, der oft bis direkt an das Wasser reichte. Reichlich windgekrümmt kamen die Bäume oder oft auch nur Bäumchen daher, bildeten dennoch an sehr vielen Stellen einen sehr dichten Wald. Das diese Region auch Schafszüchterland ist, war ebenfalls vom Wasser aus zu besichtigen; eine Estancia lag unmittelbar am Wasser, das sie umgebende Land zwar vom Wald “befreit”, jedoch nicht, wie so häufig festgestellt, beräumt.

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Bei der Einfahrt in den Hafen kamen uns zwei große Kreuzfahrtschiffe entgegen, die bei unserer Abfahrt noch an der Pier gelegen hatten. Sie fuhren Richtung Antarktis, hatten hunderte von Gästen an Bord, die auf ihrer zwischen 10 und 14 Tagen dauernden Reise sicherlich unvergleichliche Erlebnisse haben und besondere Eindrücke sammeln werden,  dabei jedoch auch in eine ökologisch extrem sensible Zone eindringen.

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Wir haben einiges von dem hier in Ushuaia erleben und sehen können, was wir für interessant gehalten haben und können mit einer gewissen Zufriedenheit weiter reisen. Bootsfahrt und Wanderung waren zwar keine außergewöhnliche Unternehmungen und haben uns keine einzigartigen und völlig neuen Eindrücke vermittelt, das Gesamtpaket Fahrt nach Ushuaia und diese Aktivitäten machen den Abstecher nach Feuerland für uns zu einem, wenn auch nicht ganz großen, Gewinn.

Hinterm Horizont geht’s weiter…

Am 14.12. verlassen wir Puerto Natales; ein Blick ins Rund zeigt uns, gutes Wetter herrscht auch heute nicht. Tiefliegende Wolken, auch in Richtung Torres del Paine. Irgendwie beruhigend für uns, denn wir hätten uns sonst wo hin gebissen, wenn heute optimale Bedingungen geherrscht und wir nicht vor Ort ausgehalten hätten.Es nieselt nur leicht, Wind geht auch, aber nicht mehr so extrem. Am Vorabend habe ich eine Karte des Torres del Paine Gebietes studiert und bin auf ein Piktogramm gestoßen, das auf besonders starken Wind aufmerksam macht. Unser Zeltplatzgebiet sowie die Strecke von dort zum Refugio Grey erhält dabei besonders viele Sterne! Ist zwar kein Trost, denn den Wind hätten wir ja noch hingenommen, aber ohne Aussicht auf Sicht stundenlang zu wandern?

Punta Arenas liegt nur gute 3 Autostunden von Puerto Natales entfernt – wenn die Landschaft wenig Abwechslung bietet, ist jede Strecke nicht leicht zu fahren, schläfert ein. Waren zu Anfang nah bei Puerto Natales noch größere Waldflächen an den Hängen und auf den Hügeln auszumachen, nahm mit zunehmender Entfernung der Waldanteil spürbar ab und der der Weidefläche unheimlich zu. Dann hält man natürlich auch Ausschau nach den riesigen Schafherden, die diese Riesenflächen abweiden sollen. Selten konnten wir eine entsprechende Tierhaltung ausmachen. Auch wenn es heißt, ein Schaf benötige als Nahrungsgrundlage etwa 3/4 Hektar Weidefläche, hier liegt erhebliches Weideland brach. Dies passt zu der schlechten Wirtschaftssituation in der sich die Schafszüchter in Chile, aber nicht nur hier, wegen der niedrigen Weltmarktpreise für Wolle derzeit befinden. Wahrscheinlich haben einige der Estancias ihre Herden drastisch verkleinert. Sahen wir nur sehr selten Tierherden von der Wegstrecke aus, kamen wir noch viel seltener an den großen Gehöften der Schafszüchter, den Estancias, vorbei. Wenn, lagen sie meistens weit außer Sichtweite tief in ihrem Land, das in zehntausenden, wenn nicht hunderttausenden Hektar gemessen wird. Ein großes Tor, oft ein Schild – auch deutschklingende Namen für die Estancia konnten gelesen werden –, und ein schnurgerader Fahrweg führt zu dem Gehöft. Selten lag in Straßennähe eine Estancia, und wenn, dann war seine Dimension anscheinend überschaubar.

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Die Auswirkungen extensiver Weidelandbeschaffung sind auch heute wieder ständig zu beobachten. Neben Landstrichen oder Estanciaweiden, die “beräumt” wurden, findet sich in großer Zahl Weideland, auf dem das vor Jahrzehnten gefällte Holz zusammengeschoben wurde und auf den Verfall, die Zersetzung wartet. Manchmal hat man auch Glück und sieht das Entstehen neuer Bäume neben dem am Boden liegenden Totholz.

Über sanfte Hügelchen rollen wir, haben oft einen sehr weiten Blick und nehmen kaum Interessantes wahr. Deutlich wird, so geht es immer weiter, und weiter, und weiter, eine unendlich weite fast trostlos zu bezeichnende Landschaft durchfahren wir.

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Wären da nicht durch den Dauerwind, denn der herrschte auf der gesamten Strecke, eine Vielzahl von Baumskulpturen entstanden. So machten wir uns für einige Zeit den Spaß die Landschaft auf besonders skurrile und die Situation deutlich beschreibende Exemplare abzusuchen.

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Nachdem uns diverse Lagunen entlang der Strecke, aber auch Feuchtwiesen, daran erinnert haben, daß wir uns auf nahezu Meeresniveau befinden, erreichen wir nach gut 250 Kilometern – endlich – wieder das Meer. Zügig nähern wir uns unserem neuen Ziel, der Hafenstadt Punta Arenas, die schon von Weitem zeigt, daß sie Hafenstadt ist. Wie immer ein das Zentrum dominierender Platz, die Plaza Munoz Gamero, um die herum, natürlich, die Kathedrale, aber auch einige aus dem 19. Jahrhundert stammende gewichtige Gebäude stehen.

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Der Ort verdankte im Grunde seine Entwicklung den goldenen Jahren der Schafszucht. Alle wichtigen prunkvollen Gebäude wurden damals von den reichen Schafszüchtern aus dem Umland gebaut. Ein sehr repräsentatives wird heute als Nobelhotel genutzt, ein anderes beherbergt heute ein Regionalmuseum, in dem der Prunk der damals herrschenden Oberschicht nachvollzogen werden kann. Natürlich kann an diesem Ort kein Denkmal für Magellan fehlen, natürlich steht es an zentralem Ort, der Plaza. Es entspricht wohl dem Zeitgeist zur Zeit der Entstehung des Monumentaldenkmals, wenn dem Magellan zu Füßen zwei Indianer sitzen. Sie sollen, so heißt es, die später ausgerotteten Indianerstämme der Ona und der Aonikenk repräsentieren.

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Die Stadt selber ist betriebsam, wie immer strukturiert, weist nur eine überschaubare Anzahl von Protzbauten auf, soweit wir dies ersehen konnten. Selbst im näheren innerstädtischen Einzugsgebiet dominieren die einfachen Holzbauten, meist zweigeschossig. Fährt man die Uferstraße entlang, begegnen einem zuerst sehr einfache niedrig hingeduckte Häuschen, mit Holz beplankt, oft aber auch mit Blechplatten zumindest an der Seeseite gegen das Wetter geschützt. Je weiter man sich vom Zentrum entfernt, um so häufiger sind die in der Regel neueren Holzhäuser, die im Stil den Altbauten nahekommen, vertreten.

Man sagt, Punta Arenas besäße den schönsten Friedhof Südamerikas, was eine Überprüfung verlangte. Wir hatten ja bereits in Buenos Aires einen bemerkenswerten innerstädtischen Friedhof mit zahlreichen Mausoleen, Grabhäusern und besonders gestalteten meist kitschigen Gräbern durchlaufen und waren begeistert. Kann der hiesige dem Vergleich standhalten oder, wie behauptet wird, übertreffen? Am Sonntagnachmittag statteten wir den Gräbern einen Besuch ab. Ergebnis : uns hat der in BA deutlich besser gefallen, auch weil dort das Vergängliche an den ungepflegten Grabbauten, Mausoleen so schön sichtbar wurde; zudem waren dort deutlich mehr Hochbauten, kleine Kapellen, Mausoleen zu sehen, als es hier in Punta Arenas zu bestaunen gab. Andererseits, hier ist die gesamte Anlage sehr gepflegt und, jahreszeitlich bedingt, sind wegen der Weihnachtszeit eine größere Anzahl von Gräbern ganz besonders mit (Kunst)Blumen geschmückt. Es war ein interessanter Besuch, aber überschwängliche Lobeshymnen hat der Stadtfriedhof in Punta Arenas nicht unbedingt verdient.

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Weshalb legt man in Punta Arenas einen Zwischenstop ein? Zum einen als Ausgangspunkt zu Walbeobachtungsfahrten, dann wiederum kann man zu einer Insel fahren, der Insel Magdalena, auf der Magellan-Pinguine in unendlicher Zahl sich während der Brut- und Aufzuchtzeit aufhalten, schließlich gibt es südlich von Punta Arenas so etwas wie historische Orte, den Hungerhafen und die Festung Bulmes. Beide eigentlich nicht von so großer Bedeutung, denn vom Hungerhafen aus dem Jahre 1583, Gründung einer Kolonie durch die Spanier, ist praktisch nichts mehr übrig, seine damaligen Bewohner verhungerten in dieser trostlosen Gegend. Die Festung Bulmes war einst eine aus strategischen Gründen an der Meerenge der Magellanstrasse erbaute chilenische Festung, um den Seeweg zu kontrollieren. Wegen Nachschub- und Wasserproblemen wurde die Festung, 1843 erbaut, bereits 5 Jahre später aufgegeben. An seine Stelle trat dann Punta Arenas.

Wegen der beiden ersten möglichen “Programmpunkte” machten wir uns auf den Weg, Informationen einzuholen. Einfach war es, die Passage zu der Isla Magdalena zu buchen; ohne ausreichende Information blieben wir über die Möglichkeit, per Boot in das Naturschutzgebiet Parque Marino Francisco Coloane zur Walbeobachtung zu gelangen, so daß Stand 15.12. die Walfahrt nicht unternommen wird. Dafür haben wir heute aber über 120.000 Magellan-Pinguine auf ihrer Insel beobachten können – zwar konnten wir, verständlicherweise zum Schutz der Tiere -, nur eine Stunde an Land und auf abgesperrtem 850 Meter Weg an den Brutstätten, den Höhlen, den spielenden, sich umwerbenden, streitenden, stolz daherschreitenden, zur See und somit zur Futterbeschaffung watschelnden, einfach so dastehenden, daliegenden Pinguinen langsam vorbeilaufen. Die Tiere hatten keine Scheu vor uns Besuchern; die auf ihren Eiern in Wegesnähe brütenden Vögel ließen sich nicht beirren, die der See zustrebenden Vögel suchten eine größere Lücke zwischen den “Inselgästen” und watschelten dann über den Weg. Es war ein Wahnsinnsbild, über die Insel verstreut so viele dieser Vögel geschäftig zu sehen. Es war ein Kommen und Gehen. Nicht nur Pinguine, sondernd auch zahlreiche Möwen brüten hier; die ebenfalls hier heimischen Kormorane haben wir nicht entdeckt. Es war schwierig auszumachen, ob in einer der Höhlen sich bereits Jungtiere befinden oder die Eier noch ausgebrütet werden. Wir konnten keines der Jungtiere herumlaufend beobachten, jedoch in Mutternähe in der geschützten Höhle sahen wir einige. Die einen noch mit dem ersten hellgrauen Flaum, andere trugen schon die typische Farbe der Magellan-Pinguine. Es war nur eine Stunde Landgang, aber Erlebnis für einen vollen Tag. Wir waren froh, diesen Ausflug unternommen zu haben, auch wenn wir in aller Frühe aus den Federn mussten.

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Den Abend ließen wir dann bei einem gemeinsamen Essen mit Phil und seiner Frau, die seit drei Tagen in der Stadt sind und mit denen wir uns per Mail verabredeten, und vielen interessanten Gesprächen ausklingen. Solche netten Menschen wie die beiden während der Reise kennen gelernt zu haben, ist eine echte Bereicherung.

Puerto Natales – zum Wandern im NP Torres del Paine

Der Park Torres del Paine ist der einzige Grund nach Puerto Natales zu kommen; dies gilt für uns ebenso wie für fast alle Gäste dieser Stadt, die zwar auch Hafenstadt ist und von der zahlreiche Fischer immer noch ausfahren, jedoch bessere Zeiten, abgesehen vom Tourismusboom, hinter sich hat. Früher erfolgte hier das Verschiffen der Schafswolle der großen Schaffarmen in Patagonien; heute ist der entsprechende Terminal etwas außerhalb der eigentlichen Stadt zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut worden. Der starke patagonische Wind, der zwar nicht ständig bläst, aber wenn, dann mit nicht zu unterschätzender Stärke und in kräftigen Böen, dürfte die Ortsbebauung spürbar beeinflußt haben. Viele insbesondere ufernahe Bauten ducken sich quasi hin, um dem Wind wenig Angriffsfläche zu bieten; im innerstädtischen Bereich überwiegen die einstöckigen Gebäude, in der Regel Holzbauten, selten findet man Zweigeschosser und nur wenn stabilstes Material (Beton) eingesetzt wird, sind es in Einzelfällen auch einmal etwas mehr Stockwerke. Also eine nicht nur bewohnerzahlmäßig kleine Stadt, sondern sie geht auch baulich nicht hoch hinaus. Als Zentrum für einen großen Teil Südpatagoniens konzentrieren sich hier zahlreiche Geschäfte, so daß die Dominanz der Reiseagenturen, Ausrüster, Hostals, Restaurants etc., die sich an die Touristen richten, gemindert wird. Sehenswertes haben wir auf unseren Spaziergängen eigentlich nicht entdeckt, sieht man von der ebenfalls nicht sehr hohen Kirche am viel zu groß dimensionierten zentralen Platz, der Plaza de Armas, ab.

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Betrachtet man obige Skulptur, die eine Verbundenheit zwischen der indigenen christianisierten Bevölkerung und dem Priester/der Kirche darstellen soll, kann schnell auch der Begriff Heuchelei fallen. In der “offiziellen” Geschichtsschreibung wird kaum auf die gewaltsame Bekehrung wie auch die Entwürdigung der indigenen Bevölkerung durch  insbesondere Ordensleute eingegangen. Es ging nicht um Bekehrung, sondern um Unterwerfung, auch im Interesse der Staatsmacht. Eine Form der “Bekehrung”, wie sie Mitteleuropa im Mittelalter kannte!

Den heutigen 10.12. nutzten wir, um die für die Wanderung im NP Torres de Paine notwendigen Informationen zusammen zu tragen, die Entscheidung über die Gestaltung der nächsten Tage vorzubereiten und zu fällen, das fehlende Equipment auszuleihen und die Stadt zu erlaufen. Im Zuge der Stadterkundung landeten wir natürlich auch am kleinen Hafen, d.h. einerseits am Pier für die Navimag-Schiffe, die Puerto Natales mit Puerto Montt verbinden, andererseits am etwas abseits liegenden gewerblichen Hafen, in dem vorwiegend Fischerboote vertaut waren. Ausgemusterte Boote “schmücken” das Umland.

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Wir hatten von einem Aussichtspunkt vor der Stadt gehört, der Mirador Doretea, von wo aus ein schöner Überblick über die Stadt und der auf sie zulaufenden Fjorde möglich sein soll. Grund genug uns dorthin auf den Weg zu machen. Um auf den vielleicht 250 Höhenmeter über der Ebene liegenden Hügel zu kommen, muß Privatgrund überquert werden. Hier lernten wir eine moderne Form der Wegelagerei kennen. Hatten wir schon den Straßenzoll kennengelernt, war dies nun ein Wegezoll. Während jedoch die Maut etwa 3.000 CLP für 20 Kilometer Straße beträgt, mußten wir hier, um wahrscheinlich nicht einmal einen Kilometer über den Privatboden zu gehen, insgesamt 10.000 CLP, dies entspricht etwa 14 Euro, der Grundbesitzerin in die Hand drücken. Gemessen an den Investitionskosten ein Wahnsinnspreis; er entsprach so ziemlich exakt dem Betrag, den wir für ein komplettes Mittagessen mit Getränk ausgegeben haben! Da ohne zu zahlen kein Ausblick zu bekommen war, erleichterten wir die Reisekasse um den geforderten Betrag.

Vor den Blick auf Stadt, Fjord und Berge hat das Gelände den Schweiß gesetzt; es ging mehr als steil hinauf, über Schafswiesen, Ziegengelände und zum Schluß durch einen Lengawald, d.h. Südbuchen säumten unseren Weg. Einen guten Teil der Strecke hatten wir hilfreichen Rückenwind. Noch bevor wir den eigentlichen Aussichtspunkt erreichten und den schützenden Wald, der inzwischen aus verkrüppelten Bäumchen bestand, verließen spürten wir zunehmend den strammen vom Meer kommenden Wind. Auf freier Fläche angekommen war er dann so stark, daß wir nicht nur in sehr gebückter Haltung uns weiter bergauf kämpfen mußten, sondern immer wieder, wenn Böen uns ergriffen, Standprobleme bekamen und das eine oder andere mal auch versetzt wurden. Stramm war der Wind; um uns in Ruhe umsehen zu können suchten wir deshalb den Schutz und Stand am Drahtzaunes eines Funkmastes. Weit war die Sicht, auch wenn insbesondere in Richtung Torres de Paine sich die Wolken ballten und der Traumblick eingeschränkt war. Dennoch, wir bekamen einen Eindruck von der Weite der Landschaft, von ihrer Differenziertheit, von Fjorden, Bergen, Schnee und der Ebene. Der kleine Ausflug auf den Aussichtspunkt war so eine Einstimmung auf unsere Fahrt in den NP und die erste Wanderung in Puerto Natales.

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Wir hatten Phil und seiner Frau Steph ja angeboten, mit uns zur Wanderung am Torres del Paine mitzukommen. Nach ausführlicher Beratung mit dem abendlichen “Empfangschef” unseres Hostels sah die Planung vor, am Mittwoch mit dem Wagen zum östlichen Parkeingang an der Laguna Amarga und von dort weiter bis zum Hotel Las Torres zu fahren. Von hier aus kann der östliche Schenkel der “berühmten” W-Wanderung, der einen Blick ab der Laguna Torre am Fuß der drei Torre-Gipfel hinauf zu dem Massiv bietet, angegangen werden, wofür gut 7 Stunden Gehzeit zu veranschlagen sind. Katrin und ich hatten vor, die “U and I”-Runde zu laufen, d.h. nachdem am Mittwoch das “I” anstand, sollten am Donnerstag und Freitag mit Basis Zeltlager am Refugio Paine Grande an einem Tag zum Refugio Grey mit Ausflug zum etwas nördlicher gelegenen Grey-Gletscher gelaufen werden sowie am Folgetag dann vom Refugio Paine Grande nach Osten in das Valle del Francés und dann wieder zurück am gleichen Tag, wodurch ein “U” grafisch entsteht.

Das “I” unserer Runde gingen wir gemeinsam mit Steph und Phil an. Zu nicht mehr nachtschlafener Zeit nahmen wir die gut 120 Kilometer Anfahrt in Angriff. Für uns eine altbekannte Strecke, denn der erste Teil entsprach unseren letzten Kilometern nach Puerto Natales. Jetzt fiel nur mehr als vor zwei Tagen auf, wie stark doch noch die Bewaldung der Hügel war, welch große Schafherden hier unterhalten werden; das geringe Verkehrsaufkommen hingegen war Alltag. Was wir dann etwas später erlebten, kann man durchaus als Fahrt durch einen Zoo beschreiben. Hatten wir bislang Guanakos oder auch Nandus als äußerst scheue Tiere kennen gelernt, die sofort Reißaus nehmen, wenn man sich ihnen nähern wollte, sahen wir heute sehr weit vor der eigentlichen Parkgrenze nicht nur in respektvollem Abstand zu der von uns befahrenen Piste, sondern sehr zahlreich auch in unmittelbaren Wegnähe ganze Großfamilien und Herden von Guanakos. Die Tiere ließen sich nicht aus der Ruhe bringen beim äsen, wenn wir im Abstand von vielleicht 5 Metern an ihnen vorbeifuhren. Einige wenige Tiere beobachteten uns, die allermeisten ließen sich in ihren Tätigkeiten nicht  aus der Ruhe bringen, seien es Jungtiere, die an de Zitze der Mutter säugten, im Gras liegende Guanakos oder auch jugendliche Tiere, die offensichtlich im Spiel miteinander durch die Gegend rannten, auch mal quer vor den Wagen, aber nicht vor Angst davon stoben, sondern weil sie einander verfolgten. Als wenn die Tiere angepflockt worden wären; auf jeden Fall fehlte ihnen jeglicher Fluchtreflex, sie schienen hospitalisiert, den Menschen und seine Fahrzeuge gewohnt. Frei lebende Tiere ohne Scheu, dafür muß man einmal um den Globus fahren. Die Nandus hatten wir bislang eher als ihre Gehwerkzeuge in schnelles Tempo versetzende Fluchttiere kennen gelernt, sobald Mensch Anstalt macht, sich ihnen zu nähern; allein schon das Anhalten des Wagens löste den allbekannten Reflex aus. Nun lief völlig in Ruhe eine Nandufamilie mit zahlreichem Nachwuchs uns vor die Linse; ausgewachsene Tiere mißachteten unsere Anwesenheit, andere gingen, wenn wir uns ihnen näherten, einige Schritte zurück hinter einen Busch. Aber fluchtartig die Region verlassen – kein einziger Nandu folgte diesem Reflex.

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Durch derartige Erlebnisse eingestimmt, wird auch der Rest des Tages ein Gewinn sein.

Bereits auf den letzten Kilometern hin zum Parkeingang konnten wir eine Vorfreude auf das dann aus größerer Nähe zu sehende Panorama empfinden. Natur pur, auch wenn der Himmel nicht klar war. Und um das Besondere an dem Gebiet um den NP Torres del Paine zu unterstreichen, lagen auch diverse Gewässer/Lagunen rechts und links des Weges.

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Dann starteten wir am Hotel/Refugio Las Torres unsere Wanderung den Rio Ascencio hinauf, Hotel und Refugio waren ein imposanter und zugleich riesig langgestreckter aber relativ gut in die Landschaft eingepasster Komplex. Ging es zu Anfang gemächlich da auf einer Höhenlinie laufend vorwärts, stieg der Weg, nachdem wir den Rio Ascencio auf einer kleinen Hängebrücke überquert hatten, merklich an, mußten wir den leichten erdigen Boden gegen teilweise geröllartige Bachbette tauschen. Am Rande konnten wir, wie auch später im Campamento Chileno beobachten, wie der Warentransport hinauf in die Hütten und Refugios verläuft : auf dem Rücken kleiner stämmiger Pferde, die teilweise im Dutzend von einem Gaucho geführt werden. Vor unseren Augen bemühte sich ein Gaucho seine vier Lasttiere durch den Fluß zu lotsen.

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Die uns bereits auf den ersten Metern begleitende Vegetation erinnerte weniger an die geringe Höhe (wir starteten bei 135müNN), sondern vielmehr an die geographische Lage – karg war der Bewuchs, soweit wir sehen konnten; die Berghänge im ersten Wegabschnitt ähnelten mehr Geröllhalden als dem uns bekannten klassischen Berg. Wild war es hier und der unten im Tal nicht dahinplätschernde, sondern ganz schön rauschende Fluß unterstrich dieses Bild. Wie zur Bestätigung, daß Patagonien ein sehr windiges Land ist, mußten wir uns immer wieder starken Böen entgegenstellen. Ruhiger wurde es erst, als wir tiefer ins Tal eingedrungen waren.

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Nach etwa 1 1/2 Wanderstunden erreichten wir das Campamento Chileno, auf 440müNN gelegen. Manche Wanderer nutzen hier die Zelt- und Übernachtungsmöglichkeiten, und machen sich dann mit Tagesgepäck in Richtung Base de las Torres auf. Hier war ein Kommen und Gehen, gut für den Betreiber des Campamento, denn die Nachschubmengen, die wir bei der Anlieferung auf dem Rücken der Pferde auf unserem Rückweg sahen, waren riesig, die Preise aber auch; für ein Sandwich werden stolze 5 Euro verlangt. Da der NP strenge Entsorgungsregeln hat, muß sämtlicher Müll wieder ins Tal geschafft werden. Hier werden gerade etwa 20 Pferde für den Rücktransport von Säcken und leeren Gasflaschen von den drei Gauchos vorbereitet.

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Vor uns lagen nach einer kurzen Pause noch gute 2 1/2 Stunden Höhenwandern, die uns zuerst nicht nur über hölzerne Brücken, Baumstämme und durch kleine Bäche führten, sondern auch lange Zeit durch einen schönen wilden Buchenwald. Dieser wird sich selber überlassen; die gestürzten Baumriesen, die zerborstenen Baumstämme, das herumliegende und nach und nach sich zersetzende Bruchholz machten den Wald zu einem besonderen Blickfang, denn ständig gab es Neues zu entdecken. Von den Berghängen sahen wir immer wieder in kleineren Bächen in langen aber nicht sehr mächtigen Kaskaden das Wasser talwärts fallen.

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Nach gut 1 1/2 Stunden lag rechterhand das Campamento Torres, das Lager der Kletterer, von nun an ging es richtig steil bergauf; anfangs noch über zivilisierte Pfade, doch dann mussten wir über lange Zeit durch und über großes Geröll steigen, nicht immer war dabei der Pfad auf den ersten Blick sichtbar.

Katrin als jüngste unter uns Bergwanderern konnte ihr Wandertemperament nicht zügeln und ging fast immer voran. Oft wartete sich nach einer Weile, aber als es dann die letzte Stunde nur noch steil bergauf ging, war sie offenbar nicht zu halten. Anfangs sah man ihren Rotschopf noch, doch nach etwa 10 Minuten war sie aus dem Blickfeld verschwunden. Das blieb auch so, bis wir am Ende des Trecks an der Laguna Torres (880müNN) ankamen und staunen durften. Es windete hier oben heftig, so gingen wir drei davon aus, Katrin habe sich hinter einem Felsen in den Windschatten gesetzt und suchten nach ihr, ohne Erfolg. Nach etwa zehn Minuten Suche, unterbrochen durch anhaltendes Betrachten des Teils der Torresgipfel, der sichtbar war, machten wir uns auf den Rückweg. Vielleicht hatten wir uns, wo auch immer, verpasst und sind aneinander vorbei gelaufen. Nach zehnminütigem Abstieg sah ich dann Katrin aufwärtsstrebend.

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Endlich wieder vereint, machten wir uns zu zweit dann auf das letzte Stück zur Laguna Torres. Bessere Sicht war inzwischen auch nicht eingetreten, die Wolken drängten immer stärker ins Tal, die Sicht verschlechterte sich. Dennoch, was wir sahen, diese steilen Wände, die ab Lagunaniveau fast 2000 Metersteil in die Höhe wachsen, war äußerst beeindruckend. Auch wenn uns der volle Blick auf das Massiv verwehrt geblieben ist, wir nehmen das Teil für das Ganze – selbst das Teil zu sehen hat den Weg lohnenswert gemacht.

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Phil und Steph trafen wir wieder im Campamento Chileno bei einer Brotzeit; die gute halbe Stunde Vorsprung konnten wir beim besten Willen nicht zulaufen, wollten wir nicht völlig auf die Blicke nach hinten und zur Seite verzichten. Wie schnell sich die Situation vor Ort ändern kann, war bei einem Blick über die Schulter festzustellen. Über eine längere Zeit war es möglich, zumindest die Spitzen des Torres zu sehen, wenn sie denn sichtbar waren. Die den Berg umhüllenden Wolken verzogen sich offensichtlich und gaben immer wieder den einen oder anderen der drei Gipfel zu Ansicht frei.

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“Endlich” wieder alle zusammen, so konnten wir uns, nachdem wir ausgiebig nicht nur gevespert sondern auch den Gauchos bei ihrer Arbeit, die Pferde satteln, zugesehen hatten, auf den Rückweg machen, Katrin zwar auch hier vorneweg, aber immer auch bemüht, den vorher gemachten Fehler, einen Weghinweis nicht beachtet und mit gesenktem Kopf einfach einem Pfad nachgelaufen zu sein, nicht zu wiederholen.

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Während der Rückfahrt gab es immer wieder Gelegenheit, einen Blick in den Rückspiegel oder zur Seite zu richten, lang genug ist die Anfahrt zum Nationalpark ja. Gut 40 Kilometer vom Startpunkt unserer Wanderung entfernt, ergab sich ein wunderbares Panorama für uns. Die Wolken hatten sich zwar nicht verzogen, waren jedoch aufgestiegen und gaben uns einen fantastischen Gesamtblick auf das Massiv. Ein schöner Tag wurde somit auch mit einem bemerkenswerten Eindruck abgeschlossen.

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Für den 13. und 14.12. haben wir, ausgehend vom Refugio Paine Grande, geplant, an einem Tag vorbei am Refugio Grey zum Grey Gletscher zu wandern, im Zelt auf dem Campingplatz am Refugio Paine Grande zu übernachten, um von dort am Folgetag hinüber in Valle del Frances zu wandern, damit auch wir den oft beschriebenen unvergleichlichen Blick aus der Zwergperspektive auf die in einem kleinen Kreis um den Betrachter herum stehenden fast 3.000m hohe Granitfelsen werfen können. Rückweg am gleichen Tag, um die Fähre zur Heimfahrt um 18:30 zu erreichen. Es kam anders.

Gut vorbereitet hatten wir uns. Bei der Planung hatte Katrin sich einverstanden erklärt, eine Nacht im Zelt zu schlafen, was die Basis für diese Wanderung erst schuf. Zwar kann man auch im Refugio Zelte mieten, aber um nicht böse überrascht zu werden, mieteten wir uns in einem Ausrüsterladen das notwendige Equipment für die Wanderung (Zelt, Schlafsäcke, Isomatte, Kochgeschirr, Rucksack, denn wir wollten den Inhalt unserer Rucksäcke nicht in Tüten umpacken). Derartig ausstaffiert starteten wir am Donnerstagmorgen so zeitig, um die Fähre zum Refugio über den Lago Pehoé, deren Abfahrt uns mit 10:00 Uhr angegeben war, zu erreichen. Auch wenn ich die – nicht gekennzeichnete – Abzweigung zur Ablegestelle zuerst verpasst hatte, wir waren um 09:30 Uhr vor Ort, sahen das Boot, zogen unsere Treckingschuhe an und mussten erleben, wie die Fähre um 09:30 ablegte! Wie sich herausstellte, nicht zu früh, sondern fahrplanmäßig. Die nächste Überfahrt war erst um 12:00 Uhr möglich. Damit war der Plan, nach Ankunft und Zeltaufbau sofort zum Gletscher zu wandern, etwa 4,5 – 5 Stunden je Weg, nichts mehr wert. Daß ich darüber nicht gerade erfreut war, kann sicherlich nachvollzogen werden.

War es bei unserer Ankunft an der Ablegestelle schon sehr windig, trugen die Seewellen richtige Schaumkronen, nahm die Windstärke im Verlaufe der kommenden Stunden weiter zu; die Böen waren nicht nur stark, sondern äußerst heftig.

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Dennoch, der Blick auf das Torres del Paine Massiv während der Überfahrt, ließ große Vorfreude aufkommen, nicht nur bei uns, sondern auch bei den weiteren gut 80 Wanderern auf dem Boot, von denen die meisten offensichtlich sich auf eine Mehrtagestour eingestellt und ausgerüstet haben. Dementsprechend voll war dann auch der “Gepäckraum” des Katamarans.

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Je näher wir unserem Ziel der gut 30 minütigen Seefahrt kamen, desto unruhiger wurde der See, die Wolkendecke verdichtete sich, es wurde dunkler und der wahrnehmbare Wind nahm nicht ab, sondern weiter zu. Unser erster Weg nach dem Verlassen des Bootes war der Zeltplatz, auf dem sich bereits zahlreiche Zelte befanden. Einige hatten mit dem sehr heftigen Wind schon kräftig zu kämpfen; auch Wanderer, die ihr Zelt gerade aufbauten, sahen bei ihrem Bemühen nicht gerade glücklich aus. Wir entschieden, wenn möglich auf den Zeltaufbau bei diesen extremen Verhältnissen zu verzichten und uns ein Zelt vor Ort zu mieten. Wie sich herausstellte eine gute Entscheidung. In der kommenden Nacht stürmte es so stark, daß einige Zelte diese Stunden nicht überlebten. Unser extrem professionell und solide aufgebautes und verankertes Zelt stand wie eine Eins. Ob wir das auch hinbekommen hätten?

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Nun waren wir hier, um unser U zu wandern, als erster Teil stand die Wanderung zum Refugio Grey auf dem Plan. Wir stellten uns dem starken Wind, der insbesondere in seinen Böen äußerst unangenehm war und liefen gegen ihn an. Ab und an gab es einen kleinen Schauer, aber die Tropfen nahmen wir kaum wahr, wurden eh durch den Wind sofort trockengeföhnt. Die Wegstrecke war nicht besonders anspruchsvoll, da es aber nirgendwo Windschatten gab hieß es, dauernd im Wind und gegen den Wind zu laufen, d.h. auch, fast immer den Kopf nach unten gesenkt und Blick auf den Untergrund . Von der Umgebung nahmen wir zwangsläufig weniger als sonst wahr; wenn wir die Umgebung betrachten wollten,mußten wir stehenbleiben. Erstaunlich, hier in Patagonien kann ein Starkwind blasen und gleichzeitig, wenn auch immer wieder nur für ganz kurze Zeit, die Sonne scheinen. Zurecht wird darauf hingewiesen, man könne hier am Torres del Paine alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Wir können bestätigen, drei Jahreszeiten heute erlebt zu haben. Trotz des wirklich unangenehmen Wetters, wenn es denn dann Aussichtsmöglichkeiten gab, waren die umwerfend. Nach einer knappen 3/4 Stunde lag unter uns die Laguna los Patos, mit einer sehr bewegten Wasseroberfläche.

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Das was wir an Gebüsch und Bäumchen entlang unserer Wanderstrecke sahen, hatte auch seinen Tribut an die Witterung, insbesondere an den hier fast immer sehr heftigen Wind entrichtet; kleiner Wuchs, meistens vom Wind gebeugt. Wie stark es windete, kann an der Lage mancher Äste sehr gut erkannt werden.

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Wir kämpften uns vorwärts; es war nicht leicht, das Gleichgewicht zu halten, teilweise wurden wir nicht nur am Vorwärtsgehen gehindert, sondern auch auf dem Pfad versetzt. Der Wind war nicht berechenbar, denn die Windrichtung wechselte immer wieder deutlich. Man könnte glauben, wer mit Gepäck auf dem Rücken läuft, kann dem Wind besser standhalten – stimmt nicht unbedingt, denn die Erfahrung zeigte, wie schwer es ist, mit Gepäck “vernünftig” zu gehen. Hut ab vor den Treckern, die nicht mit unseren 6 Kilos auf dem Rücken, sondern sich mit 14-16kg dem Ziel entgegen kämpfen. Nach gut 2 1/2 Stunden hatten wir einen Punkt erreicht, von dem aus ein wunderbarer Blick auf den Lago Grey und den riesigen Greygletscher möglich ist, nachdem wir ihn bereits seit einiger Zeit immer wieder kurz von der Strecke aus einsehen konnten. Von hier ab ging es nur noch bergab zum Refugio. Wir hatten wenig Grund, das letzte Stück zum Refugio zu laufen, denn darüber hinaus bis an den Greygletscher heran, war aus Zeitgründen nicht mehr möglich. So versuchten wir uns aufrecht zu halten, genossen den Blick auf den Gletscher, im See treibende abgebrochene Gletscherteile, See und Bergwelt, ließen uns richtig gut durchpusten und strebten dann wieder unserem Zeltplatz zu. Schade, denn die Dimension des Gletscherfeldes war enorm, und seine Mächtigkeit aus der Ferne so gar nicht einzuschätzen, aber die Vernunft siegte.

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Wer geglaubt hat, mit Rückenwind kommen wir schneller an unseren Zeltplatz zurück, irrt. Der Pfad war ja nicht asphaltiert, sondern ein echter Wanderpfad mit Wurzeln, Steinen, Geröll zwischendurch, man mußte über Steine hinab- und hinaufsteigen, trat auf loses Gestein, Sand, seltener auf feste Erde, also es war konzentriertes Gehen angesagt. Da stört ein insbesondere böiger Rückenwind, der zudem seine Richtung plötzlich wechselte, erheblich, war eine Last und keine Unterstützung. Ständig auf der Hut, möglichst immer schnell den Boden finden, damit man durch eine Bö nicht aus dem Gleichgewicht geworfen wird. Wir hörten abends im Camp von Wanderern, die es mehrfach ausgehoben hatte; die eine Rolle, die ich unfreiwillig zu machen gezwungen war, war wohl unterdurchschnittlich. Man kann sich auch nicht vorstellen, daß derartiges Wandern anstrengender als normales ungestörtes Laufen ist. Wir waren zumindest nach den vier Stunden rechtschaffen kaputt.

Eines war uns aus den Berichten bereits bekannt, durch Hinweise im Camp wurde die Wahrnehmung weiter geschärft : Dummheit und Unachtsamkeit hatten in der Vergangenheit zu erheblichen Bränden rund um das Torres del Paine Massiv geführt, deren Schäden noch über Jahrzehnte zu “besichtigen” sind. Wir sind gut eine Stunde durch einen toten Wald gelaufen, verbrannte Bäume statt grünem Schutz sahen wir. Ein trauriges Bild.

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Zum Abend wurde es immer ungemütlicher. Zu dem heftigen Wind, der inzwischen bei einigen Zelten u.a. zu einem Bruch des Gestänges geführt hatte, kam zunehmend auch heftiger Regen, beste Bedingungen, um die Nacht in einem Zelt zu verbringen. So früh wie wir selten zuvor den Tag beendet hatten, krochen wir in unsere Schlafsäcke – es war so richtig kalt geworden und im Schlafsack hofften wir, die notwendige Wärme zu finden. Geschlafen haben wir in der Nacht beide nicht so richtig, vielleicht gedöst, denn die Böen zerrten unentwegt an der Zeltplane, rissen das Zelt in alle Richtungen, zwischendurch war es fast ruhig, wenn nicht gleichzeitig die heftigen Regenschauer auf das Dach getrommelt hätten. Bei dem Getöse bekommt man selten Ruhe zum Einschlafen und so lagen wir Stunde um Stunde wach und warteten auf das Ende des Regens und der Starkwinde, wurden aber nicht so richtig erhört. Planmäßig standen wir auf, denn noch hatten wir unser Ziel, ins Valle del Francés zu laufen, nicht aufgegeben. Aber bereits beim Frühstücken wurde deutlich, der Regen nimmt nicht ab, die das Massiv einhüllenden Wolken sitzen fest und der Wind hat sich auch nicht spürbar abgeschwächt. Also keine wirklich guten Voraussetzungen für eine 9-Stunden-Wanderung. Wir sahen einige Unentwegte ihre Zelte abbauen, den Rucksack schultern und sich auf den Weg machen, wir sahen aber auch einige, die zurückkehrten von ihrem “Kurzausflug” zum nächsten Ziel. Zwar ist der Weg das Ziel, aber wenn man weder den Weg so richtig sehen noch das Ziel optisch wahrnehmen kann, welchen Sinn hat es dann, uns auf den Weg zu machen? Im Valle del Francés bei den herrschenden und anhaltenden Bedingungen einen Blick auf die umliegenden Granitfelsen mit ihrem starken Farbenspiel werfen zu können war illusorisch, aber dieses Bild war es doch gerade, weswegen wir uns auf den Weg gemacht hatten. Schweren Herzens entschieden wir, den zweiten Part unserer Tour nicht zu gehen, es wäre sinnlos gewesen. Wie wir später von Treckern erfuhren, die von dort zum Refugio kamen, war die Sicht mehr als schlecht und der Weg eine einzige Quälerei, was unsere Entscheidung bestätigte. Also bestiegen wir wieder unsere Fähre, früher als geplant und machten uns auf den Rückweg nach Puerto Natales. Ein Trost, wir waren nicht die einzigen, die sich zum Rückzug entschieden hatten.

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Im Regen ging es dann Richtung Puerto Natales, vorbei an den zahlreichen kleinen Lagunen, am Lago Nordenskjöld, Wolken statt Bergmassiv zur Linken, dafür aber wieder den lebendigen Zoo entlang eines Teils unserer Strecke; dieses Sauwetter konnte den Guanacos oder Nandus nichts anhaben. Ungemütlich war es wohl auch für einen Gaucho zu Pferd, seine drei Hunde und einen Hilfsgaucho auf einem Geländemotorrad, eine Schafsherde von vielen Hundert Tieren zusammenzuhalten und in die gewollte Richtung zu lenken.

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Gegen 14:00 Uhr waren wir wieder in unserem Hostel, sehr enttäuscht, aber die Vernunft sagte, die getroffene Entscheidung war richtig. Solche Bilder, wie sie andere Trecker sehen konnten, hätten auch wir gerne mit unseren Augen und der Kamera aufgenommen – es sollte halt nicht sein.

So hatten wir dann genug Zeit, unsere Rücksäcke für die morgige Abreise zu packen.

Nach El Calafate, den Perito Moreno bestaunen

So wie wir vor fünf Tagen nach El Chaltén hineingeblasen wurden, half der Rückenwind uns heute, die Weiterreise nach El Calafate schnell zu bewältigen. Wie in den letzten beiden Tagen so auch heute wieder tiefhängende Wolken, jedoch eine offene Wolkendecke, so daß die Sonne immer wieder durchbrach. Wie der ständige Blick in den Rückspiegel jedoch zeigte, die beiden die Region dominierenden Cerro Torre – völlig hinter den Wolken versteckt – und der Cerro Fitz Roy – um oberen Drittel wolkenumsäumt – waren wieder einmal mehr zu ahnen als zu sehen, das Panorama, dass dem auf El Chaltén aus der Ebene Zufahrenden von weitem geboten wird, war sehr unvollständig.

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Auch die in den Viedma See ragende Gletscherzunge des Viedma blieb in unserer Wahrnehmung blass – ohne strahlendes Sonnenlicht wirkt aus der Ferne selbst ein so großer Gletscher wie der Viedmagletscher nur eingeschränkt, es fehlt der strahlende Glanz des Eises. Stattdessen bemerkt man vorwiegend das auf dem Gletscher liegende Geröll. Der stramme Wind dürfte im übrigen auch heute den an einer Bootsfahrt zum Gletscher Interessierten einen Strich durch die Rechnung machen, denn die Fahrten finden nicht bei etwas höherem Seegang statt.

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Schon früher habe ich darauf hingewiesen, wie die die Straßen begleitenden Drahtzäune, um die riesigen Estancias abzugrenzen und ggf. die Schafe auf dem Weideland zu halten, insbesondere den Guanacos immer wieder zum Verhängnis werden. Sie bleiben ab und an mit ihren Hinterläufen in den Drähten hängen und verenden dann elendig am Zaun. Kein schönes Bild, weder für den mit offenen Sinnen Vorbeifahrenden noch für den Bildbetrachter.

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Die Größe des Viedma-Sees wird erst bewußt, wenn man wie wir, die gut 80 Kilometer hin zu seinem östlichen Ende fährt und dabei immer wieder einen Blick auf See und die immer weiter zurück bleibende Bergkette um El Chaltén wirft. So nach und nach verschwinden dann die Bergkonturen; nicht erst nach 100 Kilometern, wie manche begeisterte Reisende beschreiben, sondern deutlich früher. Dennoch, es ist ein sehr beeindruckendes Bild zu sehen, wie das Massiv bei der Anfahrt so langsam aus der Ebene emporwächst und einen über viele 10 Kilometer begleitet.

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Dann war dass Ende des Viedma-Sees erreicht und wir fuhren über leichte Hügel, immer wieder von nicht ganz so starken Böen angeschoben, zur Seite gedrückt oder gebremst. Auf diese Gefahr wird hier durch ein besonderes Schild aufmerksam gemacht.

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Erstaunlich die Fantasie des Gestalters, denn Bäume sahen wir so gut wie keine, stattdessen Pampa, Steppe und ab und zu auch mal eine kleine Estancia in der Ferne. Dies ist nicht unbedingt ein Gebiet, in dem eine intensive Landwirtschaft möglich ist. Bald hatten wir die Landzunge durchquert und befanden uns an dem nächsten, noch größeren See, dem Lago Argentino, an dessen westlichem Ende sich das Eisfeld befindet, zu dem auch der Gletscher Perito Moreno gehört und gut 80 Kilometer davor unser heutiges Tagesziel El Calafate.

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Unser üblicher Weg zur Touristeninformation war heute nicht möglich, die Stadt feierte Stadtjubiläum und die wichtigste Zufahrtsstrasse in die Innenstadt war gesperrt. Unser Versuch einer Umfahrung führte zufälligerweise auch zu einem der denkbaren Quartiere, bei dem wir dann auch nicht nur der Einfachheit halber für mindestens zwei Nächste eincheckten.

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El Calafate ist kein Ort, in dem man länger als nötig bleiben sollte. Der innerstädtische Bereich ist völlig auf den Tourismus zugeschnitten, etwas, das man als eigenständiges Gesicht der Stadt bezeichnen könnte, fehlt. Manchmal orientieren sich die Fassaden an alpenländischer Skiortarchitektur, manchmal sind sie einfach, schlicht und einfaltslos. Vor einigen Jahren muß die Stadtoberen wohl der Größenwahn erfasst haben, als ein Uferboulevard gebaut wurde, weit ab vom Wasser; jeweils zweispurig und mit modernen Lampen bestückt. Bei unserem Spaziergang auf dieser “Flanierstrecke” blieben wir fast völlig allein, selten nutzte ein Fahrzeug die Straße, Fußgänger waren überhaupt nicht zu sichten. Der Zustand des Boulevards jämmerlich; nicht nur das wuchernde Unkraut störte, sondern die erheblichen Baumängel oder inzwischen entstandenen Schäden. Nicht eine einzige der sicherlich nicht im Baumarkt erstandenen Lampen war funktionsfähig. Die Krönung sahen wir dann auf dem Rückweg zur eigentlichen Hauptstraße des Ortes. Über eine große Freitreppe, ebenfalls von den genannten funktionsuntüchtigen Lampen gesäumt, gelangte man auf einen riesigen Platz und von dort auf die Hauptstraße. Dieser gesamte Bereich befindet sich in einem erbärmlichen Unterhaltungszustand, keine Visitenkarte für die Stadt. Im übrigen hat die Stadt, welche hat es nicht, zwei Gesichter : die Touristenfassade in der Hauptstraße und den angrenzenden Nebensträßchen – die Fassade der Wohnumgebung der hier arbeitenden Menschen, sie kündet eher von einer Armut und teilweisen Verwahrlosung. Zusammengefasst, wir haben in dem Ort nichts gefunden, was uns wirklich interessiert hat und zum längeren Bleiben anregt.

El Calafate ist das Tor zum Perito Moreno. Bei einem derartigem Slogan unterstellt man, durchschreitet man das Tor ist man am Ziel – hier weit gefehlt. Hamburg warb damit, das Tor zur Welt zu sein, auch ein anspruchsvoller Slogan; verläßt man Hamburg auf dem Seeweg, geht es in die Welt hinaus, insofern kann man diesem Werbespruch seine Berechtigung nicht absprechen. Aber El Calafate – hier erreicht man den Gletscher Perito Moreno nach einer gut 1-stündigen Autofahrt, er liegt fast 80 Kilometer westlich von der Stadt.

Heute am Sonntag, der 9.12., wollten wir endlich einen der Höhepunkte einer Patagonienreise besuchen, den Gletscher Perito Moreno. Während wir am Vortag bei nahezu strahlendem Sonnenschein hierhin gekommen waren, zeigte sich uns heute ein sehr bedeckter Himmel. Es hätte ja auch schlimmer kommen können, trösteten wir uns, indem es heftig regnet. Bislang hatten wir mehrfach die Erfahrung einer Wetterbesserung zur Mittagszeit hin gemacht; vielleicht trifft dies auch heute zu. Also machten wir uns sehr früh auf den Weg, denn wir wollten dem befürchteten Ansturm der Massen ausweichen. Auch rückblickend – Massen besuchten heute den Gletscher nicht, die Saison steht noch am Anfang. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir, nachdem schon gute 30 Kilometer vor dem eigentlichen “Ereignis” die Eintrittsgebührt – 130 CLP pro Nase – erhoben wurde, das erste Bild eines Gletscherteils sahen. Auch aus großer Entfernung sehr beeindruckend. Und die ersten kleinen Eisschollen trieben im See.

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Diese Wahrnehmung verstärkte sich, nachdem wir dann den riesigen Gletscher in seiner ganzen sichtbaren Ausdehnung, Tiefe und Breite, vor uns hatten und seine Mächtigkeit bestaunen konnten. Sind schon die Dimensionen dieses Gletschers umwerfend und führen zum Staunen, wunderten wir uns ebenso sehr über die sichtbaren Gletscherstrukturen, seine Gletscherspalten, die tiefen Risse, die sich über fast das gesamte sichtbare Gletscherfeld zogen, die kleinen Türme, die – noch – nicht abgestürzt waren, die Gletscherteile, die noch der Schwerkraft trotzten und “oben” bleiben, die unterschiedliche Farbe in einzelnen Gletscherteilen, teilweise strahlendes, wenn auch z.B. durch Gerölleinschlüsse manchmal verunreinigtes Weiß, manchmal eher ein Grau und dann zur Krönung unterschiedliche Blautöne, von hellblau bis ins dunkelblau gehend. Einfach umwerfend dieser Anblick. Man weiß nicht, was imponierender ist, die Mächtigkeit, die Eisdicke, die schiere Größe, das Farbenspiel, die durch die Spalten signalisierte Gefahr eines Gletscherspaziergangs.

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Die Parkverwaltung hat für die Besucher umfangreiche und lange Besichtigungsstege gebaut, Tribünen errichtet und es ermöglicht, sicherlich mehr als 2 Kilometer auf den Stegen an unterschiedlichen Stellen sich dem Gletscher zu nähern. Hierzu gehören auch mindestens drei große Plattformen. Eine davon in der Nähe des Zugangs zu diesem Wegesystem, zur zweiten muß man zahlreiche Stufen hinunter – und später auch wieder hinauf – laufen und die weiteren erfordern dann erheblich mehr Gehaufwand. Festzustellen war, daß 100% der Besucher es bis zur Plattform 1 schaffte, weniger als die Hälfte wurde auf Plattform 2 gesehen, obgleich diese deutlich näher am Gletscher liegt; die Aussichtspunkte im Norden und weiter hinaus erreichten nur eine handverlesene Anzahl. Für uns war das positiv, denn das ermöglichte ein ungestörtes Betrachten des Naturwunders.

Der Gletscher Perito Morena hat die Eigenschaft, mehr Eis zu bilden als abschmelzt, d.h. er dehnt sich aus. Gegenüber der Gletscherzunge befindet sich die Halbinsel Magellanes, auf der auch die Besichtigungsplattformen sich befinden. Alle par Jahre ist der Gletscher so stark angewachsen, daß er an die Halbinsel stößt und damit den Lago Argentino am Canal de los Témpanos durchtrennt. Der Zustand hielt bislang immer so lange an, wie der Gletscher dem Wasserdruck und dem steigenden Wasserpegel im südlicheren Teil des Lago Arentino standhielt. In naher Zukunft steht ein derartiges Schauspiel wieder bevor, denn aktuell ist ein Teil des Gletschers bis an die Halbinsel herangewachsen; die unteren Besucherwege waren deshalb auch gesperrt. Wir Besucher konnten deshalb den Gletscher aus sehr geringer Entfernung betrachten, auch ein Privileg. Die von uns beabsichtigte Bootsfahrt entlang der Gletscherkante konnte deshalb nicht stattfinden, stellte aber keinen großen Verlust für uns dar.

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Jeder Besucher hofft natürlich darauf, daß während seiner Anwesenheit ein großes Gletscherstück abbricht und mit Getöse sich ins saukalte Wasser stürzt. Übrigens : die Strahlungskälte des Gletschers war durchaus wahrnehmbar, es war spürbar kälter in der Nähe des Eisblocks als z.B. oben auf dem Parkplatz. Während unserer mehr als 2 1/2 Stunden vor Ort hatten wir Glück. Mehrfach hörten wir, wie an nicht einsehbaren Stellen Abbrüche erfolgten, mehrfach waren wir aber auch Zeuge eines solchen Gletscherabbruchs vor unseren Augen. Diese Gletscherabbrüche kündigen sich leider nicht an, so daß Reaktionsgeschwindigkeit gefordert ist, wenn man ein solches Ereignis dokumentieren möchte. Nicht immer war ich dabei spürbar zu spät. Ein tolles Bild, wenn durch den Bruch eine Eiswolke aufsteigt, das Eisblock sich mit Getöse, oft auch auf andere Gletscherteile aufschlagend gen Wasser bewegt, dort niederschlägt, eine riesen Fontäne entsteht, einen Seegang im Umfeld erzeugt, der manches Boot heftig erschüttert hätte, mehrfach auf und ab steigt, manchmal sich sofort in kleinere Teile zerlegt, bevor sich das Wasser beruhigt. Ein tolles Schauspiel.

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Irgendwann gibt es nichts Neues mehr zu sehen, auch für uns nicht, so daß wir am frühen Nachmittag uns wieder auf den Weg nach El Calafate machten. Wir hatten leider nicht das Glück, den Gletscher bei Sonnenlicht bestaunen zu dürfen. Dann sollen die Farben noch stärker leben, der strahlende Eindruck des Gletschers noch imposanter sein. Aber wir waren vor Ort, und das was wir sahen, war es wert, hierher zu reisen, hat uns immens beeindruckt.

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In unserem Hostel war uns ein Prospekt über eine archäologische Stätte zwischen El Cafayate und El Chaltén aufgefallen, in der u.a. versteinerte Baumstämme in Größenordnung zu sehen sind. Wir waren auf der Fahrt hin nach El Calafate daran vorbeigefahren, erinnerten uns jedoch nicht, ein Hinweisschild gesehen zu haben. Dem Internet zur Folge geht in der Nähe eines Hotels La Leona eine Geröllpiste ab, der Zugang zu der Fundstelle. Natürlich lässt sich der Besuch auch mit einer Agentur durchführen, aber kurzfristig lässt sich so etwas nicht darstellen. Das hieß dann ein gutes Stück Weges zurück fahren, was uns völlig neue Eindrücke verschaffte.

Waren wir etwas enttäuscht, sowohl bei der Hinfahrt auf El Chaltén als auch bei der Wegfahrt nur Teile der Bergmassive des Cerro Torre und des Fitz Roy sehen zu können, wurden wir heute voll entschädigt. Zwar war der Himmel wieder bedeckt, nur selten kam anfangs die Sonne wirklich durch, aber die Wolkendecke “flog” hoch. Wahnsinnige Ausblicke auf die Bergwelt im Norden. Korrigieren muß ich mich : man kann von Süden kommend die Bergmassive wirklich aus einer Entfernung von gut 200 Kilometern in voller Pracht, wenn auch nicht in riesiger Dimension ganz klar erkennen und identifizieren. Ein Geschenk des Tages, das wir durch mehrfaches Anhalten ausgiebig in Anspruch nahmen.

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Bei dem Versuch, den versteinerten Wald zu finden, waren wir leider nicht erfolgreich. Hinweisschilder gab es nicht, der Beschreibung folgend fanden wir keinen Zugangsweg zur der archäologischen Stätte und fuhren genervt wieder zur Bundesstrasse zurück. Im Hotel La Leona erfuhren wir dann, ein Zugang sei nur mit Führer und folglich über eine Agentur möglich. Ärgerlich, denn einen entsprechenden Hinweis fanden wir nirgends, auch die Bemerkung des Ansprechpartners im Hostel, der Eintritt betrage 50 CLP ließ erwarten, dort normalen Zugang zu erhalten. Rückblickend haben wir jedoch Verständnis, denn die Anlage dürfte mehr oder weniger ungeschützt sein und ein Hinweis könnte “anregen” sich das eine oder andere Souvenir einzustecken.

Dann ging es endgültig in Richtung Puerto Natales, dem NP Torres del Paine entgegen. Lange Zeit begleitete uns das altbekannte Bild einer kargen Steppe; die Landschaft ermöglichte zunehmend einen Blick in die Unendlichkeit, Erhebungen, Hügel- oder Bergzüge traten immer weiter zurück. Ab und an dann eine kleine Abwechslung durch “Skulpturen” am Rande.

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(die drei Brüder)

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Als unsere Strecke sich so langsam nach Südwesten richtete, änderte sich das Landschaftsbild allmählich.  Die karge Vegetation nahm in kleinen Schritten zu, die riesigen Weideflächen wurden zunehmend  insbesondere von Schafen und nah an der Grenze zu Chile auch hin und wieder durch Rindvieh genutzt. Und zur Abwechslung gab es zwischendurch auch kleine Wasserflächen und eine andere Vegetation.

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Bei Cerro Castillo überquerten wir die Grenze nach Chile; dieser Nebenübergang wird wenig frequentiert, so daß wir auch nach kurzer Prozedur wieder in Chile waren. Die Holperstrasse wurde durch eine neue Asphaltstrasse abgelöst. Eigentlich hätte wir bereits hier Richtung Torres de Paine abbiegen können, aber wo übernachten? Also Fahrt nach Puerto Natales, vorbei an einer zunehmend üppigeren Vegetation, einer interessanteren Landschaft, in der die Ebene von Hügeln und Bergen abgelöst wurde, in kleinen Teichen auch Flamingos nach Nahrung suchten und das alles auf der Straße an das Ende der Welt (Ruta del Fin del Mundo).

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Und dann waren wir nach weiteren 65 Kilometern auch schon in Puerto Natales, ein kleiner Hafenort, der sich am Fjord entlangstreckt. Ein Hostal hatten wir vorreserviert, in Zentrumsnähe. Die Welt ist ein Dorf, wie wir wiederholt feststellen mussten. Hier in unserem Hostel Niko’s II Adventure trafen wir, jetzt zum dritten Mal, auf Phil und seine Frau, die eine halbe Stunde vor uns per Bus aus El Calafate eingetroffen waren.

El Chaltén – Cerro Fitz Roy im Blick

El Chaltén existiert eigentlich erst seit 1985, als die argentinische Regierung beschloß, hier eine Stadt aus dem Boden zu stampfen, um seine Besitzansprüche um den Cerro Fitz Roy gegenüber dem Nachbarn Chile besser geltend machen zu können. Wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, wurde in 1995 ein internationales Übereinkommen zwischen beiden Ländern über den “endgültigen” Grenzverlauf in dieser Region getroffen. Ob die Entscheidung der Ortsgründung dabei geholfen hat, ist mir nicht bekannt. Zur Steigerung der Bekanntheit und zum Aufschwung als Touristenort wesentlich beigetragen haben dürften aber die diversen Besteigungen des Cerro Torre und des Fitz Roy mit ihren extrem steilen und hohen Wänden. Der Ort selber wirkt wie alle Städte Argentiniens – sehr stark in seiner Struktur geplant durch seine rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen, also schachbrettartig angelegt. Der ursprüngliche Charakter eines kleinen Bergortes, wie er auch durch eine ganze Anzahl insbesondere früher Bauten zum Ausdruck gebracht wird, wird zunehmend verändert. Hotelkomplexe und mehr als eine Handvoll nicht in die Landschaft eingepasster Bauten zerstören das ursprüngliche Bild. Positiv anzumerken ist das Bemühen, die Bauten auf relativ großen Grundstücken zuzulassen, wodurch eine Auflockerung erreicht wird. Offensichtlich ist in diesem Ort so etwas wie Goldgräberstimmung ausgebrochen, denn auf extrem vielen Grundstücken wurde gebaut, standen Rohbauten und warteten, manche schon länger, auf ihre Fertigstellung, wurde an bestehende Bauten angebaut, manchmal auch nur angeflickt; das Bauhandwerk schien zu boomen, mancher dürfte sich aber auch mit dem Bau übernommen haben, denn sonst stünde nicht auf einer nennenswerten Anzahl Baustellen die Arbeit still.

Erkennbar ist auch, der Ort lebt vom und für den Tourismus. Hier arbeiten wohl alle Menschen direkt oder indirekt für die anreisenden Gäste. Die Bekanntheit von El Chaltén hat auch seinen Preis – für die Gäste, denn das Preisniveau ist hier enorm hoch. Katrin hat fast 8 Euro auf den Ladentische gelegt und ist dann mit etwa 200gr. mittelmäßigem Gouda, 4 Birnen, 1 kl. Flasche Wasser und 6 kleinen Semmeln nach Hause gegangen.

Von Fitz Roy und Cerro Torre ging auch auf mich eine besondere Magie aus. Schon vor Jahren hatte ich den Wunsch, einmal vor diesen Bergen zu stehen. Anlaß für diese Begeisterung waren einige Berichte über verschiedene Besteigungen der Berge, über unterschiedliche Routen, insbesondere von Freeclimbern, über das Leiden und die Warterei auf den einen oder zwei gute Tage für eine erfolgreiche Besteigung, das Leben unter der Zeltplane bei draußen tagelang tobenden Stürmen. Hier wurden besondere alpine Eigenschaften der Kletterer gefordert, dies faszinierte mich.

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Nun sind wir hier und wollen das Terrain erkunden. D.h. zuerst Informationen über die möglichen Touren einholen; besonderes Interesse haben wir an einer Gletscherwanderung, vorzugsweise einer, bei der man nicht per Boot bis an den Gletscher (Viedma) gefahren wird, sondern sich an ihn langsam und vielleicht auch mit Schweiß verbunden annähert. Wir fanden eine Agentur, die ein Trecking zu und auf dem Gletscher des Cerro Torre anbietet. Die Durchführung hängt jedoch von der Genehmigung durch die Parkverwaltung ab, wir befinden uns hier im NP Los Glaciares. Die bisherigen Eisverhältnisse haben heute und Morgen eine Genehmigung verhindert; wir stehen auf der Warteliste und hoffen auf ein o.k. in den nächsten drei Tagen. Wir haben zwar Literatur zu den in Patagonien möglichen Treckingrouten mitgebracht, bei der NP-Verwaltung aktuelle Informationen einzuholen, empfiehlt sich dennoch. Wesentlich Neues erfuhren wir zwar nicht, nutzten jedoch die Gelegenheit, den hinter der Verwaltung liegenden Mirador hochzueilen, um auf unser Dorf von oben schauen zu können. Der weitere Weg in Richtung Lago Viedma war nicht sehr ergiebig, die Sicht auf den riesigen See fanden wir bei der Anfahrt auf El Chaltén deutlich eindrucksvoller.

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Da für heute noch wechselhaftes Wetter angesagt war, hingegen am morgigen Mittwoch strahlender Sonnenschein versprochen war, soll eine größere Tageswanderung dann Morgen stattfinden. Am heutigen Nachmittag fuhren wir zum knapp 40 Kilometer entfernten Lago Desierto, einem quasi Grenzsee, denn unweit seines westlichen Endes liegt Chile. Für ortskundige Wanderer eine Möglichkeit, in einer 2-Tages-Tour das Land zu wechseln, Voraussetzung, sich bei der am östliche  Seeende befindlichen Grenzstation Argentiniens abzumelden. Gerade von Chile nach Argentinien gewechselt stand uns nicht der Sinn nach erneuten Grenzformalitäten, aber nach einer kleinen Wanderung am See entlang. Leider entschieden wir uns für einen Pfad, der an der Südseite des Lago Desierto entlang lief und irgendwann im Nirgendwo endete; viel weiter wäre es auch nicht gegangen, denn auf dieser Seeseite fällt der Berg teilweise steil in den See. Für Katrin ergab sich natürlich wieder eine Gelegenheit, die Seequalität zu testen. Dennoch, die Wanderung durch den Altbestand patagonischen Waldes, der seiner selbst überlassen wird. durch die Ruhe des Waldes mit Blick auf einen immer wieder von starken Böen aufgewirbelten See hat unserer Stimmung nur gut getan und Lust auf weitere Wanderungen in dieser besonderen Landschaft geweckt. Morgen werden wir uns von dieser Lust Richtung Berg und Basislager leiten lassen..

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Waren wir heute allein unterwegs, die am Ostende des Sees liegenden Boote, die gerade gewartet wurden, locken in der Hochsaison wohl eine deutlich größere Anzahl Besucher hierhin, dann jedoch auch zum Wandern als zu einer Bootstour auf dem Lago Desierto.

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Sowohl in der Parkverwaltung wurden wir auf den besonderen Schutz der “Huemuls” hingewiesen, eine Art patagonisches Rehwild, als auch durch mehrere Schilder entlang unserer Fahrtstrecke zum Lago Desierto hieran erinnert. Die Tiere sind sehr scheu und äußerst selten zu Gesicht zu bekommen. Scheue Tieren geraten wenn entdeckt schnell in Panik. Wir haben dies bei den ebenfalls sehr scheuen Guanakos erlebt. Offensichtlich in Panik geraten, wurden die der Straßen in der Pampa entlang gezogenen Drahtzäune manchem der Tiere zum Verhängnis, denn hin und wieder entdeckten wir bei der Vorbeifahrt in den Zäunen hängende Guanakokadaver. Kein schöner Anblick. Und was mussten wir in diesem Schutzgebiet für die Huemuls feststellen : fast über die gesamten 40 Kilometer waren die Flächen rechts und links der Straße von Drahtzäunen eingefasst. Wie soll hier eine geschützte Tierart ohne Risiko das Revier wechseln können?  Wie viele Tierkadaver haben schon in den Zäunen gehangen? Irgendwie völlig pervers diese unvollkommene und unverständliche Art Tierschutz zu betreiben, die durch derartige Einzäunungen ad absurdum geführt wird. In Teilen Patagoniens sind die Aktivitäten von Menschen wie Tompkins, der u.a. den Park Tumalin geschaffen und über eine Stiftung der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, oder die Umweltstiftung Conservación Patagónica, die im Valle Chacabuco in der Nähe von Cochrane ebenfalls dabei ist, einen großen Park zu schaffen, nicht von allen Bewohnern der Region begrüßt worden. Doch eines mussten die Kritiker neidlos anerkennen. Nachdem im Valle Chacabuco zig tausende Kilometer Weidezäune abgebaut worden waren nahm die Population der Guanakos und der Huemuls sehr schnell zu! Vielleicht erinnert man sich hier irgendwann einmal an dieses Beispiel und folgt ihm. In Ermangelung eines echten Huemuls steht hier sein Warnschild :

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In Chalten sein heißt wandern. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, einen oder zwei Blicke auf den Cerro Torre und/oder den Cerro Fitz Roy zu werfen. Und das praktische ist, zwischen beiden Routen gibt es einen Verbindungsweg, also die Chance, an einem Tag beide dominante Berge zu besuchen. So auch meine/unsere erste Überlegung, denn für den heutigen Mittwoch war strahlender Sonnenschein vorhergesagt, beste Bedingungen sollte man meinen. Wer weiß, wie die kommenden Tage ausfallen. Mental hatten wir uns schon auf eine lange Wanderung eingestellt; eine Überprüfung der Richtzeiten für die einzelnen Wegabschnitte zeigt dann, wie lang der Tag bei diesem Wahnsinnsplan werden würde. Unter 10 Stunden bei Wandern im Eiltempo war nichts zu machen, wenn wir die beiden vorgeschobensten Aussichtspunkte auch erreichen wollten, eher war mit 12 Stunden zu rechnen, da Mensch ja auch Zeit zum Schauen haben möchte. Gewiß, wir waren überzeugt, die Strecke absolvieren zu können, die letzten Streckenabschnitte aber wohl mit hängender Zunge, starrem Blick, angestrengtem Gesichtsausdruck und der ständigen Frage, wie lange noch. Es gab keinen Grund, uns dieses Programm aufzubürden, wir haben ja Zeit. Wie richtig die Entscheidung war wussten wir nach unserem heutigen Treck, der 7 1/4 Stunden mit 30 minütiger Mittagspause dauerte; dies war zwar schneller als die Richtzeit, aber bei der großen Runde wären wir nach dieser Zeit noch im Anstieg zum Aussichtspunkt Maestri gewesen. Und wir merkten beide was es heißt, diese Zeit fast am Stück und im allgemeinen nicht zu langsam zu wandern und fühlten uns bei Rückkehr zum Nachtlager ganz schön platt.

Für heute entschieden wir uns, dem Cerro Fitz Roy nahe zu kommen, eine Tour mit einem sehr steilen letzten Anstieg und einer Richtzeit für den Anstieg von 4 1/2 Stunden. Endlich konnten die schweren Bergstiefel aus dem Auto geholt werden, die wir gerade für solche Wanderungen um den halben Globus mitgeschleppt haben, bei mir waren dann 2,7kg an den Füßen, bei Katrin wurden dann zusätzliche 1,5kg mitgeschleppt. Um 09:45 Uhr machten wir uns leicht verproviantiert auf den Weg, der uns anfangs durch einen schönen kaum windzerzausten da in einer Mulde liegenden Wald führte. Sobald wir seinen Schutz aber nach einer guten halben Stunde verlassen hatten, griff der Wind ganz schön zu und wir waren immer wieder froh, wenn wir wieder in einer windgeschützten Lage weiter wandern konnten. Zunehmend dem starken Wind ausgesetzte Waldpartien zeigten uns auch, welche Wirkung der Starkwind hat, denn Bruchholz lag überall herum. Weiter aufwärts steigend nahm die Wuchshöhe der u.E. hier vorhandenen Buchenart immer weiter ab, bis die Bäume keine Bäume, sondern eine Art großer Bonsai waren, maximal 2 Meter hoch gewachsen. Eine echte Ausbildung der Kronen war wahrscheinlich wegen des Windes auch kaum möglich. Hier konnte man also richtig zerzauste Baumexemplare bewundern.

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Ab und an war es möglich, einen Teil unseres Zielberges in der Ferne zwischen den Bäumen zu sichten, auch Ausblicke ins Tal und zu anderen gletschertragenden Bergmassiven unterbrachen unseren Vorwärtsdrang. Nach einer guten Stunde hatten wir dann unser erstes Aha-Erlebnis, der erste Aussichtspunkt, noch ziemlich weit vom Berg entfernt, aber immerhin, war erreicht. Da war es also, das Ziel unserer Anstrengungen. Ganz schön hoch, steil, imponierend, dominierend.

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Der weitere Weg führte uns dann nahezu auf dem hier erreichten Höhenniveau in Richtung Basislager Poincenot, wo der Erstbesteiger des Fitz Roy sein Lager aufgeschlagen hatte. Zwischendurch passierten wir eine Art Hochmoor, kleine Seen, durchquerten und passierten niedriges Gebüsch, mussten immer wieder über einfache Holzbretter kleine Bäche überqueren, bevor wir in den letzten Schutzwald vor dem Berg, der auch dem Basislager damals Schutz bot, eintauchten.  Auch heute wird dieses Lager als Zeltplatz von Wanderern und Bergsteigern genutzt. Wir waren gut im Zeitplan.

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Schon von weitem konnten wir die danach folgende Passage erkennen – es ging steil bergauf, oft über Schotter, Steine, Steinstufen, durch Bachläufe, wir kamen nicht nur kräftig ins Schwitzen, sondern die Pumpe musste auch Dauerleistung erbringen. Gute 400 Höhenmeter waren zu überwinden; uns hat das mehr als eine Stunde gekostet aber der dann mögliche Blick war ein schöner Lohn für die Anstrengungen. Da stand er nun vor uns, der Fitz Roy; wir waren nur durch eine Gletscherlagune, der Laguna los Tres, mit milchiggrünem Wasser vom Berg getrennt. Korrekt gesagt, Luftlinie muß es mehr als ein Kilometer sein, der Lagunedurchmesser dürfte dabei maximal 500 Meter betragen. Was man auf den famosen Fotos dieses Berges immer nicht sieht, vor dem Berg ist erst einmal nicht nur ein Gletscher, sondern ein kleiner vorgeschobener Felsen zu bezwingen, der eigentliche  Berg also doch nicht zum Greifen nah. Sei es drum, nicht andächtig doch beeindruckt von diesem großen zackigen steil in den Himmel ragenden Felsen mit seinen diversen Nebengipfeln, seiner steilen Wand, an dem sich kaum Schnee ablagern kann, saßen wir windgeschützt hinter einem Felsen und starrten hinüber. Es waren schöne Minuten auf dem Aussichtspunkt. Natürlich ist unser Tagesziel auch Ziel vieler anderer im Ort abgestiegener Wanderer. Während jedoch während des Hinanwanderns man immer wieder Plaudertaschen hörte, die in unseren Augen die schöne Ruhe beim Wandern störten, oben auf dem Aussichtspunkt war es sehr still; auch die übrigen Wanderer waren wohl durch den tollen Anblick stumm geworden.

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Man sollte nicht nur die Augen auf den Cerro Fitz Roy richten, sondern das gesamte Bergpanorama im Blick haben, die verschiedenen herabgleitenden Gletscher rechts und links, die anderen Berggipfel des Massivs, die in unserem Rücken liegenden Lagunen, die Laguna Madre und die Laguna Hija, nicht zu vergessen die weiter im Norden vergletscherte Bergkette. Es gab viel zu staunen.

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Nach unserem Vesper trieb der Wind uns wieder auf den Rückweg; wir hatten gut geschwitzt und es war unangenehm, so dem Wind ausgesetzt zu sein. Leider, aber es war vernünftig, ging es den gleichen Weg zurück. Wir sind ja keine Gems und können den steinigen Steilweg des Schlußanstiegs hinunterhüpfen – zumindest die Vernunft sagte uns, hier eher mit Bedacht zu gehen. Und so kamen wir dann auch ohne Blessuren wieder an unserem Startort in El Chaltén an, spürten einige unserer Muskeln und waren froh, den Schweiß bei einer warmen Dusche vom Körper spülen zu können.

Und Morgen geht es dann in Richtung Cerro Torre.

Wenn man so wandert und nicht alleine auf der Strecke ist, gibt es viele Begegnungen und Beobachtungen, wer so alles und wie sich dem Ziel nähert. Da trifft man zu einen auf die jungen Gipfelstürmer, die mit schwerem Rucksack bepackt, Zelt obenauf, Liegematte an der Seite festgezurrt, manchmal den Schlafsack unten am Rucksack befestigt, mit schnellem Schritt und nach vorne gerichtetem Blick dem Ziel entgegen, in der Regel zu zweit. Die beiden Campgrounds vor beiden Bergmassiven sind eine gute und preiswerte Alternative zu den teuren Unterkünften im Dorf; zudem hat man die Gelegenheit, fast als erster morgens einen Blick auf das Massiv zu werfen. Seltener begegnet man einer größeren geführten Gruppe, die in gemächlichem Tempo, eingebremst von dem voran gehenden Führer, dem Ziel entgegen steuert, immer wieder von Pausen unterbrochen, um die notwendige Luft für den letzten steilen Anstieg zur Lagune de los Tres zu schöpfen. In dieser Gruppe befindet sich in der Regel das Mittelalter. Seltener begegnet man der älteren Generation, aber wenn, dann sind diese 60-jährigen richtig fit und sind es gewohnt, sich im Berg zu bewegen. Beeindruckend ihnen zuzusehen, wie schnell sie den Berg hinunter eilen konnten. Das Gros der Wanderer stellen die junge und die jüngere Generation. Diese treten meistens in Paaren auf, wobei Unterschiede festzustellen sind.  Da ist zum einen der vorauseilende bestimmende Mann, dem die Frau so gut es geht folgt. Manchmal ist dann das Tempo so angepasst, daß die Nachfolgende nicht in die Schnappatmung verfällt und sogar noch Luft hat, dem Mann etwas mitzuteilen. Das kann manchmal ganz schön nervig sein, wie wir auf unserem Rückweg erfahren mußten. Über lange Zeit lief hinter uns ein französisch sprechendes Paar, wobei der Sprechpart zu 99% von der Frau übernommen wurde. In einem Affentempo strömten die Wörter aus ihr heraus, Pausen gab es keine, der Sprachfluß wurde sehr selten durch eine ein-Wort-Bemerkung des Mannes unterbrochen. Ich hatte den Eindruck hinter mir würde versucht werden, auf dem Rückweg Faust I und Faust II vorzutragen, eine Plage auch für uns als Vorangehende. Dann gibt es die Paare, bei denen die Frau vorangeht; begegnet man dieser Gruppe, wird man meistens freundlich und fröhlich vom weiblichen Part gegrüßt, während der Mann stumm, manchmal mürrisch, uns keines Blickes würdigend, hinterherstapfte. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Dann sind da noch die Gruppen zweier Männer oder Frauen zu erwähnen. Erstere eilen in der Regel zügig voran, wir hörten selten Gespräche, man verstand sich auch ohne verbale Kommunikation. Begegneten wir zwei oder manchmal auch mehr Frauen, war deren Herannahen schon von weitem zu hören; da wurde permanent gesprochen, gelacht, gejuchzt; viel Augenmerk auf die Umgebung wurde nicht gelegt. Also, man trifft hier so unterschiedliche Charaktere an, daß die Basis für eine soziologische Untersuchung besteht, fragt sich nur, wer sich dieser Aufgabe unterzieht, mich haben nur die unterschiedlichen Typen fasziniert, wobei mir die weitgehend stumm dahin wandernden Zeitgenossen, die auch immer wieder einen Blick in die Umgebung werfen, am nahesten sind.

Auf unseren vergangenen Reisen hat Katrin immer wieder ein ganz bestimmtes Buch eingepackt in der Absicht, wenn es die Zeit erlaubt, es zu Ende zu lesen. Zurückgekehrt lag das Lesezeichen vielleicht 10 Seiten weiter als zuvor. Das Buch und Katrins Leseeifer ist fast ein running gag. Um so erstaunter war ich festzustellen, wie Katrin den nur für den Fall des Falles, sollte ich (!) als Leseratte Langeweile verspüren, mit einigen Büchern bestückten E-bookreader an sich nahm und, nachdem passende Krimilektüre gefunden war, sich abends mit dem elektronischen Buch zurückzog. inzwischen wurden nicht nur 10 Seiten, sondern ganze Bücher gelesen.

Das Motto des heutigen 5.12. könnte lauten : der Weg ist das Ziel.

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Unser Ziel war die Laguna Torre zu Füßen des Cerro Torre, ebenfalls ein markanter Felsen in der Landschaft, der die Extremkletterer immer wieder herausfordert. Der Berg ist ein störrischer Felsen, nicht nur für de Bergsteiger, sondern auch für denjenigen, der nur einen Blick auf ihn werfen will. Nun wehen hier ja stramme Winde, Wolken ziehen mal hoch mal niedrig durch das Land, verfangen sich auch in den Bergmassiven, so daß es eine Glücksfrage ist, den gesamten Berg in seiner vollen Größe zu sehen. Heute Morgen war der Himmel bedeckt, Sonne wurde dahinter vermutet, aber nicht gesichtet, die Chance, den Torre zu sehen als gering eingeschätzt. Dann eben nur den halben Felsen sehen und los ging es. Die von uns dabei durchquerte Landschaft ähnelte der auf dem Weg zum Fitz Roy gesichteten, knorrige aber oft sehr gelichtete Buchenwälder, viel Bruchholz, Wege durch Bachbetten, Hochmoorflächen mit abgestorbenen Bäumen, Wege durch niedriges Buschwerk – sie ähnelte, aber war nicht gleich, zu sehen gab es am Wegesrand genug. So zum Beispiel das “Mahnmal” für unachtsames Verhalten im Nationalpark, wo Feuer aus bekannten Gründen verboten ist und man auch mit der Zigarettenglut noch Unheil anrichten kann. Nach etwa einer Stunde Wandern erreichten wir einen Aussichtspunkt auf das Torremassiv. Und wie erwartet, der  Cerro Torre hatte einen Wolkenschleier. Wir warteten eine ganze Weile, denn die Wolkendecke war nicht dicht und so hofften wir auf ein Wolkenloch, durch das dann der ganze Torre zu sehen sei. Die Natur machte uns den Gefallen nicht, dennoch, der Bergteil, der sichtbar war machte deutlich, welche Herausforderung dieser spitz nach oben ragende Felsen für manchen Bergsteiger ist.

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Nach mehr als einer weiteren Stunde standen wir dann am Fuße einer riesigen Endmoräne die uns zeigte, bis wohin einmal der Gletscher des Torremassivs gereicht hat. Das muß aber einige tausend Jahre her sein. Hier endete dann der im Grunde bequeme Anmarsch, der zwar gute 10 Kilometer lang war, aber nur 200 Höhenmeter aufwies. Jetzt ging es den Geröllweg hinauf, eine endliche Plackerei, denn nach knapp 10 Minuten standen wir auf der Kuppe der Moräne und blickten auf die Laguna Torre und den dahinter liegenden Felsen. Vor kurzem soll die Laguna noch eisbedeckt gewesen sein, hiervon war nichts mehr zu sehen. In ihr schwamm ein kleiner Eisbrocken, der von einer an den See heranreichenden Gletscherzunge des Glacier Túnel abgebrochen sein muß. Die vor uns liegende große Gletscherfläche wirkte nicht überall bläulich, was sicher auch daran lag, daß ein guter lagunenaher Teil unter Geröll und Erde lag. Auf jeden Fall war die schiere Größe des Gletschers beeindruckend, auch wie hoch er in das Massiv hinauf reichte, über einzelnen Bergschultern lag. So schön der Gletscher in seinem Blau auch anzuschauen war, unser Hauptaugenmerk galt ja dem Cerro Torre. Wir hatten schon an einigen Stellen unseres Hinweges immer wieder Gelegenheit einen Blick hinüber zu unserem Wanderziel zu werfen und mussten dabei feststellen, die Sichtbedingungen wurden nicht besser, sondern schlechter. So war nun ein noch größerer Teil der Nadelspitze dauerhaft von Wolken umhüllt, wesentliche Änderungen waren nicht in Sicht. Dennoch, hier dem Fels in seiner Schroffheit, fast Unbezwingbarkeit, seiner Schönheit, seinem Farbbild gegenüber zu sitzen, war es wert, den Weg gegangen zu sein. Wir haben nicht alles zu Gesicht bekommen, konnten aber einen Eindruck von der Schönheit und Mächtigkeit, der Faszination dieses Felsens gewinnen.

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Der Rückweg gestaltete sich nahezu ereignislos. Da das Wasser hier oben trinkbar sein soll, trat unsere Wasserexpertin zu Testzwecken an und wurde von der gefundenen Qualität überzeugt, frisch, klar und genießbar, ohne jegliche Zusatzstoffe!

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Natürlich blickte ich mich immer wieder um, konnte dabei aber keine wesentliche Änderung der Sichtverhältnisse feststellen. Dann verschwand das Massiv aus unserem Blickfeld, da wir den Ausläufer eines Hügels umwandern mußten. Bei Annäherung auf unseren ersten Aussichtspunkt zeigte ein Blick zurück, daß die Wolkendecke auf einmal deutlich höher lag – also doch eine Chance, den Cerro Torre in seiner ganzen Pracht und Größe zu sehen? Zehn Minuten später waren wir am Aussichtspunkt angelangt und blickten nach Westen, zum Torremassiv. Ja, da stand er, ohne Wolkenkranz, diese steile spitz zulaufende Wand, auf der sich, so sagt man, kein Schnee halten soll (was nicht stimmt, denn auch obere Teile sind vergletschert). Der Weg war das Ziel, aber zum Schluß haben wir sogar das Ziel noch gesehen, wenn auch aus größerer Entfernung als erhofft. Ein gutes Ende unseres gut 6-stündigen Wandertages. Was will man mehr? (z.B. den Torre und den Fitz Roy in schönem Sonnenlicht, morgens oder abends z sehen, dann dürfte der Granit der Felsen noch besser zur Geltung kommen als jetzt.)

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Heute am 6.12. wollten wir es etwas langsamer angehen lassen. es war einiges zu regeln, die Wäsche zur Reinigung zu bringen, Recherchen wegen der Unterkünfte in El Cafayate und Puerto Natales durchzuführen, die eingegangen Mails zu checken und zu beantworten. Die Zeit verging dabei schneller als geplant, was auch an der extrem schlechten Internetverbindung hier im Ort liegt. Manchmal hat man das Gefühl, hier wird noch mit Rauchzeichen die Botschaft zum nächsten Berg übermittelt, von wo es dann ebenso weiter geht. Manche Mails waren überhaupt nicht zu versenden, es war manchmal zum Verzweifeln.

Nicht nur zur Entspannung, sondern um am Abend noch einmal bei anderen Lichtverhältnissen einen letzten Blick, quasi zum Abschied, auf den Cerro Torre zu werfen, eilten wir spät zum ersten Aussichtspunkt. Und wie zur Bestätigung aller Befürchtungen, auch diesmal kein vollständiges Bild, die Wolken hingen fast im Felsen fest. Dennoch, es war zum Abschied eine schöne abendliche Stimmung wie zur Bestätigung, wie wohl wir uns hier in diesen vier Tagen gefühlt haben. El Chaltén, seine Berge, Gletscher und seine Wandermöglichkeiten gehören zweifelsfrei zu den bisherigen Höhepunkten. es hätten auch mehr Tage an diesem Ort sein können!

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