Von Santiago ins Valle de Elqui

Am 5.10. beginnt unsere Reise so richtig. Überpünktlich wurde unser hoffentlich treuer Begleiter für die kommenden 3 Monate an unsere Wohnung angeliefert. Ein ganz schöner Drum, wie wir dann staunend feststellen mussten, aber, wir hatten ja zuletzt auch keine Wahl mehr und mussten uns mit dem begnügen, was noch verfügbar war.

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Wohnungsübergabe dann um 11:30 und um 12:15 ging es dann ab auf die große Rundfahrt. Zwar hatten wir uns, um aus dem Chaos der Stadt herauszukommen, auf dem Stadtplan eine “leichte” Route ausgesucht, der wir dann auch folgten, jedoch konnten nicht alle Straßen so befahren werden wie vorgesehen – das wahnsinnige Einbahnstraßensystem Santiagos war jetzt kurzfristig unser Feind. Mehr im Schritt- als in Fahrtempo ging es in Richtung Panamericana Norte/N5, die wir nach gut 15 km und fast einer Stunde im Schritttempo erreichten.

Santiago zog sich ganz schön hin, aber bald kamen Bergrücken uns auf dem Weg in Richtung Westen immer näher, Bergflanken erdfarben, mit Buschwerk und kleinen Bäumen bewachsen, bald übergehend in steppenartigen Bewuchs.Zwischendurch waren auch größere Flächen mit Rebstöcken besetzt. Auch ausgedehnte Flächen mit lockerem Kakteenbewuchs lagen rechts und links der Straße.

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Unser Ziel war, schnell über die Autobahn nach  Los Villos zu kommen um dann je nach Uhrzeit  weiter nach Illapel zu fahren. Die ersten 150 Kilometer waren ziemlich eintönig, die Landschaft änderte sich um Grunde nicht, geringer Verkehr und zügiges Fahren, immer wieder unterbrochen durch Mautstellen, die Bares wollten. Als dann für eine Tunnelfahrt gute 6.000 CLP verlangte wurden, gleichzeitig aber auch eine Umgehungsmöglichkeit angezeigt war, nutzen wir die preiswerte Variante und konnten dabei auf einer mit zahlreichen Serpentinen gespickten Strecke bergauf- und bergab den Wagen und sein Reaktionsvermögen so richtig testen. Da es ziemlich warm war, fuhren wir mit offenem Fenster. Nach etwa 180 Autobahnkilometern zeigte sich im Augenwinkel eine weite Fläche, vielleicht blau? Vielleicht das Meer? Und dann nahmen wir auch den besonderen Meeresgeruch war – endlich keine trockene und verpestete Luft. Ein Blick, eine Entscheidung, bei der nächsten Autobahnabfahrt ging es rechts heraus und durch den Ort Los Molles an den menschenverlassenen Sandstrand. Die Ferienhütten im Hintergrund, die erkennbare Infrastruktur des Ortes lassen erahnen, daß zu anderen Jahreszeiten hier richtig was los ist – heute trafen wir am Strand nur drei Fischer und ein Pärchen, das auf Klappstühlen und sonnenschirmbehütet die Frische genoß. Katrins Wassertest fiel negativ aus – zum baden zu kalt, aber die Vorstellung, man könnte baden, löste schon positive Gefühle aus. Da wurde auch so richtig deutlich, wie sehr wir uns nach der Weite der Landschaft gesehnt hatten, froh waren, endlich aus der Stadt herauszukommen.

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In Los Villos verließen wir die Panamericana um über Illapel durch das Nationalreservat Los Chincillas nach Combarbala zu gelangen. Die putzigen Pelztiere, die hier eine beschützte Heimat haben, kamen uns nur als überfahrenes Exemplar vor die Augen. Da die Tiere auch sehr scheu und eher nachtaktiv sein sollen, fiel uns der Verzicht auf einen Besuch des Parks sehr leicht. Zu dieser Zeit schenkten wir der Landschaft um uns herum viel Aufmerksamkeit, wechselten doch karg bewachsene Berghänge, oft waren es Kakteen und Steppenebenen mit Ausblicken auf Andengipfel, teilweise noch schneebedeckt, ab. Alles um uns herum wirkte und war wohl bereits Wüste – Steinwüste, Geröllwüste oder was auch immer.

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Hier wurde auch deutlich, daß 75% der chilenischen Bevölkerung in Städten lebt – über lange Strecken waren kaum im allgemeinen sehr kärgliche Behausungen zu entdecken. Wie soll man auch in dieser im Grunde menschenabweisenden Umgebung, in einer Steppen- oder Wüstenlandschaft überleben können? Hier und da nahmen wir Ziegen vereinzelt, selten als kleine Herde wahr, offensichtlich die einzigen hier lebensfähigen Nutztiere. Auch wir wurden herausgefordert durch rund 80km Piste, hier galt es, da die Straße sehr kurvenreich durch die Täler und über Bergrücken führte nach Staubfahnen vor uns Ausschau zu halten, denn nicht überall war ein problemloses Ausweichen möglich. Bei der Straße war die große Bodenfreiheit unseres Wagen sehr von Nutzen, gewöhnungsbedürftig war/ist der Heckantrieb, denn bei rippigem Untergrund springt der Wagen gern, was insbesondere in Kurven nicht viel Spaß macht.

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Gegen Abend dann Ankunft in Combarbala und hohe Zeit, ein Quartier zu suchen, denn es war nach 19:00 Uhr. Im Reiseführer und dem Ergänzungsmaterial zu unseren Straßenkarten gab es Quartierhinweise und eine Skizze der Innenstadt. Über Umwege fanden wir dann das von uns favorisierte (eine von drei Möglichkeiten) Hostel Apuwara, wo wir ein  Doppelzimmer beziehen konnten. Man sollte meinen, in einer Gemeinde von mehr als 10000 Einwohnern gibt es auch an einem Samstagabend zahlreiche Möglichkeiten zu Abend zu essen – weit gefehlt. In unserem Hostel war es nur nach Voranmeldung möglich, in der weiteren offenen Alternative wurde ein Geburtstag gefeiert und die dritte Option hatte geschlossen. Da einzig ein Supermarkt geöffnet hatte versorgten wir uns dort mit dem Notwendigen einschließlich Bier, um selber ein Abendbrot zubereiten zu können. So hatten wir uns den ersten Abend auf unserer Weiterreise nicht vorgestellt, aber das Zimmer, eine ruhige Nacht, das schöne Ambiente des Apuwara entschädigten dann.

Unser erstes größeres Ziel war das Valle de Elqui. Von Combarbala über eine Piste nach Telahuén, das Tal des Rio Grande abwärts und über Monte Patria nach Ovalle; wenn dann noch Zeit blieb wollten wir versuchen über Sama Alto das als landschaftlich reizvoll beschriebene Hurtadotal aufwärts fahren um über einen Pass – die Strecke fast nur als Piste gekennzeichnet – direkt in das Valle de Elqui, nach Vicuna, zu gelangen. Soweit der Plan.Wir kamen auch gut über die teilweise sehr enge Piste voran und erreichten nach nicht ganz zwei Stunden und 51km Telahuén, einem kleinen Weiler, der uns an ein Oasendorf erinnerte und ebenso gut auch in Ägypten hätte liegen können.

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In der Talniederung um den Ort herum konnte Landwirtschaft betrieben werden, einige hundert Meter hangaufwärts sowie wenige Kilometer talab- oder aufwärts endete das grüne Band. Die Landschaft änderte sich um Grunde kaum, manchmal war in den Talniederungen genügend Wasser, um eine kleine Vegetation zu ermöglichen, meistens begleiteten uns jedoch niedrige Sträucher und kleine Büsche, meistens jedoch eine Steinwüste. Wahrlich keine Abwechslung für die Augen, dominierten doch grau und diverse Erdtöne. Eine Weile hinter Telahuén verbreiterte sich die Piste, gleichzeitig nahm erkennbar die Landwirtschaft, insbesondere in Form von Obstanbau zu. Dies war offensichtlich der Grund, um die Straßenverhältnisse insgesamt zu verbessern, um den Abttransport der Ware reibungsloser gestalten zu können.

Übrigens,einige der Täler, auch hier am Rio Grande oder von der Küste hoch nach Illapel, waren wohl vor Jahrzehnten auch durch Schienen erschlossen; heute findet man Bahndämme, weitgehend durchgängigen Schienenverlauf, der an einigen Stellen teilweise bau- teilweise klaubedingt unterbrochen war, den Bahndamm begleitende Strommasten, an denen heute noch Kabel hängen, aber auch ein Gleisbett, das an vielen Stellen überwachsen ist.

Vor Ovalle war auf der Karte ein riesiger Stausee eingezeichnet und endlich war er auch in Sicht, aber im wesentlichen sahen wir nur trockene Ufer und eine kleine Pfütze Wasser in der Mitte des Tales. Einige Straßenkilometer weiter dann der riesige Staudamm des Stausees La Paloma. Ein Spaziergang über den Damm, der 85m hoch ist, zeigt dann das ganze Ausmaß des Problems : selbst der Fuß des Damms stand trocken, d.h. gegenüber dem Normalniveau lag das derzeitige Seeniveau 60-70 Meter tiefer! Später in Vicuna erfuhren wir, daß es jahrelang (die einen sprechen von 8, die anderen von 4 Jahren) keine normalen Regenfälle mehr gegeben habe; auch der Wasserzufluß durch Schmelzwasser sei in den vergangenen Jahren deutliche geringer ausgefallen, da die Schneehöhen in den Bergen im Winter nicht mehr 3-4 Meter sondern nur noch 1-1,5 Meter betrugen. Hier kommt ein Riesenproblem auf die Region zu, in der erkennbar das Wassersparen noch nicht praktiziert wird, wasserintensive Landwirtschaft durch Obst- und den enorm angewachsenen vor allem exportorientierten Weinanbau bis in 1700 Meter Höhe stark forciert wird.

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Am frühen Nachmitttag in Ovalle angekommen war uns noch nicht danach, ein Quartier zu suchen, also setzten wir unsere Fahrt auf der geplanten Route fort. Nächstes Ziel war der Nationalpark Pichasca; dort soll es Hinweise auf frühere steinzeitliche Besiedlung geben, vor allem aber versteinerte Bäume zu finden sein. Da auf dem Weg liegend schien ein Stop naheliegend. Während der Fahrt las Katrin die entsprechenden Passagen im Reiseführer und stieß auf einen Hinweis, wonach für den letzten Streckenabschnitt über einen Bergrücken in das Tal de Elqui wegen der Steilheit Vierradantrieb empfohlen wird, den wir leiden doch nicht hatten. Entscheidung : nach der Kurzbesichtigung des Parks auf anderer Strecke und gut 160 zusätzlichen Fahrkilometern auf teilweise dürftiger Piste unser Ziel Vicuna erreichen.

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Nicht nur aus Zeitgründen sondern weil es wirklich nicht viel im NP Pichasca zu sehen gab, saßen wir um 15:00  Uhr wieder im Wagen und machten uns auf den Rückweg nach Sama Alto. Hier stießen wir auf die Weinanbauflächen durchschneidende hohe Netze; bis wir eines besseren belehrt wurden glaubten wir, daß hier ähnlich wie von den Fischern von Chungungo berichtet wird, durch diese Netze aus dem Frühnebel Wasser heraus”fischen” zu können.

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Richtig ist, diese Netze dienen dazu, den Windeinfall auf die Rebstöcke zu reduzieren, wodurch die Verluste an Traubendolden verringert würden. Von Sama Alto aus ging es dann wieder auf einer schmalen Piste über mehrere Bergrücken gut 40 Kilometer in Richtung Andacollo, ein Ort, über den wir nichts wußten und der auch nur als Durchgangsstation vorgesehen war. Von dort ab sollte es dann auf geteerter serpentinenreichen Straße nach La Serena an der Küste zügig weiter gehen. Es kam aber ganz anders. Was wir nicht wußten, nach Andacollo findet jährlich eine Zehntausende bewegende Wallfahrt just an diesem Sonntag statt; sämtliche Straßen waren verstopft, alle verfügbaren Flächen rund um den gut 10.000 Einwohner starken vom Bergbau geprägten Ort standen als Parkplätze zur Verfügung, selbst in einem kein Wasser führenden Bachbett standen Busse. Vernünftige Ausschilderung der Umleitung : Fehlanzeige; hilfreiche und richtige Auskünfte der angesprochenen Polizisten waren nicht zu bekommen, aber irgendwie schafften wir es dann doch, die richtige nach Norden führende Straße zu erreichen, um uns dann in einem gut 20 Kilometer langen Stau wiederzufinden, der sich teilweise im Schritttempo die Serpentinen talwärts bewegte. Folge : wir kamen erst in der Dunkelheit in Vicuna, weitere 68 Kilometer von La Serena talaufwärts gelegen an. Vorher ausgesuchte Quartiere waren, als wir sie endlich im Ort gefunden hatten geschlossen, manche konnten wir in der Dunkelheit nicht ausfindig machen bis wir per Zufall auf ein Schild mit “Cabanas” stießen, d.h. kleine Hütten für Selbstversorger. In der Not waren wir auch mit einem solchen Quartier einverstanden.

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Am Montag wollten wir eigentlich direkt weiter nach Pisco Elqui weiterfahren, unser eigentliches Ziel, das von vielen als das Ziel schlechthin in dieser Region bezeichnet wird. Aber so ganz ohne den Ort,, von dem wir im Dunkeln nicht mitbekommen hatten, wenigstens in groben Zügen kennengellernt zu haben, wollten wir dann doch nicht weiterfahren. und so kam es anders als geplant. Zum einen stießen wir auf ein Tourismusbüro, das uns über die möglichen Besuche von Observatorien in der Umgebung hinwies, zum anderen stießen wir auf das von uns eigentlich favorisierte Quartier, diesmal geöffnet. Nachdem die Zimmerbesichtigung sehr positiv ausfiel buchten wir für die anstehende Nacht und vermieden, da wir für den Abend einen Observatoriumsbesuch gebucht hatten, die An- und Rückfahrt von Pisco Elqui von gut 120 Kilometer, eine Entscheidung, die wir nicht bereuten.. Die Wirtin des Valle Herrmoso war eine nette ältere Dame, die mit Tips nicht geizte und die ihren Ehrgeiz darin setzte, ihr gut 100 Jahre altes Herrschaftsthaus in Schuß zu halten. Etwas, was wir bislang in dieser Intensität noch nicht erlebt hatten, nahmen wir doch bislang eher einen sehr nachlässigen Umgang mit der Substanz von Objekten wahr.

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Der Besuch des Observatoriums Cerro Mamelluca hat sich gelohnt; bei klarem Himmel intensiver Sternenhimmel und englischsprachige Erläuterungen zu einzelnen Planeten, Sternen, Galaxien, Geburt und Sterben von Sternen etc. Die zwei Stunden Führung waren sehr kurzweilig.

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Dienstag dann die Weiterfahrt in das sagenumwobene hintere Elquital; um es vorwegzunehmen : den bislang wahrgenommenen Hype können wir nicht nachvollziehen. Ja, es ist ein grünes Tal, aber nur dort, wo der Mensch im Talkessel und teilweise die Berghänge hinaus mit Bewässerung nachhilft. Nein, es ist kein ursprüngliches Tal mit entsprechendem Bewuchs, denn fast jeder Quadratmeter nutzbarer Fläche wird mit Rebstöcken bepflanzt. Unten ein mal schmal, mal breiter werdendes grünes Band und wenn man hochblickt sieht man die üblichen von kam einer Vegetation gestörten Geröll- und Steinlandschaft, die Berge. Pisco Elqui, ein kleiner Ort im hinteren Teil des Elquitales hat seinen Reiz, aber Tage dort zu verbringen konnten wir uns nicht vorstellen.

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Unser Kulturprogramm bestand an diesem Tag darin, das Grab der ersten Nobelpreisträgerin Chiles, Gabriele Mistral, eine Schriftstellerin, 1945 geehrt, zu besuchen, ebenso die winzige Grundschule in Monte Grande, wo sie mit ihrer Schwester lebte

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aufzusuchen und zu guter Letzt, schließlich steht ein berühmter Schnaps, der Pisco, für das Tal – und Chile – bei einer kleinen Piscomanufaktur an einer Führung teilzunehmen. Erstaunlich, wie in diesem Betrieb mit für mich vorsintflutlichen Destilliergeräten, die offensichtlich Tag und Nacht in Betrieb sind, jährlich  300.000 Liter hochwertigen Pisco herzustellen.

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Übrigens, unser Quartier für diese Nacht war Spitze; das positiv erwähnte “Tesoro de Elqui” hat uns sehr gut gefallen, geschmackvolle Hütte, gutes Frühstück, auskunftsfreudige und hilfsbereite Eigentümerinnen, einen tollen Garten mit Pool, also eine richtige Oase, wenn man die Seele baumeln lassen will, wonach uns aber jetzt noch nicht der Sinn stand.

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Was (ich) wir unterschätzt habe(n)

Auf unseren bisherigen auf eigene Faust unternommenen Reisen war es im allgemeinen kein Problem, vor Ort ein passendes Quartier zu finden, eine Erfahrung von der wir glaubten, dies auch in Südamerika bestätigt zu finden. Und es kam anders und damit auch Reisestress auf. Nicht nur, daß wir uns bislang öfter in Regionen aufmachten, in denen die Infrastruktur noch ausbaufähig war, oft mußten wir auch, weil die Fahrtstrecken auf Grund der Straßenverhältnisse mehr Zeit erforderten als uns lieb war, in der einbrechenden Dunkelheit uns auf die Suche machen. Nun könnte man einwenden – es gibt doch Internet, also bucht vor – richtig, wenn wir denn immer Internetzugang hätten und die Quartiere auch über das Netz erreichbar wären. So standen uns im allgemeinen zwei Quellen zur Verfügung : einerseits die übersichtlichen bis fehlenden Hinweise in unserem Reiseführer, andererseits die Hinweise, leider nicht für alle unsere Quartierstädte, die unser Straßenkartenmaterial von COPEC aufwies. Als entscheidendes Problem stellte sich aber die unzureichende Straßenbeschilderung in den Orten heraus, und wenn es welche gab, dann in schlecht lesbarer Schrift auf schwarzem Untergrund, ganz besonders leicht zu entziffern, wenn die Dunkelheit eingesetzt hat und nur sporadische Straßenbeleuchtung vorhanden war. Zudem standen uns für die meisten der Quartierorte keine Ortspläne zur Verfügung. Hin und wieder mußten wir Ortsansässige um Rat fragen, was bei unseren Spanischkenntnissen und deren mehr als gewöhnungsbedürftiger spanischer Intonation, regionaler Sprachfärbung, Sprachgeschwindigkeit,m Verwendung uns unbekannter Idiome etc. mehr als Ratespiel denn als Wissensinformation verstanden werden konnte. Es war Katrins Einfühlungsvermögen, Freundlichkeit und den ständig verbesserten Sprachkenntnissen zu verdanken, daß wir bislang noch jede Nacht, wenn auch nicht immer sehr komfortabel, untergekommen sind. Also, unter die Räder sind wir zwar nicht gekommen, aber unter den geschilderten Bedingungen war die nahezu tägliche Quartiersuche belastend. Den Aufwand und den damit verbundenen Streß haben wir (ich) ganz schön unterschätzt. Eine Konsequenz war/ist, nicht täglich von Ort zu Ort zu reisen, sondern sich Standorte zu suchen, von denen aus wir das weitere Umfeld in Ruhe erkunden können.

So ganz ohne sprachliche Vorbereitung sind wir ja nicht nach Südamerika eingereist; wir hatten auch gehofft, in unserem vierwöchigen Sprachkurs solche Fortschritte machen zu können, daß eine vernünftige Verständigung mit der Bevölkerung möglich ist. Das ist leider nicht der Fall, obgleich bei unseren täglichen Spanischlektionen in der Praxis vor allem Katrin so richtig Fortschritte macht, was sie und mich freut und Katrin in die Pflicht nimmt, sich um nahezu alles zu kümmern, bei dem Spanisch gefordert ist!?

Der eine oder andere, der sich in unseren Blog eingewählt hatte, konnte feststellen, mit welcher Zeitverzögerung  Artikel erscheinen. Ja, es dauert! Ich habe völlig unterschätzt, welcher Zeitaufwand mit dem Verfassen von Artikeln und das Einbinden von Fotos verbunden ist. Dachte ich anfangs, mal schnell etwas zu schreiben, um die Aktualität gewährleisten zu können, blieb es oft bei kurzen Infos für ein weiteres Verarbeiten und der Stau wurde/wird wochenlang vor uns/mir hergeschoben. Oft fehlte auch die Zeit, denn Wichtigeres war zu erledigen, oder ganz einfach die Lust, nach einem interessanten Tag statt sich zu entspannen, das Netbook zu öffnen und zu schreiben. Da die Infos in diesem Blog im Grunde ein nicht geführtes Reisetagebuch ersetzen sollen reicht es einfach nicht aus, einige wenige kurze Informationen zusammenzustellen, sondern ich möchte auch einen Blick zurück  versuchen – und das ist nicht immer in kurzer Zeit getan. Das Problem erscheint mir kaum lösbar, also werden wir mit dem Abarbeiten des Staus uns weiter beschäftigen und ihr auf sehr aktuelle Berichte bis auf weiteres verzichten müssen. Wir hoffen, ihr versteht das.

Platzt hier bald eine Blase?

Insbesondere bei unseren Gängen durch die Innenstadt von Santiago sind uns die vielen mit Tüten von Nobelherstellern bepackte Konsumenten aufgefallen. Eine andere Beobachtung : in nahezu allen größeren Geschäften/Kaufhäusern standen Geldausgabeautomaten, gleichzeitig begegnete uns an fast jeder Straßennecke eine Bankfiliale. Die hier gesehene Bankdichte und das GAA-Netz sprengte unser Vorstellungsvermögen; es stellte sich die Frage, ob ein derartiger Aufwand denn auf Dauer für die Banken nicht zu kostenaufwendig sei. So nach und nach wird klar, welche Entwicklung hier genommen wird. Bei Benutzung der GAAs fiel auf, daß sehr geringe Mindestauszahlsummen vorgegeben, teilweise auch nur bereit gestellt werden, d.h. pro Abhebung konnte man teilweise nur 20.000 CLP, das sind rund 30 Euro ziehen, was im Grunde bedeutet, mit der Bonität der Kunden ist es nicht sehr gut bestellt ist, wenn diese knapp mit Bargeld gehalten werden. Andererseits erfuhren wir, daß ein großer Teil des wahrgenommenen Konsums auf Pump erfolgt, oft gefördert durch die mit diversen Konsumtempel verbundenen Kreditkarten. Damit wird der Weg in die Schuldenfalle leicht gemacht. Auf Pump wird gelebt, weil in einigen Branchen, insbesondere im Bergbau, der so richtig boomt, extrem hohe Löhne auch für Un- oder Angelernte gezahlt werden, um den notwendigen Arbeitskräftenachschub zu erreichen. Grundsätzlich positiv, denn dadurch nehmen breitere Bevölkerungsteile an dem derzeitigen Wirtschaftsaufschwung durch steigende Löhne – in Folge auch steigender Preise – teil, denn der Arbeitskräftedrain in den Norden des Landes zieht zwangsweise, um die offenen Stellen besetzen zu können, auch für die übrigen Branchen Lohnsteigerungen nach sich. Das Problem dürfte jedoch sein, daß zunehmend mehr Menschen das künftige Einkommen bereits jetzt ausgeben, also ihr Leben auf höherem Konsumniveau mit Krediten finanzieren. Das geht solange gut, wie die derzeitigen Lohnsteigerungen anhalten, bedeutet aber auch, daß die Weltmarktpreise für die hier im Land gewonnenen Rohstoffe das derzeitige Niveau halten müssen – Abschwächungstendenzen sind jedoch bereits jetzt erkennbar.

Und an all dem verdienen die zahlreichen Banken sehr kräftig mit. Nicht nur werden extrem hohe Zuwachsraten insbesondere im Konsumentenkreditgeschäft erzielt, die hier berechneten Zinssätze sind nicht nur traumhaft, vor deutschen Gerichten würden diese als Wucherzinsen abgeurteilt werden! Bei einem Besuch in einem der größten landesweit vertretenen Kaufhauskette – auf der Suche nach einem für den Notfall als sinnvoll angesehenen Prepaidhandy – trauten wir unseren Augen nicht, als wir auf dem Preisschild bei einer Kaufsumme von rund 30.000 CLP, das sind rund 45, Euro den Hinweis auf eine Ratenzahlung über 12 Monatsraten von jeweils 3.000 CLP sahen, d.h. bezogen auf ein Jahr muß der Kunde 6.000CLP oder 20% auf die Kaufsumme zusätzlich an Zinsen und Gebühren aufbringen! Dies bedeutet auch, der Kunde nimmt immer wieder, es wird ihm ja so leicht gemacht, Kredite über Kleinstsummen auf – das Risiko, dabei den Überblick zu verlieren wächst. Das wird auf die Spitze getrieben an den Kassen : dort befinden sich große Hinweise auf Ratenkrediten einer Bank mit einem Jahreszins von 36,08%!! Damit der Kunde offensichtlich nicht so ganz mitbekommt, wie teuer sein Kredit ist, weist wohl eine andere Bank für Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr Tages(!)zinssätze aus, da natürlich bei 0,X% liegen.

Bei anderer Gelegenheit konnten wir in einem Filiallebensmittelgeschäft beobachten, wie der Einkauf kreditiert wurde, in einem anderen Fall, wie der Konsument einen Teilbetrag auf die bestehenden Verbindlichkeiten zahlte. Gute Zeiten? Sicherlich löblich, wenn der Kaufmann seinem Kunden bis zur nächsten Lohnzahlung einen kleinen Überbrückungskredit einräumt, hier scheint das aber der generelle Weg für viele zu sein.

Verschiedentlich haben wir von der Angst gehört, daß der zum guten Teil auch kreditfinanzzierte Aufschwung zum Stillstand kommt, die Blase platzt mit enormen Konsequenzen für nahezu jeden im Land. Die Banken werden bis dahin gut verdient, ihre Aktionäre hohe Dividenden eingestrichen haben; die beim Platzen der Blase nicht mehr bedienbaren Kredite dürften, wie auch bei der letzten weltweiten Bankenkrise, das eine oder andere Institut zum Straucheln bringen – Rettung gewiß, durch den Staat, während die überschuldeten Normalbürger wie auch große Teile der Gewerbetreibenden finanziell ruiniert sind. Die Lernkurven sind leider, wieder einmal, sehr flach.

Autokauf oder : eine Erfahrung, auf die wir gerne verzichtet hätten!

Wie heißt es so schön : wer reist sammelt viele neue Erfahrungen. Wir auch, aber auf eine spezielle hätten wir gerne verzichtet.

Doch von vorne erzählt : Angesichts der hohen Mietwagenpreise und gestützt auf zahlreiche Erfahrungsberichte im Netz von Travellern, wonach es sich in Chile lohnt, das Risiko eines Autokaufs ab einer Reisedauer von mehr als zwei Monaten einzugehen, haben wir uns in Santiago intensiv auf die Suche gemacht. Darüber hinaus hatten wir erfahren,  daß mit Mietwagen nicht nach Bolivien gefahren werden darf, der von uns jedoch in den Reiseplan integrierte Salar de Uyuni liegt in Bolivien, so daß ein Mietwagen auch deshalb nicht erste Wahl sein konnte. Hinweisen, wo sich konzentriert Autohäuser befinden (Automotora, Av. Vespucci Norte z.B.), den einschlägigen Internetseiten  (….) und der Anzeigenseite des Mercurio am Samstag sind wir nachgegangen, sind herumgefahren und sind zu den diversen Autohäusern gelaufen, haben verglichen, hier und da auch mit einem Verkäufer gesprochen  und konnten dann in der zweiten Woche unserer Suche unsere Bemühungen auf drei Anbieter/Fahrzeuge beschränken. Wir hatten u.E. uns inzwischen einen vernünftigen  Marktüberblick verschafft, um nicht zu einem deutlich überhöhten Preis zu  kaufen. Auf das Angebot von Autohäusern haben wir uns auch deshalb konzentriert, weil diese Gewähr dafür  bieten, ein geprüftes Fahrzeug mit einer Grundgarantie von 3 Monaten, was uns reicht, zu verkaufen und die sehr bürokratische Kaufabwicklung (Notar) und Ummeldung auf den neuen  Eigentümer übernehmen..

Zwischenzeitlich haben wir uns auch eine RUT (!), d.h. eine Steuernummer  beim für den Stadtteil Providencia zuständigen Finanzamt beschafft – wir sind nun Steuerbürger Chiles (!!?) -, Grundlage für jeden Kaufvertrag. In unserem Fall auch von Bedeutung, da zusätzlich zum Kaufpreis eine 1,5-prozentige Kaufsteuer bezogen auf einen Tabellenwert des Fahrzeuges an die staatliche Finanzbehörde vom Käufer abzuführen ist.

Und wir lernten ständig dazu, z.B. daß es hier einen jährlichen TÜV gibt, daß Zulassungspapiere auch temporärer Art akzeptiert werden – in unserem Fall wichtig, denn wir wollten ja kurzfristig losfahren, eine zu kurze Zeitspanne, um die offizielle Umschreibung beim Zivilgericht auf die Reihe zu bekommen – , daß die Knöllchen wie auch die bei der Benutzung von mautpflichtigen Straßen und Autobahnen angefallenen Gebühren quasi dem Auto anhaften und beim Kauf ggf. mitübernommen werden.. Also heißt es prüfen, ob derartige Zahlungen des bisherigen Eigentümers offen sind oder  nicht, andernfalls sind wir als neuer PKW-Eigentümer für die Altverbindlichkeiten zuständig. Schließlich waren wir auch über die Haftpflichtbedingungen hier im Lande erstaunt, denn man kann offensichtlich mit einer KFZ-Haftpflichtversicherung über nur 40.000 Euro die Gegend unsicher machen, nicht unbedingt ein Beweis dafür, daß der “Wert” eines Menschen und seine Unversehrtheit sehr hoch geschätzt wird. Das Gros der Fahrer dürfte nicht in der Lage sein, hohe Schadenssummen persönlich abzudecken. Dem entspricht auch die Aussage eines unserer Lehrer, wonach man sich hier im Lande eher um den eigenen “Schaden” kümmert als um den am anderen Fahrzeug (!?). Schließlich : diese Versicherung gilt nicht z.B. in Argentinien, d.h. für uns, auch eine dort gültige Versicherung muß abgeschlossen werden. Wie gesagt, reisen bildet und wir haben in diesen Dingen eine Menge Neues erfahren.

All dies im Kopf und  die Entscheidungsmatrix abgearbeitet blieben schließlich drei Händler mit jeweils einem Fahrzeug übrig. Also machten wir uns Dienstag direkt nach dem Unterricht auf den Weg zu unserem Favoriten, der nur 1.5-2km von unserer Wohnung entfernt liegt.  Wie für uns vorgesehen, stand der Wagen dann auch schon bereit, jedoch nicht für uns, wie wir leider erfahren mussten,, sondern für einen anderen Interessenten, der das Fahrzeug für sich hat reservieren lassen. Dies galt es zu respektieren. Deshalb machten wir uns dann am Mittwoch nach Unterrichtsende auf den Weg zu Kandidat zwei, einem großen Autohaus mit mehreren Filialen. Mit den uns zur Verfügung stehenden Sprachkenntnissen verhandelten wir, holten wichtige Informationen ein und fanden am Schluß mit dem Verkäufer einen Konsens hinsichtlich Preis und Nebenbedingungen. So war unstrittig, daß das Fahrzeug vor Vertragsabschluß durch den TÜV muß, eine Werkstattdurchsicht, auch im Interesse des Verkäufers, erfolgt. Erleichtert ging es dann am frühen Abend nach Hause, schien doch ein großes Problem gelöst und wir bald im Besitz eines geländetauglichen Suzuki Grand Vitara BFJ 2007. Die Suche hat uns viel Zeit gekostet und es war schön festzustellen, daß es sich gelohnt hatte.

Am nächsten Tag in der Schule baten wir unseren Lehrer Sebastian mit unserem Verkäufer zu telefonieren, um das Ergebnis des Gespräches zu bestätigen, falls wir uns mißverständlich ausgedrückt haben sollten.  Anschließend  beglückwünschte uns Sebastian zum Kauf, wir hätten alles richtig gemacht, am Mittwoch sei der Wagen durch den TÜV und dann sollten wir, mit seiner Hilfe, dort wegen der Abwicklung wieder anrufen. Wir waren beruhigt, dennoch habe ich am Sonntag eine Mail an denn Verkäufer geschickt, um  mir von ihm die nötigen Daten zum Versicherungsabschluß vorab übermitteln zu lassen. Bis Dienstagmittag hatten wir nichts gehört und deshalb eine Erinnerungsmail hinterhergeschickt. Mittwoch war ja dann der Tag unseres angekündigten Telefonats, um den Termin für Übergabe  und Vertragsabschluß abzustimmen. Inzwischen hatte Petra uns Geld auf ein Konto unserer Vermietungsagentur in Santiago überwiesen und wir waren fast Dauerkunde am Geldautomaten,  um uns mit dem bei Vertragsabschluß zu übergebenden Mitteln (5,275 Mio (!) CLP) auszustatten. Gegen 13:30 nach Unterrichtsende begannen dann Minuten, die auch unseren Lehrer Sebastian, der für uns das Telefonat führte, nicht ruhig bleiben ließ, in denen er am Telefon deutlich und laut wurde! Was war der Grund? Schon während des Telefonates konnten wir den Wortwechseln entnehmen, daß irgendetwas nicht in Ordnung war, der Stimmung von Seb . zur Folge war es etwas ernstes. Dann endete das Gespräch mit einem deutlichen Ausspruch von Seb und er sah uns mit einem Blick an, der nichts gutes verhieß. Auf Spanisch fluchte er und meinte, der Kerl habe das Auto bereits trotz unserer eindeutigen Reservierung bereits am Samstag verkauft, was ein Unding sei.  Wir waren seines Mitgefühls sicher und ich glaube, er schämte sich auch ob des Verhaltens seines Landsmannes, das so nicht typisch sei. Wir waren nicht nur geplättet,, traurig, sondern auch auf “Start”” zurückgeworfen,, und das drei Tage vor der Abreise. Für einen neuen Kaufversuch war es zu spät, so blieb nur noch zu schauen. ob wir ein Fahrzeug anmieten könnten.  Aber diese Allradfahrzeuge, die für uns wegen der Fahrten in die Nationalparks unabdingbar sind, wachsen nicht auf den frühlingsgrünen Bäumen. Nach einer Viertelstunde Innehalten und Trauer und Wut machten wir uns auf den  Weg  zu ContactChile, von denen wir ein zwei Wochen altes Mietangebot vorliegen hatten. Und dann kommt es dicke – natürlich war das Fahrzeug  nicht mehr verfügbar, ja, es war ein kleines allradgetriebenes Fahrzeug  überhaupt nicht mehr zu bekommen. Schließlich konnte man  uns einen Toyota Hilux 2×4 besorgen, nicht nur von den Fahrzeugmaßen ein Schlachtschiff (Doppelkabine und Ladefläche, als wollten wir Holzstämme transportieren), sondern auch im Mietpreis um einiges teurer als das alte Angebot eines kleinen Wagens. Angesichts der Zeitnot blieb uns nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen und die Reisekasse mit einem nennenswerten Betrag für die Anmietung zu belasten. Man könnte sagen : ist ja nur Geld und keiner körperlich zu Schaden  gekommen. Mas o menos würde man hier sagen, denn der Frust bei mir über den unseriösen Verkäufer,  die menschliche Enttäuschung sitzt tief. Nun gilt es, am Samstag das Schlachtschiff in Empfang zu nehmen und loszureisen; wir hoffen, daß dieser unschöne Eindruck mir und uns nicht zu  lange aufs Gemüt schlägt und sobald dann der Dunstkreis der Großstadt verlassen ist  und die Natur sichtbar wird sich wieder ungeschmälerte  Reisefreude einstellt.

Graffito auf allen Wänden–Santiago das Mekka der Graffitokünstler

Haben wir schon in Buenos Aires die Vielfalt und hemmungslose Gestaltung verfügbarer Wände mit Graffiti bewundert, hier in Santiago de Chile scheinen die Weltmeister dieser Kunstart  zu leben. Offensichtlich ist der künstlerische Wert mancher Wandmalereien so groß, daß regelmäßige Kunstführungen zu “bedeutenden Gafittti” in der Innenstadt als auch in den Randbarrios angeboten werden. Die starke Präsenz von Sicherheitskräften rund um das Banken- und Regierungsviertel hat sicherlich verhindert, daß in diesem engeren Innenstadtbereich entsprechende künstlerische Aktivitäten sich entfalten konnten, wenige Steinwürfe von diesen gesicherten Bereichen entfernt sind dann jedoch um so mehr Arbeiten der Kunstschaffenden zu bewundern. Naturgemäß gilt auch hier, je weiter vom Kern der Stadt entfernt, desto größer die Dichte der Produkte. An manchen Fabrikwänden ziehen sich ständig neue “Wandmalereien” über Dutzende von Metern hin mit immer neuen Motiven. Manche sind nur dekorativ, andere oft auch  mit politischen Aussagen versehen, und in manchen Fällen haben offensichtlich Geschäftsleute die Künstler beauftragt Gemälde mit einem Bezug zum Geschäft herzustellen. Die folgenden Bilder zeigen nur einen kleinen Ausschnitt.

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Unser Bemühen um die spanische Sprache

Wir hatten es uns leichter vorgestellt, unsere rudimentären Spanischkenntnisse in vier Wochen Intensivunterricht mit vier Stunden täglich deutlich zu verbessern. An unseren engagierten Lehrerinnen und Lehrern in der escuela bellavista hier in Santiago hat es nicht

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gelegen. Denen ist vielmehr ein großes Lob auszusprechen, denn mit unendlicher Geduld korrigierten sie, wenn sie es für erforderlich hielten, unser mündliches Spanisch. Und da lag auch schon der Hund begraben : in Theorie – na ja, aber in der Praxis eine Katastrophe, zumindest in unserer sehr kritischen Einschätzung. Mit Hilfe von Teresa hatten wir ja in der Heimat uns darum bemüht, einige Grundlagen zu legen, aber das Gelernte dann in der Wildnis da draußen auch anzuwenden, ist eine andere Geschichte. So manchen Tag hingen wir so richtig durch, denn der ausschließlich auf Spanisch stattfindende Unterricht von 10:00 – 13:30 Uhr war teilweise ganz schön anstrengend; hinzu kam, daß in den ersten zwei Wochen auf Grund der anstehenden drei Feiertage auch nachmittags fast drei Stunden fleißig gelernt wurde. Und wir wollten ja in der unterrichtsfreien Zeit nicht nur lernen, sondern auch etwas von der Stadt sehen und uns um die Vorbereitung der Weiterreise kümmern. So mancher Tag blieb dabei das Lernen von Vokabeln und Strukturen auf der Strecke. Dennoch, wir haben uns verbessert, zwar nicht unbedingt unseren Wortschatz rasant vergrößert, aber unser Gehör besser auf die Sprache eingestellt, sind in der Lage, nicht allzu komplexe Texte auch weitgehend zu verstehen, trauen uns verstärkt, Katrin deutlich stärker als Thomas, das Erlernte in freier Wildbahn anzuwenden und, oh Wunder, man versteht uns zunehmend und wir schauen auch nicht mehr so oft den Gesprächspartner ungläubig an. Insofern haben die vier Wochen an der escuela bellavista uns nicht nur Spaß gemacht, sondern wir haben auch einen Wissenszuwachs davon getragen. Schaut man sich die Teilnehmer der Sprachkurse an, die aus sehr unterschiedlichen Ländern kommen mit einer Bandbreite von Canada bis Australien über Weißrussland, Taiwan und Türkei, so dominiert mehr als deutlich die Altersgruppe von 18 bis Mitte 20. Fast waren wir versucht, um einen Rentnerrabatt nachzufragen. Andererseits kamen wir uns gar nicht so alt vor im Kreis der Jungspunde, oft wurde mit Erstaunen registriert, daß wir in unserem(!) Alter uns auf die Schulbank setzen.

Von einer Wunschvorstellung haben wir jedoch schon nach kurzer Zeit Unterricht Abschied genommen, daß es uns gelingt, nach der Schule mit der Bevölkerung uns über mehr als rudimentäre Dinge zu unterhalten. Dazu ist einfach unser Wortschatz nicht schnell und ausreichend genug angewachsen, sind unsere aktiven Sprecherfahrungen trotz aller Bemühungen der Lehrkräfte zu gering bzw. unser Vertrauen in unsere Fähigkeiten nicht ausgeprägt genug. Sei es drum, wir haben die vier Wochen  nicht bereut, sie haben uns eine Menge an neuer Erfahrung und Kenntnisse gebracht. Wir brechen jetzt nicht ganz ohne Bammel auf, denn wir werden in Situationen kommen, in denen unsere beschränkten Sprachkenntnisse deutlich werden; dennoch, unsere Erfahrungen mit den – nicht immer verständlich sprechenden – Chilenen sind sehr positiv; bislang ist es uns noch immer irgendwie gelungen, unter Einsatz unserer Sprachkenntnisse, Gestik, Mimik und Gedankenübertragung – das “Ohne Wörter Buch” kam bislang noch nicht zum Einsatz – uns verständlich zu machen. Wir setzen darauf, daß dies uns auch in der Zukunft gelingt und unsere Gesprächspartner, wenn sie erkannt haben, daß wir sie nur eingeschränkt verstehen, langsamer und deutlicher sprechen, als sie es im Alltag gewohnt sind.

Unsere 4 Wochen in Santiago

Nun waren wir mehr als vier Wochen in Santiago de Chile, haben uns wie gewohnt die Füße wundgelaufen, eine ganze Anzahl der Viertel dieser doch sehr großen Stadt erwandert und erschlossen. Untergekommen sind wir im Stadtteil Providencia, unsere Schule liegt einen guten km entfernt im Stadtteil Bellavista.

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Auf unseren Streifzügen/-gängen ist uns einiges aufgefallen, das festgehalten werden sollte.

Auf unserer Busfahrt vom Flughafen in die Innenstadt sind wir wiederholt an riesigen Krankenhauskomplexen vorbeigefahren, ohne diesen eine besondere Beachtung zu schenken. Das Thema “Krankenhaus” stieg erst in uns auf, als wir zu Fuß und mit den Rucksäcken im Kreuz etwa 1km von der Metrostation Salvador unsere Avenida Salvador in Richtung Wohnung entlanggingen, wobei wir nicht nur zu Beginn und damit in unmittelbarer Innenstadtnähe ein Großkrankenhaus passierten, sondern uns im Verlaufe der Straßenwanderung ständig neue große und kleine Kliniken begegneten. Die Av. Salvador wies eine beachtliche medizinische Dichte auf, auch in den Seitenstraßen stießen wir später auf eine Mehrzahl von stationären und ambulanten Kliniken. Unter dem Gesichtspunkt einer eventuellen medizinischen Versorgung war unsere aktuelle Wohnlage also ausgezeichnet. Als wir dann aber am Folgetag auf unserem Spaziergang durch den Stadtteil Bellavista, der eher von normaler sprich niedriger Bauweise geprägt ist, im Abstand weniger 100m gleich zwei Krankenhäuser großen Ausmaßes antrafen stellte sich uns die Frage nach dem Gesundheitszustand der Bevölkerung. Einerseits ist eine umfassende medizinische Versorgung grundsätzlich zu begrüßen, wenn denn auch die Fläche davon profitiert, hier empfanden wir jedoch eine über Gebühr starke Konzentration im engeren Innenstadtbereich. Nun könnte dies auch ein Hinweis auf eine kranke Nation und insbesondere der Hauptstadtbevölkerung sein, eine sehr gewagte These, obgleich die den Fußgängern, also auch uns Gästen zur Verfügung stehende Luft durch den starken Verkehr nicht gerade gesundheitsfördernd ist, vermutlich dürfte bei Anlegung deutscher Maßstäbe manchmal Smogalarm ausgelöst werden. Andererseits, die Umweltbelastung durch den individuellen Hausbrand hält sich in Grenzen, denn Gebäudeheizungen scheinen hier Mangelware zu sein. Wenn geheizt wird, dann über an das Stromnetz angeschlossene Radiatoren, weshalb es auch immer wieder zu Stromengpässen kommen soll, wie wir gehört  haben, andererseits sind auch so richtig gesundheitsfördernde und umweltfreundliche gasbetriebene Katalytöfen im Einsatz!? Aus unserem auf den Ernstfall gerichteten Blickwinkel ist die vorgefundene medizinische Versorgungsdichte erfreulich, ob das aber auch für die Bevölkerung gilt, wissen wir (noch) nicht, da wir noch keine Kenntnisse über das medizinische System haben.

Wenn möglich, benutzen wir das ÖPNV. Dieses ist hier in der Stadt, wie wir es wahrnehmen konnten, vorbildlich – vorbildlich hinsichtlich der Taktdichte, des Preises – wenn wir unsere Maßstäbe anlegen, auch dies ist noch zu prüfen – und der Präsenz in der Fläche. Für die vier große Gebiete der Stadt erreichenden Metrolinien haben wir auch Linienpläne vorgefunden, für das extrem engmaschige und weitverzweigte Busnetz konnten wir bislang keinen Streckenplan auftreiben. Vermutlich wäre das Streckennetz auch nicht in angemessener Foldergröße darstellbar und deshalb unhandlich, weshalb auf eine detaillierte Darstellung verzichtet wird? Das wäre eine Situation, wie sie in Buenos Aires vorgefunden wurde. Auch dort gibt es keinen allumfassenden Streckenplan des Busnetzes. Stattdessen wird ein kleines Büchlein zusammen mit einem großen Stadtplan vertrieben. Auf diesem Stadtplan ist die Stadt sehr kleinteilig in Planquadrate eingeteilt, so daß in Kenntnis des Planquadrates, aus dem man per Bus abfahren will und des Zielquadrates mit Hilfe des Buches die in Frage kommenden Buslinien  identifiziert werden können. Ein so wichtiges Instrument für die Bevölkerung, daß auch die fliegenden Händler dieses Marktsegment erfolgreich bedienen. Auf jeden fall haben wir nur kürzeste Zeit auf unsere Metros warten müssen und oberirdisch folgt ein Bus dem nächsten. Durch die Einführung einer elektronischen Chipkarte als Zahlinstrument für den gesamten ÖPNV in Santiago ist die Handhabung währen der Fahrt ebenfalls deutlich vereinfacht, entfällt doch das permanente Erwerben von Fahrkarten. Wir haben – bislang – nicht vieles gefunden, das nachahmenswert ist, dieser ÖPNV gehört jedoch zu dem Beachtenswerten.

Oberhalb des Stadtviertels Bellavista, in dem auch eines der drei Häuser von Pablo Neruda, die Cascona, als Museum zu besichtigen ist, befindet sich der “Berg” San Christóbal, von dessen Kuppe auch eine riesige Marienfigur auf die Stadt hinunterblickt.

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Bemerkenswert ist, daß hier ein sehr großer im weiten Teilen, soweit wir ihn bislang erkunden konnten, auch wilder “parque metropolitano” der Bevölkerung offen steht, wobei offen steht zeitlich begrenzt ist. Das Gelände, mehrere Hektar groß, ist weiträumig eingezäunt und hat zwei Zufahrten und Ausfahrten, über die jedermann in den Park gelangen kann, streng beäugt von Wachmännern. Für diejenigen, die einen längeren Fußweg hinauf zur Hügelkuppe scheuen, steht ein eine Seilbahn bereit, der “funicular”, der  pro Fahrt knapp 70 Personen befördern kann, was insbesondere an Wochenenden zu enorm langen Warteschlangen führt.

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Als wir uns eines sonntags dorthin auf den Weg machten, waren wir wahrlich nicht allein, nicht nur Großfamilien waren unterwegs zum – kleinen – Zoo oder für einen Spaziergang/Picknick, auch die zweisamkeitshungrige Jugend strömte in den Park. Fast war Volksfeststimmung. Daß Müllvermeidung hier nicht an erster Stelle steht, haben wir wiederholt feststellen müssen; auch hier finden sich Wohlstandsüberbleibsel wie bei uns, achtlos weggeworfene Verpackungen, die dann beim nächsten Passanten Anlaß sind, dem Müll auch seinen hinzuzufügen. Die Strecke, die wir zur Bergkuppe nehmen wollte war leider wegen eines Downhillrennens der Mountainbiker gesperrt, also versuchten wir, uns über irgendwie erkennbare Pfade in die Höhe zu arbeiten. Nun, wir machten etliche Höhenmeter gleichwohl, den Gipfel erreichten wir bei dem unwegsamen Gelände nicht. So ganz unsinnig war dieser Querfeldeingang jedoch nicht, denn in diesem riesigen Wald stießen wir mehrfach auf Einfachstbehausungen

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von aus der Gesellschaft ausgegrenzten Menschen. Zu Gesicht bekamen wir keinen dieser “”Waldmenschen”, nachdenklich machte uns diese Entdeckung jedoch.

An einem Samstag erkundeten wir die nähere Umgebung der Moneda, den von Pinochet und seinen Truppen beim Staatsstreich am 11.9.1973 bombardierten Staatspalast, in dem Salvador Allende, gewählter Präsident, dem Staatsstreich zu trotzen versuchte, an sich, als die Militärs vor seinen Räumen auftauchten, selber Hand anlegte, wie eine wohl der Wahrheit entsprechende Version nahe legt. Der Palast wurde in großen Teilen in Schutt und Asche gelegt, wie alte Fotos belegen. Heute steht der Palast wieder, kann jedoch wegen umfassender Bauarbeiten nicht besichtigt werden. Schön war festzustellen, daß vor dem an der Plaza de Constitution stehenden Denkmal für Allende mehrere frische Rosen lagen.

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Ich muß sagen, vom Ort und der Situation schon ergriffen worden zu sein, sind wir doch damals auf die Straße gegangen und haben gegen den Staatsstreich und die maßgebliche Unterstützung durch die CIA protestiert,, kam dabei doch ein kleines Pflänzlein, das für mehr Gerechtigkeit in diesem Land sorgen wollte und sollte, die Unidad Popular und viele seiner maßgeblichen Unterstützer aus allen Kreisen der Bevölkerung nicht nur unter die Räder, sondern in die Folterkammern und in die Mörderhände von Pinochets Schergen, die im wesentlichen bis heute nicht für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Verantwortung gezogen worden sind. Hier hat das Land einiges aufzuarbeiten. Und als wir dann noch ein Plakat sahen, das auf ein Konzert mit Liedern von Victor Jara, als Regisseur und Liedermacher ein damals sehr bekannter Unterstützer der UP unmittelbar nach dem Staatsstreich wie Zehntausende offensichtlich auf Grundlage angefertigter schwarzer Listen sofort inhaftiert, im Zentralstadion unter kz-vergleichbaren Bedingungen eingesperrt, dort gefoltert und ermordet, entstand der Wunsch, diesem Konzert irgendwie beiwohnen zu können. Und wir waren dann dabei!

Es war wohltuend, nach diesen Eindrücken entlang der Nationalbibliothek auf den “Cerro Santa Lucia” hinauf zu wandern, wieder ein diesmal kleiner Hügel, aber Mitten in der Stadt.

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Ein kleiner Weg ringelt sich den Hügel auf seine Aussichtskuppe hoch, von einer kleinen Mauer mit immer wiederkehrenden kleinen Ausbuchtungen unterbrochen. Entlang des Weges auch genügend Grünfläche, um es sich bei gutem Wetter so richtig gemütlich zu machen, wovon einige Bürger regen Gebrauch machten. Nun herrschten am Samstag zwar keine hochsommerlichen Temperaturen, im Gegenteil, es war sichtbar kühl. Der kraftstrotzenden Stadtjugend schien das aber nichts auszumachen, war doch fast jede Bank, jede irgendwie einen gewissen Schutz bietende Mauerecke/-rundung von jungen aber auch älteren und alten Paaren “besetzt”. So herrschte in diesem Park so richtig Leben, auch wenn um 18:00 Uhr Zapfenstreich war, denn dann schlossen die Pforten.

Auch in Chile gibt es erkennbar Spannungen, jedoch ist dies nicht wie in Argentinien Anlaß, durch eine hohe und permanente Präsenz der Staatsmacht seine Stärke zeigen zu wollen. Auch hier trifft man Polizeistreifen an, zu Fuß und auf dem Motorrad, wahrnehmbar im Bild der Öffentlichkeit sind diese jedoch kaum, insgesamt wohltuend.

Oben bereits erwähnt, einen Preis für umweltfreundlichen und schonendes Verhalten kann man an Santiago und seine Bevölkerung nicht vergeben; dennoch ist die folgende Aufnahme bemerkenswert, wenn auch nur ein vereinzeltes Zeichen dieser Art :

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“Gated Communities” ist ein anderes wichtiges Stichwort, das aufgegriffen gehört. Handwerk hat goldenen Boden und das Schlosserhandwerk insbesondere. Was hier an Zäunen mit Spitzen bewehrt und deutlich über zwei Meter hoch verbaut wird, kann kaum ermessen werden. Daß in Gegenden mit wohlhabender Bevölkerung diese ihren Besitz durch einen Zaun sichern ist nachvollziehbar angesichts des Wohlstandsgefälles im Land. Daß aber auch Wohnsiedlungen mit hohen Zäunen sich umgeben und Zugang nur über bewachte Eingänge möglich ist, erscheint uns wie von einer anderen Welt, wohnen doch in diesen Siedlungen nicht vorrangig vermögende Familien. Und dennoch, derartige Sicherungen werden als normal angesehen, die Zahl der Einbruchdiebstähle sei hier sehr hoch. Mein Versuch hierzu im Internet Statistiken zu erschließen, um dies im Vergleich mit Deutschland zu überprüfen, ist bislang gescheitert. Mir will nicht in den Kopf, daß die Vermögensdelikte hier so spürbar höher sein soll als in Mitteleuropa, so daß sich sogar auf dem flachen Land hier “gated communities” befinden! Und für die Sicherheitsunternehmen ein auf Dauer ausgerichtetes einträgliches Geschäft, denn die Objekte wollen ja bewacht werden. Da die Klingelschilder nur die Wohnungsnummer nicht aber den Namen des Bewohners aufweisen, werden hier höhere Anforderungen an das Gedächtnis von Freunden/Besuchern als bei uns gestellt (!) und, jeder Zugang wird kontrolliert – ob auch protokolliert wissen wir nicht, zumindest in unserem vorübergehenden Quartier erkennbar nicht. Ein Gutes mag dieses hohe Sicherheitsbedürfnis haben : Vertreter haben es ohne vorherige Ankündigung sehr schwer!

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So ganz leicht ist es mit dem Verlaufen zumindest im innerstädtischen Bereich nicht. Dadurch daß die Stadt im wesentlichen durch im rechten Winkel zueinander verlaufende Straßen und Sträßchen gegliedert ist kommt man, soweit man die passierten Straßenkreuzungen mitgezählt hat, immer rechts- oder linksherum gehend an sein Ziel. Schwieriger kann es zu bestimmten Tageszeiten für die Autofahrer sein, denn was gestern Nachmittag noch eine Straße mit Gegenverkehr war ist heute Morgen eine vierspurige Einbahnstraße, um den Verkehr in den Stoßzeiten in und aus der Stadt fließender zu halten. Mir graut schon davor, selber hinter dem Lenkrad sitzend auf mir entgegenkommende Fahrzeuge in der Stadt zu stoßen! Als äußerst sympathisch empfinden wir hier die Einrichtung fast aller Wohnstraßen als Einbahnstraßen mit dem Ergebnis der weitgehenden Verhinderung von Durchgangsverkehr.

Es war uns ein Bedürfnis, an einem Wochenende uns Zeit zu nehmen, das Museo de la Memoria y los Derechos Humanos  zu besuchen; wir hatten wenig darüber bislang gelesen, aber eine unserer Lehrerinnen hatte uns das Museum, wie wir nachträglich feststellten, zu Recht empfohlen.

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Fast schon symbolhaft befindet sich der größte Teil des Museum unter der Erde, auf der einen Seite hin zu einer großen platzartigen Senke geöffnet als wolle damit auch zum Ausdruck gebracht werden, wieviel aus der Terrorherrschaft Pinochets noch an das Tageslicht gebracht werden muß. Gestützt auf zwei Berichte von Wahrheitskommissionen versucht die Ausstellung die einzelnen Verbrechen der Diktatur gegen die Menschlichkeit nachvollziehbar darzustellen, was, soweit wir das beurteilen können, wohl gelungen ist, zumindest haben uns zahlreiche der präsentierten Unterdrückungsmaßnahmen, die Gräuel, die menschlichen Schicksale der Oppositionellen, der sich langsam entwickelnde Widerstand an den Unis, in Fabriken, der Mütter der Verschwundenen mit ihren wöchentlichen Protesten um einige zu nennen, der gezeigte Mut der Kulturschaffenden jeglicher Couleur, das frühe Engagement der Kirchen – unterstützt auch aus Deutschland – bei der Unterstützung in der Suche nach den “Vermissten”, ihr Beitrag in den ersten Jahren zum Schmieden einer Allianz gegen  den Terror, der findungsreiche Widerstand auch von Teilen der Presse, das viele Opfer fordernde Engagement gegen den Terror seitens der Kommunisten und Sozialisten – die Liste ist unvollständig, die Eindrücke zu zahlreich. Unabhängig von der detaillierten Darstellung z.B. der Zerstörung der Pressefreiheit, der Gleichschaltung der Gewerkschaften, das Verbot politischer Organisationen, der Versuch, außenpolitisch (Falklandkrieg) Erfolge zu erzielen um das Volk zu einen etc., alles Entwicklungen, die uns in Deutschland sehr bekannt vorkommen. Der  Mut vieler Chilenen, die in den Jahren der Diktatur immer zahlreicher sich gegen die Herrschaft der Militärs stellten, ist zu bewundern. Nicht so ganz verstanden haben wir, wieso Pinochet einer Abstimmung über das Ende der Militärherrschaft und Einführung einer parlamentarischen Demokratie zustimmte – was es eine Überschätzung des eigenen Manipulationseinflusses auf das Wahlergebnis? Auf jeden Fall machte eine knappe absolute Mehrheit der Chilenen an der richtigen Stelle das Kreuz, so daß das Militär knapp zwei Jahre später die Macht übergeben musste.

Sehr eindrucksvoll wurde die Bombardierung der Moneda mit Bild- und Tondokumenten sehr präzise, ja teilweise minutiös nachgezeichnet und dabei auch belegt, wie alle Streitkräftearten zusammen mit der Polizei (!) unter Führung von Pinochet die Macht an sich rissen. Sehr ergriffen hat mich die über einen Rundfunksender fast unmittelbar vor der Erstürmung der Moneda verbreitete letzte Ansprache von Allende, die sehr deutlich machte, wie sehr er das Wohl ganz Chiles und seiner Bürger verfolgt hat, wie konsequent er bis zur letzten Minute seine Mission verfolgte. Kein Wunder, daß auch heute noch bei verschiedensten Gelegenheiten ein Hoch auf Allende ausgerufen wird. Während einzelne Verbrechen der Diktatoren präzise dargestellt wurden, die Zahl der Vermissten und Ermordeten auch heute durch ständige Recherchen immer wieder korrigiert werden muß, so haben wir deutliche Hinweise darauf vermisst, wie mit den damaligen Verbrechern verfahren wurde. So fehlen weitgehend Hinweise auf konkrete Verantwortliche, gab es keine Aussagen zu späteren Prozessen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wurde den im Ausland (m.E. England und Spanien) gegen Pinochet erfolgreich angestrengten Prozessen kaum eine Zeile gewidmet. Ich verließ das Museum nach mehr als drei Stunden mit dem Eindruck, daß die chilenische Geschichte hier noch nicht so ganz aufgearbeitet wurde.

Dieser Eindruck wurde bei anderer Gelegenheit bestätigt. Der immer noch sehr verehrte Sänger, Komponist, Regisseur und politische Kämpfer Victor Jara ist vielen Bürgern auch heute noch sehr präsent. Im Rahmen der Veranstaltungen zur 40-jährigen Wiederkehr des Staatsstreiches fand auch ein Konzert vor dem großen Stadtfriedhof Santiago, auf dem auch Victor begraben ist, nachdem seine Leiche aus dem Nationalstadion herausgeschmuggelt worden war, statt. Titel “1000 Gitarren für Victor Jara”.

Nur weil wir von einem unserer Lehrer, der wußte, das wir auch auf einem anderen Konzert zu seinen Ehren waren, einen Handzettel bekamen, gingen wir an einem Samstag zum Veranstaltungsort. Tolle Stimmung, bekannte Musiker, schöne Lieder, ein gelungenes Konzertereignis, und das alles umsonst und draußen. Leider waren nur wenige 1000 Zuhörer anwesend, der riesige Platz des Friedens nur zum Teil gefüllt, was uns erstaunte. Nun, wir hatten ja auch keine Plakate gesehen, wie sollte Mensch davon erfahren. Rückfrage bei unseren Lehrern ergab, daß aus “Rücksicht”(!?) auf mögliche Auseinandersetzungen zwischen den alten Anhängern der Militärdiktatur und den Demokraten, die dann auch heftig ausfallen könnten, von einem breiten Bewerben abgesehen worden war. Unverständlich für uns, glaubten wir doch, daß inzwischen die Demokratie hier auf festen Füßen steht. Dies erklärt auch, weshalb in der Nacht vom 10. auf den 11. September massenhaft Polizei auf den Straßen war und uns angeraten wurde, abends nicht unbedingt in die Innenstadt zu gehen, es könnte dort “heiß” hergehen, will heißen, die Befürworter der Militärdiktatur wollten Präsenz zeigen, die von den Demokraten unterbunden werden sollte!

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Übrigens der große Stadtfriedhof, eine Pracht insbesondere für diejenigen, die an schön gestalteten Mausoleen, großer Steinmetzkunst, Figuren und Figürchen sich nicht sattsehen können – hier wird ihnen geholfen, denn die Vielfalt ist wahnsinnig große, zumal dieser Friedhof, im Gegensatz zu dem Pendant in Buenos Aires mit grünen Alleen durchsetzt ist und eine Lunge der Stadt darstellt.

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Als eines der unbedingt zu besuchenden Gebäude der Stadt wird in allen Führern die alte Markthalle erwähnt; unerwähnt im allgemeinen, daß diese altehrwürdige Halle heute im wesentlichen eine neue Funktion hat, nämlich Esstempel insbesondere für Fischliebhaber zu sein. Nahezu die gesamte zentrale Hallenfläche wird von zwei oder drei Gastronomen bewirtschaftet, die in engstem Abstand ihre Tische aufgestellt haben die zu unserer Verwunderung bei verschiedenen Besuchen vor Ort nahezu vollständig besetzt waren. Bequem für den Gastronom : die Frischware kann er direkt von den in die umlaufenden Gänge verbannten Fischhändlern erwerben. Bei unserem vorletzten Besuch/Gang durch die Markthalle wurden wir auf Deutsch von einem  gut 60-jährigen Mitarbeiter des größten Fischrestaurants angesprochen. In dem Gespräch kam heraus, daß er sein Deutsch vor Ort im Goetheinstitut gelernt hatte und auch heute noch sich über Deutschland aktuell informiert. Wie wir später feststellten, kein Einzelfall.

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Auch einer Fonda, hier zu Ehren von Victor Jara, wohnten wir bei. Sie fand an mehreren Tagen um den Jahrestag des Staatsstreichs herum in der Veranstaltungshalle Gaupolicán, die auch zu Zeiten des Widerstands gegen die Militärdiktatur eine positive Rolle spielte, statt.

Wir hatten uns auf einen Konzertbeginn um 22:00 Uhr eingestellt; der Einlaß wurde dann fast pünktlich für hiesige Verhältnisse um 22.20 Uhr geöffnet und während die lange Schlange der Wartenden hineingelassen wurde, begann das Konzert. Bestritten wurden die Tage der Fonda von einer Vielzahl von Gruppen, die alle Lieder von VJ präsentierten, jeden Abend spielten andere Gruppen. Den Anfang machte eine Art Brassband, die mit einem Höllenlärm nicht immer synchron den Hereinströmenden Einheizte; dabei gab es dann auch Tanzeinlagen kostümierter Damen, die uns stark an die Funkemariechen erinnerten, wohl hier aber besonderer Teil des Kulturgutes darstellen Die dann folgende Band war deutlich tonaler mit gutem Gesang, aber offensichtlich waren wir in unserem Alter derartige Lärmpegel nicht mehr gewohnt, so daß wir nach gut 1 1/2 Konzertstunden den Heimweg antraten. Unsere Ohren hallten noch Stunden lang nach.

Santiago hat wohl ein Herz für den Freizeit-/Hobbysportler. Waren wir zuerst erstaunt, an einem Sonntagmittag eine der Hauptverkehrsstraßen in Stadtteil Providencia gesperrt vorzufinden und an Stelle von 4-spurigen Autokolonnen bevölkerten Läufer/innen, Radfahrer, Skater mit und ohne Kinderwagen alle 4 Spuren, waren Transparente gespannt und erkennbar auch Versorgungspunkte eingerichtet.

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Glauben wir anfangs, daß dies im Zusammenhang mit den Stadtteilfestlichkeiten stünde, mußten wir später feststellen, daß in mehreren Santiagoer Stadtteilen immer wieder sonntags wichtige Straßen von 10 – 14 Uhr für den allgemeinen Sportbettrieb gesperrt werden. Sollen die Autofahrer doch ihr Fahrzeug zu Hause lassen und sich beteiligen. Zwar war der Zuschauerzuspruch gering, die Teilnehmerzahl jedoch beachtlich, wie wir mehrfach vor Ort miterleben konnten. Die Organisation lag offensichtlich, so die Hinweise, in den Händen der Verwaltung, die an (fast)) alles gedacht hatte; so fuhren z.B. auch Fahrradmechaniker ihre Runden – die im übrigen von Wendepunkt zu Wendepunkt gut 5 km betrugen –, um im Ernstfall technische Hilfe zu leisten. Ich denke, ein anregendes Beispiel für heimische Verwaltungen in Ballungsgebieten.

In unsere Zeit in Santiago fiel eine Aneinanderreihung von wichtigen Feiertagen Chiles, so u.a. der Tag der Unabhängigkeit. Uns Schülern aber auch allen übrigen Werktätigen bescherte dies ein 5 Tage dauerndes Wochenende, den Bewohnern Santiagos aber sicher auch den anderer Städte eine Aneinanderreihung von Festen und Fiestas. Auch in unserem Stadtteil, wobei darauf hinzuweisen ist, daß der Verwaltungsbezirk Providencia die Größe einer mittleren deutschen Großstadt aufweist, wurde ein dreitägiges Fest für jung und alt organisiert. An einem der Tage machten wir uns auf den Weg zum Festplatz, eine große Parkanlage gut 2 km von unserer Wohnung entfernt. Es war früh am Nachmittag, dennoch hatte sich eine lange Schlange vor den Einlaßkassen gebildet. War diese erste Hürde genommen, ging das schrittweise Vorrücken weiter, vorbei an Imbiß-, Getränkebuden, zahllosen Verkaufsständen, diversen Veranstaltungslokalitäten etc.; wir hatten das Gefühl, da auch Schausteller zugegen waren, uns auf den Cannstadter Wasen zu befinden. Und als wir dann noch eine Dreiviertelstunde anstehen mussten, um unseren wahrlich nicht umfangreichen Imbiß am Tresen zu erhalten, war uns die Lust auf einen weiteren Verbleib vor Ort vergangen, obgleich noch einige interessante Konzerte auf dem Programm standen. Den Veranstaltungsort am frühen Abend verlassend stellten wir fest, daß auf dem diesem gegenüberliegenden Parkt ebenfalls ein fest stattfand, was unsere Neugier weckte. Dies war ein Fest unter der Überschrift “umsonst und draußen”, bei dem wir das Glück hatten in einer Phase dort anwesend zu sein, in der einige offensichtlich den Anwesenden sehr bekannte Musikgruppen auftraten. So sind wir dann doch noch zu unserem Musikerlebnis gekommen.

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Im Stadtteil La Reina fand ebenfalls eine tagelange Fiesta statt; diese hatte einen Schwerpunkt in Reitervorführungen. Die kurze Zeit, die wir vor Ort waren und den Vorführungen beiwohnten, hat sich gelohnt. Nun haben wir vom Reiten ja gar keine Ahnung, aber das was wir sahen erinnerte uns an Wildwestfilme und die dabei gezeigte perfekte Harmonie von Pferd und Reiter in jeder Situation.

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Damit kein falscher Eindruck aufkommt, wir hätten in unsrer freien Zeit nur noch Fiestas besucht, Konzerten beigewohnt und die sonstigen Schönheiten, Denkmäler etc. links liegen gelassen. Dem ist nicht so. Wiederholt hat es uns auf oder in die Nähe des zentralen Platzes, dem Plaza de Armas getrieben, ein Ort, auf dem das Leben weniger von Touristen, zumindest während unseres Aufenthaltes, bestimmt wird, sondern von den Stadtbewohnern. Gleich zu welcher Zeit wir hier aufschlugen, neues zu sehen gab es immer, einzig die Portraitzeichner saßen immer vor ihren Zeichenbrettern umringt von Zuschauern. Gaukler versuchten mit ihren Vorführungen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, um Musikgruppen scharten sich zahlreiche Zuhörer, die Bänke waren von Ruhesuchenden besetzt, Mensch stand herum und beobachtete das Treiben oder überquerte den Platz einfach auf dem Weg zu seinem Ziel. Hier befinden sich für die Architektur wie auch Geschichte der Stadt und des Landes wichtige Gebäude wie die Katedrale oder alte Verwaltungsgebäude aus spanischer Zeit. Den – unterdrückten und teilweise ausgerotteten indigenen Völkern ist ein beeindruckendes Denkmal an eine Platzseite gewidmet,  ebenso wie den spanischen Kriegsherren auf der anderen, als ob dadurch ein Ausgleich erzielt werden könnte. Ein kleiner offener Pavillion wird vielfältig genutzt, nicht nur für eine Musikmatinee, sondern auch für Schachwettbewerbe, an denen die Jugend konzentriert und mit Begeisterung unter der Beobachtung der Alten teilnahmen. Und wenn der Trubel hier zu groß war – nicht weit entfernt liegt der kleine Stadtteil Ricoletta, in dem alles etwas langsamer und gemütlicher abgeht.

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Blicken wir auf die vier Wochen zurück, so haben wir extrem viele Eindrücke verarbeiten müssen, durften in einem netten Kreis unsere Spanischkenntnisse erweitern, haben auf unsere Weise durch ausführliche Gänge durch viele Stadtteile Sport getrieben, sind immer wieder auf hilfsbereite Menschen gestoßen, haben uns nie unsicher oder bedrängt gefühlt, dennoch, Santiago ist uns nicht so richtig ans Herz gewachsen. Die Stadt ist einfach zu groß, zu laut, zu versmogt und dadurch auch schmutzig – obwohl wir ständig Straßenfeger im Einsatz sahen oder der Müllwagen bereits in der Nacht den Hausmüll entsorgte –, zu viel Verkehr, zu wenig Grün und als nicht zu unterschätzendes Manko, unsere Spanischkenntnisse waren/sind zu gering, um so richtig mit den Einheimischen kommunizieren zu können. Ursache hierfür war weniger das sehr gewöhnungsbedürftige Spanisch vor Ort als vielmehr unsere schlechte Sprachkenntnis. Hier haben wir die möglichen Fortschritte ebenso deutlich überschätzt wie unsere Bereitschaft und unserer Zeitpotential konsequent zu lernen. Und schließlich : man sollte hier lernen, energieeffizienter zu bauen und dadurch es ermöglichen, daß man sich in geschlossenen Räumen bei 18 Grad aufhalten kann, ohne zugleich durch die Dämpfe von Katalytöfen gesundheitlich geschädigt zu werden. Wir haben in unserer Wohnung oft so richtig gefroren und manchmal ging der Blick über den Atlantik in eine uns gut bekannte warme Zone, in der wir uns wohler gefühlt hätten. Da es im Anschluß an Santiago in den Norden Chiles und damit in deutlich wärmere Zonen geht hoffen wir, in den nächsten Monaten nicht mehr zu frieren.

Vier Wände für 4 Wochen – am Südpol?

Als wir schwer beladen nach mehr als einem km Fußweg unsere Bleibe für die Zeit in Santiago de Chile in der Av. Salvador 915 erreíchten waren  wir froh, nach gut zwei Stunden die Rucksäcke von den Schultern zu nehmen und manches fiel uns nicht auf. Wir hatten über eine in Santiago seit Jahren tätige Agentur, die auch möblierte Wohnungen vermittelt, uns das Quartier “gesichert”, bei der Entscheidung geleitet durch die im Internet präsentierte Objektbeschreibung.

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Am Ankunftstag erwarteten uns die Eigentümerin und ein Agenturvertreter, um den Mietvertrag, der im Grunde schon durch die Bezahlung der Kaution und der Vermittlungsprovision zu Stande gekommen war, noch einmal im Original gegenzuzeichnen. Bei der Wohnungspräsentation wurde wie beiläufig erwähnt,  daß nur zwei statt der ausgeschriebenen vier Herdplatten zur Verfügung ständen – die Küchenausstattung entsprach dann auch den sehr eingeschränkten Kochmöglichkeiten! Daß die beiden Wartenden trotz Betrieb eines kleinen Ofens im Mantel warteten und die Luft in der Wohnung wassergesättigt war, fiel uns nicht besonders auf, waren auch wir bei Außentemperaturen von gut 20 Grad auf Grund des Fußweges auch ganz schön “aufgeheizt”. Und wer denkt an antarktische (Innen-)Temperaturen, wenn vor dem Wohnhaus eine große Palme wächst und gedeiht?

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Manches lernt man erst mit der Zeit so richtig kennen, so war es auch bei uns und unserer Wohnung. Solange frühlingshafte Temperaturen bestanden – keine besonderen Feststellungen; aber, es war ja nach unserem Verständnis Anfang März, d.h. es kann noch mal ganz schön frisch werden – so auch hier. Bereits am Wochenende sanken die Außentemperaturen nachts auf einen niedrigen einstelligen Bereich und auch tagsüber stieg das Thermometer nicht über 15 Grad. Es war “muy  frio”, uns fror ganz schön und ich mußte mir manchen Vorwurf Katrins wegen der Anreise bereits Anfang September anhören. Aber wer rechnet damit, daß auch in den Wohnung Temperaturen herrschen, die den Außentemperaturen fast gleichen?

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Zentralheizung – Fehlanzeige, und das bei einem 1990 errichteten Wohnhaus! Einzig der kleine Gasofen sollte unsere 46qm mit Wärme versorgen; also Ofen auf volle Leistung gebracht, damit wir es in der Bude aushalten konnten.

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Schon bald stellten sich die Nebenwirkungen dieses Heizsystems ein. Ein seltsamer Geruch lag in der Luft, auf der Innenwand zum Treppenhaus – eigentlich schon wieder eine Außenwand (!)  – schlug sich massiv Luftfeuchtigkeit nieder, die Sesselpolster aber auch unsere Handtücher und sonstige Kleidungsstücke fühlten sich auf einmal sehr feucht an und dauerhaft warm wurde es auch nicht. Die erzeugte Wärme wurde im Objekt nicht gespeichert – kein Wunder bei dem Mauerwerk und den Fenstern. Wie gut, daß man heutzutage von fast überall aus recherchieren kann – so erfuhren wir dank Internet, daß der verwendete Gasofen ein gasbetriebener Katalytofen ist, bei dessen Benutzung nicht nur giftige Dämpfe erzeugt werden sondern, in der Natur der Verbrennung liegend, der Umgebungsluft massiv Sauerstoff entzogen wird mit der Konsequenz eines deutlichen Anstiegs der Luftfeuchtigkeit. Kaum hatten wir diese Information verarbeitet,, war das Öfchen ausgestellt – dann doch lieber frieren als uns vergiften. Das durchzuhalten fiel uns aber immer wieder schwer, denn die Temperaturen hielten sich auf niedrigstem Niveau.

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Nun sind wir ja keine Memmen, aber bei 15 Grad am Tisch sitzen und Hausaufgaben machen ist schon eine Herausforderung!

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Und unsere Stimmung war auch nicht (immer) die Beste! Aber, was tun? Angeregte Diskussionen gab es mehrfach, Unzufriedenheit war spürbar, aber die Lösung? Ausziehen, was anderes suchen, herummotzen, sich (wieder) einmal beschweren ohne Hoffnung, daß sich etwas ändert? Konsequenz für uns ist nun, daß wir uns einen kleinen Heizstrahler zulegen werden, denn unsere Freizeit ständig unter vielen Decken im Bett zu verbringen – so schön das auch ist, ein Dauerzustand ist das nicht.

Eines haben wir gelernt bzw. bestätigt bekommen : alles läßt sich sehr positiv darstellen, z.B. durch Weglassen notwendiger Informationen, um beim Betrachter eine positive Entscheidung zu befördern. In der Wohnungsbeschreibung war von einem Wandofen die Rede, aber wer denkt dabei an einen stinkenden gesundheitsgefährdenden Katalytofen – gesundheitsgefährdend zumindest unter unseren Ansprüchen, denn in Chile sind derartige Gasöfen sehr weit verbreitet! Für die Wohnung eingenommen hatte uns auch der Hinweis auf einen Garten, – die Wohnung verfügt über keinen Balkon – bei näherer Betrachtung existiert ein solcher nicht bzw.ausschließlich in Form weniger Quadratmeter Rasen als Vorgarten. Und schließlich geht der Betrachter davon aus, daß bei Angabe, die Wohnung befände sich im 2. Geschoss, sich darunter ein 1. Geschoss befindet. Dieses 1. oder Erdgeschoss ist in unserem Fall ein Souterraingeschoss, das nach allen Seiten offen ist und Parkplätze für die Wohnungen aufweist. Konsequenz : auch unser Fußboden, ungedämmt, steht in ständigem Kontakt mit der “Außenwelt”, was wir in Form stark aufsteigender Kälte wahrnehmen. Also, nicht so richtig getäuscht, aber immer hart an der Wahrheit vorbei, so empfinden wir inzwischen die Wohnungsbeschreibung. Es ist halt auch eine Erfahrung die gemacht werden muß, insbesondere, wenn aus der Ferne keine Möglichkeit der Überprüfung besteht und vor Ort in der Kürze der Zeit keine Alternativen erschlossen werden können. Also : Augen auf beim Vertragsabschluß

Auf unserer Suche nach einem Elektroofen während mehrerer Tagen mussten wir feststellen, daß hier in Santiago offensichtlich schon Sommer, mindestens aber fortgeschrittenes Frühjahr herrscht, denn in allen uns genannten Geschäften wurden wir nicht fündig. Und wenn, dann standen in der Ecke noch einige verlorene Gasofenexemplare herum. Am Tag vier unserer Suche, am vergangenen Dienstag glaubten wir zweimal, doch noch einen Glückstag zu haben. Geschäfte, die sog. weiße Ware anbieten, waren/sind offensichtlich hier Mangelware, aber in der Av. Ahumeda stießen wir auf zwei dieser seltenen Exemplare, Teil eines Großkaufhauses. In dem einen wollte man uns regulär für ein kleines Elektroöfchen stolze 100 Euro abknöpfen, der ausgewiesene “Sonderpreis” von knapp 35 Euro, den wir freudig bezahlt hätten, galt nur für Besitzer bestimmter von dem Kaufhaus ausgegebener Kundenkarten – kein Mitleid mit uns und kein Verkauf. Das zweite Exemplar fand ich hinter Kartonstapeln im hinteren Bereich der Elektroabteilung eines anderen Kaufhauses, nachdem der Verkaufsleiter  uns erst einmal eine negative Auskunft erteilt hatte. Freudestrahlend das Exemplar herausgezogen aber oh Schreck, der Standfuß war wohl defekt. Die Überprüfung ergab zwar volle Funktionsfähigkeit, eine ausreichende Standfestigkeit war jedoch nicht zu gewährleisten – unsere Sicherheitsbedenken waren für einen Kauf dann doch zu groß.

Vom 18. bis 20.9. stehen hier in Chile fast alle Räder still, an drei aufeinanderfolgenden Tagen werden nationale Feste gefeiert, so am 18.9. den Nationalfeiertag. Konsequenz : Schule und Geschäfte, Lokale etc. sind geschlossen – und wir in der Kälte?! Am Dienstag fassten wir uns ein Herz und baten Francisco, den Co-Leiter unserer Sprachschule, ob wir über die Feiertage einen der in der Schule eingesetzten E-Öfen ausleihen dürften – und konnten dann am Nachmittag einen mit in unsere Wohnung nehmen! Das ist zwar noch nicht die endgültige Lösung unseres Problems, aber ein zumindest positiv zu wertender Anfang. Und sofort kam der Heizstrahler dann auch ergänzend zum Einsatz und erzeugt eine noch nie gekannte Wohlfühltemperatur von knapp über 18 Grad – wie gut geht es uns doch geht!?

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Auch diese Tage werden wir, um der Dauerkälte in der Wohnung zu entfliehen,  – denn den Gasofen wollen wir nur sehr selten einsetzen – bei dem schönen frühlingshaften Wetter unsere Rucksäcke mit den Schulbüchern packen und uns in den nächstgelegenen Park setzen, aber nach einer Rückkehr sind die Möglichkeiten, knapp ausreichende Wohnungstemperaturen zu erzeugen, deutlich gestiegen. Es geht also aufwärts!

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Puerto Iguazu–Wasser von allen Seiten

Auf dem Anflug auf Puerto Iguazú versuchten wir wie fast alle Fluggäste die Wasserfälle von Iguazú auszumachen – trotz guten Wetters vergeblich. Die warmen Temperaturen von Buenos Aires waren bis hier in den Norden vorgedrungen. Nicht mit nach hier waren jedoch zu unserem Leidwesen unsere Rucksäcke gekommen, – wir sahen uns, als das Förderband endlich stillstand, ganz bedröppelt an und befürchteten Schlimmstes, wie : und von jetzt an mit neu zusammengestoppelter Ausrüstung weiter reisen etc.! Positives Denken half offensichtlich; zwar konnte die zuständige Mitarbeiterin am LAN-Schalter auch nicht feststellen, in Richtung welchen Erdteils unser Gepäck entschwunden war, machte uns aber Hoffnung – vielleicht dann im nächsten Flieger? Also warteten wir und wurden nicht enttäuscht. Nach einer guten Stunde waren wir wieder vereint – unsere Rucksäcke und wir. ÖPNV gibt es vom Flughafen, der 20 km vor den Toren der Stadt liegt in diese nicht, also kauften wir für angemessene 80 Argentinische Pesos zwei Sitzplätze in einem Kleinbus, der uns sogar direkt vor die Tür unseres “Hostel Inn”, an der R. National 12, km 5 (sagt etwas über die Entfernung ins Städtle aus) fuhr. Quartier bezogen – zu gar nicht JuHe liken Konditionen, aber schön im Eck mit riesigen Fenstern und Blick auf den riesigen Park gelegen.Ein riesiger Pool fand dann auch Katrins Interesse, aber wegen der relativ niedrigen Wassertemperatur wurde das Training auf den Abend/Folgetag verschoben. Stattdessen war Entspannung pur angesagt.

 

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Nachmittags dann der Erkundungsspaziergang in die Stadt, auch um vernünftig zu essen. Wie das leider aktuell nicht hochzuladende Foto belegt, hat Katrin wahrlich den größten Fisch an Land gezogen! Also: Verpflegung war top und gestärkt legten wir den Rückweg dann in knapp einer 3/4 Stunde im Dunkeln zurück. So entspannt und erfolgreich könnten auch die folgenden Tage hier im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Uruguay sein, so unser Wunsch.

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Am Montag wollten wir sehr früh uns in Richtung Wasserfälle mit dem öffentlichen Bus auf den Weg machen und standen um 07:00 Uhr auf. Bereits da gab es anfangs nicht genau zuordnenbare Geräusche draußen vor dem Fenster. Nach intensivem Prüfen kamen wir zu dem Ergebnis, nicht Kofferrollen auf dem Gang vor der Tür sondern Donnergrollen über uns waren Ursache für die Störung. Und es wurde noch besser – mit dem Donner kam auch der Regen, und was für einer. Ein richtiger Landregen brach am Dienstag über uns herein und vereitelte jede Tagesplanung. So blieben wir dann im Hostel und hofften auf ein Einsehen des Wettergottes. Bei dem Wetter schickt man nicht einmal seinen liebsten Feind vor die Tür!

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Unsere Planung, uns am Montag die Wasserfälle auf der Argentinischen Seite und den Nationalpark anzusehen, ein volles Tagesprogramm, um dann am Dienstag über die Grenze nach Brasilien zu fahren; dann wollten wir den von dort möglichen Blick auf die Breite der Cataractas werfen und versuchen, zum Staudamm von Itaipú, dem wohl größten der Welt weiter zu kommen. Stand Montagnachmitttag sind alle Pläne Makulatur. Sei´s drum, ohne Blick auf die Fälle reisen wir nicht ab, und wenn wir dann bis auf die Haut durchnässt werden sollten. Also Morgen haben wir noch einen, den letzten Versuch, denn den Flieger nach Buenos Aires am Mittwochmitttag, um dann – leider – erst am Donnerstagfrüh nach Santiago de Chile weiterreisen zu können, müssen wir nehmen.

Bei Einbruch der Dunkelheit am Montagabend ließ der Regen langsam nach, um dann völlig zum Erliegen zu kommen. Es gab Hoffnung – mal schauen, wie es Dienstagfrüh aussieht. Wenn wir in der Nacht aus dem Schlaf aufwachten lauschten wir, nahmen aber keine Regengeräusche wahr und konnten uns beruhigt wieder umdrehen. Um 07:00 Uhr hieß es aufstehen, der erste Bus in Richtung Iguazú fuhr um 08:00 Uhr am Hotel vorbei, den galt es zu erreichen, um vor dem Ansturm der sonstigen Besucher im Park zu sein. Und wir schafften es, mit uns fuhren nur knapp 10 Gäste in Richtung Parkeingang. Der Himmel war zwar bezogen, Temperatur angemessen so um 18 Grad, und es blieb trocken. Zum Fotografieren keine guten Bedingungen, aber uns ging es ja vor allem darum, dieses Naturwunder mit eigenen Augen zu sehen.

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Wir wurden nicht enttäuscht. Es war weniger die Höhe der einzelnen Wasserfälle als vielmehr die riesige Anzahl breiter, schmaler, in Kaskaden oder direkt in die Tiefe stürzende, mehrere in dichter Folge oder jeweils einzeln aus dem Felsen herausbrechend, von einer Gischtwolke umhüllt oder ganz rein und unverfälscht abwärts stürzend – wir waren und sind begeistert, überwältigt und freuten uns beim Gang über die verschiedenen Rundstrecken, die den Besucher an die einzelnen Fälle heranführten, immer wieder von Neuem über die Naturschönheit. Wir konnten in die Fälle von oben, von der Seite hereinsehen und an seltenen Wegstellen sogar fast von unten in die Abrißkante blicken.

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Natürlich waren wir nicht allein unterwegs, im Verlaufe des Vormittags strömten immer mehr Besucher in den Nationalpark, so daß sich auf manchem Wegteil, insbesondere dort, wo über Stege die Zuwegung zu Aussichtpunkten erfolgte, regelrechte Aufkommensstaus ergaben.

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Durch den frühen Start sind uns wohl die größten Auswüchse des Besucheranstroms erspart geblieben. Da es unterschiedliche zu Fuß zu bewältigende Wege gibt und man darüber hinaus zu dem berühmtesten Wasserfall, dem Teufelsschlund, den größten Teil des Weges mit einem Bähnchen im Zuckeltempo gefahren wird,

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kann man problemlos, mit Muße ausgestattet und vom Wunsch beseelt, jeden auch noch so kleinen Weg abzugehen, einen vollen Tag auf der argentinischen Seite des Weltwunders verbringen. Der wiederholt Blick zum Himmel, der sich immer wieder am Vormitttag verdunkelte, ließ uns aber rational handelnd ein zügiges Tempo vorlegen und nicht jeden Wegschlenker mitnehmen. Wir wollten möglichst viel sehen und dabei – hoffentlich – trocken bleiben. Denn das tatsächliche Wetter entsprach in keiner Weise der lokalen Wettervorhersage, die für den Vormitttag leichten Regen und nachmittags Starkregen angekündigt hatte. Jeder irrt einmal, auch die Wetterfrösche, heute war es uns sehr lieb. Nachdem wir gegen Mittag nahezu alle Besuchspunkte auf der argentinischen Seite erkundet hatten und wenig Sinn darin sahen, durch den Naturpark weiter zu streifen, um außen den uns ständig begleitenden Waschbären noch weitere als die unten abgebildeten erwähnenswerte Tiere zu sehen, reifte der Plan den Versuch zu wagen, irgendwie doch noch auf der brasilianischen Seite in den Park zu kommen.Im übrigen hatten wir schon ganz besondere Tierarten aufgespürt, die eine, das Krokodil lag unweit unseres Weges im Wasser, die andere, eine Wasserschildkröte entdeckte Katrin dank ihrer durch die Costa Rica Reise im Schildkrötenaufspüren geschulten Augen in großer Entfernung auf einem kleinen Felsen im Flußlauf.

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Auch anderes Getier kreuzte unseren Weg :

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In den Reiseführern wurde hervorgehoben, daß von der brasilianischen Seite zwar nicht eine große Vielzahl an Wasserfällen wie auf der argentinischen  Seite aus der Nähe betrachtet werden könnte, dabei aber Brasilien mit einem wunderschönen Panoramablick entlohnen würde. Wir erfuhren, daß vom Busbahnhof in Puerto Iguazú eine Busverbindung in den brasilianischen Parkteil bestünde, aber wann fahren die Busse ? Dennoch, wir machten und auf dem Weg, fanden die passende Buslinie und fuhren um 14:00 Uhr Richtung brasilianische Grenze. Die letztmögliche Rückfahrt  ab Brasilien Nationalpark war um 17:00 Uhr. Relativ wenig Zeit, aber wir wollten es versuchen. Obgleich erkennbar “kleiner Grenzverkehr” mit einem kurzen Übertritt nach Brasilien stattfand, war die Grenzbürokratie unbarmherzig und uns wurde Zeit gestohlen. Am Ende des Nachmitttags wiesen unsere Pässe jeweils vier weitere Stempel auf (jeweils Ein- und Ausreise aus/nach Brasilien/Argentinien). Endlich am Park angekommen, die Eintritttickets gelöst, blieben uns gut 2 1/4 Stunden!! Zum Glück gibt es einen Bustransfer in die Nähe der Fälle, so daß ein kilometerlanger Anmarsch dem Besucher erspart bleibt, bei dem er ohnehin nicht viel Bedeutendes zu Gesicht bekäme. Aber dann, nach gut 15 Minuten langsamer Busfahrt, eröffnete sich uns nach wenigen Metern hangabwärts ein wahnsinniger Panoramablick; ein Teil der Fälle uns direkt gegenüber – wenn auch sicherlich gut 1-2 km entfernt, jedoch imposante Erscheinungen.

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Und so ging es dann den weiteren Weg in Richtung Abbruchkante an er brasilianischen Seite weiter, ein Panoramablick folgte dem nächsten, wir kamen den Wasserfällen immer näher bis wir kurz vor Ende auf einer Aussichtsplattform standen, von dem aus man eigentlich in das brodelnde Wasser des Teufelsschlunds hineinsehen können sollte, wären da nicht die wahnsinnigen Gischtwolken, die ein Erkennen unmöglich machten, uns umgab nicht als Wassernebel.

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Das Brausen des in die Tiefe fallenden Wassers hat uns ja den ganzen Tag begleitet, wenn man die Augen schließt, ein stark entspannendes Geräusch, aber hier, praktisch im Schlund des Teufels, brauste es noch um Einiges stärker. Gigantisch – aber auch ganz schön naß! Welches Ausmaß die Wasserfälle von Iguazú in ihrer Breite haben, erschließt sich erst von der brasilianischen Seite. Auch mit einem Weitweitwinkelobjektiv lasst sich das Gesamtpanorama nicht auf das Bild bannen. Interessierte seien für weitere Informationen an die Fachliteratur verwiesen, aus der dann Werte über Ausdehnung, Höhe, Anzahl der Fälle – je nach Wasserstand von gegen 170 bis zu 240 Fälle –, Wassermenge die pro Sekunde in die Tiefe fällt, Geschichten und Anekdoten verwiesen – uns hat der Anblick stark in den Bann gezogen, die Zahlen sind etwas für Statistiker. Wenn man auf argentinischer Seite auf dem Weg zum Teufelsfall auf Stegen über den Rio Paraná geht und unter sich dann den teilweise träge dahinfließenden aber doch ziemlich breiten Fluß mit seinen zahlreichen Armen sieht, dann wächst das Erstaunen über die Gewalt, die durch den Absturz der Unmengen Wasser entsteht.

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Waren wir am Montag ziemlich geknickt und haben uns den Dienstag positiv “geträumt”, so sind wir jetzt am Dienstagabend total glücklich. Der Abstecher hierhin hat sich wirklich gelohnt und wir hoffen, daß auch weitere Entscheidungen für ein kleines Reiseziel am Ende zu der gleichen positiven Bewertung führt. Darauf wollen wir einen trinken, bevor es Morgen wieder zurück nach Buenos Aires für eine Nacht geht. Donnerstag landen wir in Santiago de Chile und hoffen, daß mit dem dort wegen des Sprachkurses für vier 1/2 Wochen gebuchten Quartier alles in Butter ist.

Weiterreise nach Santiago de Chile

Der 4. und 5.9. waren als Transfertage nach Santiago de Chile über Buenos Aires geplant; Direktflüge gibt es nicht, deshalb der Rückweg nach Buenos Aires, wo wir eine weitere Nacht verbrachten. Schade, daß wir uns von unserem Hostel verabschieden mußten, denn obgleich uns der Regentag Stimmung und Planung versaut hatten, wohl haben wir uns hier gefühlt! Den großen Pool hatte Katrin am Vorabend des Abreisetages dann auch noch benutzt und ihre Runden gezogen; so wie es aussah, war sie wohl die erste oder einzige seit langem, die in diesem täglich penibel gereinigten Pool badete und schwamm. Es soll auch nicht – viel – kälter als im Vaihinger Freibad gewesen sein. Nachprüfen kann ich es nicht, denn mir war nach Arbeit zu Mute.

Auf dem Rückflug hatten wir im Vergleich zum Hinflug auf der gegenüberliegenden Seite Fensterplätze und blickten, im Vertrauen daß die Angaben  in Reiseführern und/oder Berichte von erfahrenen Travellern zutreffend sind, angestrengt jedoch ohne den erhofften Blick auf die Fälle zu erhalten hinaus und waren auch hier um eine Erfahrung reicher.

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Uns bekannten Informationen zur Folge sollte es möglich sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich dem Bus, direkt vom nationalen Flughafen in die unmittelbare Nähe unseres Nachtquartiers an der Plaza de Congresso/Av. de Mayo, dem Hotel Mundial, zu kommen. Nähere Hinweise erhofften wir von der im Flughafen präsenten Touristeninformation zu erhalten. Wie erstaunt waren wir, als uns, nachdem die erste Frage von uns auf Englisch gestellt worden war, die Gegenfrage erreichte, ob wir aus Deutschland seien und dann das Gespräch auf Deutsch weitergeführt wurde. Mit den notwendigen Hilfsmitteln und Plänen ausgestattet, vor allem aber eine ältere Ausgabe von “Argentinisches Tageblatt” – seit 1889 erscheint die Zeitung wohl wöchentlich auf Deutsch, berichtet insbesondere über Ereignisse in Deutschland und weist über gut zwei Seiten im Innenteil auf Veranstaltungen, Treffen verschiedenster Deutscher Zirkel, Vereine etc. hin,

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so gibt es auch den “Schwäbischer Sport- und Turnverein Pineyro” – im Rucksack, gingen wir auf die am Flughafen vorbeiführende Schnellstraße und suchten die Bushaltestelle. In gut 400m Entfernung wurden wir fündig, auf der dem Flughafen gegenüberliegenden Seite; stutzig wurden wir nicht, denn die Straße machte – auch – einen Bogen um die Startbahn, bevor sie in die Innenstadt, wo unser Ziel lag einbog. Darüber hinaus war auf einer Tafel auch an fünfter Position unsere Zielhaltestelle angezeigt.

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Bus um Bus fuhr vorbei, es dauerte fast eine halbe Stunde, bis endlich unsere 37 eintraf. Wir zahlten (3 Pesos am Automaten) und hielten uns auf der rasanten Fahrt, die immer weiter in Richtung Norden führte, manchmal nur mühsam auf den Beinen. Langsam stiegen Zweifel auf, ob dies der richtige Bus sei, die zur Gewißheit wurden, als an der Universität es hieß : Endstation. Was nun? Hin zum Busfahrer, unser Mißgeschick so gut es auf Spanisch ging erklärt, der schloß dann die Türen und fuhr einfach wieder los – auf die gegenüberliegende Straßenseite um seine Rücktour zu beginnen. Wie viele Stationen wir passiert haben, bis wir an der Plaza de Congresso dann endlich ausstiegen konnten – wir wissen es nicht, aber es war alles in allem eine mehr als 1 1/2 stündige fast kostenlose Stadtrundfahrt, denn für die Rückfahrt wurden wir nicht erneut zur Kasse gebeten.

Unser Hotel befand sich in einem klassizistischen Bau, vor 3 Jahren grundlegend restauriert und machte von innen einen guten Eindruck. Ins Auge fiel die Aufzuganlage, die wohl auch  schon an die 100 Jahre auf dem Buckel hatte, aber funktionsfähig war und insbesondere durch ihr schmiedeeisernes Gehäuse auffiel.

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Auf unserem nachmitttäglichen Spaziergang durch dieses Viertel um das Kongressgebäude bemerkten wir immer wieder, wie zahlreich doch Gebäude mit bemerkenswerten Fassaden noch in den Straßenfluchten zu sehen waren. Leider in den meisten Fällen in einem bedauernswerten Zustand, die wenigsten Gebäude erschienen angemessen restauriert, an wenigen wurde gerade Hand angeleggt, die meisten existierten irgendwie vor sich hin und warteten auf ein Wunder. Schade, denn die in diesen Fassaden zum Ausdruck kommende Handwerks- und Architektenkunst, sich auch um das gestalterische Detail zu kümmern, Fassaden schön zu gestalten, so zu gestalten, daß sie ein Blickfang sind, scheint m.E. bei der heutigen Hochbauarchitektur abhanden gekommen zu sein, in der Glasfronten und Stahl inzwischen dominieren, das kleine Detail aber zu kurz kommt. Diese stark beschädigten Fassaden vor dem inneren Auge kann ein Gefühl für die frühere Schönheit der Stadt aufkommen. Tempi passati.

Eigentlich war geplant, auch am 5.9. zum internationalen Flughafen Ezeiza mit dem Bus zu fahren; wir wußten, dies dauert gut zwei Stunden, aber da der Abflug ja erst gegen 14:00 Uhr erfolgen sollte, schien dies machbar zu sein. Und die Relation von etwa 16 Argentinischen Pesos gegen mindestens 240 Pesos war auch ein Argument. Der Concierge unseres Hotels hat aber mit solch Engelszungen uns deutlich gemacht, daß aus den zwei auch schon mal drei Stunden werden könnten, die Gefahr bestünde den Abflug zu verpassen, was auch schon vorgekommen sei etc., so daß wir dann doch von unserem Vorhaben Abstand nahmen und auf die bequeme Tour in gut einer 3/4 Stunde uns zum Flughafen chauffieren ließen.

Bereits bei unseren ersten Ankunft in Buenos Aires ist mir im unserem Bus ein Gast aufgefallen, der sich, als eine Kirche direkt neben der Straße auftauchte, bekreuzigte. Ich nahm dies zur Kenntnis, ist halt eine Marotte von ihm. Als dann aber auch unserer Fahrer als er genau diese Kirche auf unserem Weg zum Flughaffen passierte sich ebenfalls bekreuzigt, wies dies auf einen wohl bei manchen oder vielen Menschen in BA vorhandenen besonderen Glauben hin.

Der Flug über die Anden nach Santiago de Chile gehörte zu den kürzeren, zuerst überflogen wir endlich bräunlich erscheinende  Felder, dann wohl Mendoza am Fuß der Anden um diese dann zu überqueren – schrundige Bergrücken, lange Täler, aufgefaltete Bergkuppen und dann auch Eis und Schnee kamen ins Blickfeld und schienen gar nicht so weit von unserem Flieger entfernt zu sein.

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Und dann begann auch schon der Abstieg von unserer Flughöhe zur Landung in Santiago de Chile. Damit wurde auch deutlich, wie nah die Stadt an den Andenbergen liegt, in Sichtweite.

Nach Erledigung der Einreise- und Zollformalitäten – zuvor hatten wir den nicht einführbaren Apfel (!) verspeist – sowie Informationsbeschaffung bei der Touristeninformation wegen des Busverkehrs uns mit neuen, diesmal chilenischen Pesos versorgt, den Bus bestiegen (20km Fahrt für jeweils rund 2 Euro), in die Metro gewechselt, um dann von der Station Salvador die gleichnamige Straße zu unserem Quartier in der Hausnummer 915 zu laufen. Die Wegstrecke entpuppte sich als deutlich länger als an Hand der ins zu Hause zur Verfügung stehenden Karte ermittelt, das Gepäck drückte ganz schön auf die Schultern, aber schließlich um 17:15 Uhr waren wir da, an unserem Heim für die nächsten 4 1/2 Wochen. Die Vermieterin und ein Vertreter der Vermittlungsagentur warteten auf uns; nach Erledigung der Vertragsformalitäten, der Mietzahlung konnten wir uns dann endlich “langmachen”. Gerade angekommen hatten wir natürlich noch keine Orientierung, was wir wo in diesem Viertel finden könnten.. Und so gingen wir dann am Abend mit hungrigem Magen auf Erkundungsgang. Dieser zog sich hin, denn so viele Straßen wir auch abgingen, wir fanden, kein Restaurant, Bistro etc., in das wir einkehren wollten oder konnten und endeten schließlich bei einer Minipizzeria, die unserem Haus gegenüber liegt!

So konnten wir dann mit vollem Magen uns relativ früh betten.