Hinüber zur Nordinsel

Unsere Fährfahrt mit einem Bluebridge Schiff am 19.2. hatten wir bereits sehr frühzeitig für 14:00 Uhr gebucht, um auch von einem weiter entfernteren Ort noch anreisen zu können. Die lange Anfahrt entfiel, da wir bereits in Picton, dem Fährhafenort, übernachteten. Gemütlich konnten wir in einen strahlend blauen Tag hinein starten und ließen uns mit allem so richtig viel Zeit. Um 10:00 Uhr hieß es, den Campingplatz zu verlassen, viel zu viel Zeit für diesen kleinen Ort. Wir hatten auf der Straßenkarte einen kleinen Weg zu einem Aussichtspunkt oberhalb von Picton gesehen und nutzten diese Information. Relativ weit in den Sund konnten wir blicken, aber auch Teile von Picton sehen. Picton ist offensichtlich nicht nur der Fährhafen um zur Nordinsel zu gelangen, sondern einer der großen Umschlagplätze für das im Norden der Insel eingeschlagene Holz. Zu beobachten war, wie emsig die auf den Lagerplätzen liegenden Baumstämme auf den bereit liegenden Frachter in hohem Tempo verladen wurden. Von hier oben sah alles nicht nur sehr grün, sondern auch sehr friedlich aus. Lärm war hier auf dem Ausguck nicht wahrzunehmen.

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Bei unserem Spaziergang durch das kleine Städtchen begegneten wir wieder unseren Oldtimern; die Gruppe von fünf alten Morgan Cabriolets war ebenfalls in Picton auf ihrer Morgan Rundfahrt Neuseeland 2014 gelandet und wartete auf das Übersetzen auf die Nordinsel, wo die Rundfahrt weiter geht. Als wären diese fünf schmucken Fahrzeuge nicht genug Anregung für Tagträume, in der Hauptstraße sahen wir drei weitere deutlich ältere Fahrzeuge. Ein Rolls Royce aus dem Jahr 1930 mit seiner nur unwesentlich jüngeren Besatzung zählte dazu wie auch ein italienisches Fabrikat aus 1932. Ebenfalls war ein alter Ford mit von der Partie. Auch diese drei Fahrzeuge und ihre Fahrer wollten mit der 14 Uhr Fähre übersetzen. Ihr Ziel war, wie wir im Gespräch erfuhren, Napier. Hier findet zum Wochenende hin ein Art Deco Fest statt, an dem sie, natürlich der damaligen Zeit entsprechend gekleidet, teilnehmen wollen. Die Rückbank des Rolls war mit Unmengen von Kleidern/Bekleidung gefüllt. Auch hier drei ältere Herrschaften, die ziemlich normal daher kamen und sich freuten, wenn man an den schönen alten Dingen wie ihren Fahrzeugen ebenfalls Freude verspürte.

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Picton ist keine Schönheit, aber eine Strandpromenade mit Palmen kann man hier bestaunen von der aus es auch möglich ist, direkt ins Meer zu steigen. Nebenan dann ein kleiner Sportboothafen, in dem nicht nur kleine Boote vertaut sind. Picton liegt im Herzen des Marlborough Sounds; von hier aus bestehen vielfältige Ausflugsmöglichkeiten in die Inselwelt des Sunds. Für einen ersten Überblick über die Landschaft kann ein Flug sorgen; passend zur Region bietet sich dafür ein Wasserflugzeug an.

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Dann war es an der Zeit, sich in die Schlange am Fährterminal einzureihen und gegen 14:00 Uhr dann an Bord zu fahren. Nicht alle Mitreisenden konnten so komfortabel und mit viel Bewegungsfreiheit wie wir auf allen Decks die Überfahrt genießen; einige waren ganz schön eingepfercht auf ihrem Weg zum neuen Hirten (?). Fast 1 1/4 Stunden ging es dann an den Inseln des Marlborough Sounds vorbei, die meisten waren bis zum Wasser hinunter bewaldet, nicht immer mit dem dichtesten Wald, manchmal sahen wir aber auch riesige vom Holzeinschlag entblößte Hänge. Unsere Fähre nahm nicht den direktesten Weg durch die Insellandschaft, so sah es zumindest aus.

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Ziemlich unspektakulär dann die Einfahrt in die Bucht von Wellington, irgendwie anfangs auch etwas trist, denn die uns begrüßenden Hügel waren eher braun, kein Bewuchs, alles uniform und kaum interessant. Das änderte sich, als die Stadtsilhouette ins Blickfeld geriet. Eine Anzahl von Hochhäusern bildete eine Art Skyline, hinter der dann die Berge aufstiegen. Der Sportboothafen war hier deutlich hochwertiger bestückt als das Pendant in Picton. Auch das was an wassernahen Wohngebäuden/Villen erkannt werden konnte, gehörte in die Höchstpreisklasse. Von Bord gerollt empfing uns dann der Feierabendverkehr einer Großstadt. Wir schwammen in dem Strom stadtauswärts ein kurzes Stück bis zu unserem Campingplatz mit. Ausgesucht wurde er wegen der Nähe zur Stadt, die wir Morgen erkunden wollen. Nicht gewußt hatten wir, daß dieses Gelände in einer Flugschneise des Wellingtoner Flughafens liegt, was uns bis gegen 20:00 Uhr einige Flugbewegungen mit dem dazu gehörigen Lärm bescherte. Nun ist es ruhig, hoffen wir, daß dies bis in den Morgen anhält.

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Kaikoura : bei den Pottwalen und Delphinen

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Sehr früh am morgen klingelte der Wecker, das machte aber nichts, heute stand  doch  Whale watching  auf dem Programm. Laut Veranstalter lag die Wahrscheinlichkeit einen Pottwal zu sehen bei ca. 70%, auch Delphine und Albatrosse sollte man auf der Fahrt sichten können. Kurz vor Beginn der Fahrt zeigte man uns in einem kleinen Raum einen kurzen Film über Wale (Evolutionsgeschichte), danach bekamen wir noch eine  Einweisung, wie wir uns bei einem eventuellen Notfall auf dem Schiff verhalten sollten. Dem Hinweis, dass man an Bord auch seekrank werden könnte und den Tipps, was man dagegen tun kann,  maß ich keinerlei Bedeutung bei.

In der Bucht vor Kaikoura kann man nicht alle Altersgruppen von Pottwalen antreffen, sondern lediglich die heranwachsenden männlichen Pottwale, die bis zur Geschlechtsreife von den kleinen Walschulen sich fernhalten müssen. Da die weiblichen Pottwale wegen der geringer ausgebildeten Fettschicht (Blubber) wärmere Gefilde in Äquatornähe aufsuchen, halten es die Männer in diesem durch Ströme aus der Antarktis besonders kalten und tiefen Wasser besser aus. Zu unserem Glück und zum Glück der Veranstalter, denen so ein Ganzjahresgeschäft mit ihren Fahrten beschert wird.

An Bord des Katamarans stellte sich dann die Crew vor, die aus 4 Leuten bestand. Dem Kapitän, dem Whale watcher, einer Reiseführerin und einer Art Mädchen für alles, welches ein Mann war und welches im Verlauf der Tour noch viel Arbeit bekommen sollte. Auch hier wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass man an Bord durchaus mal Übelkeit verspüren könne. Dann ging es los und die Stimmung an Bord war noch ganz heiter. Während der Fahrt mussten sich alle Passagiere unter Deck in einem Aufenthaltsraum, der mit Stuhlreihen bestuhlt war, aufhalten. Schnell wurde der erste Pottwal gesichtet. Pottwale sind die grössten Zahnwale  und die viertgrössten Wale überhaupt. Sie sind Weltrekordhalter im Tiefseetauchen. Sie können bis zu 3000 m tief tauchen und können dabei ca. 1,5 Stunden unter  Wasser bleiben. Sie ernähren sich von aller Art von Fischen (Tunfische, Haie). Die Wale verschlingen ihre Beute ganz ohne sie zu kauen (ähnlich wie Krokodile). Der größte Fisch, der je im Magen eines Pottwals gefunden wurde, war ein Makohai mit einer Länge von vier Metern.Die Lieblingsnahrung eines Pottwals sind jedoch Tintenfische, besonders liebt er den Riesentintenfisch, der zwischen 12 und 18 Meter lang werden kann. Uns wurde erklärt, dass wenn ein Pottwal auf so einen Kraken trifft ein massiver Kampf in der Tiefe stattfindet, hat doch so ein Riesenkrake auch so was wie Krallen oder Stacheln, mit denen er den Wal verletzen kann. Nach einem Tauchgang kommt der Wal dann für ca. 10 Minuten nach oben, so dass sich das Blut wieder mit Sauerstoff anreichern kann. In diesen 10 Minuten hat man dann die Chance, einen Teil des Wales zu sehen. Der Schwanz bleibt nämlich unter Wasser. Erst beim senkrechten Abtauchen kann man dann die Schwanzflosse des Wales  sehen.

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Auf die Ankündigung hin, ein Wal sei gesichtet worden, stürmte das ganze Boot an Deck  und machte Photos vom Wal, der sich durch uns nicht aus der Ruhe bringen lies. Der Wellengang nahm allmählich zu.  Ungefähr 15 Minuten später wurde der zweite Pottwal gesichtet. Der Katamaran schaukelte ganz schön und das eine oder andere Gesicht der Passagiere nahm schon eine leichte Grünfärbung an. In der hintersten Reihe nahm ich schon leichtes “Gurksen” war. Wieder war es das gleiche Spiel, jeder stürmte auf das Deck, um die besten Photos zu schießen. Leider kann man halt auf diesen Photos nur einen Teil des Wales erkennen und über Bord wollte, nach den Geschichten über das Beuteverhalten  des Wals, niemand  mehr springen. Nachdem der Wal dann abgetaucht war, kehrte man wieder auf seien Platz unter Deck zurück, um zu den Delphinen zu fahren. Die Fahrt dahin gab dann ein paar Passagieren voll den Rest und das “Mädchen für alles” hatte viel Mühe die Spucktüten einzusammeln und neue zu verteilen. Ich musste mich sehr auf die Erklärungen unserer Reiseführerin konzentrieren. Dann endlich wurden die Delphine gesichtet! Ca. 100  Dulphi Delphine die ganz nahe ans Boot heranschwammen und sogar Kunststückchen vollführten. Leider sind diese Tiere verdammt schnell, so dass es mir nicht gelungen ist, richtig gute Photos zu machen. Bei der Rückfahrt dann entdeckten wir noch einmal einen Pottwal, aber leider hatten manche Passagiere kein Interesse mehr, weil sie viel zu sehr mit den Spucktüten beschäftigt waren.  Meine Nachbarin hatte schon die vierte in Gebrauch.

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Auch hier war es wieder das gleiche Spiel mit dem Wal, 10 Minuten ausruhen und dann senkrecht abtauchen.

Um mein Glück des Tages vollständig zu machen, steuerten wir auf eine Gruppe von Wasservögeln zu, unter denen sich auch der Albatros befand.

 

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Ich fand diese Fahrt  ein klasse Erlebnis und hätte es nicht missen wollen (obwohl mir auch ein wenig flau im Magen war).

Abel Tasman National Park

 

Die Zahl des Tages, Sonntag, den 16.2. : 11,2 Grad. Das war morgens kurz vor sieben Uhr die in unserem Camper gemessene Innentemperatur. Es wird ja langsam Herbst, wir merken es frühmorgens. Draußen war es auch nicht wärmer, im Gegenteil. Tau auf der Wiese, der Camper tropfte, auf unserem draußen gelassenen Campingtisch stand das Wasser und die Sonne schien auch nicht, zumindest nicht auf den Teil des Tales, in dem unser Campingplatz liegt. Weiter oben wurden die Berge jedoch bereits beschienen, das ließ auf einen guten Tag hoffen. (Abends gegen 18:30 Uhr wies das Thermometer im Camper fast 30 (!) Grad auf!!!)

Wir waren früh aus den Federn, die ersten in der Küche und bei der Abreise. Grund : so früh wie möglich am Abel Tasman National Park sein, um noch am Nachmittag eine schöne Wanderung in diesem an der Küste verlaufenden NP machen zu können. Bester Ausgangspunkt hierfür das Örtchen Marahau, in einer Bucht gelegen unmittelbar am Eingang zum NP und bei wohl unter 100 ständigen Einwohnern werden hier zwei (!) Campingplätze betrieben. Wie wir später feststellen mussten ist der Wettbewerb so schwach, daß hier Mondpreise verlangt werden, die bereit gehaltenen Leistungen sehr weit z.B.hinter unserem gerade verlassenen Platz in Murchison bleiben, aber deutlich mehr Stellplatzgebühr verlangt wird. Der nach einem 10 minütigen Spaziergang auf die Bucht mögliche Blick ist wohl dann das entscheidende Preisargument. Die 170 Kilometer bis hierhin wollen auch erst absolviert sein, wir brauchten auf der kurvigen Straße 3 1/2 Stunden. Es waren kurzweilige Stunden, denn die Fahrt durch das immer enger werdende Bullertal mit seinen immer voll bewaldeten Berghängen bot optische Abwechslung. An vielen Stellen hier und später auch im Tal des Flusses Motupiko konnten man Aufforstungen bemerken, hier wird in großem Stil Forstwirtschaft betrieben. Vereinzelt sahen wir auch Sägewerke. Die Holzwirtschaft hatte bereits in grauer Vorzeit eine große Bedeutung für die Region; im Grunde wurde jeder vorgefundene Baumstamm im 19. Jhd. gefällt und verarbeitet. An manchen Stellen erfolgten Aufforstungen, an den meisten eroberte sich die Natur ihr Land zurück und schenkt uns heute einen sehr vielseitigen Wald.

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Bei unserer Fahrt durch das Tal des Motupiko und des Motueka sahen wir, woher die heimische Brauereiwirtschaft einen wichtigen Rohstoff, den Hopfen, bezieht. Dieses Gebiet scheint auch der oder ein Obstgarten des Landes zu sein, denn alle erdenklichen Früchte – bis hin zu Apfelsinen (!) – werden hier angebaut und gerne auch direkt vermarktet, was wir natürlich genutzt haben.

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Mit Annäherung an die Küste, die Tasman Bay, schienen auch die in der Ferne sichtbaren Berge wieder zu wachsen, eine größere Höhe zu besitzen; der Fluß, jetzt der Motueka River wand sich wie gehabt in unendlichen Kurven, die wir fahrend nachvollziehen mussten, auf seinem Endpunkt bei Motueka  hin zu.

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Am Vorabend hatten wir bei unserer Planung der kommenden Tage und nach Studium der diversen hier und da abgegriffenen Unterlagen und Broschüren festgestellt, daß es mit der Erfüllung von Katrins Superwunsch, Wale zu sehen, eng werden könnte. Kaikoura, der einzige Ort auf der Südinsel, an dem dies per Boot (und per Flugzeug) angeboten wird, liegt ganz schön abseits; sowohl den Abel Tasman NP als auch Kaikoura unter einen Hut zu bringen, erschien nicht einfach. Insbesondere eine zusätzliche Fahrt von 300 Kilometern ohne Gewißheit einer Durchführung schien nicht sinnvoll. Da war die Zwischenstation Motueka gerade Recht, denn hier befindet sich eine Touristeninformation, über die wir hofften, die erforderliche Klarheit zu erhalten. Und diese Auskunft fiel zur vollen Zufriedenheit und Freude von Katrin aus. Am 18.2. steigt sie um 07:15 Uhr auf ein Schiff von dem aus sie hoffentlich die Riesensäuger live sehen kann.

Sonntags ist in Motueka richtig was los. Es ist Bauernmarkt, auf dem auch nicht landwirtschaftliche Produkte auf Ständen feilgeboten werden; für uns aber wichtig : frisch und direkt vom Erzeugen, da kauft man doch gerne ein. Die nächste Überraschung gab es beim Gang durch das kleine Städtchen. Vor dem Museum standen 10-15 Oldtimer, wirklich alte Schätzchen der Automobilisten, deren ältestes, aber nicht das schönste von 1911 stammte. Da wurde noch Wert auf das Detail gelegt, sowohl bei der Herstellung vor sehr vielen Jahrzehnten, als auch bei der Restaurierung und Pflege. Alle Fahrzeuge toll im Lack und alle, soweit erkennbar, für den Straßenverkehr in Neuseeland zugelassen.

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Man kann ein altes Schätzchen auch auf andere Weise nutzen, wie wir auf unserer Fahrt hierher heute gesehen haben:

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In Marahau angekommen besetzten wir schnell einen Stellplatz, zogen unsere Wanderschuhe an, füllten die Wasserflaschen, packten die Badesachen ein und machten uns auf den Weg zum Nationalparkeingang. Der Abel Tasman Nationalpark ist zwar einer der kleinsten des Landes, weist aber durch seine Lage direkt an der Tasman Bay besondere Vorzüge auf. Neben den geschützten Meeresbereichen vor dem Park, um die Artenvielfalt im Meer wieder zu steigern, zeichnet sich der NP insbesondere durch seine zahlreichen kleinen Sandbuchten, die Lagunen aber auch durch die besonderen Kalksteinformationen im Norden des Parks aus. In Neuseeland gibt es m.W. insgesamt 10 große Trecks (great trecks) durch schöne Landschaften, der Inland Treck hier durch den Abel Tasman NP zählt dazu. Wegen der Aussicht auf das Meer, die Strände, den Wald wird jedoch die Küstenroute von der Mehrheit der Wanderer bevorzugt. Auch wir entschieden uns, der Route entlang der Küste eine Weile zu folgen. Wandern ist eine Möglichkeit, den NP näher kennen zu lernen. Die Mehrheit der hier Ankommenden wählt jedoch einen anderen Weg, den von See aus. Da in den Park keine Straßen oder fahrbaren Pisten hineinführen, geht es nur per pedes oder über die See. Unzählige Veranstalter bieten deshalb Ausflüge zu Boot, Wassertaxi, Kombinationen von Bootsfahrt und Wandern, Kajaktouren zu den Stränden etc. an. Während unserer Wanderung konnten wir miterleben, wie sich Gäste von einem Strand abholen ließen, der nur ca. 1 1/2 Wanderstunden vom Ort entfernt lag. Entsprechend intensiv war dann auch der Schiffsverkehr entlang der Küste.

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Der Wald, durch den wir wanderten, war kein Primärregenwald mehr, den hatten die Holzeinschläger vor weit über 100 Jahren gefällt. Der nachgewachsene typische Küstenwald ist dennoch interessant, Baumfarne stehen hier neben Nadel- und Laubbäumen der Region, der neuseeländische Flachs wuchert überall. Die gesamte Wanderung befanden wir uns im Schatten der Bäume. Vogelgezwitscher haben wir leider selten gehört, dafür jedoch über weite Strecken die Laute der Zikaden. In Neuseeland setzt man große Anstrengungen daran, die Artenvielfalt der Vögel zu erhalten. Das wäre nicht nötig, wenn man nicht vor langer Zeit bei der Bekämpfung der Hasenplage eine falsche Entscheidung getroffen hätte. Man führte einen natürlichen Feind dieses Schlappohrs ein, den stoat, eine Art Marder. Was man nicht berücksichtigt hat war die Lernfähigkeit des Tieres. Hasenfangen war anstrengender als die Nestgelege zu plündern; so wurde der Stoat nicht zum Hasenjäger sondern zum Eierdieb. Die Vogelpopulation ging dramatisch zurück, bis man begann, dem Eierdieb gezielt und massiv mit Fallen nachzustellen. Bereits auf unserer Wanderung im Fjordland National Park hatten wir kleine Fallen am Wegesrand bemerkt; aufgefallen waren uns auch an manchen Bäumen angebrachte rote Dreiecke, die eine fortlaufende Nummer aufwiesen. Als Markierung für die Strecke und als Streckenlängenangabe taugten die Hinweise nicht. Sie sind ein Hinweis, daß sich in unmittelbarer Nähe zu diesem Zeichen eine Falle befindet. In diese wird der Stoat durch ein Hühnerei gelockt. Derartige Fallen säumten auch heute unseren Weg; auf einer Strecke von etwas über 6 Kilometern im Wald waren es fast 70 Stück. Man kann nur hoffen, daß diesmal die richtige Methode angewendet wird. Also wenig Vogelgezwitscher, aber dafür aber oft außerordentliche Strandblicke. Diese Sandstrände lagen in kleinen oder großen Buchten, verbreiterten sich bei Ebbe enorm, bestanden aus feinstem und feinem Sand, waren von Bäumen umsäumt und nur von wenigen besucht. Wir waren fast allein an einem fast 500 Meter langen goldsandigen Strandabschnitt in der Appletree Bay. Natürlich nutzte Katrin die Bademöglichkeit mehrfach in dem azurblauen Meer, während ich die Sonne und den Sandstrand faulenzend genoß.

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Wie man sehen kann, bei Ebbe werden die Pferde gesattelt und die Strände abgeritten. Wir trabten nach 18:00 Uhr zu unserem Stall auf dem Campingplatz, auch um den morgigen Tag zu planen, schließlich wollen wir am Abend in Kaikoura sein.

Der Abel Tasman NP hat nicht nur eine wunderschöne Küste, sondern auch seine binnenlands liegenden Berge und Wälder sind es wert, dorthin einen Abstecher zu unternehmen. Für eine große Wanderung fehlte zwar die Zeit, denn fast 400 Kilometer nach Kaikoura wollen erst gefahren sein, aber einen Blick in die Bergwelt wollen wir doch noch erhaschen. Von Marahau ging es zuerst wieder über die Küstenbergkette hinüber auf die von Motueka nach Takaka verlaufende Nationalstraße, vorbei an der bei Ebbe teilweise trocken liegenden Lagune, durch den Wald des Nationalparks.

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Schier endlos schlängelte sich dann die Nationalstrasse zu einer Passhöhe hinauf, Kurve reihte sich an Kurve, für Blicke in die unter uns liegende Ebene von Matueka gab es selten Gelegenheit. Dann kündete ein Hinweisschild Hawkes Lookout an, ein erstes Zwischenziel. Weit ging der Blick hinunter ins Tal und hinüber zu den umliegenden Bergketten des Kahurangi Nation Parks und der Arthur Range. Auf dem kurzen Wegstück zu diesem Aussichtspunkt wurde auch deutlich, woraus diese Berge und Felsen bestehen, aus Kalkgestein, das sich relativ leicht durch Wasser und Wind in die sonderlichsten Formen bringen lässt.

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Dies ist ein ganz besonderes Merkmal des Abel Tasman NP, was nicht nur an der Küste und den dort vorgelagerten Felsen sichtbar wird, sondern auch zu ganz besonderen Erdformationen im Binnenland des Parks beigetragen hat. Die Harwood Depression ist so ein besonderer Punkt, eine, so haben wir es verstanden, Erdabsenkung auf Grund des durch Wasser in der Tiefe ausgehöhlten Berges. Der Boden dieses Loches soll 400 Meter unter seinem Rand liegen, also ein interessantes Ziel. Bis zu diesem Aussichtspunkt waren wir jedoch schon eine Stunde unterwegs, die Harwood Depression lag zwar nur etwa 25 Kilometer entfernt, davon waren jedoch 20 Kilometer auf Schotterpiste durch die Bergwelt zu fahren, ganz zu schweigen von dem anstehenden mit einer Stunde angegebenen Fußweg. Eine überschlägige Berechnung aller notwendigen Zeiten ergab eine Ankunft in Kaikoura deutlich nach 21:00 Uhr. Das war dann doch zu spät und an Stelle unseres weiteren “Eindringens” in den Park fuhren wir bergab nach Motueka.

Die Strecke nach Nelson verläuft weitgehend entlang der Küste, manchmal auch an größeren Meerinlets vorbei. Während auf der einen Straßenseite das Meer oder Wasser zu sehen ist, wird auf der anderen Seite das Land zu intensivem Obstanbau genutzt.  Je näher wir dem Ort Nelson kommen, desto öfter stehen Hinweise auf Weinbaubetriebe am Straßenrand, sehen wir kleine und größere Rebanbauflächen. Diese Region ist zwar kein räumlich großes Weinbaugebiet, dennoch, ein kleiner Abstecher kann sich lohnen. Kurz bevor wir Rabbit Island erreichen biegen wir ab, um bei dem wohl recht kleinen Winzer von Rimu Grove die dort hergestellten Tropfen zu verkosten, korrekt gesprochen, Katrin verkostet, der Autofahrer bleibt Stofffrei. Mit Blick auf Rabbit Island, die Ruby Bay und viele Reihen von Weinstöcken bei herrlichem Sonnenschein wurden die angebotenen Weine probiert. Katrins Urteil zur Folge konnte keiner der angebotenen Weine mit der heimischen Qualität mithalten. Gut zu wissen, denn die direkt beim Winzer zu erwerbenden Tropfen sind extrem hochpreisig, dafür kann man schon sehr herausgehobene Qualität verlangen.

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Richmond wird durchfahren dann erreichen wir Nelson, eine eigentlich kleinere Stadt mit seinen 50.000 Einwohnern, für Neuseeland und insbesondere diese Region ist es fast eine Großstadt. Groß sind die Städte auch, insbesondere in ihrem Flächenverbrauch. Mehrfamilienhäuser, Wohnsiedlungen und ähnliche kompakte Wohnbebauungen haben wir bislang nirgendwo entdeckt. Die in Europa im Zuge der Industrialisierung entstandene und notwendige Herstellung von Wohnraum für die Arbeiter und ihre Familien fehlt hier; das Land ist und war wirtschaftlich auch anders ausgerichtet. Es dominiert die Einfamilienhausbebauung mit entsprechendem Grundstück drum herum. Entsprechend lange Strecke muß man fahren, um auch bei kleineren Ortschaften bis ins Zentrum vorzudringen. Nelson machte da keine Ausnahme. Am Hafen, seinen Anlagen, unendlich vielen kleineren Betrieben wie auch ansehnlichen Grünflächen und Sportanlagen vorbei fuhren wir in die Innenstadt. Nelsons Stadtgründung geht zwar auch auf die Mitte des 19. Jhd. zurück, davon ist im Kern der Stadt wenig zu sehen. Mehr als eine Handvoll Gebäude aus der Gründerzeit hat nicht überlebt; das enge innerstädtische Geviert wird von mehr oder weniger modernen Funktionalbauten dominiert, meistens bis zu zwei Geschosse hoch, einzig die Stadtverwaltung muß, wie in Bonn, alles um viele Geschosse überragen. Der Spaziergang durch die Stadt fiel kurz aus und endete an der Christ Church Cathedral. Nicht weit hinter Nelson  biegt die Nationalstraße 6 in die Berge ab, wir folgten dem Rai River und dem Pelorus River nach Havelock; anschließend ging es am Kaituna River entlang nach Blenheim.  Berge eignen sich besonders zur Holzwirtschaft, wie wir über viele Kilometer feststellen konnten. Fast rigoroser Kahlschlag wurde betrieben; die Flächen liegen brach, werden aber anscheinend nach einiger Zeit wieder aufgeforstet. Ein schöner Anblick für die Fortwirtschaft, wir sehen die Berge lieber in dunkelgrüner bewaldeter Gestalt.

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Wer kennt Renwick, Blenheim oder die Awatere Region – kaum einer, es sei denn, sein Herz schlägt für Neuseeländische Weine. In den Flußebenen, die hier sehr weit ausfallen, findet man in diesem Gebiet nur unendliche Reihen von Weinstöcken; wie die sichtbaren Wirtschaftsgebäude ausdrücken, produzieren hier keine kleinen Weinbauern, sondern hier wird Weinanbau in industrialisierter Form praktiziert. Der Hunger nach Anbauflächen ist dabei so groß, daß man auch in trockenster Hügellandschaft im weiten Umkreis um den Lake Grassmere Rebstöcke in den Boden gepflanzt hat.

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An der Waima River Mündung, ein extrem breites Flußbett war wieder zu überqueren, hatte uns dann der Pazifik wieder, nun ging es am Meer entlang in Richtung Kaikoura. Den oft sehr schmalen Küstenstreifen teilen sich die Autofahrer meistens nur mit einem Bahngleis. Hier fährt wirklich eine Eisenbahn, nicht nur Güter werden befördert, sondern es gibt auch Personenzüge, wie wir am Bahnhof in Kaikoura sahen. Der Küstenstreifen ist nicht einförmig und glatt, sondern in Teilen windet sich die Straße ganz schön um die bis fast an das Wasser heranreichende Berge. An den zahlreich im strandnahen Bereich im Wasser liegenden großen Felsbrocken bricht sich das Wasser; die größeren werden südlich der Waipapa Bay bis fast nach Kaikoura von den fur seals als Liegeplatz genutzt.

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Dann endlich waren wir um 18:30 Uhr in Kaikoura angekommen, hatten unseren Campingplatz gefunden und machten uns sofort auf den Weg zum Abfahrtsort des Schiffes. Wenn die Zeit am Morgen vielleicht knapp sein sollte, Eincheckzeit ist 07:15 Uhr, ist es nicht ratsam, im Ort herum zu irren. Wie wir feststellten, ein leicht zu findendes Gebäude, direkt neben dem Bahnhof und nur 10 Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt. Nun hieß es auf gutes Wetter für den 18.2. hoffen, damit ein großer Traum Katrins erfüllt wird.

Kaikoura ist ansonsten völlig unspektakulär. Man lebt inzwischen weitestgehend vom Tourismus, und das nicht schlecht. Die Whalewatchingtouren ab Ende der 80ger Jahre waren der Anfang und lösten zahlreiche Investitionen aus. Beherbergungsbetriebe und andere Unternehmen für andere Formen des Naturerlebnisses wurden zahlreich gegründet und werden offensichtlich auch nachgefragt. Für die Menschen vor Ort bringt das Arbeit und Brot, einer der Gründe, weshalb 1987 einige führende Maori, die Arbeitslosigkeit ihrer Stammesmitglieder in der Region vor Augen, das Unternehmen Whale Watch gründeten. Der Kiesstrand vor Ort, wie wohl auch entlang dieses Küstenabschnitts ist weniger Anziehungspunkt für die Massen.

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Nach Katrins Rückkehr von ihrer erfolgreichen Whale Watch Tour am 18.2. – der Bericht steht an anderer Stelle, ihr Herz war voll, der Mund sprudelte nur so über – ging es ohne größere Unterbrechungen zurück nach Blenheim und von dort weiter nach Picton. Hier werden wir am 19.2. unsere Fähre besteigen, um nach Wellington und somit die Nordinsel weiter zu reisen.

Zum Abel Tasman NP

Nach unserem Besuch des Franz Josef Glacier ging es am späten Vormittag weiter auf der Küstenstraße, die aber gar nicht mehr der Küste folgte, sondern sehr lange hinter den Küstenbergen entlang verlief.Obwohl wir schon viele Flußdelten gesehen haben, die Breite des Deltas vom Whataroa River war eine Wucht – so weit man sehen konnte nichts als Kies und Steine im Flußbett und irgendwo dazwischen strömte der dürre Fluß gen Meer. Was noch so auffiel : die seltsamen Ortsnamen wie Harihari, was uns sofort an eine vergangene alte Krimiserie erinnerte. Auch Seen gab es reichlich; kein Wunder, wenn uns überall Menschen mit Angelgerät begegnen bei diesen Möglichkeiten. Weniger um Anglern bei ihrem Hobby zuzusehen sondern um eine kleine Snackpause einzulegen bogen wir zu dem Lake Ianthe ab und waren in einer Oldtimerparade gelandet. Eine Gruppe von fünf alten Morgan Cabriolets stand hier, machten auf ihrer die Süd- und Nordinsel umfassender Rundtour Pause. Sogar aus England und Belgien war man mit seinem Oldtimer angereist, um teilzunehmen. Da muß der Enthusiasmus mindestens so groß wie die Brieftasche sein. Auf jeden Fall, ästhetisch waren die Fahrzeuge und in einem extrem gepflegten Zustand, wie neu. Natürlich bleibt es an einem See nicht aus, daß dort geangelt wird, so auch hier.

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Das Schöne liegt manchmal vor dem Vorbeifahrenden verborgen. So auch der Friedhof von Pukekura, zu dem wir zufällig gekommen sind. Da stehen mehr als einhundert Jahre alte Grabsteine auf meistens nicht mehr gepflegten Gräbern, bei anderen Grabstellen ist erkennbar eine “Belegung” durch die Nachfahren erfolgt. Großzügig und großräumig angelegt wurde dieser Friedhof auf einer kleinen Bergkuppe mit Blick in die Ferne und auf das Meer.

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Das Wort Jade begleitet uns über eine lange Strecke entlang der Westküste. Anscheinend wird hier dieser Halbedelstein in größeren Mengen insbesondere an der Küste und auf den Stränden gefunden. Eine aus vielen kleineren Produktionsstätten bestehende Verarbeitungsindustrie hat sich gebildet. Diese hat natürlich auch ein Zentrum oder eine Stadt rühmt sich dessen. In diesem Fall ist es das Städtchen Hokitika, in das wir abbogen, nicht primär wegen der Jadeschmuckverarbeitung sondern weil der Ort sich als Künstlerort anpreist. Wieder einmal versprach die Werbung mehr als sie halten kann. Ein durch und durch häßlicher Ort präsentierte sich uns direkt am Meer. Mehr oder weniger Einheitsgeschäftsbauten entlang der Hauptstraße, in den Nebenstraßen konnte man sehen, wie der Ort früher, vor dem Jadeboom ausgesehen haben muß. Wer sich für Jadeschmuck interessiert, hier ist die Auswahl zumindest an Geschäften groß; intensive Schaufensterbetrachtung zeigt aber auch die nahezu gleichförmige Gestaltung des Materials, des Schmucks, egal wo man hinsieht. Jade hat auf Asiaten eine besondere Anziehung; so war es fast selbstverständlich, wenn wir die Besatzung eines deutlich als chinesischer Bus gekennzeichneten Ausflugsbusses im größten Jadeladen vor Ort wieder sahen.

Am Strand von Hokitika wurde, wie anderswo auch, das Strandgut, vorwiegend Holz, nicht gesammelt und abtransportiert, liegt also weiterhin am Strand herum. Im Gegensatz zu anderen Stränden haben sich hier aber offensichtlich einige künstlerisch begabte Menschen daran gemacht, das Treibgut für Kleinplastiken zu verwenden, die einen Teil des stadtnahen Strandes beleben.

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Zufällig fiel uns in der Touristeninformation ein Flyer des National Kiwi Centre in die Hände. Die Chance, einen oder mehrere Kiwi leibhaftig sehen zu können, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Dieses Kiwi-Centre entpuppte sich als ein im wesentlichen Fische und Reptilien zeigendes Zentrum, in dem in einem abgedunkelten Bereich auch ein Kiwipärchen sich in einem großen der Natur nachgebildeten Raum aufhält. Vorher im Sonnenlicht mit entsprechender Brille unterwegs und nicht bedenkend, daß die Kiwis eigentlich nachtaktive Tiere sind, somit in dunkler Umgebung sich auch tagsüber aufhalten, versuchte ein Blinder im Dunkel die Tiere zu erkennen. Mehr als Schemen waren dabei nicht wahrnehmbar. Bestätigen kann ich jedoch, dort wo Kiwis sein sollten waren Tiere; wie sie aussahen – ich weiß es nicht. Auch Katrin kann trotz optimaler Sichtbedingung nicht viel mehr sagen als daß dort ein Kiwi herumlief, größer als wir das Tier vermuteten. Da müssen wir also weiter warten, bis uns der nicht flugfähige Vogel der Neuseeländer über den Weg läuft. Was bleibt von diesem Besuch – ein paar Fotos von Fischen, vorzugsweise seltenen ziemlich großen und angabegemäß alten Aalen.

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Viel zu bieten hatte Hokitika uns nicht, wir waren froh, das folgende Uhrgebäude, anscheinend so etwas wie das Wahrzeichen des Ortes, bald im Rückspiegel sehen zu können. Seine Ästhetik entsprach dem hier gewonnenen Eindruck.

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Am Stadtrand von Greymouth fuhren wir einen direkt hinter den Dünen gelegenen Campingplatz an und waren, natürlich, sehr schnell in Richtung Meer unterwegs. Unseren Platz trennte nur eine kleine Wiese von dem Kiesstrand und dem immer noch zu kalten Wasser.  Da zudem auch ein guter Wind blies war die Bereitschaft und das Bedürfnis zu schwimmen selbst bei Katrin sehr gering. Bislang kannten wir nur die lila Kuh von Milka; hier scheint die Werbewirtschaft wohl das lila Pferd entdeckt zu haben, denn ein entsprechend bekleidetes Tier stand hier auf der Weide.

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Am 15.2. verließen wir Greymouth auf der “scenic coastroad”, die uns weiter entlang der Küste nach Norden führte. Irgendwie können wir uns nicht sattsehen an den Steilküsten, Felsküsten, vom Meer umbrandeten Felsen, dem Blick in die Weite über das Meer, so daß Stops unausweichlich waren, obgleich dies bei der engen an den Felsen quasi entlangschrammenden Straßenführung nicht immer einfach war.

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Erstes großes Ziel des Tages waren die Pancake Rocks vor Punakaiki. Dieser Höhepunkt der Westküste konnte niemand übersehen. Riesige Parkplätze waren im Nationalpark gebaut worden, ein großes Besucherzentrum erfüllt alle Wünsche der Gäste, fast alle. Über einen gut ausgebauten Rundweg kann man an dieser besonderen Steinformation direkt am Meer entlang gehen und hat aus verschiedenen Blickwinkeln die Möglichkeit, diese Naturwunder zu bestaunen. Mit etwas Nachhilfe können auch wir schlußendlich der Namensgebung eine gewisse Originalität nicht absprechen, lassen vor allem aber das Bild der Steine, des Felsens auf uns wirken. So wie wir es verstanden haben entstand die Form, die bei gutem Willen aussieht, als wenn Pfannkuchen übereinander geschichtet worden seien, dadurch, daß die Erde schrittweise angehoben wurde und einem schrittweisen Erosionsprozeß unterliegen konnte. Ob das eine korrekte Erklärung für den Zustand, das vorgefundene Bild ist, uns kann es egal sein, was zählt ist der Eindruck, und der war gegeben, beeindruckend.

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Dank der guten Optik von Katrin konnten wir endlich den uns sehr oft begleitenden musikalischen Gast, die Zikade, einmal aus der Nähe betrachten und begrüßen. Ein solch kleiner Körper kann diesen Lärm verursachen – unglaublich aber wahr, zumindest, wenn es ein vieltausendstimmiger Chor ist.

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Das Goldfieber hatte auch Regionen an der Küste im vorletzten Jahrhundert erfasst, insbesondere im Gebiet im Westport. In unserem Reiseführer hatten wir einen kleinen Hinweis auf Mitchell’s Gully Gold Mine gefunden; ein Nachfahre eines ehemaligen Goldschürfers versucht privat die alte Mine am Leben zu erhalten, zahlende Besucher sind da hilfreich. Das Schild gesehen und abgebogen. Wir und einige freilaufende Hühner waren die einzigen Lebewesen vor Ort. In dem kleinen Eingangsgebäude, gleichzeitig kleiner Ausstellungsraum alter Geräte, befand sich ein Hinweis auf den Eintritt, der doch bitte, sollte niemand anwesend sein, durch einen Briefkastenschlitz eingeworfen werden soll. Dieser Aufforderung folgten wir und machten uns auf den kurzen Weg entlang einer alten Lorenstrecke, durch  einige gegrabene Gänge und diverse Hohlräume bis hin zu einem Gerät, mit dessen Hilfe und durch Wasserkraft betrieben das gebrochene Gestein weiter zerkleinert wurde, um dann durch Einsatz von Quecksilber das Gold zu extrahieren. Wir waren auf uns gestellt, liefen den vorgegebenen Weg ab, staunten aber wurden nicht wirklich schlauer. Dennoch, wie die Vorväter hier geschafft haben – alle Achtung. Gerade bereit abzufahren, traf Mitchell ein und erläuterte uns kurz den Schürfprozess.

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Westport, an der Einmündung des Buller River in die Tasman Sea gelegen, interessierte uns nicht wirklich, interessant war jedoch ein Besuch von Cape Foulwind mit seiner Küste und dem alten/neuen Leuchtturm. Die vor dem Cape liegende Bucht erscheint wirklich, wie zu Maori-Zeiten eine geschützte Bucht zu sein; oben von der Klippe hat man einen wunderschönen Rundumblick auf ein Gebiet, das durch seine im Meer liegenden Felsen sicherlich bei stark auflandigem Wind früher für Probleme sorgen konnte. Heute war weit und breit nichts schiffsähnliches zu entdecken. Namensgeber dieses Kaps soll James Cook sein, der hier bei Sturm mit seiner Endeavour festsaß. Wie im übrigen immer wieder bei Namensgebungen ein Bezug zu James Cook hergestellt wird.

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Vom Cape Foulwind fuhren wir nun im wesentlichen ostwärts und lange Zeit im Tal des Buller River, der in Teilen auch besonders für seine Raftingmöglichkeiten bekannt ist. Zu Anfang kommt er noch sehr friedlich daher, dies ändert sich jedoch, sobald das Tal sich weiter verengt.

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Gold wurde nicht nur küstennah gefunden, sondern auch in den Bergen wie z.B. in den Lyell Range haben die Goldsucher erfolgreich Ende des 19. Jhd. geschürft. Viel ist davon heute nicht mehr zu sehen, auf das Wenige, was noch existiert, wird ab und an hingewiesen, so auch auf unserer Fahrt entlang des Buller River, als eine kleine Tafel auf eine ehemalige Goldgräberstätte hinwies. Es war wirklich so gut wie nichts mehr zu sehen, lediglich Hinweistafeln versuchten zu vermitteln, was sich vor Ort befunden hat, wie beschwerlich sich das Leben weit ab vom Rest der Menschheit abspielte. Wie so häufig, Gräber überdauern manche Generation. Ein halbstündiger Spaziergang hinein in den Wald brachte uns zu einem kleinen Friedhof der Goldsucher, auf dem immer noch einige Grabstellen aus der Zeit von 1870 bis 1909 erkennbar waren.

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Die letzten Tageskilometer bis nach Murchison waren schnell gefahren und auf einem sehr schönen Campingplatz mitten im Grünen und an einem Bach gelegen haben wir dann übernachtet. Morgen geht es dann endlich in den Abel NP.

Ins Gletscherland – the southern alps

Eigentlich war uns für den heutigen Tag, der 13.2., strahlender Sonnenschein als Entschädigung für den verregneten Vornachmittag in Aussicht gestellt worden. Zumindest regnete es nicht mehr, aber Sonne am Himmel Fehlanzeige, selten sahen wir partiell blauen Himmel. Stattdessen hingen die Wolken oft sehr tief, eine Weitsicht auf und in die Berge war nur eingeschränkt möglich. Der Mount Aspiring war zwar erkennbar, seine Bergspitze und Teile des Eisfeldes blieben hinter einer Wolkendecke unsichtbar. So verließen wir unsere Bucht in Wanaka und machten uns auf den Weg zur Küste. Erster Zwischenstop bei dem praktisch nur um die Ecke, d.h. 12 Kilometer entfernt, in den Bergen liegenden Lake Hawea, an dessen Südende eine kleine Staumauer den stattlichen See aufstaute. Die nächsten 18 Kilometer verlief die Straße immer am See entlang, rechts der See und links die Bergflanke, verbunden mit schönen Ansichten der schroffen Berghänge auf der gegenüber liegenden Seite. Über einen kleinen Pass ging es wieder zurück zum Lake Wanaka, dem wir auf ebenso gewundener Straße bis zum nördlichen Seeende folgten.

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Nachdem wir eine kleine Ebene durchfahren hatten, umgab uns wieder Urwald, der Regenwald des Mount Aspiring National Park. Durch eine dichte Allee fuhren wir, leider meistens im Regen, Lust auf einen Abstecher in Form eines Spaziergangs zu Wasserfällen, Aussichtspunkten kam da nicht auf. Eine Ausnahme machten wir jedoch, bei den Fantail Falls, auch weil es nicht mehr von oben nässte. Im Grunde kein Wasserfall für den man meilenweit anreist, aber das gesamte Bild, ein breites Flußbett voller Kies mit einem nur träge dahin fließenden Fluß, ein kleiner Wasserfall, der aus dem Urwald kommend in dieses Flußtal hinabfällt und von weitem sichtbar die vielen Steinmännchen, denen einerseits in den Bergen manchmal die Funktion einer Richtungsorientierung zukommt, andererseits aber im Himalaya m.E. auch eine religiöse Bedeutung besitzt. Ein insgesamt schöner Anblick.

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Bei Haast hatten wir den NP hinter uns gelassen und wieder den Pazifik, hier als Tasman Sea, erreicht. Die Sichtbedingungen verschlechterten sich weiter, die möglichen Blicke gen östlich liegende Bergkette wurden vom Wolkennebel aufgesogen. Eines wurde bei der Fahrt entlang der Küste auch deutlich – die hier einmündenden Flüsse hatte alle sehr sehr breite Flußbette, voller Geröll und einem derzeit schmalen Flüßchen.

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Bevor unsere Straße wieder im Bergland verschwand, hielten wir kurz am Knight Point Lookout an. Hier liegen, wieder einmal, einige Felsen vor der Steilküste im Meer, sind hier zu bestimmten Jahreszeiten auch Rast- und Ruheplatz der fur seals – aber nicht derzeit. So blieb das Panorama.

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Vorbei am Lake Moreaki ging es das Flußtal des River Moreaki hinauf um dann hinter den Küstenbergen in Richtung Norden zu fahren.  Relativ eng waren die Täler, die Berghänge gut bewaldet, selten bemerkten wir Gehöfte. Wie generell die gesamte Westküste sehr dünn besiedelt ist. Sicherlich auch damit begründet, daß der nutzbare Landstreifen vor den Küstenbergen oft sehr schmal und somit für die Landwirtschaft nur bedingt geeignet ist. Bei Bruce Bay überquerten wir ein Flußbett, dessen Breite mehr als enorm war und es mit dem Rhein auch im Niederrheingebiet leicht aufnimmt. Und mittendrin oder mehr am Rand dann ein vergleichsweise dünnes Rinnsal.

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Nur ein kurzes Stück verlief die Straße wieder direkt hinter den Dünen und somit am Meer entlang, bevor wir endgültig ins Binnenland in Richtung Fox Glacier abbogen. Für Treibholzsammler muß dieser Küstenstreifen ein ideales Gebiet sein, denn Material lag hier mehr als genug herum und wartete entweder auf den nächsten Sturm oder darauf, abgeholt zu werden. Vor Sandy Beach fielen uns die sehr oft entlang der Küste im Wasser liegenden Felsbrocken auf, ein Merkmal der Westküste, wie auch die oft steil ins Meer fallenden Küstenberge. Dieser Strand ist darüber hinaus auch Anziehungspunkt für Menschen, die sich über Steinbeschriftungen anderen mitteilen wollen. Richtige Halden beschrifteter weißer Steine liegen direkt am Strand und offensichtlich kommen täglich neue hinzu, wie die aktuellen Daten bei den Inschriften belegen.

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Am Nachmitttag gegen 15:00 Uhr waren wir dann auf dem Parkplatz des Fox Glacier angekommen, wie auch unzählige andere Reisende. Und immer wieder kamen neue dazu, oft per Bus, stiegen aus und machten sich auf den kurzen Weg zum Lookout auf den Gletscher. Wenn das Wetter es nur besser mit uns gemeint hätte – trist war es, frisch, wolkig und nicht sonnig. Man will doch das Eis des Gletschers in der Sonne blinken sehen! Heute leider nicht möglich, eine kleine Enttäuschung, damit muß jedoch in Küstennähe immer gerechnet werden. Damit war die ganze Dimension des Eisfeldes weder zu sehen noch zu ahnen, aber einen imponierenden Eindruck hat der Gletscher schon gemacht. Wie in einer Broschüre erwähnt, fällt der Gletscher vom Bergrücken bis ins Tal auf gut 260 Meter Höhe über eine Strecke von 12 Kilometern; seine Mächtigkeit wird mit über 300 Metern angegeben. Vom Parkplatz aus ging es durch das Gletschertal etwa 30 Minuten hin zu einem Aussichtspunkt. Von den umliegenden Bergflanken rann das Wasser nur so herab; die erkennbare jedoch geringe Vegetation wies sehr deutlich darauf hin, daß wir uns in einem (gemäßigten) Regenwaldgebiet (hier ohne Wald) befinden; Steine waren bemoost, Farne wuchsen, also beste Rahmenbedingungen, damit ein Gletscher so richtig lange leben kann!? Wir erfuhren, wo die Gletscherzunge vor vier Jahren sich befand; enorm, wie weit sich das Eis in so kurzer Zeit zurück gebildet hat. Von einer alten Moräne hatten wir den Fox-Gletscher im Blick, konnten seine Eismächtigkeit staunend betrachten, bemerkten eine Art Tunnel, aus dem das Gletscherwasser sehr stark floß. Insbesondere der untere Teil des Gletscherfeldes war nicht weiß, sondern schwarz, d.h. mit Geröll bedeckt. Die von weitem erkennbaren Gletscherspalten in den oberen Gletscherteilen lassen vermuten, daß ein Herumsteigen in diesen Regionen nur Experten vorbehalten ist. Den Amateuren wird unter Begleitung von Bergführern erlaubt, im unteren Eisfeld einige Schritte auf dem ewigen, dennoch schmelzenden Eis zu gehen. Das hätte auch uns gereizt, jedoch bei diesen Wetterbedingungen schien es uns wenig attraktiv zu sein. Wir haben den Fox Gletscher gesehen, er war/ist schön, er ist groß und mächtig, aber sofort kamen uns eigentlich nicht statthafte Vergleiche mit den in Patagonien besuchten Gletschern ins Gedächtnis. Für diese Region ein Highlight, das man gesehen haben sollte, wenn möglich jedoch bei strahlendem Sonnenschein.

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Am nächsten Tag wollen wir uns den Franz Josef Glacier näher ansehen und haben deshalb im Ort in unmittelbarer Nähe einen super Campingplatz gefunden, der seinem Namen, Rainforest Camping, alle Ehre macht. Er liegt in einem Waldgebiet, in dem die alten Bäume aus dem Regenwald noch stehen, Grün ohne Ende um uns herum. Diesen Platz kann man auf jeden Fall weiter empfehlen.

Das Nieselwetter hielt auch über den Abend an, große Hoffnung, am heutigen Tag den Franz Josef Gletscher im Sonnenlicht erleben zu dürfen, hatten wir nicht. Der Morgen war zwar trocken, der Himmel jedoch ziemlich bewölkt, also keine Eile, um den Gletscher von Schummerlicht beleuchtet zu besuchen. Gegen zehn Uhr machten wir uns dann auf den Weg, wie sich herausstellte, keine falsche Entscheidung. Auch hier kann man ein gutes Stück mit dem Wagen in das Gletschertal hineinfahren, wenn man nicht den ganz gemächlichen Zugang zum Gletscher durch eine Mehrstundenwanderung sucht. Schon auf der Zufahrt zum Franz Josef Gletscher wird bei jedem Meter deutlich, hier ist Regenwald. Nicht nur daß es ringsum so von den Bäumen triefte, der ganze Wald machte dies mit seinem Bewuchs deutlich, Farne über Farne, Moos überall. Vom Parkplatz aus liefen wir dann das Gletschertal aufwärts, anfangs noch durch einen Rest von Regenwald. Später sahen wir wie breit dieses Tal ist, dessen Boden vollständig mit Geröll bedeckt war.

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Anfangs konnten wir nur ahnen, wo denn der Gletscher liegen könnte; weit in der Ferne blinkte etwas weißes auf und darüber schien die Sonne zu scheinen. Mehr als eine halbe Stunde liefen wir auf dem Geröll auf unser Ziel zu; wie eine Tafel zu Beginn des letzten Wegstückes auch plastisch belegte, war vor wenigen Jahren der Weg zum Ziel deutlich kürzer. Der Franz Josef Gletscher hat sich in den letzten vier Jahren wie auch der Fox Glacier dramatisch zurück gebildet, obgleich der Zugang an Schnee in den letzten Jahren nicht abgenommen hat. Auf kurze Sicht betrachtet also ein “Phänomen” der Erderwärmung, andererseits heißt es auch, der Gletscher habe im Verlaufe der Jahrhunderte wiederholt sich vor- als auch zurückentwickelt. Aus vom Tal aus nicht einsehbaren Schnee- und Eisfeldern hoch oben in den Bergen werden diverse Wasserfälle gespeist, die immer wieder herabstürzen. Wie groß das Gletschereisfeld wirklich ist, kann man nur aus der Luft beurteilen. Dies mag auch für den einen oder anderen der Grund für einen Helikopterflug über den Gletscher sein, obgleich erkennbar das Fluggerät sehr bald in den Wolken verschwindet. Für uns Kurzwanderer war natürlich dieser Fluglärm störend, er gehört einfach nicht in die Berge.

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Je näher wir kamen desto deutlicher wurden die Ausmaße des Gletschers, der jedoch nur immer wieder für wenige Augenblicke nicht von Wolkenbänken zumindest teilweise verdeckt wurde. Und aus östlicher Richtung blinkte ab und an ein Sonnenstrahl durch. Man läuft nicht gerade und direkt auf das weiße Eisfeld zu, sondern das Gletschertal windet sich leicht nach Osten. Die aus der Bodenperspektive erkennbare Dimension von Höhe, Breite und Tiefe erhält man wirklich erst, wenn der letzte zugängliche Moränenhügel erklommen ist, immer noch sehr weit vom wahrnehmbaren Gletscher entfernt. Da liegt schon ein beachtliches Stück Eisfeld sehr stark zerklüftet vor uns. Hoch hinauf reicht es, steil abfallend. Da muß eine wahnsinnige Kraft bestehen, die den Koloss kontinuierlich nach unten schiebt. Im unteren Bereich natürlich von Geröll übersäht, der allergrößte Teil strahl jedoch mehr oder weniger weiß. Das typische Gletscherblau des Eises haben wir nicht wahrnehmen können; ob es an den Lichtverhältnissen gelegen hat, wissen wir nicht. Aus Sicherheitsgründen wurde der Aussichtspunkt sehr weit vom scheinbaren Gletscherende eingerichtet, obgleich der Geröllhügel direkt neben unserem Ausguck offensichtlich im Innern aus Eis besteht, also Teil des Gletschers ist. Wir waren somit hautnah am Franz Josef Gletscher.

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Das Eis des Franz Josef Gletschers scheint so aktiv zu sein, daß eine Begehung des Gletschers für Touristen nicht möglich ist. Kein Wunder, wenn dann die Massen auf den Fox Glacier sich fokussieren und konzentrieren, wie von uns gestern beobachtet.

Das unten stehende Bild zeigt den Blick vom Gletscher talabwärts und dokumentiert damit auch das Gebiet, das er früher bedeckt hatte. Mitte des 18. Jhd. soll das Gletscherende in Höhe des heutigen Parkplatzes gelegen haben, d.h. nach unserer Schätzung reichte er fast drei Kilometer weiter hinab als heute. Welch künstlerische Kraft im Eis (und Wasser) steckt, kann an der Form einiger Felsen im Gletschertal ersehen werden.

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So langsam schloß sich die Wolkendecke wieder über den Bergen und sank herab, beste Zeit, sich von der Gletscherwelt zu verabschieden. Massen strömen in diese Ecke Neuseelands, die Tourismusindustrie kurbelt beständig die Besucherströme an; es war und ist ein Erlebnis, dies hier sehen zu können, insbesondere, weil diese Gletscher nicht hoch in den Bergen enden, sondern gut 250 Meter über NN. Einen Hype, wie geschehen, würden wir jedoch hierum nicht machen. All die schönen Pläne, wie es möglich ist, einen Panoramablick auf die Bergkette mit der Gletscherwelt zu erlangen, waren bei diesen Witterungsbedingungen Makulatur. Es heißt, im Lake Matheson würden sich die Gipfel und Gletscher spiegeln, was wohl wahr ist, denn dieser See liegt mehr als 20 Kilometer in Richtung Küste. Eine schöne Illusion, denn prüfen können und wollen wir diese Empfehlung nicht. Den einen und anderen Blick auf einen kleinen Ausschnitt der vom Westen sichtbaren Berg- und Gletscherwelt haben wir werfen können, das große Ganze blieb uns leider verborgen. Das ist sehr bedauerlich aber nicht zu ändern. So werden wir uns die nicht gehabten Eindrücke über das Betrachten von Fotos in Bildbänden verschaffen müssen. Auch eine Möglichkeit, aber weit schlechter, als live und in Farbe vor Ort.

Am Lake Wanaka

Die am Vortag noch vage geplante kurze Wanderung am Nachmittag fiel ins Wasser, nicht weil es regnete, sondern die Sonne schien so stark, daß nach Katrins Auffassung beste Bedingungen für einen Waschtag bestanden. Diese Alltagsangelegenheiten wollen ja auch immer wieder bewältigt werden und nicht überall besteht eine so gute Gelegenheit wie hier auf dem Campingplatz mit einer großen Laundry. Während die Wäsche trocknete ließen wir es uns auch in der Sonne gut gehen und legten die Füße hoch.

Diesen Campingplatz hatten wir auch mit Blick auf die von hier aus leichter zugänglichen Wandermöglichkeiten im direkten Umfeld aber auch im nicht weit entfernt beginnenden Mount Aspiring National Park gewählt. Vor allem eine Ganztagestour hatte unser Interesse geweckt, der Rob Roy Glacier Treck, an dessen Anfang wir über eine Schotterstraße im Tal des Raspberry Creek kommen. Zu unserem Glück, die in der Stadt erworbene Karte enthielt über diese Wanderung keine näheren Informationen, erkundigten wir uns am Morgen im Campingbüro. Ja, der Trail sei sehr schön, wir müssten etwa 45 Kilometer von hier aus in den Park hineinfahren, der größte Teil der Strecke sei aber nur eine Piste. Dies schreckte uns nicht, auch wenn nicht unbedingt im Einklang mit den Mietbedingungen, viel bedeutsamer war der Hinweis, für den Nachmittag sei hier im Gebiet Starkregen angekündigt worden, was für uns zum Problem werden könnte, denn bei der Fahrt in den Park müssten wir drei Furten mit dem Wagen durchqueren, die nach Regenfällen nicht unbedingt passierbar wären. Damit war dieses Wanderziel in unerreichbare Ferne gerückt, schade aber nicht zu ändern. Diesem Bach/Fluß (Raspberry Tal), der in der Bildmitte durch sein breites steiniges Bett auffällt, hätten wir in den Park folgen müssen :

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Stattdessen machten wir uns auf den Weg, den nur fünf Kilometer entfernt beginnenden Roys Peak Treck, mit 16 Kilometern angegeben, zu wandern. Schöne Fernsicht nicht erst von seinem Gipfel auf 1.578 Metern wurden in Aussicht gestellt. Es war eine unspektakuläre Wanderung, die uns fast zwei Stunden nur anstiegen ließ, lange Zeit über Schafsweideland, dann, unweit des Gipfelrückens, durch unwegsameres Gelände. Besonders anstrengend war die Wanderung nicht, auch wenn wir ein flottes Tempo trotz des oft heftigen Anstiegs anschlugen. Im Gegensatz zum Vortag, an dem die Sonne nur so strahlte, war der Himmel bedeckt und mit 20 geschätzten Wärmegraden lagen wir wohl richtig. Zum Wandern angenehme Bedingungen. Die uns versprochenen Aussichten und den Fernblick hatten wir, nicht erst von der Bergkuppe. Weit unter uns breitete sich der Lake Wanaka aus, später konnten wir sehen, wie der leicht nordöstlich liegende Lake Hawea um einen Bergrücken lugte, die Berge des Mount Aspiring National Park, die deutlich über 2.000 Meter hoch sind, waren leider meist in der Spitze von Wolken umgeben, die Bergkette aber erkennbar. Schließlich an unserem letzten Aussichtspunkt angekommen, konnten wir den Lake Wanaka in seiner kompletten Nordausdehnung, er ist über 45 Kilometer lang, überblicken. Heute war nicht der Weg das Ziel, sondern der Blick in die Ferne; dieses Ziel haben wir erreicht.

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Die ersten Regentropfen trafen uns als wir vom Bergsattel zum Roys Peak aufsteigen wollten, etwa 10 Minuten Weg und keine 100 Höhenmeter vom Ziel entfernt. Angesichts des angekündigten Starkregens, dem zu beobachtenden schnell vorwärts- und Richtung Tal schiebenden dunklen Wolkenmassen, die unter Umständen uns weiter oben nicht nur naß gemacht, sondern optisch in Watte gepackt hätten, verzichteten wir auf die letzten Meter, der Blick, den wir bereits genossen hatten, war ja heute das Ziel, und bemühten uns, schnell in Richtung Tal zu kommen. Nicht alles was angekündigt wird, tritt so und in vollem Umfang ein; der Starkregen verschonte uns, die wenigen Regentropfen, der leichte Regen konnte uns  nichts anhaben, also wurde Tempo beim Abwärtswandern herausgenommen. Wir hatten sogar noch einen Blick übrig für eine kleine Grabstelle etwa 200 Meter oberhalb der Straße am Hang mit Blick auf den See gelegen. Hier wurde ein alter diesem Flecken sehr verbundener Neuseeländer vor vielen Jahren beerdigt.

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Die eigentlich für den Verzehr auf dem Gipfel vorgesehene Vesper aßen wir notgedrungen dann im Camper bei leichtem Regenfall. Viel früher als geplant aber trocken waren wir auf dem Campingplatz zurück. Den Menschen der Region hätten wir, nun unter dem sicheren Dach des Campers, gerne heftigen Regen bis zum nächsten Morgen gewünscht, denn die Trockenheit hält hier schon bedenklich lange an und Wasser von oben wird von vielen sehr gewünscht.

Das lebende Museum Arrowtown

Nach unserem Verständnis von alt ist Arrowtown dies wirklich nicht, denn was sind schon 150 Jahre Stadt-/Dorfgeschichte? Dennoch wollten wir uns diese piktoreske Städtchen ansehen, dessen wichtigste Usprünge auf die Goldgräberzeit um 1860 zurück gehen. Wie durch Kulissen gingen wir auf den wenigen Straßen des alten historischen Ortes. Die Mehrzahl der damals erstellten Häuser ist erhalten, zeitgemäß restauriert und vor allem mit Leben gefüllt.  Arrowtown lebt von dem Bild eines Museums insbesondere im Sommer sowie von seiner Nähe zu einigen Skigebieten im Winter. Auch heute schlenderten gegen zehn Uhr viele Touristen durch den Ort, nutzten die zahlreichen Gelegenheiten einzukehren, bescherten den nicht gerade wenigen Boutiquen Umsatz.

Nachdem 1862 in dem an Arrowtown vorbeifließenden Arrow River Gold gefunden wurde, zu dieser Zeit entdeckte man auch in anderen Gebieten des heutigen Otago dieses Metall, strömten die Glück- und Goldsuchenden hierhin. Der Goldsegen versiegte bald, m.E. gegen 1880, aber die Grundlage für die Stadtentwicklung war gelegt. Heute kann man die hölzernen Geschäftsgebäude entlang der Buckingham Street bewundern, auch die rückwärtigen Gebäude an der Ramshaw Lane stammen oft aus dieser Gründerzeit. Alles hat etwas von einer Puppenstube, nicht jedermanns Geschmack, schön, für einen ganz entspannten Rundgang.

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Da wo Menschen leben werden auch Kirchen erbaut. In der Zeit von 1871 bis 1873 bauten die anglikanische Kirche (St. Pauls), die Katholiken (St. Patricks) und die Presbyterianer (St. Johns) ihre Gebäude, alle in Holz, alle klein aber schmuck anzusehen.

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Bevor in Neuseeland der Goldrausch ausbrach, strömten die Goldsucher bereits in Richtung Amerika, dann nach Australien. Unter ihnen auch eine große Zahl von Chinesen aus dem Kanton Huantchou (?). Sie bauten sich abseits des Ortes in der Nähe des Arrow River ihre kleinen Hütten und lebten dort weitgehend abgeschieden vom Rest der Bevölkerung. Es wird berichtet, daß (nur) etwa 20 Chinesen dauerhaft hier lebten; während der wärmeren Zeit kamen aus anderen Regionen weitere chinesische Goldsucher hinzu. Diese kleine Gemeinde hatte alles, einen Krämer, der zugleich auch ihr Sprachmittler gegenüber den Neuseeländern war, die Korrespondenz mit der Heimat bewerkstelligte, denn die hierher gekommenen Männer hatten ihre Familie daheim gelassen und hofften, in einer überschaubaren Zeit durch das Goldschürfen genügend Mittel zu erwerben, um daheim sich als Landwirt niederlassen zu können, was nur wenigen gelungen zu sein scheint. Oft hatten sie einen kleinen Garten, den sie zum Anbau von Gemüse nutzten, was zugleich eine Lebensgrundage für manchen von ihnen war, als die Goldfunde versiegten. Für uns heute befremdlich zu hören, daß diese kleine chinesische Kolonie sich der Anfeindungen der europäisch stämmigen Bevölkerung erwehren mussten; sie ertrugen diese Außenseiterstellung. Der heutigen Politik war die damalige Fremdenfeindlichkeit, die sich auch darin zeigte, daß sie von dem Versorgungssystem des Landes bis weit ins 20. Jhd. ausgeschlossen waren, so peinlich, daß man sich nicht nur zu einer offiziellen Entschuldigung gegenüber den Nachfahren durchrang, sondern auch sich bemühte, die damalige Geschichte aufzuarbeiten und die Reste ihrer Siedlung zu bewahren. Auch wir profitierten davon, denn sonst wären die wenigen damaligen Hütten der chinesischen Siedlung  völlig verfallen. Die ersten drei Bilder zeigen das Haus und den Laden des chinesischen Krämers, der offensichtlich durch ein Holzgitter geschützt seine Ware verkaufte; die Toilette war ein abseits stehenden kleines offenes Steinhäuschen. Die Häuser waren aus geschichteten und vermörtelten Steinen gefertigt. Ersichtlich wohlhabender muß der Krämer gewesen sein, denn die Hütten der einfachen Goldsucher waren deutlich kleiner und bescheidener.

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Die Häuser der europäischstämmigen Goldsucher stehen in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt, sind schmucke restaurierte Holzhäuser.

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Nach so viel Puppenstube zog es uns dann wieder hinaus in die Realität. Es ging in Richtung Wanaka, ein Ort, der am Südufer des gleichnamigen Sees liegt. An Stelle einer in unseren Augen langweiligen und deutlich weiteren Fahrt durch die Täler nahmen wir den direkten Weg über einen gut 1.000 Meter hohen Pass, in dessen Umfeld einige der Skigebiete liegen. Die Aussicht entlang der Strecke war toll, wir konnten bis hinüber zum Lake Wakatipu, die dahinter liegenden Thomson Mountains und natürlich auf Teile von Queenstown blicken. Genau so deutlich wurde, wie trocken es in den zurückliegenden Monaten war. Nur dort, wo mit Bewässerung/künstlicher Beregnung nachgeholfen wird, bestehen grüne Flecken, ansonsten schaut man auf trockenes Gras. Selbst auf den Golfplätzen kann man wohl nicht mehr von den “greens” sondern von den “browns” reden.

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Nach Überquerung des Passes ging es das Tal des Cardrona River hinunter. Kurve reihte sich an Kurve, links und rechts nur Gras tragende Bergflanken, irgendwie langweilig, denn auch die Weitsicht war  nicht gegeben, wir schraubten uns nur abwärts. Dann, wir waren am Talanfang angekommen, standen einige wenige Holzhäuser am Straßenrand, ein Ortsschild nannte diesen Flecken Cardrona. Wieder ein Überbleibsel der goldenen Jahre, denn wir standen dann vor einem Hotel und Kneipe, das aus den 1860er Jahren stammte und auch heute noch als solches betrieben wird. Mit einer kleinen Tafel wird auf einen ehemaligen Besitzer, Peterson, hingewiesen, der auch noch im Alter von 90 Jahren hinter dem Tresen stand und die Geschicke des Ladens lenkte. Offensichtlich benötigt man eine Alkoholausschanklizenz denn es heißt, diese habe man dem 90-jährigen entzogen, worauf er dann im Alter von 91 Jahren verstarb. Die Nähe zu einem Skigebiet sorgt wohl heute für ein anderes zahlungskräftigeres Publikum als zu Goldgräberzeiten.

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Irgendwann endet auch die längste Anfahrt, die heutige nach Wanaka war nur knapp 70 Kilometer lang. Wanaka ist zwar auch ein touristisch geprägter Ort, Geschäfte und Lokale nicht nur an der Seefront richten sich ausschließlich an dieses Publikum, der Gästezuspruch ist auch sehr groß, aber es geht hier alles etwas ruhiger und entspannter zu. Den Anspruch, den Gästen den neuesten Kick zu präsentieren, hat man hier nicht. Es gibt einen wunderschönen badefähigen See und Berge, die erwandert werden wollen. Das sollte doch ausreihen. Der Mount Aspiring Nationalpark bietet viele Möglichkeiten für kurze, Tages- und Mehrtageswanderungen. Die Wahl unseres Campingplatzes an einer Bucht des Lake Wanaka aber 10 Kilometer vom Ort entfernt gelegen, wurde auch vor dem Hintergrund eines leichten Zugangs zum Nationalpark gewählt. Es war eine gute Wahl, denn wir blicken direkt auf den See, den Katrin ebenfalls zu ihrem “allerliebsten See” erkoren hat, nicht nur, nachdem sie in ihm geschwommen ist.

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Queenstown links liegen (ge)lassen !

Sonntags sollte man ruhen, wir strebten dennoch weiter, wenn auch sehr geruhsam. Das Fjordland hat uns sehr beeindruckt, wir hätten auch den einen oder anderen Tag an Katrins allerliebstem See noch verbringen können, aber der Weg nach Picton muß auch noch bewältigt werden und bis dahin gibt es noch so viel Neuseeland zu sehen! Über Queenstown liest man viel in den Reiseführern, malerisch am Lake Wakatipu gelegen, tolle Berglandschaft als Hintergrundkulisse, viele Outdoormöglichkeiten und unzählige Drehorte für “Herr der Ringe” in akzeptabler Entfernung. Dies schien uns das richtige Ziel, nur knapp 200 Kilometer Fahrt waren zu bewältigen.

Von Te Anau ging es fast 80 Kilometer ostwärts auf Mossburn zu, eine Strecke, auf der wenig Neues zu erkennen war. Immer sanfter und niedriger werdende Berg-/Hügelzüge waren unser Begleiter, das Mararoatal und das Tal des Oreti River wurde immer breiter, beste Bedingungen für den Hauptexportschlager Neuseelands, die Fleischproduktion.

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Wobei gesagt werden muß, nicht alle Berge waren austauschbar; ab und an bemerkten wir Bergzüge, die aussahen, als wäre ein Stück Papier zusammengeknäuelt worden, scharfe Kanten, tiefe Einschnitte und auf allen Bergrücken fast kein Baumwuchs. So rollten wir vor uns hin, räumten ab und an die Straße, um den eiligeren Fahrern Platz zu machen. Von Mossburn nahmen wir dann eine Verbindugsstraße nach Five Rivers, um auf der Nationalstraße 6 nach Queenstown zu kommen. Dier Bilder ähnelten sich, Dörfer passierten wie praktisch nicht und wenn, waren es nur sehr wenige Häuser, große Gehöfte waren auch nur sehr selten sichtbar. Aber Schafe grasten immer wieder auf den Weiden, in vielhunderter oder tausender Stückzahl. Wir hatten gerade den Flecken Fairlight passiert, als wir rechter Hand einen großen Schafauftrieb sahen. Kurz beraten, dann drehten wir um, um uns das Spektakel aus der Nähe anzusehen. Kaum waren wir in Sichtweite der Gatter, wurden wir schon von Tom, so der Name des Schafszüchters herbeigewunken und stiegen in das erste Gatter, in dem sich Lämmer befanden. Tom klärte uns über die Schafszucht ziemlich umfassend auf. Heute ging es vorrangig darum, die Lämmer von den Muttertieren zu trennen und die Böcke abzusondern. Bei den Lämmern stand die Kennzeichnung an, den Böcken sollten, soweit noch nicht geschehen, die Testikel in die Bauchhöhle geschoben werden, um die Zeugungsfähigkeit zu begrenzen. Schließlich sind auch noch die Schafe, die einen Merinoeinschlag haben, erkennbar an dunkler Nase oder teilweise dunkler Nase, auszusondern. Jeder Schafsjahrgang erhält eine andersfarbige Marke. Damit ist es leichter, diese nach etwa sechsjährigem Dasein insbesondere als Wollproduzent oder Gebärmaschine in die letzte Stufe der Verwertungskette zu schieben. Neuseeland ist hinsichtlich Schafsfleisch der größte Produzent auf der Welt. Bemerkenswert, wie die Schafszüchter ohne jegliche staatliche Hilfe über die Runden kommen. Tom meinte, da wir keine Unterstützung erhalten, kann die Politik uns auch nicht hineinreden. Dennoch kämpfen auch sie immer wieder mit den Nachfragezyklen, sich ändernden Moden; ihre Anpassungsgeschwindigkeit ist jedoch relativ gering, so daß es dann bei dem einen oder anderen Schafszüchter auch zu Notlagen kommen kann. Tom selber gehört zu den großen Züchtern; seine Herde ist insgesamt 14.000 Schafe stark, daneben stehen noch 500 Rinder/Kühe auf der Weide. So viel Vieh benötigt große Weiden, Toms Ländereien umfassen rund 5.000 Hektar, die zum größten Teil als Weideland genutzt werden, daneben baut er Futtermais an und muß Heu für die Winterfütterung der Kühe/Rinder machen. Im Winter stallt er zu seinem Rindviecherbestand weitere 300 “Gast”viecher ein, die er durch die kalte Zeit gegen Entgelt durchfüttert. Seine Auskunftsbereitschaft war enorm, zwischendurch treiben er und seine Hunde immer wieder Schafe in das letzte die Separierung ermöglichende schmale Gatter. Das alles wurde von ihm und zwei Helfern bewältigt. Scheinbar benötigt man auch in dieser Größenordnung nicht mehr Mitarbeiter. Nach einer guten halben Stunde machten wir uns mit neuen Informationen gefüttert wieder auf den Weg.

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Auf den folgenden fast 20 Kilometer bis nach Kingston, einem kleinen Flecken am Südende des Lake Wakatipu hatten wir den Eindruck, durch Toms Ländereien zu fahren, denn er deutete an, daß diese sich zu beiden Seiten des Gehöfts entlang der Straße erstrecken. Dann kann man die Größe sich leichter vorstellen.

Und wieder einmal erreichten wir einen See, einen der größten Neuseelands, der sich über 80 Kilometer von Kingston im Süden bis nach Kinloch im Norden erstreckt, relativ schmal ist und auf den Längsseiten von stattlichen Bergrücken und Gipfeln beschattet wird. Die Straße schlängelt sich am Uferstreifen entlang, Kurve um Kurve ist zu fahren. Manchmal gibt es die Möglichkeit, in Ruhe auf den See zu blicken, die eine oder andere wird von uns wahrgenommen.

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Bei Frankton macht der See einen Schlenker in Richtung Westen, ab hier beginnt auch die intensivere Bebauung der Ufer- und Hangregion. Dies setzt sich die kommenden sieben Kilometer bis nach Queenstown fort, um dann in der Stadt selber noch um etliche Galaxien getoppt zu werden. Die Stadt soll etwas mehr als 7.000 Einwohner haben; ein Vielfaches davon schob sich am frühen Nachmittag durch die Innenstadt. Diese hat für uns erkennbar nichts, weshalb man hier unbedingt herumlaufen müsste, ein Geschäft reiht sich an das nächste, die Gebäude bestehen im wesentlichen aus Appartementanlagen und Hotels. Wir sind in klein Malle gelandet, kein Ort, zu dem es uns hinzieht. Queenstown ist das Mekka für die Outdoorfreaks, hier gibt es alles und noch viel mehr. Allein die bestehenden verschiedenen(!) Bungeemöglichkeiten sind mit der Zahl sieben nicht vollständig erfasst. Dieses unfassbare Angebot zu Wasser, auf dem Boden und in der Luft zieht natürlich sein vorwiegend junges Publikum an, aus allen möglichen Ländern. Dazwischen dann Gruppen chinesischer Reisender, die sich offensichtlich hier genau so wohl fühlen wie wir. Uns hat dieser als Zielort auserkorene Ort so beeindruckt, daß wir keine Möglichkeit hatten, ein einziges Foto zu machen, so schnell verließen wir dieses hektische und laute Queenstown. Natürlich kam dann auch der angestrebte Campingplatz in dieser Stadt für uns nicht in Frage. Wir ließen Queenstown links liegen und orientierten uns über eine Nebenstraße nach Arrowtown, nur rund 20 Kilometer in den Bergen entfernt und viel viel ruhiger und entspannter.

Geruhsam wurde es, kaum hatten wir die Ortsgrenze hinter uns gelassen; dann mussten wir eine einspurige Brücke passieren, von der wir einen schönen Blick auf einen kleinen Fluß hatten, der sich sein Bett durch den Stein gefräst hat. Hier holte uns dann die atemlose Hetzjagd nach immer neuen Herausforderungen ein; kaum hatten wir auf einem Parkplatz hinter der Brücke angehalten, sahen wir die Schilder “shotover jet”, wir waren an einer Station dieser Art von Bootsfahrt angelangt. Der thrill besteht wohl darin, mit hohem Tempo auf der Wasseroberfläche durch möglichst kurvenreiche und enge Stellen wie dieses Flußbett zu rasen. Interessenten gibt es genug. Immer wieder kamen aus der Stadt Reisebusse voller Interessenten hochgefahren!

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Wenige Minuten später waren wir in Arrowtown angekommen, dessen Erkundung am Montag erfolgen soll. Da Katrin sowohl auf der Straßenkarte als auch kurz vor der Ortseinfahrt in Form eines Schildes einen See, den Lake Hayes, in der Nähe lokalisiert hatte, die Auskunft auf dem Campingplatz, das Wasser sei zwar kalt, aber nicht extrem kalt, nicht negativ war, starteten wir direkt nach dem Einchecken zum Wassertest an dem 6 Kilometer entfernten See. Er war wirklich schwimmbar, auch wenn kaum einer diese, zugegeben sehr kalte, Erfrischung nutzte. Katrin war wieder einmal in ihrem Element, auch ich konnte mich überwinden, und badete/schwamm. Und ein neuer “allerliebster See” war entdeckt.

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Milford Sound – nur zweiter Sieger

Nachdem wir uns am 9.2. zum Milford Sound aufgemacht haben, ist es uns möglich, ein für uns endgültiges Urteil im Vergleich beider Reiseziele zu fällen. Um Längen liegt in unserer Wertung der Doubtful Sound vorne. Das Hafenterminal in Milford Sound umfasst nicht weniger als 10 (!) Anlegestellen für Ausflugsboote, die allesamt sehr große und damit größere Ausmaße haben als unser Bötchen für den Doubtful Sound.  Während wir uns im Passagierterminal, modern mit fünf Schaltern für die verschiedenen Veranstalter, umsahen, lagen noch drei Boote abfahrtbereit im Hafen, drei weitere waren erkennbar auf der Rückfahrt. Vom Terminal wegfahrend bemerkten wir zwei weitere zurückehrende Boote. Auf den riesigen Parkplätzen standen 14 große Reisebusse sowie mehr als 10 Kleinbusse und warteten auf ihre zurückkehrenden Fahrgäste für den Abtransport. Die vier sehr großen Parkplätze für die PKWs und Camper waren fast bis auf den letzten Platz gefüllt, d.h. hier standen mehrere hundert Fahrzeuge. Ein Ausflug auf dem Milford Sound, Dauer etwa 1 1/2 Stunden, ist ein extremes Massengeschäft; auf dem Fjord begegnet man immer wieder den anderen Booten, ungestört ist man nicht. Und oben drüber fliegt dann noch eine Propellermaschine mit seinen Gästen oder man wird von einem Hubschrauber umkreist. Ruhe im Fjord – das gibt es nur in der Werbebroschüre und im Traum. Alle, die sich hierhin auf den Weg machen, verleben sicherlich eine schöne Zeit auf dem Boot, aber mit unseren Eindrücken ist das nicht vergleichbar. Hier werden pausenlos tausende von Gästen herangekarrt, jedes Schiff dreht bis zu 6 Mal täglich seine Fjordrunde. Das wäre nichts für uns gewesen. Das kleine Boot mit überschaubarer Gästezahl, die entstandene Stimmung, an das kommen die Massenveranstaltungen auf dem Milford Sound nicht heran. Der Fjord selber kann sich, so unser Eindruck aus dem Blickwinkel von an Land stehenden Beobachtern, durchaus sehen lassen. Die Berge, vermutlich sogar etwas höher als im Doubtful Sound, steigen oft sehr steil aus dem Wasser auf, weisen soweit erkennbar jedoch weniger Bewuchs im Vergleich auf, was ggf. auch an der Steilheit und den fehlenden Wurzelmöglichkeiten liegen mag. Er ist eng, weist jedoch nach unserer Kenntnis bis auf die Einmündung in die Tasman Sea keine Inseln auf. Bei schönem Wetter so wie heute sicherlich auch ein besonderes Erlebnis.

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Eine Ungenauigkeit müssen wir korrigieren. Auch wir haben die in den Karten und Reiseführern seit Menschengedenken gebräuchlichen Namensbezeichnungen z.B. des Milford Sound übernommen, sprechen aber immer von Fjord, und das ist gut und richtig so. Den früheren Namensgebern, oft aus dem englischsprachigen Raum war der Unterschied zwischen Sund und Fjord nicht so geläufig, deshalb wurde alles gleich benannt, gleich ob es sich um einen Sund oder einen Fjord handelt. Nun ist ein Sund ein Flußtal, das auf Grund des Absinkens des Landes geflutet wurde, während der Fjord glazialen Ursprungs ist und durch die Masse und die Reibung des Eispanzers über zehntausende von Jahren geformt wurde. Sie weisen deshalb auch ein u-förmiges Aussehen mit steilen Bergflanken auf. Nun werden wir uns nicht anmaßen, die eingeführten Namen zu korrigieren, werden jedoch dort, wo es u.E. um einen Fjord handelt, diesen auch so benennen.

Unser heutiger Landausflug zum 140 Kilometer von Manapouri entfernten Milford Sound führte uns an eindrucksvollen Landschaften vorbei. Kurz vor Te Anau trafen wir auf den große Ausmaße besitzenden Lake Te Anau, den größten See auf der Südinsel, dem wir gut 30 Kilometer folgten. Nicht immer hatten wir Seeblick, da die Straße immer wieder vom Ufer wegführte, bemerkten jedoch ein wunderschönes Panorama und ab und an einen sehr kiesigen Strandabschnitt. Ein Blick auf die Karte zeigt auch, die Berggipfel hier im südlicheren Teil des Nationalparks liegen im allgemeinen unter den Gipfeln, die den Milford Sound umgeben.

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Bei Te Anau Downs, der Fähranlegestelle für diejenigen, die an den Anfang des Milford Trails wollen, entfernt die Straße sich zunehmend vom See, es wird kurvenreicher und hügeliger. Dann überquert man die Nationalparkgrenze und fährt von da an über viele Kilometer unter einem dichten Blätterdach, durch einen naturbelassenen alten Wald. Ab und an erkennen wir auch Methusalems, große Stammumfänge sind wahrnehmbar. Hin und wieder gibt es an der Straße Hinweise zu möglichen langen oder kurzen Wanderungen, sonstige Sehenswürdigkeiten. Der Eglinton River hat im Verlaufe seiner Existenz wiederholt sein Flußbett verändert, Totarme sind entstanden, um die sich herum oft ein schöner Wald gebildet hat. Die Mirror Lakes gehören dazu, spiegelt sich der Wald in besonderem Maße auf der Wasseroberfläche. Etwas später öffnet sich das Eglinton Tal sehr weit, teilt sich in einen östlich und westlich verlaufenden Arm. Bis zu dieser Stelle sind offensichtlich Siedler vorgedrungen, die weiten Wiesen und Weiden eigneten sich gut für die Viehzucht. Jedoch die Tiere zum Markt zu treiben, war eine sehr aufwendige 9-tägige Anstrengung, um über die Berge nach Queenstown zu gelangen. Wie es heißt, zog man sich bald aus dieser sehr abgelegenen Region zurück. Was bleibt ist ein Blick hinauf ins Tal; was wir vor Ort gefunden haben ist eine Luftaufnahme von diesem Ort bis hinüber zum Milford Sound.

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Malerisch gelegene Seen kann man auf der Strecke hinüber zum Milford Sound besuchen. Lake Fergus und Lake Gunn, die auf nicht ganz 500 Meter Höhe liegen, gehören dazu, wie immer und natürlich in den Wald eingebettet, natürlich gibt es einen grobkiesigen “Strand” und natürlich wird die Temperatur von Katrin getestet. Ihr Urteil, kälter als der Lake Manapouri, also wird es nichts mit einem Sprung ins sehr kalte Wasser.

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Dann geht es stetig das Tal des Hollyford River bergauf. Die Berge rücken enger an die Straße heran, mit dem Anstieg nimmt die Dichte der Bewaldung ab, immer wieder kann man sehen, wo große Bergabbrüche starke Steinlawinen erzeugt haben, die ab und an auch die Straße, eigentlich die Passstraße, überrollten. Die Berge wachsen höher als zuvor neben uns auf, blanker Fels dominiert. Immer wieder sieht man auch ewiges Eis auf den höheren Bergkämmen und –spitzen. Die gegebenen Haltemöglichkeiten nutzen wir , um uns diese imposante Bergwelt, die oft über 2.000 Meter hinausreicht, anzusehen.

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Dann sind wir am Homer Tunnel, etwa 1.300 Meter lang, der Scheitelpunkt der Strecke bei 945 Metern. Durch eine einspurige im Wechsel zu befahrende heutigen Sicherheitsanforderungen bei weitem nicht mehr genügende Röhre geht es mehr oder weniger steil abwärts. Eine Fluchtröhre erkennen wir nicht, ob es eine Videoüberwachung des Tunnels gibt, wissen wir nicht, ein Hinweis darauf war nicht erkennbar. Unwohl haben wir uns nicht gefühlt, obgleich der Tunnel praktisch unbeleuchtet ist, was wohl auf sein Baujahr, 1953, zurück zu führen ist.

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Ziemlich steil abwärts verläuft die Straße dann gute 20 Kilometer bis nach Milford Sound, die Berglandschaft um uns herum bleibt spektakulär. Insbesondere bei unserer Talfahrt kann die Form des Tales, u-förmig, gut erkannt werden; auch hier waren die Eispanzer am Werk.

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Bevor wir jedoch wieder auf NN 0 angekommen sind, erweckt ein Hinweis auf “The Chasm” unsere Aufmerksamkeit, wir halten an. Die kleinen Wasserfälle bei “The Chasm” inmitten eines kleinen Regenwaldes sprudeln wegen der ausgebliebenen Regenfälle zwar nur spärlich, ein Blick in die kleine Schlucht zeigt aber, wie Wasser beharrlich fließend dem Stein schöne Formen abgerungen hat.

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Die letzten Kilometer vor unserem Ziel geht es wieder durch dichten Wald, eigentlich nichts ungewöhnliches. Bemerkenswert jedoch der Lärm der uns umgibt. Trotz Fahrgeräuschen und fast geschlossenen Fenstern dringt das oft sehr laute Zikadengeräusch an und in unsere Ohren. Ohrenbetäubend, wenn man dem ungeschützt lange Zeit ausgesetzt ist. Wollen die Zikaden uns vor dem Kommenden warnen?

Milford Sound, im Grunde nur einige wenige Häuser, Ferienwohnungen, eine riesige Hafenanlage für die Fjordboote und natürlich eine Start- und Landebahn für kleine Flugzeuge. Alles ist auf die Vermarktung des Fjordes ausgerichtet. Schön ist etwas anderes, aber der Blick auf den Fjord drängt das Ortsbild sehr stark in den Hintergrund. Wie so oft, wird man entlang einer zwangsläufig zu gehenden Strecke wie der vom Parkplatz zum Hafengebäude informiert. Eine Information fiel uns dabei besonders auf, die über die “sandfly”. Was so harmlos klingt ist die Qual für Generationen. Auch die hier gesiedelten Vorfahren kämpften ihren aussichtlosen Kampf gegen diese Plage, denn es handelt sich nicht um eine sanfte Fliege, sondern um ein extrem aggressives Geschöpf, einen Vampir, der als weibliches Wesen nur auf unser Blut aus ist. Extrem klein, nicht zu hören, bei der Landung nicht zu spüren, oft  merkt man den kleinen Stich auch nicht, aber nach kurzer Zeit stellt sich ein Juckreiz ein, der alle bisherigen Erfahrungen mit Mückenstichen weit in den Schatten stellt. Es tröstet nicht zu erfahren, auch vor 150 Jahren wurde dieser weitgehend erfolglose Kampf gefochten, Katrin und ich leiden heute unter den Attacken und setzen uns  nun mit Chemie zur Wehr!

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Gegen 10:00 Uhr gestartet und damit gut hinter dem starken Ansturm der Touristenbusse fahrend hatten wir unsere Ruhe während der gemütlichen Fahrt, sowohl hin als auch zurück. Mehr als 8 Stunden waren wir unterwegs, es waren lohnende und interessante Stunden, auch wenn der Ausflug etwas zu lang geraten war.

Doubtful Sound

Der Fjordland National Park ist in den 80er Jahren zum Weltnaturerbe erklärt worden, dem können wir nach unserem heutigen Ausflug zum und im Doubtful Sound voller Überzeugung zustimmen. Dieser Tag war ein besonderes Erlebnis. Wir waren im Herzen des Parks, in einem wilden und unberührten Stück Natur, sieht man vom Eingriff im Zuge des Baus eines Wasserkraftwerks ab.

Wir hatten, um etwas vom Tag zu haben, eine Tour mit Start um 08:00 Uhr in Manapouri gebucht. Es sah gar nicht gut aus, als wir um diese Zeit zum Himmel blickten. Alles war wolkenverhangen, die Berge am Lake Manapouri waren nur zum geringsten Teil erkennbar. Unsere Tour bestand aus drei Etappen, die sich aus der geografischen Lage des Doubtful Sounds ergeben. Zwischen dem Lake Manapouri, an dem wir Halt gemacht haben und dem Pazifik, in den der Doubtful Sound mündet, liegt eine Bergkette, die überwunden werden muß. Dadurch kommen wir nicht nur in den Genuß einer dreistündigen Rundfahrt durch den Doubtful Sound und seine Seitenarme, sondern queren auch den Lake Manapouri und werden über einen Pass, den fast 700 Meter hohen Wilmot Pass chauffiert. Diese Passstraße verdankt die Welt einem früher sehr umstrittenen Kraftwerkprojekt, dem Manapouri Kraftwerk am Westarm des Sees.

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Dieser Ausflug ist keine Massenveranstaltung, wie die Schiffsfahrten auf dem Milford Sound, obgleich mit uns fast 40 weitere Gäste auf die Reise gingen. Der Lake Manapouri ist, wie wir bei unserer Vortageswandeung sehen konnten, ein sehenswertes Stück Landschaft, die sich zumindest auf der ersten Überfahrt zum Teil vor uns verbarg. Wir waren skeptisch, ob die tiefhängenden Wolken im Verlaufe des Tages verschwinden würden und uns einen ungestörten Blick auf See, Fjord, Meer und Berge ermöglicht. Schiffskapitän und Reisebegleiter verbreiteten in dieser Hinsicht Optimismus, die Wolken würden sich verziehen. Wir hofften, sie würden Recht behalten. Von den zahlreichen Inseln im Lake Manapouri konnten wir fast nur die Umrisse erkennen, waren das wirklich Inseln oder Teil der Landmasse?

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Wenn die Fachleute Recht behalten, können wir das auf dem Rückweg überprüfen; die Hinfahrt verbrachten wir deshalb im wesentlichen unter Deck, es war ja nichts Relevantes zu sehen. Nach einer guten Stunde Seereise waren wir an der Anlegestelle West Arm, zugleich Standort des Kraftwerkes, angelangt.Über diese Anlegestelle erfolgt auch die Versorgung der Kraftwerkstation. Bestandteil des Ausflugs ist eine Besichtigung des unterirdischen Wasserkraftwerkes. Diese hat sich wirklich gelohnt.

In den Jahres des Wachstumsoptimismus, den spätfünfziger und 60er Jahren griff man eine bereits in den 20er Jahren erkannte Möglichkeit der Energieerzeugung am Lake Manapouri auf, um den Energiehunger der geplanten Aluminiumschmelze bei Bluff befriedigen zu können. Das Seeniveau beträgt rund 180 Meter, so daß die Basis für ein Wasserkraftwerk besteht, wenn die auf die Turbinen gelenkten Wassermassen auf Meeresniveau abgeleitet werden können. Was in den 20er Jahren technisch nicht machbar war, forderte in den 60er Jahren die Ingenieure heraus, die das Denkbare möglich machten. Wie auch heutzutage glaubte ebenfalls damals die Politik, sich bei ihren Entscheidungen über die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung hinwegsetzen zu können, die Betroffenen wurden nicht gefragt. Sicherlich hätte man dem Bau eines Wasserkraftwerkes hier im Naturschutzgebiet zugestimmt, aber dem Ansinnen, hierzu das Seeniveau um 30 Meter anzuheben, konnte man nicht zustimmen. Diese Erhöhung des Niveaus sollte dazu dienen, den Ertrag aus dem Wasserkraftwerk deutlich zu steigern. Es entwickelte sich so etwas wie die erste Bürgerbewegung in Neuseeland, eine in den 60er Jahren in Gang gesetzte Petition gegen dieses Vorhaben haben 17% aller wahlberechtigten Neuseeländer unterzeichnet, der Beginn von mehr Umweltbewußtsein und einer Umweltbewegung hier im Land. Die damalige Regierung verlor die Wahl, die folgende sozialdemokratische Regierung band die Umweltaktivisten ein, stoppte die Pläne für eine Niveauanhebung des Sees, schuf unter Mitwirkung von Experten ein Regiment, wie die Wasserentnahme zum Betrieb des Kraftwerks mit Umwelt- und ökologischen Gesichtspunkten vereinbart werden kann. Die Niveauerhöhung hätte zahlreihe Inseln geflutet, das fragile Ökosystem der Seeregion empfindlich gestört. Das nunmehr gültige Regiment sieht ein Pegeln des Wasserstandes um ca. 2 Meter um das Normalniveau vor, eine Schwankung, die auch ohne Eingriffe in der Vergangenheit auf Grundlage natürlicher Einflüsse festgestellt werden konnte. Das Kraftwerk wurde gebaut und nach Baubeginn in 1963 dann 1971 in Betrieb genommen mit einer Nennleistung von 800MW. Damit das erforderliche schwere Gerät an Ort und Stelle gebracht werden konnte, mußte vom Doubtful Sound die, angabegemäß, je Streckenmeter teuerste Straße Neuseelands durch die Berge zum West Arm gebaut werden. Tief wurde gebohrt und gegraben, der Granit verhinderte schnelle Arbeitsfortschritte. Etwa 120 Meter unter dem Seeniveau liegen die großen Turbinenhallen, in denen aktuell nach einer Nachrüstung um 125MW sieben Turbinen vom Wasser angetrieben werden. Das auf die Turbinen gelenkte Wasser wird über jetzt zwei mehr als 10 Kilometer lange Tunnel in den Doubtful Sound gelenkt. Wie es heißt, werden 50 Prozent der erzeugten Energie vom Aluminiumwerk absorbiert, der Rest geht in das normale Stromnetz. Sollte der Energiefresser bei Bluff abgeschaltet werden reicht die erzeugte Energie, um die gesamte Südinsel mit dem notwendigen Strom zu versorgen. Die Tatsache, daß das Wasserkraftwerk, nachdem ein privater Investor damals ausgestiegen war, vom Staat finanziert und gebaut wurde hat eine Berücksichtigung des Bürgerwillens unter Umständen erleichtert.

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Nach so viel Technik und Ingenieurkunst freut man sich auf die Natur und die Fahrt zum Fjord. Es geht 22 Kilometer durch einen imposanten Regenwald, der zwar in der Nähe der Straßenschneise sich erst noch erneuern muß, aber in Sichtweite den alten ursprünglichen Zustand behalten hat. Es ist nicht der tropische Regenwald, sondern nur ein Regenwald, aber nicht minder interessant. Bei 5 bis 8 Meter Regen je Quadratmeter wird der Boden gut mit Wasser getränkt, erhalten die Seen einen permanenten Wasserzufluß. Hier im Fjordland besteht ein sogenannter gemäßigter Regenwald, der ebenso dicht wie ein Dschungel sich entwickelt, von einer riesigen Anzahl von Farnen, Baumfarnen, Moosen, Orchideen, von denen wir natürlich bei der Fahrt keine entdecken konnten, anderen Aufsitzerpflanzen und Lianen aber vor allem durch verschiedenste Buchenarten, die insbesondere hier heimisch sind, und Rimubäumen gebildet wird. Bis hoch in die Baumkronen ziehen sich oft die Moose, wachsen hierauf andere Aufsitzerpflanzen. Erstaunlich auch, wie es den Pflanzen und insbesondere den Bäumen gelingt, an steilsten Berghängen und kleinen Bergvorsprüngen Fuß zu fassen, die notwendigen Nährstoffe zu erhalten und zu wachsen. Bis hinunter ans Wasser ziehen sich hier im Park wie auch am Doubtful Sound die Wälder.

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Dann haben wir die Passhöhe überschritten und blicken auf – einen von einer Wolkendecke überzogenen Fjord; die Enttäuschung war nicht gering, auch wenn erkennbar an einer Ecke die Sonne begann, sich vorzuarbeiten. Aber es ging auf 10:30 Uhr zu, ob sich das noch grundlegend ändert? Wir konnten uns zwar irgendwie vorstellen, wie der Fjord verläuft, aber sehen wollten wir ihn schon gerne!

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Das Schiff wurde bestiegen, wir legten ab und die Wettersituation besserte sich minütlich. Bald hatten wir klare Sicht, strahlenden Sonnenschein und kalten Wind. An uns vorbei zogen die Bergflanken, die steilen Abbrüche, der Regenwald. Man konnte sich, zumindest anfangs, nicht genug satt sehen an diesem Spektakel. Wir waren wie gefangen von dem Naturschauspiel, genossen die vielen Ausblicke. Mal sprangen im Hintergrund liegende Bergspitzen ins Auge, mal Stellen, an denen Steinlawinen abgegangen sind, dann war es wieder die schrundige Uferregion. Immer wieder Neues gab es wahrzunehmen. Kleine Inseln liegen im Doubtful Sound, die umfahren wurden; mit mancher ist eine aus der Entdeckungszeit oder der Zeit der Robbenfänger, die sich hier als erste vorübergehend niedergelassen hatten, stammende Geschichte verbunden. Eine soll wiedergegeben werden, die von der Namensgebung des Fjordes. Auf seiner Weltumrundung kam Cook auch bis vor die Fjordeinmündung, traute sich jedoch nicht, in den Fjord hineinzusegeln, denn permanenter auflandiger Wind herrschte vor. Da er zweifelte, jemals wieder aus dem Fjord segelnd herauszukommen, er hatte Zweifel am Erfolg, “doubt”, wurde der Fjord Doubtful Sound getauft. Ob die Anekdote stimmt? Glaubhaft ist sie zumindest. Der Fjord, der von unserer Ablegestelle, Deep Cove, bis zur Einmündung in die offene See, der Tasman Sea, sich 40 Kilometer erstreckt, ist dreimal so lang wie der Milford Sound und besitzt, auch wegen seiner teilweise viele Kilometer langen drei Seitenarme über eine um das 10fache größere Wasseroberfläche, ist also gewaltig, und zugleich der zweitgrößte Fjord im Nationalpark.

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In einer regenreichen Region trifft man normalerweise ständig auf Wasserfälle; dies gilt auch und insbesondere für das Fjordland. Das setzt aber Regen voraus. Zu unserem Glück, sonst wären wir womöglich im Regen über den Fjord gefahren, was bei statistisch 200 Regentagen im Jahr durchaus der Fall hätte sein können, ist es trocken geblieben und war seit über einer Woche trocken. Zu unserem Pech, denn damit fehlte den meisten sonst sehr aktiven Wasserfällen der nötige Zulauf und die Wasserfälle waren kleine Rinnsale.

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Warm ist das Wasser nicht, im Durchschnitt soll die Wassertemperatur um die 11 Grad betragen. Gut natürlich für viele Tierarten. Im Fjord leben u.a. Fellrobben, auch Delphine haben sich hier heimisch gemacht. Ebenfalls kann man Pinguine beobachten. Alle Tierarten kamen uns unter die Augen aber nicht immer vor die Linse.

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Ab und an durchfahren auch Kreuzfahrtschiffe einen Teil des Fjords, indem sie von See kommend das direkt an der Tasman Sea liegende Secretary Island umrunden. Es gab viel zu sehen, viel zu fotografieren, die Auswahl war schwer.

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Auch die Rückfahrt über den Lake Manapouri fand bei besten Wetterbedingungen und 25 Knoten statt. Die dichte Wolkendecke hatte sich weitgehend wenn auch nicht vollständig verzogen. Endlich konnten die Inseln auch als solche identifiziert werden, sahen wir die umliegenden Berggipfel und konnten kurz vor Einfahrt in den Hafen Katrins Badestelle (“sooo ei schöns Seele, allerliebscht”), die sie bald nach unserer Rückkehr zum Campingplatz noch vor dem Abendessen für ein Bad im sehr kalten See aufsuchte, vom Wasser aus begutachten.

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Ein wunderschöner Tag liegt hinter uns, ein erlebnisreicher zudem.