Mendoza

Wer an Mendoza denkt, hat vor allem das Weinanbaugebiet in der Region vor Augen und denkt vielleicht an den einen oder anderen bekannten Tropfen hiesiger Winzer. Wir auch, jedoch lag unser Augenmerk eher auf die Nähe dieser Stadt zum NP Aconcagua, den wir aus der Nähe sehen wollten.

Wie immer steht am Beginn ein Stadtrundgang, bei dem als einer der ersten Aktionen immer das Touristenbüro wegen Karten, Plänen, Informationen angesteuert wird. Die dort ausgesprochenen Empfehlungen, was wir innerhalb der Stadt uns ansehen sollten – auch die Hinweise in den Reiseführern sind äußerst überschaubar –, hatten wir am Abend praktisch “abgearbeitet” und mussten feststellen, so berauschend ist die eigentliche Stadt nicht. Es gibt viele schöne Parks, kleine Grünanlagen und teilweise riesige Parkanlagen (Parque General San Martín) die es wert sind, besucht zu werden. Herausragende architektonische und historische Bauten sucht man hier jedoch vergeblich, kein Wunder, denn vieles wurde bei einem großen Erdbeben in 1861 zerstört, der Stadtkern anschließend verlagert. Bei Mendoza muß man wissen, daß es hier eher heiß als warm ist, d.h. die Sonne brennt dauernd unbarmherzig herunter. Welch eine Wohltat sind deshalb die in der Innenstadt und an vielen Ausfallstraßen vorhandenen Platanen und andere Bäume mit großem Blätterdach, die auf den Gehsteig und die Straßen den notwendigen Schatten werfen und darüber hinaus ein richtig schönes Bild abgeben. Diese Schattenspender finden sich nicht nur im Innenstadtbereich und den großen Avenidas, sondern sind weit im Stadtgebiet vertreten, wie ein Blick vom Cerro de la Gloria belegt. Ich glaube, so ganz ohne diesen großzügigen Baumbestand, der durch die eher breiten Straßenzüge ermöglicht wird, könnte man es hier nicht aushalten.Bei genauer Betrachtung erschließt sich das “Wunder” dieser Schattenspender : ihre Wurzeln werden in Abständen “gewässert”, denn durch ein ausgeklügeltes Grabensystem, das straßenbegleitend direkt an den Baumwurzeln entlang geführt wird und in vielen Fällen offen ist, wird den Bäumen immer wieder Wasser zugeführt.

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Und dennoch, der größten Hitze entfliehen die Bewohner und scheinen sich mittags, wo auch immer, im Kühlen aufzuhalten, denn die meisten Geschäfte hatten heute am Montag von ca. 13:00 Uhr bis gut gegen 16:00 Uhr geschlossen! Hatte gestern noch auf Nachfrage uns ein Hotelmitarbeiter gesagt, nur sonntags seien über die Mittagszeit idR  die Geschäfte geschlossen, so scheint unser Test von heute zu belegen, daß hier jeden Mittag Sonntag ist. Es seí den Menschen gegönnt, denn die Hitze ist schon belastend.

Mendoza besitzt einen riesigen Park, der Anfang 1900 auf über 400ha Fläche damals am Stadtrand geschaffen wurde. Unzählige schöne und alte Bäume kann man hier bewundern, auf den großen Rasen/Wiesen picknicken und spielen, wie es zahlreiche Mendozenos auch heute praktizierten. In unserem Verständnis bedeutet Park, daß hier der Mensch einen Erholungsraum hat und Vorrang vor allem anderen genießt. Dies macht auch die Stadt- und Parkverwaltung deutlich, wenn an dem von uns benutzten Eingang dem Autofahrer mitgeteilt wird, daß der Fußgänger in allen (!) Fällen Vorrang habe. Diesen Hinweis zu geben, sagt einiges über die Situation aus, denn der Park ist von unendlich vielen Straßen durchzogen, auf denen die Fahrzeuge wie sonst auch, das Recht des PS-stärkeren durchsetzen. Schade, denn die grüne Lunge und der Erholungsraum für die Bevölkerung kann der Park dann nur eingeschränkt sein, eher handelt es sich hier im mit umfangreicher Begrünung begleitete Straßenzüge am Rand der alten Innenstadt. Wir sind in diesem Park, der neben Sportanlagen auch einen u.a. von Ruderern genutzten Teich und zahlreiche Spielplätze umfasst, gut 2 1/2 Stunden spazieren gegangen, ohne ihn dabei vollständig erlaufen zu haben, was einen Eindruck seiner Größe vermittelt.

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Für den Dienstag hatten wir uns vorgenommen, in einem großen Bogen um Mendoza herum über die Vorkordilliere der Anden zu fahren und dabei auch die wenigen auf der Strecke liegenden Höhepunkte zu besuchen. Nach 50 Kilomater Anlaufstrecke waren wir dann am Fuß der Vorkordillkiere auf etwa 900m. Von da an ging es immer nur in eine Richtung, bergauf. Unser Zwischenstop lag bei gut 1.800m in Villavicencio. Der Name steht hier in Argentinien für eine große Mineralquelle, dort steht aber auch seit Jahren ein Hotel – leer und die vorhandenen Thermalquellen können nicht benutzt werden, auch heute nicht. Der Eigentümer, die Grupo Danone, soll seit Jahren keine Anstrengungen für eine Wiedereröffnung unternommen haben. Schade, denn dadurch war uns auch der Zugang zu dem Gelände versperrt. Stattdessen versuchten wir von einem etwas oberhalb der Hotelanlage liegenden Parkplatz in die Höhe zu wandern. Auch von dornigen Sträuchern ließen wir uns – anfangs – nicht entmutigen, stellten aber nach einiger Zeit fest, wie wenig Spaß es macht in einem Bachbett in die Höhe zu kraxeln ohne Aussicht auf eine vernünftige Aussicht. Nach einer guten halben Stunde ständigen Bemühens Höhe zu gewinnen entschieden wir uns zur Umkehr. Wieder einmal sahen wir die Feststellung bekräftigt, daß es offensichtlich in Südamerika, zumindest in den bislang von uns kennengelernten Teilen, keine vernünftigen Möglichkeiten zum Wandern gibt. Wege sind kaum zu erkennen und wenn, dann sind diese oft zufälliger Natur oder naturgegeben; Markierungen, Hinweise suchten wir vergeblich. Man könnte vermuten, so den Wander-/Bergführern Einkommensmöglichkeiten schaffen zu wollen – aber wer bemüht sich für 2 Stunden Wandern um einen professionellen Führer? Wohl keiner und deshalb scheint es auch zu stimmen, daß die Südamerikaner im allgemeinen zum Bewegen und Wandern ein eher distanziertes Verhältnis besitzen.

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Hatten wir bis nach Villavicencio schon 900 Höhenmeter überwunden, ging es auf den dann folgenden 365 Kurven und Spitzkehren bis auf den Kamm der Vorkordilliere auf rund 3.100m. Hier lagen dann knapp 30 Kilometer Bergfahrt hinter uns, die zwar wegen der geforderten Konzentration, denn die Piste war schmal und der Abgrund oft nah, nicht mit links zu absolvieren waren, uns aber immer wieder mit grandiosen Blicken in die Weite der unter uns liegenden Ebene und die um uns herum wahrzunehmenden Berghänge entlohnte.Wenn es nicht so dunstig gewesen wäre, wir hätten fast den Atlantik erblickt!  Ab und an wurden wir auch von höherer Warte kritisch und distanziert beäugt; kleine Gruppen von Guanacos standen in den steilen Hängen über uns und versuchten, das letzte Grün von den wenigen Büschen zu rupfen.  Auf den Kamm zufahrend wurden wir durch einem weiteren fantastischen Anblick für die doch lange Anfahrt belohnt : in der Ferne deutlich sichtbar die zum Teil schneebedeckten Andengipfel rund um den Aconcagua, genau auszumachen bei bester Sicht, schneidigem, kaltem Wind. Auf dem Kamm ist ein Kreuz wohl in Erinnerung an die weiter unten im Tal früher in Silber- und Goldminen Beschäftigten und eine kleine Kapelle errichtet. Ein weiteres Hinweisschild führt uns auf den angabegemäß höchsten Kreuzweg der Erde, der von unserem Standort einige 100m in die Höhe führt. (Muß denn immer alles in Superlativen dargestellt werden – selbst bei diesem bescheidenen Kreuzweg, es handelt sich um schlichte Holzkreuze, kommt man nicht umhin, auf den weltweiten Vergleich hinzuweisen!?)

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Von nun an ging es bergab, zuerst nach Paranillos, dann weiter nach Uspallata. Dabei machten wir einen kleinen Abstecher nebst längerem Marsch zum Füßevertreten hin zu aufgelassenen Minen und den Ruinen der Jesuiten von Paramillos. Die dann linker Hand bis nach Uspallata uns begleitenden Berge erinnerten an bereits Gesehenes – auch hier wieder das fast altbekannte Farbspiel, auch hier konnte man von den Bergen mit den sieben Farben sprechen.

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Uspallata fällt kaum auf, liegen seine Häuser häufig hinter Bäumen versteckt, hebt sich von dem vorher Gesehenen durch die kräftige Vegetation einer Art Oase, das dominierende Grün, die vielen Bäume und Sträucher, durch Landwirtschaftsflächen deutlich und wohltuend ab. Ein Ort, der auf Touristen wartet, der eigentliche Ansturm steht noch bevor, wirkte ansonsten aber extrem verschlafen.

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Weiter in Richtung Mendoza passierten wir noch den Stausee von Potrerillos, auch dieser weist, wie oft auf chilenischer Seite bereits festgestellt, einen sehr niedrigem Wasserstand auf.

Fasst man den Tag zusammen, haben wir wunderschöne Landschaft gesehen und uns leider  – wieder einmal – viel zu wenig bewegt.

Dies wollten wir am Mittwoch nachholen und brachen, nachdem notwendige organisatorische Arbeiten wie Suche und dann auch Buchen der kommenden Unterkunft erfolgreich erledigt waren, am späten Vormittag auf. In unmittelbarer Umgebung der Stadt boten sich keine richtig überzeugenden Wandermöglichkeiten an; am ehesten schien noch die “Reserva Ecológica Divisadero Largo, etwa 8 Kilometer vor den Stadttoren geeignet zu sein, mehr als nur ein paar Schritte zu tun. Wir wurden nicht enttäuscht, als wir den kleinen Park auf staubiger Straße endlich erreichten. Wie wir erfuhren, muß sich der Parkwächter und seine Kollegen nicht gerade vor einem Besucheransturm fürchten. Vor allem durch den Besuch von Schulklassen aus der Stadt konnte er auf eine Besucherzahl in diesem Jahr von 2.000 Personen (!) stolz hinweisen. Wir konnten dann auch ungestört von anderen Wanderern unseren Route ablaufen. Der freundliche Parkwächter wies uns ausführlich in die Wegführung ein, erklärte, wann wir wieder in nördlicher Richtung zurücklaufen müssten, wenn wir nicht die nächsten 50 Kilometer bis ans Parkende bewältigen wollten und war ganz erstaunt, als wir natürlich die längere Rundstrecke angehen wollten – die nur rund 5 Kilometer betrug. Offensichtlich ziehen die meisten übrigen Besucher eine der beiden Kurzvarianten vor. Die Entscheidung für die etwas längere Rundstrecke war gut getroffen, nicht nur, daß wir immer wieder schöne Ein- und Ausblicke in das Tal und die umgebende Bergwelt hatten, sondern wir waren gezwungen (!), eine längere Passage entlang eines Bachlaufes zu gehen. Dies hat sich gelohnt, denn obgleich der Bach in Wirklichkeit nur ein Rinnsal war, das zudem dann auch noch im Sand versickerte, hier wurde deutlich, daß durch das Wasser aus dem Gestein Salze gewaschen werden, die sich im Bachbett und am Bachrand nachhaltig und dauerhaft abgelagert hatten, den Boden stark weiß einfärbten,. Aus nächster Nähe war zu beobachten, wie eine vielfältige Vegetation dennoch sich entwickelte. Der Rundweg vermittelte dem Kenner auch zahlreiche Einblicke in die Entstehungsgeschichte dieses Teils der Vorkordilliere, wir haben wohl in den entsprechenden Schulstunden nicht so richtig aufgepasst, denn diese Hinweise gingen mehr oder weniger an uns vorüber. Nicht immer war es hier so ruhig; langsam verfallende Bauten sind Beleg einer früheren Bergbautätigkeit in diesem kleinen Tal.

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Zurück am Parkeingang meldeten wir uns, natürlich, beim Ranger wieder an, der dann die Gelegenheit nutzte uns und insbesondere Katrin auf die vielfältigen Möglichkeiten eines Besuches der anderen ich glaube 17 weiteren Parks und Nationalparks in der Provinz Mendoza hinzuweisen. Dieser Mann lebte und liebte wohl seinen Job.

Trotz ausgiebigem Vesper, es war erst gegen 14:30 Uhr, als wir den Park verließen, glaubten wir, unser Wanderpensum bei weitem noch nicht erfüllt zu haben – was tun? Am Rande des riesigen Parks General San Martin ragt ein kleiner Hügel, mit einer Statue “gekrönt”, in den Himmel, den wir bislang außen vor gelassen hatten. Da der Park zudem auf dem Rückweg in die Stadt zu durchqueren war, gab es Gelegenheit zu einem Gipfelsturm. Wir waren auf den doch steilen Rampen hoch zur Aussichts- und Gedenkplattform nicht allein; zahlreiche Läuferinnen und Läufer nutzen die steilen Wege zum Berglauftraining. Wie immer bei derartigen Hügeln – dieser wurde 1916 seiner heutigen Bestimmung “zugeführt”, die Vegetation nimmt sich ihr Recht und sicherlich schon seit einigen Jahrzehnten gibt es von dort oben keinen ungestörten Blick mehr auf die Stadt. So umrundeten auch wir ein monströses Denkmal zu Ehren von General San Martin, der zwar nicht seinen Rock mit einem Bettler teilte, jedoch mit militärischen Mitteln maßgeblich dazu beigetragen hat, daß Argentinien und Chile sich von der Fremdherrschaft der Spanier befreien konnten. Früher als eigentlich geplant, schlugen wir dann den Rückweg ins Hotel ein, konnten dennoch unter den vorhandenen Umständen auf ein angemessenes Tagwerk an Bewegung verweisen.

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Heute am 31.10. war der Tag, an dem wir dem Aconcagua auf den Pelz rücken, ihn aus der größtmöglichen Nähe betrachten wollten. Die Gelegenheit ist günstig, denn die Mendoza und Santiago de Chile über den Paso de la Cumbre verbindende Nationalstraße 7 durchquert den Provinzpark Aconcagua; von dieser Straße ausgehend kann und wird der “Angriff auf den Gipfel in der Regel gestartet. Nun, Gipfelsturm war und ist nicht, zum einen war uns heute nicht danach, zum anderen ist der allergrößte Teil des Parks bis Mitte November für jedermann, auch den Gelegenheitstrecker gesperrt. Aber ausgehend von dem an der Nationalstraße liegenden Parkbüro kann man eine kleine Runde bis zur Laguna de Horcones gehen und hat dabei, wenn das Wetter mitspielt, einen guten Blick auf den Berg.

Um relativ früh die gut 200 Kilometer in Angriff nehmen zu können, klingelte der Wecker bereits (!) um 7:00 Uhr. Ein Blick nach oben zeigte jedoch, daß heute wohl nicht unser Glückstag sein würde, denn statt in sattem Blau war der Himmel durchweg bewölkt. Schon öfter hatte es tagsüber aufgeklart, so unsere Hoffnung, als wir starteten. Um nicht nur wegen eines oder mehrerer Blicke auf den höchsten Gipfel Südamerikas (und auch von ganz Amerika) drei Stunden Anfahrt in Kauf zu nehmen, hatten wir uns über weitere als sehenswert eingestufte Haltepunkte informiert. Natürlich, die Bergwelt ist immer einen zusätzlichen Blick wert, und der Betrachter kann ständig Neues sehen, insbesondere, wenn durch wechselnden Lichteinfall die verschiedenen Farben der Felsen unterschiedlich leuchten. Seitdem wir in Mendoza sind, werden wir verfolgt, und zwar von dem Namen San Martin. Dieser Mensch, früher einmal General, wird über alles erhoben, ihm wurden unzählige Denkmäler gebaut, Straßen, Schulen, Plätze, Hochschulen nach ihm benannt: Was ihm diese Ehrung eingebracht hat war sein Feldzug gegen die Spanier, den er erfolgreich beendete und damit die Grundlage für den Staat Argentinien gelegt hat, weshalb man ihm noch heute über alle Maßen dankbar ist. Diese “Verehrung” schlägt Kapriolen. Zum “Kampf” gegen die in Chile sitzenden Spanier mußte seine – kleine – Armee den Paso de Cumbre überqueren. Offensichtlich hat man in der jüngeren Vergangenheit jeden seiner Schritte in Richtung Westen rekonstruiert, denn auf dem Weg talaufwärts, dem Rio Mendoza entlang, trifft man immer wieder auf Hinweisschilder, wo das Heer unter seiner Führung entlang gekommen ist. So erhalten dann z.B. kleine Brücken über ein ebenso kleinen Bach eine besondere Bedeutung und werden von allen Neugierigen und Wissbegierigen besucht. Auch wir wollten sehen, was das für eine Brücke sei, die Puente Historico de Picheuta, die unweit der Nationalstraße liegt, und machten den kleinen Umweg. Wie über diese kleine Brücke ein ganzes Heer weiter gezogen ist – uns blieb es ein Rätsel, aber eine schöne Geschichte ist es doch.

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Auch bei unserem weiteren Stop spielt die Sagenwelt eine Rolle, es geht um die Puente del Inca, eine im Grunde auf natürlichem Wege, unterstützt durch dass Thermalwasser, das an dieser Stelle zu Tage trat, entstandene Naturbrücke, bei der offensichtlich das schwefelhaltige Wasser zu einem schönen in Orange gehaltenen Farbenspiel beiträgt. Früher befand sich hier einmal ein Thermalhotel, das jedoch durch einen Erdrutsch  zerstört wurde. Ob die Inka bis hierher vorgedrungen sind, ist nicht geklärt, jedoch ist in die Welt der Märchen zu verweisen, die Inka hätte diese Brücke zur Flußüberquerung gebaut.

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Der eigentliche Höhepunkt, unser Blick auf den Aconcagua, konnten wir alleine genießen, denn mancher Reisender stieg zwar am Parkbüro aus um einen mehr oder weniger flüchtigen Blick in Richtung Berg zu werfen, aber weiter in seine Nähe zu wandern bei dem strammen Wind und den leicht über dem Gefrierpunkt liegenden Temperaturen wollte so gut wie keiner. So waren wir dann alleine auf dem “mirador” und sahen – weiße schnell dahinziehende Wolken. Die Situation verbesserte sich auch nicht, während wir auf ein Wunder warteten, so bleibt in Erinnerung der Blick aus gut 50km Entfernung, den wir vor zwei Tagen auf den Aconcagua hatten.

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Genau der der Grenze zwischen Chile und Argentinien steht Christo Redentor, eine riesige Statue auf 4.200m Höhe und soll an die friedliche Beilegung von Grenzstreitigkeiten erinnern, unser nächstes Ziel, das wir jedoch nicht erreichten. Wir hatten schon die Argentinische Grenze hinter uns gelassen, um Verbindungstunnel den Hinweis auf Chilenisches Staatsgebiet und die Grenzabfertigung in 3 Kilometer Entfernung gelesen, dann aber Bammel, auf der Suche nach der Zufahrt zu unserem Ziel die Grenze zu übertreten, was uns immense Probleme beschert hätte. Also direkt hinter dem Tunnel umdrehen und zurück Richtung Mendoza.

In der Nähe der Puente del Inca liegt der Friedhof der Andinisten, der uns bereits auf der Hinfahrt aufgefallen war, so war es zwangsläufig, auch hier noch einmal anzuhalten. Auf einem “nur” zum Teil mit Grabstellen und Erinnerungstafeln belegten Friedhof, in dessen Mitte ein kleiner Felsen aufragt, sind am Aconcagua um das Leben gekommene Bergsteiger beigesetzt, jedoch auch Personen, die sich um den Argentinischen Alpinismus verdient gemacht haben oder Bergsteiger des Landes, die z.B. im Himalaya verschollen oder verstorben sind. Manche Inschrift der Bergkameraden war ergreifend, beeindruckend auch, in wie vielen Fällen Eispickel, Bekleidungsstücke oder Schuhe mit dem Grab verbunden waren. Nicht immer waren alle Inschriften noch lesbar, oft jedoch konnte man erkennen, daß nicht nur junge, sondern  auch 60-jährige am Berg verstorben sind. Ein Friedhof, der durch seine Nähe zum Berg ein besonderer ist.

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In Chile ist der 31.10. ein Feiertag, weshalb offensichtlich ein größerer Bevölkerungsteil die Fahrzeuge betankt und in Richtung Argentinien, hier Mendoza zu einem Kurzurlaub aufbricht. Die Folgen waren auf der Nationalstraße 7 zu beobachten – mindestens 7 Kilometer stauten sich die Fahrzeuge vor der Argentinischen Grenzkontrolle auf, und diese arbeitet gewissenhaft, wie wir bereits erfahren hatten. Innerhalb von einer halben Stunde schob sich die Schlange um etwa 200m nach vorne. Ob die Kurzurlauber erholt ankommen?

Da unser Fahrzeug ein Chilenisches Kennzeichen aufweist, wir jedoch Argentinien nicht verlassen hatten und somit keine Grenzprozedur über uns ergehen lassen müssten, könnten wir eigentlich an den wartenden Fahrzeugen vorbeifahren – könnten! Die das Verkehrsaufkommen regelnden Polizisten glaubten wohl, uns gegen wütende “Landsleute” schützen zu müssen, wenn wir so einfach an ihnen nach vorne fahren würden und forderten uns auf, uns direkt hinter einem talwärts fahrenden LKW zu setzen, nach hinten abgeschirmt durch einen Polizeibulli. Wir kamen unbehindert an der Grenzstation vorbei.

In unserer Tierschau fehlte bislang noch der Kondor. Zufällig schauten wir während der Fahrt nach oben und bemerkten einen Vogel mit großer Spannweite – ein Kondor? Als der Vogel dann auch noch direkt vor uns über die Straße flog, erkannte Katrin seine Kopfzeichnung – wir hatten wirklich einen Kondor in Freiheit gesehen.

Der Rest des Tages : auf direktem Weg zurück zum Hotel, zwischendurch zum Essen eingekehrt; über die Kochkünste hiesiger Küchenchefs schweigen wir besser, denn das nicht umwerfende Ambiente wurde durch die aufgetischten Gerichte leider bestätigt. Die verschmudelte Speisekarte des wohl größten Restaurants in Uspallata ließ übles erahnen, die WCs waren in lausigem Zustand und das Umfeld passte sich dem an. Katrins Forelle vom Grill musste zweimal sterben : einmal, als sie gefischt wurde, das zweite Mal brachte der Koch sie um, als er über den gegrillten Fisch eine braune mit Pilzen angereicherte Sauce goß und ihn damit ertränkte. Wir hatten es geahnt, aber der starke Hunger und das Wissen, sonst 1 1/2 Stunden länger hungern zu müssen, hielten uns am Ort fest.

Daß nicht die Hunnen, aber die Chilenen kommen, konnten wir bei Ankunft im Hotel feststellen : ausgebucht, wie fast alle Hostels und Hotels in der Stadt.

Damit gehen die vier Tage Mendoza zu Ende und der Sachkundige wird sich und uns fragen : und der Wein? Ja, Mendoza und Umland sind für seine Weine sehr bekannt, Führungen werden angeboten, Verkostungen sind möglich. Aber im Ernst, wer würde allen Ernstes eine organisierte Fahrt zu drei Weingütern, wie hier angeboten, unternehmen, bei der nach einem Start gegen 8:30 Uhr am Morgen  die erste Besichtigung mit Verkostung gegen 10:30 Uhr ist, Weiterfahrt um 12:30 Uhr, die zweite Besichtigung mit Verkostung, wieder einsteigen um ca. 15:00 Uhr zur dritten Besichtigung und Verkostung, Rückkehr garantiert mit schwerem Kopf und Gliedern so gegen 18:00 Uhr. Das ist nichts für uns; wir haben entschieden, in San Rafael, wo einige Weingüter zu Fuß zu erreichen sind, uns unter die Verkoster zu begeben.

Autofahren – anders!

Nun haben wir bislang gut 7000km mit unserem Wagen hinter uns gebracht und sind, das gilt es festzuhalten, in unserem Fahrverhalten dem einheimischen Fahrverhalten immer ähnlicher geworden. Rechts vor links – wir haben bis heute nicht erschließen können, ob dieses Prinzip auch hier gilt; bis auf weiteres heißt es an jeder Kreuzung, so wir uns nicht auf einer Bundesstraße befinden, zu schauen,  wer als erster in die Kreuzung einfährt, denn dann hat man gewonnen, so scheint es zumindest. Auch hier gibt es zahlreiche Verbots- und Gebotsschilder und analoge Straßenmarkierungen. Es scheint, als wenn diese hier als Hinweise verstanden werden, denn eine durchgezogene Linie auf der Straße, ein entsprechendes Überholverbotsschild wird sicherlich zur Kenntnis genommen, denn blind ist man ja nicht, aber beachtet? Inzwischen setze auch ich auf den Landstraßen, die nur so wimmeln von durchgezogenen Linien, zum Überholen an, wenn dies opportun erscheint aber verboten ist. Wer soll das hier denn kontrollieren. Und Geschwindigkeitsbeschränkungen – in der Stadt 60kmh, auf der Landstraße m.E. 110kmh stellen auch nur Empfehlungen dar; Tempo 80-100 in der Stadt, selbst bei dichtem Verkehr auf zweispurigen Straßen sind nach unserer Einschätzung eher Regel als Ausnahme. Es scheint, als wenn der vor vielen Jahren verstorbene Rennfahrer Fangio immer noch Vorbild für die Schnellfahrer im Land ist. Häufig fehlten insbesondere in den Städten Fahrbahnmarkierungen – dies ist praktisch, denn nicht jedes Fahrzeug benötigt den gleiche Fahrbahnbreite. Auch wenn neben der Parkspur im allgemeinen Platz für zwei weitere Spuren vorgesehen ist, dort wo zwei PKWs nebeneinander Platz haben sollte auch Raum für ein drittes Fahrzeug sein, so scheint die Devise vieler Verkehrsteilnehmer zu lauten.  Dementsprechend munter geht es dann auch auf den Straßen bei nicht geringer Geschwindigkeit zu; und wenn man nicht schnell genug reagiert – wozu gibt es eine Hupe, von der dann umgehend und ausgiebig Gebrauch gemacht wird. Paradiesische Zustände? Eher nicht, denn der Fußgänger scheint oft Freiwild zu sein; Zebrastreifen – behindern nur den Verkehr, Fußgänger auf einem Zebrastreifen – sollten am besten umgehend zur Seite springen, wenn ein Fahrzeug in der Nähe ist. Selbst die Busfahrer nehmen keine Rücksicht, ob alt oder jung, die Straße – und der Zebrastreifen gehört ja dazu – sind im Besitz der Autofahrer. Wir wurden von den Fußgängern mit Staunen/Erstaunen angesehen, wenn wir als Abbieger Rücksicht auf die am Zebrastreifen wartenden Fußgänger nahmen; dies ist hier offensichtlich völlig unbekannt.

Nun denn, dieser völlig rücksichtlosen Fahrweise sind wir noch nicht verfallen und hoffen, auch auf unseren vor uns liegenden Kilometern nicht den letzten Anstand, der uns im Straßenverkehr in der Heimat über Jahrzehnte antrainiert wurde, aufzugeben. Wie sehr uns der hiesige Fahrtstil geprägt hat werden wir sehen, wenn wir wieder in der Heimat unterwegs sind.

Von Cafayate auf Umwegen nach Mendoza

Geplant war, von Cafayata aus über die Ruinenstätte Quilmes nach Tafí de Valle, einer idyllisch an einem See, im Grünen und in den Bergen liegenden kleinen Städtchen zu fahren, wo es auch Möglichkeiten zum Wandern geben soll. Je nach Lust und Laune wollten wir dann weiter nach Belém fahren. Am Vorabend wurde uns dann aber klar, daß Belém als Stadt der Ponchoweberei doch nicht so interessant ist, um einen 250km Umweg teilweise über Pisten zu rechtfertigen, also sollte es dann von Tafí direkt weiter in den Süden gehen. Unsere Schweizer Reisefreunde Sabina und Lukas strebten ebenfalls Tafí an, wo sie bleiben wollten, um dann per Bus wie auch immer nach Mendoza weiterzureisen.

Wie immer, brachte ein neuer Tag neue/alte Überraschungen. Zum einen : zum ersten Mal seit Wochen sahen wir über weite Strecken und mehrstündiger Fahrt nicht mehr braunes Gestein, trockene Wüste, sondern Laubwälder im Tal und die Hänge hinauf; kaum waren wir über die letzte Kuppe auf der Bundesstrasse 307 hinter El Mollar gefahren und ließen den Wagen abwärts rollen, umfing uns anfangs leichter, dann die ganze Strecke von gut 35km bis ins Tal in unendlichen Kurven und vielen Serpentinen  dichter Wald Für unsere Augen aber vor allem für die Seele eine Wohltat. Zum anderen :rund um Tafí de Valle kann (!) es grün sein, darauf weist die vergleichsweise umfangreiche Viehhaltung auf den quasi Hochalmen hin (der Ort selber liegt auf 2.100m), andererseits war das Grün eher braun, Hinweis auf seit längerem ausbleibenden Regen. Und von Wald mit Ausnahme eines Schutzwaldes oberhalb des Ortes keine Spur; bei sengender Hitze wandern – daran hatte keiner Interesse. Wieder einmal hatten unsere Unterlagen etwas anderes versprochen als zum jetzigen Zeitpunkt gehalten werden konnte – vielleicht waren wir auch nur am falschen Tag an diesem Ort. Alle waren enttäuscht, waren wir doch darauf erpicht, endlich einmal etwas längere Strecken zu gehen, zu wandern, denn immer nur Autofahren war eigentlich nicht unser Ziel.

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Sabina und Lukas entschieden, vom Ort aus mit dem Bus nach Tucuman zu fahren, um dann mit einem Nachtbus möglichst bis nach Mendoza zu gelangen; Katrin und ich wollten erst noch einen Abstecher zu den Grabungsstätte mit Menhiren in der Nähe des Sees in El Mollar machen, bevor wir Richtung Süden weiterreisen. Wir fanden die Grabungsstätte – an diesem Samstag aber verschlossen! So blieb uns nur ein Blick durch den Zaun, der uns in der Ferne einige relativ kleine aufrecht stehende Stelen zeigte, einige von ihnen bearbeitet. Schade, da aber nicht zu erwarten gewesen wäre, vor Ort im Falle eines Zugangs auch auskunftsfähige Guides vorzufinden, hielt sich der “Schaden” in Grenzen.

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Tafi de Valle liegt gut 2.100m hoch.  Von hier aus mußten wir in die Ebene hinabfahren, d.h. mehr als zahlreiche Kurven in einem teilweise sehr engen Tal standen vor einem dann in der Ebene gemütlichen und schnellen Fahren. Am Ende des Tales sahen wir vor uns dann eine riesige Ebene, auf der anfangs Obstanpflanzungen auszumachen waren, denen aber sehr bald unendliche Anbauflächen für Zuckerrohr folgten, das Hauptprodukt dieser Provinz. Entsprechende Fabriken waren dann auch nicht weit, einmal umringten uns vier dieser Komplexe, die ihren manchmal sehr schwarzen Rauch in den Himmel abließen. Das passte dann auch zu der Beobachtung, wie auf einigen Flächen dann die noch aufstehenden Stoppel großflächig abgebrannt wurden und die Sicht stark beeinträchtigten.

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Zügig ging es durch die Provinz Tucuman Richtung unseres Ziels der Stadt San Fernando de Valle de Catamarca (schlicht Catamarca genannt) in der Provinz Catamarca, wo wir nach einigem Suchen und wie immer über die Touristeninformation dann ein Quartier am frühen Abend fanden, leider ohne Frühstück, da müssen wir dann schauen, wie wir den nächsten Morgen starten.

Fast vergessen : Quilmes, heute kein Ort, aber eine archäologische Grabungsstätte, die ihren Namen von den hier vor rund 1000 Jahren siedelnden Quilmes-Indianern herleitet. Vor etwa 1000 Jahren hat dieser Indianerstamm hier einen wehrhaften Ort erbaut, in dem, so heißt es, 5000 Menschen (und eine nicht bekannte Anzahl von Tieren) lebten. Der Ort war als Festung ausgebaut, wie an Rudimenten der extrem dicken Umfassungsmauer festgestellt werden kann, um sich gegen die anderen Indianerstämme und schließlich auch gegen die Inka zu behaupten. Wie es heißt, konnten 1665 die Spanier die Quilmes nach 35-jähriger (!) Gegenwehr schließlich besiegen. Die obsiegenden Spanier zwangen anschließend die überlebenden rund 270 Quilmes-Familien zu einer Umsiedlung per Fußmarsch nach Buenos Aires, d.h. auf einen gut 1000km langen Weg durch die Hitze und über hohe Berge. Nur wenige sollen überlebt haben. Da entstehen Assoziationen zu der “Umsiedlung” der Armenier im Großtürkischen Reich, die ebenfalls zu hunderttausenden einen langen Marsch in Richtung Süden (Irak, Libanon?) antreten mussten, auf dem ein sehr großer Teil der Vertriebenen das Ziel nicht lebend erreichte.

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Vielleicht um einen Bezug zur Vorkolonialgeschichte und den unterdrückten und zum Teil ausgelöschten indigenen Volksstämmen für das eigene Marketing zu nutzen, gibt es seit vielen Jahren ein Bier, das den Namen Quilmes trägt. Vielleicht aber wollten die Brauherren auch ihre Solidarität mit den tapferen Indianern zeigen. Vom letzteren ausgehend trinken wir seit dem immer wieder ein Quilmes im Andenken an die Ureinwohner dieses Landes. Übrigens, vor einigen Tagen hatte ich eine Information in der Hand, in der die noch vorhandenen indigenen Volksgruppen Argentiniens aufgelistet sind wie auch ihre Verbreitungsgebiete. Erstaunlich, wie weit verstreut einzelne Stämme in diesem riesigen Land leben (müssen). Den Namen der Quilmes-Indianer habe ich der Liste nicht entnehmen können!

Wie von einem hoch in den Bergen liegenden Eckpunkt der Verteidigungsmauer festzustellen war, ist bislang nur ein kleiner Teil der Stadt freigelegt worden. Wie die einzelnen zu identifizierenden Räume sich zueinander verhielten, was Wohnräume oder Ställe z.B. waren, warum in vielen Fällen mehrere Ein-/Ausgänge – übrigens sehr schmal und nicht sehr hoch – sich in einem Raum befanden, in anderen Fällen es nur einen einzigen Zugang gab, warum immer wieder auch runde Umfassungsmauern zu erkennen waren – Fragen über Fragen, die uns vor Ort nicht beantwortet werden konnten. Ein am Eingang der Grabungsstätte anwesender “guia” versuchte uns auf Spanisch zu vermitteln, welche Routen es durch das Mauergewirr gibt und zu ermahnen, nicht auf den Mauerresten herum zu klettern, aber das war es dann auch mit den “hilfreichen” Erklärungen. Schriftliches – Fehlanzeige, Hinweisschilder – Fehlanzeige, Museum – Fehlanzeige! Dahinter steckt vermutlich keine böse Absicht, wohl eher mangelndes Verständnis für die besonderen Wünsche der Besucher, gleich ob Einheimische oder Ausländer. Unserer Beobachtung entsprechend ist Quilmes gar kein Einzelfall, auch in den übrigen Museen und Natur- und sonstigen Parks waren die Informationen äußerst dürftig.

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Wird der Sonntag unser Glückstag? Da das Hotel sonntags kein Frühstück anbietet suchten wir abends nicht nur ein Restaurant für das Abendessen, sondern hielten unsere Augen auch nach Cafés mit frühen Öffnungszeiten auf. So richtig glücklich fühlten wir uns, als es in unserem Abendrestaurant auf Nachfrage hieß, auch Frühstück am Sonntagmorgen anzubieten.

Wegen der vor uns liegenden langen Fahrtstrecke klingelte der Wecker schon um kurz nach sieben; gegen acht Uhr, keine unchristliche Zeit, aber offensichtlich war außer uns fast niemand in der Stadt schon auf den Beinen, standen wir dann vor unserer Frühstücksquelle – vor verschlossenen Türen! Enttäuschung war groß, denn mit leerem Magen und vor allem ohne anständigen Kaffee uns auf den Weg zu machen löste gar keine Jubelstürme sondern eher Flüche aus. Um es vorwegzunehmen : bis zum Abend konnten wir keine beachtenswerte Restauration ausmachen, um unseren steigenden Hunger, der mit Obst und Keksen stillen versucht wurde, zu besiegen.

Als wir am Abend in Mendoza angekommen den Tachostand ablasen, waren an diesem Tag fast genau 800km mehr auf der Uhr. Als wir uns fragten, was denn haften geblieben ist von dieser Mörderstrecke, dann gibt es nicht sonderlich viel zu berichten. Teilweise kilometerlang gingen die Straßen geradeaus, links und rechts der Straße über hunderte von Kilometern niedrige Buschsteppe, anfangs mit eher dichterem und grünerem Bewuchs, ab und an stand dann auch ein vereinzeltes Bäumchen zwischen den Sträuchern, später nahm das Strauchgrün die Bodenfarbe an und wirkte eher sandfarben; selten war ein Gehöft/Gebäude auszumachen, auf den ersten gut 500km konnten wir kaum Viehhaltung feststellen, bestellte Äcker schon gar nicht. Kein Wunder, denn die Provinz Catamarca gehört zu den mit am dünnsten besiedelten in Argentinien. Das Bild änderte sich, als wir die letzten 300km in Angriff genommen hatten. Offensichtlich waren hier die klimatischen Bedingungen oder aber die Voraussetzungen für eine künstliche Bewässerung besser, denn zunehmend größere Viehbestände waren festzustellen, oft als frei vagabundierende Herden, später kamen sichtbar Landwirtschaft hinzu, aber offensichtlich primär in Form von Monokulturen, denn schon deutlich vor San Juan sahen wir neben der Straße über Kilometer nichts anderes als Olivenbaumplantagen, die später, je näher wir Mendoza kamen, in ähnlichem Umfang von Weinanbauflächen in enormen Ausmaßen abgelöst wurden. Wie es heißt, erfolgt in der Region Mendoza, durch das heiße Klima begünstigt und mit enormem Aufwand durch künstliche Dauerbewässerung ermöglicht, gut 80% der Weinproduktion Argentiniens. Grund genug, neben dem in Cafayate angebauten Wein, den wir auf einer Weinprobe kosteten, auch hiesigen Weinkellereinen einen Besuch abzustatten.

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So ganz ohne ein Zwischenziel wollten wir die lange Fahrt doch nicht hinter uns bringen. Da die Beschreibung des Valle de Luna/NP Ischigualasto, die wir in den Reiseführern lesen konnten, sich mit der Empfehlung von Karl-Ulrich deckten und der mit einem Besuch verbundene Umweg gering war, steuerten wir es an. Auch hier gibt es positive und negative Wahrnehmungen. Unser Zeitplan – wir hatten unser Hostel in Mendoza vorgebucht und deshalb am Abend keinen Suchstreß zu erwarten – erlaubte, trotz gut 10stündiger Fahrtzeit einen Ausflug von 1-1 1/2 Stunden, um das Tal mit seiner bizarren Landschaft zu erkunden. Am Eingang zum NP angekommen, trafen wir auf einen völlig leeren Parkplatz – offensichtlich verirren sich selten Besucher hierher, es sei denn, es kommen organisierte Touren an –, ein geschlossenes Museum – im Valle de Luna wurden zahlreiche bis zu 180 Mio. Jahre alte Fossilienfunde gemacht und sollen hier ausgestellt sein –  und ein NP-Büro, in dem uns der Mitarbeiter kundtat, eine durch einen Ranger zwingen zu begleitende Rundfahrt würde gut drei Stunden dauern. Es war 14:00 Uhr und erst die Hälfte der Strecke bewältigt, Parkrundfahrt und Weiterfahrt würden auf eine Ankunft gegen 22:00 Uhr hinauslaufen, wenn alles rund läuft. Da hieß es, Prioritäten zu setzen, denn in völliger Dunkelheit auf schlecht ausgeschilderten Straßen zu fahren, dürfte kein Vergnügen sein und eher zu weiteren Verzögerungen führen. Also Verzicht, schweren Herzens, auf die Parkfahrt, statt dessen Weiterfahrt – dies war die negative Wahrnehmung.

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Zur positiven : Nur weil wir in den Nationalpark gefahren waren, haben wir Guanacos gesehen, nicht nur eines oder zwei, sondern mehrfach größere Gruppen dieser Lamaart, die vom Wuchs her wohl etwas größer sind als die bislang kennengelernten Vicunas. Es scheint, als ob die Vegetation im Park diesen Tieren genügend Nahrungsgrundlage für ihr Überleben in der  Wildnis bietet; sicherlich trägt auch der Schutzstatus des Parks seinen Teil dazu bei, daß diese Tiere sich hier ansiedeln. Und zwei weitere Tierarten sind uns auf den wenigen Kilometern, die wir im Parkgelände zurück legten, begegnet : 3 Straußen (Korrektur : Es waren Nandus) sind uns fast in den Wagen gelaufen, zumindest sahen die Tiere wie ein Strauß aus und ein kleiner Fuchs querte unseren Weg sogar zweimal, als wir auf das Gelände der Parkverwaltung einfuhren, offensichtlich das Haustier vor Ort.

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Ansonsten waren wir froh, so gegen 19:00 Uhr im Hostel angekommen zu sein, nachdem wir, auf Grund fehlender Beschilderung rund um San Juan manchen zusätzlichen Kilometer fuhren, umkehrten und den richtigen Weg fast schon erahnen mussten.

Es war nicht einfach, uns in Mendoza zurechtzufinden, wir waren froh, endlich am Ziel zu sein. Unser Hostel Punto Urbana machte auf den ersten Blick, d.h. den Eingangsbereich, einen akzeptablen Eindruck, aber als wir dann in Richtung unseres Zimmers geführt wurden, änderte sich unser Eindruck gewaltig. Nun bedeutet Hostel natürlich auch, daß hier vorzugsweise jüngere Menschen übernachten und sich dann auch oft selber verpflegen. Daß dies auch mit Einhaltung normaler Reinheitsstandards möglich ist, konnten wir z.B. bei unserem Hostel in Cafayate feststellen – die Küche sah, auch wenn Gäste sie benutzt hatten, wie geleckt aus! Ganz anders hier im Punto Urbano – dreckiges Geschirr stand herum, Abfälle lagen an unterschiedlichen Stellen, die Küchentische waren versifft, in einer Ecke stand eine größere Ansammlung leeren Wein- und sonstiger Flaschen, die Fliegengittertür vor dem Küchenausgang hing nur noch an einem Scharnier – so unsere ersten kurzen Feststellungen. Und durch dieses Chaos mußten wir in unser Zimmer im ersten Geschoss! Dieses wirkte zwar auf den ersten Blick sauber, gleichzeitig aber auch schmuddelig; eher behelfsmäßig war in einer Ecke des sehr kleinen Zimmers ein Waschbecken angeschraubt, dies war jedoch nicht in eine Waschtischplatte eingelassen, sondern diese mit eher sehr hobbymäßig ausgesägter Öffnung für die Waschschüssel von oben auf den Waschtisch silikoniert. Das “Bad” wies neben einem WC und einem Bidet eine Dusche auf, bei der die Halterung für den Duschkopf fast aus der Wand fiel und zu allem Überfluß auch noch in einem Abstand von ca. 60cm der E-Schalter für das Bad in die Wand eingelassen war. IP-44 – hier wohl nicht Standard. Übrigens, man mußte gelenkig sein, wenn man erfolgreich duschen und dabei nicht gleichzeitig auf dem Toilettendeckel stehen wollte – so viel zu den Platzverhältnissen. Und schließlich das Schiebefenster, bei dem wir feststellten, als wir uns zum Abendessen auf den Weg machen wollten, daß der Feststellhebel zum Verschließen abgebrochen war, also keine Sicherheit für unsere Barschaft etc. bei Abwesenheit.

Also was tun, zufrieden mit dem Vorgefundenen waren wir beide nicht, hatten jedoch per Internet über booking.com für fünf Nächte gebucht und waren unsicher, wie die Rücktrittsbedingungen aussehen. Auf der Suche nach einem Lokal stießen wir, keine 200m von unserem Hostel auf ein kleines Hotel, in dem Katrin sich direkt nach einem Zimmer erkundigte und, welch Überraschung, es gab freie Zimmer für die kommenden Nächte, sogar zu einem günstigeren Preis als in unserem Hostel!! Wir reservierten für den kommenden Tag und wollten prüfen, wie wir den Wechsel vollziehen können, ohne dabei unnötigerweise noch zusätzliches Geld ausgeben zu müssen. Denn in einem weiteren Fall fühlten wir uns vom Hostel getäuscht : Katrin hatte wegen eines Parkplatzes angefragt und auch in der Buchung zum Ausdruck gebracht, daß ein Parkplatz benötigt würde. Die Mailantwort besagte, es gäbe kostenlose Parkplätze in der Nähe, man müsste dies vorher mitteilen, was ja geschehen war. Angekommen verwies man uns auf nicht sichere Laternenparkplätze sowie auf gebührenpflichtige Parkhallen, von umsonst und man kümmere sich keine Rede. Also bissen wir in den sauren Apfel und spendiertem unserem roten Flitzer eine Nobelunterkunft, die uns für 4 Tage so viel kostet wie zwei Nächte im Hotel! Die von Booking.com zugestellte Reservierungsbestätigung wies aus, daß wir ein Zimmer u.a. mit einem Kabelfernseher gebucht hatten. Trotz Suche, einen Fernsehen fanden wir in unserem schlichten Zimmer – wie im Gefängnis : Bett, ein Stuhl, Waschtisch – trotz eifrigen Suchens nicht. Das war dann der Aufhänger, denn das Bestellte war nicht geliefert und konnte nicht geliefert werden. Das überzeugte auch die verantwortliche Mitarbeiterin und wir kamen nach dieser einen Nacht im Hostel “frei”.

Zur Ehrenrettung des Hostels : das Frühstück gehörte zu den besseren, die wir bislang auf unserer Reise genießen durften, dennoch, auch am Abend danach, beim Bierchen in unserem neuen Quartier in Mendoza müssen wir feststellen, daß der Quartierwechsel gut und richtig. war.

Der Ritt über die Schotterpisten – von Salta nach Cafayate

Trotz wiederholter Pleiten mit den Empfehlungen der Reiseführer ließen wir uns nicht abhalten, durch das Salta umgebende Bergland, den Nationalpark Los Cardones nach Cachi und von dort durch die Quebrada Calchaquies nach Cafayate zu fahren. Die Entscheidung war richtig, diese leider sehr lang dauernde Fahrt hat  sich gelohnt, war interessant und hat uns neue Seiten des Landes gezeigt.

Ging es anfangs, nachdem wir bei Cerrillos Richtung Westen von der RN 68 abgebogen waren, noch durch zumindest teilweise grünes Gelände, folgten wir einem Rio Escoipe, begann sehr bald das Gekurve um die Kurven, um Höhenmeter zu gewinnen, denn der Scheitelpunkt unserer Strecke in den NP Los Cardones lag bei über 3.000m. Schon bald umgab uns das übliche aus dem Norden gewohnte Bild : Steine, groß und klein, Sand, Wüste, Geröll, Felsen, wenig Sträucher, dafür hier aber in steigender Anzahl die in diesem NP besonders geschützt Art von Kakteen, die Cardones, die nicht nur 200-300 Jahre alt werden sollen, sondern mit ihrer Höhe von bis zu 12 Metern zu den Kakteenriesen zu zählen sind. Ein solches riesiges Exemplar haben wir natürlich nicht gesichtet, aber immer wieder Exemplare, die mit ihrer schieren Größe imponierten. Die Kakteen standen nicht in dichten Gruppen, sondern eher vereinzelt und zogen sich die Berghänge auf dem kargen Untergrund hinauf.

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Auch Schotter- und insbesondere Erdstraßen bedürfen der “Pflege” und Reparatur. Wer sie gefahren ist wird gegenüber dem Arbeiter, der mit seiner Maschine versucht, die Oberfläche einigermaßen einzuebnen und dabei die größten Schlaglöcher – für kurze Zeit – mit verfüllt, dankbar sein, und nimmt die Verzögerung durch die Streckensperrung gerne in Kauf, so auch wir, als wir eine ganze Weile anhielten und warteten.

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Kurz vor der Passhöhe wies ein kleines Schild auf ein abseits gelegenes Gehöft hin; Lukas, der mit Sabina auf dem Weg nach Cafayate mitfuhren, hatte gelesen, daß es abseits der Straße eine tolle Aussicht geben sollte, und zwar in das Valle Encantado. Warum nicht, für einen tollen Blick in die Landschaft sind wir schon so manchen Umweg gefahren. Und so ging es einen landwirtschaftlichen Weg im wahrsten Sinne bergab bis zu einem Plätzchen, auf dem ein Wenden möglich war. Lukas und seine Information hatten schon Recht, es war ein schöner Blick in dieses karge Land, in dem weit unten im Tal ein kleiner Bauernhof auf der ihn umgebenden Grünfläche Kühe und Pferde hielt. Von einem weiteren Fahrexperiment gen Tal sahen wir ab und kehrten auf die “Straße” zurück.

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Dann war es nicht mehr weit bis zur Passhöhe (3.348m); steil ging es hinauf und später auch auf einer anfangs sogar geteerten Piste ebenso steil wieder abwärts. Oben am Pass stand eine kleine Kapelle, die Piedra del Molino; wir schauten zu beiden Seiten in tiefe Täler, gleichzeitig ragten um uns herum höhere Berge auf, im Norden fiel dabei das Massiv des Cerro Malcante mit seinen 5.226m besonders auf. Höhe und die damit verbundene Kälte sowie der Wind verkürzten trotz der permanent scheinenden Sonne  den Aufenthalt außerhalb des Wagens.

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Der erste Streckenteil nach der Passüberquerung in Richtung Cachi war mit einem alten Inkatreck identisch, worauf an wenigen Stellen ein Schild hinwies (Recta Tin Tin); sogar im Straßenatlas war dieser Hinweis in extrem kleiner Schrift enthalten!

Unser eigentliches erstes Ziel auf dieser uns über diesen gewollten Umweg nach Cafayate führenden Fahrt war dann Cachi. Beschrieben wird er als ein traditioneller Ort mit starkem indigenen Einfluß. In seiner Struktur jedoch wirkt er wie ein aus der spanischen Kolonialherrschaft stammender Ort. Ein das Zentrum einnehmender mit umfangreichem Blumenanpflanzungen und zahlreichen stattlichen Bäumen repräsentativ gestalteter Platz, die Plaza de 9. Julio, sowie die umliegende koloniale Bebauung weisen auf den dominierenden Einfluß der Spanier hin. Im Osten der Plaza befindet sich eine kleine hell gehaltene schlichte Kirche aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; bei seiner Innenausstattung sowie der Decke wurde das auch früher im Salar de Atacama verwendete Holz der Baumkakteen (Cardones) eingesetzt. Die Stammstruktur verleiht z.B. den Beichtstühlen und sonstigen Inneneinrichtungen eine besondere Note.

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Weitere Platzseiten waren von anderen aus der Kolonialzeit stammenden Bauten besetzt; wenn durch öffentliche Einrichtungen genutzt, wie z.B. durch das Museo Arqueologico oder einem Teil der Gemeindeverwaltung, war offensichtlich der Gebäudeunterhalt gesichert – war dies nicht der Fall, verfielen die Gebäude nach und nach.

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Nachdem wir unsere Mittagspause mit sehr unterschiedlichen Urteilen über die vorgefundenen Speisen beendet hatten – Lukas und Sabina hatten sich an einer lokalen Spezialität, einer Art Ziegenbraten versucht und dabei vor lauter Knochen kaum Fleisch zum abnagen gefunden – ging es etwas vor 16:00 Uhr weiter. Nun lag ein sehr schönes Stück Weges vor uns, die Quebrada (Schlucht) Calchaquies, die als äußerst malerisch beschrieben wird. Zum Unglück für den Fahrer war die Straße sprich die Erdpiste wenig malerisch, sondern besonders eng, kurvenreich und über gut 150 Kilometer lang bis zum Tagesziel. Es würde spät werden mit unserer Ankunft.

Wir hatten ja vor wenigen Tagen extra einen Ausflug von Salta nach Purmamarca und in das Welterbetal Humahuaca unternommen, um die Vielfalt der Farben in dem Gestein der Gebirge uns näher anzusehen. Mit dem Wissen dieser 150 Kilometer zwischen Cachi und Cafayate hätten wir diesen Tag damals zumindest zum Teil anders nutzen können. Auch hier begleiteten uns auf der ganzen Fahrt bunte Berge; mal mit mehr Rottönen versehen, mal dominierte eher Ocker, auch Grün wurde entdeckt. Zwischendurch tauchten kleine oder größere Haziendas auf, die offenbar begünstigt durch das günstige Klima, dass Vorhandensein von Wasser durch den Rio Calchagui, fruchtbare Böden bestellen konnten. Böden, die anfangs der spanischen Kolonialherrschaft noch den einheimischen Indigenen, dem Volk der Calchaqui-Indianer gehörte. Diese wurden jedoch enteignet, vertrieben bzw. nach Buenos Aires zwangsumgesiedelt als sie sich weigerten, den Spaniern Lohndienste zu leisten.

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Endlich gegen 20:00 Uhr fuhren wir dann in Cafayate ein; von unserem Hostel in Salta hatten wir eine Empfehlung und die steuerten wir auch direkt an. Für zwei Nächte kamen wir im Rusty-k Hostal unter und haben diese Unterkunftswahl nicht bereut.

Den Folgetag, den 24.10., wollten wir nicht untätig vergeuden. Lukas und Sabina wollten schauen, ob und wenn ja wie sie mit einem Fahrrad die Gegend erkunden können. Uns stand eher der Sinn nach einer Wanderung. Aber wie wandern in einem vom Weinanbau fast völlig beanspruchten Umland? Als eine Möglichkeit hatten wir im Touristenbüro von einer 1-1 1/2 stündigen Wanderung zu einem schönen Wasserfall in einem nördlich vom Ort gelegenen Tal erfahren. Die Zeitangabe bezog sich einerseits auf den Hinweg und zum anderen ist es sinnvoll, die ersten 6 Kilometer mit dem Wagen zu fahren, was die Wanderzeit nicht wirklich verkürzt. Wie wir später nach Rückkehr feststellten, war die Zeitangabe im Büro völlig aus der Luft gegriffen. Am Startpunkt der kleinen Wanderung angekommen wurden wir zuerst von einem Einheimischen angesprochen; er wollte sich uns als Führer empfehlen; Dauer des Hinweges – jetzt waren es schon drei Stunden. Noch ohne besondere Erfahrungen was die Kennzeichnung von Wanderwegen in Chile betrifft lehnten wir ab. 300m später saß ein anderer Bewohner des indigenen Dorfes vor einem Tischchen und forderte uns auf, unsere Daten in eine Kladde einzutragen; darin wurde auch der Startzeitpunkt ab Dorf vermerkt. Auch jetzt hieß es, mit einer Wanderzeit von drei Stunden sollten wir rechnen. Mit einer kurzen Wegbeschreibung, die aber nur für den ersten Kilometer galt, schickte er uns dann in das Tal hinein. Zu Anfang konnten wir auch munter ausschreiten, passierten kleine Gärtchen, überquerten den Fluß/Bach mehrfach, kamen an einen kleinen Staudamm, von wo aus über Kanäle die Bewässerung der Anbauflächen der Dorfbewohner gewährleistet wurde und stießen immer weiter in das Tal vor. Aus dem anfänglich kleinen aber nicht gekennzeichneten Weg wurden zunehmend viele kleiner und kleinste Wege durch das Geröll, das der Fluß im Verlaufe der Jahrtausende hinuntergerissen hatte. Wir kletterten also über Felsen, balancierten immer wieder über den Fluß und suchten permanent nach “dem” Weg zu unserem Ziel. Zunehmend wurde uns klar, daß es den Königsweg gar nicht gibt, wir folgten den sichtbaren Ziegenwegen. Leider waren wir nicht so behende wie die Tiere, manches Wegstück fiel uns richtig schwer und umkehren mußten wir auch wiederholt. Aber wir kamen voran! Nach weit über 1 1/2 Stunden standen wir dann vor einem wirklich steilen Felsen, auf den hinauf natürlich auch wieder Ziegenpfade führten. Teile der Strecke waren aber ganz schön ausgesetzt und der Untergrund nicht immer fest. Katrin kletterte oder krabbelte vornweg, ich in gebührendem Abstand hinterher. Ich hatte das Ende dieses Abschnittes noch gar nicht ganz erreicht als es von oben hieß : wir gehen zurück. Katrin hatte keinen Hinweis auf einen vernünftigen Weg gefunden, die Plackerei fortzusetzen, schien wenig Sinn zu geben, der Weg wurde immer beschwerlicher und der Rückweg stand uns auch noch bevor. Für den Rückweg benötigten wir nahezu die gleiche Zeit wie ins Tal hinein, mehrfach hieß es zurück auf Start, wir verliefen uns wiederholt. Wer kann sich in diesem Steingewirr auch einprägen, welchen der unzähligen Ziegenpfade wir gegangen waren, wo wir den Fluß überquert hatten? Froh waren wir, nach weiteren fast 1 1/2 Stunden wieder am Wagen Wir hatten zwar den Wasserfall weder gesehen noch gehört – war wahrscheinlich auch nur so ein ganz kleiner, so daß es kein Verlust ist, nicht bis zu dieser Stelle vorgedrungen zu sein –, aber wir waren ohne Blessuren wieder auf sicherem Boden angelangt.

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Am nächsten Tag hieß es innerhalb des Ortes in ein neues Quartier umzuziehen. Wir hatten bei der Rückkehr von unserer Wasserfallwanderung ein kleines Hostel am Ortsrand gefunden, bei dem Preis und Leistung stimmte. Lukas und Sabina hatten bei ihrer Suche am Nachmittag nichts besseres aufgetan, so daß wir eine Nacht im Hostal Candelaria übernachteten.

Katrin und ich hatten uns für den 25.10., unseren zweiten Tag in Cafayate, vorgenommen, in die nach Norden führende Quebrada del Rio de las Conchas, auch Quebrada de Cafayate genannt, zu fahren. Der durch die Quebrada fließende Fluß, der Rio de las Conchas, das Wetter, der Regen, der Wind und die Sonne, die Erosion, haben hier im Verlaufe von wahrscheinlich Millionen von Jahren ein Kunstwerk in die Felsen gefräst. Dabei entstanden eine Vielzahl von mit Phantasie zu erkennende Figuren, Strukturen, Gebilde. Betont wird das Plastische dann noch durch den Buntsandstein, der in seiner Farbenvielfalt zu dem prächtigen Gesamtbild beiträgt. Was bereits von Weitem imponierend ist und Neugier weckt, wirkt aus der Nähe noch interessanter. Also konnten wir unser Interesse an den “Figuren” mit ausführlichen Spaziergängen in die einzelnen Täler verbinden. Je weiter wir uns von der durch die Quebrada führende RN 68, die Salta mit Cafayate verbindet, entfernten, desto einsamer wurde es, denn die auch in diese Region ihre Gäste chauffierenden Agenturen sorgten dafür, daß nur wenig Zeit vor Ort blieb. Für uns ein schönes Geschenk, konnten wir im wesentlichen völlig ungestört durch die Täler laufen. Wo die Phantasie den erkannten Gebilden Namen gibt, werden sie zu Erkennungs- und fast auch Markenzeichen. So findet man neben dem Amphitheater, die Garganta del Diablo (Teufelsrachen), El Sapo (die Kröte), El Fraile (der Ordensbruder), El Obelisco (der Obelisk) oder Los Castillos (die Burgen).

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Es war faszinierend zu sehen, wie künstlerisch die Natur mit dem vorgefundenen Material umgehen kann und dabei keine geringen Anforderungen an unser Vorstellungsvermögen stellt.

Cafayate ist von zahlreichen Rebflächen umgeben; der Weinanbau ist einer der dominierenden Landwirtschaftszweige des Ortes. Überall wo möglich, werden neue Anbauflächen erschlossen. Das warme Klima und offensichtlich auch der Boden sollen gute Voraussetzungen für das Gedeihen der Rebstöcke liefern. Wie wir sehen konnten, werden alle Rebstöcke in Form von Tropfenbewässerung mit Wasser versorgt; aufwendige Installationen sind dafür ebenso erforderlich wie erhebliches Kapital. Damit ist mehr oder weniger vorherbestimmt, daß die Großbetriebe hier über kurz oder lang bestimmend sein werden. Wasserprobleme scheint man zu negieren. Wie wir bei einer Weinprobe bei einem kleinen örtlichen Weinbauern erfuhren, haben nur wenige sogenannte Wasserrechte; so wie ich es verstanden habe, darf nur ein Großproduzent sein notwendiges Wasser direkt dem Rio de las Conchas entnehmen, die übrigen müssen Tiefbrunnen bohren mit der Folge, daß der Grundwasserspiegel auch für die sonstige Landwirtschaft absinken wird. Es hat den Anschein, als ob hier mittelfristig eine Monokultur entsteht mit den bekannten negativen Folgen für Umwelt und Bevölkerung. Die hier angebauten Weine sind, so erfuhren wir, überwiegend Weißweine. Die Weinprobe nach einer Führung durch einen kleinen Betrieb mit einer Jahresproduktion von rund 700.000 Litern, in dem auch die Flaschen noch per Hand abgefüllt werden, die Arbeitskraft ist deutlich billiger bei dem Mengendurchsatz als die Automatisierung der Produktion, war nett, in gewissem Umfang informativ, die zur Verkostung gereichten Weine trafen jedoch fast alle nicht unseren Geschmack

Ohne beschwipst zu sein, gingen wir Richtung Quartier, um uns auf die am nächsten Morgen anstehende Abreise “einzustimmen”.

Salta – la linda

Schien am Samstagabend der größte Teil der Bevölkerung in der Innenstadt auf den Beinen zu sein, waren am Sonntag bei gleißendem Sonnenschein die Straßen nahezu leer, Autoverkehr in einem Umfang, der an einen autofreien Sonntag vor vielen Jahren in Deutschland erinnert. Also beste Zeit, um entspannt die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die wir uns für einen Besuch ausgewählt hatten, anzusteuern. Wie immer dominiert das historische Zentrum ein großer Platz, diesmal der Plaza 9 de Julio , eingerahmt von Palästen, Prunkbauten, Kolonialbauten und natürlich einer Kirche, hier der Kathedrale. Der Platz selber, auch wie immer, war von den Bürgern in Beschlag genommen, aktuell in überschaubarer Zahl, was sich nachmittags und insbesondere abends spürbar verändert, wenn sich hier Gruppen treffen, flaniert wird, oder man entspannt auf einer der Bänke die Zeit genießt..

Die Kathedrale stand auf unserem Besuchsprogramm und wir hatten Glück : gerade war eine Sonntagsmesse mit für unsere Verhältnisse enormer Beteiligung zu Ende gegangen und wir konnten anschließend, wenn auch nur für kurze Zeit, die Kirche bestaunen. Nicht nur, daß hier auch ein Panteon zahlreicher historisch wichtiger Personen aus dem Norden Argentiniens, u.a. General Güemes, Platz gefunden hat, sondern es soll auch Altäre zweier Heiliger mit ihren Reliquien dort geben. Identifiziert wurde der Altar der Virgen del Milagro; zu ihrem Pendant auf der anderen Chorseite konnte ich noch keine Informationen erschließen. Weitere zahlreiche Altäre befanden sich in den Seitenschiffen, meist eher für unsere Verhältnisse kitschig gestaltet, was der gezeigten Frömmigkeit jedoch keinen Abbruch tat. Vor manchen Altären verharrten die Menschen minutenlang in innerer Einkehr, vor anderen ließen sie sich niederfallen, vor wiederum anderen, wie z.B. der Virgen del Milagro bildeten sich Schlangen, um an der Reliquie vorbeizugehen.

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Typisch für die hier vorgefundenen Kirchen, neben der Kathedrale besuchten wir die Iglesia San Francisco, daß insbesondere die aus dem 19. Jhd. stammenden in Bonbonfarben gestrichen waren. Wer es mag …; und am Abend waren dann die wichtigsten Kirchen beleuchtet, auch ein besonderes Bild; manchmal wurde dadurch der Kitschcharakter noch unterstrichen.

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Neben einem Spaziergang durch die historische Innenstadt, in der immer wieder Häuser/Hausfassaden aus der Kolonialzeit zu bewundern waren, standen aber auch, selbst in Innenstadtnähe, Objekte, die nur auf die Abrißbirne warteten. Das hat wohl auch einen besonderen Charme, dieses morbide.

Unsere Versuche, die angesteuerten Sehenswürdigkeiten auch wirklich zu besichtigen, waren bis auf eine Ausnahme, die Kathedrale, nicht erfolgreich. Selbst die Kirchen hatten keinen Tag der offenen, sondern ausdauernd Tage der geschlossenen Türen. Und in einem Fall, dem Museo de Bella Arte, das entgegen den uns bekannten Gepflogenheiten nicht montags, sondern sonntags geschlossen hatte, kehrten wir am Folgetag zurück – und wurden in diesem Fall durch eine eindrucksvolle Ausstellung insbesondere der Werke einer in Salta seit Jahrzehnten wohnenden und sehr bekannten Künstlerin,Telma Palacios, belohnt.

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Wir lernten auf diesem mehrstündigen Spaziergang viele der Innenstadtstraßen näher kennen, stolperten über manch aufgerissenen Bürgersteig, umkurvten hin und wieder Hundekot und klapperten nahezu alle Banken in Reichweite ab, um an Geld zu kommen. Alle Versuche mehr als 700 arg. Pesos, das sind nicht ganz 100 Euro, abzuheben scheiterten. Und dazu waren die meisten angesteuerten Geldausgabeautomaten auch nicht so gekennzeichnet, daß wir sicher sein konnten, bei Einsatz unserer Visa-Card nicht noch mit horrenden Gebühren belastet zu werden. Irgendwann stießen wir auf eine Banelco-Filiale, bei der m.E. auf einem Automaten ein Visaaufkleber sichtbar war – und hier schlugen wir zu. Ohne zu zögern gab der Automat bei vier Transaktionen immer den möglichen Höchstbetrag heraus, unsere Bargeldkasse war endlich wieder gefüllt. Und das ist nötig, denn das Restaurantpreisniveau z.B. kann mit den heimischen Preisen ohne Probleme mithalten.

Uns drückte erheblich unser “Kartenproblem”, in diesem Fall ist nicht die Kreditkarte sondern sind die fehlenden Straßenkarten gemeint. In der Hoffnung, der Argentinische Automobilclub verkauft vielleicht von der Qualität ähnliches Kartenmaterial, wie wir es auf chilenischer Seite bei der Tankstellengruppe COPEC vorgefunden hatten, machten wir uns am Montag zu Fuß auf den Weg, orientierten uns dabei an einem kleinen vom Tourismusbüro der Stadt herausgegebenen Stadtplan. Um Vergleichsmöglichkeiten zu haben, prüften wir die Angebote an Straßenkarten in diversen Buchläden, die auf dem Weg lagen. Nichts von dem Vorgefundenen, sowohl bei ACA als auch in den Buchläden überzeugte so wirklich, die Maßstäbe waren alle ziemlich groß, für eine Groborientierung brauchbar, aber Detailinformationen fehlten. Dennoch, weiter im Blindflug – nein danke; so klemmten wir uns dann ein Handbuch mit begrenztem Kartenmaterial vom ACA unter den Arm – ein Problem war damit weitestgehend gelöst.

Montagnachmittag standen dann 1074 Treppenstufen hinauf auf den Cerro San Bernardo auf dem Programm, quasi der Stadthügel von Salta, von wo aus die Möglichkeit einer Stadtübersicht besteht. Natürlich, wie in einer modernen Stadt, gibt es auch eine Aufstiegshilfe, den “Teleferico”, eine Gondelbahn, mit deren Hilfe und einigen Pesos man den Höhenunterschied von mehr als 200m überwinden kann. Der Weg hinauf zog sich, denn die Stufenpassagen wurden durch Passagen ansteigenden Pflasterweges unterbrochen. Ganz erstaunt waren wir, als wir schon zu Beginn unseres “Aufstieges” auf eine kleine Kapelle stießen, der im Verlaufe des Weges weitere folgten, insgesamt 14 an der Zahl, also ein Kreuzweg. Wir konnten lesen, daß dieser Weg dann auch als Prozessionsweg einmal im Jahr beschritten wird. Man kann nur hoffen, daß die die Prozession begleitenden Priester eine gute Kondition mitbringen.

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Die Stadt beherbergt auch ein Kloster der Schwestern des Carmeliterordens;  ihr Kloster ist nur von außen zu besichtigen – wir konnten beobachten, wie einem Handwerker fast verstohlen die Pforte geöffnet und sofort wieder geschlossen wurde. Ihr Klostergebäude, ein sehr schlichtes Gebäude, an dem das prunkvollste wohl die aus dem Jahr 1742 stammende verzierte hölzerne Eingangstür ist, soll aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stammen und zählt damit zu den ältesten noch vorhandenen religiösen Bauten.

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Aus Angst, zu spät für eine erfolgreiche Quartiersuche in Salta anzukommen, sind wir bei der Anreise am Samstag mit Höchsttempo Richtung Süden gefahren und hatten dabei manch interessantes Ziel links oder rechts liegen gelassen – genug Gründe gab es, wieder in den Norden zurückzufahren, wenn auch als 1-Tagestour, um die Quebrada de Humahuaca aus der Nähe in Ruhe kennen zu lernen, schließlich ist dieses Tal/Schlucht in die Liste der Welterbekulturgüter aufgenommen worden. Ein Tal – Welterbe? Man muß es gesehen haben, um ein Urteil fällen zu  können. Vor allem die zahlreichen Farben des Felsgesteins waren wohl bestimmend für diese Entscheidung. So findet man z.B. im Ort Purmamarca einen Berg der sieben Farben, auch den galt es in Augenschein zu nehmen.

In unserem Quartier in Salta hatten wir ein Pärchen aus der Schweiz kennengelernt, Sabina und Lukas aus Luzern, die in den nächsten zwei Monaten primär per Bus Argentinien bereisen wollten. Als wir hörten, daß sie planten, einen PKW für die Fahrt in die Quebrada zu mieten haben wir angeboten, mit uns mitzufahren – also machten wír uns zu viert auf den Weg. Diesmal nahmen wir nicht den kürzesten Weg in den Norden und die Ausgangsstadt JuJuy, sondern fuhren durch eine selten besuchte an unsere Mittelgebirge erinnernde Berglandschaft auf schmaler Straße, die immer wieder neue Ausblicke bot. Die sehr kurvenreiche Straße kostete Zeit, aber gegen 13:30 Uhr waren wir dann in Purmamarca, unserem ersten eigentlichen Ziel. Nun, aus der Nähe betrachtet, wirken die farbigen Sandsteinfelsen schon, aber überwältigend war es nicht; das war auch das Fazit nach einer mehr als einstündigen Wanderung durch die farbige Gesteinslandschaft. Also weiter talaufwärts, nach Tilcara.

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Der Reiseführer wies hier neben einer typischen Ortsgestaltung durch die indigene Bevölkerung auf die “Garganta del Diablo” hin, einer kleinen tiefen Schlucht, zu der man in einer  mehrstündigen Wanderung oder über eine 8km lange schmale Geröllpiste den Berg hinauffahrend gelangen konnte. Zeitökonomie gebot, zum Ziel zu fahren. Und wieder mußte festgestellt werden, daß zwischen unserer Wahrnehmung und den überschwenglichen Schilderungen der Reiseführerverfasser große Differenzen bestehen. Ernüchtert machten wir uns auf die holprige Bergabstrecke. Der nächste Reiseführerhinweis sollte dann die Fahrt aus dem Feuer reißen. In der Nähe von Tilcara gab es eine Ortschaft indigener Bevölkerung aus präcolumbinischer Zeit, die z.Zt. archäologisch untersucht und in Teilen freigelegt ist. Gegen 16:30 standen wir am Eingang und mußten feststellen, daß für eine auch mit einem längeren Fußweg verbundene Besichtigung der Grabungsstätte nur eine gute halbe Stunde verblieb – zu wenig, damit es sinnvoll ist.

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Nun waren wir seit dem späten Vormittag unterwegs, das erhoffte Highlight unser Fahrt fehlte – ob die Weiterfahrt nach Humahuaca das schwache Ergebnis verbessern könnte? Nach einer guten halben Stunde Fahrt, immer wieder vorbei an den “bunten” Felsformationen erreichten wir das Ziel, oft als malerisch beschrieben mit seinem Kopfsteinpflaster, dem Leben auf den (?) Plätzen, dem ursprünglichen Leben seiner Bewohner. So richtig malerisch war der Ort nicht, eher verschlafen, sein Kopfsteinpflaster zwar vorhanden, aber oft ausbesserungsbedürftig. Geprägt wurde der Ort einerseits durch die in übergroßer Zahl vorhandenen Geschäfte mit kunstgewerblichen Artikeln, andererseits durch zwei, drei besondere Gebäude : dem Cabildo sprich dem Rathaus, seiner wieder einmal geschlossenen in weiß gehaltenen Kirche de la Candelaria y San Antonio, die 1641 durch die Spanier errichtet worden war und das Monument der Heroen der Unabhängigkeit. Und wie überall : auf dem zentralen Platz versammelte sich gegen Abend die Jugend, die Alten und die Polizei (ihr Quartier war direkt am Platz im Rathaus) zu einem Schwätzchen. Das Leben scheint hier sehr geruhsam vonstatten zu gehen; in einem Führer wird ausgeführt, daß der Ort zweimal am Tag zum Leben er/aufwacht – immer dann, wenn der Linienbus mit Touristen ankommt. Rückblickend betrachtet : die letzten 60km das Tal hinauf auf rund 2.700m in Humahuaca hätten wir uns sparen können.

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Bleibt noch nachzutragen, was es mit dem Titel “Salta – la linda” auf sich hat. Der Begriff “linda” wird hier nach unserer Wahrnehmung nahezu inflationär verwendet, alles ist linda (schön, hübsch). Auch die Stadt wirbt selber mit dem Slogan “Salta – la linda”. Resumiert man jedoch die gemachten Erfahrungen in Stadt und Umland, so liegt hier eine wirkliche Übertreibung vor, denn die Stadt hat sowohl schöne Seiten uns gezeigt, als auch offenbart, wie umfangreich die Probleme sind. Über große Teile der Kernstadt verstreut besteht immenser Bedarf, die häßlichen Seiten auszubessern, zu beseitigen. Salta war interessant, aber in überschwenglichen Jubel über das Vorgefundene können wir nicht ausbrechen.

San Pedro nach Salta/Argentinien – ein anderer Blick auf die Anden

Chile und Argentinien sind Länder mit erheblicher Ausdehnung, dies muß man bei der Planung von Tagesreisen berücksichtigen. Als wir uns am 19.10. um 9:00 Uhr aufmachten, um über den Paso de Jama (Höhe 4.406m) nach Argentinien weiter zu reisen, gingen wir von einer langen aber auch langweiligen Fahrt aus. Wir irrten uns, mußten aber am Tagesende feststellen, wie gut es war, am Vorabend noch schnell über das Internet unser Quartier in Salta gebucht zu haben.

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Liegt San Pedro de Atacama  schon auf gut 2.400 m, ging es in den kommenden drei Stunden den Altiplano hinauf zur Grenzstation direkt hinter dem Paso de Jama stetig bergauf, manchmal in steilen Serpentinen, manchmal stetig ansteigend in einer weiteren Hochebene, manchmal verloren wir auch wieder gewonnene Höhenmeter, nachdem die nächste Bergkuppe überwunden war. Hatten wir in den zurückliegenden drei Tagen die östlich unseres Standortes gelegene Bergkette zur Genüge studieren können, gewannen wir auf unserer Fahrt völlig neue Ein- und Ausblicke auf die Giganten, teilweise Vulkane, teilweise nur “einfache” Berggipfel. War der den Ort San Pedro überragende und für die Atacamawüste oft als prägend dargestellte Vulkangipfel Lincancabur, Berg des Volkes in Aymara genannt (5.920m), von Westen aus nahezu ohne Schneeauflage, wiesen seine nach Süden gerichteten Flanken zahlreiche Schneeflächen auf, wirkte der massive Berg wieder anders als von der Talseite aus betrachtet.

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Im Verlaufe der vielstündigen Fahrt hatten wir nicht nur ungeahnte Ausblicke auf die sich ständig ändernde Berglandschaft, sondern ebenso immer wieder “Begegnungen” mit der Tierwelt dieser kargen Region. In der Region zwischen etwa 2.800 – 3.500m nahm die spärliche Vegetation wieder zu, begünstigt durch die zunehmende Feuchtigkeit der Höhenlage, gespeist aus dem Schmelzwasser der Bergwelt. Zwar gab es nie einen grünen Teppich, jedoch standen die harten Grasbüschel und sonstige Flechten immer dichter, wodurch offensichtlich genügend Nahrungsgrundlage für Vicunas, Lamas, Ziegen und später, auf argentinischer Seite auch Schafe bestand. Sahen wir, teilweise nah an der Paßstraße anfangs vereinzelt kleine Gruppen von Vicunas, nahm mit zunehmenden Abstand zu San Pedro und steigender Höhe die Gruppengröße der wild lebenden Vicunas zu. So mußten wir öfter einen Fotostop einlegen. Lamaherden kreuzten die Straße; ihre Markierungen an den Ohren wiesen auf ihre Besitzer hin. Putzig, wenn sie aufmerksam, die Ohren steil aufgestellt beobachteten, wie sich die unbekannten Wesen an der Strasse verhalten. Konnten wir vor zwei Tagen bei unserem Besuch Laguna Chaxa , einem Bereich, in dem sich zahlreiche Flamingos aufhalten sollten, nur wenige Exemplare teilweise in großer Entfernung ausmachen, hatten wir auf den ersten 200km von San Pedro in die Berge hinein mehr Glück.

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Mehrfach passierten wir kleinere und größere Salzseen im Nationalpark Los Flamencos, in denen zahlreiche Flamingos nach Nahrung fischten, in Höhen von 3000m und mehr! Manchmal gesellten sich auch Vicunas dazu, die diese Wasserflächen als Tränke  nutzen.

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Auch das dritte Wüstentier bekamen wir zu Gesicht, leider in einem anderen Zustand, als dieses es sich gewünscht hätte – plötzlich lag vor uns auf der Straße ein überfahrener Wüstenfuchs. War wohl nicht listig genug oder sehr schlecht bei Fuß der kleine Kerl. In den drei Stunden Fahrt bis zur Grenzstation hatten wir das Glück,mehr der hier heimischen Tiere zu sehen als in der vorangegangen Woche, ein schöner – vorläufiger – Abschluß unserer ersten zwei Reisewochen.

Hochachtung nötigte uns die Anpassungsfähigkeit von Fauna und Flora in dieser unwirtlichen Umgebung ab. Große Flächen sind versalzen, dennoch gedeihen hier kleinste Sträucher, finden in der Hochebene lebende Tiere hier ihre Nahrung, kommen z.B. auch Vicunas mit dem salzigen Wasser der Hochlandseen zurecht.

Wie hoch wir während unserer Fahrt hinaufkamen belegen auch die zunehmenden, wenn auch insgesamt spärlichen Schneefelder und die Schneereste am Straßenrand. Kein Wunder, wenn die Paßstraße  im hiesigen Winter für sämtlichen Verkehr gesperrt ist.

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Nach geschätzten 20-25 Fotostops erreichten wir nach fast dreistündiger Fahrtzeit den Paß, konnten einen letzten Blick auf den hier sich ausbreitenden Salzsee werfen, und kurz danach die gemeinsame Grenzstation von Chile und Argentinien. Aufwendige Grenzprozeduren waren zu erledigen, insbesondere wegen unseres Mietwagens, aber nach etwa 20 Minuten und einen Blick der Grenzpolizisten auf die Ladefläche unseres Pickups ging es dann hinein und hinunter nach Argentinien.

Geplant war, an der hinter der Grenze befindlichen Tankstelle uns mit aktuellen Straßenkarten Argentiniens auszustatten, um einen weitgehenden “Blind”flug zu vermeiden. Tanken hätten wir können – aber mussten wir nicht –, aber eine Straßenkarte – Fehlanzeige; vielleicht im nächsten Dorf, das aber auch unendliche Kilometer landeinwärts lag. Wir wußten, daß die von uns befahrene Straße zuerst nach Jujuy führen würde, von wo aus es dann weitere 120 km nach Salta, unserem nächsten Stop wären, es jedoch eine Abkürzung von über 100km gibt, wenn wir eine nach Süden führende Piste nutzen, die uns auf eine südlicher verlaufende direkt nach Salta führende Bundesstraße bringen würde. Soweit die Theorie, aber in der Praxis benötigen wir, um bei den schlecht ausgeschilderten Straßen die richtige Abzweigung nehmen zu können verläßliches Kartenmaterial. Und so fuhren wir auf unserer schönen Teerstraße gen Osten und hielten die Augen nach einem Hinweisschild in Richtung Salta offen, konnten aber keines erkennen. Nach 64km durch das Altiplano auf argentinischer Seite, das anfangs dem bekannten Bild auf chilenischer Seite entsprach, dann aber zunehmend grüner wurde, trafen wir auf eine Ortschaft, Susques, wo wir endlich nachfragen konnten. Natürlich wurden wir weiter auf die alte Strecke nach Jujuy geschickt. Wie wir später feststellen konnten, auch zu Recht, denn die Alternative, die wir verpassten, hätte gute 140 Schüttelkilometer auf schlechter Piste bedeutet. So hatten wir zwar, in Salta angekommen, statt knapp 500km über 600km Fahrt hinter uns gebracht, diese waren jedoch deutlich entspannter zu bewältigen als auf der alternativen kürzeren Strecke.

Susques, eine kleine Gemeinde, ist geprägt durch seine wie an einer Perlenschnur die wenigen Straßen entlang aufgereihten Adobehäuser, geduckt, kleine Fenster, braune Ziegel, strohgedeckte Dächer, Straßen, die aus festgefahrenem Boden bestehen, einzelnen nahezu vertrockneten knorrigen Bäumen, die versuchen, der Vegetationszeit folgend auszuschlagen und zu grünen und kaum einer Menschenseele auf den Straßen. Wann immer wir durch derartige Dörfer kamen, die weit abgelegen ihr Dasein fristeten fragten wir uns, wovon die Bewohner eigentlich lebten. In den ariden Bereichen, die wir in der vergangenen Woche durchfahren hatten, war im allgemeinen nur sehr eingeschränkt eine rudimentäre auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft möglich, konnten kleine Viehbestände gehalten werden; besser die Situation in den Oasen, aber Susques liegt in keiner Oase. Eine Antwort kennen wir nicht, die immer wieder in den Ortschaften zu sehenden verfallenden und unbewohnten Häuser sprechen ihre eigene Sprache – auch die Bevölkerung des Altiplano beiderseits der Grenze nimmt Reißaus.

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Wie wir so ab der 5./6. Fahrstunde bemerkten, hatte die “Umweg”strecke nicht nur den Vorteil einer asphaltierten Straße, sondern bestach auch durch seine “einzigartige” Landschaft. Nahezu stundenlang ging es oft stupide geradeaus, ab und an ein kleiner Schlenker, aber wir blieben fast 160 km auf der gleichen Höhe bei zunehmender Vegetation und erkennbar umfangreicherer Viehhaltung. Und dann bemerkten wir auch am Straßenrand einzelne Bauernhäuser, auf deren Dächern sich ein Solarpanel befand – zumindest die Stromversorgung war gesichert, der Raubbau an der Natur bei der Suche nach Feuerholz konnte damit vielleicht reduziert werden, auch meilenweit von der nächsten Stadt entfernt, konnten so einige Familien am technischen Fortschritt teilhaben. Auf der anderen Seite steht aber die Wasserversorgung aus einem Ziehbrunnen.

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Und dann kam insbesondere Katrin noch zur Bekanntschaft mit einem richtigen Salzsee, den Salinas Grandes auf argentinischer Seite. Eigentlich hatte ja der Besuch des Salar de Uyuni auf bolivianischer Seite auf unserem Plan gestanden. Mit eigenem Fahrzeug oder per Bus möglich, nicht aber mit einem Mietwagen – striktes Verbot, die bolivianische Grenze zu  überqueren, da die Fahrzeuge dort offenbar schneller mit neuen Papieren umdeklariert werden können als dem Vermieter recht sein kann. In San Pedro klärte Katrin dann die Alternative einer von dort organisierten Rundfahrt über 4 Tage mit einem ernüchternden negativen Ergebnis. Um so erfreulicher, als plötzlich vor uns eine riesige weißglänzende Fläche auftauchte und beim Heranfahren auch erkennbar wurde, daß hier, wie in Bolivien, Salz abgebaut wurde. Wir waren an den Salinas Grande angekommen, durch den auf einem Damm die Straße führte. In der Ausdehnung zwar nicht mit dem Salar de Uyuni zu vergleichen, dennoch sehr beeindruckend, auch interessant wahrzunehmen, wie hier die Salzgewinnung manuell erfolgt.

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Und dann kam ein weiterer Höhepunkt unserer heutigen Fahrt. Nachdem wir uns an einem Talende durch wie wir glaubten unzählige U-turns in die Höhe schrauben mussten, ging es kurz nach der Überquerung der Passhöhe der Cuesta de Lipan (rund 4.100m hoch)) fast 1200m in wirklich unendlichen Serpentinen hinunter ins Tal. Wann immer wir, wenn es denn möglich war, einen der sehr langsam vor uns fahrenden schwer beladenen LKWs überholten, nahmen wir den Geruch von verbranntem Bremsgummi wahr, zumindest kam uns immer dann eine überriechende Duftwolke in die Nase. Diese Strecke forderte von Mensch und Maschine wirklich viel ab – und erst die bergauffahrendem LKWs! Im ersten Gang quälten sich die wenigen Exemplare, denen wir begegneten, zur Paßhöhe hinauf. Immer wieder taten sich eindrucksvolle Einblicke in das Tal auf, eine tiefeingeschnittene Schlucht mit bizarr geformten Felsformationen. Und dann öffnete sich der Einschnitt zu einem kleinen aber grünen Tal – wir waren in Purmamarca angekommen, ein kleines Städtchen, in das sich, wie die zahlreichen Hotels ausweisen, nicht nur Durchreisende verirren. Und dann am Ausgang des Ortes nahmen wir in der Ferne mehrere Bergrücken mit unterschiedlichen Farben wahr; nicht nur das allseits bekannte Braun war sichtbar, sondern Rottöne prägten die Felsen ebenso wie Grau- und Grüntöne. Manche Reiseführer weisen auf insgesamt sieben Farben hin, die diese Felsen aufweisen sollen.

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Der Rest des Tages verging dann wirklich wie im Flug, denn die Zeit drängte und wir wollten möglichst vor Dunkelheit unser Quartier in Salta erreicht haben. So nahmen wir mehr aus den Augenwinkeln die große Breite der bis auf ein kleines Rinnsal  nur aus Geröllmassen bestehenden Flußbette des Rio Grande und der zuströmenden Nebenflüsse wahr.

Und immer noch hatten wir weder Karte noch Stadtplan von Salta, einer Stadt mit 500.000 Einwohnern, d.h. mal eben reinfahren und nach dem Quartier suchen war keine erfolgversprechende Strategie. Gut 10km vor dem Stadtzentrum dann ein mautpflichtiger Straßenabschnitt und ein Hinweis auf eine Touristeninformation an dieser Stelle. Obgleich im allgemeinen auch samstags die Geschäfte in Argentinien bis 20/21:00 Uhr offen sind, die Infostelle hier vor Ort war verwaist. Zu unserem Glück hing im Fenster ein übersichtsartiger Stadtplan von Salta. Wir entschieden uns ins Zentrum zum zentralen Platz, hier Plaza 9. Julio, zu fahren und von dort aus das Quartier anzusteuern; also mußten wir nur noch die Teile des Stadtplanes “abmalen”, die uns an unser Ziel führen. Und wir kamen, wenn auch über Umwege, weil Einbahnstraßen zu beachten waren, an unser Ziel, das Hostel Salta por siempre.

Hatten wir schon beim Durchqueren des Stadtzentrums die Menschenmassen, die sich durch die Straßen schoben wahrgenommen, wurden wir, auf der Suche nach einem Restaurant am Abend dann förmlich durch die Straßen geschoben. Es hatte den Anschein, als ob alle Bewohner der Stadt sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht hatten, um entweder nur zu Schaufenstern oder gleich die Läden leerzukaufen.

3 Tage in San Pedro de Atacama

Geht man durch San Pedro fällt sofort auf, daß jedes Haus im innerdörflichen Bereich mit dem Tourismus verbunden ist, sei es als Herberge, Hotel, Hostal, Adventureanbieter –  hiervon gibt es unzählige –, Restaurant, kleiner Lebensmittelladen, Kunstgewerbe, Sportbekleidung, Kunst, Andenkenläden, Empanadabüdchen, gehobene und normale Bekleidung etc. Alles aber auch alles ist auf die Einnahmequelle Tourismus zugeschnitten. Es sieht so aus, als ob es eigentliche “Ur”einwohner von San Pedro, die Atacamenas, im Dorfkern nicht mehr gibt, sie hier auch nicht mehr wohnen. Stattdessen bevölkern, wir auch, größere Touristengruppen die innerdörflichen Straßen. Uns erschien die Menge der Gäste schon groß, wie wird hier erst geschoben, wenn die Saison begonnen hat, denn jetzt sind wir in der Vorsaison.

Grund genug, möglichst wenig Zeit im Ort zu verbringen und sich auf den Weg zu den uns interessierenden Orten im und am Salar de Atacama zu machen. Dennoch, der Vormittag wurde der Ortsbegehung gewidmet, schließlich steht hier eine alte “Kathedrale” aus dem Jahr 1744, aus Adobesteinen – wie fast alles hier – gebaut, ganz in weiß gehalten und mit einer Deckenkonstruktion aus Kaktusholz versehen, die immer noch an vielen Stellen entweder mit Lederriemen oder Holzdübeln zusammengehalten wird. Und noch etwas von kultureller Bedeutung zeichnet San Pedro aus, das Museo Arqueológico Padre Gustavo Le Paige, in einem sehenswerten ortsangepassten kleinen modernen Museum präsentiert. Der Pater kam in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach San Pedro und entdeckte Gräber und Wohnhäuser früherer Bewohner der Atacamawüste. Seine sehr umfangreichen Funde sind der wesentliche Grundstock des Museums, in dem das Leben und die Lebensbedingungen der Atacama-Bewohner über eine Zeitspanne von mehreren tausend Jahren nachgezeichnet wird. Interessant war die Ausstellung und in Teilen sehr informativ; leider krankte die Wissensvermittlung manchmal an den nicht vorhandenen englischsprachigen Erläuterungen – für die spanischen Ausführungen waren wir nicht sprachkundig genug.

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Da der Mietwagen nicht nach Bolivien mitgenommen werden darf, wollten/mussten wir andere Optionen einer Fahrt zum Salar de Uyuni in Bolivien, der größte und in meinen Augen auch schönste Salzsee der Erde, prüfen. Uns war bekannt, daß von San Pedro aus, nicht weit von der Bolivianischen Grenze gelegen, auch 3-4 Tagestouren um den See angeboten werden. Katrin machte sich deshalb auf den Weg zu den diversen Agenturen und kam enttäuscht aber mit einem Entschluß zurück.  Positiv : derartige Touren werden angeboten; Negativ :die Übernachtungsmöglichkeiten sind jedoch mehr als dürftig und Katrins Anforderungen an eine Mindesthygiene werden nicht erfüllt. Schienen dies noch Rahmenbedingungen zu sein, über die man diskutieren kann, war die Antwort auf den Guide dann das Aus für diesen Reisepunkt. Obgleich es hier in San Pedro nur von internationalem Publikum so wimmelt, die Touren werden nur mit einem spanischsprechenden Guide durchgeführt. Es scheint wenig zu interessieren, den Gästen auch etwas über die Region zu vermitteln. Auf Katrins Nachfrage, ob eine Tour auch mit einem englischsprachigen Guide durchgeführt würde – wohlgemerkt, die Mindestteilnehmerzahl ist 6 Gäste –, meinte man, dies lasse sich eventuell einrichten. Für diesen “Service” hätten wir jedoch pro Tag (!) 100 US-Dollar zusätzlich entrichten müssen! Das hätte den Preis für uns nahezu verdoppelt und nur Sinn gegeben, wenn wir vier weitere Mitfahrer mit gleichem Interesse gefunden hätten, um die Kosten zu teilen. Damit war das Thema Abstecher zum Salar de Uyuni abgeschlossen und wir bemühten uns, die vor uns liegenden Salzseen in Chile und Argentinien als “Ersatz” zu verstehen.

Der Nachmittag wurde dann ganz der Kultur gewidmet; in der Nähe von San Pedro sind die Überreste sprich Ruinen der Festung Quitor zu besichtigen. Quitor, ein Wehrdorf, wurde im 12. Jahrhundert errichtet und widerstand mehrere Jahrhunderte allen Eroberungsversuchen. Auch die Inkas konnten sich den Ort nicht mit kriegerischen Mitteln einverleiben, sondern mit Diplomatie. Erstmals den Spaniern gelang es im 16. Jahrhundert, die Festung einzunehmen. Viel zu sehen ist nicht mehr, auch wenn die Restauratoren einiges wieder hergestellt haben. Erkennbar ist die sich einen Hügel terrassenförmig hinaufziehende Ortsanlage und die sie umfassende Wehrmauer. Ohne weitere Erläuterung standen wir, obgleich es sich hier um einen Museumskomplex handelt und Eintritt erhoben wurde, eher staunend als wissend vor den Mauerresten.

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Interessanter war es dann schon, auf den nahegelegenen Aussichtspunkt etwa 45 Minuten hoch zu laufen, um von dort einen Überblick über die Oase San Pedro zu erhalten.

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Und dann war es schein Zeit, sich in das Valle de la Luna aufzumachen, auch nicht gerade um die Ecke gelegen und die Zufahrt musste erst noch gefunden werden, wollten wir nicht nur zum Sonnenuntergang dort sein, sondern bis dahin auch das Tal erkunden. Es liegt mehr als 10 Kilometer von San Pedro entfernt und man benötigt weitere gut 25 Kilometer Fahrt, um bis an sein Ende zu gelangen. Das Valle de la Luna war zu Urzeiten ein See, der dann nach oben gedrückt und zum Teil aufgefaltet wurde. Zusammengepresster Sand, Lehm und teilweise Salz waren dann das durch Wind und Wetter zu formende Material, als dessen Ergebnis nicht nur bizarre Formen entstanden sind, sondern tiefe Vadis, interessante Höhlen, ein tolles Farbenspiel der verschiedenen Sand-/Gesteinsarten erkennbar ist, Verwitterung überall seine besonderen Spuren hinterlassen hat. Nicht nur menschenähnliche Figuren wie die Tres Marias sind das Ergebnis, sondern auch eine hohe Düne, von der aus man nicht nur einen tollen Einblick in das als Amphitheater genannte und von Hügeln umkränzte Oval hat, sondern zugleich den besten Aussichtspunkt für einen Sonnenuntergang bietet. Wir waren zeitig dort und blieben, während angereiste Reisegruppen nach wenigen Minuten den Weg zurück in den geschützten Bus suchten, denn gegen Abend wurde es nicht nur wegen des Windes empfindlich kühl. Das sich dann präsentierte Farbenspiel bei abnehmendem Sonnenlicht auf den umliegenden Hügeln war es wert, hier oben zu frieren und dann im Halbdunkel sich aus dem Tal herauszutasten.

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Für den heutigen Tag, den 17.10., war eine längere Rundreise geplant, die uns zu der Reserva National de los Flamencos im Salar de Atacama führen sollte, anschließend dann weiter und wieder einmal in Richtung argentinischer Grenze zu den unterhalb des Vulkans Miniques liegenden Lagunen. Der Salar ist nicht gerade klein, und so standen etliche Kilometer Anfahrt auf dem Programm, die uns zuerst an den sich im Süden an das Hauptdorf San Pedro anschließenden kleineren Oasen, die anscheinend inzwischen Schlaf- und Wohnort der einheimischen Bevölkerung geworden sind, vorbeiführte, bevor uns dann die Weite des Salars umgab.  Rechts von uns der Salzsee bzw. die sand- und schotterbedeckte sichtbare Oberfläche, durch die nur hin und wieder deutlich die Salzkristalle durchschimmerten, rechts begleitete uns eine Bergkette, aus der natürlich der Vulkan Lincancábur herausragte, dominiert dieser Berg doch die Bergkette allein schon durch seine Größe (5.916m).

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Der kleine Ort Toconao war nach knapp 40 Kilometern erreicht; er liegt eher am Rande des Salzsees und ist von großflächigen Waldungen insbesondere der einheimischen Tamarugo Bäumen umgeben. Sehenswert hier insbesondere die alte zu Kolonialzeiten erbaute kleine Kirche mit ihrem abseits auf der Plaza  stehenden dreistufigen Glockenturm, deren Tür als Kakteenholz gefertigt ist. An die Kirche angeschlossen ist ein kleines Frauenkloster; die Nonnen trafen gerade die Vorbereitungen für das am kommenden Tag stattfindende Kirchenfest. Das war es aber schon an feststellbaren Aktivitäten in diesem kleinen Dorf, in dem die wenigen sichtbaren Menschen sehr gemächlich sich bewegten oder plaudernd zusammen standen. Auf eine Besonderheit in der Hausbauweise muß hingewiesen werden. Im Gegensatz z.B. zu San Pedro, wo die Häuser aus Adobesteinen gebaut werden, greift man hier auf in der Nähe abbaubares Vulkangestein zurück, das weiche und zugleich auch weiße Liparitagestein . Auch die Kirche ist aus diese Material gebaut und erstrahlt dementsprechend weiß.

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Bald hinter Tocanao mußten wir dann die schöne Asphaltstrasse, die zum Paso de Jama und somit nach Argentinien führt, verlassen und tauschten das ruhige Fahren gegen ein Dauergerüttel auf einer Erdpiste durch den Salar ein, um zum Lago Chaxa zu kommen, wichtiger Teil der Reserva National de los Flamencos. Der Salar de Atacama ist praktisch der See, in dem der Rio San Pedro aber auch andere aus den Andenbergen unterirdisch abfließender Flüsse münden. Da kein Abfluß besteht, denn es ist eine Senke, verdunstet das Wasser schnell an der Oberfläche und zurück bleiben die im Wasser enthaltenen Salze. An einigen Stellen des Salar bilden sich dennoch einige sehr salzhaltige Wasserflächen, ein ideales Revier für Flamingos. Der Lago Chaxa ist die größte dieser Wasserflächen auf dem Salar; hier haben sich dauerhaft eine ganze Anzahl von Flamingos angesiedelt. Rund um die Lagune dann das übliche Salarbild, eine braune Kruste, nicht glatt, sondern oft aufgebrochen, mit Gesteinsablagerungen, auch aus den letzten Vulkanausbrüchen, übersäht, mit einigen weißen Salzsprenkeln,  eine große weiße Salzfläche ist kaum zu erkennen. Der Besuch bei der Flamingostation beginnt mit einem kleinen erläuternden Rundgang, auf dem dem Besucher die Entstehung des Salar aber auch das Verhalten der hier lebenden Flamingos vermittelt wird. Für uns neu, die Flamingos leben in monogamer Beziehung, bis das der Tod sie scheidet. Nun war dies die erste Möglichkeit, Flamingos in freier Wildbahn zu sehen; aber die Vögel halten sich verständlicherweise nicht dort auf, wo der Besucher sie leicht zu Gesicht bekommen kann. So blieb uns die Fernsicht auf die im Grunde sehr kleine Gruppe an Flamingos, die zudem auch immer wieder ihren Standort auf dem See wechselten. Auch wenn die großen Flamingopopulation hier nicht zu sehen war, beeindruckt haben uns die wenigen Tiere in ihrem majestätischen Gang und eleganten Flug schon.

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Unser nächstes Ziel waren zwei schöne Bergseen/Lagunen in der Nähe des Paso de Jama, die wir nach fast 100 Kilometer Fahrt erreichten. Gute 75 Kilometer lang war es, nachdem wir vom Salar wieder auf die RN 23, die zum Pass führt, zurückgekehrt waren, ein angenehmes Fahren, genügend Gelegenheit, nach rechts und links zu schauen und das Bergpanorama zu genießen. Stetig ging es bergauf, schließlich waren wir auf deutlich über 4.000m angelangt und fuhren über eine Hochebene. Fast hätten wir es übersehen, dieses kleine unscheinbare Schild, das auf eine kleine enge Schotterpiste den Berg hoch hinwies. Da war es dann mit dem gemütlichen Fahren vorbei, denn die nächsten mehr als 20 Kilometer ging es im wahrsten Sinne über Stock und Stein auf einer Piste, die nur Platz für ein Fahrzeug bot. Dem einzigen entgegenkommenden Wagen konnten wir zum Glück in einer Ausweichstelle Platz machen. Trotz des angestrengten Blickes auf die vor uns liegende Wegstrecke bemerkten wir mehrfach oberhalb von uns Wildtiere. Einzelne Guanakos grasten dort, machten sich aber schnell davon, als sie bemerkten, wie wir anhielten und machten somit unser Bemühen um eine Dokumentation dieser Begegnung zu Nichte.

Der Bereich um die beiden Lagunen Laguna Miscanti und Laguna Meniques, nach meiner Erinnerung teil des Nationalparkes, wird von der indigenen Dorfbevölkerung von Socaire, gut 30 Kilometer entfernt, betreut. Und so wartete am Eingang zu dem Park in einer kleinen Steinhütte eine dick eingepackte und sich vor der Kälte schützende Indigena, um uns die Eintrittskarten zu verkaufen. Auf einer vorgeschriebenen Route war es möglich, in die Nähe der tiefer in einer Senke  liegenden beiden Lagunen zu fahren, auf vorgezeichneten Fußwegen konnte man sich dem Wasser nähern, ohne es zu erreichen. Gutes Sehen war also angesagt. Was sahen wir : zum einen kristallklares grünliches Wasser, im Hintergrund jeweils imposante Gipfel, den Cerro Miscanti und den Cerro Meniques, beide fast 6.000m hoch, und eine einsame Möwe, die die Nähe der Wandernden suchte, um Futter abzustauben. Ein strammer Wind ging hier oben, und warm war es auch nicht, eigentlich sollte man sagen, es war saukalt, was nicht unbedingt zu längeren Fußwegen anregte. Es war wohl eher das geeignete Möwen- als Menschenwetter, weshalb wir diese malerische und nahezu ohne Störung durch andere Besucher wahrzunehmende Gegend nach einer guten Stunde wieder verließen und uns über die Holperstrecke zurück zur RN 23 und nach San Pedro auf den Weg machten.

(Fremdbilder von beiden Lagunen, mein Foto hatte eine Störung!)

Der Besuch der El Tatio Geysire in einem etwa 100 Kilometer von San Pedro entfernten Hochtal gehört zu den Ausflugszielen, wenn man in San Pedro ist. Da, so wird berichtet, die Chance auf hohe Fontänen am frühen Morgen, wenn das gefrorene Wasser auftaut und die Fontänen einen größeren Druck aufbauen müssen, am größten ist, hieß dies, am heutige 18.10. im Dunkeln aufstehen und fast 2 Stunden in Richtung El Tatio in die Hochebene fahren. Da wir zu Recht vermuteten, die Beschilderung ist nicht nur mangelhaft, sondern im Dunkeln auch kaum zu erkennen, legten wir uns gegen 04:30 Uhr an der in Richtung El Tatio führenden “Straße” auf die Lauer und warteten auf die Busse der Reiseagenturen. Wir wurden nicht enttäuscht und konnten uns dann an ein Fahrzeug über lange Zeit dranhängen. Sichtlich vor Morgendämmerung und 30 Minuten vor der geplanten Zeit erreichten wir fast als erste den Park. Nun hieß es in schneidender Kälte warten. Trotz Dunkelheit konnten wir weit vor uns weiße Rauchwolken erkennen, die Geysire dampften so vor sich hin. Ein gespenstisches aber auch sehr interessantes Bild. Mit zunehmendem Morgenlicht war es möglich, das gesamte Areal wahrzunehmen. Aus gut 100 Löchern zischte und dampfte es, kleine Fontänen schossen ab und zu in die Luft, es brodelte um uns herum, als wir bei Tageslicht über das zugängliche Gelände liefen. Obgleich es von unten warm heraufströmte und Gelegenheit bestand, sich auf der einen Seite zu wärmen, überkam einem auf der Rückseite ein Frösteln, es war wieder einmal saukalt hier oben in den Bergen. Die Frostgrenze war unterschritten. Und eine wärmende Sonne war (noch) nicht in Sicht. Es war ein sehr beeindruckendes Bild zu erleben, wie hier die Erde atmete, unter uns quasi lebte und wir praktisch in den Erdschlund blicken konnten. Natürlich hatten wir das erhoffte besondere Erlebnis einer meterhohen Fontäne nicht, aber der gesamte Eindruck der El Tatio Geysire war ein starker. Fast waren wir geneigt zu sagen, nachdem wir dies gesehen haben ist eine Fahrt zu den Geysiren auf Island entbehrlich. Übrigens, die Erdwärme sollte genutzt werden, weshalb man vor Ort in dem Gebiet der Geysire Bohrungen ausführte mit dem Ergebnis, die Geysire versiegten. Großer Protest wegen des Verlustes dieser Naturschönheit und die Bohrungen wurden eingestellt. Auf dem Areal kann man noch einige versiegelte Bohrlöcher “bestaunen”.

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Einfach gegen 09:00 Uhr wieder zurück nach San Pedro zu fahren war nicht unser Ding. Die Straßenkarte und Hinweise in den diversen Reiseführern legten nahe, eine kleine Rundfahrt durch das Gebirge hier im Norden von San Pedro zu unternehmen. Es war eine denkwürdige Rundfahrt, die zu nicht geplanten Einsichten und Erlebnissen führte.

Offensichtlich ist die Morgendämmerung des Guanakobetrachtenden Freund, denn auf dieser Fahrt durch das Altiplano in Richtung Calama sahen wir sehr häufig diese scheue Lamaart. Immer wieder bemerkten wir in akzeptabler Entfernung auch größere Tiergruppen, die wohl beim Frühstücken durch die Täler liefen.

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Die Fahrt über das Altiplano hatte seine Reize und seine Herausforderungen. Straßenschilder, natürlich, Fehlanzeige, so konnten wir uns nur auf unsere nicht gerade einen kleinem Maßstab darstellende Straßenkarte und die vermutete Himmelsrichtung verlassen. Irgendwie kamen wir, wenn auch nicht immer sofort an unser erstes Ziel, die Gemeinde Caspana, ein kleines unspektakuläres Nest direkt am Rio Caspana gelegen, von indigenen Atacamenas, den Aymara, bewohnt. Kurz vor dem Ort bemerkten wir einen Friedhof, dem wir einen Besuch abstatteten. Friedhöfe unterscheiden sich erheblich von den uns in Deutschland bekannten. Hier werden kleine Häuser für die Toten gebaut, oft stehen auch Getränke bereit und ganz besonders auffällig ist der üppige (Kunst-)Blumenschmuck.

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Hinein kamen wir nach Caspana, die Karte wies auch einen Weg durch den Ort in Richtung Bundesstrasse im Norden, den wir aber nicht fanden. Also hieß es über eine sehr schmale Brücke über den Rio Caspana zurück und die in der Karte eingezeichnete Alternativroute suchen. Ich erinnerte mich, am vor dem Ort gelegenen Friedhof eine Wegabzweigung in Form einer sehr einfachen Piste gesehen zu haben. Das mußte dann wohl die in der Straßenkarte eingezeichnete Verbindung zur Bundesstraße sein, die nach etwa 10 Kilometern erreicht sein sollte.  Recht hatte sie, die Straßenkarte, aber ein so richtig befahrbarer Weg oder Sträßchen war es nicht!

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Karten können sich nicht irren, die Richtung stimmte und der Weg schien zu Beginn auch gut befahrbar, schließlich sitzen wir in einem ganz gut motorisierten Wagen mit großer Bodenfreiheit. Die gute Stimmung verflog in dem Maße, wie die Wegverhältnisse sichtbar schlechter wurden. War es zu Anfang noch eine weitgehend normale Schotterpiste mutierte dieser Weg zunehmend zu einem nur mit Ochsenkarren und viel Geduld der Zugtiere nutzbaren Strecke. Wir ruckelten langsam unserem – vermeintlichen – Ziel entgegen, doch die Stimmung verschlechterte sich weiter als erkennbar war, nun geht es ziemlich steil in eine Schlucht hinunter. Links der Felsen, dann eine Art Weg und rechts ging es dann mehr oder weniger steil und direkt hin zum Fluß. Umkehren war nicht möglich, wie sollte man auf einem maximal drei Meter breiten Weg unser Ungetüm von Auto wenden und rückwärts hinauf ging schon gar nicht. Ich muß zugeben, ich erinnere mich nicht, jemals so langsam und behutsam eine Strecke gefahren zu sein und angespannt war ich auch ziemlich. Katrin auf dem Beifahrersitz wurde ganz ruhig und starrte starr und sehr angespannt nach vorne. Meter um Meter ging es abwärts; mußte hart gebremst werden hatte ich das Gefühl, auf der Schotterschicht zu schwimmen. Ich weiß nicht, wie lange die Bergabfahrt dauerte, es fühlte sich nach Stunden an. Endlich im Tal angekommen stand uns die zweite Überraschung bevor. Zwar führte ein Weg auf der anderen Flußseite wieder die Wand hinauf zum Licht, aber zuvor war der Fluß zu durchfahren. Nach eingehender Prüfung der Wassertiefe wurde der Versuch gewagt und mit dem maximal möglichen Anlauf dann durch das Wasser geprescht. Wir waren also drüben aber noch nicht oben. Die bislang gefahrene Strecke zurückzufahren traute ich unserem nur auf einer Achse angetriebenen Wagen bei der starken Steigung nicht zu, also konnte es nur heißen mit Hoffnung sich auf den Weg nach oben zu machen. Katrin ging voraus, um den Anfang der Strecke zu prüfen – es war machbar. Also Mut gefasst und den Wagen im zweiten Gang behutsam am Gas haltend langsam nach oben ziehen – Anspannung pur, denn Stehenbleiben und dann erneutes Anfahren, ob das gelingt? Wir schafften auch diese Hürde und sahen unter uns ein wirklich schönes sehr enges Tal. Natürlich hätten wir den Blick zurück lieber nach einer anderen als dieser stressigen Erfahrung gemacht. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten, es wartete noch eine zweite Schlucht mit ähnlichen Bedingungen auf uns. Man könnte fast sagen, wir hatten ja jetzt Erfahrung und könnten die neue Herausforderung gelassen angehen – traf aber nicht auf uns zu. Auch diesmal ging “der Arsch/mein Arsch auf Grundeis”. Aber, man darf den Beifahrer ja nicht ängstigen und so blieb ich äußerlich ganz cool, kein Problem, das schaffen wir doch! Ja, wir kamen durch, und das ohne Blessuren. Zugegeben, der Weguntergrund an der zweiten Schlucht war nicht ganz so extrem wie zu Beginn, aber auch für Ralleyfahrer wäre es eine besondere Herausforderung gewesen. Und wie zum Beweis, daß wir nicht die einzigen und schon gar nicht die ersten waren, die diesen in unseren Augen Wahnsinnsritt unternommen haben, begrüßten uns in der zweiten Schlucht eine Reihe frei laufender Lamas, die auch irgendwann von irgendwem eingefangen werden. Endlich wieder sicheren Boden unter den Reifen an der Bundesstrasse mußte ich Katrin versprechen, derartige Mutproben nicht mehr abzuliefern. Ja wenn ich gewußt hätte, wie die Strecke insgesamt ist, wären wir sicherlich so nicht gefahren. Aber wer ist schon Hellseher oder Allwissend?

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Angesichts dieser stressigen Fahrerei verzichteten wir auf einen Besuch des indigenen Dorfes Toconce, das eine besondere kleine Kirche besitzen soll und beschränkten uns auf einen Abstecher zu den Banos de Turi, einer Kulturstätte. Als wenn wir nicht schon genug Frust an diesem Tag geschoben hätten, die fehlende oder falsche Beschilderung verhinderte trotz aller Bemühungen, an diesen Ort zu gelangen. Irgendwann ist die Geduld weiter zu suchen erschöpft und wir traten den Rückweg auf die schöne Bundesstrasse in Richtung Calama an. Einzig den für die Region und seine indigene Bevölkerung typischen Ort Ayquina, nahe an unserer Strecke gelegen, wollten wir noch besuchen. Hier war auffallend, daß quasi im Oberdorf Neubauten für die Bürger geschaffen worden waren, im alten Unterdorf jedoch das Leben in den alten Gemäuern stattfand. So wie wir es verstanden haben, wurde hier für die Aymara ein Ort geschaffen bzw. der vorhandene indigene Ort so “erweitert”, daß weitere im Umland lebende Aymara hierher umsiedeln konnten/mußten. Der Ort soll in bestimmten Belangen eine ihre Kulturbelange berücksichtigende Selbstverwaltung haben. Der alte Ortsteil, die Häuser aus Bruchstein gemauert, warvoller kleiner Treppenfluchten zwischen den Häusern und den Gassen. Die Häuser waren quasi übereinander in den Hang gebaut worden und der jeweils einzige Zugang erfolgt über die Steintreppe. Ein nur noch in wenigen Fällen historisches Bild war zu sehen, denn die Modernisierer waren auch hier schon am Werk. Immer wieder konnten wir auch an zentralen Orten Brotbacköfen für die Ortsbewohner sehen.

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Die weitere Fahrt führte uns nah an Calama heran. So hatten wir die “Gelegenheit”, aus großer Entfernung die über Chuquicamata liegende Dunst- und Staubglocke zu bewundern. Und wie zum Beweis, daß die Atacama Goldgrube für die Schürfrechte Besitzenden ist, trafen wir dann auch auf einige weitere Minen. Erfreulich hingegen der Anblick einer überschaubaren Anzahl von Windrädern modernster Bauart, die sich heute, im Gegensatz zu unserer ersten Fahrt nach San Pedro wirklich im Wind drehten. Angesichts des Potentials für alternative Energieerzeugung in Chile erscheinen diese vom Energiemulti Endesa errichteten Spargel wie die Beruhigungspille für den Kritiker.

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Später als geplant erreichten wir unser Quartier in San Pedro, konnten auf einen schönen und ereignisreichen Tag zurückblicken, der uns manchmal auch ganz schön Angst eingejagt hatte. Morgen geht es dann wieder weiter in Richtung Argentinien.

Chuquicamata

Wenn es in die Atacama geht kann man an der Welt größten Tagebaukupfermine Chuquicamata nicht vorbeifahren, ohne einen Blick in diese riesige Grube geworfen zu haben. Ausgangspunkt ist der Bergbaustadt Calama, in der der Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Grube ein Büro hat und die Gäste nach Anmeldung einmal täglich für etwa zwei Stunden über das Grubengelände fährt. So trafen wir, etwas hektisch zwar, da wir ohne genauen Stadtplan in der Hand, das Büro in einem Stadtrandviertel suchten noch rechtzeitig kurz vor 11:00 Uhr ein, um dann eine weitere halbe Stunde mit den weiteren Besuchern auf die Abfahrt des Besichtigungsbusses zu warten.

Bodenschätze insbesondere Kupfer sind der Exportschlager Chiles und sind für den Staatshaushalt von eminenter Bedeutung. Auch nach dem Sturz der Unidad-Popular-Regierung unter Salvador Allende durch die Pinochet-Putschisten wurde die bereits unter dem Christdemokraten Eduardo Frei als Präsident eingeleitete Verstaatlichung, zuerst durch Erwerb von 51% Anteile an der Anaconda Copper Mining Corporation, später durch die Verstaatlichung des Restes unter Allende, nicht rückgängig gemacht. Vielleicht weil man fürchtete, die katastrophalen Arbeitszustände und miesesten Löhne zu Zeiten der Anacondaherrschaft würden dann umgehend wieder hergestellt, vielleicht aber auch, weil insbesondere die Arbeiterschaft im Norden Chiles zu Allendes Befürwortern zählten. So ist der Staat auch heute noch uneingeschränkter Eigentümer dieser Mine, deren Arbeiter zu den bestbezahlten im Land zählen.

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Die eigentliche Grube soll heute in einer Abbautiefe von 1000m angekommen sein; seine Außenmaße liegen bei gut 3 x 5 km. Mit riesigen Radladern wird Abraum wie auch kupferhaltiges Gestein auf den serpentinenartigen “Straßen” entlang der Grubenwände vom Grubenboden hinauf auf Niveau Null gefahren. In einer 8-Stundenschicht sind angabegemäß 7 (!) Fahrten möglich. Uns genannte Zahlen in diesem Zusammenhang : der Radlader kostet rund 5 Mio Euro, ein Reifen, Lebensdauer etwa 7 Monate, wird mit 40.000 Euro veranschlagt; die Maschinen stammen aus Deutschland (Liebherr) oder Japan und werden in Teilen angeliefert, um hier zusammengebaut zu werden. Nutzlast je Typ zwischen 50 und 70 Tonnen bzw. gut 80 Tonnen je Fuhre. Die langsam auch an uns vorbeischleichenden Maschinen waren nicht haushoch, sondern mehrfamilienhaushoch; der Fahrer in seiner kleinen Kabine war kaum zu erkennen. Wie Ameisen schraubten sich die Radlader hintereinander den steilen Weg hinauf, genau abgepasste Abstände sicherten, daß die bergabfahrenden Radlader passieren konnten. Es schien wie auf ein geheimes Zeichen hin alles nach einem exakten Takt abzulaufen. Auch die riesigen den Abraum aufladenden Bagger schafften ohne Pause. Ab und an konnte man in einem kleinen Areal etwas “Dampf” aufsteigen sehen, dann ist hier wieder gesprengt worden, um für Nachschub zu sorgen. Gut 100 dieser Radlader sind im Einsatz und müssen alle 4-5 Jahre komplett ausgetauscht werden.

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In der Grube mit allen dazu gehörigen Betriebsteilen sind gut 15.000 Menschen beschäftigt; die wenigsten sieht man an den in der Grube arbeiten Maschinen, auch wenn hier sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet wird. Uns nicht zugänglich gemacht, früher war das, wie uns eine Reisebekanntschaft erzählte, anders, wurden die Bereiche, in denen das erzhaltige Gestein gebrochen, einem chemischen Prozess zur Herauslösung der kupferhaltigen Materie unterworfen wird – es wird m.E. Schwefelsäure und Arsen eingesetzt, nicht ohne große Gefahr für die Umwelt (!) -, die “Suppe” wird dann auf über 1000 Grad erhitzt, die Kupfermasse gereinigt und anschließend verhüttet. Im übrigen ist festzuhalten, daß als quasi “Abfallprodukte” auch Metalle extrahiert werden, die auf dem Weltmarkt sehr gefragt sind. Der Prozeß zur Kupferherstellung ist enorm energieaufwendig; die notwendige Energie wird über ein 200 Kilometer entferntes Kohlekraftwerk bereit gestellt. Angeblich soll der gesamte chemische Prozeß, bei dem ebenfalls Unmengen von Wasser benötigt werden, für die Umwelt unschädlich sein. Das verbrauchte Wasser wird erst nach umfassender entsprechenden Reinigung erneut dem Produktionsprozeß zur Verfügung gestellt. Und täglich fahren lange Güterzüge mit den Kupferbarren beladen vom Werksgelände gen West nach Antofagasta.

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Schon aus sehr großer Entfernung nimmt man die über dem Gelände liegende Dunst- und Staubglocke wahr, gesund kann das doch nicht sein; die Grube dürfte der größte Umweltverschmutzer der Region, ja des Landes sein. Ein Ende der Ausbeutung und damit der fortlaufenden Umweltverschmutzung ist nicht in Sicht. Inzwischen wird dieser Teil des chilenischen Bodens seit über 100 Jahren ausgebeutet; eine normale Grube hat eine Lebens-/Ausbeutungsdauer von 30-40 Jahren. Der Betreuer unserer Rundfahrt teilte stolz mit, daß für mindestens mehrere Jahrzehnte – von bis zu 100 Jahren sprach er -noch abbaufähiges erzhaltiges Material vorhanden sei. Und man hat noch weiter vorgesorgt für die Zukunft, denn in näherer Nachbarschaft, auch vor den Toren Calamas wurden zwei weitere Gruben im Tagebau erschlossen; weitere Beschäftigung für zehntausende Arbeiter aber auch weitere Belastung der im Umfeld lebenden Menschen durch die Luftverschmutzung.

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Während die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter vor Ort für E. Frei und später S. Allende wesentlicher Antrieb war, durch eine Verstaatlichung eine Veränderung dieser Verhältnisse herbeizuführen hat es noch weitere fast 5 Jahrzehnte gedauert, bis die direkt an das Werk angegliederte Arbeiterwohnsiedlung endgültig geschlossen wurde. Wir legten während unserer Rundfahrt zuerst einen Halt in dieser inzwischen zur Geisterstadt gewordenen Gemeinde auf dem Werksgelände ein. Eine komplette Stadt war hier zu besichtigen mit Kino, Schulen, Kasino, mehreren Kirchen, Sporthalle und –plätze etc.

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Die Arbeiter wohnten hier mit ihren Familien und wurden wohl auch hier begraben. Der Bereich war Werksgelände und entsprechend eingezäunt, Zutritt auch früher nur mit Berechtigung. Eigentümer der Häuser und Wohnungen war der Mineneigentümer, der, soweit erinnerlich, den Wohnraum kostenlos zur Verfügung stellte, damit aber auch eine enorme Bindung der Arbeiter und ihrer Familien an das Unternehmen erreichte. Nicht zu vergessen, daß durch die menschenunwürdig niedrigen Löhne das Unternehmen sich die Miete auf anderem Wege holte. Der letzte Bewohner war erst 2005 ausgezogen, seitdem ist die Stadt unbewohnt, aber permanent bewacht. Als Begründung für die Verlagerung zurück in die Stadt Calama werden, wie wir es verstanden haben, die hohen Unterhaltskosten für die Objekte genannt; die neuen Quartiere stehen nicht mehr kostenlos zur Verfügung. Der Hinweis, ob nicht auch die besonders hohe Belastung durch die Luftverschmutzung direkt an der Grube wesentlich für die Entscheidung der Aufgabe dieser Stadt war, wird vom Führer geflissentlich überhört. Inwieweit die Bewohner dieser Werksstadt erhöhte typische Krankheitswerte aufwiesen ist nicht bekannt, sollte jedoch nicht ausgeschlossen werden. In dem gut 20 Kilometer entfernten Calama dürfte der ausgestoßene Minendreck deutlich verdünnt ankommen. Gespenstisch das Bild dieser ehemaligen Stadt, in der noch am zentralen Platz in den Bäumen die Weihnachtsbeleuchtung hängt.

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Insgesamt war der Blick in die Grube beeindruckend, ebenso beeindruckend ja fast schon beängstigend war jedoch festzustellen, welche Auswirkungen der hier praktizierte Produktionsprozeß auf die Umwelt heute und morgen hat, die jedoch offenbar nicht offiziell zur Kenntnis genommen werden wollen. Eine Besserung z.B. in der enormen Staubentwicklung durch die Grube soll in den kommenden 10 Jahren erreicht werden, wenn nach und nach der Tagebau in der Chuquicamata zu Gunsten eines Untertageabbaus eingestellt wird. Der Betrieb der beiden neu erschlossenen Tagebaugruben wird dabei wohl außer Acht gelassen!

Die Atacamawüste lebt – jeden Tag etwas mehr!

Die zwischen dem 18.  und dem 27. Breitengrad liegende Atacamawüste ist für Reisende reizvoll, sucht man doch nach Gelegenheiten Beweise dafür zu finden, daß die Wüste lebt – und sie lebt, nicht nur durch die sich im Zuge der Evolution genial an die extremen Bedingungen angepasste Tier- und Pflanzenwelt, die zwar von geringer Zahl, dafür aber umso widerstandsfähiger den Bedingungen trotzt, sondern nahezu täglich kommen Vertreter einer anderen Spezies hinzu, die sich ober- und unterirdisch zum Bestandteil der Wüste machen, der Mensch in seiner besonderen Ausprägung als Minenarbeiter, Explorateur, Bergbauingenieur, Maschinenfahrer etc..

Nun ist bekannt, daß in Chiles Wüste vor gut 100 Jahren intensiv Salpeter abgebaut wurde; ganze Städte sind damals entstanden – und später, als der Boom auf Grund künstlich hergestellter Düngemittel komplett einbrach – auch wieder aufgegeben worden. Zeugen davon haben wir zahlreich entlang der Straße von Antofagasta nach Calama sehen und besichtigen können. Lange ist das her, aber der damalige Boom wird von der derzeitigen Suche nach und Förderung von Bodenschätzen in der Atacama weit in den Schatten gestellt. Der Hunger der Welt nach Rohstoffen will befriedigt werden, und Chile kann hier eine große Rolle spielen; denn neben Kupfer, Gold, Silber, werden auch seltenen Erden gefunden und gefördert- Die Bedeutung, die die Rohstoffförderung und Verarbeitung für Chiles Wirtschaft und den Staatshaushalt hat, ist enorm, kaum vorstellbar, wie es in Chile aussehen würde, wenn die Atacamawüste sich nicht als Lottogewinn für den Staat herausgestellt hätte.

Schon früh sind wir ersten Gruben begegnet, und zwar auf unserer Pistenfahrt von Combarbala nach Tehaluén sahen wir wiederholt Grubeneingänge im Fels, kleine Abraumhalden vor dem Stolleneinstieg, kleine Pisten, die hinauf zum Einstieg führten und manchmal auch ein Dreibein mit Umlenkrolle, der Förderturm chilenischer Bauart, wenn in die Tiefe vorgetrieben worden war. Nirgends war große Technik feststellbar – offensichtlich  Gruben von kleinen Kooperativen, die ihr Glück im Bergbau suchen. Die hier durchfahrene Region ist bekannt für Lapislazuli, ein Halbedelstein, der in zahlreichen kleinen Manufakturen zu Schmuck verarbeitet wird.

Wenig nördlich von La Serena bei Puerto de Choros begegneten wir dem ersten riesigen Tagebau, bei dem ganze Berge abgetragen, versetzt werden, eine riesige Region unter den Umweltbelastungen leidet. Und von da an nahmen wir auf unserer Fahrt ein Vielfaches mehr an Hinweisen auf Abzweigungen zu Minen wahr, als Ortsschilder sichtbar wurden. Der Bergbau boomt, die hier liegenden zentralen Orte wie z.B. Copiapo, El Salvador oder Calama wachsen in kurzer Zeit enorm, haben Schwierigkeiten, die notwendige Infrastruktur für die Zugezogenen, in der Regel nur die Männer, die Familien vieler Arbeiter bleiben in der alten Heimat im Süden, bereitzustellen.

Das Heben des Schatzes scheint hier allerhöchste Priorität zu haben, Umweltfragen haben hintenan zu stehen. Rücksicht auf Naturschutz, nur dort, wo die wirtschaftlichen Interessen nicht tangiert werden. Der Salar de Atacama ist etwas einzigartiges, eigentlich selbstverständlich, wenn mit Blick auf die Bedeutung für die Tierwelt, z.B. als Aufenthaltsort und Zwischenstation auf ihren Reiserouten für einige Vogelarten wie die Flamingos das gesamte Areal unter Schutz gestellt und der staatlichen CONAF, der für die Nationalparks zuständigen staatlichen Behörde, komplett anvertraut würde. Dem ist leider nicht so, lediglich ein kleiner Teil, einige der offenen Wasserflächen mit etwas Umland, in denen sich  kleine Flamingokolonien aufhalten, wurden als Nationalpark ausgewiesen. Und im Abstand von einigen Anstandskilometern wird dann schon fleißig nach dem Gold der Atacama geschürft, werden die Schätze gehoben.

Ich will nicht verschweigen, die Minen haben unter bestimmten Gesichtspunkten auch eine positive Wirkung. Ohne die Existenz großer Minen würden gerade im Nordteil Chiles manche Straßen nicht existieren, andere in noch schlechterem Zustand als vorgefunden bestehen. Das Eigeninteresse der Minenbesitzer ist so groß, daß in vielen Fällen die vorhandenen Wege so ausgebaut und dann auch unterhalten werden, daß schwere LKW ihre Last gen Westen, zu den Häfen fahren können und Materialnachschub die Minenorte erreicht. Deutlich sichtbar ist auch der Nutzen für die insbesondere Pickups herstellende Automobilindustrie. In manchen Regionen begegneten uns mehr rote Pickups als andere Fahrzeuge. Die rote Farbe weist in den meisten Fällen – auch wir tragen rot (!) – auf ihren Einsatz für und in den Minen hin. Zu Recht haben die Minenarbeiter einen Anteil an den Gewinnen der Minengesellschaften durch vergleichsweise gute Löhne erstritten, ist ihre Arbeit doch hart, gefährlich und lebensverkürzend. Verständlich, wenn dann auch Statussymbole angeschafft werden, meistens in Form großer Schlitten, insbesondere aufgemotzte Pickups, in denen insbesondere die Jüngeren dann durch die Ortschaften cruisen. Es scheint, als ob diese Pickups hier das sind, was bei uns der Golf ist – das alles dominierende Fahrzeug.

Die Wüste wird umgegraben, ein Schatz gehoben – leider partizipieren nur einige und dann auch nur für eine begrenzte Zeit von diesem Geldsegen. Mir ist nicht bekannt, daß in Chile die aus den endlichen Bodenschätzen gewonnenen Staatseinnahmen Rücklagen, wie z.B. in Norwegen, für die künftigen Generationen gelegt werden, die dann eine geplünderte Atacama vorfinden und weniger Zukunftschancen haben.

Staubfressend nach San Pedro de Atacama

Beschreibungen in Reiseführern stellen nahezu alles in rosigem Licht dar. So wird, nicht nur von der schreibenden Zunft, das Valle de Elqui als eine grüne Oase der Vielfalt beschrieben, in der einige Tage zu bleiben sich lohnt. Recht haben sie, denn entlang des Flüsschens zieht sich Grün entlang, leider besteht dies zu nahezu 100% aus eingezäunten Weinterrassen.

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Im Schatten wandern – Fehlanzeige, dafür im Geröll und praller Hitze die Hänge hinauf stapfen, das geht, aber nicht mit uns. Obgleich unser letztes Quartier, “El Tesor de Elqui” mit seinem schönen Garten, den Pool und angenehmen Wohnumfeld sehr reizvoll waren, einfach einen Tag hier abzuhängen, danach war uns nicht. Also machten wir uns bereits am 9.10. auf die Weiterreise. Und dabei kam uns zu Hilfe, daß mit uns weitere Rucksackreisende im Quartier waren, die unsere nächste Station, den Nationalpark “Pingüine de Humboldt” gerade besucht hatten.So erfuhren wir noch rechtzeitig, daß die Boote, mit denen man zu den Inseln herausfahren kann, um von der Seeseite aus diese und andere geschützte Tiere zu beobachten nur einmal täglich um 11:00 Uhr von Punta Choros, einem kleinen Fischerdorf mit CONAF-Stützpunkt abfahren. Fahrtstrecke bis dorthin rund 220 km, davon gut 40km Piste; mit einer Fahrtzeit nicht unter 4 1/2 Stunden muß gerechnet werden, unmöglich, mal eben am Vormittag anzureisen. Also umdisponieren und gemütlich mit Zwischenstopp in La Serena, um uns mit einem Prepaidhandy für den Notfall auszurüsten, über Chungungo nach Punta de Choros weiterzufahren, um dort zu übernachten. Auf dem Plan sieht alles ganz einfach aus, die Realität bestraft den Optimisten.

Chungungo mag dem einen oder anderen aus dem Erdkundeunterricht oder aus einer Galileosendung bekannt sein – und zwar unter der Überschrift “die Nebelfischer von Chungungo”; ich gehörte zu den Unwissenden, ein Grund mehr, die Bildungslücke zu schließen und den Umweg von gut 50 Pistenkilometer in Kauf zu nehmen, denn Zeit hatten wir ja heute. Chungungo ein verlassenes irgendwie auch verkommenes Nest am Pazifik, im Grunde keinen Abstecher wert. So sehr wir auf der Anfahrt entlang der Küste als auch der Weiterfahrt hoch die Küstenkordilliere die Bergrücken nach den “berühmten” Netzen absuchten, wir bekamen kein einziges zu Gesicht! Selbst dort, wo sich in der Straßenkarte ein besonderer Hinweis befand – von Netzen keine Spur, dafür aber die ersten Vorboten er uns die nächsten Tage begleitenden Minen.

Hier ein Fremdbild zu den Netzen :

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In Punta de Choros angekommen begrüßte uns nach etlichen Wüstenkilometern eine Ansammlung einfachster Behausungen; unsere Quartiersuche gestaltete sich sehr schwierig. Zwar wird der Ort von den Chilenen zu Ferienzeiten stark besucht, in Ferienzeiten! Hinweise auf Cabanas gab es wiederholt, aber keinen Ansprechpartner. In einigen Fällen waren Telefonnummern angegeben, wir schätzten jedoch die Chance, uns telefonisch verständlich zu machen und unseren Gesprächspartner auch zu verstehen als so gering ein, daß wir darauf verzichteten. Auf Nachfrage in einem kleinen Lebensmittelgeschäft wurden wir an die Bewohnerin eines grünen Hauses verwiesen und uns der Weg dorthin beschrieben. Der Beschreibung folgend fanden wir an der angegebenen Stelle kein grünes Haus, jedoch etwas weiter an ebenso einem grünen Haus einen Hinweis auf Cabanas. Also Wegbeschreibung falsch aber Ziel erreicht! Wie sich herausstellte, war die Vermieterin nicht die gesuchte Person, aber wir hatten  endlich ein sehr gutes Nachquartier gefunden, in dem locker noch vier weitere Personen hätten übernachten können. Wir waren in diesem Ort wohl die einzigen Nachtgäste, denn außer Hunden und ab und zu einen Pickup mit Fahrer trafen wir bei unserem Dorfspaziergang auf der Suche nach einem Restaurant niemand an. In Meernähe sollte man Fisch essen, so fiel auch unsere Bestellung aus – es gab in dem Restaurant auch kaum eine andere Wahl, die aber richtig gut war!

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Und noch etwas fiel auf : hier ist Tsunamizone, wie die an jeder landwärts führenden Straße aufgestellten Schilder zeigen.

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Am Abend hatten wir uns noch bei dem CONAF-Büro über Eintritt und Abfahrtszeiten der Boote (!) erkundigt und glaubten, den Ortshinweis richtig verstanden zu haben. So waren wir um 10:45 am kleinen Fischereihafen und warteten, warteten und nichts passierte.

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Gegen 11:15 entschlossen wir uns zum Aufbruch und Fahrt zum CONAF-Büro – zum Glück, denn die Boote – es war nur eines, in dem insgesamt 5 Passagiere auf die Reise gingen – legten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Büro ab. Da wir uns am Vorabend bereits beim Bootsführer angemeldet hatten, wartete man auf uns – und wieder hatten wir Glück. Wir sahen zwar weder Wal noch Delfin, dafür aber zahlreiche kleine Kolonien von Humboldtpinguinen, verschiedene Kormorane, auf der faulen Haut liegende Seelöwen, Seetölpel und andere Vogelarten beim turteln, füttern, dösen, bergauf stapfen, fischen und fliegen. Putzig war zu erleben, wie die steifen Pinguine steile Berghänge hinauf watscheln, über Felsen klettern und sich auch von rutschendem Geröll nicht davon abbringen lassen, zurück in die “Heimat”, das eigene Nest zu kommen. Der dreistündige Bootsausflug, von einem kurzen Landgang auf der Isla Damas hat sich richtig gelohnt und war eine schöne Unterbrechung der doch langen Fahrtstrecken.

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Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Tres Cruces, der Salar de Maricunga und die Laguna Verde, alles in einer Höhe zwischen 3.500m und 4.500m nahe der chilenisch-argentinischen Grenze gelegen. Die Bergbaustadt Copiapo schien uns ein passender Übernachtungsort zu sein, sollte es doch bei einer Größe von 125.000 Einwohnern leicht sein, ein Quartier zu finden. Wir klapperten die im Vorfeld auch aus finanziellen Gründen ins Auge gefassten Quartiere ab – entweder stimmt der Preis nicht oder der Zustand war unzumutbar. Die vergleichsweise hohen Löhne im Bergbausektor haben sich hier wie im gesamten Norden heftig auf die Preise und somit auch die Übernachtungspreise niedergeschlagen. Irgendwann sinkt bei der Suche das Anspruchsniveau wie auch die Bereitschaft Preiszugeständnisse zu machen steigt – und wir kamen unter, überteuer, klein aber sauber und, was auch wichtig war, mit Parkmöglichkeit für unseren Pickup.

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Um die geplante Runde bis in die Nähe des Passes San Francisco/Laguna Verde, dann wieder teilweise zurück bis zum etwa 100km vorgezogenen chilenischen Grenzposten (!) und weiter am Salar de Pedernales bis zum Ort El Salvador, wieder eine Bergbaustadt, an einem Tag zu schaffen, 520km, davon sollte laut Reiseführer etwa 1/3 Piste sein, wollten wir früh aufstehen um vor 9:00 Uhr auf der Strecke zu sein. Es kam anders, und wir zu einer weiteren Übernachtung, diesmal aber in einem schönen Hotel mit Garten im Copiapo. Wir verschliefen und mussten nach Erledigung der für die lange Strecke notwendigen Einkäufe gegen 10:30 Uhr feststellen, daß bei einer folgender Abfahrt die Übernachtung im Wagen fast vorprogrammiert war, oder aber große Teile der Strecke gestrichen werden müssten. Weiterfahrt ohne das Wasser der Laguna Verde gesehen zu haben – für den einen oder anderen vorstellbar, für uns aber nicht. Also Quartiersuche, frühes einchecken, ausruhen, das Hotelambiente genießen, Stadtbummel machen – Copiapo hat im Grunde wenig bis nichts zu bieten – und uns mental auf den folgenden Tag vorbereiten.

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Und der hatte es in sich, lange Strecke, unendliche Landschaft, hohe Berge, Staub, Geröll, Starkwind, einen Grenzposten im Nirgendwo, einen See, von dem man träumen kann, und wir kamen durch, d.h. wir hatten abends ein Quartier! Im Grunde kann man hier wie auch an vielen anderen Stellen unserer Reise ein “wdh” hinschreiben, denn abgesehen von den sich natürlich ändernden Berg- und Felsformationen und –formen sahen wir über Stunden das Gleiche : Felsen in unterschiedlichen Formen und Zuständen der Erosion, als Brocken, Stein, Kies, Sand in allen möglichen Erdtönen – nur selten schlichen sich einige schwarze oder graue Töne dazwischen – wenig erbauend, wenig augenfreundlich und eher auf das Gemüt gehend, überall Steine, Wüste, kein Grün. Auch aufgegebene Gebäude und sogar einen alten versandeten Friedhof fanden wir entlang unserer Strecke.

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Und Katrin ging dieses Einerlei so richtig aufs Gemüt, während ich versuchte, den Bergen immer wieder neue Blicke abzugewinnen, Katrins Wahrnehmung der Umgebung als braun in braun auf eine bei ihr vorhandene Spektralverschiebung ihrer Optik zurückzuführen. Nein, ihr hat die Fahrt durch diese Landschaft keine besondere Freude bereitet, eher war es belastend, sind wir doch ein ausgewogenes Verhältnis von Braun und Grün gewohnt und nicht dieses Bombardement einer Farbe. Es wird nicht nur an der im Grunde eintönigen Landschaft gelegen haben, daß wir bis km 200 nur 4 Fahrzeugen begegneten : ein Bus, der offensichtlich mit Minenarbeitern aus der Quebrada de Paipoté herauskam, ein LKW, den wir überholten sowie ein entgegenkommender Pickup. Dies änderte sich auch später nicht grundlegend, zwei Hände reichten, um den Verkehr auf etwa 450km zu erfassen. Für Farbabwechslung sorgten einige nicht nur am Straßenrand verbliebenen Schneereste, die in sonderliche Formen durch den Wind und die Sonne gebracht worden sind.

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Am Salar de Maricunga befindet sich die vorgezogene chilenische Grenzstation (bis zur argentinischen Grenze waren es mehr als 100km!) , mit allem Notwendigen ausgestattet, d.h. auch technischem Gerät zur Durchleuchtung von Gepäck etc. Obwohl von Weitem durch die hinter uns herziehende Staubfahne erkennbar, trafen wir in der Station niemand an. Von einer abseits gelegenen weiteren Station kam dann ein Grenzbeamter warm eingepackt angeschlurft und dann nahm die Bürokratie seinen Lauf. Obgleich wir deutlich machten, daß wir lediglich bis zur Laguna Verde fahren wollten und nicht nach Argentinien ausreisen, mussten die Daten unserer Pässe überprüft und dann in eine Kladde übernommen werden; dies alles in einem Tempo, wohl den niedrigen Temperaturen in den Quartieren der Grenzer angepasst. Die haben hier wahrlich keinen Traumjob, denn die Zahl der Kunden pro Tag dürfte sich in der Region von 10-20 bewegen. Nach gut 15 Minuten konnten wir dann unter dem Grenzbaum hindurchfahren.

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Und weiter ging es in Richtung Laguna Verde, aber vorher mussten wir einen kleinen Abstecher hin zu unserem ersten Salzsee machen, dem Salar de Maricunga – interessant, riesig, aber leider war der größte Teil der Salzkruste, wie sollte es auch anders sein, von Sand, Kies, Geröll bedeckt, also nichts mit einer riesigen weiß glänzenden Oberfläche, stattdessen überwogen die bereits satt bekannten Farbtöne. Die nächsten gut 80km Piste, sie führten uns durch den Nationalpark Nevado de Tres Cruces, machten richtig Spaß beim Fahren, denn bei den stetigen seitlichen Böen war ständiges Gegenlenken gefordert, das hielt den Fahrer wach und bei Konzentration, obgleich viele Blicke immer wieder nach rechts und links gingen. Während der gesamten Anfahrt zur Lagune stieg nicht nur unser Straßenniveau auf 4.500m Höhe vor der Laguna Verde an, sondern die uns begleitenden Bergriesen wuchsen immer weiter in die Höhe. Zuerst umgaben uns Berge von 4.500-6000 m, dann folgte die nächste Kategorie bis hinauf auf fast 7.000m, und ein Gipfel war imposanter und bizarrer als der andere, viele schnee- oder eisbedeckt. Und wir mitten drin in dieser Bergwelt.

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Das auf und ab der Straße schien kein Ende zu nehmen, ebenso wenig die Kurven und Spitzkehren, die wir fahren mussten, um an unser Ziel zu kommen.Und dann plötzlich als wir um eine enge Kurve fuhren vor uns im Tal lag ein See, irgendwie blau glänzend; die Wasserfläche wurde während unsere Annäherung immer größer – wir waren am Ziel, an der Laguna Verde auf 4.325m Höhe. Das Panorama war, wie sollte es in dieser Umgebung auch anders sein, atemberaubend, nicht nur wegen der Höhe, denn die merkten wir, wenn wir uns schnell bewegten, sondern vor allem wegen des unheimlich schönen Anblicks. Viele Minuten saßen wir, den Wagen ganz nah am Ufer geparkt, und schauten uns fast sprachlos um; Poeten würden sagen, wir waren von Freude ergriffen, uns durchströmten Glückshormone.

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Als dann, nach unserem kargen Nachmittagsimbiß, auch noch ein Polizeifahrzeug an uns auf dem Ufer vorbeifuhr, das zweite Fahrzeug, das wir in den letzten drei Stunden zu Gesicht bekommen hatten (!), war es wohl Zeit, den Rückweg anzutreten, d.h. zurück zur Grenzstation, Formalitäten erledigen – diesmal ging es sehr zügig – und weiter in Richtung El Salvador. Insgeheim hofften wir, wenn zügiges Fahren möglich sei, es bis nach Diego de Almagro zu schaffen, wo wir auf bessere Chancen auf ein angemessenes Quartier hofften. Die nächsten Stunden passierten wir im Grunde schon bekannte, dennoch aber unbekannte Landschaften, verloren zunehmend an Höhenmetern und “fraßen” Wüstenstaub. Gut 1 1/2 Stunden Schüttelfahrt nach Passieren des Grenzstützpunktes Fronterizo San Francisco erreichten wir wieder einen (sog.) Salzsee, auch dieser glänzte nicht weiß im Sonnenlicht, sondern hatte einen bräunlichen Überzug, also kein Grund länger zu verweilen. Wir warfen aus der Ferne der Straße immer wieder Blicke nach rechts, aber wirklich interessantes bekamen wir nicht zu Gesicht.

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Und wieder ging es in unendlichen Serpentinen hinauf, um dann auf einer breiten Piste, die offensichtlich auch hier im wesentlichen von Minenfahrzeugen genutzt wird, gen El Salvador/Diego de Almagro zu fahren. Erstaunlich, welches Tempo man auf diesen Pisten ohne Probleme anschlagen kann, wir kamen zügig vorwärts. Der Entschluß, weitere gut 100km zu unserem angestrebten Quartierort Diego de Almagro zu fahren, fiel schnell, denn wir hatten genügend Zeit, um vor einbrechender Dunkelheit die Quartiersuche abschließen zu können. Dort gegen 18:30 eintreffend, fanden wir einen typischen Bergarbeiterort, eine Art Vorposten vor den weiter im Osten liegenden Minen vor, teilweise traurige Behausungen, viele Maschinenparks und Reparaturwerkstätten, stark reparaturbedürftige Gehwege und zu viele Häuser, die dringend saniert werden müssten. Unsere COPEC-Karten enthielten einige Unterkunftshinweise, denen wir dann nachgingen. Einmal waren wir fast am Ziel und hätten in einem schönen Hotel zu einem akzeptablen Preis von rund 40 Euro übernachten können, aber nur fast, denn als wir dann den Wagen im Hof parkten und Katrin die Anmeldeformalitäten in Angriff genommen hatte, verdoppelte sich der Preis – angefragt war ein DZ (für zwei Personen), der Preis der dann trotz Nachfrage genannt worden war, galt wohl nur für eine Person! Also Kehrtwendung und weiter die möglichen Unterkünfte abklappern. Bei den einen war kein Licht vorhanden bzw. gerade Stromausfall, um die Qualität beurteilen zu können, die anderen nicht anwesend, so daß wir schlußendlich in einem etwas entfernter gelegenen Stadtteil in einem Hostel Vicky landeten, eine wirklich einfache Unterkunft. Hungrig wie wir waren gingen wir anschließend in ein benachbartes “Restaurant”, das wohl stark von Arbeitern frequentiert wird, denn unweit des Quartiers befindet sich eine größere Industrieanlage. Schade, daß unsere Sprachkenntnisse begrenzt sind, denn mit den anwesenden Einheimischen ein paar Worte zu wechseln, die über die Höflichkeitsfloskeln hinausgehen, wäre sehr interessant gewesen. Hier machten wir dann auch Bekanntschaft mi Speisen, die bislang uns unbekannt und gewöhnungsbedürftig waren. Der Hunger zwingst rein.

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, gingen wir in dieses Einheimischenrestaurant frühstücken – auch hier wartete auf uns ein landestypisches (!) Frühstück von geringem Umfang. Da unsere nächste Station Taltal, ein kleinerer verschlafener Fischerort am Pazifik, gute 200 Kilometer entfernt liegt, konnten wir uns sehr geruhsam auf die leere Straße und Strecke machen. Für einen Sonntag bemerkten wir deutlich mehr LKW-Verkehr als wir es aus der Heimat gewohnt sind. Ein entsprechendes Fahrverbot scheint es hier nicht zu geben. Ein kurzer Stop an einem Schild, das auf einen Inkaweg hinwies. Eher selten haben wir Hinweise entsprechender Art bislang wahrgenommen.

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Über Chanaral, einer Hafenstadt ging es in den direkt benachbarten Nationalpark Pan de Azucar. Wir hatten die Schotter- und Erdpiste nahezu für uns allein. Lediglich sonntags arbeitende Straßenbauer, die versuchten, die Piste in einem kleineren Abschnitt zu planieren, störten dieses einsame Fahren durch, entlang und unterhalb der Küstenkordilliere, durch teilweise Wüstengebiete mit ihrem besonderen Charme. Auch der Nichtbotaniker konnte hier andere Kakteenarten als in den bisherigen Trocken-/Wüstengebieten bemerken.

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Dann ein langer Sandstrand, nicht der erste, den wir bemerkten, dieser war jedoch von einem Campingplatz “eingefasst”, so daß ein freier Zugang im Grunde nicht möglich ist. Wie im übrigen auch an anderen interessanten wassernahen Plätzen eine kommerzielle Campingplatznutzung festzustellen war.

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Der kleine Fischerort Pan de Azucar wäre keine Erwähnung wert, wenn nicht von hier aus ab und an auch Bootsfahrten hinaus aufs Meer zur Beobachtung von Robben, Pinguinen und Kormoranen für die Touristen angeboten würden. Aber heute lagen die Boote an Land und der einzige sichtbare Fischer nahm, umringt von zahlreichen Vögeln, auch Kormoranen, seinen Fang aus. Ein trister, langweiliger Ort, der nur aus wenigen Hütten besteht und für den Einfachurlauber Unterkünfte bereit hält. Ganz hart gesottene nehmen ihr Zelt mit, um hier einige Tage bei Möwengeschrei zu verbringen. Hierzu ist wohl auch die Amerikanerin zu zählen, die wir neben ihrem Einfrauzelt hinter einer kleinen Mauer, die etwas Windschutz bot, trafen. Sie war schon seit einigen Monaten unterwegs und hatte sich von einem Taxi aus Chanaral hierher in den Park fahren lassen – eine andere Möglichkeit, wenn man nicht gute 20 Kilometer mit Gepäck durch die Landschaft bergauf und bergab wandern will, gibt es hier nicht. Nun war sie hier, an einem Ort, der als sehr beeindruckend geschildert worden war, eine Beurteilung, die sie nur bedingt nach ersten Eindrücken teilte. Dennoch, sie wollte etwas, d.h. einige Tage bleiben.

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Auf dem Weg aus dem Park in Richtung Panamericana/RN5 bieten sich einige Stops an, um sich für eine gute Stunde die Füße zu vertreten, wenn man auf einen der Aussichtspunkte hinaufwandert. Es hat sich gelohnt, nicht nur der Bewegung wegen, sondern auch der Blick über das Meer und hinein ins karge, trockene, teilweise felsige Land hat für den Schweiß entschädigt. Zurück am Parkplatz trafen wir auf vier Amerikaner, die gerade mit ihrem Fahrzeug dort angekommen waren. Die Frage, wie weit es bis zum Aussichtspunkt sei, beantworteten wir wahrheits- und erfahrungsgemäß mit einer guten 3/4 Stunde Wandern. Das war dann doch zuviel und man stieg wieder ein, um davonzufahren.

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Es gibt einfache und schnelle Wege an das Ziel Taltal zu gelangen oder unseren Weg. Dieser führte nicht über weite Teile der RN5, sondern zweigte nach wenigen Kilometern wieder ab, um auf einer kleinen Straße Richtung Küste zu gelangen. Wir hatten gelesen, daß es hier eine kleine küstennahe Straße gäbe, auf der es auch möglich sei, an unser Tagesziel, Taltal, zu gelangen. Die Beschreibung passte, auf kurvenreicher oft direkt am Felsen entlangführender schmaler Schotterpiste ging es in zwangsläufig reduziertem Tempo voran. Immer wieder neue Blicke auf die Küstenberge, kleine Strände, bizarr geformte Felsen waren möglich. Von Gegenverkehr kaum eine Spur, es wäre auch oft nicht einfach gewesen, zu passieren.

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Taltal hatte auch schon bessere Zeiten erlebt. Lang ist es her, als der Salpeter des Hinterlandes hier verschifft wurde. Aus dieser Zeit stammen noch wenige Herrschaftshäuser, ansonsten ist die Stadt gesichtslos, einzig der zentrale Platz, als Park gestaltet, hat auch uns zum Verweilen eingeladen. Man sollte meinen, am Meer sind Fischlokale häufig anzutreffen, gute Fischgerichte die Regel. Wir wurden, auch hier, eines besseren belehrt. Nach langem Gang durch die Gemeinde kamen wir am Ende des Hafengeländes an ein noch geöffnetes Restaurant; wohlgemerkt, es ging auf 19:00 Uhr zu! Voller Vorfreude, hafennah wird es doch guten frischen Fisch geben, bestellten wir. Das dann Gelieferte enttäuschte auf jeder Linie – der Fisch war frittiert und troff vor Fett. Unsere Bleibe versöhnte uns dann, denn Zimmer mit Meerblick, Palme vor dem Fenster, lauer Abendwind und einschläferndes Meeresrauschen findet man auch nicht überall.

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Heute am 14.10. war weitgehend Kilometerfressen angesagt, wollten wir Calama erreichen, die Bergbaustadt im Norden der Region Atacama. Der Wagen schnurrte so vor sich hin, einzig der Hinweis in unseren Karten, auf halber Strecke zwischen Taltal und Antofagasta stünde das Very Large Telescope wenige Kilometer abseits der Strecke auf einem Berggipfel, sorgte für aufmerksame Wahrnehmung der Umgebung, denn diese war eintönig, braune Bergrücken reihten sich aneinander, die Gefahr einzuschlafen bestand durchaus. Schild gesehen und abgebogen, der Straße gefolgt, von weitem die Anlage bereits entdeckt und dann von einem Zaun und bewachtem Eingang an der weiteren Annäherung gehindert. Ein Ding, denn irgendwie haben wir das Observatorium mitfinanziert, schließlich stecken hier erhebliche EU-Mittel drin, für die im Gegenzug dann europäische Wissenschaftler Gelegenheit erhalten, von hier aus das Weltall zu screenen.

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Antofagasta, eine Stadt, um die wir einen großen Bogen machen konnten, denn unsere Strecke führte daran vorbei. Sie soll modern sein, aber auch alle Unannehmlichkeiten einer südamerikanischen Großstadt aufweisen, nichts für uns, wir sind gebrannte Kinder. Die Randbezirke mit ihrer Industrie gaben uns einen Geschmack davon, wie schön (!) es weiter stadtwärts sein könnte.

Aus welcher Laune auch immer  herausentstanden, in der Nähe von Banquedane stehen auf einem wohl aufgelassenen Bahngelände und in abbruchreifen Bahnschuppen einige altertümliche Loks und Bahnwaggons und siechen vor sich hin, wie das gesamte Drumherum nicht gerade den Eindruck prallen Lebens machte. Museum wurde der Bereich genannt, den man frei betreten konnte; die alten Schätze standen nicht nur um wesentlichen ungeschützt der Witterung gegenüber, sondern auch jedem Altmetallfreund.

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Die Strecke von Antofagasta hinauf nach Calama war vor einhundert Jahren die wesentliche Verbindung zwischen den unzähligen insbesondere Salpetergruben und dem Hafen am Pazifik. Heute künden die zahlreichen Hinweise an der Straße von der ehemalige Existenz dieser Gruben, zu denen sich jedoch in jüngerer Zeit eine große Zahl neuer Minenbetriebe gesellt hat, die nach den neuen hier in der Atacama vorkommenden Bodenschätzen flächendeckend suchen und diese ausbeuten. Es hat den Anschein, als ob die ganz passablen Straßen hier in der Region dem besonderen Bedarf dieses Industriezweiges entsprechen.

Einen besonderen Hinweis hatten wir der COPEC-Straßenkarte entnommen – es gibt/gab die als offenes Museum geplante Saltrera Chacabuco, unweit der Abzweigung der nach Calama führenden Straße von der RN5 gelegen. Jeder hätte erwartet, an der Straße einen entsprechenden Hinweis zu finden, doch gefehlt. Auch wir sind daran vorbeigefahren; erst ein Überprüfen unseres Standortes an Hand der Straßenkarte zeigte uns auf, daß wir den Abzweig zum “Museum” verpasst haben mussten. Umgedreht und gesucht und wir fanden das Schild, das nicht nur sehr klein, sondern auch nur aus unserer jetzigen Fahrtrichtung erkennbar war. Über einen Feldweg ging es in die Nähe der Saltrera, von der nur noch einige Grundmauern standen, große Teiche noch erkennbar waren. Selbst mit großer Fantasie war nicht reproduzierbar, wie es auf dem Gelände einmal ausgesehen haben könnte. Bekannt ist, daß die Arbeiter – und teilweise auch deren Familien – in unmittelbarer Betriebsnähe wohnten, damit jederzeit verfügbar waren und dem Grubenbesitzer doppeltes Einkommen bescherte, aus der Arbeit seiner Lohnarbeiter und aus der Vermietung der Behausungen. Der nahbei gelegene inzwischen aufgegebene Friedhof zeugt vom Leben und Sterben der Familien in dieser “Stadt”. Von den Bemühungen, eine museale Situation herzustellen, konnten wir wenig sehen; einzig einige offensichtlich reparierte Grundmauern könnten von den früheren Tätigkeiten zeugen. Einer Quelle zur Folge dienten einige der Bauten zur Zeit der Pinochetdiktatur der Geheimpolizei als geheimes Gefängnis und Folterkeller. Die Quelle ist verläßlich; ob die in einem Raum in die Wand geritzten politischen Parolen authentisch sind, kann jedoch nicht geprüft werden. Mit dem Wissen der “Zweitverwertung” der Salteragebäude ist verständlich, wenn die Bemühungen, hier ein Museum einzurichten, eingeschlafen sind, denn, wie früher bereits berichtet, konsequentes Bemühen um ein umfassendes Aufarbeiten der Diktatur ist kaum festzustellen.

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Einige Kilometer weiter stand dann direkt an unserer Straße eine in Grundzügen noch erhaltene Wohn- und Produktionsstadt einer Saltera.

Unser heutiges Ziel Calama, eine vom Bergbau geprägte Stadt, die stetig wächst und quasi überragt wird von der in unmittelbarer Nachbarschaft seit über 100 Jahren wirkenden Kupfermine Chuquicamata. Wohl und Wehe von Calama sind seit langem mit der Entwicklung dieser größten Tagebaukupfermine der Welt verbunden. Einkaufspaläste in der Innenstadt legen die Vermutung nahe, daß hier gutes Geld verdient und ausgegeben wird. Quartiersuche war nicht so ganz einfach, aber bei einem unserer gesammelten Hinweise wurden wir fündig und zogen für eine Nacht in eine Cabana ein, die nah am Zentrum lag. Wir quartierten uns hier in Calama ein und fuhren nicht die restlichen 110 Kilometer bis San Pedro de Atacama, um am 15.10. an einer Besichtigung der Kupfermine, die morgens um 11:00 Uhr in Calama beginnt, teilnehmen zu können.

Nun liegt Calama nicht am Meer, unser abendliches Fischgericht hat aber um Längen fast alle bisherige meernahe Fischessen in den Schatten gestellt. Es kommt also nicht auf die Lage, sondern auf das Können und Wollen der Köche an!

Im Anschluß an die gegen 14:30 Uhr beendete Besichtigung der Chuquicamata machten wir uns auf den Weg in das touristische Herz der Atacama, nach San Pedro de Atacama. Allein die Anfahrt auf den Salar de Atacama war es wert, hierher zu fahren. San Pedro und der Salar liegen gut 2.400m hoch und dennoch, man fährt in diese Ebene von oben herein, hat einen unheimlich weiten Blick in dieses”Tal”, bemerkt die die Sand-/Steinwüste und sieht dann in weiter Ferne einen kleinen grünen Oasenstreifen, der dann größer wird und sich bei weiterer Annäherung als eine Aneinanderreihung mehrerer kleinerer Oasen herauskristallisiert. Je nach Lichteinfall auf die Talwände wirken diese rötlich, beige,, bräunlich, ein interessantes Farbenspiel. Die letzten Kilometer hin zum Boden der Ebene, des Salars, schraubt man sich in einer Vielzahl von Kurven und steil hinunter und steht dann sehr schnell am Ortseingang des Dorfes. Seine Bebauung ist der Umgebung angepasst; eingeschossig in Adobebauweise hergestellt, hellbeige gehalten, manchmal ist der Putz auch in einer Art von mattem Weiß gestrichen, ein Ort, durch den jeder unter anderen Umständen schnell hindurchgefahren wäre, wenn er nicht San Pedro heißt. Wobei hindurchfahren gar nicht so einfach ist, denn Hinweise für den durchgehenden Verkehr haben wir keine gefunden. Offensichtlich soll hier jedes Fahrzeug anhalten und wenn möglich auch für längere Zeit am Ort bleiben, anders ist diese Ignoranz einer den Fremden leitenden Verkehrsführung nicht zu verstehen. Hinein in den Ort fahren heißt auch, die zahlreichen Einbahnstraßen beachten; wenn man Pech hat, steht man plötzlich vor einer Minifußgängerzone und kann weder vor noch zurück es sei denn, man verhält sich verkehrswidrig. So standen auch wir irgendwann gefrustet in einer Seitenstrasse, hatten teilweise die Orientierung verloren und stellten die Unmöglichkeit fest, an Hand unseres Stadtplanes die Touristeninformation des Dorfes anzufahren. Also machte Katrin sich zu Fuß auf den Weg und ich  blieb bei dem am nicht zulässigen Ort geparkten Wagen. So groß kann der Ort doch nicht sein, daß Katrin eine halbe Stunde benötigt, um mal eben zum zentralen Platz und zurück zu gehen; hat sie sich verlaufen? Nein, denn dann kam sie auch schon freudestrahlend mit der Mitteilung, da das Umherfahren im Ort so stressig sei, habe sie sich auf dem Rückweg schnell einige Quartiere angeschaut und etwas passendes für uns gefunden. Und das passte wirklich, in unserem Zimmer im Hotel Chiloe haben wir uns die vier Tage sehr wohl gefühlt.P1040664P1040665P1040662P1040666