In dem Walls of Jerusalem National Park Teil 1

Die alpine Berglandschaft von Tasmanien konzentriert sich zu einem großen Teil im Craddle Mountain National Park/Lake St. Clair NP sowie dem Walls of Jerusalem National Park. Letzterer bezieht seinen Namen weniger aus einer vermeintlichen Klagemauer, obgleich sicherlich der eine oder andere Wanderer über die sich schnell ändernden Wetterbedingungen seine Klagen an einer solchen vorgebracht hätte, sondern, wie auch zahlreiche Berge und sonstige bemerkenswerte Stellen, von Orten, die in der Bibel vorkommen. Wie so oft hatten wir gehört und gelesen, hier kann man wunderschöne Ausblicke in und auf die Berglandschaft genießen und weitgehend ungestört auf seltener begangenen Pfaden wandern. Unser Quartier in Hadspen war insofern ein guter Ausgangsort, um über Deloraine und Mole Creek an die in den Park hineinführende Straße zu gelangen.

Am Morgen des 20.3. wurden wir nicht gerade von bestem Wetter begrüßt, strahlender Sonnenschein sieht anders aus, es war bedeckt, die Wolken hingen tief und wir starteten mit der Hoffnung auf Wetterbesserung im Verlaufe der nächsten 1 1/2 Stunden Anfahrt zum Park. Hatten wir gestern Halt in Launceston und Evandale wegen der dort vorhandenen sehenswerten historischen Häuser gemacht, setzte sich diese Besichtigungsfahrt heute ungeplant fort. Gleich ob wir durch Hadspen, Carrick, Hagley oder auch Deloraine fuhren, überall bestimmten zahlreiche alte und sehenswerte Häuser das Ortsbild mit, seien es normale Wohnhäuser, Geschäftshäuser oder z.B. ein kurz vor Carrick stehendes großes altes Mühlengebäude, das heute als Restaurant genutzt wird. Diese Eindrücke hätten wir verpasst, wenn wir nicht die kleinen Straßen zu unserem Ziel befahren würden; die von Launceston nach Westen führende A1 macht um diese kleinen Ortschaften einen großen Bogen. Die Landschaft war schön, manche würden sie auch als lieblich beschreiben, geprägt durch den Verlauf des Meander River, weites Tal, in der Ferne eher hügelig, nicht intensivst landwirtschaftlich genutzt sondern abwechslungsreich für das Auge. Teilweise grüßte bereits mit Nachdruck der Herbst.

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Kurz hinter Westbury bemerkten wir ein kleines Schild, das auf einen alten Friedhof hinweist. Nachfahren pflegen die Gräber auf diesem Friedhof offensichtlich nicht mehr; bei einem Rundgang konnten auch keine Gräber aus der zweiten Hälfte des 20. Jhd. gefunden werden, der Friedhof ist offensichtlich aufgegeben worden. Gepflegt und erhalten werden die alten Grabsteine und die Anlage, die die Erinnerung an die vergangene Siedlerzeit wachhält, durch “hands-on” Aktivitäten eines Rotary Clubs aus Launceston, soweit ich mich erinnere.

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Unsere Straßenkarte weist in Deloraine eine Touristeninformation auf, die wir anfuhren, um nähere Information über unser heutiges Ziel zu erhalten, denn über wirklich brauchbare Unterlagen verfügten wir nicht. Hier wurde uns geholfen und mit Blick aus dem Fenster geraten, es vielleicht mit einem direkt bei Deloraine liegenden Aussichtspunkt zu versuchen, denn im Nationalpark könnte das Wetter wie es aussah sehr schnell wechseln. Wir beschlossen, es auf einen Versuch ankommen zu lassen, zumal eines unserer Ziele im Park, “Devil’s Gullet Lookout” mit keinem langen Anmarsch verbunden ist, dann kann man weitere Pläne machen.

Die Straßen hinter Deloraine wurden schmaler; angesichts der extrem dünnen Besiedlung in diesem gebirgigen Teil von Tasmanien auch kein Wunder. Mole Creek entpuppte sich, obgleich auf der Karte besonders hervorgehoben, als wenige Häuser umfassendes Straßendorf, verfügt aber über einen Campingplatz. Die uns zum Ziel führende Straße C 138 endet nach etwa 30 weiteren Kilometern; kurz zuvor zweigt die in den Park führende nur am Anfang noch geteerte C 171 ab. Bald umgab uns zunehmend ein alpiner Wald, der je höher wir hinauffuhren, sich lichtete und von niedrig wachsenden Bäumen und Sträuchern abgelöst wurde. Um zu unserem Aussichtspunkt zu gelangen, mussten wir uns 14 lange Kilometer über eine mehr schlecht als recht gepflegte Schotter- und Waldpiste quälen, Kurve nach Kurve fahren, den Schlaglochkratern ausweisen. Endlich am Ziel, bzw. fast am Ziel auf dem Parkplatz, von wo aus es zu Fuß weiter geht, befanden wir uns auf einer Hochebene, anscheinend einem Hochmoor, wie die Pflanzen vermuten lassen.

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Nicht erst hier war uns bewußt, eine besondere Sicht würden wir nicht haben, denn die Wolken hingen nur knapp über uns und vernünftiges Licht gab es auch nicht. Dennoch, wenn man schon so weit herangefahren ist, kann man auch die letzten 15 Minuten zum endgültigen Ziel laufen. Wir können sagen, wir waren da, aber den tollen Blick in den mehr als 300 Meter senkrecht abfallenden Berg hatten wir nicht. Von dem Aussichtspunkt hoch ober hat man bei besseren Bedingungen einen fantastischen Blick in die Berglandschaft, wir bekamen nur eine Ahnung davon, wie es aussehen könnte. Dennoch, die stark zerklüfteten Felsen, die Felsnadeln, das vielfach zerrissene Gestein, das nur darauf wartete, angestoßen zu werden, um mit Getöse, wie unzählige Kubikmeter Gestein, die unten im Tal liegen zuvor, nach unten zu stürzen, war trotz der sehr eingeschränkten Sicht imposant. Schade, daß es keine Fernsicht in das Tal gab, nur schemenhaft in der Ferne tauchten die anderen Berghänge auf. Was bleibt ist die Notwendigkeit, sich über das Netz den verpassten Eindruck der tollen Landschaft zu verschaffen.

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und das haben andere Reisende (FB) unter besseren Wetterbedingungen von hier oben gesehen :

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Zurück am Parkplatz trafen wir auf einen gerade eingetroffenen Amerikaner, der sich bei uns erkundigte; als er vernahm, um die eingeschränkte Aussicht zu bekommen müsse er 15-20 Minuten bergauf laufen, stieg er wieder in seinen Wagen und fuhr davon. Manchen Menschen muß man wohl das Erlebnis an der Autotür auf dem Tablett präsentieren.

Freycinet National Park

Es war zwar später geworden als ursprünglich geplant, aber auch an diesem verkürzten Nachmittag sollte es doch möglich sein, die etwa 200 Kilometer gen Norden zum Freycinet National Park zu fahren. Wir hatten gelesen, hier würden sich die schönsten Buchten von Tasmanien befinden. Darüber hinaus trägt die Titelseite unseres Reiseführers ein Bild, das in diesem NP aufgenommen worden sein soll; dies galt es zu überprüfen, denn die bunten Steine waren extrem reizvoll.

Ein gutes Drittel der Strecke war uns von der Herfahrt bereits bekannt, dennoch, die verbrannten Böden in den Wäldern fielen uns wieder sehr nachdrücklich auf. Jetzt erkannten wir auch viel besser als auf der Hinfahrt, daß bei Dunalley ein künstlicher Kanal die Forestier Peninsula vom Festland trennte. Nach Sorell ging es dann weitgehend auf der A3 – nicht nach Hannover, sondern in Richtung Bicheno – mehr oder weniger an der Ostküste entlang nach Norden. Soweit möglich wurde Landwirtschaft betrieben, was angesichts der erkennbaren Trockenheit nicht einfach zu sein scheint. Manchmal gab es Hinweise auf einzelne Weingüter; größere Weinanbauflächen haben wir jedoch wieder einmal nicht vom Auto aus gesichtet. Die Küstenlandschaft ist sehr abwechslungsreich, ziemlich felsige Abschnitte die zu einer kurvenreichen und auf und ab gehenden Strecke führen werden immer wieder gefolgt von weit ausladenden Buchten und sichtbar schönen Sandstränden. Die durchfahrenen Ortschaften wirken nahezu verschlafen, trotz der Strände scheint der Ferientourismus nicht sehr stark entwickelt zu sein. Kurz vor Swansea hatten wir von einem Aussichtspunkt den ersten intensiveren Sichtkontakt zu unserem heutigen Fahrtziel, der Freycinet Peninsula.

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Bald hinter Swansea führt zwar eine Straße in Richtung Peninsula um die Nordseite der Great Oyster Bay herum, ist aber nach 20 Kilometern eine Sackgasse am Point Bagot, nur schwimmfähige Fahrzeuge kommen hier weiter. Zum Glück war die Straßenkarte so genau, daß wir diesen Fallstrick erkennen konnten und die A3 gute 30 Kilometer weiter nordwärts fuhren, bevor wir an der einzigen Zufahrt auf die Peninsula ankamen. Kaum befinden wir uns auf dieser Straße, werden wir auf die besonderen Schutz der Tiere hingewiesen; durch Schilder wird auch ausdrücklich aufgefordert, mit Einsetzen der Dunkelheit das Tempo auf 60kmh zu reduzieren.

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War schon auf der A3 kaum Verkehr, begegnete uns auf unserer Fahrt hinein auf die Halbinsel kaum noch ein Fahrzeug; dennoch lagen immer wieder tote Kängurus am Straßenrand. Bevor wir in Coles Bay einen Campingplatz ansteuern, den einzigen hier weit und breit, wenn man nicht auf einem der zahlreichen naturnahen Plätze die Nacht verbringen will, haben wir ein wichtiges Ziel, die Bucht mit den bunten Steinen. Sie heißt Friendly Beaches und war nicht zu verfehlen, denn am Straßenrand tauchte rechtzeitig ein kleines Hinweisschild auf. Die Seitenstraße hin zu dieser Beach war zu unserem Camper gar nicht freundlich, denn die naturnahe Piste wies Schlaglöcher groß wie Krater auf, die umfahren werden wollten. Nur langsam tasteten wir uns vorwärts und die knapp 12 Kilometer kamen uns unendlich vor, ja noch länger, denn die letzten Kilometer waren extrem nervend. Wie wir dann an der Bucht angekommen feststellen konnten, hatten einige wenige Camper es trotz der Straßenverhältnisse bis hierher ohne Havarie geschafft und planten, über Nacht am Strand zu bleiben. Die Parkverwaltung hat für die bis hierher vordringenden Naturfreunde gesorgt und ein WC-Häuschen errichtet, das ist es dann auch mit dem Komfort vor Ort. Wir haben hier nur vorübergehend Halt gemacht und begannen, den wunderschön großen und leeren Sandstrand zu erlaufen. Einige schmale Pfade führten durch die Dünen hin zum Strand, in den aber immer wieder Felszungen hineinragen. Schon aus größerer Entfernung waren beachtliche Felsbrocken mit einer orangen Färbung erkennbar, das Ziel unseres Abstechers, es gibt sie wirklich diese Granitsteine, sie sind kein ausschließliches Produkt einer geschickten Bildbearbeitung. Obgleich, so wie abgebildet erschienen uns die Farben heute auch bei schönem nachmittäglichen Licht nicht. Sei es drum, diese Felsen entfalteten auch auf uns eine besondere Wirkung.

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Wo die auf dem Foto abgebildeten auch teilweise bläulich scheinenden Steine sich befinden, haben wir nicht herausgefunden, jedoch unser erstes Känguru zu Gesicht bekommen, wenn auch kaum erkennbar durch die Linse.

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Wozu dieser Küstenabschnitt bei den Friendly Beaches besonders geeignet sind, sahen wir auf der Rückfahrt. Die sich ganz schön auftürmenden Wellen nutzten einige wenige Surfer, die wohl den größten Teil der vor Ort Campierenden stellen dürften.

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Nach weiteren 30 Kilometern erreichten wir in Coles Bay den Campingplatz Lluka Holiday Centre, eine Riesenanlage, die zu einem großen Teil durch Dauercamper belegt, nicht sehr ansprechend gestaltet, eng gestellt und im Dunkeln so gut wie nicht beleuchtet ist. Hier in Australien ist das Angebot für den Campingplatznutzer erkennbar schlechter als in Neuseeland vorgefunden. Waren wir es bislang gewohnt, daß in den Campingplatzküchen auch normal auf Herdplatten gekocht werden kann, stehen hier in Australien meistens nur Grillplatten für die Freunde des BBQ unter einem Dach, der Rest soll sehen wie er klar kommt. Insbesondere die Zelter sind dann auf ihre kleinen Gaskocher angewiesen, ein mühsames Geschäft. Auf diesem Platz gibt es am entgegengesetzten Ende zu unserem Stellplatz eine überdachte und weitgehend offene Küche, in der sogar zwei (!) gasbetriebene Herdplatten existieren. Das hieß sich beim Kochen anstellen und Kleingeld bereit halten, denn hier wurde erneut kassiert. Mit der Stellplatzgebühr hatten wir also noch nicht den möglichen Gasverbrauch durch das Kochen bezahlt, dies ging extra und alle 15 Minuten waren 2 Dollar fällig! Eine neue Erfahrung, ärgerlich, aber für uns im Grunde kein Problem, haben wir doch eine Miniküche mit zwei Kochgelegenheiten an Bord. So ein Warten auf die eigene Kochmöglichkeit hat auch sein Gutes, man kommt mit den anderen Campern in der Küche ins Gespräch und erhält ebenso gute Hinweise für künftige Ziele wie auch wir unseren Erfahrungsschatz mit anderen teilen.

Der Besuch der von einem Outdoor-Fachmagazin aus den USA als einer der 10 besten Strände der Welt bezeichneten Wineglass Bay stand auf dem Vormittagsprogramm des 19.3.. Den Blick auf wie auch das Bad in der Bucht selber muß man sich erwandern; dies führt dazu, daß sich zwar zahlreiche Menschen hierhin auf den Weg machen, aber Massen sind es nicht, insbesondere die großen Gruppen von Bustouristen haben im allgemeinen nicht die Zeit für eine insgesamt dreistündige Wanderung. Wenige Kilometer hinter Coles Bay endet die Straße in den Freycinet NP; wer hier etwas sehen will, muß wandern, und zwar eine ganze Weile stetig bergauf. Bis zu einem Aussichtspunkt auf die Wineglass Bay hat man gute 600 Stufen zu bewältigen – nicht der ganze Weg besteht aus Stufen – und ist bis zu einer dreiviertel Stunde hierfür unterwegs. Es ist ein eher lichter Wald durch den wir gehen; große Geröllbrocken liegen am Wegesrand, der felsige Untergrund ist vielfach deutlich zu sehen und nicht durch das Unterholz verdeckt, eine urwüchsige Landschaft. Die Anstrengung lohnt sich, denn unter dem Betrachter schwingt sich die Bucht weit ausladend sichelförmig entlang des Waldsaumes, vor dem ein breiter Sandstrand sich befindet, alles eingerahmt von einer beachtlichen Bergkette.

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Für den einen oder anderen, der es bis zu diesem Aussichtspunkt geschafft hat, ist der traumhafte Blick Belohnung genug für den Anstieg und die Anreise, wir wollen aber mehr, d.h. zumindest einen Zeh in das sicherlich ziemlich kalte Wasser der Bucht stecken. Trotz der Gewißheit, die hinabgewanderten Meter müssen später in umgekehrter Richtung bewältigt werden, machen wir uns auf den Weg. Von jungen Hüpfern werden wir irgendwann überholt und hören dabei, wie man vollmundig verkündet, trotz nicht mitgenommener Badebekleidung im Meer baden zu wollen. Wissen die nicht, wie kalt das Wasser ist, diese Aufschneider? Nach nicht ganz einer weiteren dreiviertel Stunde stehen wir am Strand, von den etwas schneller Gewanderten sehen wir keinen im Wasser, alle vier sitzen auf einem Stein und warten wohl auf wärmeres Wasser. Auch Katrin kann sich nicht überwinden, es ist wirklich mehr als kalt. Dennoch, diese Bucht gehört zweifellos zu den schöneren, die wir bislang gesehen haben, sehr lang gestreckt, breiter feinkörniger Sandstrand, Natur ringsherum und je weiter man sich von dem Endpunkt des Wanderweges entfernt, um so einsamer wird es um einen. Massen sind wie gesagt nicht hier unten, aber 10-15 Personen können wir schon im weiten sich über mehrere Kilometer erstreckenden Rund erkennen. Wir genießen für lange Zeit die Sonne, die Ruhe um uns herum, das leichte Meeresrauschen.

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Wie beim Herumkraxeln auf den strandnahen Felsen festgestellt, auch hier gibt es die gestern gesuchten bunten Granitfelsen – das hätten wir also einfacher haben können, jedoch ohne die Suche nach der Grundlage des Reiseführerfotos auch nicht einen schönen und einsamen Naturstrand gesehen.

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Das war aber nicht der letzte näher betrachtete Strand auf der Freycinet Peninsula. Nur von der Straße aus sahen wir auf unserer Rückfahrt in Richtung Coles Bay die schlecht erreichbare Honeymoon Bay,

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während wir die am Ort liegende Oyster Bay direkt an mehreren Stellen ansteuerten. Je mehr dieser wunderschönen aber nahezu unbenutzten Sandstrände wir sahen, desto schwerer wurde es, den oder die Favoriten zu nennen. Auch die Oyster Bay hat ihre Vorzüge, ihr wesentlicher Nachteil : der diese Bucht teilweise umschließende Ort Coles Bay. Wir ziehen die kaum besiedelten eher unberührten Buchten vor.

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Angesichts der wenigen für eine Rundreise durch Tasmanien zur Verfügung stehenden Tage mussten wir den Plan, die Ostküste ganz hinauf zu fahren und dabei durch altes Goldgräberland zu kommen, aufgeben und steuerten direkt Launceston im Norden von Tasmanien an. Wir verzichteten dabei auf eine Anzahl hervorragender aber selten genutzter Strände und das Durchfahren zahlreicher verschlafener Küstenorte, z.B. die an der Bay of Fire gelegenen, oder auf wiederholte Begegnungen mit Schottlandbezügen hierher Ausgewanderter, wurden aber entschädigt durch den Besuch einer sehr reizvollen Stadt voller historischer Bauten abseits der Straße gelegen, Evandale, etwa 20 Kilometer südlich von Launceston und mit etwas mehr als 1000 Einwohnern äußerst überschaubar. Durchläuft man die zentralen Straßen dieses Ortes fühlt man sich immer wieder um wenigstens ein Jahrhundert zurück versetzt, denn zahlreiche Häuser und die beiden sich gegenüber liegenden Kirchen, die eine anglikanisch, die andere katholisch, stammen aus dem 19. Jhd.. Wie so oft konnten nicht alle aus der Gründerzeit des Ortes stammenden Objekte in einem guten Zustand erhalten werden, viele sind jedoch vorzeigbar und es macht Freude, sie anzusehen und an ihnen vorbei zu schlendern. Bei vielen der großen und kleinen Häuser weisen kleine Tafeln auf seine Geschichte und die Besitzer bzw. ihre Nutzung hin. Einige wie z.B. ein Hotel oder die Post haben auch heute noch die gleiche Funktion. Wegen der Ballung und Konzentration derartiger Objekte wurde der gesamten Innenstadt des Ortes der Denkmalstatus zuerkannt.

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Aber Leben war in diesem Örtchen nicht zu verspüren. Scheinbar orientieren sich die Bewohner stark nach Launceston, für hiesige Verhältnisse nur um die Ecke. Auch Launceston weist einige historische Gebäude auf, ist eine Stadtgründung aus der Anfangssiedlungszeit, in der in heutiger Zeit deutlich mehr Leben pulsiert als in dem Puppenstübchen Evandale, was bei einer Bevölkerung von fast 100.000 Menschen und somit als zweitgrößter Stadt Tasmaniens verständlich ist. Die Straßen waren, insbesondere in der Fußgängerzone, von Menschenlassen bevölkert, die vorgefundenen  imposanten und sehr repräsentativen Bauten in der Stadt haben den Abstecher gelohnt. Zwar ist das, was noch erhalten ist, weiträumig über die Innenstadt, die ansonsten nicht sehr attraktiv wirkte, verstreut, aber bei der Fahrerei tat uns beiden ein etwas längerer Spaziergang ganz gut. Was wir sahen war ein Potpourri diverser Baustile aus der ersten Hälfte des 19. Jhd..

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Gegen 18:00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zu unserem Campingplatz in Hadspen, 20 Kilometer westlich von Launceston. Wir kamen gerade noch rechtzeitig vor Büroschließung an und ergatterten den letzten (!) verfügbaren Stellplatz mit Stromanschluß. Diesem Tatbestand maßen wir keine besondere Bedeutung bei, war der Platz doch in hohem Maße von Dauercampern belegt und reisen wir nicht in einer Hauptferien- und Reisezeit. Wir sollten eines besseren belehrt werden.

Port Arthur – Sträflingskolonie

Die Port Arthur Strafgefangenkolonie hat in der Geschichte von Australien einen besonderen Stellenwert; dem entspricht auch der Welterbestatus, der Port Arthur zusammen mit weiteren die Gefangenlagern des 19. Jhd. als “Strafgefangenen Welterbe”(?) zuerkannt wurde. Eine solche auch räumlich große Anlage ohne Führung zu erleben, schien uns unpassend, deshalb waren wir früh auf den Beinen, um an einer der morgendlichen Einführungen in die Geschichte des Ortes teilnehmen zu können. Hieß es in den schriftlichen Unterlagen stündlich findet eine Führung statt, wurden offensichtlich auf Grund des starken Besucherandrangs Zusatzführungen eingeschoben. Dies zeigt, welchen Stellenwert diese Anlage auch für die Einheimischen hat, denn viele der Besucher waren Australier. Wie unsere Führerin spaßig meinte, wir Australier kommen an den Ort zurück, an dem schon unsere Vorfahren einige Zeit verbracht haben; nicht ganz  zu   Unrecht, denn ein guter Teil der frühen Siedler in Australien waren entlassene Strafgefangene.

1830 wurde Port Arthur als Strafkolonie “gegründet”, vorher gab es an dieser Stelle nichts außer Wald. Dieses Vermögen für den Staat nutzbar zu machen, indem die Bäume gefällt und im ebenfalls vor Ort aufgebauten Sägewerk  verarbeitet wurden, war ein wichtiger Grund für die Ortswahl. Noch viel bedeutender jedoch die besondere Lage dieser Tasman Peninsula, auf der Port Arthur liegt : nur ein etwa 100 Meter breiter Isthmus verbindet diese Insel mit dem Festland. Da im allgemeinen die Strafgefangenen nicht schwimmen konnten war diese Landverbindung die einzige Möglichkeit, sich vom Acker zu machen.  Diese schmale Landenge wurde im wesentlichen durch Hunde gesichert, die hungrig gehalten die Landenge “bewachten”, unter Mithilfe einiger Wachmänner. Im Straflager selber waren zwar auch zahlreiche Wachleute stationiert, in der Regel englische Soldaten, die hier meistens 6 Jahre ihres Lebens dienen durften (!) und dabei das traurige Leben der Gefangenen zumindest in den Mannschaftsrängen teilten. Die Gefangenen konnten sich weitgehend frei bewegen, wohin sollten sie auch, Kontrolle wurde durch das harte Arbeitspensum ausreichend ausgeübt.

Von einem kleinen Strafgefangenenlager in 1830 entwickelte sich Port Arthur zu einem Komplex mit unterschiedlichen Produktionsstätten, Unterkünften für die Soldaten und die Gefangenen, Kirche, Schule, Hospital, Kirche etc. Im Umfeld des Lagers siedelten sich im Laufe der Zeit auch Landwirte an, die von den billigen Arbeitskräften profitierten und in der Kolonie auch einen wesentlichen Abnehmer ihrer Produkte hatte. Der eine oder andere entlassene Delinquent zog es manchmal auch vor, in der Nähe der gewohnten Umgebung zu bleiben und ließ sich hier nieder. Hört man dies und sieht die Anlage, auf der ein Großteil der früheren Gebäude wieder errichtet wurden bzw. einer Restauration/Sanierung unterzogen werden, kommt einem dies wie ein Paradies vor. Friedlich liegen die wichtigsten Gebäude in einer Art großer Park.

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Dann blendet der Betrachter aber die Lebensumstände der Gefangenen völlig aus, denn idyllisch war ihr Leben wirklich nicht. Von frühmorgens bis zum Abend musste geschafft werden, meistens in Gangs, scharf kontrolliert, was den Arbeitseinsatz betraf. Drückeberger wurden besonders behandelt und in strengste Einzelhaft genommen. Produktiv mussten die Arbeitskräfte sein, sei es beim Holzfällen, der Sägerei, der Tischlerei, der Ziegelherstellung, Steinmetzarbeiten, auf den Feldern, beim Urbarmachen von Land, der Herstellung von Schuhen etc.  Der Lagerleitung kam zu Gute, daß zahlreiche “Gäste” einen Beruf ausgeübt hatten, der hier von Nutzen war. Sogar eine kleine Schiffswerft entstand, die einige mittlere Segelschiffe auf Kiel gelegt hat, wobei das verwendete Holz praktischerweise direkt aus dem Wald über das Sägewerk angeliefert wurde. Selbstverständlich gab es auch eine Schmiede und als man feststellte, das in großen Abständen per Schiff angelieferte Mehl war oft nicht mehr verwendbar, baute man eine Mühle, um das vor Ort geerntete Korn selber zu mahlen. War der Wasserstand zum Antrieb der Mühlsteine zu gering, mussten die vorhandenen Arbeitskräfte sich einspannen. Über allem tronte der Leiter der Anstalt in seinem an exponierter Stelle befindlichen Anwesen.

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Das Leben des Wachpersonals unterschied sich von dem der Gefangenen kaum. Ihre Unterkünfte waren eng, ein persönlicher Bereich fehlte, man lebte in der Kolonie von der Familie in England getrennt. Nur eine Handvoll Frauen durfte später auf dem Gelände leben, wozu natürlich die des Anstaltsleiters gehörte. Betrachtet man die Lebensumstände der Soldaten war der Einsatz in Port Arthur einer Bestrafung gleichzusetzen. Nicht nur, um den Speisezettel aufzubessern wurde einigen höheren Wachmannschaftschargen erlaubt, sich kleine Gärten anzulegen. Wer einen besonderen Nutzen von dem großzügigen bunten Garten hatte, der auch heute wieder an alter Stelle angelegt wurde, wissen wir nicht.

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In heutiger Zeit unvorstellbar, damals aber keine Ausnahme, Jugendliche ab dem Alter von 9 Jahren durften hier einfahren! Zum Teil wegen nichtiger Vergehen, wie die sehr ausführliche und informative Ausstellung über das Leben in Port Arthur sehr anschaulich vermittelt. So wird von einem Jugendlichen berichtet, der in London ein Taschentuch gestohlen haben soll; angeblich Mitglied einer Gang, die den Wohlhabenden das Leben schwermachte, wurde der Knirps zu 5 Jahren Arbeitslager verdonnert. Fortschrittlich demgegenüber dann die Behandlung der kindlichen und jugendlichen Strafgefangenen vor Ort. Für sie wurde auf der nahe gelegenen Insel Point Puer ein gesondertes Lager errichtet, in dem neben der täglichen Arbeit auf eine Schulausbildung wie auch das Erlernen eines Handwerks Wert gelegt wurde. Die Trennung von den “normalen” Gefangenen sollte den vermuteten schlechten Einfluß verhindern.

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Wo gelebt wird , wird auch gestorben. Beerdigt wurden Gefangene wie auch freie Bürger des Ortes auf der kleinen “Isle of the Dead”. Über 1.100 Gräber sollen sich auf diesem kleinen Flecken befinden.

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Hier wurde das Prinzip verfolgt, durch Schinderei der Delinquenten einerseits Profit für die Krone zu erzielen, andererseits den untauglichen Versuch zu unternehmen, den Gefangenen zu läutern. An Stelle der Läuterung trat oft die psychische Vernichtung des Menschen, was sich auch in einer steigenden Zahl von in einem besonderen Gebäude konzentrierten lebensunfähigen Gefangenen ausdrückte. Mancher mit einer Zeitstrafe belegte Gefangene kehrte als gebrochener Mensch in seine Heimat zurück. Was ursprünglich als Ort vorgesehen war, an den nur Wiederholungstäter “verschickt” wurden, entwickelte sich im Laufe seiner Existenz, die bis 1877 andauerte, dann wurde das Lager geschlossen, als Ort, an dem aus dem gesamten Empire Verurteilte, unabhängig davon ob Erst- oder Wiederholungstäter, ihre Strafe abbüßten. Einer Informationstafel, relativ verschämt in einem kleinen Gebäude angebracht, konnte die Zahl von über 140.000 in die Kolonien verschickte Straftäter entnommen werden; hiervon sollen bis zu 80.000 durch das Lager von Port Arthur gegangen sein.

Trotz Sonnenschein, tollem Wetter, einer Bootsfahrt um die beiden Inseln, einer interessanten kurzweiligen Einführung in diese Welterbestätte – was zurück blieb war auch ein Stück Betroffenheit, Traurigkeit, wie man früher mit Menschenleben umgesprungen ist. Hierzu trägt auf jeden Fall die sehr gelungene Ausstellung bei. Man wird dem Ort und seiner Geschichte sicherlich mehr gerecht, wenn man das Angebot, an zwei aufeinander folgenden Tagen sich umzusehen, annimmt und die Ausstellung in aller Ruhe durchläuft. Wir fuhren am frühen Nachmittag sichtlich betroffen von dem Erfahrenen weiter.

Tasman Peninsula – nach Port Arthur

Unser Ziel für den Nachmittag hieß Port Arthur, im Süden der Tasman Peninsula gelegen und keine 100 Kilometer Fahrtstrecke vom Flughafen entfernt, gerade richtig, um sich auf australischen Straßen einzurollen. Anfangs stellen wir immer wieder bei uns fest, gedanklich noch in Neuseeland zu sein, die uns umgebende Landschaft stellt keinen wirklichen Kontrast zu den beiden Inseln dar. Trocken hüben und drüben, nur die auf die Feuergefahr deutlich hinweisenden Warnschilder tauchen hier nicht auf, scheinen aber nötig zu sein. Sehr bald, nachdem wir Sorrell, eine der ältesten Stadtgründungen in Australien und mit alten Kolonialbauten durchsetzte hübsche Stadt am Pit Water – wir konnten nur sehr wenige bemerkenswerte Bauten entdecken –, verlassen hatten und durch das Binnenland fuhren, tauchten große Flächen mit verkohlten Bäumen rechts und links der Straße auf. Diese Brandschäden betrafen große Flächen, das/die Feuer müssen sich auch die kleineren Berghänge hinaufgefressen haben. Entweder sind die Bäume hier in großer Zahl extrem widerstandsfähig gegen Buschbrände oder aber es ist schnell gelungen, den Brand einzudämmen, denn eine Vielzahl der erkennbar an der verkohlten Rinde brandgeschädigten Bäume hatten wieder ausgetrieben.

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Von Cambridge (Australien), dem Örtchen in der Nähe des Flughafens, ging es über einige sehr lange Meeresflachwasser überspannende Brücken über Midway Point, ein kleiner Wohnort ohne besondere Merkmale aber Grundstücken mit fantastischem Blick nach Sorell. Kurze Zeit verfolgte uns noch das Meer bzw. wir hatten immer wieder ein Auge drauf, bevor wir von einer trockenen Landschaft umgeben waren, aber nur eine kurze Zeit. In der Ferne waren einige Erhebungen zu erkennen, also keine eintönige platte Gegend, die wir durchfuhren. Kurz vor Dunnalley erreichten wir wieder das Meer; in der Ferne auf einer kleinen Insel erkannten wir ein festungsähnliches Gebäude, der Karte zur Folge ein/das Tasman Monument. Was dahinter steckt, wir fanden bislang keine weiteren Hinweise. Bei Dunalley ist das Festland mit der dann folgenden Forestier Peninsula nur durch einen schmalen Isthmus verbunden, den man jedoch Anfang 1900 mit dem Bau eines kleinen Kanals durchstoßen hatte.

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Diese Halbinsel ist auch heute noch weitgehend bewaldet, mit den oben erwähnten Feuerschäden, nicht, wie an anderer Stelle bereits wahrgenommen, restlos entbaumt. Nach weiterer 20-minütiger Fahrt wird uns ein Aussichtspunkt auf die Tasman Peninsula angeboten, an dem wir natürlich nicht vorbeifahren. Unser erster Blick auf die für diese Halbinsel aber auch für Tasmanien typische Küstenform und –gestaltung, einerseits steil abfallende Kliffs, andererseits kleine oft sandige Buchten, die zum schwimmen einladen. Die ständig auf den Strand zulaufenden und sich dann überschlagenden Wellen haben Katrin so in den Bann gezogen, so daß eine Vielzahl von Aufnahmen dieses Motiv abbilden.

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Wenige Kilometer von diesem Aussichtspunkt entfernt und wieder auf NN angekommen, kann man, auch wir, ein Naturphänomen bestaunen, die Tessellated Pavements. Was von weitem aussieht, als wären in Meernähe größere Pflastersteine einbetoniert worden, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines über mehrere 10-Millionen-Jahre dauernden Prozesses. Wenn wir die Erläuterungen richtig verstanden haben, entstanden die Risse in diesem besonderen Siltstein durch Spannungen in der Erdoberfläche, wobei diese Spannungen in den Richtungen Nord-Nordost, Ost-Nordost und Nord-Nordwest verliefen. Nicht überall sind alle drei Spannungsrisse erkennbar, meistens sind nur die im rechten Winkel zueinander verlaufenden Risse in der Oberfläche erkennbar. Die Gezeiten und das Meersalz haben dann wesentlich dazu beigetragen, daß diese Risse vertieft wurden und ein Teil der glatten Oberflächen abgerundet wurde.

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Dann endlich haben wir den letzten Isthmus, der das schmale Band zwischen Forestier Peninsula und der Tasman Peninsul bildet, erreicht. Nach einem kurzen Blick auf den Strand, dem Wahrnehmen einer “dog-line” und einem Wärterhäuschen auf dem Isthmus, die Bedeutung erkennen wir erst bei unserem Besuch in Port Arthur, steuern wir die nächsten Naturbesonderheiten der Insel an, das Tasman Blowhole und den Tasman Arch bei Dob Town, keine Stadt, sondern nur die Ansammlung von vielleicht zehn sich hinter einer Art Deich hinduckenden Häusern. Beide Naturbesonderheiten verdanken ihre Existenz vor allem dem seit Millionen von Jahren an bestimmten Stellen der Felsen anprallenden Wellen. Mit einem enormen Getöse läuft die Welle durch das “gefräste” Loch, prallt teilweise von den Seiten ab um am Ende an die Rückwand dieser Kaverne anzuschlagen und aufzuschäumen/spitzen. Wir haben das Glück, diesem Schauspiel beizuwohnen, denn vor nicht bekannter Zeit ist die Decke dieser Kaverne eingestürzt. Den Gedanken, ob der hier vorgefundene “Arch” nun kleiner oder größer ist als derjenige, den man uns bei den Knights Islands präsentiert hat, haben wir schnell verdrängt – jeder dieser Felsbögen war auf seine Weise schön, den der Knights Islands konnten wir sogar durchfahren.

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Am späten Nachmittag treffen wir dann auf unserem unmittelbar vor Port Arthur gelegenen Campingplatz, der nicht nur in einem riesigen Park sondern auch direkt am Meer liegt ein. Hier begegnen wir einem nahen Verwandten des australischen Ureinwohners, der mit einer großen Sippe den umliegenden Wald und auch unseren Campingplatz als Spielwiese und Freßplatz ausgewählt hat, den pademelon auch rufous wallaby genannt, ein Verwandter, ob nah oder entfernt wissen wir nicht, hat aber eine große Ähnlichkeit, des Känguru. Die Tiere liefen Tag und Nacht durch das Gelände, manchmal kamen sie direkt bis vor die Küchentür in der Erwartung, sich die normale Futtersuche durch das Schnorren von Essensresten ersparen zu können.

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Wer nachts in Richtung Toilette marschieren musste tat gut daran, eine starke Taschenlampe mitzunehmen, den die Hinterlassenschaften dieser bis unter einen Meter großen Tiere lagen an vielen Stellen herum.

In Australien angekommen

Am Nachmittag des 16.3. verließen wir Neuseeland, um die nächsten Wochen uns einige – wenige – Regionen Australiens anzusehen. Beim Einchecken wurde dann festgestellt, daß wir nicht im Besitz eines Visums für Australien seien – in unserer Zeit von EU-Bürgern ein Visum für Australien verlangen schien/scheint uns ein Treppenwitz zu sein, entspricht aber der Realität. Zum Glück kann gegen eine kleine Zusatzgebühr dieses Visum noch vor Ort ausgestellt werden und unserem Abflug nach Australien stand nun nichts mehr im Weg. Pünktlich hob die Quantas-Maschine ab, pünktlich kamen wir auch in Sydney an, das war aber auch schon alles Positive an diesem Flug. Eine viel zu kleine Kabinencrew kümmerte sich um die fast 300 Fluggäste, die wie wir fast 1 1/2 Stunden auf das erste Getränk warten mussten. Bislang war uns ein derart schlechter Service nur auf einigen unser Iberia-Flüge aufgefallen, jetzt auch Quantas? Vielleicht liegt die Lösung hier : wie wir am Folgetag in der Zeitung lesen konnten, gibt es derzeit einen Arbeitskonflikt bei Quantas, Grund die angekündigte Entlassung von 5000 Mitarbeitern. So wollen wir nicht ausschließen, daß wir bereits erste Auswirkungen des Konfliktes oder der angekündigten Sparbemühungen erlebten.

Ganz nah Abflughafen für unseren weiteren Transport am 17.3. nach Hobart/Tasmanien , dem Domestic Airport, der leider wenige Kilometer vom Ankunftsflughafen Sydney International entfernt liegt, hatten wir unsere Unterkunft gefunden, dem Ibis Budget, preiswert und akzeptabel. Zu Fuß liefen wir dann mit unseren Rucksäcken auf den Schultern die 10 Minuten bis zum Abflugterminal. Diesmal mussten wir auf unserem Quantas-Flug nicht ganz so lange auf die Getränke warten, was vielleicht auch an der kürzeren Flugzeit lag. Gegen 11:00 Uhr hatten wir in Hobart unsere Rucksäcke wieder auf der Schulter und stiefelten die geschätzten 400 Meter bis zum Campervermieter, um dort unser fahrbares “zu Hause” für die nächsten 7 Tage in Empfang zu nehmen. Um nicht wie in Südamerika nur mit groben Handskizzen durch das Land zu fahren, erwarben wir ein nicht sehr handlichen dafür aber ganz Australien berücksichtigenden Straßenatlas, der uns hoffentlich hilft, unsere Ziele zu erreichen. Wie wir beim Einräumen und Zurechtfinden feststellten, sind nicht alle gleich genannten Camper auch identisch. Dieses etwas jüngere Modell weist nicht nur eine geringere Stehhöhe auf, sondern hat durch eine abgeänderte Anordnung von Einbauten auch weniger Staufläche mit dem unangenehmen Ergebnis, daß wir unsere Rucksäcke nachts auf den Sitzen in der Fahrerkabine abstellen müssen. Für die wenigen Tage stellt das kein Problem dar, wir hoffen, bei den künftigen angemieteten Campern wieder unser altes Modell übernehmen zu können. In unserem Alter sich auf etwas Neues einzulassen fällt eben manchmal schwer?! Und dann begann unsere verkürzte Rundfahrt durch Tasmanien.

Etwas beschäftigte uns, vor allem Katrin, bereits vor unserem Flug nach Australien : die Vielzahl der giftigen und für den Menschen bedrohliche bis tödliche Tierkontaktmöglichkeiten, seien es Spinnen, Seewespen/Stinger/Boxjellyfish, Krokodile, Schlangen, Frösche, Oktopusse, Fische und Schnecken, um die wichtigsten zu nennen. Derartige Bedrohungen waren uns bislang eher fremd, nehmen aber so nach und nach Besitz in Katrins Gedankenwelt. So spricht sie bereits davon, in Australien das Wasser zu meiden, sei es das Meer oder ein See – man weiß ja nie, was dort auf einen lauert. Natürlich wissen wir um die normalen Verhaltensweisen um das Risiko erheblich zu reduzieren, beim Schwimmen lautet diese : talk to a local, denn die wissen um die besonderen Gefahren z.B. nach einem Regen in ihrer Region. Dennoch, so recht beruhigend wirken diese Ratschläge nicht, es könnte ja trotz Kontrolle des Schuhinnern sich an anderer Stelle eine giftige Spinne versteckt haben. Und wenn dann auf Befragen von Einheimischen diese mehrmals bestätigen, sie hätten der giftigen Spinne gegenübergestanden, dann ist die Ruhe ganz dahin. Statistik sollte überzeugen, denke ich. In einer Kolumne finden sich folgende Hinweise : in Australien gibt es nicht einmal eine tödlich ausgehende Haiattacke pro Jahr, auch die tödlich ausgehenden Krokodilangriffe fordern jährlich nicht mehr Leben. Dem blau geringelten Oktopus sind in den letzten hundert Jahren nur zwei Menschen zum Opfer geworden und durch die Cone shell gibt es nur ein einziges dokumentiertes Todesopfer.  Der Jellyfish raubt jährlich zwei Menschenleben, so daß es insgesamt 40mal wahrscheinlicher ist, im Meer zu ertrinken als von diesen Lebewesen getötet zu werden. Durch tödliche  Schlangenbisse verlieren jährlich gleichfall durchschnittlich zwei Menschen ihr Leben. In den letzten 50 Jahren ist ebenfalls kein einziger Todesfall durch Zeckenbiß berichtet worden, der letzte Todesfall durch einen Spinnenbiß liegt 20 Jahre zurück. Eigentlich alles Daten die beruhigen sollten, gleichzeitig Anlaß sind, die normalen Vorsichtsregeln beim Wandern und Schwimmen in bestimmten Gebieten anzuwenden.

Neuseeland – dies und das

Nun reisen wir mit einem Camper der Firma “Happy Camper”. Alle Camper tragen weithin sichtbar das Signet ihres Vermieters, unseres prangt weithin sichtbar an der Stirnseite des Aufbaus. Anfangs konnten wir uns nicht so recht erklären, warum uns aus anderen Campern zugewunken wurde – und Camper fahren hier in extrem großer Zahl durch das Land. Genauere Beobachtung brachte die Erkenntnis, uns wird aus Happy Camper-Fahrzeugen zugewunken. Irgendwie scheint es eine stillschweigende Übereinkunft zu geben, daß Happy Camper-Fahrer auch happy Camper und freundlich sind. Ab dann beteiligten auch wir uns an der Begrüßungszeremonie und freuten uns über jeden Camper mit “unserem” Logo.

In Deutschland trauern wir fast um jedes Tier, das wir tot auf einer Straße liegend sehen. Wieder war ein Hase, Igel etc. nicht schnell genug und Opfer des Straßenverkehrs. Wir stellen hier bei uns eine veränderte Verhaltensweise fest. Nachdem wir ziemlich zu Beginn unserer Reise durch Neuseeland von den verheerenden Auswirkungen und Folgen des frei lebenden Opossum und Stoat wie auch den unermüdlichen Anstrengungen, deren Zahl zu reduzieren, ihre Ausbreitung einzugrenzen, erfahren hatten, schauen wir bei jedem Tierkadaver auf der Straße hin, ob es mal wieder eines dieser beiden nachtaktiven, im Grunde auch possierlich aussehenden Tierchen erwischt hat. Zu fast 100 Prozent besteht die nächtliche Strecke aus diesen Tieren. Und wir, vor allem ich, freuen uns, wenn auf einer Fahrstrecke von nur einem Kilometer gleich viermal ein plattgefahrener buschiger Schwanz auf diese Plagegeister hinweist. Vier Exemplare weniger, die insbesondere der Vogelwelt bildlich gesprochen auf Dauer den Hals umdreht. So machen die Autofahrer etwas gut, was vor Jahrzehnten durch Menschenhand und –entscheidung,  das Aussetzen dieser Tiere, in Gang gesetzt wurde.

Auch in Neuseeland wird Golf gespielt, die Anzahl der Golfplätze erreicht zwar nicht die Zahl der Landeskinder, ist aber nach unserer Einschätzung sehr hoch. Nahezu in jeder Ortschaft – nicht Stadt ! – wird auf einen in der näheren Umgebung liegenden 18-Loch-Golfplatz hingewiesen, Gäste sind (sehr) willkommen, insbesondere Greenfeezahlende. Wenn man in nahezu jeder nur wenige hundert Bewohnern umfassenden Ortschaft z.B. an der Ostküste der Nordinsel, wo wahrlich weder der Bär steppt, noch viele Menschen wohnen oder dorthin reisen, einen Golfplatz sieht, dann macht das stutzig. Spielt hier jeder Golf um die Existenz einer so großen Zahl zu rechtfertigen? Oder ist der Platz der Versuch, sich von anderen Orten im Bemühen, Aufmerksamkeit zu erlangen, abzuheben – da an jedem Ort ein Platz zu sein scheint, eher ein vergeblicher Versuch. Wenn dann diese Anlagen auch noch in einer Region in großer Zahl existieren, die eher Armenhaus des Landes als prosperierender Landstrich ist, wie ist dass möglich? Auch beim Vorbeifahren kann man einen Eindruck von der Platzpflege gewinnen. Bestehender Wassermangel führte dazu, daß teilweise selbst die Greens braun waren, ein Rough entlang der Bahnen konnten wir selten erkennen, hier wurde jeder Halm gleich kurz gehalten. Schließlich erkannten wir auch eine besondere Form der Platzpflege, wartungsarm und preiswert : Schafe tummelten sich auf dem Platz, nicht angepflockt, sondern frei herumlaufend – daher also der gleichbleibend kurze Schnitt. In Deutschland darben einige Golfanlagen wegen des geringen Zuspruchs und suchen nach Möglichkeiten, die hohen Unterhaltskosten zu senken. Die Neuseeländer kennen die Lösung.

Mit einem Camper zu reisen bietet viele Vorteile, insbesondere die Möglichkeit, den kargen Speisekarten der Gastronomie auszuweichen und selber zu kochen, Routen zu fahren, die von einem normalen Busverkehr nicht angesteuert werden, Landschaften zu sehen, die für den normalen Rucksacktouristen schlechter erreichbar sind. Die Campingplätze weisen im allgemeinen ebenfalls einen guten bis sehr guten Standard auf und halten einen Vergleich mit Hostels auf jeden Fall stand. Jedoch sind die Campingplatzküchen nur selten Orte der Kommunikation, ganz im Gegensatz zu den Hostels.  Obgleich man also auf einem gut besuchten Campingplatz die Nacht verbringt, es ist so, als wenn man nahezu alleine in der Pampa stehen würde. Diese fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten stellen bei dieser Reiseform mit dem Camper einen erheblichen Nachteil dar, wir vermissen richtig diese abendlichen Gespräche am Tisch und sehnen uns manchmal danach, wieder “unter Menschen zu kommen”. So extrem haben wir uns die Situation als Camperreisender nicht vorgestellt, obgleich hin und wieder man auch dabei auf nette Menschen treffen kann, wie uns geschehen, aber es ist ein ganz anderes Reisen.

Wir haben nicht alle Flugabschnitte im Rahmen unseres RTW-Tickets gebucht, sondern wollten die Freiheit haben, uns während der Reise noch für zusätzliche Reiseziele zu entscheiden. Diese Freiheit kostet Nerven und Zeit wenn es daran geht, die passende Flugverbindung zu recherchieren und dann zu buchen. Natürlich greifen wir auf Metasuchmaschinen wie z.B. skyscanner zurück, über den zu den gesuchten Flugterminen die am Markt verfügbaren Angebote benannt werden, es versteht sich, mit einem Preis versehen. Die Orientierung am ausgewiesenen Preis führt jedoch fast immer erheblich in die Irre. Nicht nur, daß die Fluggesellschaften sehr erfindungsreich sind, wenn es um die Berechnung von Sondergebühren geht, sei es bei der Form  des Eincheckens, bei der Zahl der mitgenommenen Gepäckstücke, ja selbst das Maximalgewicht des aufgegebenen Gepäckstücke wird in vielen Fällen unter die üblichen 20/23kg gesenkt, alles immer im Kleinstgedruckten und kaum auffindbar festgehalten. Natürlich berücksichtigt der in den Suchmaschinen ausgewiesene Preis dies alles nicht; es gibt auch selten hilfreiche Hinweise auf den Umfang der Zusatzkosten.  Der Suchende entwickelt im Verlaufe der Zeit ein Gespür für die sich hinter dem Angebot verbergenden Tarife; insbesondere in Australien muß man die Unterschiede zwischen den Saver- und Supersaver-Tarifen sowie den Flexitarifen im Auge haben. Auch hierzu findet man bei den durch die Suchmaschinen ausgeworfenen Angebote keinen Hinweis, erst wenn man sich durch die oft sehr umständliche und alle persönlichen Daten abfragenden Prozeduren der Ticketanbieter geklickt hat, was oft bei den schlechten Internetverbindungen eine Ewigkeit dauerte, besteht die Möglichkeit, den wirklichen Tarif und die Zusatzkosten zu erkennen – ein wahres Ärgernis. Dies wird noch gesteigert, wenn es an das Bezahlen geht. Eine überschaubare Kreditkartengebühr wird ja noch akzeptiert, aber für eine Buchung zweier Personen diese Gebühr zweifach abzufordern bei einem einzigen Bezahlvorgang können wir nicht nachvollziehen. Wenn es sich dann nicht um 10/15 Euro, sondern um ein Mehrfaches davon handelt, wird man wütend. Dies ist bei einigen Anbietern noch nicht das Ende der Unverschämtheiten : es werden noch weitere Servicegebühren berechnet, ein Unding, gilt m.E. doch die Preisangabeverordnung in Deutschland, wo sämtliche von uns in die Prüfung einbezogenen Ticketanbieter ihren Sitz haben, wonach alle relevanten Preisbestandteile in den Endpreis einzurechnen sind, die in den Suchmaschinen angebotenen Preise diese Vorgabe aber nicht erfüllen. Fazit : in keinem Fall war eines der vergleichsweise günstigen Tickets wirklich preiswert und : es war extrem zeitaufwändig, nicht das günstigste, aber ein vergleichsweise günstiges Ticket zu buchen. Nach zahlreichen frustrierenden Rechercheversuchen sind wir am Ende dazu übergegangen, direkt bei den Fluggesellschaften zu recherchieren und zu buchen. Dort sind die Informationen relativ vollständig und eine bessere Transparenz ist gegeben.  Dieser Frust musste von der Seele getippt werden.

Vom Nachrichtenstrom in Deutschland sind wir abgeschnitten, da helfen auch nicht die sporadischen Zugriffe z.B. auf die Webseite z.B. von ARD. Wie sehr wir aber durch die Gestaltung der Nachrichten in Deutschland in unserem Wahrnehmungsverhalten positiv beeinflusst sind, bemerkten wir bei den Blicken in die hiesigen Zeitungen. Soweit erkennbar, vielleicht ausgenommen die sich ausschließlich mit Finanzthemen befassenden Printmedien, steht weniger die große Politik im Vordergrund, sondern das “gesellschaftliche Ereignis” wie zur Genüge durch die Bildzeitung praktiziert und vor allem wird dem Sport ein extrem breiter Raum eingeräumt. Dabei steht natürlich Rugby im Vordergrund. Würde es bei einer reinen Berichterstattung bleiben, wären die Blätter auch für unseren Geschmack noch lesbar, aber die Bebilderung jeder noch so nichtigen Notiz mit oft brutal aussehenden Tacklings der Sportler geht nach unserem Empfinden zu weit. Hier wird die Brutalität im Sport offenbar als ganz normale Begleiterscheinung des Sporttreibens angesehen. Um so mehr Aufmerksamkeit erhielt die Entscheidung eines Rugbyspieler, in der Öffentlichkeit bekannt zu geben, wie häufig er im Verlaufe seiner aktiven Zeit durch die Tacklings bewußtlos war. Ein Gehirnscreening zeigte dann auch, welche Auswirkungen möglich sind, denn der Sportler machte für seine im Alter von knapp vierzig Jahren erkennbaren Gedächtnisausfälle wohl zu Recht den Rugbysport verantwortlich. Politische und weltpolitische Themen haben wir in den hiesigen Zeitungen überspitzt formuliert dort gefunden, wo in den heimischen Zeitungen kleiner gedruckt “Vermischtes” steht. Diese Themen besitzen hier offenbar einen deutlich geringeren Stellenwert als bei uns zu Hause. Was freuen wir uns darauf, endlich wieder umfassen über die Weltentwicklung uns informieren zu können!

Auckland, nicht nur im Sonnenschein

Am 12.3., der Tag, an dem wir segeln waren, schien die Sonne prächtig vom Himmel; auch am Folgetag strahlendes Wetter und mäßiger Wind. Es hätte uns klar sein müssen, daß es so nicht weiter gehen kann, denn die beiden letzten Tage in Neuseeland waren garstig.

Da am 14.3. der Camper abgegeben werden musste, waren wir am Vortag mit aufräumen und packen beschäftigt, suchten im Netz nach Informationen für den weitere Reiseverlauf, schrieben am Blog, ein ruhiger und gemütlicher Tag also.

Mit einem Umweg hinein in die Innenstadt zu unserem Quartier für die letzten beiden Nächte in Auckland, um unsere Rucksäcke zu deponieren, fuhren wir dann zum Camperdepot am Flughafen quer durch die Großstadt. Die Kontrolle des zurück  gegebenen Campers war sehr oberflächlich, auf den ersten und zweiten Blick keine Schäden sichtbar, also ok. Hoffen wir, daß auch der dritte Blick zu keinem anderen Ergebnis kommt und unsere Kreditkarte nicht nachbelastet wird. Wir hatten nämlich das Pech, etwa 100 Kilometer vor Auckland in einer Straßenbauzone durch einen uns überholenden LKW uns einen Steinschlag einzufangen, der ein Ministück Frontscheibenglas abgesplittert hat. Wir haben zwar darauf hingewiesen, dies wurde jedoch von der aushilfsweise mit der Abnahme  betrauten Mitarbeiterin als Bagatelle abgetan. Gehen wir also davon aus, daß dies so bleibt.

Mit öffentlichen Transportmitteln fuhren wir dann vom Flughafen die etwa 20 Kilometer bis ins Zentrum, zuerst einen Streckenteil mit einem Vorortbus, dann wechselten wir auf die Schiene; der Zug brachte uns direkt zum Hafen, diesmal auf einer uns noch unbekannten Route entlang der Küste. Downtown Auckland, eine Mixtur von modernen, glatten Hochhäusern und Funktional-/Bürobauten und noch aus der ersten Jahrhunderthälfte übriggebliebenen mehrstöckigen oft Charakter zeigenden und nicht der Glas-Stahl-Beton-Fraktion zuzurechnenden Häusern, war am Nachmitttag belebt aber nicht überlaufen. Die Geschäfte der Lower Queenstreet  und somit hafennah zielten auf die wohlhabendere Kundschaft ab, in Upper Queenstreet, wo auch unser Quartier, die JuHe Auckland International liegt, sinkt das Preisniveau und die Eleganz von Betrachter, Käufer und Geschäft. Dazwischen liegt nur ein Kilometer! Bereits ab der zweiten Parallelstraße zur Lower Queenstreet sinkt das Niveau von Geschäft und Kundschaft erheblich, d.h. nur ein kleines Viertel ist wirklich der Kern der Stadt.

Am Abend das nähere Umfeld unseres Quartiers erkundend fiel auf, wie zahlreich sich hier koreanische Restaurants etabliert haben, selten tauchte ein chinesisches auf und der nahezu überall nicht nur vereinzelt gesichtete Inder war ein Exot. Als wir am Folgeabend uns der berühmten (!) K-road zuwandten, entdeckten wir noch einen Nobelitaliener und einige Sushi-Restaurants. Unsere Quartierumgebung war  nicht nur durch die vielen asiatischen Restaurants geprägt, sondern auch die Geschäfte, Beschriftungen, ja sogar die hier Einkaufenden wiesen auf eine stattliche asiatische/koreanische Kolonie hin. Selten sah man am Abend in diesen Lokalen andere Personen als Landsleute sitzen, bleibt man hier im wesentlichen unter sich?

Die K-road wird gemeinhin als lebhafte Straße mit einem interessanten Querschnitt an Galerien auch durch die örtliche Kunst- und Kulturszene beschrieben. An unserem letzten Abend machten wir uns auf den Weg und wurden enttäuscht. Vielleicht beginnt das Leben hier erst um Mitternacht und wir waren um 22:00 Uhr zu früh, aber wir haben hier weder den steppenden Bär noch irgendein tanzendes Mäuschen gesehen; nahezu menschenleer waren Straße und Restaurants, von einer Ausnahme abgesehen. Es mag sein, daß hinter manchen Eingängen etwas mehr Leben herrschte, denn offensichtlich umfasst ein guter Teil dieser berühmten K-road das Rotlichtviertel von Auckland. Wir haben uns die Stadt lebhafter vorgestellt.

Der für den 15.3. geplante  ausführliche Stadtspaziergang, um die relativ überschaubare Zahl von Sehenswürdigkeiten anzusehen, fiel buchstäblich ins Wasser, es schüttete bei starkem Wind nahezu ohne Unterbrechung. Schade, aber nicht zu ändern. Zum Glück lag das Kino, in dem Katrin sich die Originalversion von “12 Year Slave” am Nachmittag ansehen wollte, fast im die Ecke, dieser Besuch fiel nicht ins Wasser. Was treibt man an solch einem Tag : versucht die nächsten Reisestationen zu präzisieren, insbesondere die ergänzenden Flüge zu buchen, eine oft sehr frustrierende Tätigkeit, denn erst nach einer unendlich langen Eingabeprozedur werfen die verschiedenen Buchungsportale dann den abschließenden Preis aus und teilen mit, ob überhaupt mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Was zu Beginn als vertretbarer Preis erschien verteuert sich im Verlaufe der Eingabe um bis zu 30 Prozent. Unverständlich, daß dies mit der in deutschen Landen doch so streng gehandhabten Preisauszeichnung konform gehen soll, besteht doch die Verpflichtung den Endpreis anzugeben, in dem alle Preisbestandteile einzurechnen sind. Schlußendlich haben wir dann unsere Flüge in Richtung Samoa gebucht; was jetzt ansteht ist die passenden Quartiere zu finden. Da Katrin immer wieder von den unvergesslichen Tagen auf Huahine schwärmt, ist die Messlatte sehr hoch gelegt.

Am 16.3. verabschiedeten wir uns dann von Neuseeland, um unsere Reise in Australien, beginnend in Tasmanien fortzusetzen.

Was bleibt nach den 7 1/2 Wochen Reise in diesem Land als Fazit zu ziehen ? Wir haben ein wunderschönes Land ziemlich ausführlich bereisen können, wobei die Südinsel uns deutlich mehr gefallen hat als die stärker bewohnte Nordinsel.  Dies mag an der schnelleren Abfolge sehr interessanter Landschaftsteile gelegen haben, obgleich auch der Norden nicht ohne tolle Nationalparks dasteht. Aber insgesamt hat uns die Landschaft im Süden deutlich stärker gefangen genommen als dies der Norden vermochte. Die auf der Südinsel verbrachten etwas über 4 Wochen waren sogar noch zu knapp bemessen, es hätte durchaus eine Woche mehr sein können, vielleicht sogar zu Lasten der Nordinsel. Überall sind wir auf nette Menschen gestoßen, Hilfsbereitschaft war kein Fremdwort. Sicher fühlten wir uns auch überall. Einzig das Wetter war nicht immer so, wie wir es uns gewünscht hatten.  nun kamen  wir ja in den letzten Sommerwochen auf der Südinsel an, vom Sommer verspürten wir jedoch sehr wenig, zumindest, wenn der Vergleich mit dem heimatlichen Sommer gezogen wird. Es war einfach zu kalt für unser Empfinden, was schade war, denn die Schwimmmöglichkeiten bestanden zwar, konnten aber kaum genutzt werden. Die verspürte Kälte war weniger Folge zu geringer Sonneneinstrahlung, die gab es zur Genüge, sondern vielmehr Ergebnis des ständigen Windes. Was bei hohen Temperaturen wohltuend ist, führte hier zum frösteln. Ab und an hat Katrin bedauert, die warme Kleidung schon zurück geschickt zu haben. Dennoch, Neuseeland war es mehr als wert, hier zu reisen. Wir haben viele positive Eindrücke gesammelt die zu verarbeiten sind. Es sind so viele, daß es uns auf Anhieb nicht leicht fällt, alle wesentlichen Orte zu benennen, wir uns der Stra0enkarte u.a. bedienen müssen, um präzise zu werden.  Insofern erfüllt dieses “Reisebuch” seine Funktion und unterstützt unser Erinnerungsvermögen.

Auf der NZL 68

Zuerst hatten wir eine Information im Reiseführer wahrgenommen, wonach es in Auckland möglich sei, einen kurzen Segeltörn auf einem echten America’s Cup Rennschiff, gegen angemessene Bezahlung natürlich, zu unternehmen. Später fiel uns noch ein Prospekt in die Hände, was den Appetit anregte. Nachdem wir dann auch noch auf die Seite von www.bookme.com.nz kamen, über die Sonderangebote einer Vielzahl von Agenturen, so auch von explore sailing, beworben werden, war die Entscheidung schnell gefallen, zumal wir beide zusammen nicht einmal den Normalpreis für einen Mitsegler zahlen mussten. Am 12.3. war dann der Tag des Mitsegelns auf einer Formel 1 Rennyacht. Wir waren bereits am Abend von Tutukaka kommend in Auckland eingetroffen und hatten alle Zeit der Welt, von unserem 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Campingplatz mit dem Zug bis direkt an den Hafen zu fahren. Von der Endhaltestelle Britomart waren es nur 5 Gehminuten bis zum Viaduct Basin, in dem auch die beiden von explore sailing betriebenen America’s Cup Rennyachten, die NZL 41 und die NZL 68 liegen.

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Wer sich nicht sattsehen konnte an den beiden im Wasser liegenden Rennyachten konnte weitere Original-America’s-Cup-Boote vor und hinter sowie im in unmittelbarer Nachbarschaft zum Viaduct Basin befindlichen NZ Maritime Museum bestaunen. Hierzu zählt auch das in das Museum eingebrachte erste neuseeländische Siegerboot des AC.

Das Boot, mit dem wir zwei Stunden auf dem Wasser verbringen werden, die NZL 68, stammt aus Deutschland und wurde für die deutsche Kampagne zur Teilnahme am AC 2003 gebaut, kam aber nicht unter der deutschen Flagge zum Einsatz, da die Finanzierung des Gesamtvorhabens damals scheiterte. So verkaufte man das fertige Boot an das neuseeländische Team, das es als Trainings- und Vergleichsboot zu der in Eigenentwicklung geschaffenen Rennyacht einsetzten. Und nun können wir hier als mitsegelnde Gäste, die ab und an auch mal die Grinder drehen oder Hand an das Steuerrad legen dürfen, die natürlich gebremste Geschwindigkeit der Rennyacht genießen. Um 14:00 Uhr sitzen wir mit Schwimmweste ausgestattet im Boot, das nur unwesentlich gegenüber der Rennversion verändert wurde. Aus Sicherheitsgründen wurde eine Minireeling zum Schutz der Gäste angebracht, die eingesetzten Segel besitzen zwar die Ursprungsgröße, bestehen aber aus deutlich robusterem Material und damit das Boot im Hafen selbständig manövrierfähig ist, hat man eine Maschine eingebaut.  Während die AC-Yachten auf ihren Wettfahrten mit 17 Besatzungsmitgliedern gesegelt werden, sind es heute nur vier, die zwar ganz gut zu tun haben, sich aber unserer Hilfe nach Einweisung sicher sein können. Im übrigen werden ja auch keine schnellen Manöver gefahren, sondern wir segeln leicht am Wind unter Großsegel und Fock aus dem Hafen heraus, also bis auf das Heißen des Großsegels am 34,5 Meter hohen Mast keine besonders harte Arbeit. Das Grinden in hohem Tempo durch 4 Teams von zwei Personen kann dennoch ganz schön anstrengend sein und vermittelt, wenn man die Häufigkeit derartiger Manöver während einer Wettfahrt berücksichtigt, welch harter Sport hier auf den Booten betrieben wird. Die Gästeschar, nach meiner Beobachtung 26 Personen, bestand zu einem merklichen Teil aus Seglern, wovon die allermeisten bereits in einem gesetzten Alter waren und sich diesen kleinen Kick im Alter einmal geben wollten. Herkunft der Mitsegler im wesentlichen aus den Staaten, Kanada, Aussieland und dem Inland. Wir haben noch ein kleines Grüppchen Franzosen entdeckt, also eine internationale Besatzung, aber mit hohem Altersdurchschnitt. Dennoch, keiner ging über Bord, keinem wurde übel. Bei einer Windstärke von vielleicht zwei bis drei erreichten wir mehr als 15 Knoten Fahrt. Hart am Wind segelnd konnte man bequem auf der Leeseite ins Wasser greifen ohne Angst zu verspüren, wir liegen gleich flach im Wasser, denn eine 22 Tonnen schwere Ballastbombe hing am Ende des schmalen Kiels. Und hinter jedem freiwilligen Steuermann stand dann ja noch der Skipper und beobachtete sein Tun, korrigierte, gab Hinweise zur Segelstellung, die hin und wieder angepasst wurde, was das Mitwirken an den Grindern verlangte. Wirklich hart gesegelt wurde nicht, obgleich die Segel alle gut durchgesetzt waren, aber es war eine schöne Ausflugsfahrt auf einem Boot, das sehr schnell auf jede Ruderbewegung ansprach, und flott über Grund lief. Auf dem Weg zurück Richtung Hafen wurde dann noch eine mittlere Genua gesetzt, nachdem die Rollfock geborgen war, was einen zusätzlichen Fahrt- und Lustgewinn versprach, insbesondere bei denjenigen, die den großen Lappen mit den Grindern hochkurbeln durften sowie denjenigen, die dann die Genuaschot dichtholen mussten, wirklich anstrengendes Grinden war hier gefragt.  Rund um Auckland verbinden zahlreiche Brücken die einzelnen Inseln, Halbinseln. Soweit wir es verstanden haben, hatte eine dieser Brücken eine Durchfahrtshöhe von unter 38 Metern; wir vermuten sogar noch weniger. Für einen Skipper mit gutem Auge also ein Vergnügen unter voller Besegelung hier unten durch zu segeln, was auch uns geboten wurde. Beim Blick nach oben war wirklich nicht erkennbar, wie groß der Abstand zwischen Masttop und Brücke war, zeigte gleichzeitig aber ebenfalls die Gesamthöhe des Mastes in aller Deutlichkeit. Nach mehr als zwei Stunden waren wir dann zurück an der Anlegestelle; eine schöne Erfahrung, auf solch einer Yacht einmal mitgesegelt zu sein, was natürlich auch deutlich machte, wieviel Spaß dieser Sport mir macht.

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Die Welt ist ein Dorf, dies erlebten wir heute wieder einmal bei unserem anschließenden Besuch im NZ Maritime Museum. Wir wurden von einer Amerikanerin, die gleichfalls mit auf dem Boot war, angesprochen, woher aus Deutschland wir kämen. Auf die Antwort Stuttgart, wer kennt schon Nussdorf, kommt die Frage,, ob wir Nussdorf kennen würden, daher käme ihre Schwägerin! Großes Erstaunen bei Katrin das noch größer wurde, als Namen fielen. Katrin meint, sich an die in die USA verheiratete Ex-Nussdorferin zu erinnern. Dies wird dann zu Hause weiter nachrecherchiert.

Unser Besuch im NZ Maritime Museum endete abrupt. Wir sahen uns gerade eine kleine Filmsequenz über die beim AC der vergangenen Jahre entstandenen Materialschäden wie Mastbrüche, Bootsbrüche, Kenterungen, Segelrisse, Mann über Bord, Mann am Großbaum oder sonstwo hängend an, als es einen riesigen Knall hinter uns gab und offensichtlich von hoch oben unter dem Dach ein Glasteil, zum Glück aus Verbundglas bestehend und somit in kleinste Einzelteile zerfallend, sich der Schwerkraft folgend gen Boden bewegte, wobei leider auch eine historische Jolle in Mitleidenschaft gezogen wurde. Da das Museum wenige Minuten später schließt, verzichteten wir auf den weiteren Rundgang, wer weiß, was als nächstes auf uns niederregnet, und machten uns auf den Rückweg zum Camper.

Schnorcheln bei den Poor Knights Islands

Im Nachhinein ist nicht mehr genau bewußt, wie und wodurch angeregt Katrin das Ziel Tutukaka und Schnorchelfahrt zu den Poor Knights Islands ins Gespräch brachte. Auf jeden Fall hatten wir vor mehr als einer Woche dann diesen Tagesausflug gebucht und unsere Streckenplanung darauf teilweise abgestellt. Natürlich schwebte Katrin vor, im Kreise vieler bunter Fische in einem wohltemperierten Wasser zu schnorcheln, ab und an von einem Delphin umschwommen. Die Realität unseres Ausflugs entsprach dann zwar nicht zu 100 Prozent dieser eigentlich unerfüllbaren Erwartung, war aber dennoch ein außerordentliches Erlebnis.

Hatten wir bei unserer Buchung, schließlich sind wir und insbesondere Katrin kaltes Meerwasser doch gewohnt, auf das Mitbuchen von Naßbiebern verzichtet, waren wir erst erstaunt, hierüber am Ausflugtag einen Gutschein zu erhalten und später heilfroh, ihn auch anziehen zu können. Will damit sagen, das Wasser rund um die Poor Knights Islands war mehr als kalt und die Anzüge halfen, es eine ganze Weile im Wasser aushalten zu können. Es war arschkalt, so vor allem Katrins Fazit.

Die Inselgruppe liegt etwa 25 Kilometer vor dem Festland und wurde erst vor wenigen Jahren, 1981, als Marina Reserve geschützt, wobei strenge Fischereiregelungen, die den Fischfang im Umkreis von 600 Metern um die Inseln verbietet, erst ab 1998 gelten. Zum Schutz der teilweise endemischen Arten auf den Inseln aber auch, weil ein Teil der Inseln früher von einem Maoristamm bewohnt war und als heilig gilt, d.h. nicht von Unbefugten zu betretener Boden, dürfen die Inseln nicht betreten werden. Dementsprechend verhalten sich auch die beiden örtlichen hierhin Ausflugsfahrten anbietenden Unternehmen und instruieren uns Gäste ausführlich über die geltenden Spielregeln.

Als wir um 11:00 Uhr dann in See stachen, waren keine 30 Passagiere an Bord, eine schön überschaubare Gruppe und somit Gelegenheit, neben den Schnorchelmöglichkeiten auch die Kajaks und Surfbretter bei Bedarf zu nutzen. Der anfangs bedeckte, später für kurze Zeit aufreißende Himmel, der am frühen Nachmittag wieder in seinen Ursprungszustand zurück fiel, sah uns auf dem Obererdeck, jedoch angesichts des guten Fahrtwindes nicht leicht bekleidet. Nach einer guten Stunde Schiffsfahrt, in großer Entfernung passierten wir die vier Felsen der “Squires” (Knappen – Bezug zu den Poor Knights), von denen wir jedoch nie gleichzeitig alle sichten konnten,

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erreichten wir unser Schnorchelparadies. Taucher und alle die, die zu diesen weit draußen liegenden Felsen eine besondere Beziehung aufgebaut haben, unser Kapitän und die Mannschaft gehören zu dieser Spezies, benennen alles sichtbare der Insel; so auch die Bucht im Westen von Aorangi Island, der zweitgrößten dieser aus insgesamt 20 großen und kleinen Felsinseln mit teilweise spärlichem Bewuchs bestehenden Inselgruppe, die “The Gardens” heißt. Vielleicht als Anspielung darauf, hier auf eine große Vielfalt unterschiedlicher Fische zu stoßen. Was wir an Fischen sehen konnten, musste mit den besonderen Bedingungen vor Ort zurecht kommen, d.h. insbesondere mit den niedrigeren (!) Wassertemperaturen. Schon bei der Anfahrt in diese geschützte Bucht wurden wir auf zahlreiche hier umherschwimmende Fischschulen aufmerksam gemacht. Viele tausend Fische bewegten sich auf engstem Raum und fast wie auf Kommando in eine Richtung; das Problem war, sie wechselten immer wieder ihre Richtung, so daß es nicht einfach war, sie so richtig zu sehen. Sie schimmerten blau und waren, wie wir später bei einer Fahrt mit dem Kajak in einen solchen Schwarm hinein feststellen konnten, nicht gerade klein, sondern geschätzte 50 cm groß und manchmal schnellten einzelne auch aus dem Wasser.

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Dann kamen die Minuten der Wahrheit, den Neoprenanzug anziehen, Schnorchelbrille aufsetzen, Flossen an die Füße und hinein in das nicht wohltemperierte Wasser. Katrin war natürlich mit bei den ersten und schwamm bald in der Bucht weiträumig umher. Fische wurden gesichtet, große, bunte, kleine, unscheinbare, manchmal traten diese auch in größeren Schwärmen auf, manchmal mussten wir ein gutes Stück schwimmen, um wieder neue Flossentiere vor unsere Brille zu bekommen. Angesichts des kalten Wassers tat Bewegung auch gut. Katrins Anzug war wohl etwas zu groß ausgefallen, so daß das eigentlich durch den Körper angewärmte Wasser zwischen Haut und Anzugstoff immer wieder ausgetauscht wurde mit der unangenehmen Folge zunehmend stärkeren Kältegefühls. Ich hatte Glück, mein Anzug saß wie angegossen und folglich konnte ich auch ziemlich lange in der Bucht meine Runden drehen. Erstaunlich war festzustellen, wie viele unterschiedliche Fische sich direkt unter dem Rumpf unseres Bootes aufhielten, zumindest so lange, wie von oben große Mengen Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche ankamen. Die Bucht ist hier deutlich tiefer als 6 Meter; an den Orten wo wir schwammen, konnten wir ohne Probleme Einzelheiten tief unten auf dem Meeresboden erkennen, so klar war das Wasser. Irgendwann ist jeder in seinem Taten- und Forscherdrang befriedigt und kehrte auf das Boot zurück, so auch wir beide.

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Nach gut 2 1/2 Stunden Schnorchel-, Paddel- und Badevergnügen werden die Anker gelichtet und eine kleine Rundfahrt entlang der Inseln beginnt. Nur an wenigen Stellen besteht bei diesen hoch und steil aufragenden Felsen überhaupt eine Möglichkeit, in die Höhe zu klettern, was einen natürlichen Schutz für die Tierwelt darstellt. Für uns interessant die kleinen Felsformationen, Abbrüche, an den Felsen klebende Bäume und Sträucher. Unterschiedliche harte Gesteinsformationen sind Voraussetzung für besondere Gestaltungen; Durchbrüche, Löcher, Kavernen und Höhlen können bestaunt und teilweise be- oder durchfahren werden. Dazu gehört das Rikoriko Cave, es soll das weltgrößte – vom Volumen – Seacave sein, sowie der größte durchfahrbare Felsbogen der südlichen Hemisphäre. Die Höhle, in die wir langsam  hineinfahren, besitzt, wie uns demonstriert wird, wohl auch wegen seiner Kuppelausprägung, eine hervorragende Akustik mit langanhaltendem Halleffekt. Das Wasser ist bis auf den Grund kristallklar und schimmert in der Nähe der Einfahrt hellblau und geht dann in ein Tiefblau über, natürlich eine Wirkung der Sonneneinstrahlung.

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Der Felsbogen hat enorme Abmessungen, wir kommen uns auf unserem nicht sehr kleinen Boot ziemlich winzig vor. Nach einer kleinen Kreuzfahrt durch dieses Inselarchipel geht es dann in Richtung Hafen bei leider bedecktem Himmel. Am Spätnachmittag endet dann in Tutukaka ein schöner Ausflug, bei dem wir zwar nicht die unübertreffbare Vielfalt an bunten Fischen, groß und klein, gesehen haben, jedoch in diesem Naturreservat Bekanntschaft mit zahlreichen verschiedenen Fischarten machen konnten. Das wir bei unserer Fahrt auf Delphine treffen war eher unwahrscheinlich, diese Erwartung durften wir auch nicht hegen. Insofern war es ein sehr gelungener und erfolgreicher Tag.

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Im Northland – Teil 2

Der Blick aus dem Camper am frühen Morgen versprach einen sonnigen Tag, an dem wir den SH 12 weiter in Richtung Norden fahren wollten. Matakohe, unserer Übernachtungsort, besteht, wie wir beim abendlichen Spaziergang feststellen mussten, im wesentlichen nur aus dem Museum, denn die weiteren gesichteten Gebäude konnten wir an unseren Händen abzählen. Wer es geschafft hat, hier in dieser Einöde dieses gerühmte und oft angefahrene Museum zu etablieren muß entweder viel Geld oder unheimliche Überzeugungskraft bei möglichen Geldgebern besessen haben. Das dieses Museum eine besondere Bedeutung für das Land besitzt, konnten wir indirekt am frühen Morgen auf unserer Fahrt feststellen, denn diverse Oldtimer kamen uns entgegen, sicherlich, um sich zu den beiden bereits am Museum stehenden Fahrzeugen zu gesellen.

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Der erste spektakuläre Anblick wurde uns bei Ruawai geboten. Eine riesige Landzunge von Nord nach Süd verlaufend und viele große Sanddünen aufweisend, fiel ins Auge; uns trennte hiervon der Wairoa River, an dem wir entlang fuhren. Wie es heißt, liegt an dieser Landzunge die Ripiro Beach, die ebenso wie die 90 Mile Beach befahren werden kann und eine deutlich größere Ausdehnung besitzt, aber kaum beachtet wird.

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Dargaville wird durchfahren, der Abstecher zur 10 Kilometer offroad liegenden Baylys Beach (!) ausgelassen, um kurz hinter Kaihu die Kai Iwi Lakes zu besuchen. Zwei kleinere und ein dritter deutlich größerer See liegen hier unweit der Küste inmitten von Dünen, sind folglich Dünenseen mit Süßwasser gefüllt. Blau erscheint das Wasser und die Strände bestehen aus goldgelben feinen Sand. Tieferliegende Gesteinsschichten verhindern ein Abfließen in Richtung Meer, so daß hier alles was an Wassersport denkbar ist, auch ausgeübt werden kann und wird. Und schwimmen kann man hier auch, was wir bewiesen haben. Das Wasser war zwar nicht so warm wie das im Vaihinger Freibad, sondern deutlich frischer, aber gleichzeitig auch richtig erfrischend. Hinzu kommt der schnell ins Tiefe abfallende Sandstrand, der das Eintauchen ins Wasser dadurch beschleunigt und die Möglichkeiten zu zögern sehr verkürzt.

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Hier wären wir auch gerne länger geblieben, hätte es nicht auch das Ziel Waipoua Forest mit seinen alten und großen Beständen an Kauribäumen gegeben. Den Kauribäumen wurde in Neuseeland fast vollständig der Garaus gemacht; in diesem Park sind fast 3/4 aller noch vorhandener Kauribestände in Neuseeland versammelt, was jedoch im Vergleich zum Urzustand eine Winzigkeit ist. Nur einer starken Bewegung innerhalb der örtlichen Bevölkerung, später auch von anderer Seite stark unterstützt, die sich für den Erhalt der letzten Baum”reserven” bereits in den 50er Jahren einsetzte, ist die Chance zu verdanken, auch heute noch diese imposanten und extrem alten Baumriesen ansehen zu können. Die SH 12 führt direkt durch den Park und sofort ist man umfangen von einer grünen Wand. Sowohl Fahrer aber insbesondere der Beifahrer bekommen bald Genickstarre vom dauernden hoch blicken, denn bereits von der Straße aus kann man immer wieder einzelne Bäume und Gruppen der Kauri erkennen und der Blick geht, wenn möglich nach oben in die Krone. Nicht alle alten Riesen “leben” noch, einige Skelette stehen ebenfalls im Wald.

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Dieser Park wird vom DOC, dem Department of Conservation, wie so viele der NPs verwaltet, deshalb bogen wir auch direkt zum Parkheadquarter ab in dem Glauben, von hier aus könnten man am einfachsten zu den besonders alten Exemplaren laufen. Weit gefehlt, zwar ist es auch hier sehr grün, aber von großen Kauribäumen in der näheren Umgebung keine Spur, es sei denn, wir laufen bis zu einer Stunde durch den Wald Richtung Norden. Das können wir auch einfacher haben, indem wir einige Kilometer die SH 12 in Richtung Parkende weiter fahren. Dort treffen wir auf einen Hinweis, der uns zu Te Matua Ngahere, dem Vater des Waldes, führt. Kauribäume können bis zu 60 Meter in die Höhe wachsen und Stammdurchmesser von über 5 Meter sind bereits in der Neuzeit gemessen worden. Dieser Vater des Waldes soll das älteste Exemplar in Neuseeland sein; sein Alter wird auf über 2.000 Jahre geschätzt bei einem Durchmesser von mehr als 5 Metern. Nach einem 20-minütigen Spaziergang durch den alten Wald, bei dem auch immer wieder diese senkrecht in die Höhe wachsenden und stramme Stämme aufweisenden Kauribäume rechts und links am Wegrand wie auch tiefer in dem mit sehr viel Gehölz und anderen Bäumen zugewachsenen Wald stehen, erreichen wir den Urvater des Waldes. Er steht, zum Glück, etwas freier als die übrigen Bäume, dennoch, einen kompletten Blick bekommt man nicht. Im Verlaufe der Jahrhunderte hat er auch einige Federn sprich Äste lassen müssen, dennoch ist er eine imposante Erscheinung, etwas sehr gedrungen aber stark im Ausdruck. Deutlich wird, daß der Kauribaum bis zur ersten Astreihe fast gleich proportioniert ist, – hier vielleicht weniger deutlich erkennbar als an den übrigen Exemplaren –, kaum mit der Höhe an Stammumfang abnimmt. Im Verlaufe des Wachstumsprozesses verliert der Baum ab einem bestimmten Alter die unteren Äste und erst weit oben bildet sich seine Krone aus. Nahbei stehen vier nicht ganz so stramme Bäume, vier Schwestern genannt, weil sich auf engstem Raum vier Kauriexemplare in die Höhe gearbeitet und ebenfalls viele Jahrhunderte Wachstum bereits hinter sich haben.

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Wer geglaubt hat, man kann hier so einfach durch den Wald stapfen auf der Suche nach den Kauribäumen hat sich geirrt; nur auf ausgewiesenen und besonders präparierten Wegen kann man sich ausgewählten Bäumen nähern, deren Wurzeln offensichtlich sehr empfindlich sind, weshalb sie besonders gegen unser Betreten geschützt werden. Darüber hinaus hat man große Angst, Verunreinigungen in den Wald in die Nähe der Bäume getragen zu bekommen, weshalb man vor Betreten des Waldes seine Schuhsohlen abstreifen und abwaschen muß. 

So waren wir gehalten, wieder in den Camper zu steigen, um den zwei Kilometer entfernt stehenden Tane Mahuta, den Gott des Waldes, zu besuchen.  Dies ist der größte Kauribaum in Neuseeland und mindestens 1200 Jahre alt. Er wirkt auch wegen seiner Größe viel schlanker als der gedrungene Alterspräsident im Wald. Beide Bäume haben für die Maori eine besondere auch historische und nicht nur rituelle Bedeutung. Alle Bäume besitzen eine Vielzahl von Mitbewohnern, d.h. Aufsitzerpflanzen haben sich in großer Zahl am Stamm und den Ästen angesiedelt.

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Auf unserer weiteren Fahrt, bald wieder mit freiem Blick zum Himmel und ohne Blätterdach erreichen wir Omapere und den Hokianga Harbour. Die gegenüber liegende Landzunge sticht förmlich ins Auge, eine sehr große Sanddüne bildet die Spitze der in das Gewässer ragenden Halbinsel. Von Pakia Hill, einige Straßenkurven den Berg hinauf, hatten wir dann einen umfassenden Blick in diesen Hokianga Harbour, der so gar nicht nach Hafen, sondern nach einem sehr breiten und langen in das Land weit hineinreichenden Meeresarm aussieht, aber offensichtlich auf Grund seiner Lage ein besonders geschützter Hafen war.

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Rawena, ein alter Ort an dem genannten Gewässer, liegt nur 6 Kilometer abseits unserer Strecke, ein Abstecher deshalb keine besondere Herausforderung. Wie bereits öfter betont, in diesem Land wird fast alles als besonders wichtig herausgestellt. Bei diesem Ort wird nicht nur auf die lange Geschichte als Hafenstadt hingewiesen mit den noch vorhandenen Holzbauten aus der Kolonial- und Siedlerzeit im 19. Jhd., sondern herausgestrichen, daß mit 6 Kirchen hier ein Überangebot bestünde. Dies wollten wir überprüfen. Die Kirchen haben wir gesehen, kleine Gebäude, in der Mehrzahl schon betagt. Wie sind diese vor langer Vorzeit mit Gläubigen gefüllt worden? Angesichts der übrigen Bebauung schwer vorstellbar, daß überall die Kirchenbänke voll besetzt waren. Das eine oder andere Haus war bemerkenswert, das – zum Verkauf – stehende Masonic Hotel, das alte Gerichtsgebäude, heute Bibliothek, mit dem daneben befindlichen Gefängnis, um einige zu nennen. Die Zeiten, in denen das Kauriholz oder das Kauri Gum von hier aus verschifft wurde sind lange vorüber. Dennoch, auch heute gibt es hier Schiffsverkehr in Form einer Fähre über den Hokianga Harbour nach Rangiora, was für uns eine Streckenkürzung von weit über 100 Kilometer bedeuten würde. Diese Abkürzung hatten wir nicht gekannt, unser Tankinhalt war auf einen Zwischenstop in Kaikohe ausgerichtet, d.h. über 100 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle wären ein Problem. Zum Glück gab es vor Ort eine kleine Tankstelle, die jedoch gerade als wir dort zum Spritfassen anhielten, geschlossen wurde. Wer Katrin kennt weiß um ihre Angst, mit nicht gut gefülltem Tank zu fahren, die Angst, irgendwo mit leerem Tank liegen zu bleiben. Da blieb dann nur in den sauren Apfel zu beißen und zwei zusätzliche Fahrstunden zu absolvieren.

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Da fährt sie dahin, unsere Fähre!

Unsere dann sich immer länger hinziehende Fahrt, die Straße erlaubte nur gebremstes Tempo, führte über Kaikohe und später die SH 1 bis hinauf nach Ahipara, ein kleiner Ort am Ende der berühmten Ninety Mile Beach. Nach der gegen Ende auch ermüdenden viel zu langen Fahrt hierhin tat es gut, am Abend eine Weile am Sandstrand zu verbringen und die ruhige Abendstimmung aufzusaugen.

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Unser eigentliches Ziel war, heute am 9.3. die sich von hier aus in Richtung Norden anschließende Aupouri  Peninsula bis hinauf zum Cape Reinga zu fahren, eine Strecke von 145 Kilometer in eine Richtung. Nachdem wir aber gestern so extrem lange im Sattel gesessen hatten verspürten wir beide keine große Lust, eine so große Strecke zu bewältigen, um am Cape Reinga, das sicherlich besonders eindrucksvoll ist, eine tolle Küstenlandschaft besitzt, in die Weite und das tosende Meer zu schauen. Die von vielen angestrebte Fahrt entlang der Ninety Mile Beach, d.h. direkt auf dem – harten – Sandstrand war uns untersagt, entsprach nicht den Mietbedingungen des Campers. Also ein “Vergnügen” und Argument für die lange Fahrt weniger. So richteten wir den heutigen Kurs nicht nach Norden, sondern eher nach Osten, d.h. es ging jetzt zurück in Richtung Auckland entlang der Ostküste von Northland.

Natürlich nicht ohne dem Strand noch einmal einen Besuch abzustatten und dabei zu sehen, wie auf dem Strand mit einen 4WD gefahren wird, Maori Würmer zum Angeln unter Mithilfe ihrer Kinder suchen, die Wasser-/Badequalität am Morgen getestet wird.

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Die heutige Strecke führte uns an der Doubtless Bay vorbei mit einigen Umwegen bis nach Paihia und war deutlich kürzer als der gestrige Ausflug. Nachdem wir Awanui passiert hatten, ging es auf der SH 10 auf die Doubtless Bay zu, anfangs durch wieder stark landwirtschaftlich geprägte Gebiete, immer wieder standen Gehöfte am Straßenrand. Dann können wir die Bucht erblicken, deren Namensgebung wieder einmal auf James Cook zurück geht. Hier befinden sich einige schöne Strände, an denen wir jedoch vorbeifahren, denn nach passieren von Coopers Bay wollen wir in Mangonui, ein alter Fischer- und Walfängerort mit einigen gut erhaltenen Häusern entlang der Wasserfront, anhalten. Es war Sonntag und offensichtlich ein Tag, an dem man sich zum Angeln am Steg oder am Kai trifft. Daneben löschte gerade ein Fischer seinen Fang im Kühlhaus. Dieser Ort ist wirklich alt, denn er diente früher als Walfangstation, war somit einer der frühen im Land von Europäern zumindest zeitweise bewohnten Orte. Später diente auch dieser Hafen dazu, Holz, Flachs und andere im Inland erzeugte Produkte auf große Fahrt zu geben, zu exportieren. Davon ist heute nichts mehr übrig, der Ort erscheint uns Vorbeikommenden nahezu ausschließlich auf den Tourismus ausgerichtet zu sein. Die schmucken restaurierten alten Holzhäuser, früher dienten sie z.B. als Ladengeschäft, Postamt, Gerichtsgebäude – erstaunlich, daß früher in derart kleinen Orten ein Gerichtsgebäude unterhalten wurde –, sind heute mit tourismusorientierten Geschäften mehr schlecht als recht belegt. Ein aus dieser Zeit stammendes Hotel wird sogar noch heute als solches betrieben und hat seinen ganz besonderen Charme. Die Doubtless Bay zieht Besucher an, auch Feriengäste kommen in der Sommerzeit hierhin und halten den Ort mit am Leben. Auch wir leisten einen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundung, indem Katrin, es war Mittagszeit, eine Portion Fish and Chips kaufte. Hier am Wasser sollte der Fisch doch besonders gut sein. Sie bedauerte dann aber zutiefst, den erneut gemordeten denn in Panade eingehüllten Fisch gekauft zu haben.

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Entlang der Küste ziehen sich unzählige Bays, große und weniger große, bekannte und vergessene, zugängliche am Weg liegende und nur über Umwege erreichbare. Zwischen allen diesen Bays muß immer ein “Berg”rücken überquert werden. Auch wenn es sich nicht um Alpenpässe handelt, es ist immer ein ganz schönes Gekurbel am Lenkrad erforderlich, um über den Berg zu gelangen. Wir erreichten Whangaroa Harbour, wieder eine Art Meerinlet und geschützter Hafen. Der Ort Whangaroa liegt abseits der üblichen Strecke, soll es aber wert sein, hier vorbei zu schauen. Hierauf wird sogar an der SH 10 durch ein besonderes Schild hingewiesen, wieder eine “scenic route”, also liegen wir richtig mit der Entscheidung – glauben wir. Der Ort, wobei mit Ort die wenigen Häuser zuviel Anerkennung bekommen, besitzt eine lange Mole und einen Sportboothafen, in dem viele Boote liegen. Die geschützte Lage kommt den Liegeplatzbesitzern/-nutzern hier zu Gute.

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Einmal auf dieser Route, die uns auf den anstehenden 50-60 Kilometern immer wieder an die Küste bringt, wollen wir natürlich sehen, ob das Attribut einer sehenswerten Strecke zu Recht erteilt wurde. Wir waren mehr als zwei Stunden unterwegs, es hat sich gelohnt. Nicht jeder Kilometer war es wert hier gefahren zu werden, aber wir hatten sehr schöne Ausblicke auf eine Küste, die mal schroff, mal sanft daher kam, vor der unzählige kleine Felsen und Inselchen im Meer liegen, eine Miniaturausgabe der weiter südlich liegenden Bay of Islands. Ein Ort hat auf dieser Rundstrecke unsere besondere Aufmerksamkeit gefunden, Tauranga, weniger wegen seines schönen geschützten tief in einer Bucht liegenden Strandes, sondern wegen des “Mahnmals”, mit dem auf das Versenken der Rainbow Warrior von Greenpeace durch den französischen Geheimdienst 1985 hingewiesen wird. Um den von einer ganzen Flottille geplanten Protest gegen die französischen Atomtests im Muroroa-Atoll zu stoppen, hatten die Geheimdienstler mit Deckung der Regierung das Schiff im Hafen von Auckland versenkt und dabei ein Besatzungsmitglied getötet. Unweit von Tauranga wurde das in Auckland leck gesprengte Schiff versenkt, das hier errichtete Mahnmal soll an die frevelhafte Tat erinnern. Wir meinen, der aus durch das Meer gerundeten Natursteinen errichtete (Regen)Bogen stellt eine sehr gelungene Verbindung zu Greenpeace her. Es war schön festzustellen, wie außer uns auch einige andere Reisende mit ihren Kindern hier auf den oberhalb der Bucht auf einem Hügel liegenden Mahnort gekommen sind.

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Als Zielort des Tages hatten wir Paihia ausgewählt, da in unmittelbarer Nachbarschaft in Waitangi sich die Stätte befindet, auf der der Vertrag von Waitangi zwischen der englischen Krone und den Maori 1840 unterzeichnet wurde. Hier gibt es ein Museum und die Chance, mehr über diesen das Geschick des Landes bestimmenden Vertrag zu erfahren. Und wieder sahen wir, kurz vor Einfahrt in den Ort Paihia ein Schild, mit dem auf die Harutu Falls hingewiesen wurde. Angeblich soll hier das Wasser 17 (!) Meter in die Tiefe fallen. Da der Wasserfall nur wenige hundert Meter abseits der Straße sich befindet, nehmen wir den Umweg in Kauf und fühlen uns veräppelt. Hier hat man entweder vergessen ein Komma zu setzen oder man hat die Breite des Stromes mit der Fallhöhe verwechselt. Mehr als 2 Meter Wasserfallhöhe geben wir dem Gebilde nicht!  Paihia ist eine geschäftige Ferienstadt, in der es so richtig Leben gibt. Hiervon nahmen wir jedoch auf unserem am Stadtrand gelegenen Campingplatz in Fluß- und Strandnähe nichts wahr.

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Der Morgen versprach einen heißen Tag – für uns wurde es auch ein sehr interessanter Tag. Nur wenige hundert Meter von unserem Campingplatz entfernt, auf der anderen Seite des Flusses aber auch in einer anderen Gemeinde liegt unser vormittägliches Ziel, die Waitangi Treaty Grounds. Am Vorabend hatten wir erfahren, daß nicht nur stündliche Führungen über das Gelände durchgeführt werden, sondern auch um 11:00 Uhr eine kurze Kulturveranstaltung von und mit Maori besucht werden kann. Um nichts zu verpassen, waren wir früh vor Ort.

Am 6.2.1840 hatten sich hier vor Ort einige hundert Maoriclanchefs versammelt, um eine Vereinbarung zwischen der 1835 von vielen wichtigen d.h. großen Clanstämmen bereits gegründeten Vereinigung der Maoristämme, so etwas wie ein Nationalstaat war damit entstanden, und der englischen Krone zu diskutieren und zu unterzeichnen. Man versprach sich davon eine Regelung der Beziehungen zwischen den in immer größerer Zahl ankommenden Siedlern, die auch einen gewissen Wohlstand zu schaffen versprachen, und den Eingeborenen; die unterschiedlichen Kulturen prallten oft aufeinander, Konflikte waren unausweichlich. Aus diesem Grund hatte die Krone bereits einen Kommissar nach Neuseeland entsandt, der just auf dem “Treaty Ground” seine Residenz aufbaute, mit Blick auf die damals berüchtigte Stadt Russel, eine oder die erste nennenswerte Gründung europäischer Siedler, wo es angabegemäß oft heiß herging. So trafen zwei Interessen aufeinander, die in dem Vertrag gebündelt werden sollten. Den Maori kam es u.a. darauf an, ihre Kultur, Bräuche, Eigentumsverhältnisse, schlicht alle Regelungen, die notwendig waren und sind, die Beziehungen zwischen den einzelnen Stämmen und innerhalb dieser zu regeln, garantiert zu erhalten, den Engländern ihren Einfluß vor Ort zu zementieren. Damit überhaupt eine Verständigung zwischen den Engländern und den Maori möglich war, wurde zum einen der seit 1823 in Neuseeland tätige Prediger Henry Williams eingebunden, zum anderen reisten zwei Maorihäuptlinge nach England, um dort die Sprache und die Kultur Englands näher kennen zu lernen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine Schriftsprache der Maori. Während ihres Englandaufenthaltes transkribierten die beiden Clanchefs die Lautsprache in eine Schriftsprache. Die hohe Anzahl der Vokale war uns oft aufgefallen, daß das Maori-Alphabet aber nur aus 14 Buchstaben besteht, war uns neu und erklärt auch die Dominanz der Vokale. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, miteinander Verträge zu schließen. Es wurde eine englische Version von dem damaligen Repräsentanten der Krone, James Busby, aufgesetzt, die dann in die Sprache der Maori “übersetzt” wurde. Probleme im Verlaufe der Jahre entstanden aus dem unterschiedlichen Verständnis, kulturell bedingt, dessen, was fixiert worden war. Den Maori wurden die gleichen Rechte wie den dorthin übersiedelten Briten zugesichert, im Gegenzug erhielten die Briten die Staatshoheit, so die britische Sicht. Die Maori entnahmen ihrer Übersetzung die Garantie, daß ihre Stammesgesetze und Hierarchie, ihre lokale Handlungs- und Regierungsgewalt auf Stammesebene unter dem Dach der britischen Oberhohheit unangetastet bleiben, damit natürlich auch die vorhandenen Eigentumsrechte. So lange nur eine überschaubare Zahl an Siedlern nach Neuseeland kam, blieben Konflikte selten, denn die von den Siedlern beanspruchten Gebiete waren klein. Die Bemühungen der britischen Provinzgouverneure um neue Siedler, zeigte jedoch ab 1850 zunehmenden Erfolg mit dem Ergebnis wachsender Inbesitznahme von Land und somit steigender Konflikte. Auch und insbesondere nach 1840 gab es zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Maori bzw.einzelnen Stämmen und ihren Führern auf der einen und den Briten auf der anderen Seite. Die Treaty hatte zwar eine Grundlage, eine Art Miniverfassung gelegt, wurde aber nicht uneingeschränkt gleich verstanden.

Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung am 6.2.1840 lagen die Konflikte noch in weiter Ferne, weshalb man auch heute mit gewissem Stolz auf diese Vereinbarung zurück blickt, ist das praktisch mit der Staatsgründung Neuseelands gleichzusetzen. Wie es heißt, wurde die Vereinbarung von insgesamt 512 Clanchefs unterzeichnet, manche Unterschrift wurde erst Jahre nach der Erstunterzeichnung unter das Papier gesetzt. (Hier die Maoriversion des Textes)

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Heute ist die Anlage in der Verwaltung des Maori Waitangi National Trust; man ist stolz darauf, dieses große “Museum” ohne jegliche staatliche Hilfe zu betreiben. Wenn man durch die sehr weitläufige Anlage spaziert, stellt sich ein Gefühl ein, an einem besonderen Ort zu sein, irgendwie würdevoll wirkt er, ruhig, die Umgebung dominierend. Auf der riesigen Rasenfläche, damals saßen hier die vielen hundert Maorivertreter und diskutierten, steht heute ein Marineflaggenmast, an dem drei Fahnen wehen : im Top die Neuseelands, darunter an den Salings die alte Fahne aus der Zeit von 1835, in der vier/fünf Sterne die Maori-stämme und ihre Vereinigung symbolisieren, sowie die der Briten.

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Die Maori waren auch ein kriegerisches Volk, wie nicht nur in ihren Angst oder Respekt erzeugenden Begrüßungszeremonien zum Ausdruck kommt, sondern sich auch in ihren Kriegsbooten zeigt. Einige davon liegen/stehen auf dem Treaty Ground, es handelt sich jedoch heute um Boote, die zu Zeremoniezwecken eingesetzt werden, dessen größtes 35 Meter lang ist.

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Das von dem damaligen Repräsentanten/Gouverneur der englischen Krone 1840 bewohnte Haus, das sich auf dem Treaty Ground befindet, wurde vor einigen Jahren einer grundlegenden Instandsetzung unterzogen und kann ebenso besichtigt werden wie ein diesem Gebäude gegenüber liegendes, auch hierin liegt Symbolik, Versammlungshaus/Marae der Maori.

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In diesem Marae fand dann auch eine kurze Kulturveranstaltung statt, während der nicht nur Kampfeslieder sondern auch normale Maorigesänge, Kampfhandlungen und Maoritänze aufgeführt wurden. Beeindruckend zum einen die vom Besucher Respekt und Unterwerfung einfordernde Begrüßung vor dem Gebäude, zum anderen die dann herzliche und nahe eigentliche Begrüßung im Versammlungshaus.

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In den Fotos zeigen nur sehr unzureichend die teilweise fröhliche Stimmung aber auch die vorgespielte bedrohliche Stimmung. Auch wenn es nur eine mehr als halbstündige Vorführung war, sie hat einen kleinen Einblick gegeben und hat uns durchaus begeistert.

Kaum einer verbindet mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser das Land Neuseeland, noch weniger den Ort Kawakawa, mehr als eine halbe Stunde Fahrt südlich von Waitangi, verorten wir den Künstler im allgemeinen in Österreich und haben an unterschiedlichen Orten auch in Deutschland Ergebnisse seiner Kreativität und Nonkonformität gesehen. Wenn aber schon im großen Straßenatlas Neuseelands in kleiner roter Schrift auf ein Hundertwasser WC-Haus in Kawakawa, gerade einmal 1.300 Einwohner leben hier, hingewiesen wird, kann es keine Ente sein. Auf dem Weg in Richtung Norden liegend biegen wir in das Ortszentrum ab. Wir gehen die Hauptstraße auf und ab, bis wir auf eine kleine Schlange stoßen und vor diesem berühmten WC-Haus stehen, ein typischer Hundertwasserbau, wie die nachfolgenden Bilder zeigen. Wie kommt ein so am Rande von etwas liegender Ort an ein Prunkstück, das letzte, das er vor seinem Tod geschaffen hat? Was wir nicht wußten, F.H. hatte 1975, nachdem er seit 1970 mehrfach in Neuseeland war, in der Nähe von Kawakawa ein Haus mit Grundstück erworben und lebte hier bis zu seinem Tod im Februar 2000. Im übrigen, wir beließen es beim anschauen und benutzten den “heiligen” Ort nicht zweckentsprechend.

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Tagesziel war Whangarei, eine als sehenswert beschriebene Hafenstadt, in deren Nähe unser eigentliches Übernachtungsziel Tutukaka liegt. An Stelle nach Whangarei hinein zu fahren und durch eine modernisierte Innenstadt ohne besondere Auffälligkeiten zu gehen, hätten wir uns besser an den Strand  gesetzt, es war, bis auf eine Ausnahme, vertane Zeit. Diese Ausnahme ist der mit stattlichen Booten, auch Segelbooten bestückte Hafen, an dessen Rand einige wenige Bauten aus dem Anfang des 19. Jhd. noch stehen.

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Am Abend dann in Tutukaka angekommen hofften wir, nach einem Blick auf unser morgiges Ziel, die Poor Knights Islands, auf weiter anhaltendes gutes Wetter.

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