Ins Maori-Land nach Neuseeland

Nachdem wir einige Monate in meiner Wunschregion Südamerika gereist sind, steht jetzt Katrins Wunschziel Nummer Eins, Neuseeland, auf dem Reiseplan. Die bisherigen Eindrücke auf unserer Reise ließen insbesondere bei Katrin Skepsis aufkommen, ob das Gesehene in Neuseeland noch zu toppen sei. Wir kamen über ein, im Grunde keine Vergleichsmaßstäbe zu besitzen, jedes Land hat seine besonderen Charakteristika, herausragende Schönheiten und kulturelle Höhepunkte zu bieten. Diese sehen und in den Ländern Neues erleben zu können, ist unser Ziel. So werden wir sicherlich auch in Neuseeland ganz besondere aber andere Naturschönheiten zu Gesicht bekommen. Also gilt auch weiterhin mit offenen Sinnen Neues erfahren. Wir sind beide gespannt, wie die fast zwei Monate auf den beiden großen Inseln verlaufen werden, wie beeindruckt wir sein werden, nachdem wir so viele enthusiastische Berichte über verschiedene Reisen durch dieses Land gehört und gesehen hatten. Diese Rundreise wird auch einfacher als die Fahrt durch Chile und Argentinien sein. Verständigungsprobleme dürften kaum bestehen, im Gegensatz zu Südamerika, wo wir sprachlich noch Defizite aufwiesen. Einzig die für unsere Ohren sehr gewöhnungsbedürftige Interpretation der Aussprache des Englischen vor Ort, könnte, bis wir uns daran gewöhnt haben, bei uns für kurze Irritationen sorgen. Optimistisch gehen wir die nächsten Wochen an.

Nicht mit dem öffentlichen Bus, den zu nehmen war uns in Anbetracht der Konsequenz eines zu späten Eintreffens am Flughafen zu riskant, sondern mit einem über unsere Herberge vermittelten Transfer fuhren wir frühmorgens am 22.1. zum Flughafen Faa’a. Nahezu pünktlich hob die einmal wöchentlich nach Auckland fliegende Maschine vollständig besetzt ab. Über 4.000 Kilometer weiter, 5 1/2 Flugstunden und einen Tag später kamen wir in Auckland an. In Höhe von Samoa muß wohl die Datumsgrenze liegen, die uns einen Urlaubstag gestohlen hat und dazu führte nicht zu wissen, wann exakt Katrins Geburtstag am 23. begonnen hat. Mit einem kleinen Fläschchen Wein stießen wir, sicherlich verspätet im Flieger an. In Auckland endete unser internationaler Flug, weiter ging es mit einem Inlandsflug nach Christchurch. In Christchurch dann endgültig auszusteigen war wie in einer anderen Welt anzukommen, alles extrem propper, aufgeräumt, organisiert, geschäftig, weniger lebensfroh als sachlich, aber nicht weniger freundlich. Dafür empfing uns aber ein strammer ziemlich kalter Wind, eine ganz schöne Umstellung aus dem warmen, ja heißen Polynesien. Und dieser stete frische Wind begleitete uns die nächsten Tage. Bald kamen bei Katrin Assoziationen an Südpatagonien hoch verbunden mit der Aussage, dort sei es aber auch nicht kälter gewesen, was für die Spitze Südamerikas fast als Kompliment gelten muß aus Katrins Mund.

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Freundlich und sehr hilfsbereit, so nahmen wir unsere ersten Begegnungen mit Neuseeländern war. Das begann schon bei der Passkontrolle und setzte sich im Flughafengebäude fort bis hin zum Informationsschalter, an dem wir die notwendigen Hinweise zu unserem Bus in Richtung Universität Canterbury bekamen. Zu dieser Uni gehören auch Studentenwohnheime, deren Zimmer in den Semesterferien auch tageweise vermietet werden. Für diesen Übernachtungsort haben wir uns entschieden, nachdem unser Campervermieter auf Nachfrage mitteilte, einen Transfer zur Vermietstation im Umkreis von 5 Kilometern vom Flughafen durchzuführen. Die Bleibe entsprach diesen Kriterien und war zudem mit ÖPNV gut erreichbar. Leider galt die ursprüngliche Zusage später nicht mehr, so daß wir zu einem Treffpunkt im Flughafen am nächsten Tag per Bus fahren mussten. Der Bus, unser Bus, die Nr. 5 der Redline, war eine Wucht, dies gilt insbesondere für den Busfahrer. Allein schon die Berufsbekleidung war etwas besonderes, denn der Fahrer trug dunkelblaue Shorts, und lange dunkelblaue Kniestrümpfe und eine Art Trachtenschuh, denn dieser war recht klobig. Daß es die Dienstkleidung der Fahrer ist, bestätigte sich bei unserer Fahrt am nächsten Morgen. Irgendwie erinnerte er uns an Schottland, nur die Karos fehlten. Wie wir benutzten zahlreich Rucksackreisende den Bus und jeder nannte ein anderes Ziel, fragte, ob mit diesem Bus und ggf. einer Ergänzung der Weg zum Hostel möglich sei etc. Für alle hatte der Mann eine Lösung, erklärte und half. Als wir an der ersten Haltestelle unserer Straße ausstiegen, fragte er lauthals, ob wir denn die ganze Straße hinauflaufen wollten, er würde uns, wenn wir wieder einsteigen würden, vor der Uni absetzen. Das konnten und wollten wir nicht ablehnen, stiegen wieder ein und hatten einen Transport bis unmittelbar vor unser Ziel. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft dieses Busfahrers ist vorbildlich und wir fragten uns, ob wir z.B. in Deutschland einem Fremden gegenüber immer ähnlich hilfsbereit sein würden. Hoffentlich sind wir es!

Die nach Quartierbezug erfolgte Einkaufstour und der Besuch eines indischen Restaurants – endlich einmal eine Abwechslung auf der Speisekarte – machte uns mit dem gewöhnungsbedürftigen Preisniveau in Neuseeland bekannt. Dann kann die Rundreise in Neuseeland beginnen.

Tahiti, die zweitbeste Wahl

Von Teurus Frau wurden wir zum Flughafen auf Huahine gebracht, eine 5-minütige Autofahrt und gebührend verabschiedet. Eine aus Bora Bora kommende Maschine landete hier zwischen und nahm die wenigen wartenden Passagiere auf. Es schien für den einen oder anderen ein besonderer Abschied zu sein; wir sahen Einheimische, die mit einer Vielzahl von Blumen- und Muschelketten behängt, von einem Dutzend Menschen geherzt und geküsst, ständig winkend langsam zur Maschine gingen, als wenn es ein Abschied für immer sei. Ganze Großfamilien verabschiedeten ein Familienmitglied vor Ort, bei wenigen Fluggästen war die Abflughalle gut mit Menschen gefüllt. Hier kommt der starke Familienbezug der Insulaner und wohl auch der Menschen in Polynesien zum Ausdruck, ein Familienzusammenhang, der oft auch bitter nötig ist, denn die inoffizielle Arbeitslosenquote übersteigt bei weitem den EU-Durchschnitt, ja soll sogar über dem Spaniens liegen. Dann hob die kleine Propellermaschine zu ihrem 40-minütigen Flug auf die Insel Tahiti ab, letzte Gelegenheit, einen Blick auf und ein Foto von Huahine zu machen.

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Kaum gedanklich sortiert, setzte die Maschine schon zur Landung auf dem Flughafen Faa’a wenige Kilometer außerhalb von Pape’ete an und bot uns einen Blick von oben auf Tahiti wie auch die Nachbarinsel Moorea. Diese hatte zwar auch auf unserem Wunschzettel gestanden, aber hektisch hin und herfliegen wollten wir nicht, eine uns angenehme und sinnvolle Flugverbindung war nicht mehr zu buchen. Wir glaubten, die Tage auf Tahiti wären eine passende Alternative.

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Tahiti verfügt, so heißt es, über ein vernünftiges Bussystem; von Pape’ete ausgehend wird die West-Süd-Küste sowie die Nordküste mit Bussen, den Le Trucks, regelmäßig befahren. Dies im Kopf hatten wir uns entschieden, nicht den teuren Transferservice zum etwa 13 Kilometer vom Flughafen entfernten Relais Mehorio, unserem Quartier für die kommenden 4 Nächte, in Anspruch sondern den Bus zu nehmen, der uns, so heißt es, praktisch unmittelbar vor unserem Zielort absetzt. Vom Flughafen sind es nur zweihundert aber in guter Hitze mit unserem Gepäck zurück zu legende Meter bis zur Bushaltestelle an der Küstenstraße. Ein dort stehendes Wartehäuschen bot Schatten. unser Bus sollte weithin erkennbar Taravao, der Endort der Südroute und rote Streifen aufweisen. Nach einer guten viertel Stunde Wartezeit bog auch in gutem Tempo ein Bus mit diesem roten Streifen um die Kurve, aber der angegebene Zielort entsprach nicht unseren Vorgaben; später erkannten wir, Pa’ea war angegeben gewesen, für uns genau richtig. Wir stoppten diesen Bus somit nicht, was sich im Nachherein als Fehler erwies. Und so warteten wir, angekommen am Wartehäuschen waren wir kurz nach 11:00 Uhr, die Uhr ging auf 12:00 Uhr und gut darüber hinaus und kein Bus kam in Sicht, der uns an unser Ziel hätte bringen können. Dann endlich ein Bus, jetzt mit grünem Streifen, aber der richtigen Ortsangabe (Taravao); wir wollten einsteigen, bezahlen und fragten nach, ob er in Pa’ea anhalten würde, was der Busfahrer jedoch verneinte. Der Bus mit dem roten Streifen sei der richtige für uns. Also weiter warten. So etwa 12:30 Uhr kam dann der gesuchte Bus in Sicht, wir sprangen auf und gaben wilde Zeichen, aber der Bus fuhr einfach vorbei. Gesehen hatte er uns, warum nahm er uns nicht mit? Diese Frage beschäftigte uns dann eine ganze Weile, ohne uns dem Quartier näher zu bringen. Es hieß Geduld beweisen. Wir gaben dem Bussystem der Insel noch eine Chance, der Bus, der zwischen 13 und 14:00 Uhr vorbei kommen müsste, sollte uns dann mitnehmen. Aber es kam kein entsprechender Bus und die Uhr ging auf 14:00 Uhr zu, wir waren inzwischen ziemlich gefrustet und bereit, viel Geld für den notwendigen Transfer auf den Tisch zu legen. Nicht bemerkt hatten wir, wie ein Polizeifahrzeug während unserer mehr als 2 1/2-stündigen Warterei mehrfach an uns vorbei gefahren war. Umso erstaunter waren wir, als plötzlich der Polizeibulli neben uns am Wartehäuschen anhielt und wir gefragt wurden, wohin wir denn wollten. Auf unsere Antwort hin erhielten wir eine niederschmetternde Auskunft. Heute am Samstag würden die Busse sehr selten fahren und ab 14:00Uhr bis zum Montagmorgen den Betrieb einstellen. Tolle Aussichten, um an unser Ziel zu kommen. Nachdem die Polizisten in unserer Herberge vergeblich angerufen hatten, um darüber einen Transfer möglich zu machen, bot Dany, einer der drei im Wagen befindlichen Polizisten an, uns nach dem Ende seiner Schicht, d.h. in 15 Minuten zum Quartier zu bringen, er würde nur zwei Kilometer entfernt wohnen, es läge praktisch auf dem Weg. So nahm das Ärgernis Busfahren doch noch ein gutes Ende und wir erfuhren wieder einmal, wie freundlich und hilfsbereit viele Menschen uns auf unserer Reise begegnen.

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Tahiti ist gemeinhin ein Synonym für Französisch Polynesien, wenn nicht sogar für Polynesien überhaupt. Aber Polynesien mit Tahiti gleichzusetzen würde dieser Hauptinsel zu viel Ehre erweisen. Aber das mussten auch wir erst noch erfahren. Auch wir hatten vor Augen, Tahiti sei eine Insel voller Traumstrände mit einer ebenso traumhaften Berglandschaft im Rücken der Strände, ruhiges, entspanntes Leben, Menschen voller Lebensfreude und ohne Stress, einfach : die Blume im Haar und Musik im Ohr. Daß die wirtschaftliche und kulturelle Stadt der Insel, Pape’ete etwas anders tickt, als man es in Polynesien erwartet, ist verständlich, also mehr Verkehr, Hektik, Lärm etc. Aber dies sollte sich nicht auf die anderen Attribute einer Südseeinsel (Meer, Strand, Landschaft) negativ auswirken. Unser Quartier hatten wir auch unter dem Gesichtspunkt Nähe zu einem schönen Strand ausgesucht; 300 Meter Gehweg zu einem der, wie es heißt, schönsten Strände der Insel, war uns da nicht zu lang. Die Strecke stimmte auch, aber schöner Strand? Wir fanden einen gut 3 Kilometer langen Sandstrand vor,der manchmal auch 20 Meter breit war, nicht an jeder Stelle es ermöglichte, über Sand ins Meer zu gehen, sondern sich durch ein Kiesbett zu tasten. Aber das größte Manko war, es fehlte fast jeglicher Baum. Südsee ohne Palmen oder andere den im Sand Liegenden beschattende Bäume suchte man hier vergeblich. Wenn es Schatten gab, dann eher zufällig durch einen Baum in einem an den Strand angrenzenden Luxusgrundstück. Dennoch, der Strand war ein gesuchter Fleck Erde, denn am Wochenende steppte hier der Bär – Rimini in Tahiti, nichts für uns. Ein anderes Bild dann am Wochentag, abends hatten wir den Strand fast für uns, ebenso wie den Blick hinüber nach Moorea.

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Auch wenn wir unmittelbar an der Ortsgrenze zu Pa’ea wohnten und inmitten einer Vielzahl von Unterkunftsmöglichkeiten, die Restaurantdichte war mehr als gering. Anscheinend ist man hier ohne Auto aufgeschmissen, denn akzeptable Restaurants lagen allesamt mehr als 5-6 Kilometer Richtung Pape’te. Zum Glück gibt es ja die “roulottes”, diese fahrbaren aber im Grunde an einem festen Ort auch oft mit festen Bauten etablierten Gaststätten für das gewöhnliche Volk. Hier vorbei zu schauen heißt auch, die Einheimischen zu treffen, die wie es aussah in größerer Zahl nicht nur am Wochenende die Küche am Abend kalt ließen und hierher mitsamt der Familie zum Essen gingen oder aber ihr Essen verpackt abholten. Und rund um unser Quartier in einem Umkreis von 2 Kilometern gab es eine Mehrzahl dieser Betriebe, alle mehr oder weniger stark besucht. Aus der Vielzahl der Betriebe auf eine sehr unterschiedliche Speisekarte zu schließen führt hier in die Irre. Es scheint, als wenn sich alle abgesprochen hätten. Bis auf die Ausnahme des Pizzabäckers sieht bei allen (!) die Speisekarte identisch aus, jeder bietet die gleichen Speisen an, d.h. bei einem essen bedeutet bei jedem gegessen zu haben. Keine Verlockung auf Dauer, nur im Notfall. Nachdem wir zwei dieser Betriebe mit unserem Besuch beehrt hatten, kochten wir an den weiteren Abend in unserer Küche, denn wir hatten ja ein großes Zimmer mit Miniterrasse und Kochgelegenheit gebucht, eigentlich nur für unser selbst zubereitetes und vernünftiges Frühstück gedacht – wer isst schon gerne nur weißes Brot und Milchkaffee a la Francaise? –, so wird eben eine umfangreichere Nutzung daraus.

Zwei wichtige Ziele hatten wir für unseren Besuch auf Tahiti auf dem Wunschzettel; zum einen war dies das in der Nähe von Taravao befindliche Gauguin Museum, zum anderen wollten wir den Hinweis von Josef aus Rapa Nui aufgreifen, der uns eine Fahrt quer durch die Insel von Papeari an der Südküste nach Papenoo an der Nordküste wärmstens empfohlen hatte, hier sei die Insel noch typisch. Und wenn schon auf der Insel, wollten wir uns auch Pape’ete ansehen. Da montags gemeinhin die Museen geschlossen sind blieb uns für das Gauguin-Museum und die damit verbundene Inselrundfahrt nur der Dienstag. Dany hatte uns von einem Besuch Pape’etes am Sonntag abgeraten, sonntags sei die Stadt ruhig und leer, damit war auch der Montag verplant. Wenn schon die Inselbewohner am Sonntag entspannen, dann steht uns auch dieses Recht zu, lesen, schreiben, faulenzen, an den Strand gehen, schwimmen waren die Hauptbeschäftigungen dieses Tages.

Am Montag konnten wir dann den funktionstüchtigen Busverkehr der Insel testen und müssen ihn loben. Relativ preisgünstig brachte uns Le truck bis an die Endhaltestelle in Pape’ete gegenüber der Touristeninformation und dem Kreuzfahrtterminal. Ein sehr eifriger Mitarbeiter zeigte uns und wohl auch seinen drei Anlernlingen, wie man einen Touristen umfassend berät. Dabei ließ er so gut wie keine der Sehenswürdigkeiten aus und war in seinem Erklärungsbedürfnis kaum zu stoppen. Zumindest erfuhren wir eine Bestätigung der von uns als betrachtenswert eingeschätzten Ziele. Mit einem Stadtplan sowie einer Broschüre zum Perlenmuseum ausgestattet, machten wir uns auf den Weg. Und wieder kreuzten unseren Weg unzählige meist ältere Kreuzfahrtschiffgäste auf dem Weg in oder aus der Stadt. Ein Riesendampfer hatte angelegt und seinen Gästen Landgang ermöglicht. Natürlich wurden diese am Kai mit der landesüblichen Folklore und Musik begrüßt. Wir bemühten uns, auf unserem Rundgang einige der aus der Kolonialzeit stammenden Gebäude zu sehen und begannen mit der Kathedrale von Papeete. Ein Kirchengebäude, das in keiner Weise mit den Prunkbauten der katholischen Kirche in Europa zu vergleichen ist, eher eines von der schlichten Art aus 1875. Vorbei an einem neueren Fresko, in dem die Geschichte der Meuterer der Bounty dargestellt wurde, ging es zum Tarahoi Platz, um den herum auch in früheren Zeiten das politische Herz der Insel und von ganz Französisch Polynesien als Kolonie schlug, mit u.a. den Gebäuden der Französisch-Polynesischen Versammlung, der Residenz des französischen Hochkommissars. Auch der Banyan Baum, auf den Gauguin angeblich immer hinaufgeklettert sein soll, inzwischen fast 400 Jahre alt, steht hier, liegt aber, wie alle übrigen Gebäude gut durch einen Zaun vor dem Zugriff durch die Touristen geschützt. Uns fielen nur sehr wenige an die Kolonialzeit erinnernde Gebäude in der Innenstadt auf; zu erwähnen ist das Krankenhausgebäude Vai’ami oder das Pharamcist Haus (Wohnhaus des Pharmazeuten des Krankenhauses), das war es aber auch schon. Und damit ist die Liste der eigentlich sehenswerten Baulichkeiten “abgearbeitet”. Zur Entspannung seiner Bürger sind eine ganze Anzahl von Gärten und Parks in der Stadt verstreut, manche extrem klein, aber wirkliche Oasen, manche sehr aufwendig, wie der Bougainville Park, wieder andere, wie die sich an der See bis zum Hafen entlangziehende Parkanlagen, modern gestaltet mit mehr Flanierflächen als Grünflächen. Einen längeren Stop legten wir im Perlenmuseum ein; im Grunde ist dies ein kleiner Annex an die Verkaufsräume des Juweliers und Perlenhändlers Robert Wan, dennoch informativ für denjenigen, der in Sachen Perlenzucht, Perlenfischen, Verarbeitung, Qualität etc. wie wir völlig unbedarft ist. Als Informationsquelle zu empfehlen, da die Präsentation sehr anschaulich ist. Wer mit gut gefüllter Brieftasche hier herein kommt, kann ohne Probleme mit einer leeren aber einer schönen Perlenkette im Kästchen wieder herausgehen. Für uns ein Wahnsinnspreis, aber für eine sehr große schwarze Perlenkette von höchster Qualität wurde ein Preis von über 1,0 Mio. Euro genannt. Wie preiswert erscheinen dann Exemplare in der Preisklasse mittlerer Einfamilienhäuser. Unsere Brieftasche war nicht ausreichend gefüllt, zudem haben wir die Absicht, noch eine Weile mit den verfügbaren Mitteln auf unserer Reise auskommen zu wollen.

Fasst man den Eindruck von Pape’ete zusammen, so ist die Notwendigkeit, hier einige Stunden zu verbringen, nicht erkennbar. Zu häßlich und ohne Flair ist die Innenstadt, zu austauschbar das, was wir sahen. Mit einer gewissen Nachlässigkeit in Umweltfragen und Schmutz rechnet man immer; auch hier wurden wir in dieser Hinsicht nicht überrascht. Einzig der große überdachte und im Herzen der Stadt gelegene Markt, in dem man nahezu alles kaufen und vieles an den Ständen auch essen kann, hebt sich in unseren Augen heraus. Pape’ete war so gesehen eine Enttäuschung und wir waren froh, am Nachmittag wieder in unserem Bus Richtung Pa’ea zu sitzen.

Bleibt noch der Hinweis zu geben : da der Fotoapparat vergessen worden war, konnte das Gesehene nicht dokumentiert werden. Angesichts des enttäuschenden Besuchs sind die fehlenden Bilder für uns kein wirklicher Verlust.

Unser letzter Tag auf Tahiti sollte Fahrtag sein; um 09:00 Uhr nahmen wir unseren Renault Clio in Empfang, für die vorgesehene Strecke sinnvoller als eine Vespa. Auch auf Tahiti gibt es den Ahus auf Rapa Nui ähnelnde Zeremonieanlagen, die Maraes. Unweit unseres Quartiers war in den Karten eine entsprechende Anlage am Meer verzeichnet. Während jeder Strandzugang durch Schilder gekennzeichnet wird, den Hinweis auf dieses archäologische Monument haben wir trotz Nachsuche nicht gefunden. Belohnt wurde unsere Suche dann 15 Kilometer weiter östlich mit dem Maraa Grotto, einer sehr großen und in Grundzügen restaurierten Anlage. In einem großen Park und umgeben von riesigen Bäumen steht die sich den Hang bis zur obersten Plattform hochziehende Anlage. Je höher es hinaufging, um so weniger Menschen damaliger Zeit waren zugelassen bis auf der letzten Plattform vor dem “Altar”, der aus drei Ebenen besteht, nur noch die Priester und der oberste weltliche Herrscher, sitzend an den schwarzen Sitzstein gelehnt, anwesend sein durften. Seitlich soll es eine Stelllage gegeben haben, auf denen Opfer dargebracht wurden. Welche Art Opfer – wir wissen es nicht. Auch die aufstehenden rötlichen Holzschilder haben eine besondere Bedeutung; so wie wir es verstanden haben sollen sie das Firmament halten?! Derartige Plätze wurden von der damaligen Gesellschaft sowohl für religiöse als auch Kriegszeremonien genutzt. Für uns als Betrachter erstaunlich, wie diese einfach aufeinander geschichteten teilweise sehr rundlichen Rand- und Mauersteine den enormen Druck der zentralen Steinmasse abfangen konnten.

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Unweit dieses Marae liegt der Ort Mataiea, an dem Gauguin einige Jahre gelebt hat. Auch hier gibt es eine archäologische Stätte, die aber so gut versteckt ist, daß wir sie trotz eifrigen Suchens nicht gefunden haben. Stattdessen stießen wir auf einen wunderschönen praktisch nur von Surfern genutzten langen, sanft abfallenden schwarzen Sandstrand, vor dem sich die Wellen für die Surfer optimal aufbauten. Einige Zeitgenossen haben sich in Strandnähe einige Behelfsbauten errichtet, um dem Wasser und seinen Wellen ganz nah zu sein. Zahlreiche Sportler lagen mit ihren Brettern weit draußen im Wasser und warteten auf die passende Welle, um sie abzureiten.

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Anschließend galt es, die Augen für die Abzweigung für unsere Inseldurchquerung, die in der Nähe von Papeari liegt, offenzuhalten. Nach mehreren Anläufen hatten wir endlich die richtige Straße gefunden, fuhren in das landeinwärts führende Papenoo-Tal entlang des Flüßchens hinein, um nach etwa 5 Kilometern von einer über die Straße gespannten Kette aufgehalten zu werden. Uns war bekannt, daß ab etwa Kilometer 18, aber jenseits interessanter archäologischer Stätten die Straße tunlichst nur noch mit einem Allradfahrzeug befahren werden sollte/durfte. Die Sperre jetzt konnten wir uns nicht erklären. Eine kleine Tafel am Straßenrand wies auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2010 hin, wonach von hier an die Straße sich auf Privatland befindet, ein Befahren verboten ist. Auch eine Nachfrage bei einem dort wohnenden Jugendlichen gab weder Aufklärung noch Möglichkeit zur Weiterfahrt. Enttäuscht drehten wir um und freuten uns bereits auf unser nächstes Fahrtziel, das wenige Kilometer weiter liegende Gauguin-Museum. Auch in der Touristeninformation in Pape’ete wurde der Museumsbesuch besonders empfohlen. Ohne Probleme fanden wir Parkplatz, Museum und einen schattigen Platz zum Parken. Schön gelegen ist die Museumsanlage, direkt am Meer, in Nachbarschaft ein botanischer Garten und ein toller Ausblick auf Meer und Lagune. Dem Eingang näherkommend bemerkten wir Bauarbeiter, maßen dem aber keine große Bedeutung zu, denn Renovierungsarbeiten können immer anfallen. Doch dann der Schock, das Museum ist wegen Bauarbeiten geschlossen. Scheint man das in Pape’ete nicht zu wissen? Wir zumindest waren sehr enttäuscht, war dieser Museumsbesuch doch ein wesentlicher Grund für unsere Inselrundfahrt.

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Mit ziemlich viel Wut im Bauch setzten wir unsere Fahrt fort und gelangten bald über die Landenge bei Taravao auf den Inselteil Tahiti Iti. Der Inselteil Tahiti Nui, den wir bislang auf der Ost- und Südseite umrundet hatten, wurde, je weiter wir uns von Pape’ete entfernten, attraktiver, zum einen, weil nicht mehr jeder Strandmeter bebaut war, zum anderen erschien uns das Gebirge immer wuchtiger, kantiger, interessanter als  in der Umgebung vom Hauptort. Grün war es überall, auch die Gärten und die Straßenbepflanzung war oft eine Augenweide

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Man kann Tahiti Iti nicht umrunden, sondern sowohl auf der Süd- wie auch der Nordseite nur bis zu einem Endpunkt fahren. Die Bevölkerungsdichte nimmt hier immer weiter ab, verständlich, wenn dann große Straßenprojekte gar nicht erst in Angriff genommen werden Immer ursprünglicher, ruhiger und einfacher erschien uns die Landschaft, das Leben und die Menschen hier fernab der Hauptstadt. Nach wie vor zog sich die Bebauung entlang des mehr oder weniger schmalen Landstreifens vor den nicht immer sehr steil aufsteigenden Bergen. Spektakuläres gab es hier nicht zu sehen, die Strände waren kleiner, aber nicht weniger schön, das Meer oft sehr viel leichter zugänglich, und manchmal auch richtig gut zum Surfen geeignet, wie an unserem Wendepunkt auf der Südseite, Teahupo’o.

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La vache que rie, kein Witz, aber dieser Werbespruch fiel uns in der Nähe von Taravao ins Auge, die Stadt auf der Landenge, eher einer Ebene zwischen Tahiti Nui und Iti. Hier wird bis hinauf auf die Hänge der niedrigeren Berge von Tahiti Iti intensiv Landwirtschaft betrieben, Kuhherden stehen auf den großen Weideflächen. Auf dem Weg hinauf zu einem Aussichtspunkt oberhalb von Taravao konnte man das Gefühl haben, im heimischen Mittelgebirge mit seinen Wiesen, Weiden und Wäldern unterwegs zu sein.

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Die Nordseite von Tahiti Iti, von Touristen eher selten besucht, ist unter dem Gesichtspunkt Entdeckung der Insel, Einflußnahme auf die Inselentwicklung von besonderer Bedeutung. So landete Cook hier, die ersten Missionare kamen hier 1772 an, ohne jedoch großen Erfolg bei der Bekehrung der Insulaner zu haben. Es wird behauptet, durch die später in Tautira angelandeten französischen Missionare sei die Inselübernahme durch die Franzosen und das Ende des Protestantischen Monopols ermöglicht worden. Die Fahrt an das am Straßenende dieser Inselseite liegende Örtchen Tautira führte an eher schroffen Bergmassiven auf Landseite, schmalen Stränden an Seeseite vorbei, durch kleine Siedlungen, in denen die Zeit stehen geblieben war – alles ging hier sehr ruhig seinen Gang. Tautira, auf einer kleinen Halbinsel gelegen, war wohl früher für die französische Marine von Bedeutung gewesen, darauf deuten die zahlreichen Militärbauten, die offensichtlich nicht mehr genutzt werden, hin. Sehenswertes findet man hier nicht, es sei denn, die wunderschönen Aussichten auf Meer und Berge werden in diese Rubrik eingeordnet.

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Von der Nordseite Tahiti Nui wollten wir bei Papeno’o versuchen, in Richtung Süden durch die Insel zu fahren, um etwas mehr vom Inselinneren, seinen Bergen und seiner Vegetation zu sehen. Die zunehmend mit immer mehr Schlaglöchern durchsetzte Piste setzte nach gut 10 Kilometern unserer Erkundungsfahrt, die über besondere Brückenkonstruktionen dem Tal entlang in Richtung Inselnationalpark führte, ein Ende, wir kehrten um. Grün war es hier, dicht bewaldet an vielen Stellen, aber den Inselurwald, die ursprüngliche Landschaft bekamen wir bei diesem kurzen “Vorstoß” leider nicht zu Gesicht. Es blieb eine Enttäuschung.

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Während so langsam der Abend nahte, erreichten wir in der Nähe von Mahina einen Küstenabschnitt, an dem es von Surfern nur so wimmelte. An mehreren Buchten waren die Bedingungen zum surfen ideal, nahezu jeder verfügbare Parkplatz in Strandnähe war belegt. Auf engstem Raum bewegten sich die Sportler im Wasser und warteten auf ihre Chance für einen guten Ride. Bislang hatten wir eher im TV Wellenreiter in Aktion gesehen; hier direkt vor unseren Augen sie zu Dutzenden ihren Sport ausüben zu sehen, den Wellenkämmen entlang zu reiten, von den Wellen ausgehoben zu werden, in hohem Bogen “abzusitzen”, war beeindruckend und ein schöner Abschluß unserer Rundfahrt.

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Was bleibt nach unseren gut drei Tagen auf Tahiti : Tahiti muß man nicht unbedingt besuchen, es gibt eindeutig schönere und lohnenswertere Inseln in Französisch Polynesien. Wir haben hier wenig ursprüngliches vorgefunden, vieles ist, verständlicherweise, sehr touristisch ausgerichtet, wobei das Natürliche verloren gegangen ist. Unser Ziel, mehr von der Inselnatur zu sehen, haben wir nicht erreicht. Vergleicht man Tahiti Nui mit Tahiti Iti, fällt unsere Wahl auf die kleinere östlichere Insel; hier haben wir mehr von dem vorgefunden, was wir mit Südsee verbinden. Heute erneut vor die Entscheidung gestellt, welche Insel(n) wir bereisen möchten, würde Tahiti mit Sicherheit nicht dazu gehören, wir hätten Wege finden sollen, einige Zeit auf Moorea zu verbringen. Schade!

Vielleicht und hoffentlich haben wir mit unseren künftigen südseebezogenen Reiseentscheidungen ein besseres Händchen. Vorerst endet unser Südseeabenteuer, Neuseeland wartet auf uns.

Eine wichtige Beobachtung bleibt nachzutragen. Wir haben uns auf unseren Gängen immer wieder gewundert, welche Körpermassen Mann, Frau und Kind mit sich herumtragen. In unseren Augen ist dieses Volk ein fettes Volk. Als Erklärungsmöglichkeit erinnerten wir uns an die Massen, die wir in den fastfoodähnlichen Gaststätten gesehen hatten, eine gesunde Ernährung ist das nicht gerade. Katrins Forscherdrang wurde geweckt, die Recherche belohnt.  Sie fand den Hinweis, die Bevölkerung von Tahiti/Französisch-Polynesien sei zu 70 % (!!) übergewichtig. Da kommt auf das Gesundheitssystem aber eine Lawine zu, müssen Arbeitsplätze, um nicht zu diskriminieren, anders gestaltet werden.

Angekommen im Paradies – fast, Teil 2

Auf einer Insel leben bedeutet für die Bewohner auch der tägliche Umgang mit der See. Schon früh werden die kleiner Scheißer an das Wasser, die Wellen und das Meer gewöhnt. Immer wieder konnten wir insbesondere Mütter mit den kleinen Knirpsen im flachen Wasser stehen sehen, wie sie ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Es ist davon auszugehen, daß die Insulaner sich ganz gut über Wasser halten können, wenn es ernst wird. Daraus aber zu folgern, die Insulaner würden in Massen richtig schwimmen, ist ein Fehlschluß. Nur selten sahen wir den einen oder anderen, der/die nicht im sichten Wasser stand oder saß, sondern weiter draußen seine Bahnen zog. Schwimmen können ist also eine Frage des Überlebens, aber nicht eine Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen. Andere Wassersportarten  stehen hier im Vordergrund, wobei insbesondere das Fahren der oft mit einem Ausleger versehenen Kanus, den Outriggern, allem anderen vorgezogen wird. Wenn die Tageshitze so langsam abgeklungen ist, der Abendwind eingesetzt hat, sieht man den einen oder anderen, sein Boot auf der Schulter ins Wasser tragen, um dann für eine ganze Weile in der Lagune herum zu paddeln. Nicht immer ist man dabei allein, manchmal hat man sich wohl mit einem/mehreren Kumpels verabredet, oft besetzen 3-6 Paddler ein entsprechend großes Boot und durchkreuzen die Lagune. Schülerinnen und Schüler haben es in Sachen Schulsport auf der Insel gut, sie dürfen paddeln gehen, zwar im allgemeinen in der Hitze des Tages, aber auf dem Wasser. Scheinbar finden nicht alle Schüler diesen Sport so interessant, um sich mit Engagement an der Ausübung zu beteiligen. Zweimal hatten wir das Vergnügen zu erleben, welcher Anstrengung es bedurfte, eine Truppe von 15-20 Schülerinnen und Schüler dazu zu bewegen, sich umzukleiden, die Boote in gemeinsamer Aktion für die Ausfahrt vorzubereiten, sie ins Wasser zu tragen, sich wie vereinbart in die jeweilige Bootsmannschaft einzugliedern, das Boot zu besteigen und in einer Art Takt dann auch zu paddeln. Das durchdringende Organ der Sportlehrerin war weithin vernehmbar, die ausgerufenen Kommandos, Aufforderungen prallten an einem Gutteil der Schüler ab – die Geduld der Lehrerin muß man bewundern, denn offensichtlich ließen einige Schüler alles an sich abperlen. Irgendwann nach mehr als einer halben Stunde stach die kleine Bootsflotte in See, die Rufe der Lehrerin, die mit einem kleinen Motorboot die Truppe begleitete, konnte man weit über die Lagune schallend lange hören.

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Man sollte meinen, in diesen Breitengraden und bei so einer kleinen Insel ist der Regen äußerst selten, zumal es sich um keine wirklich große Landmasse handelt auf der zudem sich auch keine wirklich hohen Berge befinden. Dennoch, es regnete täglich, und das war auch gut so. Die kurzen Regenschauer tagsüber, sie hielten meist nur wenige Minuten an, brachten eine kleine Abkühlung, ohne der Natur die wirklich notwendige Feuchtigkeit zu bringen; man konnte fast glauben, der Regen verdunstet, bevor er den Boden berührt hat. Wichtig waren die heftigen und anhaltenden Regengüsse während der Nacht. Am nächsten Morgen waren dann die Pfützen auf manchen Wegen wieder so groß, daß man kaum eine Möglichkeit fand, sie zu umgehen. Dann war die Luft nicht nur gereinigt, sondern die unheimlich große Blumenpracht in den zahlreichen liebevoll gepflegten Gärten konnte weiter aufblühen. Selbst vor einer noch so kleinen und unscheinbaren Hütte war, wenn möglich, Grün angepflanzt, wenn nicht im Beet, dann standen unzählige Töpfe und Töpfchen mit Blumen herum, um die sich die Bewohner auch kümmerten. Für uns gehört diese Blumen- und Pflanzenpracht ebenfalls zu dem Bild einer Südseeinsel.

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Wir hatten schon auf Rapa Nui zahlreiche Menschen gesehen, die das eine oder andere Tatoo trugen. Hier auf Huahine war die Tätowierungsdichte noch um einiges größer. Das Tatoo als Schmuck war/ist weit verbreitet. Dabei wird anscheinend kaum eine Körperpartie ausgelassen, ist jede Altersgruppe an diesem Schmuck interessiert, beschränkt sich die Körperbemalung nicht auf Männer, sondern Frauen tragen mindestens ebenso häufig dauerhaft ein oder mehrere “Bilder”” auf ihrer Haut. Man muß neidlos anerkennen, manche der Tatoos schmücken die Person, bei manchen fragt man sich aber auch, ob die Entscheidung einer Tätowierung in Anbetracht eines deutlich übergewichtigen Körpers überlegt war, denn es wirkte peinlich. Beeindruckt waren wir von den sehr aparten Tatoos, die die Mutter von Tamatea, eine die Kultur der Insel hochhaltende und an die Enkelkinder weitergebende mindestens 50 jährige weißhaarige Insulanerin, trug. Eine kleine, drahtige und fixe, vom Erscheinungsbild auch grauhaarig nicht dem üblichen Klischee entsprechende Inselbewohnerin.

Es sieht so aus, als wenn wir manchmal leider nicht zur richtigen Zeit am jeweiligen Ort sind. Hatten wir bislang bei unseren Versuchen, eine zünftige Raftingfahrt zu erleben, dreimal einen leider vergeblichen Anlauf unternommen, Absagen mangels ausreichender Nachfrage, war uns dieses Glück auch hier auf Huahine treu. Es ging nicht um Rafting, aber wenn man sich auf einer von einem Korallenriff umgebenen Südseeinsel  befindet, ist es ein besonderes Erlebnis, diese Insel von der Lagune aus zu betrachten, die Lagune selber und sein Riff einmal aus der Nähe zu erfahren. Agenturen, die derartige Ausflüge vermitteln, sucht man auf Huahine vergeblich, wir haben zumindest keine aufgespürt. Da kann das Internet und natürlich der Wirt weiterhelfen. Über das Netz hatten wir von einem Anbieter erfahren, der eine Ganztagestour um wesentliche Inselteile herum verbunden mit ausgiebigen Schnorchelmöglichkeiten im sogenannten “Aquarium” am Riffdurchbruch und einem Besuch einer kleinen Koralleninsel zu einem stolzen Preis anbietet. Der Preis war uns die Fahrt wert, Anmeldung per Internet. Auf diesem Weg kam dann auch die Bestätigung verbunden mit dem Hinweis, eine Durchführung bedürfe einer Teilnahme von sechs Personen, bislang hätten nur wir uns angemeldet. Teuru baten wir am Abend, damit wir für den folgenden Tag Planungssicherheit hatten, telefonisch nachzufragen mit dem schon erwartetet Ergebnis. Wieder einmal – oder vielleicht doch zum Glück – waren zu wenig Besucher vor Ort, gab es zu wenig Interessenten. Manchmal ist es schön sich an Orten aufhalten zu dürfen, an denen man nicht alle paar Meter auf andere Touristen stößt, bleibt es damit ruhig vor Ort; andererseits leben viele Menschen an diesen Orten vom Zuspruch von außen und wir hätten dann vielleicht auch die Chance dieser Lagunenfahrt gehabt. Da uns dann bekannt wurde, der von uns angefragte Anbieter, der einzige vor Ort, sei derjenige, der die Haie anfüttert, verschmerzten wir das entgangene Erlebnis leichter.

Die Tage auf Huahine wollten wir genießen, Strand, Sonne und Meer uns zum faulenzen anregen. So richtig faule waren wir nie, aber große Wanderungen haben wir auch nicht unternommen. Es wäre sehr interessant gewesen, Teuru hatte uns in Begleitung eines Guides empfohlen, in einer guten Halbtageswanderung auf den zentralen Berg der Insel,der Mont Turi mit seinen fast 700 Metern, der hinter Fare sich erhebt, zu wandern. Die Erfahrung, schon bei kleineren Anstrengungen, ja Bewegungen, schweißnaß zu sein, die sengende Sonne, hat uns diesen wohlgemeinten Vorschlag nicht aufgreifen lassen. Dann belassen wir es lieben bei den kürzeren Spaziergängen in unserer näheren Umgebung. Nur auf den Umkreis von gut 3-4 Kilometer um unser Quartier wollten wir uns aber auch nicht beschränken. An die Stelle eigener Anstrengungen bei Wanderungen trat jetzt die bequemere und luftige Fortbewegung per Vespa. Der 16.1. war der Tag der Inselerkundung. Korrekterweise muß gesagt werden, Huahine besteht aus zwei Inseln, Huahine Nui, auf der unser Quartier und das Hauptdorf sich befinden,  und Huahine Iti, die kleinere Schwester um Süden, mit Huahine Nui über eine kleine Brücke verbunden.

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Nördlich von Fare liegt ein See, Fauna Nui, den nur eine schmale Landzunge vom Meer trennt und über einen kleinen Abfluß mit diesem verbunden ist. Landwirtschaft ist auch für die Insel wichtig, leider ist sie so wichtig, daß die Äcker und zahlreiche Wohngrundstücke es unmöglich machen, näher an den See als auf Sichtweite heran zu fahren oder zu gehen. Eine gewisse Entschädigung erfuhren wir durch die Baumallee, die wir nördlich des Sees durchfahren konnten, die immer wieder möglichen Blicke Richtung Meer, die von Korallenabbrüchen übersäten Strände, die Ruhe und Abgeschiedenheit.

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Tolle Strände gibt es hier im Norden der Insel, zwar kein Sandstrand, aber Buchten, von denen man träumen kann und immer in Sichtweite das Korallenriff, über das die Wellen hinwegrauschen, gebrochen werden. Verwunderlich, wenn in unmittelbarer Nähe der Cité de Corail das x-Sterne Hotel Sofitel, in einem großen schönen Park sowie an einem besonders attraktiven Strand mit Blick auf den Motu Mahare gelegen, nicht mehr betrieben wird. Weiträumig abgesperrt gammelt die Bausubstanz seit Jahren vor sich hin, wird jedoch bewacht, damit keine Unbefugte sich hier einnisten. Den Strand haben wir inspiziert und hätten die möglichen Gäste um diesen und die Lage beneidet. Kristallklares Wasser, schöner flach abfallender Strand, wenig Strömung, viele Korallenfelsen in erreichbarer Nähe, großer Fischreichtum, also ein Schnorchel- und Badeparadies. An Stelle von Urlaubern nutzen Einheimische die günstige Lagunenlage und verschaffen sich mit einfachen Mitteln die Grundlagen für ein Mittagessen. Binnen kurzer Zeit hatte die in der Lagune stehende Frau mit Hilfe ihrer Angelschnur und einem mit kleinen Fischstückchen bestückten Angelhaken eine nennenswerte Anzahl mittelgroßer Fische “an Land gezogen”. Für sie war es ein erfolgreicher Vormittag.

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Hatten wir auf Rapa Nui ausführlich die dort befindlichen Zeremonieplätze, die Ahus, besucht, konnten wir hier natürlich nicht an deren Verwandten, den Maraes achtlos vorbeifahren. Im auf der östlichen Inselseite Huahine Nuis gelegenen Maeva konzentrieren sich die Kultplätze der Insel. Dieser Ort war früher praktisch der Hauptort der Insel, wohnten hier sämtliche Clanführer in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. An den Maraes gedachten und ehrten sie ihre Vorfahren, beschworen ihren Geist und ihre Hilfe. Diese Maraes unterscheiden sich in mehrerer Hinsicht auch für uns Laien von den Ahus auf Rapa Nui. zum einen ist die Plattform deutlich höher ausgefallen, zum anderen weist sie eine zweite sehr schmale Ebene auf. Vergleichbar sind die großen Steinplatten der Umgrenzung, die mit allerlei Steinmaterial aufgefüllt wird. Diese zweite Plattform, so heißt es, sei der Sitzplatz für die oder den Gott gewesen; ein anderes Mal heißt es, die zweite Plattform diente als Rückenlehne für die Clanchefs oder die Priester. Der Marae stand in einem umgrenzten Hof, oft sieht man die Umfassungsmauer in Rudimenten noch; inwieweit die außerhalb dieser Mauerreste sichtbaren Teile eine besondere Bedeutung für den Platz hatten, wir wissen es nicht, haben auch keine Hinweise in dem kleinen örtlichen Museum gefunden. Beachtenswert ist vielleicht der Hinweis, in einer Ecke des eingegrenzten Platzes habe ein Haus des Gottes gestanden, in dem für die Verehrung des Gottes wichtige Utensilien aufbewahrt und Tag und Nacht bewacht worden seien. Der Bedeutung des Ortes für die Inselbewohner bzw. den jeweiligen Clan entsprechend seien unter den vier Eckpfosten jeweils Menschenopfer vergraben worden. Das es derartige Häuser gegeben hat, ist von Augenzeugen im 19. Jhd. bezeugt worden; ob es Menschenopfer gab, ist nur eine Vermutung. Umgeben von mehreren Maraes wurde ein ehemaliges Versammlungshaus der Inselbewohner, die Fare Pote’e, restauriert und ist nun Ort einer kleinen Ausstellung über die Kultur und Geschichte der Inselbewohner. Obgleich die archäologischen Untersuchungen der hier im Umfeld aufgefundenen sehr zahlreichen Maraes seit 1925 immer wieder erfolgten, vor Ort ist nicht allzu viel zu erfahren.

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Die größte Marae-Anlage, inzwischen auch restauriert, aber wieder den Natureinflüssen überlassen, befindet sich auf der Maeva gegenüberliegenden Landzunge, das Marae Manunu. Die eigentliche Zeremonieplattform ist etwa 40 Meter lang, 7 Meter breit und gut 2 Meter hoch und weist eine zweite Ebene auf. Innerhalb des Umgrenzungsmäuerchengevierts findet sich ein kleiner ebenmäßiger Steinhaufen; hier soll das Grab des letzten hohen Priesters von Maeva, des Raiti, sein. Dieser Marae war anfangs dem für Huahine Nui wichtigen Gott Tane gewidmet, dem Gott der Perfektion und Menschlichkeit. Später gesellte sich zu diesem der Gott Oro, der Gott des Krieges und der Fruchtbarkeit. Beiden wurde am Marae Mananu gedacht, ihnen Opfer gebracht. Für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wie in der damaligen Zeit ein Gott gleichzeitig für den Krieg und das Sterben sowie für das Leben als Folge der Fruchtbarkeit stehen sollte.

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Unweit von Maeva befindet sich der Abfluß des Sees Fauna Nui in das Meer. Ebbe und Flut beeinflussen die Wasserbewegungen in diesem Abfluß erheblich. Dies haben sich die Bewohner von Maeva seit Jahrhunderten zu Nutze gemacht und besondere Form der Fischfallen gebaut. In den Strom wurden v-förmige Mauern gesetzt, an deren Ende dann in einem Kessel Netze ausgebracht wurden, in die das abfließende Wasser bei Ebbe die Fische hineinzog. Einige dieser Fischfallen sind noch heute in Betrieb.

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In Faie kann man eine geschützte besondere Aalart in einem Flüßchen bestaunen, die blauäugigen Aale. Da man heraus gefunden hat, daß diese Aale besonders auf Sardinen ansprechen, steht ein kleiner Verkaufsstand in der Nähe des Baches und bietet seine Konservensardinen an. Auch ohne Fütterung fallen die Fische ins Auge, dafür sorgen schon die hellblau glänzenden Augen. Und nicht wenige schlängeln sich da im Wasser, oft an der Mauer entlang und verschwinden in kleinen Spalten. Einige haben eine beachtliche Länge erreicht.

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Da Huahine auch kleine Berge aufweist, geht unsere Strecke mal auf-, mal abwärts und bietet damit ab und an die Möglichkeit einer Fernsicht. Schön, wenn man aus einer dichten Vegetation hinausfährt und dann einen Blick auf die Nachbarinsel über die Puruvai Bucht erhält, bevor es wieder vielleicht 200 Meter abwärts geht.

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Beide Inseln sind durch eine Brücke miteinander verbunden, von der aus das Meer wieder sichtbar ist. Es zeigt sich, wie nah beide Inseln einander gegenüber liegen.

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Die auf Huahine Nui vorhandene mehr oder weniger dichte Bewaldung setzt sich auf auf Huahine Iti fort; nach jeder Kurve gibt es neue Ansichten von Insel, Meer, Korallenriff und ab und an durchfahren wir auch eine kleine Siedlung. Es gibt zwar einige Ortschaften, die Zahl ihrer Bewohner ist jedoch überschaubar. Je weiter wir von Fare wegkamen, desto häufiger konnten wir sehen, wie die Fischerei wichtiger Bestandteil des Lebend und des Broterwerbs ist. Nicht nur, daß zahlreiche mit Außenborder betriebene kleine Boote am Strand lagen, sondern auch die zahlreichen Fischernetze, die wohl zum Flicken aufgespannt wurden, sprechen hierfür. Die Behausungen waren durchweg einfach, aber immer grünte es drum herum. Der Ostküste von Huahine Iti vorgelagert ist der Motu Murimahora. Die von weitem erkennbare Bebauung mit äußerst ansprechenden Villen in Wasserlage weist auf zahlungskräftiges Klientel hin; angesichts der Entfernung zum Hauptdorf dürften dies eher Ferienhäuser sein.

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Hin und wieder sahen wir auch kleine Strände, unbenutzte Sandstrände, von denen man im Urlaub nur träumen kann und ständig hatten wir das die Inseln umgebende Korallenriff im Blick.

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Nach knapp 80 Kilometern Vespafahrt waren wir am späten Nachmitttag wieder zurück in Fare, hatten trotz Fahrtwind gut geschwitzt. Huahine ist eine wunderschöne sehr abwechslungsreiche Insel, bietet immer wieder neue Blickperspektiven mit tollen Landschafts- und Meeransichten, verfügt über nahezu unbenutzte aber natürlich nicht verschwiegene jedoch atemberaubende Strände, hat eine fröhliche und freundliche Bevölkerung, ist eine Insel, auf der man leben könnte, auch wenn das nicht unser Bestreben ist. Inselbesuch und Rundfahrt haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Am ersten Abend haben wir nur von weitem beobachtet, welch schöner Abendhimmel beim Sonnenuntergang über dem Meer entsteht. Früh genug zurück am Quartier machten wir uns rechtzeitig auf zum Strand. Der Himmel war leider nicht wolkenfrei, es zogen immer wieder größere Wolken durch das Bild. Aber in dieser Stimmung das abendliche Bad im Meer zu nehmen, die Ruhe am Strand und in der Lagune wahrzunehmen, das immer weicher werdende Licht zu sehen, hat uns beschwingt. Da war es wieder, dieses unheimliche Südseefeeling, Ruhe, träumen, Weite, Sonne, Entspannung und Genuß.

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Huahine hat einige auch berühmte Nachbarinseln im Westen, auf die wir von unserem Strand aus ständig blickten. 10 Flugminuten entfernt bilden auf die Entfernung die Inseln Ra’iatea und Taha’a optisch eine Landmasse; hinter ihnen leicht nordwestlich versetzt ragt dann der höchste Berg von Bora Bora, auf. Nicht immer erlaubten die Witterungsbedingungen eine optimale Sicht, und wenn, dann war der Fotoapparat im Quartier geblieben.

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Und dann war er da, der letzte Abend auf unserer Trauminsel Huahine, Zeit das eine oder andere noch im Netz zu recherchieren, die Rucksäcke zu packen, zu entspannen, ein Bierchen in einem Hafenrestaurant bei Livemusik (nicht unser Geschmack gewesen) zu trinken und zu träumen.

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Daß wir gut träumen hat sich wohl auch ein ungebetener Gast gedacht. Wie immer haben wir unsere Terrassentür und das Schlafzimmerfenster nachts geöffnet, damit frische Luft durch das Zimmer zieht und für Abkühlung nach dem heißen Tag sorgt. Geschützt durch ein Mückennetz fühlten wir uns vor Überfällen, insbesondere der Blutsauger, sicher. Ob es der anstehende Abflug, noch zu erledigende Aufgaben oder etwas anderes war,, ich schlief nicht gerade sehr fest. Nächtliche Geräusche sind nichts ungewöhnliches, laufen doch Geckos die Wände heraus und herunter, geben schnalzende Geräusche von sich.  Diese Nacht schienen die Tiere etwas lauter als üblich zu sein, denn es scharrte immer wieder auf der Bambusverkleidung, aber nur sehr kurze Zeit. Ich lag da, schlief, döste. Es mußte deutlich nach Mitternacht sein. Dann wachte ich durch ein etwas heftigeres Geräusch aus, als ob etwas die Bambusverkleidung entlang gezogen wird, ungewöhnlich, unbekannt. In das Dunkel lauschend lag ich ruhig da, die Augen geschlossen. Irgendwann hatte ich den Impuls, die Augen zu öffnen, als es wieder einmal ein etwas lauteres Geräusch gab und sah das Schlafzimmerfenster, deren Brüstung gut 1,80 Meter über dem Boden lag, stark verdunkelt. Es dauerte wohl einige Zehntelsekunden bis mir bewußt wurde, daß sich dort eine Person aufgestützt hatte und uns durch den Vorhang anstarrte, regungslos auf der Brüstung aufgestützt. Dann waren einen lauten Fluch ausstoßend, die Decke zur Seite werfen, das Moskitonetz aufreißend und zum Fenster springen eins, aber ich war nicht schnell genug, um den ungebetenen Gast hinauszukomplimentieren. Er war wohl schneller heruntergesprungen als hinaufgeklettert und davon gestoben. Den Rest der Nacht verbrachten wir dann bei geschlossenem Fenster und Tür, ohne die gewollte Frischluftzufuhr; wahrscheinlich war ab dann war unser Schlaf auch nicht mehr sehr tief.

Unseren Gastgebern war der Vorfall mehr als peinlich, sie entschuldigten sich vielfach, obgleich sie hierzu persönlich gar keine Veranlassung hatten – sie sind sehr freundliche Menschen. Wir haben uns, wieder einmal, sehr wohl in unserem Quartier gefühlt, wurden umsorgt, mit Ratschlägen versorgt, konnten ein abwechslungsreiches und jeden Tag mit anderen Früchten bestücktes Frühstück genießen, uns in einer schönen grünen und gepflegten Gartenanlage aufhalten.Tiere gehören irgendwie dazu, wenn wir nicht frühmorgens durch einen Hahnenschrei geweckt wurden, liefen diese wohl in großer Entfernung durch die Anlage. Diese vier Tage auf Huahine waren ein Gewinn, ein Erlebnis und, fast, ein Leben wie auf einer Trauminsel. Vielleicht kann das unten stehende Bild das Glücksgefühl und die Freude von Menschen auf Huahine wiedergeben wie das unterstehende, mit Tamatea und Mr. Nice.

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Bleibt noch nachzutragen, weshalb Huahine nur fast unsere Trauminsel ist. An Landschaft, Menschen, Meer, Natur liegt es nicht. Wir Gäste aus fremden Regionen sind hier sehr begehrt, vor allem von den Mücken. Wir hätten nie gedacht, daß so viele Mückenweibchen auf uns abfahren. Diese kleinen Quälgeister erreichen mit ausgefahrenem Stachel vielleicht 2-3 Millimeter Länge, der von ihren Stichen zugefügte Juckreiz lässt hingegen auf Monstermücken schließen. Wenn es nur vereinzelte Stiche gewesen wären, aber es waren zig Dutzend bei jedem von uns. Auch die eingesetzten Repellants halfen nicht wirklich, wir ergaben uns unserem Schicksal, versuchten den Juckreiz zu unterdrücken, fragten uns immer wieder, warum die Insulaner von diesen Überfällen verschont bleiben, denn wir sahen nie die typischen Hautreizungen bei ihnen. Wenn die Mücken sich bei der großen Masse der Inselbewohner nicht versorgen können, müssen halt wir Weißhäute herhalten. Die Flucht ins Wasser verschaffte Linderung, aber wer will schon den ganzen Tag und die Nacht im Wasser verbringen? Attacken wie durch die Pferdebremsen in Chile haben wir uns nicht erwehren müssen, denn die hiesigen Mücken kommen leise, unerwartet und von hinten.  Da wir nicht dauerhaft Opfer der Mücken sein wollen, müssen wir von unserer Trauminsel, leider, einen kleinen Abstrich machen. Also ist Huahine nur fast unsere Trauminsel, aber einer der schönsten Flecken Erde.

Angekommen im Paradies – fast, Teil 1

Wir hatten uns ja entschieden, von Rapa Nui nicht nach Santiago zurückzufliegen, sondern in Richtung Neuseeland in Französisch Polynesien, genauer auf Tahiti, einen Zwischenstop einzulegen. Als wir uns dann näher mit dem Land beschäftigten wurde mehr und mehr deutlich, wie vielfältig es einerseits und welch große Ausdehnung es andererseits besitzt. Im Bordheft von Air Tahiti haben wir das Flugnetz dieser die Inseln anfliegenden nationalen Airline gefunden, woraus vor dem Hintergrund der Europakarte plastisch erkennbar wird, wie weit sich dieses Inselland ausdehnt.

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Für uns bedeutet das, sich auf das machbare und gewollte beschränken. Acht volle Tage standen uns zur Verfügung, die aufgeteilt werden wollen. Gleichzeitig hatten wir aber auch den Wunsch, nicht jeden zweiten oder dritten Tag wieder zum Flieger eilen zu müssen, um eine weitere Insel anzufliegen. Schnell haben wir uns auf eine der Gesellschaftsinseln, Huahine, verständigt, die wir besuchen wollten. Mo’orea stand auch auf unserem Wunschzettel, aber alle Versuche eine Kombination von Flügen mit den Eckpunkten Huahine, Mo’orea und Tahiti zu Stande zu bringen, bei der wir dann am 22.1. frühmorgens zum Abflug nach Neuseeland wieder auf Tahiti sind, waren erfolglos.  So konnten wir nicht das günstige Angebot von Air Tahiti für einen überschaubaren Preis drei Gesellschaftsinseln anzufliegen nutzen, sondern investierten nahezu den gleichen Betrag in ein Ticket von Tahiti nach Huahine und zurück, suchten uns ein wassernahes Quartier im Hauptdorf auf dieser Insel und waren gespannt, wie diese Entscheidung sich auswirken würde.

Gegen Mitternacht hob unser Flieger von Rapa Nui ab, knapp eine Stunde später landeten wir mehr als 4.000 Kilometer weiter östlich auf dem Flughafen Faa’a in Tahiti. Die Reiserichtung raubte uns quasi den Schlaf, den wir bei dem 5 1/2 stündigen Flug leider nicht hatten. So kletterten wir ziemlich müde aus dem in dieser Nacht fast als letztes gelandeten Flugzeug, nahmen unsere Rucksäcke entgegen und gingen zur Passkontrolle. Hier unsere erste Überraschung – es gab eine besondere Abfertigung für EU-Bürger. Einige Augenblicke später dämmerte es, wir waren ja in Europa gelandet, zumindest hoheitsrechtlich, denn Französisch Polynesien gehört zu Frankreich, ist m.W. eine Art Departement mit besonderen Rechten. Uns konnte es nur recht sein,, da die Abfertigung zügig verlief, leider ohne den üblichen Passstempel. Dann hatten wir endlich Tahiti betreten und durften bis zum Morgen warten. Warten, weil unser Flug auf die Insel Huahine erst um 07:00 Uhr startete. Die Abflug- und Ankunftshalle wurde hinter uns verriegelt, zum Glück standen im Freien einige Stahlstühle, die unser Nachtlager waren. Es war trocken und die Schwüle nicht so stark wie tagsüber, es kühlte sogar leicht ab. Die Zeit verging ziemlich langsam, denn einschlafen wollten wir auch nicht, sondern unser Gepäck im Auge behalten. Es wurde ziemlich ruhig um uns herum; nicht mehr als eine Handvoll Reisender teilte unser Schicksal. Ziemlich ruhig mit Blick auf den Publikumsverkehr, an deren Stelle traten aber die Putzgeschwader mit ihren Maschinen, so daß immer etwas zu sehen und zu hören war, eine Hilfe gegen das Einschlafen. Gegen 05:30 Uhr bewegten wir uns in Richtung Cafeteria, um mit echtem Kaffee unsere Lebensgeister zu wecken, bald darauf öffnete auch der Schalter von Air Tahiti und wir wurden unser Gepäck los, nicht ohne vorher durch Umladen in das Handgepäck das Gewicht unter die Maximalgrenze von 20 kg zu bringen. Bücher, Technik, sonstige für den Notfall mitgenommenen Dinge wie Schlösser, abschließbares Kabel, Sicherung für den PC etc. bringen insgesamt ein nicht zu vernachlässigendes Zusatzgewicht auf die Waage.

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Dann saßen wir endlich in der ich glaube 74 Passagiere fassenden zweimotorigen Propellermaschine, die uns etwa 40 Minuten später und nicht ganz 200 Kilometer Luftlinie weiter nordwestlich sicher absetzte. Beim Abflug konnten wir einen kurzen Blick auf Mo’orea wie auch Tahiti werfen, beim Landeanflug überquerten wir kurz Huahine. Als die Kabinentür geöffnet wurde, schlug uns eine enorme Hitze entgegen, und das vor acht Uhr morgens! Wir standen sofort wieder im Wasser. Teuru, Bruder unseres Gastwirts, holte uns, eine duftende Blumenkette jedem von uns umhängend, ab. Die kurze Fahrt zu unserem Quartier, Pension Meherio, wurde um eine ausführliche (!) aber nicht länger als weitere drei Minuten dauernde Dorfrundfahrt ergänzt, damit wir uns orientieren können.

Unsere Unterkunft für die kommenden 4 Tage befindet sich nur 100 Meter vom besten Sandstrand der Insel  und 5-8 Gehminuten am Strand entlang vom Dorfzentrum entfernt, liegt in einem großen Gartengelände voller bunter Büsche, machte einen sehr gepflegten Eindruck und wird von sehr netten Menschen, im Augenblick von Teuru und seiner Frau Tamatea sowie Mr. Nice, betreut. Der eigentliche Besitzer, Teurus Bruder, ist ein leidenschaftlicher Surfer; leider hat er sich vor kurzem bei einem Crash auf einen Felsen schwer verletzt und liegt im Krankenhaus. Nach Teurus Aussage wird er wieder vollständig genesen und dann, natürlich, auch wieder surfen.

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Obgleich seit mehr als dreißig Stunden auf den Beinen, nach dem Begrüßungsdrink, natürlich Kokosmilch aus eigenen Nüssen, nahmen wir unser Zimmer – mit einer kleinen Terrasse vor dem Eingang – in Beschlag, räumten das Notwendigste aus unseren Rucksäcken, suchten unsere Badesachen und waren schnell auf dem Weg zum Strand. Es war ein Strand wie er im Bilderbuch zu finden ist, wir waren im Paradies angekommen! Der weiße Sandstrand war zwar nicht enorm breit, aber lang, ohne störendes Geröll, von Bäumen und Palmen eingerahmt und das beste : wir waren allein. Das blieb zwar nicht jeden Tag so, aber auf einem Kilometer Sandstrand bis zum Dorf tummelten sich jeden Tag nicht mehr als 10-15 Personen, nie gleichzeitig, sondern über den ganzen (!) Tag verteilt. Ein ganzer Strand und die Lagune davor nur für uns!!! Traumhaft. Und, die Insel war grün; hinter dem nicht allzu breiten Küstenstreifen stiegen die Berge an, alle bis oben hin begrünt und voller Bäume!

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Die Müdigkeit war wie weggeblasen, so schnell waren wir im Wasser, das wirklich azurblau ist, angenehm warm, keine Wellen aufwies. Sengender Sonnenschein, die wenigen immer wieder vorbeiziehenden Wolken brachten keine wirkliche Kühlung, nur vorübergehenden Schatten, es war angenehmer, sich im Wasser als an Land aufzuhalten. So hielten wir es auch, bis die Haut krumpelte nach gut 3 Stunden Badevergnügen von kurzen Landgängen unterbrochen. Die Insel Huahine ist von einem Korallenriff umgeben, das mal weiter mal näher dem Land ist, so daß hinter diesem Riff eine wunderschöne Lagune besteht. Je nachdem, ob es auflaufendes oder ablaufendes Wasser sprich Ebbe oder Flut gibt, ist das Getöse am Korallenriff mehr oder weniger laut, spritzt die Gischt dort hoch oder höher auf. Eine Musik, die durch seine Permanenz und Gleichförmigkeit fast schon einschläfernd wirkt, aber das Traumbild eines Traumstrandes nur weiter malen hilft und es verstärkt. So saßen wir dann immer wieder und blickten über das Wasser zum Riff, lauschten den Geräuschen und träumten. Hier kann man so total entspannen und seine Gedanken fliegen lassen.

Am frühen Nachmittag begannen wir, unsere nähere Umgebung den Strand entlang zu erkunden. Zunächst ging es in Richtung dorfabgewandte Seite. Einige kleinere Hotelbetriebe und Cabanavermieter fanden wir auf unserem Weg, bei allen waren keine bis sehr wenige Gäste wahrzunehmen – die Saison steht wohl noch bevor. Hin und wieder hatten auch Eigenheimer ein Schokoladengrundstück bebaut, oft dann aber fein säuberlich vom Strand und dem kleinen Strandpfad abgetrennt. Nach etwa einem Kilometer versperrten dann große Steinbrocken unseren Weg.

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Fare, das Hauptdorf der Insel, auf der etwa 5.000 Menschen leben, können wir in weniger als 10 langsamen Gehminuten erreichen, gut, wenn es um die Beschaffung von Getränken geht, denn unser Wasserverbrauch ist enorm. Der örtliche Supermarkt, einen anderen ähnlicher Größenordnung haben wir auf unserer Inselrundfahrt nicht entdeckt, kann es problemlos in Größe und Angebot mit großen deutschen Supermärkten aufnehmen. In einem ist der Laden Spitzenreiter – bei seinen Preisen. Daß selbst auf der Insel erzeugtes Gemüse und Obst deutlich mehr kostet als z.B. auf Rapa Nui, war schon bemerkenswert. Wir mussten feststellen – es wird hier wirklich sehr teuer. Daß unser Quartier einen stolzen Tagespreis aufgerufen hat, können wir verstehen, andere Herbergen lagen noch nennenswert über dem Tagessatz der Pension Meherio. Aber das die Lebensmittel, die auch die einheimische Bevölkerung einkaufen muß, derart teuer sind, lässt Fragen entstehen. Ist denn die Entlohnung der Bevölkerung so gut, daß diese Preise von allen bezahlt werden können? Wir erfuhren : eher nicht. Natürlich sind die Transportkosten zu berücksichtigen, jedoch wird die Ware per Schiff angeliefert, so die H-Milch aus Belgien, viele Erzeugnisse haben das Herkunftsland Frankreich. Die Südsee hat also ihren Preis, wir erhalten dafür ein Südseefeeling, das uns schweben lässt.

Fare ist mit der Welt verbunden, auch auf dem Seeweg. Fast täglich, meistens am späten Nachmittag, tauchte am Horizont ein immer größer werdender Fleck auf, der sich dann als Frachter entpuppte, in das Fahrwasser der Lagune einfuhr, geleitet von Seezeichen und einem kleinen Leuchtfeuer oberhalb vom Dorf, und am Hafenkai anlegte. Nach einer guten Stunde war die Ladung gelöscht, die Container abgesetzt und das Schiff verließ unsere Lagune. Am Freitag tauchten dann zwei Schiffe auf, das spätere erreichte den “Hafen” bei einbrechender Dunkelheit, es war ein Fracht- und Fährschiff, das aus Pape’ete hierher – und dann weiter – fährt. Während sonst nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen nichts mehr passiert, der Ort praktisch tot ist, an diesem Abend lebte Fare, da war das halbe Dorf unterwegs, viele, um einen der Reisenden, meistens Angehörige, abzuholen, um anschließend wieder Ruhe einkehren zu lassen.

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Uns war klar, Restaurantbesuche dürften hier eine Ausnahme sein. Einerseits war die Auswahl nicht sehr groß, andererseits die uns bekannten Preise unserem Budget nicht angemessen. Gelesen hatten wir von der Existenz sogenannter mobiler Essstände, den roullottes, an denen eine überschaubare Zahl von Gerichten zubereitet und für einen vertretbaren Preis verkauft werden. Wie uns Teuru bestätigte, diese roulottes existieren auch im Dorf, sie befinden sich in “Hafen”- und somit Zentrumsnähe. Die späten Essenszeiten aus Südamerika noch im Blut, machten wir uns deutlich nach 20:00 Uhr auf den Weg, trafen auf einige geschlossene Wagen und fanden zu unserem Glück ganz am Ende der Straße eine Garküche, die auch für Katrin genießbare Speisen anbot. Daraus gelernt, hier geht man wohl mit Einbruch der Dunkelheit ins Bett, waren wir an den folgenden Tagen früher unterwegs. An jedem Tag gastierten wir auf einer anderen Bühne, mussten dabei aber feststellen, daß auf jeder Bühne die gleichen Stücke gespielt wurden. Ausnahme war der Pizzawagen, der für seine eher durchschnittliche Produktion einer vegetarischen Pizza den insbesondere für Freiluftgaststätten gewöhnungsbedürftigen Preis von 15 Euro verlangte.

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Die Menschen leben hier äußerst entschleunigt. Hektik war nie zu sehen. Das Klischee eines Lebens in der Südsee fanden wir hier bestätigt. Man saß auf den Bänken im Dorfzentrum, am Kai und plauschte miteinander, und das über Stunden, wie wir bei einem späteren Dorfbesuch erlebten. Da muß es viel zu berichten geben. Südsee und Blume im Haar ist ein weiteres Bild das wir in diesem Zusammenhang vor Augen haben – und auch dieses bestätigt sich, wenn auch nicht flächendeckend. Wir haben immer wieder Frauen gesehen, die eine Blüte im Haar trugen, sei es auf dem Weg zur Arbeit, wie Teurus Frau, Tamatea, sei es auf dem Weg zum Supermarkt. Das sah fröhlich, bunt und relaxed aus. Was man aus anderen Städten kennt, Jugendliche mit ihren Mopeds dröhnen mit Höchstgeschwindigkeit durch die Straßen – hier Fehlanzeige, nicht, weil die jungen Menschen keinen fahrbaren Untersatz haben, hier oft eine Vespa, sondern weil offensichtlich nicht das Bedürfnis besteht, sich in dieser Form zu präsentieren, man fuhr seine Vespa, Moped eben relaxed – ein total entschleunigtes Leben bot sich dar.

Südsee und viele bunte Fische, die um einen herumschwimmen – kein Werbegag, sondern die Wirklichkeit. Wir mussten nur wenige Meter in unsere Hauslagune hineinschwimmen, so sahen wir diese bunten Fische, zwar nicht in dichten Schwärmen, aber sie durchschwammen unsere Lagune mal zahlreich, mal weniger zahlreich, abhängig von den Gezeiten. Wenn wir in der Nähe eines Korallenblocks schnorchelten, schon hatten wir dieses Traumbild. Azurblau und klar war das Wasser, so daß ohne Probleme eine Sichttiefe von 4-5 Metern gegeben war. Ob die Sicht in noch größeren Tiefen gleichfalls so hervorragend ist, können nur die Taucher beantworten. Eigene Bilder von dem Fischreichtum konnten wir nicht aufnehmen, vielleicht findet sich etwas im Netz.

Die Inselbewohner haben ein sehr entspanntes Verhältnis zu der von Haien ausgehenden Gefahr. Nicht geleugnet wird ihre Existenz in den Inselgewässern, jedoch sollen sie sich – meistens – vor dem Riff aufhalten und im übrigen gehören Menschen nicht in sein Beuteschema. Schon beruhigend oder? Wir ließen uns nicht davon abhalten in der Lagune zu schwimmen und zu schnorcheln, auch wenn wir inzwischen erfahren hatten, daß ein Lagunenfahrten anbietendes Unternehmen an einer Stelle, an der das Riff durchbrochen ist, eine Fahrrinne besteht, die hier heimische Haiart “angefüttert” hat, um Besuchern den besonderen Nervenkitzel eines Schwimmens mit Haien zu ermöglichen. Äußerst kurzsichtig, denn damit gewöhnt das Tier sich an die Fütterung mit der Gefahr aggressiven Verhaltens gegenüber den Menschen, wenn das gewohnte Futter ausbleibt. Wie wir erfuhren, wurde das Unternehmen von vielen Seiten auf die Risiken auch für den Inseltourismus im Falle von Haiangriffen hingewiesen, ohne daß dies etwas bewirkt hat. Manche der großen in der Lagune verstreut liegenden Korallenblöcke sind so groß und hoch, daß man auf der abgestorbenen Masse stehen kann, um die sich um den Felsen tummelnden Fische in Ruhe durch die Schnorchelbrille zu beobachten. Das praktizierte ich so lange, bis Katrin aus dem Wasser kam und mir künftig auf diese leichte Art “Fische zu gucken”  verbot. Der Grund : beim schnorcheln um einen dieser besagten großen Korallenblöcke schaute sie auf einmal aus einem Spalt eine mittelgroße Moräne an; ihrer Beschreibung entsprechend müßte der Kopfdurchmessen zwischen 10-15 Zentimeter betragen haben. Ein solcher Anblick verschafft Respekt, ist aber auch ein ganz besonderes Erlebnis – Auge in Auge mit einer Moräne.

Auf Besuch bei den Moai und Makemake

Als Jugendlicher habe ich wie viele andere das spannende Buch von Thor Heyerdahl, Kon Tiki, gelesen, mit dem in meine Wahrnehmung das erste Mal die “Osterinsel” geraten ist. Später kamen diverse Berichte über die dort gefundenen Moai hinzu, die mein Interesse an dieser so ziemlich am Ende der Welt gelegene Insel wach hielten. Rapa Nui, wie diese Insel in der Sprache der Eingeborenen heißt, ein Name, der von der chilenischen “Oberhohheit” inzwischen neben dem spanischen “Isla de Pascua” gebraucht wird, ist die am weitesten von einem anderen bewohnten Ort existierende Insel, 3.800 Kilometer von Südamerika entfernt. In chilenischen “Besitz” ist die Insel, an der offensichtlich andere Nationen, die früher ihren Fuß auf diese Insel gesetzt hatten, wenig Interesse zeigten, gekommen, indem trickreich die Inselhäuptlinge überzeugt wurden, einen Vertrag zu Gunsten Chiles zu unterschreiben. Von da an begann eine Diskriminierung der Bevölkerung von Rapa Nui, die fast ein Jahrhundert bis Mitte der 60ger Jahre andauerte. Die Bewohner der Insel hatten weder gleiche Rechte wie die Chilenen, z.B. war ihnen kein Wahlrecht eingeräumt worden, noch waren sie überhaupt uneingeschränkt chilenische Staatsbürger. Erst nachdem dieser Zustand von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen wurde und die Menschenrechtsverletzungen zunehmend in den Fokus gerieten, wurden der Inselbevölkerung Zugeständnisse gemacht, ohne daß uneingeschränkte Vollmachten zum Regeln der eigenen Inselbelange eingeräumt wurden. Als vor wenigen Jahren die Notablen von Rapa Nui dem chilenischen Staatspräsidenten ihre Rechnung zur Entschädigung für das ihren Vorfahren weggenommene Land präsentierten beeilte man sich, den Insulanern in kürzester Zeit nicht nur enorme Investitionen in die Inselinfrastruktur zuzusagen, sondern diese auch zu tätigen. Darüber hinaus soll über einen uns nicht bekannten Zeitraum jährlich ein Investitionsvolumen von 20 Millionen CLP realisiert werden, bei einer Inselbevölkerung von rund 6.000 Menschen.

Für Katrin und mich war die Reise nach Rapa Nui ein ganz oben auf der Wunschliste stehendes Ziel; ein Traumziel, entsprechend gespannt waren wir, was wir so alles sehen und kennenlernen würden. Eines kann vorwegnehmend bereits jetzt festgestellt werden : es war ein nicht zu missendes Erlebnis und zumindest ein großer wenn nicht der Höhepunkt unserer bisherigen Reise. Wir mussten aber auch feststellen, wie wenig wir bislang über die Kultur auf Rapa Nui wussten; einige Wissenslücken konnten gefüllt werden, gleichzeitig entstanden immer mehr Fragen, die bislang für uns unbeantwortet blieben.

Mit mehrstündiger Verspätung startete unser LAN-Flieger von Santiago und setzte uns am Nachmittag in Hanga Roa auf Rapa Nui ab. Von der Verwalterin unserer Unterkunft, Keka, die von Rapa Nui stammend vor kurzem nach einem mehr als zwanzigjährigen Aufenthalt in Frankreich auf ihre Geburtsinsel zurückkehrte, wurden wir am Flughafen abgeholt und mit einer bunten und herrlich duftenden Blumenkette begrüßt.

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Dann stand das übliche Procedere auf dem Programm, Besuch der Information, erste Orientierung im Dorf.  Zum Glück ließen wir keine Zeit verstreichen. So ganz auf eigene Faust wollten wir uns die hiesige Kultur nicht erschließen und waren daran interessiert, an einer kulturhistorischen Führung teilzunehmen – und wenn diese dann auch noch in einer uns geläufigen Sprache, z.B. auf Deutsch, erfolgen würde, um so besser. Gelesen hatten wir von den sehr gelobten Führungen von Josef Schmid. Zu unserer Freude konnte die Touristeninformation uns den zielführenden Hinweis auf eine Agentur geben, die deutschsprachige Führungen bei Bedarf anbietet. Also führte uns unser erster längerer Spaziergang durch Hanga Roa zu Rapa Nui Travel. Unser Glück war vollkommen, als wir bereits am nächsten Tag an einer Eintagestour zu wichtigen archäologischen Stätten in einer Minigruppe von vier Personen unter Führung von – Josef teilnehmen konnten. Preiswert war diese Tagestour nicht, wie so gar nichts hier auf der Insel in die Rubrik gut und günstig einzusortieren ist, aber jeder Cent bzw. Peso hat sich gelohnt. Josef war genau der kundige und engagierte Führer, uns tiefer in die Geheimnisse der Inselkultur einzuführen.

Am Ende dieser Tagestour, die, auch weil Josef immer noch etwas zu berichten hatte, länger als geplant dauerte, haben wir eine Menge erfahren, aber auch erkennen müssen, wie wenig man bislang über die Inselkultur gesichert weiß.

Von den überdimensionierten Steinfiguren, den Moai, hatten wir natürlich gehört, aber welche Geschichte dahinter steht oder welche Erklärungsansätze bestehen, oft auch widersprüchlich und nicht wirklich gesichert, erfuhren wir vor Ort. Ein möglicher Ansatz lautet wie folgt :

Unstrittig dürfte die Besiedelung der Insel aus dem polynesischen Raum sein; Thor Heyerdahl, anfangs Vertreter einer Besiedlung aus Chile/Peru, konnte mit seinem Kon-Tiki-Floß-Experiment im Grunde nur belegen, wie die Meeresströmung ein Erreichen von Rapa Nui begünstigte. Zu viele Indizien, wie z.B. ein engerer genetischer Zusammenhang mit Menschen aus dem polynesischen Raum oder linguistische Vergleiche, deuten auf eine Besiedelung der Insel von Polynesien aus hin. Gesichert ist, wie im Verlaufe mehrerer tausend Jahre wohl von Asien ausgehend die westlicher gelegenen Inseln auch der Südsee nach und nach entdeckt und besiedelt wurden. Nach Rapa Nui kamen die Polynesier wohl zwischen dem 4. und 5. Jhd. unserer Zeitrechnung; über den Zeitraum streiten sich die Gelehrten, dabei liegen die Auffassungen weit auseinander; im Raum stehen Zeiten wie 450, 1450/1500 und 1150. Bei der Aufklärung kann die Urbevölkerung nicht helfen, dies aus mehreren Gründen : zum einen wurde ein großer Teil der Bevölkerung als Sklaven im 19. Jhd. vor allem nach Südamerika verfrachtet und damit das gesellschaftliche Gedächtnis zum größten Teil zerstört, da kaum einer der Sklaven überlebte, zum anderen gab es nur eine oral history, eine ausgefeilte Schrift existiert nicht und die sog. Rongorongo-Schrift, auf insgesamt noch vorhandenen 25 Holztafeln enthaltene Zeichen, sind bis heute nicht entschlüsselt. Weiteres sachdienliche Material wurde von den Missionaren, die versuchten, den vorgefundenen Kult auszulöschen, vernichtet. Es wird berichtet, daß 1877 nur noch 36 Menschen auf Rapa Nui lebten, deren direkte Vorfahren ebenfalls Inselbewohner waren. Damit war das kollektive Gedächtnis praktisch ausgelöscht. Gleichgültig wann die ersten Polynesier hier anlandeten, sie prägten die Kultur und das Leben auf der Insel. Der Sage nach erreichte König Hotu Matua am im Norden gelegenen Strand von Anakena die Insel, er war der Stammesvater aller Insulaner. Wenn in dieser Legende ein Korn Wahrheit liegen sollte, die Ankunft von Hotu Matua mit seinem Gefolge wird um 1150 verortet – was war in der Zeit von Erstbesiedlung bis zu diesem Zeitpunkt an Kulturentwicklung auf der Insel vorhanden. Gab es eine frühere Besiedlung? Und wieder entstehen offene Fragen. Der Legende nach hatte der Gründervater 3 Söhne, der älteste wurde sein Nachfolger, die beiden übrigen Nachkommen mussten, wie es anscheinend auch in Polynesien üblich war, weit entfernt neue “Niederlassungen” gründen. Dies soll an der Ost- und Westküste der Insel erfolgt sein. Andere sprechen von 6 Kindern, von denen fünf vom Hof wegziehen mussten. Dies wiederum deckt sich mit einer Darstellung im Anthropologischen Museum Sebastian Englert, auf der insgesamt sechs Siedlungsgebiete unterschiedlicher Stämme entlang der Küste verzeichnet sind. Und wieder stehen Fragezeichen im Raum. Die nächsten Generationen siedelten sich angabegemäß dann rechts und links des Stammessitzes an. Da zu jedem Ahu, also der steinernen Plattform/Tempelplattform, eine Siedlung gehört, muß es zwischen knapp 250 und fast 400 küstennahe Siedlungen gegeben haben. Durch Funde nachgewiesen sind 245 Ahus. Wieso auch hier keine Klarheit?

Eine nachvollziehbare Erklärung für die vermutlich größere Siedlungszahl liefern die in der Moai-Werkstatt im Steinbruch “Rano Raraku” gefundenen unfertigen Tuffriesen, insgesamt 397 fertige, fast fertige oder im Entstehungsprozess befindliche Moais liegen, stehen hier herum. Eine Erklärung für die Schaffung einer Moai-Figur lautet : für den jeweils Erstgeborenen des Clanoberhauptes wird eine Skulptur “in Auftrag gegeben”; sie wird dann auf dem Ahu errichtet, wenn der Erstgeborene seinem verstorbenen Vater in seiner Funktion als Oberhaupt folgt. Gleichzeitig sei der Moai des Vaters von der Plattform entfernt worden, oft in der Form, daß das Material in der Ahu-Erweiterung verbaut worden sei. Das könnte auf eine größere Anzahl von Siedlungen hinweisen, unklar bleibt jedoch, wieso bis zu 15 Moai nebeneinander auf dem gleichen Ahu stehen.  Gewiß, nicht nur für das Oberhaupt des Dorfes wurde ein Moai errichtet, sondern auch für die den anderen Ständen (Priester, Krieger etc.) vorstehenden Personen. Aber eine derart tief gegliederte Gesellschaft können wir uns nicht vorstellen. Und wieder stehen wir ratlos da. Moais zu Lebzeiten sind Symbol einer Herrschaft, die mit dem Tod des Herrschers endet und folglich kann der Moai keine Wirkung mehr entfalten und gehört entfernt; dies gilt insbesondere auch dann, wenn den durch einen Moai gewürdigten Personen eine besondere spirituelle magische Kraft, mana, zugeschrieben wird, das Schicksal der Menschen positiv zu beeinflussen.

Wenn die Moais Herrschaftssymbole sind ist ihre Blickrichtung nach innen auf die Insel, denn bis auf zwei Fälle wenden alle Moais dem Meer den Rücken zu, folgerichtig, adressiert sich der Anspruch und der Blick an die Untergebenen. Auf dem Ahu Akivi, eine der beiden Ausnahmen, ist der Blick der dort befindlichen sieben Figuren nicht in das Inselinnere, sondern in Richtung Westen gerichtet. Die Abweichung von der Norm wird einerseits damit begründet, es hätte für neue Siedlungen in Meernähe keinen Platz mehr gegeben; eine weitere bezieht sich auf eine Legende, wonach der König Hotu Matua sieben Kundschafter ausgesandt hatte, um eine zu besiedelnde Insel zu finden, Rapa Nui; der Blick der sieben Kundschafter geht zurück in die Richtung, aus der Hotu Matua gekommen ist. Es darf weiter spekuliert werden.

Die Moai, deren größter mit über 21 Metern Länge noch in der Produktion war, mußten vom Steinbruch zu ihrem Bestimmungsort transportiert werden, bei einem Gewicht von vielen Tonnen ein schwieriges Unterfangen. Auf mindestens fünf verschiedene Erklärungsversuche kann man hier sich stützen! Einzig gesichert dürfte sein, daß sowohl die Produktion als auch der Transport eine logistische und koordinative Meisterleistung war und große vom Rest der Bevölkerung zu erwirtschaftende Ressourcen absorbierte.

Sieht man von einem Transporterklärungsansatz ab, bei dem die Figur stehend an seinen Bestimmungsort gelangt ist, mussten alle anderen Varianten den irgendwie liegend Transportierten am Ahu aufrichten. Geschah dies durch Aufschüttungen, gab es Hebelvorrichtungen analog Flaschenzügen? Wie gelang es die Kolosse über die eigene Sockelkante aufzurichten, ohne daß diese unter der enormen Punktbelastung zerbrach? Und wieder darf heftig spekuliert werden. Gleiches gilt bei der Frage, wie die Kopfbedeckung, die Pukao, auf den Korpus gebracht wurden – war der Kopfputz bereits beim Aufrichten der Moais an seinem Platz oder wurde er der aufgerichteten Figur anschließend aufgesetzt? Wie geschah dies, welche Hilfsmittel wurden eingesetzt?

Wie kam es zum Untergang der im Grunde hochentwickelten Kultur auf der Osterinsel, die offensichtlich bereits vor der “Entdeckung” durch Roggeveen 1722 erfolgt ist. War der Verbrauch wesentlicher Ressourcen z.B. durch Abholzen sämtlicher Bäume, unzureichende Nahrungsgrundlagen etc.  entscheidender Auslöser, daß sich das Fußvolk gegen die Herrscher, denen wohl die magische Kraft, die mana, abhanden gekommen war, auflehnten und diesen Teil der Bevölkerung, die Elite mit all ihren Fähigkeiten, umbrachte. War der Ressourcenverschleiß Folge menschlichen Verhaltens oder Ergebnis der sich rasant vermehrten Ratten, die die Samen der Palmen fraßen und dadurch ein Nachwachsen der Palmen verhinderten?

Wenn das Fußvolk, in der Legende Kurzohren genannt, die sie sie Beherrschenden, die Langohren, eliminierten ist es folgerichtig, daß dann auch deren Herrschaftssymbole, die Moai umgestürzt wurden. Dieser das bestehende Herrschaftssystem umstürzende Kampf soll, so wird immer wieder berichtet, vor der Ankunft Roggeveens 1722 stattgefunden haben. Wieso sprechen Roggeveen und später im 18. Jhd. die Insel ansteuernde Seefahrer dann noch von stehenden Figuren?

Und plötzlich ist von einem Vogelmannkult (makemake) die Rede, ein mit Polynesien in Verbindung stehender Kult, der am Krater Rano Kau in Orongo hoch oben auf dem Kraterrand direkt am Meer gelegen sein Zentrum hatte. Hat dieser Kult sich eigenständig neben der Moai-Kultur entwickelt, ist er diesem nachgefolgt, hat er diesen verdrängt? Wie kam er nach Rapa Nui. Konkretes hierzu haben wir wenig bis nicht gehört, auch das Museum konnte uns mit seiner Ausstellung nicht weiter helfen. Also stehen wir da und staunen!

Vorstehende Fragen und manch weitere entstanden im Verlaufe der vier Tage auf Rapa Nui bei unseren Besichtigungen und Rundfahrten, haben unsere Neugier eher weiter geweckt als uns eingeschläfert. Es ist interessant an einem Ort zu sein und die vorhandenen Überreste einer vergangenen Kultur zu sehen, bei der sich mehr Fragen als Antworten stellen.

Wie verliefen unsere Tage auf der Insel?

Am 10.1. begaben wir uns in einem Kleinbus gemeinsam mit einigen an englischsprachiger Erläuterung Interessierten und zwei Österreichern auf unseren Tagesausflug mit Josef als unserem Guide. Natürlich kann man dabei nicht alles, aber einiges Interessantes sehen. Unser erster Stop war Vaihú/Ahu Hanga Poukura, eine idyllisch am Strand gelegene große aber stark zerstörte Anlage. Das besondere an dieser Stelle sind neben den sieben (?) von dem Ahu umgestürzten Moais die Restfundamente von Behausungen und Wohnhöhlen. Die Ahus sind flache nach vorne leicht abfallende, zum Meer hin senkrecht abgegrenzte Plattformen, auf denen die Moais ihren Platz fanden.

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Die Moais lagen sämtliche auf der Gesichtsseite, sie waren nach vorne von ihrem Podest gekippt worden. Kein Gesicht zu sehen, keine Macht mehr ausübbar. Der Kopfputz, die Pukao, aus rotem Tuffgestein gefertigt und aus einem anderen Steinbruch als die Moais stammend, war ja nicht fest mit der Figur verbunden, sondern nur auf den Kopf aufgesetzt, lag im Umfeld verstreut; an einigen konnte man auch Petroglyphen entdecken. Der Ahu selber erschien nur noch als Steinhaufen; von den großen senkrecht in die Erde gesetzten seeseitigen Begrenzungsplatten waren nur noch wenige an ihrem Platz. Ein Teil der Zerstörung ist auf einen der letzten großen die Insel erreichenden Tsunamis zurückzuführen.

Nach dieser kleinen “Einstimmung” ging es zum Ahu Akahanga, einer der größten Plattformen, auf der bis zu 12 Moais mit einer Größe von 5 bis 7 Metern nach einer (oder mehreren) Erweiterungen Platz gefunden hatten. Es wird auch behauptet, dies sei die Begräbnisstätte von König Hotu Matua.

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Vor dieser Plattform erstreckte sich ein mit Steinen gepflasterter Platz. Zentral gelegen war ein durch Steine gekennzeichneter runder Platz, in dessen Mitte, wie uns erzählt wurde, ein Erdofen sich befunden haben soll. Innerhalb dieses Kreises saßen nur die Notablen und speisten. Das übrige Volk hatte sich weit entfernt aufzuhalten.  In Nachbarschaft zu dieser Anlage waren einfache Bauten errichtet, deren “Fundament” aus bearbeiteten länglichen Granitsteinen bestand, in deren Oberseite Löcher gebohrt wurden, um Äste aufzunehmen, die in einer Höhe von deutlich unter 2 Metern mit dem gegenüber liegenden Ast verbunden und als Dachkonstruktion dienten. Gedeckt wurde dann mit Palmblättern oder Schilf. Die Abmessungen dieser Behausung war deutlich unter 2 Meter Breite, ihre Länge konnte bis zu 100 Metern betragen; wir haben auf einem Feld im Nordwesten der Insel die Fundamente einer etwa 50 Meter langen Behausung gesehen.

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Wozu dienten diese “Häuser”, die an ihrem Ende oval zuliefen? Diese Hare Paenga Häuser werden von einigen als Wohnhäuser bezeichnet, d.h. die Clanmitglieder hielten sich hier auf; andere weisen mit Nachdruck darauf hin, daß diese Häuser nur zu besonderen Anlässen benutzt wurden, z.B. wenn die Notablen zusammen kamen, zu besonderen Festen, denn die eigentlichen “Wohn”stätten lagen entfernter und bestanden teilweise für das gemeine Volk aus Höhlen. Am Weg zwischen den Hare Paenga-Häusern und u.a. der Höhle befindet sich die “Volksküche”, d.h. hier gab es Feuerstellen, an denen das Fußvolk sein Essen bei den Feierlichkeiten zubereiten konnte.

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Der Rano Raraku, im Inselinnern befindlicher seit Millionen Jahren erloschener Vulkan war unser nächstes Ziel, die Geburtsstätte der Moai-Figuren. Schon von weitem kann man die ins Schaufenster gestellten Figuren erkennen (!), der Hang unterhalb des Steinbruchs ist übersäht mit Skulpturen.

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Wie in einer Werkstatt üblich, sind Produkte in unterschiedlichen Stadien zu sehen, so auch hier. Herausgemeißelt wurden die Korpusse aus dem Tuffstein; oft wurden mehrere manchmal sich gegenüber liegende Figuren auf engstem Raum bearbeitet, manchmal wurde in unterschiedlichen Ebenen des Steinbruchs übereinander gewerkelt. Probleme gab es nur, wenn die höher befindliche früher fertiggestellte Figur über eine aus Geröll/Erde aufgeschüttete Ebene, die auch vorläufig das tiefer gelegene Produkt verschüttete, nach grober Fertigstellung nach unten und in die Senkrechte transportiert bzw. gebracht werden mußte.

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Über diese schiefe Ebene wurden die zumindest auf der Vorderseite fertiggestellte Kolosse in eine Kuhle abgesenkt und darin aufrecht zum stehen gebracht, um dann die bislang unzugängliche Rückenpartie zu bearbeiten. Inwieweit es sich bei den im Erdboden steckenden Moais um zum Transport bereit stehende also fertige Figuren oder noch weiter zu bearbeitende handelt, kann an der Dimensionierung der Rückenpartie festgestellt werden.

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Auch auf Rapa Nui gab es den Hang zum Größenwahn, denn wie ist sonst zu erklären, daß immer größere Moai hergestellt werden mussten, deren Transport immer aufwendiger wurde? Der Superlativ steckt noch im Felsen; ausgehend von seiner Kopfgröße wird das angestrebte Schlußmaß auf über 21 Meter geschätzt.

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Die ersten Moai wurden offensichtlich nicht aus dem weicheren Tuffstein, sondern aus einem Basaltstein sehr aufwendig geschlagen. Ein hier aufgefundener unterscheidet sich sehr wesentlich von den wahrscheinlich später hergestellten Figuren, denn er ist knieend und mit deutlich mehr Details dargestellt. Blieb er vor Ort, weil die Verwendung aus Tuffstein auf lange Sicht sinnvoller war, war jemals seine Verwendung auf einem Ahu vorgesehen, warum ist dieser Moai in knieender Position dargestellt? Jeder, auch sein Entdecker Thor Heyerdahl hat da so seine Theorie – wir genießen den Anblick, anstatt uns den Kopf zu machen.

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Der Ort Rano Raraku hat uns stark beeindruckt; angesichts der kaum zu überschauenden in unterschiedlichen Herstellungsstadien befindlichen Moais war es nicht möglich zu prüfen, ob wirklich fast 400 Steinkörper sich hier befinden. Der eine oder andere ist sicherlich, da in größerer Entfernung zur Produktionsstätte beschädigt im Erdreich liegend, auf dem Transport verunglückt, die überwiegende Zahl dürfte jedoch noch auf seinen Abtransport gewartet haben, als die Arbeiter ihre Tätigkeit einstellten. Eines ist hier auch erkennbar : diese Figuren wurden nicht zerstört, der Kopf und somit die Augen zu Boden gerichtet. Offensichtlich bekamen die Moais erst dann “Leben” eingehaucht, wenn ihnen die weißen Augen nach Aufrichtung auf dem Ahu eingefügt worden waren.

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Hatten wir bislang  Ahus in ihrer zerstörten Form besucht, konnten wir am Ahu Tongariki die Dimension einer vollständigen Anlage, nach Restaurierung und Wiederaufrichtung der gestürzten Moais wahrnehmen. Und der Blick war beeindruckend. Schon vom Rand des Vulkans Rano Raraku war in der Ferne dieser Ahu zu erkennen, aber aus der Nähe erschloß sich seine Größe und die Schönheit in der ausgewählten Umgebung. Wir standen vor der größten Ahu-Anlage auf der Insel, deren Zerstörung durch den Tsunami und die folgende Flutwelle in 1960 dann vollständig war. !5 nach alten Fotos restaurierte und wiederhergestellte Moais stehen hier nebeneinander aufgereiht, keiner gleicht dem anderen. Unterschiedliche Gesichtszüge und –formen, große und kleinere Körper, alle erscheinen irgendwie besonders individuell gestaltet zu sein. Nur auf einem Kopf ist eine Pukoa aufgesetzt, bei den übrigen hat man darauf verzichtet, obgleich die Bruchstücke vorhanden sind. Ob es Geldmangel oder aber die Erkenntnis war, durch diese Unvollkommenheit die Vollkommenheit der Figuren zu unterstreichen, wissen wir nicht. Majestätisch stehen sie hier in ihrer Größe und Erhabenheit und beeindrucken den Betrachter nachdrücklich. Hinter dem Ahu und seinen Figuren das azurblaue Meer, ein gigantischer Anblick für den Besucher, wie auch die Moai einen tollen Ausblick auf den Vulkan Ranu Raraku hatten.

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Im Zuge der Restaurierungsarbeiten und bei Durchsicht des Steinhaufens konnten auch einige Artefakte früherer Skulpturen gesichert werden, die Bestandteil des Ahus als Baumaterial waren.

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Dann ging es weiter zum Nabel der Welt, Te Pito o Te Henua, ein Ort, den im Grunde wenig mit der Geschichte der Insel verbindet, an dem sich aber ein fast kugelförmiger Stein und mehrere kleinere Kugeln befinden, die auf Grund ihres hohen Erzanteils in der Lage sind, Kompassnadeln nicht nur abzulenken, sondern zum Kreiseln zu bringen. Also eher etwas für Dänikenfreunde oder Esoteriker. Da auf dem Programm als kleine Absurdität stehend, verbrachten wir hier wenige Minuten.

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Auf Rapa Nui kann man nicht nur der alten Kultur der Urbewohner nachspüren, sondern auch an historischer Stätte baden. Der Strand von Anakena ist nicht nur der Ort, an dem der König anlandete, sondern zugleich auch der größte und schönste Sandstrand der Insel. Meistens wird diese Bucht wegen der schönen Bademöglichkeiten, dem Strand, dem durch Palmen gebotenen Schatten besucht, weniger wegen der Überreste ehemaliger Ahus oder der aufstehenden Moais. Wir widmeten uns dem Strandleben, gingen also in der Bucht schwimmen, und “besuchten” die im Umfeld des Strandes wie zufällig herumstehenden Kulturgüter.

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Tag eins unseres Rapa Nui Aufenthalts hat uns einen ersten Einblick in die Kultur vor Ort verschafft. Den zweiten Tag haben wir dann der dieser Moai-Kultur folgenden Vogelmannkultur gewidmet, indem wir uns auf den Weg zum am südwestlichen Inselende liegenden Vulkankrater Ranu Kau und der dort befindlichen Kultstätte Orongo machten. Vor das Kulturerlebnis wurde wieder einmal der Schweiß gesetzt. Auch wenn die zu Fuß von Hanga Roa hinauf zum Vulkankrater zurückzulegende Strecke weit unter unseren sonst bewältigten Distanzen lag, die enorme Hitze, deren Wirkung zum Glück manchmal von einem Lufthauch gemildert wurde, ließ die Strecke ins Unendliche wachsen.

Rapa Nui wird, zumindest ab und zu, auch von Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Seit gestern Mittag liegt ein solcher Dampfer von Hapag-Lloyd auf Reede und zighundert Gäste werden an Land gebracht, um im Schnelldurchlauf etwas über Rapa Nui zu erfahren, denn nach 24 Stunden Aufenthalt, d.h. heute Mittag, wird der Anker wieder gelichtet. Und so kamen uns kleine Gruppen von Kreuzfahrtgästen an der Küste entlanglaufend entgegen; für einen wirklichen Abstecher zu den Kulturhöhepunkten war die Zeit zu knapp. Unser Weg hinauf zum Krater führte am kleinen Fischereihafen vorbei und direkt an der teilweise schroffen Küste entlang.

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Auf halben Weg zum Krater kann eine Kulthöhle, die Ana Kai Tangata besucht werden. Der Name kann einerseits mit “Höhle der Kannibalen” übersetzt werden, andererseits auch als Ort, an dem man sich traf. Zeitlich zuzuordnen ist diese natürliche Höhle der Periode des Vogelmannkultes, der sich, so einige Quellen, ab dem 15./16. Jhd. parallel zur Moai-Kultur entwickelt haben soll, andere sprechen von einer der Moai-Kultur nachfolgenden Kulturepoche. Viel ist in dieser Höhle nicht mehr zu sehen; nur noch wenige der ursprünglich vorhandenen Felszeichnungen sind zu erkennen; es soll sich um Zeichnungen von Vögeln handeln. Spekuliert wird über einen Bezug zum Vogelmannwettkampf.

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Dann ging es, teilweise im Schatten eines kleinen Waldes und von einem Katrin zugelaufenen Hund begleitet stetig bis zum Kraterrand hinauf. Als wir endlich die 300 Höhenmeter hierhin überwunden hatten, bot sich uns ein fantastisches Bild. Unter uns der Kratersee, etwa 200 Meter tiefer mit Wasser gefüllt und langsam zuwachsend, vor uns durch einen Durchbruch im Kraterrand sichtbar der Ozean. Gute 1,4 Kilometer soll der Durchmesser des Kraters betragen; wir können, da diesen weitestgehend umwandert, bestätigen, die Strecke kommt einem noch viel länger vor als Durchmesser x pi!

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Auf der im äußersten Südwesten des Kraterrandes liegenden Klippe wurde die mit Orongo bezeichnete Kultstätte für den Vogelmannkult errichtet. Ahus (bis auf eine Ausnahme) und Moais sucht man hier vergeblich. Stattdessen trifft man auf annähernd 50 Steinhäuser, deren Wände aus aufeinander aufgeschichteten Steinplatten bestehen, als Abdeckung ebenfalls Steinplatten verwendet wurden, die dann begrünt wurden. Die winzigen Eingänge in die Häuser sind wohl nur als Kriecheingänge zu bezeichnen, ob aus Schutz vor Eindringlingen, um böse Geister vom Betreten der Häuser abzuhalten? Zumindest erlaubt das Vorgefundene sich einen Einblick in die Bauweise der Häuser zu verschaffen, als einzelne in ihrem unrestaurierten Zustand belassen worden sind.

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Von hier oben hat man auch einen einzigartigen Blick auf die der Inselspitze vorgelagerten kleinen Eilande, die im Rahmen des Vogelmannkultes eine besondere Bedeutung besitzen.

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Der Kultbereich Orongo war nicht dauerhaft bewohnt sondern wurde einmal jährlich für ein besonderes kulturelles Fest um den Frühlingsanfang herum genutzt. Im Rahmen einer jährlichen Zeremonie versammelten sich an dieser Stelle die Clanchefs um in einem Wettkampf denjenigen zu herauszuheben, der als erster ein Seeschwalbenei von den vorgelagerten Felseilanden, auf dem diese Vögel nisteten, zur Kultstätte brachte. Natürlich traten die Clanchefs nicht persönlich an, sondern ließen aus ihrem Clan den geeignetsten den “Vortritt”. Der Clanchef, aus dessen Clan der Sieger des Wettbewerbs hervorging, sollte die Geschicke der Insel für ein Jahr lenken. Er (oder vielleicht doch der an seiner Stelle im Wettbewerb Erfolgreiche) war für ein Jahr der Vogelmann und galt als “heilig”, musste dafür aber den Preis eines gewissen zurückgezogenen und enthaltsamen Lebens “zahlen”.  Angesichts der in Orongo an seinem zentralen Zeremonieplatz in großer Zahl gefundener Petroglyphen, die auf den Gott Makemake verweisen, wird auch eine Verbindung zu Fruchtbarkeitsriten vermutet. Uns blieb nur ein aus großer Entfernung möglicher Blick auf diesen leider weiträumig abgesperrten Platz mit seinen Petroglyphen und weitere Fragezeichen auf der Stirn bildeten sich. Ersetzte der makemake-Kult den Moai-kult; war der Wettstreit um die quasi Regentschaft für ein Jahr der Versuch, die divergierenden Claninteressen unter einen Hut zu bringen oder zumindest zu versöhnen, da der Sieger doch über besondere Fähigkeiten verfügte und somit für alle die bestmöglichen Entscheidungen würde treffen können? Schön war der Ausflug zum Krater Ranu Kau, aber gleichzeitig entstanden neue Fragen.

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Den Rückweg von Orongo zu unserem Quartier hatten wir anders geplant als dieser tatsächlich verlief. Von Josef hatten wir den Hinweis erhalten, daß man von der anderen Kraterrandseite hinunter an die Küste laufen kann und auf dem Rückweg nach Hanga Roa nicht nur tolle Ausblicke hat, sondern auch noch das Ahu Vinapu besuchen kann. Wir liefen fast um den gesamten Krater, ohne einen einigermaßen passablen Weg in die richtige Richtung zu finden und waren deshalb zu einem riesigen Umweg hin zu unserem Quartier gezwungen. Bei diesen hohen Temperaturen über Gebühr lange ohne Schatten zu laufen, bereitete mehr Frust als Freude.

Am Vorabend hatten wir nur aus der Ferne unseres Quartiers ahnen können, wie schön der Sonnenuntergang über dem Meer war. Diesen Blick wollten wir auch einfangen und machten uns rechtzeitig in Richtung Dorf und Strand auf den Weg. Aber welcher Ort ist passender für einen Untergang, als eine alte Kultstätte? Etwas nördlich von Hanga Roa befindet sich die rekonstruierte Zeremonieanlage Tahai, die aus drei verschiedenen Ahus besteht. Heute wollten wir jedoch nicht die Anlage besichtigen, sondern uns der Abendstimmung hingeben. Offensichtlich waren auch einige der im Grunde nicht sehr zahlreichen Touristen auf der Insel auf den gleichen Gedanken gekommen. Als wir eine gute halbe Stunde vor dem Sonnenuntergang auf dem Gelände ankamen, saßen sie schon zahlreich auf dem Rasen, hatten Decken ausgebreitet um ein der Stimmung entsprechendes abendliches Picknick zu genießen und warteten. Wir gesellten uns dazu und schauten minutenlang gen Osten, an den vor uns stehenden großen Moais vorbei auf das Meer und in die sich langsam dem Horizont nähernde Sonne. Ein Traumsonnenuntergang wurde durch die Wolkendecke leider verhindert, dennoch entstand in dieser Zeitspanne unseres und aller Wartens eine wunderschöne Stimmung. Das sonst so geschäftige Treiben, das ständige Gegacker der Touristen schlief ein, es entstand eine große Ruhe auf der Anlage, die nur von wenigen Fotografen, die ihr Stativ mit Kamera(s)  geschäftig über das Plateau auf der Suche nach dem bestmöglichen Standort schleppten, gestört wurde. Sehr schöne Minuten hier an der Ostküste von Rapa Nui, die Bilder können nur ein wenig von der tatsächlichen Stimmung einfangen.

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Für den 12.1. hatten wir uns eine Wanderung entlang der Westküste von Hanga Roa aus in Richtung Norden vorgenommen. Bei großer Hitze und mit genügend Wasservorräten bepackt machten wir uns relativ früh am Morgen auf den Weg. Am Vorabend hatten wir ganz in Ortsnähe einige im Boden steckende Skulpturenköpfe gesichtet, die wir uns näher ansehen wollten. Ob dieser “Fund” wirklich von kultureller Bedeutung oder einfach ein fake ist, können wir nicht beurteilen. Zumindest überrascht waren wir, diese Köpfe in im Boden befindlichen Felsen zufällig entdeckt zu haben.

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Die Anlage Tahai mit seinen insgesamt drei sehr unterschiedlichen Ahus war die nächste Wegstation. Neben den weitgehend restaurierten Ahus und aufstehenden Moais sind hier rekonstruierte Überreste von Kochstellen, Hausfundamente, Zeremonieplätze und Wohnhöhlen sichtbar. Optisch im Zentrum steht der Ahu Vai Uri, auf dem sich fünf archaisch wirkende, teilweise nur aus großen Fragmenten bestehende Moai, alle ohne den Kopfschmuck, die Pukao, befinden. Sie sind groß, wirken auf den Davorstehenden sogar riesig, messen aber nur maximal 5 Meter. Ihr Entstehungsdatum soll im 12. Jhd. liegen. In gebotenem Abstand, direkt neben der Hafeneinfahrt zur damaligen Zeit, wie sowohl an der kleinen neben dem Ahu zum Wasser führenden Rampe wie auch durch das sich dahinter öffnende Becken, das sogar zum Schwimmen einlädt, sichtbar wird, befindet sich der wohl älteste Moai der Insel, der auf das 7. Jhd. datiert wird: Er steht auf dem Ahu Tahai, ist stark verwittert und wirkt in seiner Form sehr grobschlächtig, als wenn die Expertise der Steinmetzkunst noch nicht voll entfaltet gewesen sei. Der dritte Ahu auf diesem Zeremonieplatz, wiederum etwas weiter nördlich gelegen, ist wegen seines nahezu vollständigen Erscheinungsbildes – er trägt die Pukoa – der eindrucksvollste. Diese Moai-Figur ist die einzige auf der Insel, bei der die Restauratoren die nachgebildeten Korallenaugen wieder eingesetzt haben. Es steht wirklich majestätisch und machterheischend dar, ja fast bedrohlich vor dem Hintergrund der Weite des Pazifiks. Die Augen leuchten intensiv, ja fast starren sie den Besucher an. Der Ahu Ko te Riku und seine Figur soll auf das 12. Jhd. zurückgehen.

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Unweit dieser “Großanlage” befindet sich das Museo Antropologico Sebastián Englert, das auf die Funde, Sammlung und Forschung des deutschen Missionars Englert m.E. bis Mitte des 20. Jhd. zurück geht. Es ist ein kleines Museum, das der Bedeutung des Ortes, der Kultur und des Forschungsstandes zumindest in seiner Präsentation nicht ganz gerecht wird. Hier im Museum sollen zwar sämtliche sich mit der Erforschung der Kultur auf Rapa Nui befassende Werke im Original oder als Kopie vorhanden sein, den Forschungsstand und seine offenen Fragen gibt die Ausstellung mit seinen zahlreichen Informationstafeln leider nur unvollständig wieder. Die nicht chronologische und immer wieder große Lücken aufweisende Nummerierung der Infotafeln läßt vermuten, daß man nur in der Lage ist, einen kleinen Teil des “gespeicherten” Wissens in dem kleinen Museum zu präsentieren.  Manches, was wir inzwischen erfahren hatten, fanden wir bestätigt, oder konnten Erfahrenes vertiefen. Neu für uns, da bislang nicht gesichtet, waren einige Holzfiguren aus dem Vogelmannkult, die Figur des Vogelmanns selber sowie eine von angeblich nur zwei dem Moai-Kult zugeschriebene Figur, die weibliche Züge aufweist.

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Und weiter ging es auf unserem Besuch der auf der Westseite der Insel zugänglichen und immer wieder an exponierten Orten errichteten Ahus. Erkennbar wenige machten sich auf den etwas beschwerlichen Fußweg im prallen Sonnenlicht. Der Weg führte auch immer wieder weg vom Meer und bescherte uns manchen zusätzlichen Kilometer Wanderweg. Plötzlich kam uns auf dem Weg mit größerer Geschwindigkeit und eine für uns unangenehme große Staubwolke aufwirbelnd ein Fahrzeug entgegen gefahren; an uns vorbeifahrend entschuldigte man sich mit dem zugerufenen Hinweis, es ginge um einen Unfall. Wenn man es denn glauben will – eine schöne Ausrede für ein störendes Verhalten. Nachdem dann gut 15 Minuten später mit großem Trara Polizeifahrzeuge und ein Krankenwagen ebenfalls an uns in entgegengesetzter Richtung vorbeifuhren, schien wirklich etwas passiert zu sein. Dann sahen wir die Fahrzeuge in der Nähe einer Felsklippe stehen, unser Interesse war geweckt, insbesondere, nachdem wir vorher in großer Entfernung einige Taucher gesichtet hatten. Es ging jedoch nicht um einen verunglückten Taucher wie wir feststellten, sondern eine offensichtlich ortsansässige Frau war mit ihrem Kleinfahrzeug über den Klippenrand hinausgefahren. Zum Glück war die Fallhöhe vielleicht nur 10 Meter, die Airbags hatten funktioniert und unten schlug sie auf diverse kleinere Felsen auf und landete nicht im Wasser; inzwischen war sie von den Rettungssanitätern geborgen und erstversorgt worden; sie lebte und Fußbewegungen deuteten an, daß vielleicht die Blessuren relativ glimpflich waren. Ein ebenfalls anwesender radelnder Amerikaner, der das verunfallte Fahrzeug wohl als erster gefunden und Hilfe herbeigeholt hatte, meinte, vielleicht hätte die Frau in einer Art Panik in der Nähe der Klippe Gas- und Bremspedal verwechselt.

Der nächste Ahu, auf den wir trafen, war der Ahu Akapu/auch Hanga Kio’e genannt, von dem uns ein einsamer Moai aus seinen leeren Augenhöhlen anstarrte. Und wie an anderen Orten auch, eine traumhafte, wilde Küstenlandschaft bildete die Kulisse für diesen Ort.

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Höhlen hatten bei den Bewohnern Rapa Nuis eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung. Zum einen waren sie für einen großen Teil, wie es heißt Wohnstätte der Großfamilie, teilweise des Clans, zum anderen aber auch Zufluchtsstätte und Versteck. Die Höhleneingänge wurden deshalb oft sehr klein gehalten, ein Durchkommen oft nur auf den Knien möglich. Auch größere Wohnhöhlen mit ihren weiten Öffnungen wurden im Ernstfall durch Aufschüttung und den Bau eines kleinen Tunnels gesichert. Insbesondere im südlichen Inselbereich hat man eine große Zahl von Höhlen gefunden, die nicht nur einen Eingang hatten, sondern, so erfuhren wir, unterirdisch durch Gänge miteinander verbunden waren. Fluchtwege waren also vorhanden. Diese Fluchtgänge mussten wohl nur selten künstlich hergestellt werden, sondern waren im vulkanischen Gestein bereits vorhanden und mußten nur genutzt werden. Von der großen Höhle Ana Kakenga, auf die wir an der Westküste stießen, ist nicht bekannt, ob sie einen weiteren Fluchtweg als hin zum Meer besaß, denn mangels Licht konnten wir nur die ersten wenigen Meter des Höhlenganges einsehen. Auf den Fotos ist erkennbar, daß es sich um eine Höhle mit Meerblick (!) handelt. Ein- und Ausgang liegen deutlich mehr als 100 Meter von einander entfernt, was Indiz für die Höhlengröße sein könnte.

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In unmittelbarer Nähe zu dieser Höhlenanlage  befindet sich ein Mininaturreservat für Seevögel, der oder die Motu(s) Tautara, auf die gerade die auflaufende Flut stärker anbrandete.

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Mit dem Auffinden der Letzten Ahu-Anlage auf unserer heutigen Wanderung taten wir uns schwer. Am Ende des küstennahen Weges fanden wir zwar ein Schild, das uns auf den gesuchten Ahu Tepeu hinwies, aber wo genau diese Anlage vom Schild aus gesehen sich befindet, war nicht zu erkennen. Das einzige, was nach einem Weg aussah war ein etwas breiteres Wegstück, auf dem das Gras offensichtlich gemäht war, für uns ein Indiz, wo es langgeht. Aber wir kamen nicht zu unserem gesuchten Ziel, kletterten zwar über Zäune, durchstreiften auch im weiteren Umkreis das Gelände rechts und links des angeblichen Weges, fanden sogar einige Reste eines Ahus und Teile von Hare-Paenga-Häusern, aber die gesuchte Ahu-Anlage war von der Bildfläche verschwunden. Bei der enormen Hitze nutzten wir jede Möglichkeit, uns im noch so kleinen Schatten auszuruhen.

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Wir brachen die sinnlose Suche ab und kehrten auf unseren Wanderweg – fast – zurück. Da ich bei einem Rundumblick in Meernähe einen irgendwie ungeordneten Steinhaufen meinte ausgemacht zu haben, gestand mit Katrin einen letzten Versuch ans Ziel zu kommen zu. Also stiefelte ich über die Wiese Richtung Meer und wurde bald fündig. Hier vor mir lagen die vielen Teile einer früher sehr großen Anlage, mit einem ziemlich großen Ahu, einer Vielzahl – waren es sieben oder acht – Moai-Köpfe, die ich gezählt habe,  die Fundamente mehrerer Hare-Paenga-Häuser, von denen das längste fast 50 Meter maß, mit einem extrem schmalen Eingang, Fundamentsteine mit Bohrungen, in die nicht nur Ästchen, sondern auch Äste gesteckt werden konnten zur Herstellung des Daches, eine Höhle, und diverse Steinovale, in denen windgeschützt Pflanzen gezogen worden waren. Hier hätte man länger stöbern können und wäre wohl auf immer weitere Fragmente früherer Kultur gestoßen, die an diesem exponierten Ort an der Steilküste einfach so herumliegen, aber die mehrstündige Wanderung in brütender Hitze, der vor uns liegende nicht weniger lange Rückweg reduzierten das Entdeckerengagement erheblich und der Rückweg wurde angetreten.

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Heute, der 13.1., unser letzter Tag auf Rapa Nui, denn unser Flieger nach Tahiti startete gegen Mitternacht, war Vespatag. Einige wenige Kulturstätten hatten wir noch nicht besucht; da diese jedoch ziemlich weit vom Quartier entfernt liegen, gingen wir den etwas leichteren Weg und ließen uns transportieren. Wenn man schon ungeschützt durch die Landschaft fährt, dann wird man bestraft, wir durch einen heftigen Regenguß, dessen schlimmste Folgen wir vermeiden konnten, denn einer der wenigen Bäume am Wegesrand bot uns ausreichend Nässeschutz.

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Unser Ziel war, an diesem letzten Tag vor unserem Abflug auf Rapa Nui die Orte noch motorisiert zu besuchen, die bislang zu abgelegen waren, um unser Bild zu vervollständigen. Erster Anlaufpunkt war der Ahu Vinapu, an der Südküste unmittelbar hinter der Landebahn des Flugplatzes am Meer gelegen. Im Grunde stehen hier zwei Ahus, beide relativ gut erhalten, natürlich sind auch hier die Moai gestürzt worden, liegen auf dem Gesicht, die Pukaos liegen manchmal etwas weiter entfernt. Nicht in jedem Fall lag der Kopf mit dem Gesicht zum Boden; die Dimensionen eines der Köpfe kann vielleicht an dem Bild ermessen werden.

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Der für die wissenschaftliche Auseinandersetzung bedeutsamere Ahu ist in den folgenden Fotos dargestellt. Die nahezu fugenlose Bauweise, das Ineinanderpassen der einzelnen zurechtgehauenen Mauersteine  erinnerten Thor Heyerdahl an die Inkamauern in Cusco und waren ein Mosaikstein in seiner Besiedlungstheorie der Osterinsel. Wie es heißt, findet man jedoch nur bei diesem Ahu eine derart perfekte Bauweise. Verblüffend, wie selbst kleinste Steine zurecht gehauen wurden, damit sie eine Lücke füllen.

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Auf unserem Weg zur Produktionsstätte der Pukaos im Krater Puna Pau bemerkten wir plötzlich links neben unserer Straße einen einsam dastehenden Moai; wir hielten an und kurz darauf hielt auch ein Einheimischer neben uns um uns zu erklären, wie wichtig der Besuch dieses Ahus sei. Auf einen Stop mehr oder weniger kam es nicht an, dieser zählte dazu noch zu den lohnenden. Keine Hinweistafel vor Ort, um die Stätte zu identifizieren, aber ein sehr gepflegtes Umfeld. Wir vermuten, es handelt sich um den Ahu Huri A Urenga, aber genaues wissen wir nicht, haben keine Informationen. Anscheinend unweit des Ahu befindet sich ein Grab. Die Hände des hier wieder aufgestellte Moai sind vor dem Bauch nur angedeutet, als feine Linien in den Stein gemeißelt, auch der Bauchnabel ist noch erkennbar und steht anscheinend leicht hervor. Soweit wir uns erinnern, sind die Merkmale besonders alter Figuren.

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Bereits vor Jahrhunderten beherrschten die Menschen die arbeitsteilige Produktion und die Herstellung von Teilen an für die Produktion optimalen Orten. Der Krater Puna Pau liegt nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zur Produktionsstätte der Moai, dem Rano Raraku, sondern gut 20 Kilometer entfernt. Eine weitere Herausforderung, um das Produkt an Ort und Stelle zu vervollständigen. Im Krater Puna Pau ist rote Schlacke vorhanden, das Material, aus dem die Haartracht/Kopfbedeckung hergestellt wird. Auch hier wurde der Hammer sehr plötzlich weggeworfen, wie die zahlreichen noch im Krater steckenden unfertigen Pukaos zeigen. Andere liegen zum Abtransport auf der Wiese außerhalb des Kraters, ob vollendet wissen wir nicht, ersichtlich ist jedoch, wie einige dieser Kopfaufsätze mit Petroglyphen verziert sind. Hier liegen sie seit Jahrhunderten, sind inzwischen in den Boden eingesunken. Deutlich wird auch, wie die Aufsätze befestigt wurden – sie hatten eine Aussparung, die in den Kopfzapfen des Moai passen musste. Strittig ist, wie die Kopfbedeckung/Haarputz auf den Körper kam. Die einen sprechen von Rampen, über die die Pukao zum Kopf der stehenden Figur gerollt wurden, andere glauben, mit Hilfe von Stangen sei der schwere Steinkörper in die Höhe geliftet und aufgesetzt worden.

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Von Puna Pau aus hat man auch einen schönen Blick auf die Bucht von Hanga Roa, den wir bei einer kleinen Pause genossen haben.

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Nach unserer Informationen befinden sich bis auf zwei alle Ahus an der Küste. Die größte der binnenlands liegenden Anlagen ist der Ahu Akivi (die andere hatten wir bereits auf dem Weg hierher zufällig gesehen), auch Siete Moai genannt. Während sonst die Moai in das Land blicken, der See den Rücken zukehren, den Untertanen in die Augen starren, sehen die hier auf einer sehr niedrigen Plattform stehenden sieben Moai auf das Meer. Dass gibt zu Spekulationen Anlaß. Der Legende nach stehen diese sieben Moais stellvertretend für die sieben von Urvater Hotu Matu’a ausgesandten Kundschafter, die den Auftrag hatten, eine Insel für die Übersiedlung des Königs zu finden, Rapa Nui. Die Blickrichtung ist gen Polynesien gerichtet. Eine mehr Sachargumente einbringende Variante führt den im Landesinnern gewählten Standort darauf zurück, daß die Küstenbesiedlung keine weiteren Siedlungen in Meernähe mehr möglich machte, weshalb in das Landesinnere ausgewichen wurde. Im Gegensatz zu den bisher gesehenen Ahus fällt die Höhe dieser Plattform sehr niedrig aus; keine große Steinplatten stützen die Rückseite, wie bei allen fällt die Fläche auf der Vorderseite, durch eine Art Rundstein gepflastert, leicht ab. Im Umfeld des Ahus konnte man eine Reihe von Fundamente erkennen, deren Bedeutung uns unklar ist. Wie immer sind die Moai prächtig große Figuren, wie man unschwer erkennen kann. Diese Anlage it eine der wenigen, die man weitgehend vollständig restauriert hat. Obgleich sie etwas besonderes im Reigen aller hier stehenden Ahus ist verirren sich nur vereinzelt Besucher hierher.

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Wenige Kilometer weiter östlich verzeichnet die Karte Ana Te Pahu, eine große Wohnhöhle. Hatten wir gestern auf Grund fehlender Taschenlampe die Höhle Ana Kakenga nicht wirklich besichtigen können, sind wir heute bestens ausgerüstet. Die erste Hürde zur Höhle scheint schnell genommen, denn ein Schild weist darauf hin, daß in dem Gebiet sich die Höhle befindet.

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Also machen wir uns auf den Weg durch das Gestrüpp und das Gelände. Wir finden, vorerst, zwar die gesuchte Höhle ncht, dafür aber einfach in der Landschaft herumliegende Fundamentsteine von Hare Paenga-Wohnhäusern hier auf der Ebene, weit weg vom Meer. Eigentlich befinden diese sich in der Nähe von Ahus, insofern hat vermutlich auch hier im Umfeld ein Ahu gestanden. Nicht alles was alt ist, scheint von besonderer Bedeutung zu sein; nur so ist zu erklären, daß diese Steine hier auf einer von Pferden genutzten “Wiese” so herumliegen.

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Aber die gesuchte Höhle blieb wie vom Erdboden verschwunden. Wir streiften kreuz und quer durch das Gelände ohne Erfolg, fast ohne Erfolg, denn dann bemerkten wir eine kleine Steinmauer, die es zu untersuchen galt. Sie grenzte eine große Höhle ein, deren Decke eingebrochen war. Die gesuchte Ana Te Pahu war es jedoch nicht.

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Zurück am Parkplatz fiel bei einem Rundumblick ein kleines Wäldchen nur wenige Meter entfernt ins Auge – vielleicht dort die Wohnhöhle? Wir gingen in das Wäldchen und fielen fast in die Höhle. Versteckt lagen die Felsstufen, die in die Tiefe führten. Wir standen in einer kleinen Senke mit einem Durchmesser von vielleicht 50/60 Metern. Auf einer Seite bemerkten wir dann einen Höhleneingang. In der Höhle selber waren für uns nicht erklärbare Steinhaufen  in Form von Rechtecken aufgeschichtet. Deutlich war auch, daß diese Höhle nicht nur einen Zugang hatte, d.h. für einen Fluchtweg war gesorgt. Nichts war erkennbar, was auf eine Wohnhöhlennutzung hindeutete; eine Feuerstelle fanden wir nicht, dafür bemerkten wir einen verzierten Stein in der Nähe des Eingangs. Diese Höhle war nicht die einzige, die von dieser Senke aus abging. Auch auf der gegenüberliegenden Seite war ein entsprechender Eingang vorhanden. Die Senke selber wurde wohl von einem Landwirt zum Anbau von Bananenpflanzen genutzt; ein gutes Plätzchen, denn geschützt war es hier wirklich.

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Damit hatten wir unser “Besichtigungsprogramm” absolviert; natürlich gibt es noch unzählige weitere historisch und kulturell wertvolle Stätten und Anlagen auf der Insel, unser Wissensdurst war weitgehend gestillt, unsere Aufnahmefähigkeit erschöpft. Zum Abschluß machten wir noch einen kleinen Abstecher an die Südküste, vorbei an dem einen oder anderen Ahu und genossen den Blick auf das Meer, die hier anrollenden Wellen.

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Unsere Zeit auf Rapa Nui ging zu Ende; das Moped wurde zurück gebracht, der Spätnachmittag und Abend auf der Terrasse unseres Quartiers mit anderen Gästen plaudernd verbracht, bis uns Keka gegen 23:00 Uhr mit Sack und Pack zum Flughafen brachte und uns gebührend mit einer Muschelkette verabschiedete.

Rapa Nui war es wirklich wert, hier die Tage verbracht zu haben. Erholung sieht zwar anders aus, das war auch nicht unser Anspruch. Wir wollten etwas über die Kultur der Insel vor Ort erfahren, was in großem Maße erfolgt ist. Nicht alles haben wir verstanden, manches auch nicht mehr in Erinnerung. Bleiben wird aber ein unvergesslicher Eindruck dieser Insel und seiner Kultur. Dieser Abstecher ist ebenfalls zu den Höhepunkten unserer Reise zu zählen!

… was ich noch zu sagen hätte ….

dauert aber länger als eine Zigarette, denn unter der gedanklichen Rubrik “Verschiedenes, was sonst noch so aufgefallen ist” ist das eine oder andere festzuhalten.

Oft haben wir uns gewundert, wie viele Menschen ihre Wasserflaschen auf dem Autodach sowohl in Chile als auch Argentinien einfach stehen lassen. Sind die alle gedankenverloren? Nein, sind sie nicht, denn es handelt sich um eine in diesen Ländern sehr bekannte Chiffre “verkaufe mein Auto”. Irgendwo an dem Wagen befindet sich dann auch ein Hinweis mit Telefonnummer, aber die Aufmerksamkeit wird durch die Wasserflasche, manchmal ist es auch ein Hütchen der Verkehrssicherung, erzeugt. Spart die Anzeige und wird überall gesehen.

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Kirchen finden sich in jedem Land, sie sehen sehr unterschiedlich aus und werden mehr oder weniger von den Gläubigen aufgesucht. Vielleicht haben wir in Deutschland die Augen nicht so weit wie hier in Südamerika geöffnet um zu bemerken, wie zahlreich die Kirchengebäude in den Städten und Gemeinden vertreten sind. Hier sind sie uns aufgefallen. Ganz besonders deutlich in Chaitén, der Stadt, deren Bewohner auf Grund eines Vulkanausbruchs zum größten Teil weggezogen sind, noch nicht einmal die Hälfte der ehemaligen 4.000 Bewohner lebt wieder in der alten Stadt. Hier fanden wir insgesamt  intakte Gebäude von fünf unterschiedlichen Kirchen/christlichen Gemeinden, eine weitere Glaubensgemeinschaft hat den Bau einer Kirche angekündigt. Ketzer würden unter Hinweis auf den Vulkanausbruch und seine Folgen für den Ort nur sagen – geholfen hat es aber nicht! Offensichtlich sind neben den beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften zahlreiche “Ableger” mit Erfolg auf Seelenfang gegangen, sind halt Fischer. Zugutehalten muß man allen Gemeinden – ihre Kirchenbauten sind keine Monsterbauwerke für tausende, sondern ihre Bauwerke sind eher bescheiden, ausgenommen die von den Zeugen Jehovas errichteten Bauwerke, oft auf großem bis riesiger Grundstücksfläche und von beachtlichem Bauvolumen.

Während unserer Fahrt sahen wir immer wieder am Straßenrand oder in der Nähe der Straße, mal in schöner Lage z.B. unter einem Baum, mal auf einem besonders hergerichteten Platz, oft aber nur schlicht und einfach gehaltene Grabstellen. Nicht nur ein schlichtes Kreuz stand da, sondern es sah nach einer richtigen Grabstätte aus, wie sie auch auf den hiesigen Friedhöfen zu finden sind. Wurden hier am Wegesrand Menschen bestattet? Ist das erlaubt? Manchmal sahen wir auch, wie Menschen an diesen Grabstellen innehielten, hier verweilten, fast wie bei uns auf den Friedhöfen, nur hier in großer Öffentlichkeit und nicht in aller Stille. Da wir diese Grabstellen sowohl in Argentinien als auch in Chile sahen, muß es sich um ein Südamerikanisches Phänomen handeln, dessen Lösung wir in keinem Reiseführer fanden. Erst Oliver, unser Gastgeben in Valparaiso, hatte einen Erklärungsansatz parat. Manchmal handelt es sich um Menschen, die im Straßenverkehr umgekommen sind und denen man an der Unfallstelle gedenkt. Viel häufiger sind jedoch Grabstellen, die keinen Bezug zum Ort besitzen, sie wurden einfach an einem passenden Plätzchen errichtet. Man erhofft sich, wenn auf der Straße vorbeifahrend, die Unterstützung und Hilfe des Vergangenen, dem nach seinem Tod quasi übernatürliche Kräfte zugesprochen werden. In Argentinien kommt noch ein besonderer Gauchokult hinzu,, erkennbar an den an der Grabstätte errichteten roten Fahnen. Ursprünglich glaubte ich, hier würde besonderen Arbeiterführern der Umgebung gedacht werden, lag aber falsch. Der Gaucho ist der typische “Ur”einwohner des Landes, auf dem Lande und in der Viehwirtschaft tätig, ein harter Hund, wettergegerbt und Marlboro rauchend. Manche dieser Cowboys in unserem Sinne sind herausragende Persönlichkeiten gewesen, denen durch eine entsprechende Kultstätte eine besondere Ehre erwiesen wird., Hier treffen sich dann auch die Nachfahren, Freunde und Bewunderer des verstorbenen Gauchos.

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Zwei Sichten des gleichen Sachverhalts.

Chile und Argentinien sind Nachbarn; sie waren nicht immer friedlich miteinander, aber seit vielen Jahrzehnten ist es ruhig – nur an der Oberfläche?

Wie das bei Grundstücksnachbarn vorkommt, daß man sich über die Gestaltung des Zauns oder den korrekten Standort streitet und nicht nur ärgert, ist bekannt. Aber unter zivilisierten Nationen im 20. Jhd. noch über Grenzfragen sich in die Haare zu bekommen, befremdet. Von uns in Europa wohl nicht bemerkt, aber Anfang der 90er Jahre war es kurz davor, zwischen beiden Ländern zu knallen; Argentinien ließ die Muskeln spielen und nur auf Vermittlung des damaligen Papstes kam es 1998 zu einer von beiden Seiten auch schriftlich fixierten Übereinkunft. Wie man zu dieser steht, zeigen die offiziellen oder halboffiziellen Veröffentlichungen auf beiden Seiten. Es scheint, als ob Argentinien sich mit Tatsachen nicht abfinden kann oder will, es an der Souveranität fehlt, Fakten zu akzeptieren. Ähnlich wie in der Falklandfrage/den Malvinas glaubt man, die Fakten durch Wiederholung sehr einseitiger Behauptungen aus der Welt, zumindest aus den Köpfen der eigenen Bevölkerung zu schaffen und diese u.U. für neue Abenteuer begeistern zu können.

Worum geht es? Die im folgenden wiedergegebenen Kartenausschnitte, links aus Chile, rechts aus Argentinien, unterscheiden sich nur durch eine kleine Linie bzw. die im Kartenmaterial enthaltenen Informationen/Hinweise . Betroffen ist das Gebiet zwischen dem Cerro Fitz Roy und dem Cerro Murallón/Daudet, also eine kalte, eisige, von wenigen Menschen bewohnte Gegend in einem der schönsten Gebiete Patagoniens :

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Hier stritt man sich jahrelang, ob der Grenzverlauf über den Gipfel z.B. des Cerro Fitz Roy verläuft oder, wie die Argentinier es gerne hätten, weiter westlich. Als wenn die Entwicklung des Landes oder sein Schicksal von dieser Frage abhängen würde. In den argentinischen Publikationen und Karten werden Fakten geschaffen, d.h. eine Grenze festgelegt, obgleich man in der Übereinkunft von 1998 gemeinsam festgelegt hat, daß über die tatsächliche Grenzziehung zu einem späteren Zeitpunkt eine einvernehmliche Lösung gefunden werden soll. Demgegenüber wird in Chile und den dort vertriebenen Karten zwischen den besagten Eckpunkten keine Grenzlinie gezogen, sondern deutlich gemacht, daß hier ein Dissens zwischen beiden Ländern besteht, der später geklärt werden soll. Die einen wollen Fakten schaffen, als ob  dies in der Zukunft ihnen eine bessere Ausgangsposition bieten würde, die anderen gehen souverän mit der Frage um.

Auf der gleichen Ebene liegt die Darstellung Argentiniens hinsichtlich der territorialen Ansprüche an der Antarktis. Die hier vorliegenden Motive liegen auf der Hand, die dort vermuteten Bodenschätze. Zum Glück gibt es eine, zeitlich befristete, Übereinkunft aller Anrainerstaaten und weiterer Nationen, auf eine Ausbeutung der Bodenschätze in dieser ökologisch höchst empfindlichen Region zu verzichten. Zu hoffen bleibt, daß man es endlich vermag, dieser Übereinkunft eine generelle und unbegrenzte Gültigkeit für alle Nationen zu verschaffen. Argentinien hofft natürlich, ein Stück von dem Bodenschatzkuchen abbekommen zu können und weitet seine Gebietsansprüche beträchtlich aus, zumindest in den Darstellungen argentinischer Karten. Im Vergleich dazu die Darstellung aus Chile (links) :

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Ohne überhaupt beurteilen zu können, welche Ansprüche welche Berechtigung haben ist für mich allein entscheidend, wie stellt man die eigenen Ansprüche im  Kontext von Drittansprüchen dar. Aus der chilenischen Darstellung ist ersichtlich, daß bei einem Teil des “Kuchenstückes” Argentinien Ansprüche angemeldet hat, es also nicht abschließend geklärt zu sein scheint. Im übrigen sind es ja nur Ansprüche und kein Besitz! Ganz anders die argentinische Darstellung. Danach handelt es sich bei dem “Kuchenstück” bereits um einen Teil der Feuerlandprovinz. Selbst für Laien erstaunlich festzustellen, daß Argentinien es vermag, nicht von dem im äußersten Westen gelegenen Landfetzen zum Südpol eine seinen Anspruch im Westen abgrenzende Linie zu ziehen, sondern auch diese weiter in den Westen verlagert. Hier ist Konfliktstoff gegeben.

Satiriker würden auf den Taschentuchtest verweisen, um eine Aussage über den Zustand Argentiniens im Vergleich zu Chile zu treffen. Während bei Verwendung eines normalen Papiertaschentuches argentinischer Herstellung man sich direkt in die Hand schneuzen kann, denn das Ergebnis ist auch unter Verwendung des Taschentuchs nicht besser, bleibt bei einem chilenischen Papiertaschentuch die Hand trocken, die Qualität des Taschentuchs überzeugt.

Letzte Tage in Chile – Valparaiso und Santiago

Nachdem wir den Wagen erfolgreich an sein Ziel gebracht hatten, machten wir uns per Metro und dann bei Überlandbus nach Valparaiso auf den Weg, raus aus der mit einer Dunst- und Smogwolke überlagerten Großstadt. Nach zwei Stunden Busfahrt am Ziel, ohne bislang der Meer gesehen zu haben, dafür jedoch eine sehr trockene, fast vertrocknete Landschaft. Mit Hilfe eines Ministadtplans ging es dann vom zentralen Busbahnhof quer durch die Stadt in einer Art erstem Stadtrundgang  zu unserem Quartier in der Templeman, der Casa Kultour, mitten im Barrio Concepcion und damit in dem zum Weltkulturerbe erklärten historischen Bereich.

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Bereits hier konnten wir am eigenen Leib erfahren was es heißt, in Valparaiso, insbesondere in seinen alten Stadtteilen, zu leben, nämlich Treppensteigen, mehr oder weniger steile Straßen und Sträßchen hinauf- und hinabzugehen. Da weiß man, wie schwer der Einkauf war und orientiert sich hin zu den kleinen Geschäften in der Wohnumgebung. Ein erster Eindruck dieser von manchem als schön bezeichneten Stadt : Valparaiso hat etwas, versprüht eine besondere Atmosphäre, zumindest in seinen aus der früheren Blütezeit im 19. Jahrhundert stammenden Vierteln. Ob man deshalb aber Hymnen über die Stadt dichten muß, wie Pablo Neruda, der hier in einem seiner drei Häuser, der La Sebastiana, immer wieder gelebt hat, es vermochte, sei dahin gestellt. Das Valparaiso eine seiner Herzensangelegenheiten war, kann man seinen Äußerungen jedoch deutlich entnehmen.

Der Besucher der Innenstadt erlebt eine Stadt voller Leben, geschäftig, aber nicht hektisch, belebt aber nicht überfüllt, modern und aus dem 19. Jahrhundert stammend, mit sehr regem Busverkehr und oft vollen Straßen, geduldig an den Haltstellen Wartenden, fliegenden Händlern, Musikern, schöner alter Bausubstanz, oft ansprechend restauriert, oft aber auch dem Verfall preisgegeben. Je weiter man sich vom “Plan”, dem wassernahen Büro-, Verwaltungs-, Einkaufsbereich, entfernt, desto größer ist der teilweise morbide Charme der Stadt und seiner alten Viertel spürbar, in denen in großer Zahl, insbesondere auch in den unter den Weltkulturerbeschutz gestellten, die Gebäudeverwahrlosung oft sehr deutlich wird. Dies kann bedrücken, stimmt traurig, wie mit dem Kulturerbe umgegangen wird, ist aber nur die eine Seite der Stadt. Die andere Seite ist abends zu spüren, wenn gerade in diesen Vierteln nicht nur durch die Touristen, sondern vor allem durch die Einheimischen die Plätze und Gassen belebt werden.

Dieser Lebensfreude entspricht die oft sehr farbenfrohe Gestaltung der Häuser, seien sie noch so klein, sanierungsbedürftig oder vom Verfall umgeben. Hier hat man Mut zur Farbe, die ganze Farbpalette wird abgearbeitet, nicht nur Einheitspastelltöne fallen bei einem Rundumblick ins Auge.

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Valparaiso ist die Stadt die, so heißt es, auf 42 Hügeln gebaut wurde. Wir haben uns nur den im historischen Innenstadtbereich befindlichen gewidmet, vor allem wurden die Barrios Santo Domingo,Concepcion, Allegre,Pantheon, Bellavista und Carcel durchstreift. Auf alten Bildern von Mitte des 19. Jhd. kann man erkennen, daß es kaum eine Hügelbebauung gab, verständlich, denn Valparaisos Blütezeit kam erst noch. Der Hafen als Umschlagplatz hatte bis zur Eröffnung des Panamakanals eine große Bedeutung und war ein wesentlicher Grund für das Aufblühen der Stadt. Aus dieser Zeit Ende des 18. Anfang des 19. Jhd. stammen die allermeisten Bauten, in Hafennähe oft extrem repräsentativ, oft erinnernd an Gründerzeitbauten in ihrer Wuchtigkeit, auf und an den Hügeln in exponierter Lage riesige Villen der Begüterten, im weiteren Umfeld dann auch die Häuschen von nicht so betuchten Bürgern. Alten Bildern ist zu entnehmen, daß zuerst auf den Bergrücken gebaut wurde, um anschließend sich den Hang hinab zu arbeiten. Beeindruckend, wie man es geschafft hat, auf dem felsigen Untergrund manche Objekte zu errichten. Manchmal mussten meterhohe Mauern hochgezogen werden, um ein Baufundament zu erhalten, manchmal gab es nur einfache Balkenkonstruktionen, auf denen dann das oft kleine Haus steht. Hin und wieder scheinen die Häuser wie ein Schwalbennest an den Bergen zu kleben. Zahlreiche Treppen verbinden die unten liegenden Häuser mit den auf dem Hügelrücken verlaufenden Straßen oder es werden Treppenfluchten bis ins “Tal” geschaffen. Es scheint es, als sei alles mit allem irgendwie verbunden.

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Valpo hat viele Besonderheiten, eine der herausragendsten sind jedoch seine “ascensores”, kleine Seilbahnen, bei der sich zwei Kabinen gegenläufig hinauf-oder hinabziehen. Die älteste von 1883 überbrückt einen Höhenunterschied von vielleicht 50 Metern im Stadtteil Concepcion und erspart den Benutzern den Gang über eine schier nicht enden wollende Steintreppe. Nicht alle dieser in den Plänen verzeichneten ascensores sind aktuell in Betrieb, verständlich, denn sie wurden im wesentlichen bis Anfang 1900 gebaut und werden seitdem nahezu unverändert in Betrieb gehalten. Natürlich erfolgen auch technische Überprüfungen. Einer Panne bei der Durchführung einer solchen Prüfung muß im vergangenen Jahr ein Altertumsstück zum Opfer gefallen sein, denn durch einen Fehler bei der Befestigung der Seile rauschte eine Kabine im Test in die Tiefe; dieser ascensor wird wohl nicht mehr eröffnet werden. Über den Spuren anderer wächst, da seit langem außer Betrieb gesetzt nicht nur das Gras, sondern ganze Büsche und Bäume. So reduziert sich nach und nach die früher einmal 42 betragende Zahl der aktiven Seilbahnen. Es wäre schade, wenn diese Bestandteile der Baukultur und des Lebens in den Vierteln endgültig von der Bildfläche verschwinden würden. Wir sind mit verschiedenen der ascensores gefahren und fühlten uns sicher; erstaunlich dann der Hinweis des Außenministeriums, man solle aus Sicherheitsgründen von der Benutzung dieser Seilbahnen absehen! Das rief auch bei Oliver mehr als nur ein Schmunzeln hervor, eher war es völliges Unverständnis für derartige Hinweise.

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Auch Valparaiso war, zuletzt 2010, immer wieder von mehr oder weniger großen Erdbeben betroffen, wurden Gebäude zerstört, weniger dort, wo auf den Granitfelsen gebaut wurde, sondern insbesondere im Bereich des vor den Hügeln liegenden Plan, dem im wesentlichen in den letzten 150 Jahren neu gewonnenen, dem Meer abgerungenen Land. Hier stand/steht die alte Markthalle, heute nur noch als Gerippe der Außenmauern, Folge des letzten Erdbebens.

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Manche Institution der Stadt hat die Zeit gut überlebt, ohne sich dabei grundegend geändert zu haben wie z.B. das Lokal Cinzano an der Plaza Anibal Pinto. Tritt man hier ein, wird man um viele Jahrzehnte zurück gebeamt. Das Interieur erinnert nicht nur an die 30er Jahre, es stammt aus dieser Zeit, die Bilder an der Wand, oft von Künstlern, aber auch Stadtansichten, zeugen von einer vergangenen Epoche. Und irgendwie passen die um die 70 Jahre alten Kellner und Barmänner mit ihren grauen Haren, dem kräftigen Bierbauch auch dazu. Eine Institution in der Stadt, von der es noch viele gibt, man muß sie nur entdecken.

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Hatten wir in Santiago den Eindruck, uns in der Stadt der Grafittokünstler, dem Zentrum der “Bewegung” zu sein, müssen wir uns nach unserem Besuch von Valparaiso korrigieren. Hier prangt an fast jeder Ecke ein nicht immer sehr gelungenes Graffito. Unscheinbare Ecken erhalten dadurch besondere Aufmerksamkeit, werden “sinnvoll” genutzt und zeugen auch von der Lebensfreude in der Stadt.

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Valparaiso hat zwar seine große Bedeutung als Hafenstadt für den Warenverkehr verloren, an deren Stelle ist jedoch der Besuch zahlreicher Kreuzfahrtschiffe getreten, bei deren Ankunft und vor allem Abfahrt sich viele Menschen an der Muelle Prat einfinden, um die riesigen Ungetüme zu bestaunen und zu verabschieden. Dann ist heftiges Gewusel auf dem Kai, umfahren kleine Boote mit Gästen die weißen Dampfer.

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Im Verlaufe einer Stadtrundfahrt mit der Linie 612, die über zahlreiche, insbesondere die historisch bebauten Hügel der alten Innenstadt fährt, besuchten wir auch busfahrend Vina del Mar. Diese Stadt hat wohl das Glück, im wesentlichen in einer Ebene sich entwickeln zu können. Während in Valpo Hochhäuser eher selten zu finden sind, alte Bauten das Stadtbild der Innenstadt  prägen, reihen sich in Vina die Betonklötze aneinander. Wenn diese Stadt ein Gesicht haben soll, wir haben es nicht gesehen. Demgegenüber weist Valpo ein eindrucksvolles wenn auch teilweise geschundenes Gesicht auf, das sehr ausdrucksvoll und vielfältig ist und zu langem Erkundungsgängen einlädt.

Von Oliver bekamen wir den Hinweis, daß in einer im Stadtteil Alegre befindlichen anglikanischen Kirche (ca. 1850 errichtet), jeden Sonntag ein kleines Orgelkonzert auf der historischen Orgel stattfindet. Wir besuchten das kleine Konzert, vor dessen Beginn der Organist erst einmal Hand an die Orgeltechnik legen musste, um das alte Instrument seinen Bedürfnissen entsprechend einzustimmen. Und dieser Anstrengung mit anschließendem Orgelkonzert folgten nur knapp 50 Personen! Herausragende Museen befinden sich nicht in der Stadt, heißt es. Kürzlich wurde jedoch auf dem Cerro Alegre das Museo de Bellas Artes in einem restaurierten Palast, dem Palacio Baburizza, wieder eröffnet. Nach Aussagen von Oliver zwar gut gefüllt mit Landschafts- und Portraitmalerei des 18. und 19. Jhd., bemerkenswert seien jedoch die, leider, wenigen Stadtansichten aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das mit einer wunderbaren Aussicht auf den Hafen ausgestattete Gebäude war uns schon bei einem früheren Spaziergang durch das Barrio aufgefallen, nun konnten wir den Blick auch aus seinem Inneren heraus genießen. Die Gemäldesammlung muß man nicht unbedingt besucht haben, die alten Stadtansichten waren den gut einstündigen Rundgang wert.

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Eigentlich wollten wir ja auch den Strand von Valpo genießen; uns war aber entgangen, daß dieser sich nicht in Zentrumsnähe befindet; die Badesachen hatten wir vergeblich mitgenommen.

Die beiden Tage in Valpo waren völlig ausreichend, um einen guten Einblick zu erhalten, interessant war es, hier herum zu laufen, anstrengend durch die vielen Hügel teilweise auch. Nett waren die Menschen, hilfsbereit. Nicht nur einmal wurden wir darauf hingewiesen, nicht mit der Kamera in der Hand in einen bestimmten Teil von Santo Domingo, dem alten Hafen nah gelegen, zu gehen, wenn wir auch danach noch fotografieren wollten. Aufmerksam!

Damit verblieben uns noch zwei Tage bis zum Abflug auf der Osterinsel, in denen wir unsere Rücksäcke beim Autovermieter abholten, Wäsche waschen fuhren, unser Päckchen mit Literatur zu den nächsten Reisestationen bei unserer alten Sprachschule entgegen nahmen und viel im Internet zu der übernächsten Station, französisch Polynesien, recherchierten. Unsere Planung ist ja rollierend, d.h. die Infos zur nächsten Station beschaffen wir uns – leider – immer dann, wenn sie benötigt werden. So steht jetzt Tahiti und die umliegenden Inseln auf dem Programm.  Ergebnis der Recherche ist, neben der Insel Tahiti auch auf eine weitere der Gesellschaftsinseln, Huahine, zu fliegen. Also Flüge suchen, mit unserem Anflug nach Tahiti abstimmen, Quartiere suchen und reservieren. es war genug zu tun am letzten Tag vor unserem Abflug aus Südamerika, der sich dann noch, aus nicht mitgeteilten Gründen kurzfristig um 3 1/2 Stunden verschob. So konnten wir den 9.1. gemütlicher als ursprünglich vorgesehen, angehen.

Ein besonderes Erlebnis in Santiago muß an dieser Stelle erwähnt werden : bei unserem Kurzbesuch bei unserer Sprachschule, um ein hierhin adressiertes für uns bestimmtes Päckchen abzuholen, wurden wir laut, mit Freude und unseren Vornamen begrüßt. Das hätten wir nicht gedacht, daß sich Lehrer, Chef und Sekretärin nach so langer Zeit an uns erinnern.

Was ist das Fazit unserer Monate in Chile und Argentinien?

Wir sind im Verlaufe der Wochen vielen netten Menschen begegnet, Reisenden wie wir aber auch zahlreichen Chilenen und Argentiniern, Es war überraschend und schön festzustellen wie hilfsbereit die Menschen waren. Selbst Autos hielten an um zu fragen, ob sie uns helfen könnten. Die gesehenen Landschaften, ganz gleich ob Berge, Wüste, Seen, Meer, Wiesen und Wälder, Fjorde und Flüsse waren sehr beeindruckend und für uns einzigartig, oft auch atemberaubend schön. Es fällt schwer, aus der Vielzahl der Erlebnisse und Eindrücke die drei herausragendsten zu benennen, Katrin hat andere Präferenzen als ich, aber einig sind wir, das diese Wochen eine echte Bereicherung waren und es wert war, hier diese Wochen verbracht zu haben. Menschlich enttäuscht wurden wir, abgesehen von der Bestätigung unseres Vorurteils über Autoverkäufer, nie. Natürlich muß man bei einer so langen Reise und den vielen Stationen damit rechnen, nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, nicht jeder Wandertraum z.B. erfüllte sich. Dennoch, so viel gewandert und uns in der immer wieder anders sich darbietenden Natur wie auf diesem Kontinent haben wir bislang noch nicht, auch dies ist ein besonderer Gewinn unserer bisherigen Reise. Schön war es hier, wenn auch nicht jeder einzelne Tag das besondere Highlight brachte, es waren aber unzählige Höhepunkte, die wir nicht missen wollen. In der Summe aller Tage sind wir mehr als zufrieden und glücklich.

Nach vier Monaten Südamerika, ein Monat Sprachkurs und drei Monate Rundreise in Chile und Argentinien freuen wir uns, andere Kulturkreise kennen zu lernen.

Talca, das Maule Tal und der Parque Nacional Altos de Lircay

Der Himmel meinte es bei unserer Abreise aus Pucón gut, es nieselte und regnete zu Beginn, also kein toller Blick auf die Bergwelt möglich. Ganz im Gegensatz zu unserer Stimmung, wir waren gespannt, was Talca, gut 650 Kilometer Fahrstrecke weiter nördlich und in Schlagdistanz zu Santiago zu bieten hat. Auf Talca sind wir aus zwei Gründen gekommen : zum einen kann man von hier aus bis zur Mittagszeit, unser Abgabetermin für den Wagen, Santiago erreichen, zum anderen befinden sich in der Nähe mehrere interessante Nationalparks, wobei die Parque Nacional Altos de Lircay uns besonders zusagt.

Nach 6–stündiger Fahrt waren wir am Ziel und checkten am frühen Nachmittag in unserem Hostel ein. Als gegen 19:00 Uhr uns der Hunger plagte machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Plaza de Armas, bislang immer ein Ort an dem oder in dessen näherer Umgebung ausreichend Restaurants sich befanden. Auch in Talca mit seinen mehr als 200.000 Einwohnern gingen wir davon aus, fündig zu werden. Wir liefen eine Vielzahl von Straßen rund um den zentralen Platz ab, alle Restaurants waren geschlossen. Ein Kino hatte zwar geöffnet, das benachbarte Restaurant verweigerte sich dem Gast. Nach fast einer Stunde ergebnisloser Suche kehrten wir zum Hostel zurück, vielleicht wußte der Concierge Rat. Dieser schickte uns in eine nahegelegene Straße, in der in der Tat sich zahlreiche Restaurants befinden, jedoch heute alle geschlossen. In unserer Not und mit mehr als nur einem Loch im Bauch besannen wir uns einer Systemgastronomie, die rund um die Uhr jeden Tag im Jahr geöffnet hat, ein “Restaurant”, um das wir sonst immer einen großen Bogen machen. Aber heute schien uns das die einzige Möglichkeit zu sein, nicht mit großem Hungergefühl ins Bett gehen zu müssen. Also stiefelten wir, ausgehend von unserem Hostel, über das wir die Adresse dieses Spitzenrestaurants erfahren hatten, gut 14 Blocks ostwärts und drei Blocks nach Norden. Wir hatten uns nicht geirrt – es kann alles zusammenbrechen, MD hat immer auf und wartet auf sein Geschäft. Groß war der Umsatz mit uns nicht, wir beschränkten uns auf das Allernotwendigste und verließen schnell, zumindest leicht gesättigt, den Tatort.

Es war für uns eine völlig neue Erfahrung, am Neujahrstag in einer Großstadt überall auf geschlossene Lokale zu treffen. Wohl auch deshalb war in der Stadt nicht nur am frühen Abend kaum jemand unterwegs.

Den 2.1. widmeten wir neben einem Stadtrundgang insbesondere weiteren Recherchen zu unseren nächsten Zielen und vor allem dem Versand nicht mehr benötigter Reiseliteratur und unserer Schulbücher. In Santiago wartet bereits ein Karton mit Reiseführern unserer nächsten Stationen. Man mag es kaum glauben, aber der Versand unseres Buchkartons mit etwas über 11 Kg Gewicht kostete so viel, daß wir dafür auch fast 3 Nächte in unserem Hostel, zugegeben, diesmal stimmte der Preis wirklich mal, hätten schlafen können.

Ganz aus unserem Gedächtnis gestrichen war die Information in 2010, in dem ein sehr starkes Erdbeben vor der Küste Chiles insbesondere die Region um Talca heftig getroffen und zu immensen Schäden geführt hatte. Anfangs wunderten wir uns über die auch in der Innenstadt befindlichen zahlreichen Adobehäuser, die leer standen, teilweise keine Dächer mehr besaßen, manchmal zwar von weitem “gesund” aussahen, bei näherem Hinsehen aber von tiefen Rissen im Mauerwerk überzogen waren. Eine stattliche Anzahl von Innenstadtgrundstücken lag brach, war eingezäunt, das Unkraut wucherte. Eigentlich in exponierter Lage nicht verständlich. Aber nicht nur Adobehäuser waren baufällig, auch eine größere Anzahl stattlicher moderner (Schule) oder repräsentativer Bauten (Bank) war gesperrt, die Türen verschlossen, die Fenster teilweise verbrettert oder es gähnte den Betrachter ein großes oft helles Loch entgegen – Licht kam von oben, dem Himmel. Information über die Stadt brachte dann die Erklärung, das Erdbeben in 2010. Wie wir erfuhren, mußten zahlreiche Bürger ihre einsturzgefährdeten Häuser aufgeben, sollen jedoch nicht der Stadt den Rücken gekehrt, sondern sich in den Randbezirken niedergelassen haben. Eine Flucht aus der – gefährdeten – Stadt habe es nicht gegeben. Was jetzt noch fehlt ist ein erkennbarer Einsatz, die noch vorhandenen zahlreichen Schäden dauerhaft zu beseitigen.

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Unser Reiseführer aber auch die eingeholte Auskunft im örtlichen Tourismusbüro bestärkte uns in der Entscheidung, noch einmal in einen Nationalpark wandern zu gehen. Nächstgelegen ist der Parque Nacional Altos de Lircay, d.h. wir müssen gut 60 Kilometer anfahren, um an die Berge und die Anden zu kommen. Unsere Fahrt führt uns über San Clemente in Richtung Osten in ein kleines Tal, an dessen Ende – fast Ende – das Örtchen Vilches Alto liegt. San Clemente muß man eigentlich  noch der Weinbauregion im Mauletal zurechnen, denn zahlreiche sehr große Weinbaubetriebe säumen die Straße hierhin. Wir hatten zwar von der besonderen Qualität der hiesigen Weine gehört, heute jedoch etwas anderes vor und verzichteten auf die zahlreichen Möglichkeiten einer Weinprobe im Umland von Talca. Was dann aber bei der Einfahrt nach San Clemente sehr befremdete war die “Begrüßung” durch eine auf dem Mittelstreifen aufgebaute alte Flak, die gegen Westen, d.h. Talca zeigte. Ein Weinfass oder wegen des ebenfalls ausgeprägten Obstanbaus ein Symbol dieses Wirtschaftszweiges hätten wir noch verstanden, aber ein Flakgeschütz? Gegen wen richtet es sich, wer soll hier geschützt werden? Geschmacklos und verirrt.

Langsam ließen wir den landwirtschaftliche geprägten Bereich hinter uns, fuhren stetig bergauf und wurden nach und nach vom Wald umgeben und trafen dabei wieder einmal auf einige Gauchos, die einige Rinder vor sich her trieben, eine staubige Angelegenheit.

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Bei der Parkverwaltung am Parkeingang informierten wir uns über die Wanderrouten. Unterschiedlich lange Strecken standen für einen Wandertag zur Auswahl; wir entschieden uns, zum etwa 2.300m hoch gelegenen Basaltplateau El Enladrillado zu wandern, einem Ort mit weitem Blick auf und in die umliegenden Andenberge; die Wanderzeit mit angegebenen 8 Stunden passte noch in unseren Zeitplan, denn wir hatten in der Vergangenheit immer wieder die Erfahrung machen können, teilweise erheblich vor den vorgegebenen Zeiten am Startort zurück zu sein. Eine Zusatzoption gab es durch dieses Ziel, bei genügend Zeitpuffer und Lust bestand die Möglichkeit, den Rückweg über die auf 2.200m gelegene Laguna Alto zu wählen. Während wir auf unseren vergangenen Wanderungen durch Nationalparks kaum andere Wanderer angetroffen haben, hier waren doch einige unterwegs, meistens voll bepackt mit Zelt, Schlafsack und Isomatte, Kochgeschirr etc. um einige Tage auf einem der beiden unten im Tal befindlichen CONAF-Campingplätzen zu verbringen. Hier waren dann auch manchmal Familien unterwegs, bei denen erkennbar das eine oder andere Familienmitglied sehr früh unter der Last und dem ansteigenden Weg gelitten hat. Als es dann nach gut 1 3/4 Stunde so richtig bergauf ging, waren wir dann allein unterwegs. So lange wir im Schatten des urwüchsigen Lenga- und Roblewaldes wanderten, lief zwar wegen der großen aber noch auszuhaltenden Hitze auch Schweiß, aber in Grenzen, auch wenn wir nicht gerade bummelten. Doch nach einer weiteren halben Stunde waren wir aus dem Schutz des Blätterdaches heraus und spürten die volle Kraft der Sonne. Ein leichtes Lüftchen brachte etwas Kühlung. Zur Hitze kam dann noch ein immer schlechterer Weg, ein Steig, der immer wieder vorgaukelte, bald hätten wir den Bergsattel erreicht. Nach dreieinhalb Stunden standen wir dann endlich in praller Sonne auf dem Plateau und konnten die wirklich ungewöhnliche Aussicht genießen. So richtig weit sehen konnten wir zwar nicht, dafür waren dann die umliegenden Berge, Bergketten und Vulkane doch zu mächtig, aber die Blicke ins Tal, auf die abwechslungsreichen sichtbaren Felswände, die umherliegenden und den Abhang markierenden Basaltbrocken entschädigten für den vergossenen Schweiß. Als wir dann noch, leider weiter entfernt, einen Kondor in seinem Flug ohne einen Flügelschlag dahingleiten sahen, war der Tag perfekt, wenn nicht noch ein Rückweg durch die Sonne anstehen würde. So interessant der Rückweg über die Laguna Alto auch erschien, wir hätten dann 2 zusätzliche Stunden in der prallen Sonne gehen müssen, wogegen wir uns aus Vernunftsgründen entschieden. Zügig ging es dann auf bekanntem Weg zurück, auf dem wir im Talabschnitt auch zahlreichen wandernden Campern begegneten, von denen einzelne bereits nach einer guten Stunde wandern ziemlich platt am Wegrand saßen. Nach etwas mehr als 5 1/4 Stunden Wanderung meldeten wir uns dann beim Parkranger ab und fuhren zurück nach Talca. Das war dann sicherlich die letzte Wanderung während unserer Reise auf chilenischem Festland. Das nächste Mal werden wir auf Rapa Nui die Wanderschuhe anziehen dürfen.

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Den Abend verbrachten wir damit, unser Gepäck so zu richten, daß unser Handgepäck das Notwendige für den Kurzabstecher nach Valparaiso enthält, der Rest muß in unseren beiden Rucksäcken verstaut werden. Was anfangs als Problem erschien, stellte sich später als fast leicht zu lösende Aufgabe heraus – alles fand seinen Platz, man muß sich halt von Überflüssigem trennen.

Wir hatten die Wagenrückgabe für den 4.1. gegen 12:00 Uhr vereinbart und starteten deshalb bereits um 07:30 Uhr. Für die 250 Kilometer bis zur Hauptstadt viel Zeit, da wir aber kein ausreichendes Kartenmaterial zur Stadt besitzen und uns den letzten in der Stadt verlaufenden Streckenabschnitt aus einem Routenplaner herausgezogen hatten ohne zu wissen, ob dieser Vorschlag zielführend ist, war uns ein größerer Zeitpuffer sehr recht. Und diesen brauchten wir auch. Offensichtlich sprechen Routenplaner und diejenigen, die für die Ausschilderung vor Ort zuständig sind, nicht ausreichend miteinander. Sobald wir die eigentliche Autobahn verlassen mussten, uns dabei auch an den Kilometerangaben des Routenplaners orientierten, waren wir aufgeschmissen. Die aufgezeichneten Ortsangaben existierten nicht, wir fuhren ab der Stadtgrenze Santiago im Blindflug. Die in Stadtrandnähe ersichtlichen Ortsteilangaben brachten uns auch nicht weiter, denn wir konnten diese nicht zuordnen. Nach mehr als einer halben Stunde Irrfahrt endlich ein Hinweis auf die Richtung ins Zentrum. Da kennen wir uns aus, für den Innenstadtbereich haben wir eine Straßenkarte. Wie stark sich Santiago in der Fläche ausbreitet, haben wir dann in der folgenden 3/4 Stunde im wahrsten Sinne des Wortes erfahren können, bis wir uns endlich auf bekanntem Terrain befanden. Bis wir den Wagen an seinem Bestimmungsort abgeben konnten, leider erst um 12:10 Uhr, sind wir fast volle zwei Stunden durch die Stadt gefahren, hatten wiederholt erheblichen Frust entwickelt und mehr als einmal die wilden und rücksichtslosen Raser in der Stadt mit Schimpfwörtern belegt. Alles ging gut, wir konnten den roten Flitzer nach exakt gefahrenen 20.300 Kilometern ohne Beanstandung dem Vermieter zurück geben. Dreckig, voller Staub war er und wir hatten die letzten Stunden ganz schön geschwitzt. Tschüss, der Toyota war ein verlässlicher und hinsichtlich seines Spritverbrauchs mit seinen 2,4l Hubraum genügsamer “Begleiter”. Damit endet hier in Santiago unsere Rundreise per Auto, jedoch nicht unsere Zeit in Südamerika, denn vor dem Weiterflug nach Rapa Nui werden wir noch einen Abstecher nach Valparaiso unternehmen.

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Zurück nach Pucon – jetzt den Volcano Villarrica vor Augen

Vor wir wissen gar nicht mehr wieviel Wochen hatten wir Pucón den Rücken gekehrt bei strahlendem Wetter. Leider haben wir dabei den Volcano Villarrica nur von unten gesehen, statt wie erhofft oben auf ihm zu stehen. Unser Zeitpolster erlaubt es, auf dem Weg gen Norden hier einen 2-Tagesstop einzulegen. Ob das Wetter diesmal für eine Bergwanderung geeignet ist?

Fünf schöne Tage hatten wir in der Posada del Colono verbracht, auch viel mit Emma und Marcelo gesprochen, wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, der Abschied von den beiden und dem so gar nicht als Wachhund tauglichen Pepe fiel herzlich aus. Zu Pepe ist folgendes nachzutragen. Während unserer Anwesenheit nächtigte auch ein Paar hier, das per Fahrrad unterwegs war. Pepe freundet sich mit jedem der hier ankommt an und begleitet sie, sei es nur zum Auto, zum See oder, wie die beiden Radfahrer, diese auf ihrer nächsten Etappe zum Ort Entre Lagos, nicht auf direktem Weg, sondern auf Umwegen. Seine Abwesenheit wurde erst nicht so richtig bemerkt, bis ein Anruf Emma aus dem 50 Kilometer entfernten Rupanco erreichte, hier sei ihr Hund angekommen. Offensichtlich hatten die beiden Radler den dann wohl ziemlich matten Pepe irgendwo auf der Strecke “abgeben” können. Den Hund abholen, daran wurde kein Gedanke verschwendet. Marcelo kehrte das harte Bauernherz heraus, Pepe sei eh kein Wachhund, sondern eher wie ein kleines Kind, soll er doch sehen, wie er zurück kommt. Also wurde nichts unternommen. Am nächsten Morgen lag dann ein völlig erschöpfter Pepe vor der Tür; der kleine Kerl hatte den Rückweg gefunden und war wohl froh, wieder bei seinem Fressnapf zu sein. Die ersten beiden Tage war mit ihm nicht viel anzufangen, verständlich, wenn man als Hund zwei Marathons am Stück in den kleinen Beinen hat.

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Wir haben ja keine Eile, nach Pucón zu kommen und legten einen Übernachtungsstop in Futrono am Lago Ranco ein. Da wir gemächlich fuhren, trafen wir dort auch erst am Spätnachmittag ein. Auf dem Weg dorthin passierten wir nicht nur 5 weitere mehr oder weniger sehr große Seen, schließlich bewegen wir uns hier im chilenischen Seengebiet, sondern auch teilweise sehr unterschiedliche Landschaften. Die Region um den Lago Llanquihue ist nicht nur hügelig, sonden die landwirtschaftlich genutzten Flächen oft auch relativ kleinteilig. Viehhaltung in Mehrhundertergröße haben wir hier nicht wahrgenommen, Großbetriebe fehlten, stattdessen immer wieder kleine Gehöfte und Katen entlang der Strecke. Wiesen und Weiden, immer wieder durch große Waldflächen aufgelockert, zahlreiche Bäume auf den Weiden spenden den Rindviechern Schatten. Getreideanbau konnten wir nicht ausmachen. Dies änderte sich, als wir in den Einzugsbereich des Lago Ranco, nachdem wir vorher einen kleinen Abstecher an den Lago Rupanco, leider erfolglos, denn ein Seezugang war nicht möglich, gemacht hatten, kamen. Die Hügel waren noch sanfter, die Weideflächen nahmen oft sehr große Dimensionen an, bäuerliche Großbetriebe bestimmten das Bild mit ihren in unseren Augen manchmal nicht mehr nach hunderten Tieren zu zählenden Viehbeständen. Hier wurde auch Futtergetreide und Mais in großem Umfang angebaut, Kleefelder wurden über ein umfangreiches Rohrsystem dauerhaft bewässert. Kleinbetriebe gab es kaum, kleine Katen waren von der Bildfläche verschwunden, stattdessen waren um den Hof herum eine ganze Reihe identischer Holzhäuser gebaut worden, offensichtlich für die Arbeiter und ihre Familien.

Nicht immer gelang es uns, ohne Umwege unsere geplante Strecke zu fahren, fehlten, wieder einmal, an wichtigen Kreuzungen Schilder, waren die angegebenen Entfernungsangaben nicht mit den der Karte zu entnehmenden identisch und führten uns deshalb in die Irre. Wahrscheinlich verschlägt es in diese Gegend zu selten Gäste, um diesen Mangel zu beheben. Über die Orte Entre Lagos, wo uns angesprochene Bewohner mit mißverständlichen Hinweisen nach dem Ort der Tankstelle fast in jede Himmelsrichtung schickten, über Crucero, als Ort kaum wahrzunehmen, es standen aber einige Häuser um eine Kreuzung herum, kamen wir zum Ort Lago Ranco am gleichnamigen See, ein unscheinbares Örtchen. Bei der Fahrt entlang des Sees, einer ehemals schmalen Schüttelpiste konnten wir wieder einmal die Bauwut im Land “bewundern”. Hier wurde großzügig auf zwei Spuren ausgeweitet, neue Brückenbauwerke errichtet und unendliche Kubikmeter Erde und Gestein bewegt. Eine normale Fahrt war kaum möglich, ständig musste gewartet oder Baufahrzeuge  vorbei gelassen werden. Die Aussicht an den wenigen anfahrbaren Aussichtspunkten war jedoch immer den Stop wert. Im Lago Ranco befinden sich einige mehr oder weniger große Inseln, deren bedeutendste die Isla Huapi ist, Wohnort einer größeren Mapuche Gemeinde. Wir umrundeten den See fast vollständig und müssen sagen, der Seeblick vom Süden aus war der eindruckvollste, im Osten und Norden führte uns die Straße zu oft vom Seeufer weg und um die den See eingrenzenden Bergrücken herum. Unsere Zeit ließ einen kleinen Abstecher zum etwas abseits gelegenen Lago Maihué zu; unsere Karte wies einen Ort namens Puerto Llolles auf, unser Ziel. Dort angekommen standen wir dann vor den Resten einer Steganlage, Bebauung gab es keine, aber einen kleinen Strand und einen ganz friedlich daliegenden ruhigen See. Zufahrend auf das Tagesziel wurde deutlich, was die seit längerem erkennbare umfassende Forstwirtschaft und die Anlage von überwiegend Eucalyptusplantagen angedeutet haben – wir waren in einem der Zentren der Holzwirtschaft gelandet. Große, kleine und sehr große Sägewerke befanden sich in der Nähe und in der Stadt Futrono. Immer wieder sahen wir auch sehr weit vor der Stadt auf den “Höfen” rechts und links der Straße Maschinen und Lkws stehen, die in der Forstwirtschaft und im Holztransport eingesetzt werden. Futrono ist deshalb auch keine von einem Reisenden besonders zu beachtende Stadt, ihr einziger touristischer Vorteil, weshalb hier auch eine Anzahl von Cabanas zur Vermietung angeboten werden, ist der See und der vor der Stadt liegende Strand.

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Am 29.12. setzten wir unsere Seenrundfahrt in Richtung Norden und an den Lago Villarrica fort. Den ersten am Wegesrand liegenden See, den Lago Rinihue steuerten wir an, mussten beim Versuch an sein Ufer zu kommen, wieder einmal vor den vielen Stacheldrahtzäunen und dem Privateigentum aufgeben. Vor Panguipulli stießen wir auf großflächige Obstanbaugebiete; unserer unfachmännischen Meinung nach könnte es sich hier um Blaubeeren handeln, Auskunft konnte uns keiner geben, obgleich hier im Land am Sonntag nicht nur die Landwirte, sondern auch (z.B.) die Müllwerker ihrer Arbeit nachgehen.

Panguipulli gehört auch zu den unscheinbaren und irgendwie am Rande liegenden Orten in dieser Region; obgleich angabegemäß 16.000 Menschen hier leben sollen, eine gewisse Ausdehnung hat diese Stadt auch, ihre Anziehungskraft, insbesondere wirtschaftlich ist begrenzt, wie wieder einmal der Zustand der in der Innenstadt liegenden Häuser belegt. Nach unserer Auffassung standen hier vergleichsweise viele Objekte leer und waren ihrem Verfall überlassen, andere suchten einen Käufer. Bei unserem kleinen Spaziergang entlang der Ufer”promenade” konnten wir nicht nur oberhalb eine ganze Reihe kleiner Giebelhäuschen mit ihrem tollen Blick in die Weite des Lago Panguipulli ausmachen, sondern stießen auch auf eine Holzskulptur, die offensichtlich die friedliche “Bekehrung” der indigenen Völker darstellen soll, eine Geschichtsverfälschung ersten Ranges, denn friedlich gingen die Glaubensvertreter gar nicht vor.

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Die anschließende Fahrt entlang des nordöstlichen Seeufers des Lago Panguipulli fand leider bei zunehmend schlechterem Wetter statt, es begann leicht zu regnen, der Himmel war dunkel, die Sicht nicht gerade gut. Den im Südosten liegenden Volcano Choshuenco konnten wir mehr ahnen als in seinen Umrissen wahrnehmen. Bei diesem zunehmend unbefriedigendem Wetter verzichteten wir auf einen Abstecher des malerischen Lago Pirehueico, über den auch eine Möglichkeit besteht, per Boot und Bus nach San Martin de los Andes in Argentinien zu reisen, um eher zügig als gemächlich zu unserem Tagesziel zu gelangen. Wir passierten tief unter uns liegend den Lago Neltume, drangen wieder in stark bewaldetes und zunehmend bergigeres Land vor, mussten diverse Regenschauer über uns bzw. unseren Flitzer ergehen lassen, bevor wir an die Thermen von Conaripe kamen. Ein Thermenbesuch war uns ja bislang nicht vergönnt gewesen, also fuhren wir in die Anlage, die zu einem Hotel gehört. Der gewonnene Eindruck deckte sich leider mit vielen früheren Wahrnehmungen – manche Unternehmen halten von Gebäudeunterhalt nicht sehr viel. So war auch dieser sehr weitläufige Hotel- und Resortkomplex mehr schlecht als recht in Schuss gehalten. Die Thermenbecken waren klein und nachdem uns der Preis für einen Besuch mitgeteilt wurde, das Wetter so schlecht wurde, so daß ein Aufenthalt im Freien wenig Freude macht, denn es wurde zunehmend bitter kalt, verschoben wir den Besuch erneut. Es gibt noch genug Thermen entlang unserer Route. Bald darauf durchfuhren wir Conaripe, auch eine dem Tourismus zugewandte Stadt am Lago Calafquen um anschließend am “Hauptort” dieses Sees, Lican Ray endlich mal an einen hier schwarzen Strand zu gehen. Und es regnete immer noch, was einem Gang an das Wasser jedoch keinen Abbruch tat. Lican Ray ist eine Ansammlung von Cabanas wie man sie sich kaum vorstellen kann. Hier stehen im Grunde nur kleine Ferienhäuschen und Cabanas, sonst nichts, wenn von den für einen funktionierenden Ferientourismus notwendigen Infrastrukturen wie Tankstelle, Gastronomie, Lebensmittelgeschäften abgesehen wird. Noch steppte hier nicht der Bär, aber erste Anzeichen für den kommenden Ansturm waren erkennbar, die Vergnügungsindustrie war dabei, ihre Angebote aufzubauen. Aber was ist in diesem Ort außerhalb der Urlaubszeit los – nichts, tote Hose. Die Strände, die schön tief und lang waren und aus feinem schwarzen Lavasand bestanden, sind jedoch attraktiv.

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Und dann war es nicht mehr weit zu unserem Ziel, Pucón, die Strecke waren wir bereits vor Wochen im wesentlichen gefahren. Unser Quartier, die Casa Satya, hatten wir vorab gebucht; wir befürchteten, nicht ganz zu Unrecht, mit unserer üblichen Strategie in den Ort fahren und suchen, kein vernünftiges Quartier zu finden. Die Casa Satya passt schon, ein sehr schönes uriges und überschaubares Domizil für die nächsten drei Nächte.

Unser Ziel ist ja, auf den Volcano Villarrica zu wandern, was entsprechend gutes Wetter voraussetzt. Direkt nach unserer Ankunft machten wir uns auf den Weg zu den beiden empfohlenen Veranstaltern um sehr ernüchtert ins Quartier zurück zu kehren. Nicht nur das schlechte Wetter, der Himmel war und blieb bedeckt, machte uns einen Strich durch unsere Pläne, darüber hinaus erfuhren wir, daß für den eventuell möglichen Termin, Wetterbesserung vorausgesetzt, der 31.12., mehr Voranmeldungen vorlagen, als mitgenommen werden. Für uns sah es sehr schlecht aus, dennoch ließen wir uns auf die Warteliste bei beiden Agenturen setzen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung.

Am 30.12. war wahrlich kein Wetter, bei dem es Spaß machte, längere Strecken zu wandern es sei denn, man liebt es, im Regen zu laufen und wenig zu sehen. Wir nicht, deshalb blieben wir weitestgehend in unserem gemütlichen  Quartier. Wir hatten schon Pläne gemacht, wohin wir am letzten Tag des Jahres, vernünftiges Wetter vorausgesetzt, wandern wollen, als wir vom Veranstalter SummitChile angerufen wurden. Es waren Interessenten abgesprungen, wenn wir wollten, könnten wir … So schnell waren wir selten unterwegs, um zum Veranstalter zu kommen. Gut, Garantie gibt es nicht, aber der Wetterbericht für den 31.12. gibt, so hieß es, etwas Hoffnung, auch wenn diese noch relativ klein ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wir sind dabei. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß  Morgen wirklich ein Tag für einen Aufstieg auf den Volcano Villarrica ist.

Die nötigen Verpflegungseinkäufe für unsere Tageswanderung wurden noch schnell gekauft, dann erfolgte bereits unser erster Zugriff auf die Internetseite www.snow-forecast.cl, die eine auch von den Professionellen genutzte Vorhersage mit wichtigen Parametern wie z.B. Windgeschwindigkeit, Wolkenhöhe etc. bietet. Überzeugend sah das nicht aus, aber wir waren jetzt dabei, hatten unsere Chance bekommen. Ob es an der von Katrin auch eingekauften Tüte sehr fettiger Chips lag, wir schliefen nicht gerade fest oder viel und waren, als unser Wecker um 05:30 Uhr klingelte, eigentlich schon wach. Gefrühstückt haben wir kaum, Kaffee dafür um so mehr getrunken und sind dann schnellen Schritts, als Dritter aus der Casa Satya kam Max, aus Brasilien wie der Name schon sagt, ein Lotse auf dem Amazonas und in Manaus beheimatet, im Schlepptau mit. Wir waren bei SummitChile nicht die ersten an dem frühen Morgen, Claudio und seine Crew sowie weitere Mitwanderer waren bereits dabei, die bereit gestellte Ausrüstung anzuziehen und das nicht sofort benötigte Equipment, Steigeisen, Eispickel, Überhose und weiteren Anorak, Handschuhe (dicke und dünne), Mütze, Helm, Hilfsmittel zum Abrutschen im Schnee, im bereit stehenden Rucksack zu verpacken. Kurz nach 07:00 Uhr fuhren wir los, wie wir an der Liftstation feststellen konnten, waren wir beinahe die ersten am Abmarschpunkt. Es war schon bequem, per Kleinbus gut 10 Kilometer an den Berg herangefahren zu werden und auf bereits 1.400m Höhe aussteigen zu können, bleiben dann nur noch weitere 1.400m zu absolvierendem Aufstieg. Bei der Abfahrt hat jeder aus unserer kleinen Gruppe, Claudio beschränkt sich immer auf maximal 10 Gäste und begleitet diese mit 4 Bergführern, die übrigen Agenturen füllen fast einen Großbus mit ihren 24 Gästen, denen 3 maximal 4 Bergführer bzw. Assistenten zur Seite stehen, gen Süden auf den Villarrica geschaut und sich gefreut, denn der Vulkan präsentierte sich gerade ohne Wolken, auch wenn einige am Himmel zu sehen waren. Stimmung bei der Fahrt gut, auch wenn sicherlich der eine oder andere angespannt war. Bereits vor der Abfahrt hatte Claudio sehr deutlich gesagt, daß seiner Meinung nach keine guten Bedingungen für eine erfolgreiche Gipfelwanderung herrschen, der Himmel sei zwar im Augenblick klar am Berg, aber der dort herrschende Wind sei schon ganz schön stark, wie der aktuelle Wetterbericht aussagte. Wir könnten dennoch abfahren und dann vor Ort prüfen, wie die Chancen stehen. Klare Worte, die unsere Hoffnung natürlich dämpften, aber wohl nicht von jedem so deutlich verstanden wurden. An der Talstation der Lifte angekommen fuhr der Bus, wie im Nachhinein deutlich wurde, ganz bewußt auf eine etwas ausgesetztere Stelle. Während wir unser Gepäck ausluden, sah man Claudio mit einem Gerät an unterschiedlichen Stellen des Plateaus herumlaufen; er stieg auch auf die Liftstation hinauf, und erklärte uns anschließend sein Tun. Er war mit einem Windmeßgerät unterwegs, die Ergebnisse waren jedoch nicht erfreulich. Die Windgeschwindigkeit, die er hier unten messen konnte, betrug im günstigsten Fall 27m/sec; am Berg, wenn wir aus den windgeschützten Senken herauskämen, würde das deutlich mehr als 40m/sec bedeuten, ab 40m/sec würde im allgemeinen abgebrochen. Zudem sei zu erwarten, daß die weit entfernten Wolken im Verlaufe des Vormittages den Vulkan erreichen würden, bevor man oben sei. Das sei seine Prognose, es könne sich – vielleicht – auch anders entwickeln, unsere Entscheidung sei nun gefragt. Man muß wissen, daß wenn mit der Wanderung begonnen worden ist, es keine Erstattung der gezahlten 50.000 CLP gibt! Eine einheitliche Meinung bildete sich nicht unter uns 6 zahlenden Gästen; einer wollte egal wie den Versuch starten, zwei junge Brasilianerinnen schienen bereits jetzt bei dem Wind zu frösteln, ich wäre ein durchschnittliches Risiko eingegangen, Katrin hätte sich der Mehrheitsmeinung angeschlossen und Max war auch bis zum Schluß unentschieden. Dann rief Claudio uns zu einem engen Kreis zusammen, sah jedem in die Augen und entschied dann : die Chancen bis zum Krater zu kommen sind deutlich geringer als 50 Prozent; es entspricht nicht seiner Philosophie bei so schlechten Aussichten  mit der Wanderung zu beginnen. Im übrigen sei auch er von viel mehr Gipfelbesteigungen zurück gekommen als er Gipfel in seinem Bergsteigerleben erreicht habe. Es habe keinen Sinn, nach zwei Stunden festzustellen, es ginge nicht und dann zurück zu gehen. So fuhren wir wieder zurück nach Pucón, während uns die Heerscharen an Wanderer anderer Agenturen entgegenliefen. Bezeichnend, daß ein Bergführer im Blickkontakt mit Claudio ein Zeichen wie beim Kopfabschneiden machte. Diese Entscheidung von Claudio, die ihn und seine Mannschafft um die Tageseinnahme gebracht hat, ist anerkennenswert, zeugt von sehr seriösem Geschäftsgebaren und ist extrem fair gegenüber seinen Kunden. Wie wir am Abend erfuhren, sind alle (!) Wanderer nach etwa zwei Stunden Anstieg wegen der Bedingungen umgekehrt, hatte jeder seinen “Wett”einsatz verloren und die Agenturen richtig Geld verdient, obgleich offensichtlich schon beim Abmarsch erkennbar war, wie gering die Erfolgsaussichten waren. So wurde z.B. der Sessellift, der im allgemeinen benutzt wird, um erst ab 1.700m mit der Wanderung zu beginnen, wegen zu hoher Windgeschwindigkeit nicht in Betrieb genommen! Daraus kann man nur die Schlußfolgerung ziehen : Wanderer, willst du jemals auf den Volcano Villarrica wandern, mach es mit SummitChile, die Leute kann man nur wärmstens empfehlen! Bei unserem Kleinstgruppenfoto mit Claudio Retamal als Zweitem von rechts, war die Enttäuschung noch nicht jedem anzusehen, Ben, der gipfelsturmbesessene Amerikaner stand abseits.

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Wir waren also früher zurück als geplant in unserem Quartier und holten erst einmal das eigentliche Frühstück nach. Was mit dem “gewonnenen” Tag anfangen? Christine, unsere Wirtin, hatte einmal auf einen kleinen privaten Park, den “Parque El Cani” hingewiesen, vom höchsten erreichbaren Punkt gäbe es zur Belohnung nach einem 4 1/2 stündigen Aufstieg einen wunderschönen Rundumblick auf alle großen Vulkane, also eine Tageswanderung. Als wir, ebenso wie Max, gegen 10:00 Uhr immer noch am Tisch saßen und miteinander schwatzten, scheuchte sie uns auf, “also wenn ihr heute noch etwas Wandern wollt, dann wird es aber Zeit”! Christines Fürsorglichkeit als gebürtige aber seit 20 Jahren in Pucón lebende Schweizerin gegenüber ihren Gästen!

Weil ich mir den Fahrweg nicht richtig eingeprägt hatte und wir ohne jegliche Karte unterwegs waren, erreichten wir den Startpunkt der Wanderung erst mit mehr als einer dreiviertel Stunde Verspätung und begannen mit unserer Wanderung um 11:20 Uhr. Ab 17:00 Uhr hatten wir zu Sylvester mit der Heimat Skypetermine vereinbart, bummeln durften wir also nicht, für die Wanderung standen uns maximal 5 Stunden zur Verfügung. Dementsprechendes Tempo schlugen wir auch an, hatten dabei trotzdem genügend Muße, den uns bis zum Gipfelfelsen auf 1.550m begleitenden wunderschönen alten Wald mit seinen riesigen Alercen und später in der Höhe auch großen Araucarien zu bestaunen. Immer wieder konnten wir unter uns im Süden den Lago Villarrica und mehr im Westen den Lago Calburga, nie in Gänze, aber zu einem guten Teil sehen. Nach nicht ganz 70 Minuten hatten wir ein Refugio erreicht

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und gegenüber den Zeitangaben der Parkranger 35 Minuten hereingelaufen, auf einer Strecke, die permanent mehr oder weniger steil bergan ging. Ob wir uns den Frust aus dem Leib laufen wollten oder die Belastung am Abend verspüren wollten, die wir nach einer Wanderung zum Vulkankrater erfahren hätten, wir wissen es  nicht, aber in dem Tempo ging es weiter bis zum Gipfelblick, den wir nach 160 Minuten erreichten. Ganz verschwiegene Lagunen hatten wir dabei passiert, die Laguna Totoras und die Laguna Negra, erstere war fast ausgetrocknet und dient einer Anzahl von Kühen als Weide, letztere lag still da, umgebenen von zahlreichen Alercen sowie einer großen Anzahl von bis zu 2.000 Jahren alten Araucarien. Hinter der Lagune ragte dann der über steile Serpentinen zu erlaufende Aussichtsfelsen auf.

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Dann waren wir oben auf dem Aussichtsfelsen und schauten in die Runde. Der erste Blick ging natürlich in Richtung Volcano Villarrica – voll von Wolken eingehüllt; auch die übrigen von hier aus sichtbaren Vulkane, die Vulkane Quetrupillán, Lanin und Llaima waren unsichtbar, von Wolken eingehüllt, die Wolken flogen wieder einmal tief. Der Weg war das Ziel. Dennoch, auch ohne den Blick auf die hohen Vulkangipfel, der Blick ins Rund, auf die unter uns liegende nahezu geschlossene Baumdecke war prächtig. Schön zu sehen, wie auch in weiter Entfernung noch der typische Wald der Region an den Bergflanken hinauf reicht, nur in geringem Maße der Kettensäge und den Holzwirtschaftsinteressen zum Opfer fiel. Nach gut 10 minütiger Rundschau, dem Verzehr unseres Gipfelproviants, machten wir uns auf den Rückweg, den wir, wegen der Steilheit des Pfades und dem lockeren Untergrund oft mehr in kleinen Schritten laufend als gehend absolvierten. Was vereinbarte Termine so alles bewirken können – diesmal eine Wanderung, die nur knapp 4 Stunden dauerte an Stelle der anvisierten 6 1/2 Stunden – dann hätten wir aber nicht mehr skypen können – stattdessen saßen wir entspannt und geduscht vor dem Netbook und warteten. Unsere Muskeln teilten uns noch am nächsten Tag mit, sie seien ganz schön gefordert worden, also hat das Training sich auch in dieser Hinsicht gelohnt.

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Wir schreiben den 31.12.2013, nicht nur der letzte Tag des Jahres, sondern auch unser letzter Tag in Pucón. Auch wenn wir beim zweiten Versuch, zum Kraterrand des Volcano Villarrica zu wandern, nicht erfolgreich waren, der Ort und seine Landschaft sind es wert gewesen, hier weitere zwei Tage zu verbringen, an denen wir nette Menschen treffen konnten und uns in unserem Quartier sauwohl gefühlt haben. Das berühmte nächtliche Feuerwerk haben wir jedoch nicht bestaunt, nachdem es bald nach unserer Rückkehr von El Cani sehr heftig zu regnen begonnen hatte, ein Zustand, der auch nicht aufhören wollte.

Also, neues Jahr neues Glück, es gibt noch viel zu sehen und zu erleben.