Im Northland – Teil 1

Heute der 7.3. war im wesentlichen Fahrtag. Viele Regionen Neuseelands hatten wir bereits besucht, zwei der oft genannten und besonders besuchenswerten, Coromandel und Northland, haben wir uns bis zum Schluß aufgehoben. Nach Coromandel nun also Northland, die Halbinsel, die nördlich von Auckland liegt. Nun sind die Strecken zwischen zwei sehenswerten Regionen nicht so groß bemessen wie in Argentinien, dennoch braucht es auch hier seine Zeit, um vom Fuß der Coromandel Peninsula bis in die Region von Helensville zu kommen, so etwa der Beginn der jetzt zu erkundenden Halbinsel Northland. Sehenswertes auf den bis hierher benötigten fast vier Fahrstunden haben wir nicht bemerkt; weder die Landschaft forderte uns zu genauerem Hinsehen auf, noch die Teile von Auckland, die wir auf der Autobahn durchfuhren. Auckland werden wir uns vor der Abreise noch etwas genauer ansehen. Als es dann auf die Halbinsel ging, fuhren wir durch eine dem Allgäu ähnliche Landschaft, hügelig nicht bergig, mit großen Wiesen und zahlreichen Wäldern und Waldbeständen, mit zahlreichen Kühen und Rindern, hier und da auch einzeln stehende Gehöfte. Der einzige aber wesentliche Unterschied zum Süden Deutschland : hier war das Gras nicht grün sondern braun – Folge der Trockenheit.

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Praktisch einziger “Programmpunkt” des heutigen Tages, ausgenommen das Ziel Meilen zu machen, war das gelobte “The Kauri Museum” in Matakohe. In Helensville erhielten wir den gewünschten Prospekt und mussten mit Erschrecken feststellen, wie früh das Museum schließt, nämlich um 17:00 Uhr. Das bedeutete die zum Ziel fehlenden gut 130 Kilometer beschleunigt zu überwinden. Um 15:30 Uhr waren wir endlich am Ziel und müssen sagen, die Hetze der letzten beiden Stunden hat sich gelohnt. In diesem von vielen Seiten gelobten und prämierten Museum wird umfassend nicht nur die Geschichte des Kauri-Raubbaus dargestellt, eingeführt und erläutert, was Kauri Gum ist und wie die Suche im 20. Jhd. erfolgte, sondern alles wurde verbunden mit der Präsentation damals eingesetzter Maschinen und Hilfsmittel und vertieft durch sehr zahlreiche fotografische Dokumente der damaligen Zeit. Sehr deutlich wurde, was für majestätische Bäume die Kauribäume waren, welche alten Schätze hier millionenfach gefällt wurden. In dem Zusammenhang eine Zahl aus unserer gestrigen Wanderung : allein im Kauaerangatal wurden insgesamt fast 3 Millionen Festmeter Kauriholz in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gefällt. Der Kauribaum ist einer der ältesten noch existierenden Bäume überhaupt; wie es heißt, tauchen die ersten Vorfahren dieses Baumes vor mehr als 135 Millionen Jahren auf. Noch existierende Exemplare sollen über 2.000 Jahre alt sein. In der Ausstellung werden an einer Wand die größten bekannt gewordenen Durchmesser dieser Bäume dargestellt; nach meiner Erinnerung sind da weit über 6 Meter Durchmesser abgebildet worden. Der noch existierende größte Kauribaum in Neuseeland, Te Matua Ngahere (Vater des Waldes), wir hoffen, ihn Morgen sehen zu können, mißt etwa 4,40 Meter im Durchmesser. Insbesondere durch seinen sehr geraden und mächtigen Stammwuchs, der im alter astlos bis in die Krone ist, seine widerstandsfähige Holzart, die zudem sehr schön gemasert ist, wurde die Begehrlichkeit geweckt. In der Ausstellung wird der umfassende Einsatz dieses Holzes dokumentiert; sie geht vom schlichten Hausbau bis zum Einsatz bei hochwertigen Möbeln wie auch im Segelschiffbau. In der Ausstellung sind auch zahlreiche Exponate verschiedener Kauribaumarten versammelt, bei denen wohl nur der Holzexperte mit Ausnahme der unterschiedlichen Farbgebung Unterschiede erkennen würde.

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Für uns bislang unbekannt war, daß das Harz des Kauribaumes früher u.a. in der Farbenindustrie verwendet wurde. Ähnlich wie bei der Kautschukgewinnung wurde vor allem im letzten Jahrhundert der Kauribaum zum “bluten” gebracht; nicht wenige der Bäume sind dabei verblutet, ihr Holz danach kaum noch etwas wert. Mit dem Harz “verschließt” der Baum seine Wunde, so z.B. auch, wenn ein Ast abgebrochen ist. Da mit dem Baumwachstum auch die Rinde sich schält, fällt mit dieser zugleich das daran haftende Harz zu Boden.Man hat festgestellt, daß bis zu drei Lebenszyklen, ein Zyklus umfasst einige tausend Jahre, auf Neuseeland nachgewiesen werden können. Das heißt, im Erdreich befindet sich ein Schatz, der gehoben werden kann. Dies erkannt, setzte im letzten Jahrhundert große Menschenmassen mit Spaten und Eimer, später ersetzten Maschinen die Handarbeit, um an den fraglichen Orten nach dem Kauriharz zu graben, das auf dem Weltmarkt sehr gefragt war. Dieses im Erdreich konservierte Harz ist zunächst unscheinbar, erst nach Bearbeitung, Schliff und Politur gewinnt es ein Aussehen, das dem von Bernstein gleichkommt, was auch nicht anders zu erwarten ist.

Ergänzt wird die umfangreiche Ausstellung durch dargestellte Lebens- und Wohnsituationen des bürgerlichen Neuseelands um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd. Leider fehlt völlig eine Behandlung der Lebensumstände der Menschen und ihrer Familien, die diesen Reichtum in den Wäldern erst gehoben haben. Lediglich auf den Fotografien, in denen die Baumfäller abgebildet wurden, tauchen die eigentlichen Wertschöpfer auf. Für uns ein nicht unerheblicher Mangel des Ausstellungskonzeptes. Dennoch, die 1 1/2 uns bis zur Schließung zur Verfügung stehenden Stunden waren viel zu kurz, sich mit allem richtig zu beschäftigen. Was bleibt sind einige Fotos, aus denen die Holzgewinnung ersichtlich ist, weniger die Mühhsal, auch wenn man sich gut vorstellen kann was es bedeutet, wenn 18 Rinder benötigt werden, um einen Holzlog zu ziehen.

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Coromandel Peninsula

Der Wind hatte zwar über Nacht nachgelassen, die Wolken blieben uns aber am Morgen noch erhalten; der vor unserem Fenster zu beobachtende Wellengang in der Long Bay zeigte, wie stürmisch die Nacht war.

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Heute, den 5.3., und Morgen wollen wir uns die kleine Halbinsel Coromandel “erfahren” und wo möglich auch ab und an erlaufen. Bei der Planung des Tages und einen Blick in die Camper-Mietbedingungen mussten wir feststellen, daß es uns untersagt ist, die Pisten nördlich von Colville auf der Halbinsel zu befahren. Damit war eines der interessanten Ziele, den ganz im Inselnorden befindlichen Coromandel Walkway entlang der Küste und durch das Gebirge von der Wunschliste zu streichen. Aber bis hinauf nach Colville war erlaubt, also nahmen wir die Strecke von Coromandel Stadt dorthin unter die Reifen. Nicht jeder Kilometer verlief entlang der Küste, aber wenn, dann hatten wir wieder das Bild einer wilden, steilen, teilweise nicht bezwingbaren Küste; die Strecke im Hinterland zeigte ein zwiespältiges Bild. Insbesondere dort, wo sogenannte “scenic reserves” oder ein offizieller Park eingerichtet wurde, Wälder in jeder Form, zwar nicht als Urwald, aber zumindest als Nutzwald; gleichzeitig wurde uns auch vor Augen geführt, wie intensiv hier geholzt worden war und heute nur noch Grasland besteht. Offensichtlich aber eine gute Grundlage für die Viehhaltung. Zufällig stießen wir in Colville auf die Vorbereitungen für eine Viehauktion. Per Spezial-LKW wurde die Auktionsware herangekarrt, soweit erkennbar aus dem nördlichen Coromandel, und in die einzelnen Verschläge getrieben. Fachkundige drehten ihre Inspektionsrunden, fachsimpelten und der Auktionator band sich bei seinem Auto noch den Schlips um. Wir wollten der Auktion nicht beiwohnen und gingen durch den Ort. Uns kamen dabei immer mehr Interessierte entgegen, offensichtlich ein wichtiges Ereignis hier kurz vor dem Nirgendwo.

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Colville scheint auf zwei Arten eine große Anziehung auszuüben. Die eine ist eine Möwenart, von denen sich einige hundert am Strand vor der Bucht versammelt hatten und sich auch durch uns nicht in ihrer Formation stören ließen. Die andere “Art” sind Menschen, hier Buddhisten, die unweit des Ortes ein Yoga- und Meditationszentrum errichtet haben und mit einer kleinen am Straßenrand stehenden Stupa auf sich aufmerksam machen.

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So wie wir nach Colville gefahren sind, mussten wir auch wieder nach Coromandel zurück fahren; die alternativen Schüttelstrecken waren nach Aussage der Touristeninformation kaum durch unseren Camper zu bewältigen. Die Nationalstraße 25 führt einen rund um die Halbinsel herum, ist keine Rennstrecke, weist aber durchgängig zwei Fahrspuren auf und führt den Reisenden immer wieder an schöne Orte, insbesondere Strände. Die Fahrt geht durch die Hügelzüge der Halbinsel, trifft aber immer wieder auch auf das Meer. Eines muß an dieser Stelle herausgestrichen werden : die Halbinsel ist im großen und ganzen eine sehr grüne und stark bewaldete Insel. Sicher, dies ist zu einem guten Teil auf den sehr großen Coromandel Forest Park zurückzuführen, aber auch normale Forstwirtschaft trägt zu diesem Bild bei; gleichzeitig ist die Topografie der Halbinsel nicht gerade darauf ausgelegt, hier bis an den Horizont reichende Felder anzulegen. Von Coromandel kommend treffen wir bei Te Rerenga wieder auf den Pazifik, passieren diese sehr weite Bucht, den Whangapoua Harbour, und nehmen uns vor, beim nächsten Mal den Strand wieder zu inspizieren. Das war dann in Kuaotunu der Fall, weiter weißer Strand, im Hintergrund eine beachtliche Anzahl von offensichtlichen Ferienhäusern, denn die Vorhänge waren in den meisten Fällen zugezogen. Ein schöner Flecken um am Meer zu entspannen, nur hier war niemand!

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Manchen Strand auf der Strecke ließen wir aus, in Wharekaho Beach fuhren wir so nah am Strand vorbei, daß ein kurzer Halt fast zwangsläufig erfolgte.

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Whitianga ist die erste nennenswerte Stadt an unserer Strecke, voll auf den Sommertourismus eingerichtet mit schönem Hafen, in dem auch eine ganze Reihe größerer Segelboote vertäut waren, und vor allem Luxusdomizilen mit dazugehörigem Liegeplatz. Dieser Ort liegt zwar weniger als 50 Fahrkilometer von Coromandel Stadt entfernt, man benötigt aber Stunden, um hierher zu kommen. Wir lernen, unsere Tagesziele sehr bescheiden zu definieren. Zwei standen auf dem Plan : die Cathedral Cove und die Hot Water Beach, beide unweit des Örtchens Hahei gelegen. Am Parkplatz bei Hahei, um zu der Cathedral Cove zu gehen, sind wir am Nachmittag. Schon von weitem ist beeindruckend, wie viele kleine Inseln sich vor der Küste befinden, manche von diesen auch mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. In einer nicht ganz dreiviertelstündigen “Wanderung” gelangen wir an die Bucht, wo sich diese berühmte und auf jeden Fall zu besuchende Cathedral Cove befindet. Wie anderswo auch, hat das Wasser das vorhandene Gestein geformt, in diesem Fall durch einen Felsen eine riesige Öffnung geschaffen. Beim Durchschreiten, am besten bei Ebbe, sonst gibt es nasse Füße, dieses Durchbruches ist erkennbar, wie hoch diese offene Höhle ist. Viele Menschen strömen hierher, um dieses “Naturwunder” zu bestaunen; in unseren Augen nice to see, aber meilenweit fahren würden wir hierfür nicht noch einmal. Deutlich beeindruckender der Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln oder ein genaues Betrachten der direkt vor dem Strand stehenden Felsformationen, an denen Wasser, Wind und Sand auch künstlerisch gearbeitet haben.

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Andere Buchten haben auch schöne Felsskulpturen wie die nahe gelegene und auf dem Rückweg zum Parkplatz leicht anzulaufende Stingray Bay. Aber im Gegensatz zur Cathedral Cove verirrt sich hierhin kaum jemand. Schade, eine Kathedrale kann diese Bucht nicht bieten, aber die Anfänge hierfür sind bereits gemacht.

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Als wir gegen 17:00 Uhr wieder den Camper erreichen ist unser letztes Ziel des Tages einen vernünftigen Campingplatz in der Nähe der Hot Water Beach zu finden. Bei Whenuakite werden wir fündig, nur gut 8 Kilometer bis zum Strand. Die Hot Water Beach kann nur zwei Stunden vor und nach Erreichen des niedrigsten Wasserstandes betreten werden, wann das ist – wir haben keine Ahnung und fragen beim Einchecken den Campingplatzbetreiber. Ganz trocken meinte er, Morgen früh ab 04:30 Uhr sei die Beach bestimmt ganz frei, aber so früh würden wir wohl nicht aufstehen wollen, dann sollten wir uns am besten sofort auf den Weg machen, denn bis etwas nach 19:00 Uhr dürfte die Beach betreten werden – es war inzwischen 17:45 Uhr. Da mussten wir nicht lange überlegen sondern flitzten zum Camper und stoben von dannen. Die Fahrzeit hat keiner gestoppt, auch nicht die Sekunden, bis wir unsere Badesachen angezogen hatten oder Minuten die es dauerte, bis wir den Strand erreichten, auf jeden Fall waren wir schnell unterwegs. Was muß man sich unter der Hot Water Beach vorstellen? So wie wir es erfahren haben, am eigenen Leib quasi, tritt warmes bis heißes Wasser in diesem Küstenabschnitt knapp unter der obersten Sandschicht aus. Wenn man eine 20-30 cm tiefe Grube gräbt, sammelt sich dort das Wasser, je nach Tiefe und Lage der Grube warm bis heiß, in das man sich legt, um diese wohltuende Wärme aufnehmen zu können. Wer zuerst kommt, hat natürlich die besten Grabeplätze, wer zuletzt kommt, so wie wir, kann sich unter den inzwischen verlassenen Löchern das passende aussuchen und spart Arbeit. Nicht so ganz, denn der Sand läuft permanent wieder in die Grube und zwingt den Nutzer immer wieder, für die notwendige Tiefe nachzugraben. Und so befinden sich viele Dutzend dieser Badelöcher auf dieser Strandfläche, man liegt entspannt in seiner Kuhle. Das warme Bad war entspannend, der Sand, auch entsprechend warm/heiß, wirkte wie eine Fangopackung und das alles ohne Krankenschein zu nutzen. Und das notwendige Bad im eigentlich kalten Meer war sehr erfrischend – zugleich aber auch erforderlich, um sich von dem vielen Sand zu befreien. Das Vergnügen endet, wenn die auflaufende Flut das jeweilige Loch/Kuhle erreicht hat und dieses flutet. Einziger Wermutstropfen dieses Ausflugs – in einem unbewachten Augenblick hat sich ein anderer Strandgast unseren gekennzeichneten Spaten gegriffen und ist unerkannt entkommen. Dinge gibt’s – was will die Person mit dem Spaten? Ist er/sie Dauergast an diesem Ort, quasi Kurgast? Ärgerlich, aber zu verschmerzen. So haben wir dann doch noch unsere beiden Tagesziele voll erreicht.

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Wieder einmal ein Tag, der grau und wolkenverhangen begann und im Sonnenschein endete. Scheint die Sonne nicht auf’s Haupt, sind wir weniger elanvoll, lassen den Tag ruhiger angehen. Das gilt auch für heute, 6.3., denn wir wollen nur noch eine Wanderung im Kauaeranga Valley, Teil des Coromandel Forrest Park, zu den Pinnacles, einer besonderen Bergformation unternehmen. Zu dieser Wanderung, über die Dauer haben wir unterschiedliche Angaben gefunden, sie reichen von einer strammen Eintageswanderung bis zur Empfehlung, den Rückweg auf den Folgetag zu legen, wollen wir gegen Mittag aufbrechen. Dafür müssen wir aber bis fast nach Thames fahren auf einer Strecke, die die bekannten Straßenverläufe besitzt, d.h. es reihen sich pausenlos Kurven aneinander. So queren wir bildlich gesprochen die Höhenzüge des Schwarzwaldes, blicken weitgehend auf einen geschlossenen Wald, und folgen verschiedenen Flüssen in ihrem Verlauf. Nachdem wir dann noch 15 Kilometer vom Ort Thames in das Kauaerangatal zum DOC-Besucherzentrum meistens geschüttelt hinter uns hatten, folgten weitere nahezu im Schritttempo zu bewältigende 9 Kilometer bis zum Startpunkt der Wanderung. Für diese wurde uns eine Richtzeit von 3 Stunden für den Hinweg mit auf den Weg gegeben. Als wir uns um 12:40 auf den Weg machten hieß das nicht zu schlurfen, sondern zügig zu wandern. Der Parkplatz, von dem es ausging, war fast leer; neben einigen Kleinbussen standen nur noch drei PKW verlassen da, also wenig los im Wald, denn von hier gehen mehrere Routen durch das Naturschutzgebiet.

Diese Wanderung zählt mit zu den schönsten, die wir in Neuseeland unternommen haben. Bis auf die letzten 10 Minuten liefen wir ausschließlich im Wald, im Grunde nichts besonderes wenn man bedenkt, daß die Pinnacles bei 759 Metern enden. Dennoch tat es gut, im Schatten zu laufen, denn inzwischen schien die Sonne kräftig. Wie so oft in den neuseeländischen Wäldern, es mutet urwüchsig an, ist auch wild, aber kein ursprünglicher Wald von vor der Siedlerzeit. Die Berghänge, an denen wir vorbei wanderten, waren vor weniger als 80 Jahren noch von großen viele hundert Jahre alten Kauribäumen bewachsen, die fast ohne jede Ausnahme gefällt wurden. Auf dem Rückweg haben wir mehr auf den sichtbaren Baumbestand geachtet und konnten vom Weg aus nicht mehr als 7 solcher Bäume erkennen. Einen “vergessenen” Holzlog fanden wir am Weg, dort seit Jahrzehnten auf den Verfall wartend, und immer noch imposant in seinem Durchmesser, der über 2 Meter betragen dürfte. Auf unserer Wanderung profitierten wir zu einem Teil von den “Wegen”, die die Bäumfäller damals angelegt hatten, weniger, um bequemer zur Arbeitsstätte zu gelangen, sondern um den Pferden und Maultieren, mit denen die Versorgung zu den Arbeitscamps in den Bergen transportiert wurde, einen besseren Stand zu ermöglichen. So wurden Teile der Pfade mit Steinen verfüllt, damit auch im Regen ein Fortkommen möglich war, in den Felsen wurden Stufen geschlagen. Bei trockenem Wetter sicherlich eine Erleichterung auch für Wanderer, aber wenn es geregnet hat, und hier regnet es häufiger als man denkt, abgestorbene Blätter und Moosbewuchs auf den Steinen diese zur Rutschbahn machen, vergeht die Wanderfreude, muß man bei jedem Schritt aufpassen. Den Kauaerangafluß und Nebenflüsse mussten wir mehrfach überqueren, manchmal über eine schwankende Hängebrücke, meistens aber über den Fluß/Bach selber, kamen an kleinen Wasserfällen vorbei, hörten und sahen ab und an auch Vögel, die sich gegen das Geräusch der Zikaden durchsetzen konnten.

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Wenn an kleinen Kuppen oder auf einem Bergrücken ein Blick ins Rund möglich war, sahen wir um uns herum nur Wald und einige imposante Felsformationen. Von der Ausprägung des Umfeldes der Pinnacles kann vermutet werden, daß wir in einem alten Vulkan, zumindest teilweise, herumkraxelten, denn die sichtbaren Bergrücken bildeten fast ein Rund. Die angestrebten Pinnacles selber stachen durch ihren etwas zackigen Gipfel aus den umliegenden Höhen hervor, wie es auch ein Felsturm tat, den wir passierten.

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Nach knapp zwei Stunden hatten wir die Kauaeranga Hut, die 50 Minuten Weg unterhalb des Gipfels liegende DOC-Schutzhütte erreicht. Dabei ist Schutzhütte oder Hütte mehr als untertrieben, denn es handelt sich nach unserem Verständnis um ein komfortables Schullandheim mit entsprechenden Räumlichkeiten. Nun erklärte sich auch, weshalb wir auf unserem Weg drei Jugendgruppen, zwei davon aufsteigend, getroffen und überholt hatten. Ihr Ziel diese “Hütte”, in der natürlich auch normale Wanderer, nach Anmeldung unten im DOC-Office, übernachten können. Wir konnten uns ausrechnen, daß selbst bei flottem weiteren Anstieg zu den Pinnacles wir auf dem Rückweg in die Dämmerung hineinlaufen würden. Deshalb kehrten wir nach einer kleinen Vesper auf der Terrasse der Hütte um, aber nicht, ohne den wenige Gehminuten entfernten Kauridamm besucht zu haben. Hier handelt es sich um einen in Teilen noch erhaltenen aus der Holzfällerzeit stammenden Damm, der dazu diente, das Wasser des Flusses so aufzustauen, daß in ihm zigtausende Holz/Kaurilogs schwimmen konnten, um dann nach einer plötzlichen Öffnung des Dammes die Masse Holz das Tal in dem Wasserschwall hinunter zu schwemmen.

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Nach knapp vier Stunden zurück am Ausgangsort freuten wir uns über eine sehr schöne, leider nicht ganz so lange Wanderung. Erst nach 18:00 Uhr und einem kurzen Halt, um ein wunderschönes altes Herrenhaus noch einmal in Ruhe anzusehen, endlich wieder auf einer zügiger zu befahrenen asphaltierten Straße war uns nicht der Sinn nach einer weiteren längeren Fahrt in Richtung Auckland und wir beschlossen, den Campingplatz in Thames aufzusuchen.

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Glowworm Caves und andere Besonderheiten

Natürlich schauten wir immer wieder während unserer Fahrt in Richtung New Plymouth hinüber zum Mount Taranaki, aber außer nur vorübergehenden leichten Wolkenauflockerungen waren keine wirklichen Veränderungen zu bemerken.

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Unser neues Ziel hieß deshalb Waitomo, in dessen Nähe eine ganze Reihe von Kalksteinhöhlen zu besichtigen sein sollen. Über Inglewood und Waiteraa gelangten wir auf die Nationalstraße 3, der wir bis zu unserem Tagesziel treu blieben. Anfangs verlief sie noch in Küstennähe, einem Hinweis auf einen besonderen Strand in Onaero folgten wir und landeten an einem Ministrand, gegen den gerade die auflaufende Flut anlief. Hier zeigte sich auch, daß dieser Küstenabschnitt oft sehr steil ins Meer fällt, Steilabbrüche und Felsen die Küste bestimmen.

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Superlative werden hier im Land gerne verwendet. Kurz bevor wir den Abstecher ans Wasser unternahmen, passierten wir eine sehr große Industrieanlage, mitten in der Pampa gelegen. Es handelt sich um die weltgrößte Anlage, in der vor der Küste gewonnenes Gas zuerst in Methanol und dann in Benzin umgewandelt wird, 1986 in Betrieb gegangen.

Offensichtlich ist entlang unserer heutigen Fahrstrecke wenig Interessantes zu entdecken; zu diesem Schluß kann man kommen, wenn in offiziellen Broschüren auf eine am Wege befindliche Brauerei hingewiesen wird. Bier am frühen Tag nicht unbedingt unser Ding, wir ignorierten den Hinweis. Anders verhielten wir uns bei einem Hinweis auf “drei Schwestern”, kamen dabei Erinnerungen an ähnlicher Orte in Südamerika hoch. Wir landeten an einer Bucht, konnten von dort aber nichts erkennen, was einen Bezug zur Zahl drei haben könnte. Den Blick über die Bucht hinaus auf das Meer und die anrollenden oft aufschäumenden Wellen genossen wir, allein und nur von wenigen Möwen beobachtet. Bei der Abfahrt bemerkten wir ein Schild, in dem auf die Gefahr hingewiesen wird, vom einlaufenden Wasser überrascht zu werden. Damit war klar, es muß sich um etwas handeln, zu dem man nur bei Ebbe gelangen kann – jetzt war Flutzeit, eine Klärung somit nicht möglich. Der Weiterweg führte uns in großem Bogen um die Bucht herum, auf die wir dadurch noch einmal schauen konnten. Dabei fielen uns in einem Steilfelsen drei Höhlen auf, vermutlich sind das die drei Schwestern oder es rankt sich eine Geschichte von drei Schwestern um diese Höhlen.

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Das war es dann auch schon mit den Beobachtungen während der Fahrt, denn landschaftlich wurde uns auf den dann anschließenden etwa 140 Kilometern landeinwärts die übliche Schmalkost vorgesetzt. Schafsland, nichts als Schafsland im Hügelland. Da fällt es manchmal schwer, bei Laune zu bleiben. Te Kuiti, wieder ein Ort, der einem bekannt vorkommt, war als Informationsstelle für die Kalksteinhöhlen vorgesehen, liegen die Höhlen im Umfeld dieser Stadt. Die Touristeninformation konnte uns mit zahlreichen Prospekten versorgen, auf dem Gebiet tummeln sich viele Anbieter und jeder hat offensichtlich das Exklusivrecht, eine bestimmte Höhle zu vermarkten. Beim Studium der Unterlagen mussten wir zu unserer Enttäuschung feststellen, daß bis auf den Besuch einer Glühwürmchenhöhle alle anderen Touren heute nicht mehr möglich waren; um 15:30 Uhr fanden dort die letzten Touren statt. Bis Morgen vor Ort bleiben, um das umfassendste Angebot zu nutzen oder in den sauren Apfel beißen und zu einem Kurzbesuch der “Glowworm Caves” nach Waitomo fahren, wo die letzte Tour um 16:30 Uhr stattfindet? Wir kamen kurz vor 16:00 Uhr an, konnten noch Tickets für die gerade anlaufende Besichtigungstour kaufen und gingen in die hier angepriesene Kalksteinhöhle. Die Höhle, die wir durchlaufen konnten, war wegen seiner Dimension beeindruckend; spärliches Licht machte manches gespenstisch, verhinderte aber auch, sehr vieles genauer zu erkennen. Stalakmiten und Stalaktiten waren zu bestaunen, wir müssen aber einräumen, an anderer Stelle ganz andere Größenordnungen und Mengen dieser Kalkgebilde bereits gesehen zu haben. Höhepunkt war dann eine kleine Bootsfahrt durch einen Teil der “gefluteten” Höhlenlandschaft, an deren Decke sich hunderttausende von Glühwürmchen niedergelassen haben und auf ihre “Verpflegung” warten. Im Stockdunkel der Höhle und nahezu völliger Ruhe glitten wir langsam durch die Höhle, über uns ein Lämpchenmeer, Milchstraßen von Punkten, meistens weiß, manchmal auch grün leuchtend. Dies war imposant, ein ganz besonderes Erlebnis. Verständlich, wenn der Betreiber der Tour das Fotografieren untersagt, will er doch seine eigenen Produkte verkaufen. Nur am Ende der Tour am Höhlenausgang hieß es dann Foto frei. So bleibt uns nur die Erinnerung an das Wahrgenommene. Nach weniger als 40 Minuten standen wir wieder im Sonnenlicht, freuten uns über die Höhlenbesichtigung, fragten uns gleichzeitig, ob dies denn wirklich die geforderten 48 NZ Dollar (ca. 32 Euro) pro Person wert gewesen sei, was wir verneinen mussten. In Neuseeland versteht man es halt, auch nicht so bedeutende Dinge weltmeisterlich zu vermarkten und zu Geld zu machen.

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Otorohanga, ein kleiner Ort in der Nähe bzw. der Campingplatz dort, war unser Standort für die Nacht. Da der Campingplatz unmittelbar am Stadtzentrum liegt, was bei der Größe der Stadt wirklich keine Leistung ist, machten wir die Runden durch die Gemeinde und hatten sehr schnell beide Enden der Innenstadt erreicht. Wieder einmal konnten wir erkennen, wie Neuseeländer es schaffen, aus einem Päckchen Quark zehn Käsekuchen herzustellen. Im Fall von Totorohanga wird betont, hier würden alle wesentlichen Kiwi-Icons präsentiert, man sei praktisch “Kiwiana”. Das so hoch gepriesene erschöpft sich in an den Laternenmasten in der Innenstadt angebrachten Signets. Hauptsache, es wird über den Ort gesprochen scheint die Devise zu sein. Ähnlich verhält es sich mit dem Ed Hillary Walkway, auf dem wenig bis nichts über Ed Hillary zu sehen oder lesen ist, sondern die Geschichte des Ortes in Beziehung zur Landesgeschichte und Entwicklung dargestellt wird. Da am Ort auch ein Kiwi House & Native Bird Park existiert, in dem Kiwis tagsüber zu sehen sein sollen, hat man zu Ehren dieser Vögel an allen Einfahrtsstraßen entsprechende Skulpturen aufgestellt, die wegen ihrer Dimension von deutlich über 2 Metern von niemandem übersehen werden können.

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Das hin und wieder herabfallende Laub, die früher einsetzende Dunkelheit, die abgeernteten Äcker und vor allem die stetigen heftigen Winde signalisieren, der Herbst steht vor der Tür oder ist bereits schon eingetreten. Die oft immer noch strahlende Sonne täuscht etwas vor, der starke Wind kühlt dann auf herbstliches Niveau ab. Von Morgennebel blieben wir bislang im wesentlichen verschont, ob es am Zeitpunkt unseres Tagesbeginns lag, wissen wir nicht. Kalte Nächte hatten wir auch schon bemerkt, dies aber für Sonderfälle gehalten. Inzwischen wissen wir es besser – der Herbst ist auch hier angekommen. Wenn morgens im Camper knapp 6 Grad (plus) gemessen werden, dann kann das nicht mehr unter Sommer subsumiert werden, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Also es war heute Nacht ganz schön frisch und wir sind eng zusammengerückt.

In den letzten Tagen haben wir mehrfach unsere bisherigen Eindrücke diskutiert und dabei festgestellt, die Wochen auf der Südinsel waren deutlich abwechslungsreicher und interessanter als unsere bisherige Zeit auf der Nordinsel, von der wir etwas enttäuscht sind. Wir versuchen bereits, sämtliche als bemerkenswert angesehenen Orte und Regionen zu besuchen, können aber nicht immer die Begeisterung der Werbeleute teilen, müssen teilweise über die Überschätzung und Übertreibung den Kopf schütteln. Auch die Landschaft wirkt auf uns nicht sehr abwechslungsreich; natürlich ist auch die Südinsel in großem Maße Schafland, aber davon lenken die vielfältigen Berge, die Küstenlandschaften immer wieder ab, gab es Möglichkeiten der Tierbeobachtung, hier auf der Nordinsel fehlt diese Vielfalt. Wir fragen uns, ob die gesunkene Anzahl gemachter Aufnahmen Resultat dieser oft als austauschbar empfundenen Landschaft ist oder wir durch die vielen Eindrücke nicht mehr genug aufnahmebereit sind. Natürlich sind wir manchmal müde, würden gerne einen Tag ausspannen, woran uns keiner hindert, haben aber zu selten in den letzten drei Wochen den Ort entdeckt, der so richtig zu Verweilen eingeladen hat, ausgenommen Opotiki mit seinem Traumstrand. Hellwach sind wir immer, wenn es etwas Neues zu entdecken gibt. Hierauf setzen wir auch heute, wenn wir uns daran machen, bis zur Halbinsel Coromandel zu kommen.

Über die durchfahrene Landschaft müssen nicht viele Worte verloren werden. Nach und nach treten immer mehr Bäume ins Bild, die Flächen werden weniger von Schafen, sondern mehr von Kühen und Rindern bevölkert, bebaute Äcker dienen der Futtergewinnung, ab und an sind Obstbauflächen zu erkennen. Vor allem fällt auf, fast nichts ist grün, sondern nahezu alles trocken gelb und ockerfarben, nicht mehr große Hügel bestimmen die Landschaft, sondern diese rollt gemächlich vor uns langsam ab, die Erhebungen verlieren sich.

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Große Schwierigkeiten bereiten uns die hier üblichen Stadtnamen. Nahezu alle gehen nach unserem Empfinden auf Maoribezeichnungen zurück. Nicht daß wir nicht in der Lage wären, diese Namen uns zu merken, aber die Aneinanderreihung von unzähligen Vokalen macht uns es schwer, diese zu memorieren, geschweige denn, wir seien in der Lage, diese auch noch auszusprechen. So stellt sich die Frage, ob die Neuseeländer generell zweisprachig erzogen werden bzw. während der Schulzeit zwangsweise sich mit der Sprache der Ureinwohner beschäftigen müssen. Wieder ein Thema, dem wir uns widmen sollten. So schmunzeln wir ab  und an über Ortsbezeichnungen wie Kihikihi oder Pururu und freuen uns, bekanntes wie Hamilton oder Stratford zu lesen.

Erster größerer Halt auf dem Weg zur Halbinsel Coromandel das mit über 150.000 Einwohnern wirklich als Großstadt zu bezeichnende Hamilton, größte neuseeländische Stadt im Binnenland und Universitätsstadt. Wer die Welt kennen lernen will, sollte nach Hamilton kommen; bei einem Spaziergang über die in der Innenstadt gelegene Victoria Street von der Hood Street hinauf zur London Street kann man zumindest kulinarisch eine Weltreise durch unzählige Länder machen. Hier reihen sich Esstempel, Restaurants, Spezialitätenläden unentwegt aneinander. Selbst Freunde mongolischer Küche, eher selten bei uns zu finden, kommen hier auf ihre Kosten. Eine Rundreise über die Victoria Street kommt auf jeden Fall günstiger als eine richtige Weltreise. Ansonsten erfreute uns auch in dieser Großstadt, wenn man denn den inneren Kreis verlassen hat, immer wieder auf Häuser aus der Gründerzeit des Landes zu stoßen.

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Nicht alle Ortschaften die wir durchfahren, sind gesichtslos oder austauschbar. Ab und an passieren wir kleinere Gemeinden, die auf eine oft mehr als hundertjährige Existenz zurück blicken können und aus der Zeit ihrer Gründung auch ansehnliche Bausubstanz aufweisen. Nicht um mißverstanden zu werden, die auf den nachfolgenden Bildern sichtbaren Personen sind zwar älter, stammen aber nicht aus der Gründungszeit von Morrisville, wo wir ihnen beim Bowling zusehen konnten, beim 1911 gegründeten örtlichen Bowling Club, einem Ort, der wie erwähnt seinen alten Charme behalten hat! Übrigens, in fast jedem mittelgroßen Ort sahen wir Hinweise auf entsprechende Bowlingvereine und Sportanlagen.

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Unser Weg in Richtung Coromandel Peninsula führte uns über Morrisville, Te Aroha und Paeroa nach Thames, am “Fuße” der Halbinsel gelegen. Te Aroha ist ein geeigneter Ausgangspunkt für Wanderungen im Kaimai-Mamaku Conservation Park, der sich über gut 40 Kilometer von Nord nach Süd parallel zur Ostküste erstreckt. Bei unserem Besuch in der Touristeninformation, dort wurden wir von einer vor vier Jahren der Liebe wegen nach Neuseeland ausgewanderten Schweizerin beraten, wurde uns der Zeit wegen von einer Wanderung in dieser Region abgeraten, aber der Besuch der Karangahake Gorge sehr empfohlen. Das Informationszentrum des Ortes befindet sich, dies bemerkten wir erst bei unserem anschließenden Rundgang, in einem Gebäude, das zu dem ehemaligen Kurkomplex gehört, bei dem die hier sprudelnden heißen Quellen Grundlage vieler Anwendungen sind. Anfang 1900 sollen hier die ersten Kurgäste eingetroffen sein; die im elizabethanischem Stil erbauten Holzhäuser stammen noch aus dieser Zeit. Nicht viel jünger die beim Vorbeifahren entdeckte Stadtkirche von Te Aroha.

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Bei der Karangahake Gorge handelt es sich um eine Talenge in der Nähe von Paeroa die deshalb von Interesse ist, weil hier in der Zeit von 1880 bis etwas nach 1930 in großem Maße nach Gold gegraben wurde. Zu diesem Zweck wurde eine Mine betrieben, bei der der aufstehende Berg Karangahake mehr oder weniger ausgehöhlt wurde. Heute kann man von den damals errichteten Gebäuden zum Betrieb der Mine als auch zum Extrahieren von Gold und Silber kaum noch etwas erkennen. Das wenige  Vorhandene kann auf einem Rundgang durch das Tal besichtigt werden, wobei erst durch die Informationstafeln erkannt werden kann, wozu z.B. sichtbare Fundamente damals dienten. Die nachfolgende Aufnahme dokumentiert den Stand zur Betriebszeit,

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heute ist an diesen Stellen nur noch nachgewachsener Wald. Auf dem Foto ist die “Endstation” abgebildet, hier kamen die von Pferden gezogenen mit dem abgebauten Gestein gefüllten Loren oder das über eine Seilbahn über den Fluß auf die andere Seite transportierte Gestein an, um gebrochen, zermahlen und anschließend auch chemisch mit Zyanid so behandelt zu werden, daß die gesuchten Edelmetalle extrahiert und zu großen Barren geschmolzen werden konnten. Der Mineneingang befindet sich zwei Kilometer flußaufwärts; man kommt in ein Tal, bei dem die Felswände fast senkrecht aus dem Flußbett aufsteigen. Zugang zum Mineneingang war nur möglich, indem parallel zum Fluß durch den Fels ein auch für Pferde zu begehender Gang geschlagen wurde. Auch heute kann man durch diesen Riesentunnel gehen, hat ab und an Gelegenheit, durch ein “Fenster” auf den Fluß zu schauen. Der Mineneingang selber, heute sind noch drei von ehemals sechs Eingangslöchern in den Berg sichtbar, ist völlig unspektakulär; imponierend ist hingegen zu erfahren, daß die Ingenieure es damals verstanden, in diesem schmalen Tal unmittelbar gegenüber vom Mineneingang eine Pumpenstation zu errichten die in der Lage war, die großen Menge des in den Stollen anfallenden Wassers abzupumpen. Offensichtlich war der Betrieb nach einer Anlaufzeit von 10 Verlustjahren sehr erfolgreich, denn entsprechend der Ausbeute war dies die dritterfolgreichste Goldmine des Landes.

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Nach diesem Ausflug in die Industriegeschichte des Landes waren wir nur noch einen Sprung vom Eingang zur Coromandel Peninsula entfernt, der Ort Thames ist praktisch die westliche Tür durch die man gehen muss. Das damalige Goldgeschäft hat bis hierher ausgestrahlt, denn Thames war für die Minenindustrie aber auch für die Holzindustrie, um 1900 wurde auf den Bergen rundum tabula rasa gemacht und das Holz in alle Welt verfrachtet, wichtiger Handels- und Lieferort. Vom damaligen Reichtum zeugen heute noch zahlreiche Holzhäuser auf der nach unserem Verständnis mit einer geschätzten Länge von einem Kilometer sehr langen Hauptstraße. Dem Ort muß es auch heute gut gehen, denn bei unserem Spaziergang durch die Innenstadt zwischen 17 und 18 Uhr waren die allermeisten Geschäfte an einem Werktag geschlossen. Ab 16:00 Uhr geht hier wohl nichts mehr, nur noch einige Gastronomiebetriebe warten auf Kundschaft.

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So früh am Abend wollten wir noch nicht einen Campingplatz ansteuern und entschieden uns, die läppischen 58 Kilometer die Küste entlang bis zum Ort Coromandel zu fahren. Kurz vor Einbruch völliger Dunkelheit gegen 20:30 erreichten wir unser Ziel, d.h. nach insgesamt fast 2 Stunden Fahrt. Auf der Straßenkarte scheinen die Kilometer leicht zu bewältigen sein; der Maßstab täuscht, denn nach unserer Einschätzung durften wir etwa alle 60/80 Meter um eine Kurve fahren, an einen irgendwie geraden Streckenabschnitt können wir uns nicht erinnern. Die Fahrt führte uns bis kurz vor Coromandel immer am Wasser entlang, auf der anderen Straßenseite grüßte der Fels, von wenigen kurzen Ausnahmen abgesehen. Die Küste ist nicht nur rauh, extrem felsig, weist zahlreiche Steilhänge auf, sondern ist auch überall bewaldet, d.h. wenn sich Bäume auf den Felsen halten konnten. Malerisch und wild könnte man auch das wahrgenommene Bild beschreiben. Die tolle Lage hat zumindest in der Nähe von Thames zahlreiche Bürger veranlasst, sich hier mit Blick auf das Meer, niederzulassen. Die Besiedlung der Küste nimmt aber schnell sehr deutlich ab; die wenigen Ortschaften an der Küste umfassen fast nie mehr als eine Handvoll Gebäude.

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Beim Überqueren eines kleinen Küstenbergzuges konnten wir wieder einmal die Ergebnisse früherer Holzwirtschaft begutachten, so weit der Blick reicht, fast kein Baum stört.

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Erst Coromandel kann man wieder als Stadt bezeichnen; auch sie hat vom Goldrausch Ende des 19. Jhd. profitiert, nachdem ebenfalls auf der Halbinsel Goldfunde vermeldet wurden. Wichtiger aber war wohl der Holzeinschlag, der vor allem die Kauribäume fast vollständig von der Bildfläche verschwinden ließ. Heute ist die Stadt mit ihren ansehnlichen historischen Bauten ein kleines Schmuckstück und profitiert besonders vom die Halbinsel besuchenden Touristenstrom. Wir kamen auf einem Campingplatz in der Long Bay, weniger Kilometer nördlich direkt am Meer gelegen unter. Stramm pfiff der Wind bei unserer Ankunft und es war richtig frisch hier draußen. Ab und an wackelte auch unser kleiner Camper, in der ersten Reihe auf dem Platz mit Meerblick stehend, wenn eine kräftige Bö landwärts blies.

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Zum Fuji von Neuseeland, dem Mount Taranaki

Keinen Wind gibt es hier in Neuseeland nicht, daran haben wir uns gewöhnt. Auch gestern Abend wurde es auf Grund des stetigen Windes ganz schön kühl. Aber das die Temperatur auf etwa 600 Höhenmetern dann in der Nacht bis auf 5-6 Grad sinkt, damit haben wir nicht gerechnet. Zwischen uns und der Außenwelt liegt nur die in Millimetern zu bemessene Außenhaut des Campers, die zudem die Außenkälte hervorragend in das Innere leitet. Ganz schön kalt war es in der Nacht und wir sind unter unserer Decke eng zusammengekrochen. Frühmorgens zeigte unserer Thermometer knappe 6 Grad Innentemperatur an. Da wurde zur heißen Dusche nicht gegangen, sondern gesprintet.

Am Abend hatten wir auf dem Campingplatz ein Paar aus Schwäbisch Gmünd getroffen, das heute in der früh zur Überquerung aufgebrochen sind. Ein Blick gen Himmel zu den dichten und tief hängenden Wolken ließ für die beiden nicht auf die besten Wanderbedingungen, wie wir sie gestern bei strahlendem Sonnenschein, natürlich mit gut Wind, hatten, schließen. Für uns stand heute die Fahrt in die Shakespeare-Stadt Stratford an, die hier nicht am Avon, sondern am Patea River liegt, als Ausgangspunkt, um am Mount Taranaki eine kleine Wanderung zu unternehmen. Ob in dieser Jahreszeit der 2.518 Meter hohe Berg noch die berühmte Schneeauflage rund um den Gipfelkegel besitzt, wird sich zeigen. Wir gehen eher davon aus, daß die schönsten Winteraufnahmen des Vulkans von den Werbeleuten ganzjährig eingesetzt werden.

Mit Blick auf das wolkenumhangene Tongariromassiv machten wir uns auf eine weitgehend unspektakuläre sonntägliche Reise nach Stratford. Heute ging es durch das Inselzentrum, weite Ebenen Fehlanzeige, Hügel dominierten das Bild. Anfangs hatten die Schaf- und Waldbauern die Nase bei der Flächennutzung vorn, später trat an die Stelle des Schafes die Kuh. Unsere Strecke führte über Taumarunui und dort auf die Nationalstrasse 43. Von hier an bewegten wir uns bis zum Zielort auf dem “Forgotten World Highway”. Die Tourismuswerber bemühen sich natürlich nach Kräften, den Nachteil der Region, die uns ebenfalls wie von allen vergessen vorkam, durch das Anpreisen einer Mehrzahl von Sehenswürdigkeiten auszugleichen. Dabei wird nach jedem Strohhalm aus der Geschichte des Landes bzw. der Region gegriffen und z.B. auf ein in Straßennähe befindliches Grab eines der ersten Siedler ebenso hingewiesen wie auf eine Stelle am Whanganui River, an dem um die vorletzte Jahrhundertwende jemand versuchte, einen regelmäßigen Bootsverkehr aufzunehmen. Ein an diesem Highway, ein sehr hochtrabender Name für eine knapp zwei Fahrspuren breite Straße, bei der seit sehr sehr langer Zeit ein Teilstück von etwa 15 Kilometern immer noch als Schotterstraße mit etwa 1 1/2 Fahrspuren besteht, befindliches Siedlerdorf von vier (!) Häusern, auf das hingewiesen wurde, ebenfalls verlassen, haben wir erst gar nicht gesehen. Wahrscheinlich sind die letzten Hausbalken inzwischen vermodert. Erfolgreicher ist der Hinweis auf Haltepunkte, um einen Blick in die sehr hügelige, teilweise bergige Landschaft zu werfen, in der Regel an einem “saddle”, also an einem zu überquerenden Bergsattel. Der Blick zurück und nach vorne zeigte nur, hier ist es nicht nur sehr hügelig und extrem schafsgeeignet, sondern auch menschenleer.

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Ortschaften auf den 150 Kilometern dieser vergessenen Straße, die diesen Namen auch verdienen, haben wir bis auf eine Ausnahme nicht wahrgenommen. Das passt dann auch zu der bereits am Beginn dieses Highways durch ein großes Schild ausgesprochenen Warnung, daß auf den folgenden 150 Kilometern sich keine Tankstelle befindet. Eine derartige Tankstellendichte kannten wir bislang nur aus den kaum besiedelten Regionen Argentiniens. Folglich lebt auch hier kaum jemand und wenn, dann ist er Schafbauer und treibt seine viele hundert Tiere umfassende Herde über die Nationalstraße.

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Hin und wieder durchfuhren wir einen geschützten Bereich, d.h. ein Gebiet, in dem zwar vor hundert Jahren, meistens in der Zeit von 1880 bis 1910/20 alles was ein Baum war, abgeholzt wurde, der nachgewachsene Wald jedoch Bestand hat. Eine Abwechslung für unsere Sinne nach so viel Weideland. Wer glaubt, diesen Highway in highwayähnlicher Zeit bewältigen zu können, täuscht sich gewaltig. Straßenverhältnisse und Streckenführung, keine Bergkuppe wurde ausgelassen, kein Bergvorsprung nicht umfahren, erlauben kaum ein Stundenmittel von mehr als 45 Kilometern, entsprechend langsam kamen wir voran, dankbar für jede optische Aufhellung.

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In diese Region, in der heute nur sehr wenige Menschen dauerhaft zu leben scheinen, wurde um 1900 beschlossen, von Stratford aus über fast 150 Kilometer eine Eisenbahnstrecke zu bauen. Die Arbeiten wurden 1902 aufgenommen und erst 1932 beendet. Als Gründe für diese lange Bauzeit werden nicht nur die besonderen geologischen Bedingungen, die Notwendigkeit, insgesamt 16 Tunnel zu bauen, die fehlenden finanziellen Mittel sondern auch die fehlenden Arbeitskräfte während des ersten Weltkrieges genannt. 1932 wurde der Personenverkehr dann aufgenommen und 1983 wieder eingestellt. Nach dreißigjähriger Bauzeit nur eine fünfzigjährige Betriebszeit, eine schlechte Relation. Dieses Bahngleis begleitete uns die gesamte Strecke von Tauramunui bis nach Stratford.

Wenn das Jahr 1989 genannt wird, denken wir wahrscheinlich an die friedliche Revolution in der DDR, der Neuseeländer denkt bei diesem Jahr vielleicht an das Ausrufen der Republik Whangamomona, ein kleines Nest im Nirgendwo, an dem vergessenen Highway. Der Ort und die Republik kann auf eine lange Historie zurück blicken, wurde er bereits 1895 gegründet und war eine betriebsame Frontstadt in den Siedlerjahren mit 300 (!) Einwohnern, das zehnfache der heutigen Bewohnerschaft. Diese wenigen lassen es aber so richtig krachen. Heute bei unserer Durchfahrt saßen wohl alle vor dem örtlichen Hotel zusammen und sahen dem Eintreffen von Geländemotorradfahrern zu, ein Spektakel, waren die Fahrer doch aus größerer Entfernung, auch aus Stratfort, angereist. Das der Ort Historie besitzt, zeigen einige der noch erhaltenen Gebäude; erstaunlich, daß vor Generationen sogar eine Bank, Australasia Bank, hier eine Geschäftsstelle unterhielt. Aus der Zeit gefallen, aber ziemlich amüsant war dieses Örtlein.

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Ein solches Reisehighlight ist kaum noch zu toppen, die restlichen gut 50 Kilometer bis nach Stratford blieben ereignislos. Selbst der Mount Taranaki riß uns nicht von den Sitzen, denn er blieb weitgehend von den Wolken verschluckt. So trudelten wir gegen 16:00 Uhr auf unserem Campingplatz im Shakespeare-Ort ein, der, wie wir bei unserem Abendspaziergang durch die Innenstadt feststellten, so gar nichts hat, an das man sich erinnern sollte, ausgenommen vielleicht ein Glockenspiel, das wir aber erst Morgen hören könnten. Am Abend lugte dann die Spitze des Taranaki aus dem Wolkenmeer heraus und ließ uns für den kommenden Tag hoffen, weshalb wir auf ein Bild verzichteten. Aber da kannten wir die Bauernregel vor Ort noch nicht.

Am Spätabend begann es zu nieseln, dann zu regnen und in der Nacht dann heftig zu schütten, was nichts Gutes für den Ausflug zum Berg verhieß. Dies bestätigte sich dann am 3.3.; nur wenige Meter der Bergfußes waren nicht in Wolken gehüllt, unsere geplante Wanderung fiel zwar nicht ins Wasser, denn inzwischen hatte es zu regnen aufgehört, war aber sinnlos, denn wer wandert schon gerne in den Wolken ohne die Chance auf die erhoffte Fernsicht. Wir hätten es wissen können, denn die Bauernregel besagt “if you can see the mountain it’s going to rain and if you can’t see the mountain it’ already raining”. Bei 7.000mm Niederschlag am Berg im Vergleich zu 1.500mm pro Jahr in New Plymouth leicht nördlich ist verständlich, daß man eher mit Regen und Wolken als mit gutem Wetter rechnen muß. Also brachen wir auf, legten aber einen kurzen Stop im Ort ein, um uns das “Glockenspiel” um 10:00 Uhr anzuhören. Stratford hat dafür extra einen Turm gebaut, aus dem zu einem adaptierten Shakespearetext aus Romeo und Julia große Personen aus Fenstern herausfahren, ein “Schauspiel”, das heute ganze zwei Zuschauer und Zuhörer hatte. Das war dann die eine Attraktion von Stratfort, die andere besteht darin, daß sämtliche Straßennamen nach Personen aus Shakespearestücken benannt sind.

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Anstatt in die Höhe einen Teil des Mount Taranaki hinauf ging es weiter die Küste nach Norden hoch.

Zum Tongariro National Park

Nach unserem Ruhetag sattelten wir am 27.2. wieder unsere PS um über Rotorua zum Tongariro National Park zu kommen. Bevor wir jedoch auf große Fahrt gehen konnten, musste das Brotproblem (!) gelöst werden, d.h. die nächst größere Stadt, in diesem Fall Whakatane, 40 Kilometer entfernt, wurde angesteuert. Erfreulicherweise konnten wir diese “Einkaufsfahrt” mit dem Angenehmen verbinden, denn die Fahrt dorthin führte an einer weit in das Landesinnere reichenden Bucht vorbei in die Agrarservicestadt Whakatane. Hinweise am Straßenrand nehmen wir wahr, manchmal folgen wir ihnen auch. Diesmal wurde auf einen ehemals zu Maorizeiten befestigten Ort in Meernähe hingewiesen, einem Pa, von dem außer den Terrassen, die früher bebaut waren, nichts mehr existiert. Auf dem Hügel stehend kann man sich die Wehrhaftigkeit des Ortes ganz gut vorstellen. Nicht alle im Umfeld der “Festung” (hier Tauwhare Pa) Maori lebten im Schutz der Festung, viele hatten ihre Behausungen im Umfeld. Von allem ist nichts mehr vorhanden; die letzten Reste hat man im Rahmen der Vorbereitung des Geländes zur Bebauung durch Bulldozer in den 50er Jahren zusammengeschoben.

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Von unserem Campingplatz an der Waiotahi Beach hatten wir in der Ferne die Umrisse einer Insel ausgemacht. Hier in Whakatane waren wir etwas näher dran, obgleich dieser Vulkanfelsen immer noch fast 50 Kilometer vor der Küste liegt. Die Insel, Whakaari (weiße Insel), besteht aus drei Vulkankegeln, von denen der zuletzt entstandene die beiden älteren überformt hat. Was aus der Ferne bei einem ersten Blick aussieht, als wenn gerade eine Wolke über der Insel liegt, ist vielmehr der Wasserdampf, der aus dem Kraterrund aufsteigt.

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In Whakatane ist die Bäckerzunft in der Lage, uns passendes Brot zu backen; die Vorräte konnten vor der Weiterfahrt aufgestockt werden. Die nunmehr in das Inselinnere zielende Route führte wieder einmal durch eine Landschaft von der wir glaubten, sie bereits gesehen zu haben. Einzig die eine oder andere Bergformation erinnerte verstärkt daran, daß Neuseeland auch und in großem Maße ein von Vulkanen geprägtes Land ist, das immer wieder von Vulkanausbrüchen heimgesucht wurde und werden wird.

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Die zweite Hälfte der Strecke war dann wieder Katrins Land, will heißen, die passierten großen und kleinen Seen bestimmten das Bild. Nachdem wir über ein ganz kleines Mittelgebirge gefahren waren, stießen wir auf den Lake Rotoma, ein durchgeführter Wassertest fiel positiv aus. Aber nachdem Katrin bereits vor dem Frühstück ihre ersten Runden im Meer geschwommen hatte, verzichtete sie hier auf ihr Vergnügen. Es schlossen sich der Lake Rotoehu und der Lake Rotoiti an, an dessen Ufern wir viele Kilometer entlang fuhren.

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Den Ort “Hells Gate”, wenige Kilometer vor unseren Tagesziel, dem Lake und der Stadt Rotorua gelegen, wollten wir näher kennen lernen. Wir hatten keine Vorstellung, was uns dort erwarteten würde. Als wir jedoch bei der Annäherung tief einatmend Schwefelgeruch wahrnahmen, war das Rätsel fast gelöst. Es handelt sich um eine seit über 100 Jahren als Heilquelle genutzte schwefelhaltige Sole, die so penetrant stinkt, daß wir schnell Reißaus nahmen.

Rotorua liegt nicht nur inmitten zahlreicher Thermalquellen und an einem sehr großen See, sondern ist in große Wälder eingebettet. Einer dieser Wälder ist “The Redwoods”, sehr stadtnah gelegen, ein wunderschöner alter, d.h. mehr als 100 Jahre alter Pinienwald. Wir sind hier spazieren gegangen und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Kerzengerade wachsen diese Bäume, haben eine stark konturierte und dicke Rinde, die sich weich anfühlt, fast faserig erscheint, und erreichen Durchmesser von deutlich über einem Meter. 1901 wurden diese Sequoa-bäume aus Kalifornien hier angepflanzt, hatten diese Baumart sich als besonders robust unter den neuseeländischen Verhältnissen erwiesen. Folge ist auch, daß an vielen Orten im Land dieser Baum in Plantagen angepflanzt und “geerntet” wird. Das größte hier im Park stehende Exemplar soll fast 70 Meter hoch sein und einen Durchmesser von fast 170 Zentimetern besitzen. Dieses Prachtexemplar ist uns zwar nicht begegnet, jedoch vergleichbar imposante Stämme haben wir gesichtet. Alle sind für eine adäquate Dokumentation zu groß und gewaltig geraten. Im Redwood-Infocenter haben wir zwei Baumscheiben gesehen, die hier ebenfalls als Beleg herhalten, der Stammdurchmesser der linken Scheibe wurde nach 47 Jahren erreicht, der rechts abgebildete Baum wurde über 90 Jahre alt, ihre Durchmesser sind fast gleich, es handelt sich um unterschiedliche Redwoodarten.

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Anschließend begann eine kleine Seenrundfahrt südlich des Redwoodwaldes gelegen. Im Wald gelegen, nur auf einer Seite über eine Straße erreichbar, Ort vieler schöner Villen und mit einem kleinen Sandstrand ausgestattet ist der Lake Okareka, den wir fast für uns alleine hatten. Eine Mutter mit zwei Kindern saß am Strand, ansonsten waren nur zahlreiche Enten zugegen, also kein Grund, das “Seele” nicht zu testen und in ihm ausgiebig zu schwimmen. Keine Wellen, kein Salzwasser und eine Temperatur zum Aushalten geeignet. Uns hat das Baden sehr erfrischt, auch wenn der Wind, dem man wohl nirgends ausweichen kann, uns anschließend schnell trocken geföhnt hat.

Zwei weitere Seen folgten dann in geringer Entfernung, der Blue Lake sowie der Green Lake. Die Färbung beider resultiert aus den unterschiedlichen Sedimenten, die auf dem Seegrund liegen. Während der  Blaue See zum Baden und für den Wassersport geeignet und genutzt wird, ist der grüne See heilig. Er gehört den oder einem Maori; diesen heiligen See darf man nicht betreten und benutzen, es sei denn, eine Genehmigung des obersten Maori liegt vor. Also blieb nur auf beide von einem Aussichtspunkt hinabzuschauen.

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Wir befinden uns hier in einem von starken Vulkanausbrüchen immer wieder betroffenen Gegend. Am Lake Tarawera befand sich Mitte des 19. Jhd. eine besondere touristische Attraktion, die violetten und weißen (Sinter)Terrassen, in denen auch eine Anzahl von Thermalpools sich befanden. In 1886 brach der nahe gelegene Vulkan Tarawera aus, begrub diese Terrassen unter einer Lawine von Geröll und zerstörte das in der Nähe befindliche Moaridorf Te Wairoa. Hiervon existiert nichts mehr außer ein paar Fundamenten, die vor einigen Jahren freigelegt worden waren. In einem kleinen Museum kann man die Geschichte vor dem Ausbruch und die Katastrophe, die 153 Menschen im Dorf das Leben kostete, nachvollziehen. Museen und wiederaufgebaute Dörfer haben ihre Öffnungszeiten; wir kamen leider kurz vor Torschluß an und mußten auf einen Besuch verzichten. Den wenige Kilometer entfernten Lake Tarawera sahen wir uns dennoch an; auch er wurde in seiner Form durch den damaligen Ausbruch verändert.

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Übernachtet haben wir auf einem Campingplatz, der stadttypisch auch “Hotpools” hat, entspannten uns in diesem warmen und heißen Wasser; Katrin reichte das nicht, denn der direkt vor dem Campingplatz liegende See wollte auch beschwommen werden. Es hat Spaß gemacht, aber das nachmittägliche Schwimmen im Lake Okareka hat den Vergleich um Längen gewonnen.

Am Abend entstand auf einmal bei Katrin eine große Hektik. Sie suchte verzweifelt ihre Brille, die verlegt sein könnte oder, wo auch immer, vergessen worden ist. Nach Analyse des Vortages und des Morgens stellten wir fest, die Brille muß auf der Toilette unseres letzten Campingplatzes liegen, wo Katrin vor ihrem morgendlichen Bad im Meer ihre Kontaktlinsen eingesetzt hatte. Aber abends um 22:00 Uhr kann man das nicht mehr klären. So verbrachte Katrin eine unruhige Nacht und hoffte, unsere Vermutung würde sich bestätigen. Früh standen wir auf, um, was wir hofften, zum Brilleholen nach Opotiki fahren zu können. Es klärte sich alles auf – die Brille war dort gefunden worden und wir machten uns am 28.2. erst einmal zurück auf den Weg nach Opotiki.

Am frühen Nachmittag zurück in Rotorua starteten wir durch zu unserem neuen Ziel, dem Lake Taupo. Ursprünglich wollten wir während des Tages eine Maori-Kulturveranstaltung besuchen, was jetzt nicht mehr möglich war. Während die Abendveranstaltungen nur im Paket mit einem traditionell im Erdofen zubereiteten immer fleischlichen Essen zu haben sind, was für Katrin als Vegetarierin mehr als eine Zumutung ist, beschränken sich die Veranstaltungen während des Tages auf den kulturellen Teil. Rotorua gilt als die Stadt, in der man diese Kultur am besten erleben könnte. Natürlich sind derartige Veranstaltungen stark kommerzialisiert, etwas Ursprüngliches wird man hier vergeblich suchen. Das Kulturgeschehen wird hier von wenigen Clans beherrscht, die entsprechende künstliche Dörfer errichtet haben, um den Besuchern einen Einblick in ihr ursprüngliches Leben zu ermöglichen. Anfangs hatten wir schon bedauert, an einer Tanz- und Gesangsvorstellung eines lokalen Stammes nicht mehr teilnehmen zu können. Als wir jedoch auf unserer Fahrt zu unserem neuen Ziel an zweien dieser Veranstaltungsorte vorbeifuhren waren wir froh, dort nicht unsere Zeit verbracht zu haben. Mit soviel Kommerz, wie bereits von außen ersichtlich, hatten wir nicht gerechnet. Alles erschien wie eine Theaterstadt, fern dem tatsächlichen Leben der Maori.

Die 100 Kilometer zum Lake Taupo teilten sich in 20 Kilometer durch dichten Wald und 80 Kilometer durch hügeliges Farmland ohne irgendwelche Besonderheiten. Ab und an wurden wir daran erinnert, daß wir durch Vulkangebiet fuhren; Vulkane grüßten aus der Ferne, ab und an sah man auch Wasserdampffahnen hochsteigen. Rund um die Stadt Taupo wird die Erdwärme intensiv genutzt, nicht nur in den diversen Spa-Einrichtungen, sondern in kommerziellen Rahmen. Große Rohre durchschneiden die Landschaft, um die Energie der Geothermie in großem Maßstab zu nutzen.

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Ein kleines Schild am Straßenrand wies auf das Wairakei Thermal Valley hin, also ansehen. Auf einem halbstündigen Rundgang kam man an diversen Fumarolen vorbei in einem Gelände, das früher einmal aus Sinterterrassen bestanden hat; nicht besonders aufregend, aber interessant vor Ort zu sehen, wie aktiv die Erde in bestimmten Regionen sich noch rührt.

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Bekanntlich sind die Neuseeländer Weltmeister im Vermarkten ihres Landes. Die Huka Falls am Waikato River werden jedem Besucher als ein “must see” angepriesen. Am Weg in die Stadt liegend machen auch wir diesen Abstecher. Man kann diese Wasserfälle von oben und von allen Seiten ganz bequem betrachten. Aber imposant ist etwas anderes. Es strömt zwar eine beachtliche Menge Wasser durch eine Enge und am Ende fällt diese Wassermenge auch geschätzte 2 Meter in die Tiefe, dabei einen großen Lärm, viel Wasserwirbel und ein wenig Gischt erzeugend, aber besonders beachtenswert erschienen uns diese Huka Falls nicht.

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Wichtiger erschien uns der Besuch der Craters of the Moon, ebenfalls ein Gebiet, in dem eine Vielzahl von Thermalquellen zu sehen ist sowie ein Geysir ab und an Dampf und Wasser abläßt. Spricht unser Reiseführer von Öffnungszeiten zwischen dawn and dusk müssen wir vor Ort die leidvolle Erfahrung machen, daß der Abend bereits um 18:00 Uhr beginnt und uns der Einlaß um 17:30 Uhr versagt wurde, da der zu laufende Rundweg eine Stunde Zeit benötigt. Wieder haben wir etwas dazu gelernt, glaube nicht dem geschriebenen Wort.

Da blieb dann nur noch die Weiterfahrt zu einem Campingplatz. Damit wir am nächsten Tag früh im Tongariro NP sind, um zu wandern, war unser Ziel ein Platz in der Nähe des Parks. Die Wahl fiel auf Motuoapa, am Südende des Lake Taupo gelegen. Endlich fuhren wir an einem See entlang, der auch von Wassersportlern genutzt wird, zumindest in der Nähe von Taupo scheint der Segelsport eine kleine Heimat gefunden zu haben. Der Abend bescherte uns dann sogar von unserem Camper, der direkt vor dem See stand, ein stimmungsvolles in abendliches Licht getauchtes Panorama.

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Bereits auf der Fahrt entlang des Tauposeeufers nach Motuoapa hatten wir schräge schleifende Geräusche am linken Vorderrad wahrgenommen, die, natürlich auch am 1.3., dem Tag, an dem wir im Tongariro NP wandern wollten, nicht plötzlich verschwunden waren, wie wir auf den ersten Kilometern des Tages leider feststellen mussten. Also hielten wir in der Touristeninfo in Turangi nicht nur wegen Infomaterial zu den möglichen Wanderungen an, sondern um vor allem Kontakt zu unserem Campmobilvermieter wegen der Reparaturfrage aufzunehmen. Viel Hilfreiches erfuhren wir bei unseren Anrufen nicht von der Hotline an diesem Samstag, so machten wir uns auf, eine Werkstatt zu finden. Beim AA Neuseeland, dem Pendant zum ADAC, konnte man uns helfen. Was uns nicht gelungen war, löste dort ein Fachmann sehr schnell. Der sich zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe festgesetzte Stein wurde einfach “herausgefahren”. Die Planung des Tages war durch diese “Panne” obsolet, eine große Wanderung zeitlich nicht mehr möglich, d.h. auch die ins Auge gefasste Tongariro-Querung fiel ins Wasser. Dennoch, einen Teil der Strecke würden wir wohl noch schaffen. Also fuhren wir zum Startort dieser Eintageswanderung nach Mangatepopo, gut 50 Kilometer von Turangi entfernt. Bereits auf der Strecke wurden wir in gewisser Weise durch die durchfahrene Landschaft für die eingetretene Verzögerung entschädigt durch Panoramablicke auf den Lake Taupo und seine Umgebung, aber auch z.B. durch den Besuch des Lake Rotoira. Eine Vielzahl von schwarzen Schwänen bevölkerte den See, der auf der gegenüberliegenden Seite vom rauchenden Mount Tongariro begrenzt wurde. Hier am See befand sich früher eine kleine Maori-siedlung, Opataka, von der nichts mehr direkt sichtbar ist. Im Zuge von archäologischen Grabungen hat man einige Wohnhäuser sowie Vorratsbauten lokalisieren können. Viel bedeutsamer erschien die Feststellung, daß auf einer im See gelegenen Insel, früher durch eine schmale Landenge noch mit dem Festland verbunden, ein Wehrdorf existierte, in das sich die im Umland lebenden Maori bei Gefahr zurück gezogen haben. Die Lage ermöglichte eine Verteidigung mit geringen Mitteln.

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In der Gegend, durch die wir fuhren, bestanden früher zahlreiche wehrhafte Dörfer; immer wiederkehrende Stammesauseinandersetzungen nicht nur, aber auch um Land und Vorherrschaft, verlangten diesen Schutz des Clans. Manchmal wurden wir durch Schilder auf entsprechende Orte hingewiesen, an denen sich jedoch außer u.U. einer erläuternden Tafel nichts besichtigenswertes befand.

7 Kilometer Schotterpiste trennten uns am Schluß noch von unserem Startpunkt zu einer verkürzten Wanderung im Gebiet des Vulkans  Tongariro, die wir auch bewältigten. Dort gegen 14:00 Uhr angekommen hatten wir Probleme, auf dem großen Parkplatz eine Stellmöglichkeit zu finden; bereits entlang der Zufahrt parkten zahlreiche PKW. In eine gerade freiwerdende Lücke konnten wir hineinschlüpfen, während neben unserem Platz eine Gruppe junger, ziemlich matter aber glücklicher Burschen ihr Tongariro Alpine Crossing begossen. Schuhe geschnürt, Rucksäcke gepackt, auch für den Notfall und los ging es. Der von uns gewählte Ausgangspunkt umfasst zwar die insgesamt steileren Anstiege, führt dadurch aber auch schneller zum höchsten Punkt. Was als Tongariro Crossing bezeichnet wird, ist im Grunde eine Querung des aus mehreren Vulkangipfeln bestehenden Tongariromassivs, ohne dabei auf dem Gipfel eines der drei Vulkankegel gewesen zu sein. Dennoch, für die Gesamtstrecke von etwa 20 Kilometer wird mit einer Laufzeit von 7-8 Stunden gerechnet. Damit war für uns auch klar, selbst bis zur Halbdistanz würde die Zeit nicht reichen, denn der Weg muß auch zurück gelaufen werden. Dennoch, die Hoffnung auf einen schönen Weitblick von einem hohen Punkt aus, das Wandern durch diese Vulkanlandschaft reizte uns. Gegen 14:30 Uhr starteten wir.

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Gut eine Stunde liefen wir durch schwache Vegetation, meistens auf vulkanischer Unterlage, denn die Vulkane haben sich in den vergangenen 150 Jahren einige Male geräuspert. Eine weit oben angebrachte Hinweistafel markiert die bei den letzten vier Ausbrüchen entstandenen Lavaströme verbunden mit Verhaltenshinweisen im Ernstfall. Keinem der Wanderer machte es etwas aus, quer durch dieses gefährdete Gebiet zu gehen, man setzt auf das vorhandene Vorwarnsystem. Hin und wieder konnten wir mit einiger Fantasie in den Lavabrocken etwas Gegenständliches erkennen, z.B. ein Gesicht mit Fell auf dem Kopf. Durch eine kleine Hochebene plätscherte ein Bächlein, idyllisch. Als wir nach fast einer Stunde und mehr als drei Kilometer Strecke die “soda springs” erreicht hatten, kehrte Katrin zum Camper zurück. Wenn man sich nicht wohl fühlt, sollte man sich nicht zur sportlichen Leistung zwingen.

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Allein marschierte ich weiter unter der Zusage, um 16:45 Uhr umzukehren, damit ich zwischen 18:00 und 18:30 wieder zurück am Camper bin. Von nun an ging es steil bergauf. Zur Erleichterung der zahlreichen Wanderer wurden immer wieder Stufen in den Hang gebaut, was das Vorwärtskommen deutlich beschleunigte. Nach 1 3/4 Stunde lief ich durch den südlichen Krater. Diese Kraterdurchquerung, nicht nur einmal, sondern es geht noch ein weiteres Mal durch einen erloschenen Vulkankrater, ist sicherlich ein wichtiger Grund, diese Querung zu wandern. Hier oben auf gut 1800 Metern wächst auf dem Vulkanboden kaum noch etwas, kleine Grasbüschel und ab und an Flechten waren das einzige sichtbare.

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Um 16:40 stand ich auf dem Kraterrand, 50 Höhenmeter weiter ging es in den zentralen Krater und zum Blue Lake hinunter, aber meine Zeit für den Aufstieg war abgelaufen, und die fast 9 Kilometer wollten auch noch gegangen sein. Pflichtbewußt und ein bischen traurig, denn den Anblick hätte ich gerne mitgenommen, aber der Weg zum See und zurück hätte mindestens 30 zusätzliche Minuten bedeutet, kehrte ich um. Der Rundumblick wurde zumindest teilweise festgehalten.

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Mehr als pünktlich um kurz nach 18:00 Uhr war ich am Camper zurück, merkte die gelaufene Strecke und die Anstiege ganz schön in den Beinen und traf Katrin lesend an. Irgendwie hatte ich den Eindruck, so richtig auf mich gewartet hat sie nicht, dann hätte ich auch ruhig erst um 19:00 Uhr eintreffen können. Diese Katze war den Baum hinauf, dennoch war die verkürzte Wanderung sehr schön; für uns beide war auch deutlich geworden, die gesamte Strecke hätte uns keine Probleme bereitet. Beneidet habe ich die Wanderfreunde, die am Beginn des südlichen Kraters den Anstieg hinauf zum Ngauruhoegipfel bewältigt haben, sehr steil, viel Geröll, sehr anstrengend aber mit einer noch besseren Weitsicht als der, die ich genießen konnte. Gegen 19:00 Uhr waren wir dann an unserem Campingplatz und reif für eine heiße Dusche.

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Pacific Coast Highway

 

Der Pacific Coast Highway schlängelt sich von Hastings/Napier die Ostküste entlang bis Whakatane, verspricht schöne Aussichten auf Buchten, Berge und mehr/Meer. Mit der Bezeichnung “Highway” hat man sehr hoch gegriffen, es ist zwar eine Nationalstraße, aber es herrscht weder der Betrieb einer Highway noch ist sie wirklich breiter als maximal zwei Fahrspuren. Da zudem etwas abseits der üblichen Routen liegend und verheißungsvoll beschrieben machten wir uns am 23.2. daran, einen ersten Teilabschnitt ab Wairoa zu erkunden. Tagesziel war das an der Spitze der zu umfahrenden Halbinsel liegende Te Araroa. Etwa 250 Kilometer Strecke sind zu bewältigen, also war keine Eile angesagt  und wir verließen unser Quartier erst gegen 10:00 Uhr.

Wie wir am Tagesende bilanzieren mussten, sind wir eine Küstenstraße gefahren, die nicht wirklich sehr küstennah verläuft. Über diverse Stichstraßen konnte man nach oft 10 und mehr Kilometern an einen Strand gelangen, dies war jedoch nicht unsere Absicht, viel lieber wäre uns eine einfacher erreichbare  Aussicht gewesen. Die Landschaft war anfangs noch sehr stark von der Landwirtschaft geprägt, Schaf und Mais bestimmten das Bild, Berge waren immer in Sichtweite, wobei es eher Hügel waren, die dennoch auf kurvenreicher Straße zu umkurven und zu überfahren waren. Hier mehr als 40/45 Kilometer Strecke in der Stunde zu kalkulieren, verlangt nahezu rennfahrerische Qualitäten.

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Versammlungshäuser der Maoribevölkerung findet man im Grunde an jedem bewohnten Ort. Jede Gemeinde und Gemeinschaft hat auf oft sehr großen Flächen ihre Gemeinschaftshäuser errichtet; immer wieder findet man nicht nur ein Gebäude sondern mehrere nebeneinander stehend vor. Zugang zum Gelände erhält ein Außenstehender nur, wenn die Genehmigung des Chefs vorliegt. Uns fehlte diese natürlich, aber auch vom Zaun aus kann man die schmuck- und kunstvoll verzierten hölzernen Gebäudefronten gut betrachten. Wie es heißt und durch derartige Holzschnitzarbeiten auch belegt ist, sind unter den Maori viele sehr begabte Holzschnitzkünstler. Alle Holzarbeiten mit ihren figürlichen Darstellungen, die oft Bezug auf die Sagenwelt der Maori nehmen, von uns aber nicht interpretiert werden können, sind in der gleichen roten Farbe gestrichen. Natürlich ist nicht jedes Marae gleich imponierend gestaltet, aber jedes von uns angefahrene Gebäude hatte etwas Besonderes; wenn es nicht das äußerliche Bild war, dann oft die herausgehobene Lage. Nachfolgend einige der von uns im Verlaufe des Tages quasi im Vorbeifahren besuchten Marae.

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An manchen Standorten der Marae befinden sich auch weitere Einrichtungen der Urbevölkerung wie Kindergarten, Vorschule oder Schule.

Wenn wir von der passierten Whakaki Lagoon absehen, hatten wir in den ersten 1 1/2 Fahrstunden weder Meer noch Wasser gesehen. Dann tauchte kurz vor Morere im Inland gelegen ein Schild auf, das auf “Hot Springs” hinwies. Unsere Versuche in Südamerika in die heißen Pools zu steigen, waren bekanntlich gescheitert, gescheitert aus unterschiedlichen Gründen.  Ein Grund mehr, die hier am Weg liegenden heißen Quellen zu besuchen und zu nutzen. Inmitten eines als Naturreservat ausgewiesenen Gebietes, das einen beeindruckenden Regenwald umfasst, liegen insgesamt 10 Pools mit heißem Wasser, von denen 6 öffentlich, gegen Entgelt natürlich, zugänglich sind. So konnten wir unsere Körper in 35, 41 und sehr wenige Grad warmes Wasser tauchen und mehrere Viertelstunden lang in den Pools sitzen. Zur Entspannung gibt es auch noch ein Schwimmbecken, geschätzte 25 Meter lang, das ausgiebig zu nutzen Katrin sich nicht nehmen ließ. So entspannt hier zu sitzen, verging die Zeit schneller als gedacht. Nicht die “Neusiedler” haben diese Quellen auch als Heilorte entdeckt, sondern bereits die Maori besuchten diesen Ort.

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Danach führte uns die Fahrt wieder durch ein bergiges Gebiet bis wir in der Ferne wieder/endlich das Meer erblicken konnten. Wir waren auf die Whareongaonga Bay gestoßen.

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Schnell durchfuhren wir Gisborne, eine austauschbare Stadt mit einer schönen Geschichte zur Namensfindung der vor ihr liegenden Bucht, die Poverty Bay heißt. Überliefert ist, daß es James Cook, als er 1769 hier an Land ging, nicht gelang, von den Maori Verpflegung zu bekommen. Waren sie zu arm, um von dem Wenigen etwas an Cook zu veräußern? Auf jeden Fall soll die Namensgebung auf Cook zurückgehen.

Über die glattrasierten Hügel, den starken Holzeinschlag wurde schon öfter berichtet. Die Holzwirtschaft spielt wohl flächendeckend eine große Rolle. Auch hier an der Ostküste das gleiche bekannte Bild. Hier werden wir jedoch indirekt Zuschauer des Einschlages, denn uns kommen in großer Zahl schwere LKW mit Holz beladen entgegen, oft in höherem Tempo als das, in dem wir unterwegs sind.

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Die Hinweise auf abseits gelegene Buchten nehmen wir zwar wahr, folgen ihnen jedoch nicht. Eine Ausnahme wird gemacht : das Attribut längste Landungsbrücke in Neuseeland weckt unser Interesse. Was wir vorfinden ist eine gut 500 Meter ins Meer ragende Betonbrücke, die erkennbar nicht mehr genutzt wird, deren Vorgänger für den Ort und den Warenverkehr, als dieser noch an der Küste entlang per Schiff bewältigt wurde, eine Bedeutung hatte, aber im Verlaufe der dann folgenden Jahrzehnte seinem Alter Tribut zollen musste. In einer Aktion von Ort und Land wurden die notwendigen mehr als 5 Mio. Dollar zusammengetragen, um eine neue Landungsbrücke zu errichten, quasi als Identifikationsmedium für die Region. Auch heute nagt der Zahn der Zeit, liegen Armierungseisen bloß, sind die einzigen Nutzer der Brücke Angler und die wenigen neugierigen Touristen wie wir. Die Tolaga Bay selber, an der diese Brücke steht, hat wieder einmal einen Prachtstrand, der auf beiden Seiten von weit in das Meer hineinragenden Sandsteinhügeln eingerahmt wird.

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Angesichts der fortgeschrittenen Zeit, es war deutlich nach 17:00 Uhr verkürzten wir unsere Tagesetappe und steuerten Tokomaru Bay an, denn hier soll es auch einen entsprechend unseren Bedürfnissen ausgestatteten Campingplatz geben. Die Ortsbeschreibung ist sehr vielversprechend, denn es wird auf einen zum schwimmen idealen goldenen 8 Kilometer langen Strand hingewiesen. Wir fuhren, um die alte Bebauung zu sehen, den Strand ab, die Aussage können wir bestätigen. Mißtrauisch hätten wir werden müssen als wir die Hauptkreuzung des Ortes passierten und dabei an den zwei bebauten Ecken massive Steinhäuser sahen, die jedoch dem Verfall, ebenso wie die anschließenden Häuser, preisgegeben worden sind. Eines davon sogar das Gebäude einer großen Bank, der Australasia Bank. Das muß in den goldenen Jahren des Ortes gewesen sein, die viele Jahrzehnte zurück liegen. Diesem Zustand entsprach dann in etwa auch der aufgesuchte Campingplatz, den wir inspizierten und sofort verließen. Direkt am Strand fanden wir einen schönen auch für Camping zugelassenen Platz, jedoch ohne Strom und dann auch noch unsere Behelfstoilette im Bedarfsfall nutzen zu müssen, war dann doch nicht unser Bestreben. Der nächste akzeptable Campingplatz in der Nähe von Te Araroa war 1 1/2 Fahrtstunden entfernt. Hierin drückt sich dann auch das Dilemma der Region aus. Sie mit dünnbesiedelt zu bezeichnen ist fast ein Kompliment, viele Orte sind verlassen bzw. haben kaum eine Zukunft. Seitdem 1963 offensichtlich der Schiffsverkehr und somit die Anlandung von Waren an der örtlichen Pier eingestellt worden ist, die New Zealand Shipping Co. ihre Tätigkeit vor Ort einstellte, läuten die Totenglocken.

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Wir durchmaßen die fast 100 anstehenden Kilometer so schnell es ging, mussten immer wieder den drängenden Holztransportern die Straße räumen. So voll deren Hänger waren, so kahl präsentierten sich die Hänge entlang er Strecke. Gut zu wissen, daß dieses Holz aus der Forstwirtschaft und nicht aus Raubbau stammt, daß in diesem Wirtschaftszweig auch Maori beschäftigt sind, die im allgemeinen besonders von der Arbeitslosigkeit betroffen sind.

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Trotz des Zeitproblems, einen Stop verlangte Katrin. Bei Tikitiki steht mit St. Mary’s eine historische Kirche, deren innere Ausschmückung durch Maori-Holzschnitzereien erfolgt ist. Mehr als eine Sicht von außen war uns nicht erlaubt oder möglich, denn das kleine Kirchlein, auf einem Hügel vor dem Ort errichtet, war verschlossen.

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Wir waren froh, als wir die Bucht bei Te Araroa erreicht hatten und nach einigen Kilometern auch auf den Campingplatz stießen. Er liegt zwar nicht direkt an der Bucht, wie wir auf unserer spätabendlichen Suche nach dem Strand feststellen mussten, war aber ruhig und das Meer war vernehmbar. Der Pacific Coast Highway hat uns zumindest heute keine atemberaubenden Eindrücke und Erlebnisse beschert, von Sicht auf den Pazifik ganz zu schweigen. Ein Blick auf den Straßenatlas zeigt, Morgen wird es deutlich besser.

Was der Morgen mit Sonnenschein und Frühstück unter Bäumen versprach, hielt der Tag. Nach einem letzten Blick auf unsere Campingplatzbucht ging es, nach einem weiteren kurzen Blick auf nach kurzer Fahrt erreichten Hicks Bay, zwar eine Stunde wieder einmal durch eine Hügellandschaft mit bekanntem Erscheinungsbild, dann aber begann eine erst am Abend endende Fahrt entlang der Küste. Ein Strand reihte sich an den nächsten, alle waren, fast, Bilderbuchstrände. Manche waren aufgeräumt, so daß nur noch die Badegäste fehlten, an anderen lag das Treibholz der vergangenen Jahre als Dekoration herum. Die Buchteinschnitte waren manchmal sehr tief, häufig waren die Strände viele hundert bis mehrere Kilometer lang, oft wurden sie auch von sehr ausladenden Bergen eingerahmt, so daß für uns immer wieder “Berg- und Talfahrten” anstanden. Auf dem einen oder anderen Aussichtspunkt hielten wir auch wegen des Panoramas an, meistens waren wir allein, aber nicht immer.

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Obgleich im derzeit durchfahrenden Gebiet kaum noch Bäume oder Wälder bestehen, der Hinweis auf die Feuergefahr ist überall wo wir waren allgegenwärtig. Nicht hinter jeder Straßenecke aber in einer nicht zu übersehenden Häufigkeit wird die Aufmerksamkeit der Vorbeifahrenden geweckt und auf das Risiko des Brandes hingewiesen. Auffiel, daß die Warnstufen in den Regionen variierten. Wir trafen sowohl auf blaue Warnstufen als auch auf die höchste rote Warnstufe. Und immer wird auch darauf hingewiesen, daß offene Feuer, es sei denn eine Erlaubnis ist erteilt worden, untersagt sind. Inwieweit dadurch die Anzahl der Waldbrände reduziert werden konnte ist nicht bekannt, wir vermuten aber ein bewußterer Umgang mit offenem Feuer wurde erreicht.

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Bei soviel Stränden war es nicht leicht, den besonders geeigneten für ein längeres Badevergnügen herauszufinden. Alle schienen geeignet. Aber als dann ein “allerliebster” Strand in Sicht kam, an dem sich eine Familie bereits in Wassernähe (!) niedergelassen hatte, war die Entscheidung getroffen, der Wagen eingeparkt, die Badesachen angezogen und wir zwei gingen ausgiebig im Meer schwimmen. Nur im ersten Augenblick war die Wassertemperatur abweisend, Flucht war jedoch nicht möglich, also hieß es sich bewegen, um das Kälteempfinden zu bekämpfen. Es ist uns gelungen und wir fühlten uns sauwohl. Der Wind, als ziemlich störend und kalt empfunden, trug ebenfalls dazu bei, daß wir im Wasser blieben, denn draußen war es zwar sonnig, der Wind störte jedoch erheblich und kühlte uns aus. Nach einem längeren Sonnenbad in halbwegs geschützter Lage konnten wir dann gut gestimmt weiter fahren. So könnte es den ganzen Tag nach Katrins Meinung weiter gehen; ein Testschwimmen an jedem Strand hätte eine Ankunft an diesem Tag in Opotiki, unser Tagesziel, aber verhindert.

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Man hat den Eindruck, als wenn immer dort, wo eine Familie wohnt, auch ein Versammlungshaus, ein Marae errichtet wurde, so zahlreich waren die gelben Hinweisschilder an der Straße. Dies wird nicht ganz, aber fast stimmen, denn auch heute sind wir an mehr als einer Handvoll direkt an der Straße liegender Kulturbauten der Maori vorbei gefahren – und haben das eine oder andere dokumentiert.

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Rund um Opotiki liegen einige Campingplätze, kein Wunder, die zahlreichen Strände ziehen insbesondere in den Ferienzeiten zahlreiche Gäste an. Wir hatten uns für einen östlich des Ortes gelegenen Platz entschieden, der einen direkten Strandzugang besitzt. Ein Abstecher in den Ort Opotiki wäre somit entbehrlich gewesen, wenn nicht das leidige Brotproblem bestanden hätte. Brot ist zwar nicht unsere Lieblingsspeise, jedoch für einen vernünftigen Tagesbeginn z.B. unverzichtbar. Das was wir hier in den Geschäften unter der Bezeichnung “Brot” gefunden haben, kann allenfalls als Toastbrot durchgehen. Vieles ist so bezeichnet, aber nicht alles, das diese schlechte Qualität aufweist. Pappe zum Frühstück – nein danke. Also suchen wir bei jeder Gelegenheit nach einem echten Bäcker, werden jedoch selten fündig. Wenn wir dennoch erfolgreich sind, wird das Brot gebunkert. Leider geht jeder Vorrat einmal zu Ende, in dieser Situation waren wir und durchstreiften den Ort, der mit seinen 7.000 Einwohnern doch einen Bäcker haben sollte. Weit gefehlt, das Bäckerhandwerk scheint hier keinen guten Boden zu haben und wir mussten uns mit dem ungeliebten Toastbrot zufrieden geben und auf die nächste Gelegenheit, wahrscheinlich in Whakatane, warten. OIpotiki war nicht nur in Sachen Brot keine Verheißung, auch als Stadt liegt vermutlich die bessere Zeit schon hinter ihr, wenn selbst offizielle Aussagen von den besten Jahren der Stadt im Zeitraum 1860 bis 1920 sprechen. Ganz so drastisch sehen wir das nicht, aber attraktiv sieht anders aus. Zumindest bleibt immer der Blick auf das Schöne  vergangener Jahre. Und ganz verlassen wirkte die Stadt auch nicht, nur schläfrig.

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Der von uns ausgewählte Campingplatz ist einer der schönsten, den wir bislang genutzt haben. Ein langer nahezu nur von uns genutzter Sandstrand mit teilweise stark anrollenden Wellen, Dünen, strahlendblauer Himmel, und das alles direkt vor unserem Campingplatz. Angesichts des stetigen eher kalten von See kommenden Windes haben wir uns nicht für einen Platz in der ersten Reihe mit direktem Meerblick entschieden, aber auch hinter einigen Büschen versteckt sehen wir das Meer, riechen und hören es. Gerade nachts, wenn die Wellen anrollen, eine richtige Melodie zum Einschlafen. Der Platz hat uns so zugesagt, daß wir gleich einen weiteren Tag, den 26.2., dort geblieben sind, um zu schwimmen, so oft es ging und wir dazu Lust hatten, strandnah zu faulenzen, am Strand spazieren zu gehen. Auch das gehört bei unserer Reise dazu, bislang haben wir davon mangels Gelegenheit selten Gebrauch gemacht/machen können.

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Te Urewera National Park

Nachdem es uns im Anschluß an die Oldtimerparade nicht so recht reizte, unter den Massen länger in Napier zu bleiben, nahmen wir die nächste Etappe in Richtung nördliche Ostküste in Angriff. Das 120 Kilometer entfernt liegende Wairoa erschien ein günstiger Ausgangspunkt, um in den Te Urewa National Park zu fahren. Hier befindet sich auch einer der 10 großen Trecks, der Waikaremoana Treck, der in vier Tagen und 46 Kilometern um den größten Teil des Lake Waikaremoana führt. Uns interessierte, den ersten Teilabschnitt zu wandern, d.h. keine Rundwanderung, sondern dann von der Zielhütte der ersten Etappe aus wieder zum Camper zurück zu wandern. Da in dem Park auch zahlreiche andere Wandermöglichkeiten bestehen, gab es genügend Alternativen, sollten unser Plan nicht möglich sein.

Napier hatten wir schnell hinter uns gelassen und fuhren zuerst durch Teile des hier große Bedeutung besitzenden Weinlandes ohne es zu merken. Wie sollten wir auch, wurde auf den einsehbaren Feldern, wenn sie nicht als Weide genutzt wurden, im wesentlichen Mais und Rüben angebaut. In einem Weinland/-region vermutet man große zusammenhängende mit Weinreben bebaute Flächen, die wir hier wie auch an anderen Orten nie sichteten. Hier und da wies verschämt ein Schild auf einen Winzer hin, seine Reben hielt er aber gut versteckt und wenn, waren es kleine Flecken, auf denen die Weinstöcke standen. Also durchfuhren wir ein stark agrarisch geprägtes Gebiet, das von Schaf und Rind repräsentiert wurde. Der Kontakt zur Küste und seiner Landschaft brach bei Kilometer 20 ab; verabschiedet wurden wir jedoch mit einem schönen Küstenpanorama in der Nähe von Wirinaki.

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Durch hügelige Hinterland ging es dann, aufgelockert durch kleine Wälder und den Lake Tutira, an dem wir natürlich anhielten – ohne einen Blick aufs Wasser können wir wohl nicht leben – weiter, diese Region scheint eine wesentlichen Korn- und vor allem Fleischkammer zu sein; das Landschaftsbild sieht entsprechend aus, ausschließlich leicht begrünte Hügel säumten unsere Sicht.

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Zur Erleichterung der Reiseplanung aber auch um den Touristen zum Besuch bestimmter Regionen/Orte anzustiften, werden insbesondere von den Kommunen aber auch den Regionen besondere Prospekte herausgegeben, die z.B. einen “Heritage Trail” von Napier nach Wairoa beschreiben und somit zahlreiche auch für uns nützliche Hinweise enthalten. Auf unserer Fahrt nach Wairoa warfen wir selbstverständlich in die schmale Broschüre einen Blick und waren dankbar für neue Anregungen. Manches war zu weit ab von unserer Strecke gelegen, um von uns angesteuert zu werden, anderes lag direkt an der Strecke. Hierzu zählt das Mohaka Railway Viaduct, das zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme 1937 mit seinen 95 Metern Höhe das vierhöchste Viadukt der Welt war.

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Mehr interessierte uns, in den abseits am Meer gelegenen Ort Mohaka zu gelangen, denn dort soll neben einem alten Meetinghouse der Maori auch ein 1885 errichteter großer Rundhallenbau stehen. Die Straßenkarte wies ein Stück hinter Raupunga, es geht hier bergauf und begrab über einen kleinen Höhenzug, eine Abzweigung nach Mohaka auf. Wir warteten auf einen Ortshinweis, den gab es aber nicht. Zufällig nahm Katrin ein Straßenschild wahr, das “Mohaka Township Road” hieß. Ein solches Schild kann überall stehen, aber vielleicht war es auch ein Hinweis, wo der Ort zu finden sei. Wir drehten um und bogen in diese Straße, Richtung Meer und stark abwärts führend, ein. Kein weiterer Hinweis tauchte auf, stattdessen nach gut 5 Kilometern einige Häuser sowie eine Art Kindergarten, in dessen Maori-Namensbezeichnung auch das Wort Mohaka von uns identifiziert wurde. Wir waren im gesuchten Ort angekommen, aber wo waren die gesuchten Gebäude? Wie das so ist in einer Gegend, in der die Häuser, Höfe weit auseinander liegen – Menschen waren nicht auf der Straße, die man hätte fragen können. Also fuhren wir die Straßen, drei an der Zahl, ab, ohne die gesuchten Häuser zu finden. Daß man so prominent beworbene Objekte im Ort selber in keiner Weise erkennbar macht, will uns nicht in den Kopf, insbesondere, wenn wir sehr häufig an Straßen einen Hinweis auf ein traditionelles Versammlungshaus der Maori gesehen hatten. Also Fahrt zurück, schade um die verschenkte halbe Stunde, die uns nur weitere Bergblicke, Meerblicke, den Blick auf eine alte Brücke und die Einmündung des Mohaka River ins Meer brachte.

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Die letzten 30 Kilometer durch das Bergland der Küste schüttelten wir Anfangs noch den Kopf über diese Ignoranz oder Fehlinformation, hatten aber bald wieder Kopf und Auge für die Landschaft frei, bis wir in den im Samstagsnachmittagsschlaf befindlichen kleinen Ort Wairoa hineinfuhren. Wieder einmal hatten wir mit der Campingplatzwahl Glück; unser Riverside Campingplatz liegt wirklich am Fluß, ist ruhig und grün, sauber und durch und durch zu empfehlen.

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Nicht die sonntäglich geläuteten Kirchenglocken sondern unser Wecker brachte uns heute am 23.2. früh in Schwung. Der Te Urewera National Park liegt von hier 64 Kilometer entfernt, d.h. mit einer Anreise von bis zu 1 1/2 Stunden zum Einstieg in den Treck müssen wir rechnen. Am Vorabend bekamen wir von einer Camperin, die den Waikaremoana Treck gerade gelaufen war, eine Infobroschüre, aus der die notwendigen Daten hinsichtlich Höhenprofil, Streckenlänge und zu erwartenden Wanderzeiten entnommen werden konnten. Für unsere Strecke stand da für die einfache Strecke eine Länge von 9 Kilometern und eine Wanderzeit von 5-6 Stunden, offensichtlich auf Grund des fordernden Streckenprofils, denn es ging nur bergauf, verlorene Meter mußten beim nächsten Anstieg neu bewältigt werden, denn die Hütte, die Panekiri Hut, steht auf dem höchsten Punkt der Strecke. Kein Wunder wenn es heißt, die Route sei in diesem Teil “demanding”. Da wir auch noch zurück zu Camper laufen wollten hieß daß früh vor Ort zu sein.

Auf dem Weg dorthin das Tal des Waikaretaheke River aufwärts fahrend durften wir wiederholt die Folgen ausgeuferten Holzeinschlags in Form von Landabgängen bewundern. Erstaunt waren wir über den hohen Wasserstand des Flusses, konnten dann aber ein Schild erspähen, daß indirekt den Grund nannte, den Betrieb von Wasserkraftwerken im Verlaufe des Flusses. Ausgehend von dem von uns angefahrenen See wird an drei Stellen talabwärts ein Wasserkraftwerk betrieben, zu dem die notwendige Wassermengen durch jeweils drei meterdicke Rohre geleitet werden. Konsequenterweise folgen dem Waikaremoana Lake talabwärts zwei weitere kleinere Stauseen, die jedoch auf unserer Straßenkarte nicht verzeichnet aber, wie wir sahen, vorhanden sind. Wasserkraft scheint hier häufig und sehr frühzeitig zur Energieerzeugung eingesetzt worden zu sein; soweit ich mich erinnere, wurde der erste Block bereits in den 20er Jahren in Betrieb genommen.

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Soviel Zeit muß sein, um einen kleinen Abstecher hin zu einem am Straßenrand angezeigten Versammlungshaus der Maori zu unternehmen. Betreten dürfen wir und andere Besucher die Anlage und das Gebäude nicht es sei denn, wir haben die Erlaubnis durch den Clanchef. Aber von außen einen Blick darauf werfen ist möglich. Augenscheinlich handelt es sich um ein eher neues Haus, dennoch, die angebrachten Verzierungen sind typisch für die Maraes.

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Die Region, in dem sich der Nationalpark befindet, ist altes Stammesland der Maori; von besonderer Bedeutung war es auch, um 1840 den kriegführenden Maori und ihrem Führer als Rückzugsort und Fluchtort zu dienen.

Dann endlich waren wir um 10:40 Uhr an unserem Ausgangspunkt für die Wanderung. Nur ein weiteres Fahrzeug parkte hier, es schien nicht viel los zu sein auf dem Treck. Erstaunlich, denn er zählt zu den begehrten Mehrtageswanderungen für die man sich beim DOC wegen der begrenzten Übernachtungskapazitäten auf dem Matratzenlager der Hütten monatelang vorher anmelden muß, um eine Chance auf den gewünschten Termin zu besitzen. Wie wir bei Ankunft auf der Hütte lernten, ließen sich einige der wenigen Anwesenden zum Ausgangspunkt per Boot bringen; andererseits kamen uns insgesamt 12 Wanderer entgegen, diese waren die Runde in entgegengesetzter Richtung gelaufen und ersparten sich damit den anstrengendsten Teil bergan zu gehen.

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Wie zur Einstimmung waren die ersten Minuten recht gefällig, kein Pfad sondern ein Weg, auf Rasen ging es bergan, aber nur wenige hundert Meter bis zu einem großen Rasenplatz. Ein Schild weist darauf hin, daß an dieser Stelle früher, d.h. um 1850 herum ein Exerzierplatz war und im Umfeld die englischen Soldaten stationiert waren. Nichts von all dem ist heute noch zu sehen, der Wald hat sich bis auf diese Rasenfläche sein Land zurück geholt. Von hier ab mutierte der Weg zum Pfad der stetig bergauf verlief und am besten als Wurzelpfad beschrieben  werden kann. Ständig stiegen wir über Wurzeln, der gesamte Pfad ging ja durch den Wald und Bäume besitzen nun einmal Wurzeln, aber direkt so viele, die ständige Stolperfallen sein können? Auf ebener Strecke wäre es noch gegangen, aber dann über die Wurzeln so zu steigen, als ob man Treppen steigen würde, war die Herausforderung. Den Wald kann man als Rübezahlwald beschreiben, wild, ungeordnet, nicht ganz dunkel, mächtige Stämme und riesige Bäume ebenso aufweisend wie unzählige Farne und Sträucher. Immer und überall waren zahlreiche Schmarotzerpflanzen auf und an den Bäumen zu bewundern. Die Farne sind hier vor allem als Farnbäume zu sehen; sie erreichen nach unserer Schätzung locker bis zu 5 Meter Höhe. Die große Anzahl der Farne, die intensive Bemoosung von Bäumen und Totholz weisen auf gemäßigten Regenwald hin. Das am Morgen sichtbare Wetter hätte hierzu gepasst, denn uns begrüßte ein sehr bedeckter Himmel mit dunklem Wolkeneinschlag, der sich während unserer Wanderung völlig drehte und uns eine Affenhitze bescherte. Etwa die Hälfte der Strecke geht es immer am See entlang den südlichen Bergkamm erklimmend, was immer wieder Ausblicke nach unten auf das Wasser möglich machte. Je höher wir kamen, desto eindrucksvoller der Blick, denn oft fiel die Felswand am Aussichtspunkt steil nach unten. Bei manchen der sichtbaren steil aufragenden Felsen wurden wir an das Elbsandsteingebirge erinnert. Dann verlief der Weg auf den den See begleitenden Hügelkamm, der sich jedoch über eine lange Strecke vom See entfernte und natürlich nicht das einmal erreichte Höhenniveau beibehielt, sondern zum vielfachen Auf und Absteigen zwang. Mit Blick auf den vor uns liegenden Rückweg tendierte Katrin ab Ende der 3.Laufstunde dazu, umzukehren, während ich meinte, so kurz vor dem Ziel und dem möglichen Ausblick wäre das ein Fehler. Nachdem dann eine letzte 5 Minutenfrist genannt wurde, wurde Katrin erlöst, denn von weitem war das Hüttendach erkennbar. Nach 3 1/2 stündiger Wanderung hatten wir das Ziel erreicht.

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Auf unserem Weg zur Hütte liefen wir lange Zeit auf einem Niveau von 1000 Metern und hatten freien Blick nach Westen. Die dort sichtbaren Berge waren imposant, verwundert waren wir aber, das Meer ganz in der Ferne zu sehen. So schmal ist Neuseeland?

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An der Panekiri Hut trafen wir auf einige Wanderer, die hier ihren ersten Abschnitt der großen Wanderung hinter sich gebracht hatten und am nächsten Tag die zweite Etappe in Angriff nehmen wollten. Nach einem dreiviertelstündigen Päuschen, Unterhaltungen mit den anderen Wanderern und mehrfachen langen Betrachtungen des Umlandes, des Sees, machten wir uns um 15:00 Uhr auf den Rückweg, für den 4 1/2 Stunden vorgesehen sind. Wenn wir diese Vorgabe nicht deutlich unterschreiten, kommen wir erst mit Einbruch der Dunkelheit auf unserem Campingplatz an, so dachte wohl Katrin, als sie in einem Wahnsinnstempo bergab stürmte. Ich hatte Mühe nachzukommen und beschwerte mich, so von dem Wald nur noch wenig optisch aufnehmen zu können. Schließlich sei doch der Weg das Ziel. Doch Katrin kannte, zumindest für die ersten 50 Minuten, keine Gnade und stürmte weiter den Pfad hinunter. Nach einem Drittel der Strecke hatten wir gegenüber dem Weg hinauf fast eine halbe Stunde gutgemacht. Das sollte für eine Ankunft zu einer vernünftigen Zeit vor Einbruch der Dunkelheit reichen, was auch Katrin einsah; erste Anzeichen, daß die Wanderung bei unserem Tempo ganz schön anstrengend gewesen sei und Hinweise darauf trugen des weiteren dazu bei, die letzten beiden Wegdrittel in normaler Geschwindigkeit zu gehen. Endlich wieder Zeit für den einen oder anderen Blick, die Chance genauer zu lauschen, ob da nicht Vogelgezwitscher sich gegen den Lärm der Zikaden durchgesetzt hatte. Viel zu selten hörten wir Vogelstimmen, in unseren Breitengraden normale Begleitmusik im Wald. Ob die erfolgreiche Jagd der Stoats nach Vogeleiern hierfür verantwortlich ist? Da wir keinen Hinweis auf aufgestellte Stoatfallen fanden, scheint das Raubtier hier eher keine Gefahr zu sein; vielleicht besteht hier keine Priorität, das Tier in diesem NP zu jagen. Wir haben dieses putzige Tierchen bislang tot auf der Straße, im Museum in Wellington und auf einer Informationstafel zu Beginn dieser Wanderung gesehen, ist halt ein nachtaktiver Kerl.

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Nach gut 2 3/4 Stunden standen wir wieder vor unserem Camper, unsere Beinmuskulatur signalisierte deutlich, an diesem Tag sehr gefordert worden zu sein. Dies hielt Katrin jedoch nicht davon ab, den Lake Waikaremoana als Badesee zu testen.

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So erfrischt ging es leichter zurück nach Wairoa, wo wir noch deutlich vor der Abenddämmerung wieder eintrafen.

In der Art Deco Hauptstadt Napier

 

Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint, denn wir kamen nach Napier, als das Tremains Art Deco Weekend stattfand. Mehr zufällig erfuhren wir in einem Gespräch in Picton mit einem Ehepaar, das mit ihrem Oldtimer unterwegs war, ihr Ziel sei Napier, um an diesem Wochenende an der Oldtimerparade während des Art Deco Festivals teilzunehmen. Ein Grund mehr, an unserer groben Zeitplanung festzuhalten und an diesem Wochenende in Napier zu sein.

Art Deco am Bauwerk hatten wir gestern an einigen Gebäuden in Hastings bewundern dürfen, hatten unsere Augen ein klein wenig geschult. In Hastings bekamen wir auch das Programm für dieses Wochenende in Napier in die Hand; die darin aufgelisteten und über viele Seiten kurz beschriebenen Veranstaltungen waren nicht zu zählen, geschätzte 200 Termine und Veranstaltungen waren organisiert. Als eine unter vielen darunter auch die Oldtimerparade, die um 12:30 Uhr startete.

Napier, von dem großen Erdbeben 1931 genauso betroffen wie Hastings, mußte sich damals ebenfalls baulich neu erfinden. Wie es heißt, hob sich durch das Erdbeben das Niveau der Stadt um bis zu 2 Meter, so daß es einen “Landgewinn” von 40 Quadratkilometer gab, dem Meer “abgetrotzt”.  Mit ihrer heutigen Einwohnerzahl von etwas über 50.000 Menschen ist sie kaum größer als Hastings. Deutlich größer ist jedoch das Selbstbewusstsein, wie es in der Selbstvermarktung zum Ausdruck kommt. Napier ist die Art Deco Hauptstadt der Welt – was ist schon Miami in dieser Hinsicht, eher zweiter Sieger im Verständnis der hiesigen Vermarkter. Für uns ist es ohne Belang, wer im Weltmaßstab die Nase vorn hat, entscheidend ist, wie sich der Ort präsentiert. Wohl um das architektonische Erbe der Stadt aus den 30er Jahren zu bewahren, wurde der Napier Art Deco Trust gegründet, der über allen Veränderungen an den entsprechenden Häusern seine Hand hält. Gleichzeitig ist dieser Trust die treibende Kraft hinter dem jährlich stattfindenden verlängerten Art Deco Weekend, das donnerstags beginnt und montags endet. Auch hier konnten wir bei weitem nicht alle interessanten Gebäude aus der Zeit nach 1931 anlaufen, viele der Steinhäuser befinden sich auch in den Villenlagen der Stadt oder in abseits gelegenen Straßen. Das Gros der Art Deco Fassaden konzentriert sich auf ein Straßengeviert inmitten der Innenstadt zwischen der Tennysen und der Dickens Street sowie Clive Square und Marine Parade; weitere bemerkenswerte Ansichten erhält man auch im Bereich der Browning Street sowie an der Strandpromenade in Form der Sound Shell (Musikpavillon), den Kolonaden sowie dem Verwaltungsgebäude der Touristeninformation. Die folgenden Bilder können natürlich nur einen kleinen Ausschnitt des Vorgefundenen zeigen, zumal oft ein ruhiges Betrachten angesichts der durch die Stadt in Festivallaune strömenden Menschenmassen kaum möglich war. Nicht jeder Bauherr verfolgte damals beim Neuaufbau den Art Deco Stil, so daß auch Anleihen beim klassizistischen Baustil wie auch Ausformungen des spanischen Missionsstils erkennbar sind. Fachleute können sicherlich mehr als wir Laien erkennen, wir waren nur interessierte Besucher.

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Nicht alle Gebäude waren erdbebengeschädigt; insbesondere die Holzhäuser hielten den Beben deutlich besser als die Steinhäuser stand. So kann man auch heute noch das eine oder andere aus der Zeit der Stadtgründung und Erweiterung stammende Gebäude insbesondere entlang der Marine Parade, also entlang des Strandes, finden, aber auch auf den Hügeln oberhalb der heutigen und damaligen Innenstadt.

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Nicht alle in der Stadt befindlichen Fahrzeuge hatten sich offensichtlich für die Parade angemeldet; auf unserem Spaziergang stießen wir auf einige sehr attraktive Oldtimer, die zum heutigen Tag von ihren Besitzern natürlich voller Stolz am Straßenrand stehend dem Interessierten gezeigt wurden. Alle hatten eine Straßenzulassung und obgleich die Schätze aus den dreißiger Jahren und früher nicht gerade zum Rasen verleiten, bei einem Gefährt sahen wir einen an die Windschutzscheibe geklebten diesbezüglichen Hinweis! Allen Fahrzeugen konnte man die Liebe des Besitzers zum Detail und zur Pflege des Schatzes ansehen, aber auch den Stolz des Besitzers verspüren.

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Es hat den Anschein, als ob dieses Art Deco Weekend für die Bewohner der Stadt und des Umlandes den gleichen Stellenwert besitzt wie im Rheinland der Karneval. Nicht jeder aber viele der an diesen Tagen in der Stadt Herumlaufenden haben sich stilgerecht in Anlehnung an die dreißiger Jahre gekleidet. Wir zumindest kamen uns vor wie bei einem Faschingsumzug, Jecken im Zug und als Zuschauer. Mehr oder weniger die ganze Stadt war auf den Beinen, vor allem, um die Parade alter Fahrzeuge nicht zu verpassen. Einige nahmen ein Stühlchen unter den Arm, andere besetzten frühzeitig in den Gastronomiebetrieben entlang der Paradestrecke die Tische. Erkennbar frühzeitig hatte man sich also die besten Plätze gesichert, um alles genau sehen zu können. Eine ruhige und ausgelassene Stimmung herrschte. An verschiedenen Orten traten kleine Musikgruppen und Chöre auf und unterhielten das flanierende Publikum mit Swingmusik und Schlagern dieser Jahre. In die Maskerade wurde nahezu jeder einbezogen; nicht nur gestandene Bürger hatten die Kleiderschränke der Vorfahren geplündert oder sich entsprechende Bekleidung besorgt, nein auch die Kinder durften bei dem Spektakel mitwirken.

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Wir kamen uns mit unserer Treckingbekleidung ein klein wenig unpassend gekleidet vor, waren aber nicht die einzigen, die aus dem Rahmen fielen. Verkleidung war zumindest keine Bedingung, um die Parade sich ansehen zu können. Eingeläutet wurde das Spektakel durch Lärm, Lärm, der von die Stadt überfliegenden alten Propellermaschinen ausging, die im Alleinflug aber vor allem im Formationsflug begeisterten.

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Paraden werden im angelsächsischen Raum offensichtlich immer durch eine Militärkapelle angeführt, dann folgen die Hauptpersonen, hier die alten Fahrzeuge, die zwingend vor 1946 gebaut sein mussten. Ihre Fahrerinnen und Fahrer verstanden sich sicherlich auch als Hauptperson in dieser Aufführung und genossen den Applaus und Zuspruch vom Straßenrand. Über 300 Oldtimer fuhren an uns vorbei, fast zwei Dutzend alte Motorräder, leider nicht alle korrekt restauriert, und eine ganze Anzahl alter Fahrräder schloß sich dem Zug an. Ein Wahnsinnsbild, eine ständige Aneinanderreihung von sehr schönen ja ästhetischen Karossen wurde uns geboten. Wir hatten das Glück, neben Fachleuten zu stehen, zumindest die abgegebenen Kommentare über den vorbeifahrenden Fahrzeugtyp ließ dies vermuten. Also waren nicht nur Gaffer wie wir an der Strecke, sondern auch Experten genossen das Bild. Natürlich wurde versucht, das Schöne im Foto festzuhalten, was weitestgehend gelungen ist, mit der Folge, die Qual der Auswahl zu bereiten.

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Nachdem ein Trupp Dudelsackpfeiffer den Schlußakkord geblasen hatten machten wir uns vom Acker und hatten Schwierigkeiten, uns mit unserem kleinen unscheinbaren Camper wieder anzufreunden. Viel lieber wären wir in eine der tollen alten Kisten gestiegen.

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Der Küste entlang nach Napier

Nachdem wir das größere Einzugsgebiet von Wellington nach gut 40 Kilometern bei Upper Hut endlich hinter uns gelassen hatten, konnten wir der Umgebung wieder mehr Aufmerksamkeit widmen. Und sofort fallen wieder Hinweisschilder auf neben der Straße liegende beachtenswerte Orte auf, wird angehalten, abgebogen und geschaut. So landeten wir auch am Rande des Kaitoke Regional Parks, blickten auf die zwei künstliche Seen umgrenzenden Wälder und hörten nichts, es war ruhig, bis auf das ohrenbetäubende Geräusch der Zikaden. Die scheinen sich hier überall festgesetzt zu haben.

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Und wieder ging es kurvenreich bergauf, eine Hügelkette, deren Maximalpunkt bei gut 700 Metern liegt, musste überwunden werden, um anschließend durch mindestens ebenso viele Kurven gen Tal zu fahren, nicht zu rasen. Der Camper schaukelt bei schneller Kurvenfahrt ganz schön, da geht man lieber zu viel vom Gaspedal als daß man in Schräglage durch die Kurve rutscht.

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Als die Ebene uns wieder hatte, blieb das auch lange Zeit bis Masterton so. Wir waren im Herzen des Schafslandes angekommen, Masterton seine Hauptstadt. Wie im übrigen man hier viel Wert darauf zu legen scheint, von irgend etwas die Hauptstadt, der wichtigste Vertreter etc. zu sein. In dieser alle überragenden Schafsstadt finden hier natürlich auch entsprechende Wettkämpfe statt, so z.B. im Schafsscheren. Wir sind eine Woche zu früh angekommen, um an diesem Spektakel teilnehmen zu können, nicht als Aktive, aber als Passive.

Der Campingplatz in Masterton zählt mit zu den besten, die wir bislang besucht haben, viel Grün, sehr gepflegt und weitläufig. Am nächsten Morgen ging es weiter auf Napier zu. Viel Neues sahen wir auf dem Weg gen Norden nicht, sondern alt bekannte Bilder zogen an uns vorbei. Schafsweiden mit oder ohne Schafe, manchmal interessante Bäume, oft sehr kahle Hügel, wenig sonstige agrarische Landwirtschaft. Die durchfahrenen Orte wiesen auch immer eine ähnliche Struktur auf, wurden als Straßendörfer mit im wesentlichen eingeschossiger Bebauung wahrgenommen, auch die Form der Geschäftsbauten war mehr oder weniger austauschbar, ein Ort stand für den anderen Pate. Kein Wunder, wenn wenig Bleibendes haften geblieben ist.

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Einen Zwischenstop legten wir im Ort Dannevirke ein. Hier soll, so heißt es, ein größerer skandinavischer Einfluß bestanden haben. Offensichtlich traute man den aus Skandinavien stammenden Männern im besonderen zu, sehr fachkundig die notwendigen Holzfällarbeiten zur Landgewinnung ausführen zu können und warb für diese Region vor allem in diesen Ländern Arbeitskräfte an. Friedhöfe können manchmal das Geschichtsbuch eines Ortes sein, die Namen auf den Grabsteinen erzählen. Auch Dannevirke, ein Ortsname, der auf einen dänischen Ursprung hinweisen könnte, hat einen Friedhof, auf dem die ersten Siedler begraben wurden. Diesen suchten wir auf. Natürlich stolperten wir auch über skandinavische Familiennamen auf Grabsteinen aus der zweiten Hälfte des 19. Jhd. Aber mindestens in gleicher Zahl sahen wir auch Familiennamen, die auf einen Bezug in den englischsprachigen Raum weisen. Selten tauchte ein Deutsch klingender Name auf. Erfreulich, wenn diese alten Grabstellen auch heute noch gepflegt werden; ob von Nachfahren oder durch die Gemeinde wissen wir nicht. Viele Grabstellen waren sehr schlicht gehalten, nur wenige fielen durch besondere Gestaltung aus dem Rahmen. Beim Rundgang fiel auf, wie oft der Hinweis, meistens bei jungen Burschen im Alter bis Mitte 30, “accidently killed” auftauchte, was auf einen Arbeitsunfall hindeutet. Auch die große Zahl von Grabsteinen und Grabinschriften für im Alter von wenigen Wochen bis zum Alter von 5/6 Jahren verstorbenen jungen Menschen machte betroffen und scheint ein deutlicher Hinweis auf die Lebensumstände zur damaligen Zeit vor über 100 Jahren in Neuseeland zu sein.

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Durch sattsam bekannte Landschaft fuhren wir zügig in Richtung Napier, in dessen näherem Einzugsgebiet es einige Winzer versuchen, auf dem Boden einen guten Wein zu erzeugen. Ab und an bemerkten wir deshalb auch den einen oder anderen kleinen Flecken, der mit Rebstöcken besetzt war.

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Hastings liegt 20 Kilometer vor unserem Zielort Napier, eigentlich ein Grund, hier einfach durchzufahren. Da Hastings aber das selbe Schicksal wie Napier durch das große Erdbeben 1931 erfahren hatte und ebenfalls in dieser Zeit seine Innenstadt – und nicht nur diese – praktisch neu erfinden musste, wollten wir das Ergebnis betrachten, zumal auch hier Art Deco Einflüsse zu finden sein sollen. Hastings ist keine wirklich aufregende Stadt, wie sollte auch, wenn sie inmitten eines von der Landwirtschaft dominierten Gebietes liegt und die Wirtschaft der Stadt hierauf sehr stark ausgerichtet ist. Also die sattsam bekannten Geschäfte, am Reißbrett entstandener Stadtgrundriß, Boutiquen, Handelsketten, kleine Läden für dies und das, Cafés und Restaurants, Banken (nicht zu wenig). Viel interessanter für uns war, uns auf die Suche nach den Art Deco Gebäuden zu machen, die nach dem Erdbeben neu errichtet worden waren. Hilfe hatten wir von der Stadtinformation erhofft und in Form einer kleinen Broschüre auch erhalten. Hierin waren 38 sehenswerte Gebäude aufgelistet, die in Form einer Stadtrundfahrt, Länge fast 40 Kilometer (!!!), angefahren werden sollten. Und zu allem Überdruß enthielt die Übersichtskarte kaum Straßenangaben, die Ortsangaben musste man sich aus der Objektbeschreibung heraussuchen. Wenig besucherfreundlich aufgebaut war die Broschüre, fast waren wir, nachdem die ersten Versuche einige der Häuser anzulaufen nur unter Mühen gelungen waren, bereit, weitere Besichtigungsbemühungen einzustellen. Zumindest erkundeten wir einen kleinen Teil der neu aufgebauten Innenstadt, aber nicht länger mit Hilfe der ungeeigneten Broschüre. Eigentlich schade um die Mühe, die man sich bei der Erstellung gemacht hat, leider dabei vergaß, eine benutzerorientierte Gestaltung zu verfolgen. Eines vorab : es gab weit mehr Art Deco-Style Gebäude in der Stadt als die Broschüre aufgeführt hat – das war auch gut so, denn uns ermöglichte es in einer guten Stunde Spaziergang ein großes Spektrum der Gestaltung zu entdecken. Daneben konnten wir vereinzelt auch Einflüsse des spanischen Missionsstils erkennen in einer Stadt, die so richtig erst Ende des 19. Jhd. an Bedeutung, als Standort für einen Eisenbahnbahnhof und als Wohn- und Arbeitsort, hinzugewann. Die prosperierende Landwirtschaft im Umland strahlte, nachdem das Moorland trockengelegt worden war, auf die Stadtgründung ab. Wir haben alte Fotografien sowohl von Hastings als auch Napiers Innenstadt nach dem Erdbeben gesehen, wenig stand noch an seinem Platz, die Zerstörung war umfassen. Auch sehr solide Bauten wie das der Zentralbank oder Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser haben das Erdbeben nicht überstanden. Umfassend war der Neuaufbau, der offensichtlich wegen der Wirtschaftskrise im Land nicht leicht zu finanzieren war. Andererseits hatte die Depression auch für ein Arbeitslosenheer gesorgt, das nun teilweise im Bau Beschäftigung finden konnte. Will man den Baustil erkennen, muß man mit in den Nacken gelegtem Kopf durch die Straßen gehen oder noch besser, immer die gegenüberliegende Straßenseite oberhalb des Erdgeschosses betrachten, dann wird man fündig. Von uns anfangs als enorme Bausünde eingeschätzt, die oberhalb des Erdgeschosses angebrachten weit ausgelegten und auch den Fußweg beschattenden Vordächer, immer und überall mit grässlichen Werbeinschriften an ihren Stirnseiten versehen, waren zumindest bei einigen Häusern Bestandteil der architektonischen Gestaltung. Dies war an den Ankern erkennbar, mit denen die Vordächer an der Fassade befestigt worden waren. Man, auch wir, lernt eben dazu, auch wenn wir nach wie vor diese werbetragenden Vordächer in dieser Form nicht als gelungen betrachten. Schlicht, ohne Schickschnack der Werbung, ja. So die gegenüberliegenden Häuserfronten abscannend durchkreuzten wir das Städtchen und trafen auf eine Vielzahl der gesuchten Objekte. Viele hatten auch die letzten Versuche einer “Modernisierung” widerstanden, strahlten in alten Farbnuancen und den ursprünglichen Applikationen und Verzierungen. Erschreckend für uns war jedoch oft der eklatante Widerspruch zwischen der Ästhetik des Hauses und der Warenpräsentation, Schaufenstergestaltung, Werbung im Erdgeschoss. Oft grausam! Positiv herauszuheben ist das Gebäude von Westermann & Company, heute auch Standort der Touristeninformation, sowie das Stadthaus; aber auch viele andere Häuser waren prachtvoll. Somit konnten wir uns in Hastings einen ersten sehr umfassenden Eindruck von dem verschaffen, was es nach eigener Werbeaussage in Napier in Potenz geben soll. Schön war bei unserem Rundgang auch ein Haus zu finden, das offensichtlich dem großen Beben  getrotzt hatte und auch heute noch als vollständig aus Holz bestehendes Haus steht und in Gebrauch ist.

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So blieb dann nur noch die Weiterfahrt nach Napier und die Suche nach einem möglichst stadtnahen Campingplatz auf der Agenda des Tages, die wir erfolgreich abarbeiteten.

Wellington

Nachdem wir am Vortag uns im Feierabendverkehr durch einen kleinen Teil der Hauptstadt gequält hatten, wollten wir am 20.2. uns die Stadt und einige wichtige Einrichtungen in Ruhe ansehen. Wellington ist eine sehr bemerkenswerte Stadt, dicht gedrängt im Kern, geprägt von Hochhäusern, und extrem weitläufig besiedelt, wenn es in die Außenbereiche geht. 200.000 Einwohner wollen untergebracht werden; das Umland bietet hier viele extrem reizvolle Lagen, am Wasser, in den Bergen mit mehr oder weniger Aussicht, in der Natur. Daß dies dann am Morgen und Nachmitttag zu endlosen Blechkarawanen führt, ist uns aus der Heimat zur Genüge bekannt. Die vorhandenen Eisenbahnverbindungen schaffen so scheint es, nur teilweise Entlastung. Erstaunlich viele in der Innenstadt Beschäftigte waren am Abend in entsprechend sportlicher Bekleidung auf dem Rennrad in Richtung heimischen Herd unterwegs; sie fuhren direkt neben den Autokolonnen auf der Bundesstraße, natürlich behelmt und oft auch schneller als die PKWs.

Wellington soll ein breit gefächertes kulturelles Angebot aufweisen; nur einen ganz kleinen Ausschnitt haben wir in Anspruch genommen. Das Museum of New Zealand Te Papa  Tongarewa, kurz Te Papa, ist nicht nur in einem modernen, Aufmerksamkeit findenden, die Hafenskyline prägenden Neubau untergebracht, sondern ist die Möglichkeit, sich einen umfassenden, sehr fachkundig präsentierten Überblick über die Geschichte des Landes zu verschaffen.

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Ganz wichtig für uns aber wohl auch für das Museum und seinen Anspruch ist die umfassende Einbindung und Berücksichtigung der Geschichte vor der Besiedlung durch Europäer. Der Geschichte der Moari wird ein sehr großer Raum eingeräumt; für uns ebenfalls ein wichtiger Aspekt für dieses Besuch. Ich kann mich nicht erinnern, daß das Bonner Haus der Geschichte, in dem ein ähnliches Projekt realisiert worden ist, für jeden Besucher ohne Eintritt (!) offen steht. Hier wird keine Gebühr erhoben; dementsprechend groß ist auch der Zuspruch; erkennbar nicht in der Überzahl sind die  ausländischen Besucher.

Die Themenvielfalt ist so groß, daß es schier unmöglich ist, an einem Tag sich alle Themen zu erschließen. Wir waren gut 4 Stunden aktiv unterwegs und danach für weitere Information nicht mehr aufnahmefähig. Man kann daraus nur die Empfehlung ableiten, sich an unterschiedlichen Tagen hierhin zu begeben. Neben dem Ausstellungsteil der sich mit der Kultur der Maori befasst, ihrem politischen Kampf um politische und gesellschaftliche Teilhabe, haben wir viel Zeit im Themenbereich der Besiedlung durch Europäer, die Staatsbildung und insbesondere im naturkundlichen Bereich verbracht. Im letzteren wurde mehr als plastisch vor Augen geführt, welch dramatische Eingriffe von Menschenhand das ökologische Gleichgewicht zerstört hat, die Artenvielfalt auf der einen Seite drastisch verringerte, auf der anderen Seite durch die Einfuhr von Tieren und Pflanzen im Land selber wieder erhöhte. Uns Außenstehenden ist kaum bewußt, wie viele Tierarten und Pflanzen hier erst im 18./19. Jhd. heimisch gemacht wurden, wie wenig von der ursprünglichen Tier- und Pflanzenwelt noch vorhanden ist. Und nicht immer war der Tier- oder Pflanzenimport sinnvoll; das “Experiment” mit dem stoat ist bekanntlich ganz groß in die Hose gegangen und jährlich werden Millionen aufgewendet, um die Ausbreitung des stoat zu verhindern, seine Anzahl zu verringern. Neuseeland war vor Ankunft der ersten Menschen vor etwa 1000 Jahren zu 95% bewaldet, so denn eine Waldentwicklung möglich war. Glaubten wir bislang, erst durch die europäischen Einwanderer, die zur Schaffung von Weideland aber auch zum Holzexport die Bäume massenhaft fällten, sei die großflächige Waldvernichtung erfolgt, lernen wir in der Ausstellung, daß bereits die Moari, um Land für ihren Nahrungsmittelanbau zu erlangen aber auch das Nutzholz benötigten, insbesondere durch Brandrodung im Verlaufe von Jahrhunderten den Waldbestand auf 55% reduziert hatten. Für den Unkundigen, wie wir es sind, besteht hier ein gewisser Widerspruch zu dem bislang Gelernten, wonach die Maori ihr Leben auf den Einklang mit der Natur ausrichteten, ihr Glaube viele Bezüge zu Naturphänomenen aufzeigt, die Erde wie auch die Elemente eine große Bedeutung für sie besitzen. Im Zuge der Kolonialisierung wurden dann weitere 30% des Bestandes vernichtet und erst später erkannte man die Folgen, die dieser Raubbau verursachte, Verlust der Bodenkrume durch Erosion, Landrutsche etc., so daß bereits im 19. Jhd. zielgerichtete Aufforstungsaktionen erfolgten. Ein ehemals fast unberührtes Land wurde im Verlaufe der Jahrhunderte insbesondere in Weideland und somit die Basis für weltweiten Fleisch- und Wollexport transformiert. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die beiden folgenden Bilder beziehen sich auf bestimmte Baumarten, die, wie die jeweils rechte Bildseite zeigt, inzwischen ganz bzw. weitgehend vernichtet worden sind.

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Bis 1840 war das Gebiet des heutigen Neuseeland im Besitz der Ureinwohner, der Maori und, soweit diese ihr Land nicht an Siedler verkauft hatten, deren Eigentum. Eine übergeordnete staatliche Hoheit gab es im Grunde nicht, bis durch den Vertrag von Waitangi zwischen den Vertretern der Maori und der britischen Krone vereinbart wurde, daß das Land nominell eine britische Kolonie wird. Im Gegenzug wurde den Maori zugesichert, den “Briten” gleichgestellt zu werden. Nach Ansicht der Maori wurde jedoch gleichzeitig zugesichert, daß die Maori in ihren Bereichen auch weiterhin die Herrschaft ausüben können und nach ihren Regeln leben und handeln. So lange wie die Zahl der Siedler überschaubar blieb und die von diesen beanspruchten Ländereien relativ gering waren, gab es keine Probleme. Berichtet wird, daß um 1850 lediglich 22.000 europäisch stämmige Menschen in Neuseeland dauerhaft lebten. In dem Maße jedoch, wie der Landhunger der Siedler und der Schafsfirmen stieg, ergaben sich Konflikte, die bis hin zu Kriegen gegen die Maori-Bevölkerung in bestimmten Regionen führten. Und nicht immer waren die Siedler und England der Sieger! Die Maori schwächten ihre Schlagkraft teilweise durch Konflikte zwischen den einzelnen Stämmen. Bemerkenswert, wie die Stammesführer es dann schafften sich so zu verständigen, daß sie einen eigenen “König” wählten, der sie, unterstützt durch eine Art Parlament, gegenüber der Kolonialmacht vertrat. Ebenso bemerkenswert, wie man ab Mitte des 19.Jhd. durch die Gründung zweier Zeitungen versuchte, auch auf diesem Gebiet der eigenen Stimme mehr Geltung und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zudem diente das Instrument Zeitung auch dazu, die Einigkeit untereinander zu fördern. Obgleich im Vertrag von Waitangi die Maori den Siedlern gleichgestellt waren, die Kolonialmacht unternahm alles, um die eigenen Interessen in jedem Fall durchzusetzen. Die Maori, in Stämme und Clans gegliedert, kennen kein Privateigentum an Land, vielmehr gehört dies allen, d..h. nicht ein einzelner kann seinen Anspruch an Dritte verkaufen, sondern alle müssen zustimmen. Für die landhungrigen Siedler und Schafsfirmen ein Problem, das deren Expansionsbestrebungen kräftig einbremste. Abhilfe wurde durch Gesetze geschaffen, die immer nur die Kolonialinteressen berücksichtigten. Um Landverkäufe “leichter” möglich zu machen wurde z.B. das Gesetz erlassen, wonach kein Landeigentum besteht, wenn dieses von 10 oder mehr Einzelpersonen geltend gemacht wird. In diesem Fall fällt das Land der Krone zu und kann von dieser weiter vergeben/verkauft werden. Da das Land dem Stamm/Clan gehörte, war dies das geeignete Enteignungsinstrument und zugleich die Grundlage für die schnelle Expansion der Schafindustrie. Das Landthema beschäftigt noch heute die Menschen und ist ein wesentliches Grund für das schlechte Gewissen der Nachfahren ehemaliger Kolonialherren.

Maori besitzen eine andere Gedankenwelt als wir westlich erzogenen Menschen, so unser Eindruck. Ähnlich wie unsere Sagenwelt besteht natürlich auch in diesem Kulturkreis eine Vielzahl von Sagen, mit denen die eigene Existenz, die Entwicklung, das Entstehen der Stämme, die Konflikte, die Natur und ihre Phänomene etc. umschrieben oder erklärt wird. Gerne hätten wir hier mehr als nur Fragmente der Sagenwelt der Maori kennen gelernt, die sich stark auf die Natur bezieht. Einen Zugang zu ihrer Welt haben wir nicht erhalten und gefunden. Stattdessen konnten wir jedoch die wunderschönen Versammlungshäuser, mythische Gestalten, Gebrauchskunst etc. bestaunen.

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Der Erstbesiedlung durch “Auswanderer”/Entdecker aus dem polynesischen Raum wird angemessener Platz eingeräumt. Für den Laien interessant zum einen das Experiment mit einem nachgebauten Zweirumpfboot unter Anwendung historischer Navigationsmöglichkeiten, um damit die Möglichkeit der Besiedlung z.B. aus Richtung der Gesellschaftsinseln zu unterfüttern, zum anderen durch die Präsentation eines maßstabsverkleinerten Nachbaus dieses Bootes. Der Mut der Abenteurer/Forscher wurde belohnt, die Reise gelang.

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Dem Neuseeland der Neuzeit haben wir uns nicht zugewandt, nur noch einen kurzen Blick in die Geschichte der Einwanderung an Hand von Familiengeschichten geworfen, dann war unsere Aufnahmefähigkeit vollständig erschöpft. Bei einem längeren Aufenthalt in Wellington hätten wir sicherlich Te Papa erneut einen langen Besuch abgestattet.

Der anschließende längere Gang durch die engere Innenstadt verlief, übertrieben formuliert, ohne Sicht der vorhandenen Sonne, denn die Straßenschluchten waren oft wirklich solche durch die hoch aufragenden modernen Bauten. Bemerkenswert, daß bei diesen Bauten keine Einheitsarchitektur in Form von Beton und Glas zum Zuge kam, sondern vielfältige Gebäudeausprägungen, –formen und Materialien bei der Ausführung Berücksichtigung fanden. So war die “Hochsicht” ziemlich abwechslungsreich, während sich im Erdgeschoß wie überall austauschbare Ladenlandschaften ausbreiten. Wellington kann man mit Recht als eine moderne Stadt bezeichnen, leben möchten wir hier dennoch nicht. Enorme Hektik haben wir zwar nicht verspürt, auch Grün ist in erkennbarem Umfang vorhanden, aber stundenlange Fahrten zur und von der Arbeit, die nicht saubere Luft, die Masse Menschen lassen uns das Leben in angemessener Entfernung zu solch einer Stadt vorziehen.

Einen Überblick über eine Stadt verschafft man sich am besten von oben. Wellington ist von Hügeln umgeben, also bietet sich die “Besteigung” eines Hügels an. Hier wird einem der Weg zum Ausguck abgenommen, der seit 1902 seinen Dienst verrichtende Cable Car (im Grunde sind es zwei, die sich in der Mitte der Strecke passieren) schafft bis zu 100 Personen je Fahrt auf den Kelburn Lookout. Als erstes fiel uns auf, welch schönen Ausblick die Studenten haben, und vor welcher Kulisse sie ihren Hochschulsport ausüben können, denn Institute und Sportanlage liegen direkt unterhalb des Lookouts. Was wir bei der Einfahrt in die Wellington Bucht von der Fähre aus bereits erkennen konnten, die Großstadt zieht sich weit um die Bucht herum, weist auf der eher südlicheren Seite Geschäfts- und Wohnbauten auf, während am östlichen Teil der Bucht die schmutzige Industrie wie z.B. Chemie angesiedelt sind. Daß das Te Papa ein prägendes Gebäude ist, von Wasser aus sehr klar zu erkennen, bestätigte sich gleichfalls aus der Vogelperspektive.

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Vom Endpunkt der Cable Car Bahn kann man den Wellington Botanic Garden besuchen, der auf einem Gebiet von 25 Hektar von hier oben bis hinunter in die Stadt ein großes Spektrum an Bäumen, Büschen, Blumen etc. in einer Vielzahl von Präsentationen bis hin zur Anlage von Lady Norwood Rosegarden aufweist. In einem fast dreiviertelstündigen Spaziergang sind wir durch in geschlendert. Den Abschluß dieser Grünanlage bildet der Bolton St. Memorial Park, der sich über den Motorway 1 hinüber Richtung Stadt bis zum Gebäude der Zentralbank fortsetzt. Auf diesem Teil der Anlage stehen unzählige alte Grabstellen und Grabdenkmäler; die Anlage selber läßt vermuten, das es sich um einen alten Friedhof handelt, da Grabreihen ebenso erkennbar sind wie auch die übliche Form der Gräber, und nicht um einen Ort, an dem von woher auch immer die Grabsteine verstorbener Stadtbürger zusammen getragen wurden.

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Im unteren Stadtbereich angekommen umrundeten wir fast vollständig das Parlamentsgebäude, streiften Regierungssitze und steuerten so schnell wie möglich auf den waterfront walk am Hafen entlang zu. Hier waren im Verlaufe der Jahre einige Neubauten entstanden, jedoch hat man es auch verstanden, einige der alten Lagerhallen und Hafengebäude zu restaurieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Natürlich drängeln sich hier Gastronomiebetriebe, aber auch Anbieter von Wassersportgeräten und –ausrüstung waren auszumachen. Es war richtig belebt hier, nicht nur Flaneure waren unterwegs, auch die verschiedenen Cafés, Bistros, Gaststätten waren gut besucht. Hubschrauberflüge scheinen immer beliebter zu werden, zum Leidwesen der Menschen auf dem waterfront walk. Auf der Queens Wharf, direkt vor den Ruhe und Entspannung suchenden Gästen, starteten und landeten zumindest zwei Hubschrauben im etwa 10 Minutentakt. Auch eine Art, den alten Hafen zu beleben. Künstler haben ebenfalls eine sehr kleine Heimat in Hafennähe gefunden, denn aus Minicontainern heraus können sie ihre Kunst verkaufen. Ganz entspannt und völlig entschleunigt gingen wir am alten Hafen entlang zu unserem am Museum geparkten Camper. Dabei fiel uns eine kleine Bronzetafel an einer Hafenmauer ins Auge, die von der hier im WWII festgesetzten Pamir handelt. Auch hier haben wir dazu gelernt.

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Gemeinsam mit dem Feierabendverkehr rollten wir gegen Abend dann langsam die Nationalstrasse 2 in Richtung Norden. Ziel war Masterton, gut 100 Kilometer nordöstlich gelegen.