Buenos Aires – von Licht und Schatten

Eines vorab : der Frühling scheint Einkehr zu halten, die Temperaturen sind gegenüber dem Ankunftsmorgen deutlich gestiegen, die Zahl der in Winterbekleidung durch die Straßen strömenden Einheimischen geht spürbar zurück, unsere Laune steigt mit jedem Grad Temparaturanstieg.

In den vergangenen 4 Tagen sind wir deutlich mehr als einen Marathon lang über viele Stunden durch die Viertel San Telmo, La Boca, Puerto Madero, Centro und Microcentro, Teilen von Monserrat, Teilen von Retiro, Recoleta und Palermo gelaufen, so viel gewandert, daß Katrin gestern das Gefühl hatte, die Socken würden langsam verschmoren. Unser vorläufiges Fazit fällt äußerst gemischt aus : eher mehr Schatten als Licht.

Natürlich ist Buenos Aires eine faszinierende Stadt,insbesondere in der engeren Innenstadt finden sich zahlreiche wunderschöne Profanbauwerke und staatliche Bauten aus vergangenen Zeiten, Kirchen, die Kathedrale, andere öffentliche Prunkbauten, Monumente,  schön gestaltete Brunnen, Parks (? – dazu mehr später), pulsiert das Leben – teilweise mehr auf den proppevollen Fahrbahnen als auf den Fußwegen –  findet man unzählige den gut gefüllten Geldbeutel ansprechende Geschäfte. Das nicht überall exklusive Ware angeboten wird, auch in den bekannten Einkaufsstraßen, war dann doch augenfällig. Aus aufwändig gestalteten Schaufenstern sprangen dem Passanten ständig z.B. Rolexangebote ins Auge – nicht dutzenden sondern hunderten dieser Geschäfte sind wir während unserer Wanderungen  begegnet; es scheint, Rolex ist hier ein Jedermannprodukt, von Exklusivität keine Spur (!?)Je nach Viertel Menschen voller Hast oder in betonter Langsamkeit. Wenn man aber drei Ampelphasen benötigt, um eine breite Fahrschneise – von 6 Fahrspuren an aufwärts bis m.E. inkl. Busspuren 16 Bahnen (!) -quer durch die Stadt zu überqueren, beginnt das Nachdenken – was dient hier wem.

Und noch etwas fiel auf : Die Bauwut, die Bauspekulation hat offensichtlich sehr umfassend und über längere Zeit den Verstand beherrscht, denn es sind insbesondere in den Vierteln Palermo und Ricoleta unendliche Kolonnen von Hochhäusern aus dem Boden gestampft worden, dicht an dicht und eng gestaffelt. Bei unserem “Spaziergang” insbesondere durch Recoleta stießen wir auf wenige Straßenviertel, in denen noch Villen und kleinere Häuser aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts standen, manche dieser Villen dient als Botschaftssitz oder Kultureinrichtung.  Das, was sich hier früher in gleicher Form auf riesigen Grundstücken befand, mußte offensichtlich der Grundstücksspekulation weichen, denn überall wurden Hochhäuser mit 15, 18 oder 20 Stockwerken hochgezogen. Auch Kirchen wurden nicht verschont; so fanden wir eine Kirche, die von drei Seiten fast Mauer an Mauer von 14-Geschossern eingekastelt war. Offensichtlich von der Bauorgie ausgenommen und insofern einen Besuch wert dann das am südlichen Ende des Viertels gelegene Palermo Viejo. Bei den, ausgenommen die Avenidas, sehr engen Straßen in den Viertel dürfte es in mancher Wohnung tagsüber kaum einen Sonnenstrahl geben –  wahrlich ein Gewinn! Wer das Grün eines Baumes sucht, muß in die Parks ausweichen oder in ein Blumengeschäft gehen, denn straßenbegleitendes Grün hat kaum eine Überlebenschance, weshalb auch wohl darauf verzichtet wurde. Daß sich in diesen Stadtteilen der wohlhabendere Teil der Stadtbevölkerung niedergelassen hat zeigen die vielfältigen Bemühungen, ihr Hab und Gut zu schützen. Vergitterte Balkone bis hinauf in den 20. Stock sind keine Seltenheit!. Zur Ehrenrettung dieses früher von den Wohlhabenden Ende des 19 Jhd. nach einer Geldfieberepedemie in ihrem ehemaligen Wohnquartier San Telmo als neue Wohnstätte gewählten Viertels ist zu erwähnen, daß je näher man an das Viertel Retiro und Centro heranrückt, desto geringer fallen die Bausünden auf.

Den Japanischen Garten  und den Botanischen Garten in Palermo sollte man jedoch besuchen. Aufgrund der noch jungen Vegetationsperiode konnten beide Gärten nicht die Pracht zeigen, die man mit Blick auf die Hinweisschilder erahnen konnte, aber beide waren durch ihre Gestaltung eine Oase der Ruhe. Der Botanische Garten ließ durch seine dichte Bepflanzung an den Rändern den Straßenlärm von 8 Fahrspuren auf der einen und vier auf der anderen Seite nur noch als relativ leises Grundrauschen vernehmen. Und wenn man dann noch Schulkinder mit Zeichenmappen ausgestattet beim Besuch des “grünen Klassenzimmers” zusehen konnte, stieg der Grad der Entspannung inmitten der Hochhauswüste, denn südwestlich und westlich des Gartens türmten sich dicht hinter- und nebeneinandergereiht die Hochhäuser auf. Nicht weit entfernt liegt der Japanische Garten, weniger als der Botanische Garten von den Baukolossen erdrückt. Wasser, kleine Brücken, Inselchen, Schreine, kleine künstliche Erhebungen, angemessene niedrige Bepflanzung, zahlreiche Ruhebänke, große und sehr große Koikarpfen in dem Gewässer machten den Spaziergang zu einer Erholung.

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Ein Thema, daß uns bereits am ersten Tag beschäftigte : die Grünanlagen und die Liebe der Bewohner von Buenos Aires zu ihren Hunden. Blickt man auf den Stadtplan der Kernstadt, fallen einem größere Grünflächen ins Auge; tritt man näher an diese heran, wirkt der “Gras”boden eher bräunlich, was, wie wir dann feststellten, nicht primär an unzureichender Wässerung liegt, sondern eher an einer “Überwässerung” und Verkotung durch die ungezählten Hunde dieser Stadt. Katrin als Hundeliebhaberin tat es in der Seele weh zu sehen, wie diese Tiere in einer tierfeindlichen Umwelt gehalten werden, keinen Auslauf haben, ständig an der Leine geführt werden (müssen), offensichtlich in kleinen Wohnung gehalten werden – wahrlich keine Hundeleben, wie wir es verstehen. Der einzige positive Aspekt : Hunde schaffen nicht nur Dreck, sondern auch neue Arbeitsplätze! Zahlreiche Hundeausführer sind uns im Verlaufe der Tage begegnet, in den Parks, auf den Straßen, immer einige wenige bis zu gut 20 Hunden an ihren Leinen im Schlepptau, im Rucksack offenbar Hundefutter und am Gürtel klapperten wahrscheinlich Schlüssel zu den Hundebehausungen. In den Parks wurden die Tiere dann angepflockt, angebunden und in kleinen Gruppen “freigelassen” oder spazieren/Gassi geführt. Kein Wunder, wenn sich die Vierbeiner der Stadt in den Parks täglich versammeln und entleeren. Sa  machen der Park Lozama, der Park Jorge Newberry, die Plazas Republica de Chile und Republica del Uruguay und manch andere kleine Grünfläche auf den ersten Blick Lust auf einen Besuch, aber……

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Der Stadtteil Puerto Madero ist einen Besuch wert. Die dort auf ehemaligen Hafen-/Speichergelände errichteten modernen Bauten sind zwar relativ hoch, aber so großzügig zueinander aufgestellt, daß sie eine faszinierende Silhouette bilden. In manchem erinnert das Bild an die Hamburger Speicherstadt, die ebenfalls von exclusiven Neubauten neu definiert wird, ohne hier offensichtlich den Versuch zu unternehmen, ein Pesosgrab in Form eines modernen Schauspielhauses zu schaufeln. Hat man auch nicht nötig, denn das teatro colon ist eine Wucht!  Die moderne Fußgängerbrücke Puente de la Mujer wird nicht nur gequert auf dem Weg hinüber nach Puerto Madero, sondern von hier hat man auch einen schönen Blick auf das an der Kaimauer vertäute Segelschulschiff Fregata Sarmiento. Auf der stadtabgewandten Seite der Bebauung von Puerto Madero hat man angrenzend an die dann folgenden Grünflächen und Brackwassergebiete eine kilometerlange Promenade gebaut, an der im Abstand von etwa 100 Metern mehr oder weniger provisorische Imbissbuden stehen, mit um die Bude herum großflächiger Gartenbestuhlung. Sogar die Tourismusbehörde weist auf diesen “Besichtigungspunkt”/Attraktion mit den “Büdchen hin. Aus dem Blick geraten ist dabei aber die zunehmende Verschmutzung nicht nur der Promenade – eigentlich eine Aufgabe der Büdchenbesitzer, den Dreck seiner Kunden zu beseitigen –, sondern auch des Gewässers direkt hinter der Promendenmauer, das offensichtlich für viele Flaneure als Abfallbehälter genutzt und voller Plastikmüll liegt. Auf einen Besuch des hinter diesem Dreckgewässer liegenden “Naturparks” haben wir dann auf Rücksicht auf unsere Belastbarkeit (!) verzichtet.

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Doch, es gibt auch viel Schönes in Buenos Aires! Mit Bedacht haben wir als Hotelstandort das Viertel San Telmo ausgewählt. Früher einmal das Viertel für betuchtere Bewohner der Stadt heute etwas heruntergekommen, hier liegen schön restaurierte Stadthäuser neben notdürftig am Leben erhaltenen Objekten und wenigen Neubauten; Hochhäuser kann man in diesem Viertel an der Hand abzählen. Anfangs hätten wir das als morbiden Charme beschrieben, aber nachdem wir durch La Boca gelaufen sind, ist dieses mit Leben gefüllte San Telmo eher ein Kleinod, in dem man leben kann. Altes Kopfsteinpflaster, nur umpflasterte in der Straße belassene Straßenbahnschienen, weisen auf die Historie des Viertels hin. Zahlreiche kleine Restaurants, in den man auch gut essen kann, viele kunstgewerbliche Geschäfte, immer wieder Antiquitätengeschäfte, kleine Galerien, putzige kleine Boutiquen – aber nicht unbedingt auf den gehobensten Geldbeutel abzielend – kleine Eckgeschäfte, Tante Emma Läden, Bars und Bistros mit Bestuhlung vor der Tür und fast auf der Fahrbahn  prägen das Viertel, das auch abends lebt. Hier sind wir gerne umhergestromert, sind in die offenen Hinterhöfe hineingegangen, haben den Plazo  Dorrego mehrfach besucht. Hier kann man sich wohlfühlen, ein Stadtviertel, in dem zwar auch kaum echtes Grün festzustellen ist, das aber einen besonderen Charme durch seine Bewohner, ein großer Querschnitt durch die Bevölkerung der Stadt mit einem größeren Anteil von Freaks, Künstlern, Lebemenschen, Studenten, ausstrahlt.

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La Boca, auch ein gestandener historischer Stadtteil insbesondere früher für die Hafenarbeiter und  Arbeiter in den Fleischfabriken direkt am Hafen ist fast das krasse Gegenteil. Angepriesen wird diese Region u.a. als “Geburtsort” des Tango, auch wir sind deshalb zum Caminito gewandert und dabei auf Kommerz ohne Ende gestoßen. Im Grunde verständlich, denn von dem Touristenstrom wollen möglichst viele zehren. Wie in den Führern beschrieben, auch hier tanzten Könner auf der Straße und in den Restaurants Tango, schallte uns aus allen Richtungen Tangomusik entgegen. Dem permanenten Kieberern sind wir bald entflohen. Das was von alt La Boca noch steht, sind einige wenige “Bretter”- und Wellblechbuden in einem Seitengäschen, ansonsten alles so aufgepeppt, wie der Tourist sich das vorstellt. Verlässt man die wenigen Teilstraßenzüge, wohin sich die Gäste im allgemeinen verirren, erfährt man das ganze Ausmaß der Misere – unzählige nicht mehr bewohnbare Häuser stehen in fast jedem Straßenzug, Dreck und Abfall auf und neben den Gehwegen, und was an Bausubstanz vorhanden war, benötigte fast immer auch dringend eine umfassende Sanierung. Böswillig könnte man formulieren : La Boca ist ein von der Stadt aufgegebener Stadtteil, nur notdürftig am Leben erhalten, damit die Touristen einen weiteren Anziehungspunkt haben. So ein bischen rott törnt ja viele an!? Ist böswillig und hoffentlich weit von der Wirklichkeit. Eher ist zu vermuten, daß die Wirtschaftsmisere, die Argentinien für die meisten seiner Bevölkerung seit vielen Jahren begleitet, hier besonders tiefe Spuren hinterlassen hat. Und dann ist hier noch das berühmte Stadion in La Boca zu erwähnen, das ein Straßenviertel umgreift und an drei Seiten auch von niedriger substanzarmer Wohn- und Geschäftsbebauung begleitet wird : La Bombonera, in der der angeblich berühmteste Boca Juniors Spieler Maradona einst auflief. Ist schon imposant, die steil aufragenden Tribühnenränge zu sehen. Zusammengefasst – wir waren in La Boca – das war`s dann auch.

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Ja, es gab auch viele schöne Beobachtungen und Eindrücke. Heute nachmittag z.B. bei einem Kaffe auf dem Plaza Dorrego zu sitzen, sich die Sonne aufs Haupt scheinen zu lassen, den Einheimischen und einigen Touristen bei ihrer Nachmittagslektüre, dem Kaffeeplausch oder den Tangotänzern bei ihren Kostproben zuzusehen, war schön und entspannend, so wie wir es uns vorgestellt haben. Oder der Marsch zum teatro colon, der mit einer informativen Führung abgeschlossen wurde. Wir wußten zumindest bislang nicht, wie viele Architekten der Bau verschlissen hatte, wie sich die Sitzkapazität aufteilt, daß für Witwen quasi im Sousparkett am Rande Möglichkeit geschaffen worden war, den Vorstellungen beizuwohnen – bei jedoch begrenzter Sicht und angabegemäß noch schlechterer Akustik. Die in dem Bau zum Ausdruck kommende Pracht war schon sehr “beindruckend” – das soll auch so sein, schließlich sind derartige Bauwerke auch Ausdruck der Machtfülle und der Konkurrenz zu anderen Staaten. Wie überall beeindruckt die Plaza Major durch seine Größe als Mittelpunkt des jeweiligen Universums; abgesehen von den drei Bauwerken Kathedrale, Casa Rosada und dem Cabildo sowie der Pyramide de Mayo umgab dieser Platz sonst Eintönigkeit durch Funktionalbauten. Das Gesamtensemble war schön anzusehen – mehr aber auch nicht. Eher ins Auge fiel das Camp der Exsoldaten, die auf die mangelnde Aufarbeitung des Falklandkonfliktes seit langem hinweisen. Womit wir bei öffentlichen Kundgebungen wären : in den vergangenen Tagen begegneten wir immer wieder kleinen und großen Demonstrationen und Kundgebungen zu Themen der Staatskorruption, Ausbildung, Arbeit.

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Eindrucksvoll (?) war festzustellen, wie wehrhaft sich der Staat gegenüber seinen Bürgern positioniert (!). Nicht nur, daß hohe Zäune den unteren vom oberen Teil des Platzes Mayor trennte  und seitlich zum schnellen Absperren der Seitenstraßen entsprechende Zaunfelder bereitstanden, die Anwesenheit von einigen Dutzend Polizisten auf und am Platz sorgte nicht gerade für Wohlbefinden. Zwar ist die Casa Rosada offiziell der Präsidentenpalast, das Staatsoberhaupt hält sich hier jedoch nicht mehr auf, wozu dann diese Machtfülle demonstrieren? Und als ich dann an einer Platzseite aufgereiht eine größere Anzahl von Mannschaftswagen sah, einen Wasserwerfen stellte sich die Frage, wer hier vor wem Angst hat. Hat die Regierung Kirchner auch das Rad gegenüber der Bevölkerung überdreht? Ergänzt sei : an vielen Stellen in der Stadt und an jedem unserer bisher vier Besuchstage fielen uns die zahlreichen Uniformierten von Polizei und anderen Sicherheitsorganen auf.

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Nicht alles, was wir uns ansehen wollten, war auch zugänglich. Die Manzana de las Luces ist für gewöhnliche Sterbliche gesperrt, entschädigt wurden wir, als wir auf dem Weg zur Manzana an der Stammkirche von Papst Franziskus vorbeikamen, der Eglesia de San Francisco, und einen Blick hineinwarfen. So ganz ohne die starke Pracht der Kathedrale, jedoch warfen manche der Heiligenfiguren Fragen auf : offensichtlich ganz in der Ideologie der damaligen Zeit wird ein im heutigen Südamerika ankommender Franziskaner so dargestellt, daß sich die “ungläubigen” Ureinwohnen im zu Füßen werfen!  Auch der Grund, warum eine Heiligenfigur einen Totenschädel hält, erschloss sich uns nicht.

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Für Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig, nicht nur in der Kathedrale neben dem Altar auf der einen Seite die Nationalfahne aufgestellt zu sehen, auf der anderen eine katholische Fahne. Trennung von Kirche und Staat? Dem entspricht wohl auch, daß die für die Argentinier wichtigste Figur im Staatsbildungsprozess, der General José de San Martin, in einer Seitenkapelle mit seinem Sarkophag prunkvoll und von zwei stummen und regungslosen Soldaten bewacht präsent ist. Es scheint, als wenn die Menschen eher hierhin “”pilgern” statt in die eigentliche Kirche.

Der alte Friedhof in Ricoleta ist eine intensive Besichtigung wert. Was sich die Hinterbliebenen da an Prunkbauten/Mausoleen – wohl auch später für sich selbst bestimmt – in den letzten gut hundert Jahren haben hinstellen lassen, kann nur so umschrieben werden : die Nachwelt soll auch nach unserem Ableben sehen, wie wichtig wir für diese Gesellschaft waren, selbst im Tod sich noch überhöhen! Dennoch, man kann sich kaum satt sehen an den Putten, Schmiedearbeiten, Verzierungen, Bauformen, bei denen die Anlehnung an klassische Tempel nicht die Geschmacklosesten waren.

Die Avenue de Mayo sind wir mehrfach entlang gelaufen – hier fällt der frühere Prunk in die Augen, die aktuelle wirtschaftliche Lage der Immobilieneigentümer erlaubt jedoch in vielen Fällen keine angemessene Renovierung – manches ist sehr heruntergekommen. Es ist eine schöne auch baumbestandene Avenue, die früher sicherlich auch einmal zu den anziehendsten in BA gehört hat, heute jedoch finden sich zahlreiche nicht sehr niveauvolle Läden die Straße hinauf und hinunter. Natürlich, alte Institutionen sind nach wie vor am Ort, wie das Café Tortoni, in dem Mensch vom Tageslicht und – lärm abgeschirmt im leicht plüschigen Ambiente seinen Kaffee, Kuchen oder Wein zu sich nimmt, umkreist von Livrierten.

Buenos Aires ohne Tango ist wohl so wie Berlin ohne Preußen. Freunde, die diese Stadt schon besucht hatten wiesen uns eindringlich darauf hin, eine Tangoshow zu besuchen. Rückblickend auf den gestrigen Abend müssen auch wir feststellen : es war die Wucht und nicht zu vergleichen mit den sicherlich auch gekonnten Amateurvorführungen auf den diversen Plätzen und Restaurants. Die Entscheidung für eine Show war nicht leicht, ist das Angebot doch unübersichtlich und kaum vergleichbar; wir erstanden schließlich für eine Abendvorstellung im Café Tortoni – dort in einem Kellergewölbe – zwei Karten und wurden von er einstündigen Show nicht enttäuscht. Mangelnde Spanischkenntnisse verhinderten, daß wir die gesungenen Texte verstehen konnten, die Handlung wurde aber tänzerisch so perfekt umgesetzt, daß wir dem Geschehen folgen konnte. Das Tempo, die Perfektion, die leichten Füße/Gelenke, die Artistik, der Wechsel von sicher nähern und entfernen, das Laszive, die Lächeln, das Privole – ein Trommelwirbel an Eindrücken, der noch durch artistische Einlagen – die Tänzerinnen und Tänzer mussten Zeit für den Kleiderwechsel haben – verstärkt wurde. Ein gelungener Abend, an dem wir beschwingt durch die sich leerende Innenstadt in unser San Telmo liefen. Und siehe da : dort pulsierte das abendliche Leben.

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Fast vergessen zu erwähnen, wie farbenprächtig und kreativ gestaltet die Wände in Buenos Aires sind!? Wohltuend heben sich die vielfältigen großformatigen Graffitto von den sonst eintönigen mehr grau als sonst eine Farbe aufweisenden Wänden ab. Sicher nicht immer genehm, oft aber, wenn damit interessant Geschäftsrolläden verziert worden sind, vermutlich im Einvernehmen mit den “Betroffenen”. Oft finden sich auch Graffitti mit eindeutig politischem  und sozialen Bezug, verständlich beim Blick auf die Gesellschaft.

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Was gab es sonst noch in den vergangenen Tagen? Wir haben gute argentinische Weine aus der Region Mendoza getrunken, bis auf eine Ausnahme – eine als Sojasteak getarnte Schuhsohle lag auf dem Teller – immer ansprechende Küche genossen, nach dem Besuch des Museo de Bicentenario, nicht nur weil die Beschreibungen anderer Museen wenig Lust weckten, kein weiteres Museum besucht, da auch zu Hause keine Nachtschwärmer nicht ab 24 Uhr um die Häuser gezogen, also grundsolide gelebt, was anderes ist ja auch nicht zu erwarten. Was wir bislang vermissen : Weltnachrichten, die wir nicht über das Internet zusammenklauben müssen, sondern z.B. durch einen englischsprachigen TV-Newssender vermittelt erhalten.

Vier Tage Buenos Aires in diesem Großstadtmoloch waren uns genug – was mit dem letzten Tag vor Ort anfangen? Nach der teilweise so empfundenen Stadtenge wollten wir hinaus aus der Stadt; Ziele gibt es genug, aber für einen Tag bietet sich vorzugsweise eine kleine Tour nach Tigre am Delta des Rio de la Plata an, gut 30 km nördlich vom Stadtzentrum. Wer geglaubt hatte, wir verlassen die Stadt, sah sich auf dieser Strecke getäuscht.  Zwar nahm die Hochhausbebauung ab – und später wieder zu – und wurde abgewechselt durch Einfamilienhaussiedlungen und andere Stadtzentren, aber so richtig aus der Stadt heraus kamen wir nie. 30km in eine Richtung! So erklärt sich auch die Zahl von 13 (oder mehr) Millionen Bewohner im Großraum der Stadt. Wir wollten an diesem Tag entspannen und alles wurde zum Erreichen  dieses Zustandes getan : vor allem der Zugbetrieb Mitre, mit dessen Zug wir vom Recoletabahnhof nach Tigre fahren, leistete tatkräftige Hilfe auf dem Weg zur totalen Entschleunigung. Fast im Schritttempo zuckelten bzw. schaukelten wir auf den maroden Gleisen in Richtung Ziel, hielten unterwegs gut 20 Mal an, um nach mehr als 1 1/2 Stunden “”Zug”fahrt am Endbahnhof anzukommen. Langsam war es und unterhaltsam dazu, denn immer wieder liefen Verkaufstalente durch die Wagons und priesen ihre Waren lautstark und mit Nachdruck an, als da waren : Putzlappen, erbauliche (!) Schriften, Kaugummi, Strümpfe, Nüsse, Gebäck, eben alles, was nicht zu schwer und leicht zu transportieren ist. Tigre sollte nur Ausgangspunkt für eine Fahrt in die Insel- und Flußwelt des Deltas sein. Auf der Touristeninfo mit den nötigen Informationen ausgestattet bestiegen wir eines der quasi in Form des ÖPNV bestimmte Inseln umrundende Passagierschiffe. Ziel war eine Insel, auf der auch ein Restaurant verzeichnet war, die Rumba Negra. Nach gut 60 minütiger Bootsfahrt verließen wir das schmale Boot und folgten dem einzig ersichtlichen Weg der uns schließlich, vorbei an zahlreichen manchmal protzigen in der Regel aber einfachen Sommerhäusern mit Stegen vor der Tür, an unser Ziel, das Gasthaus “Alpenhaus” führte. Zeit für eine Rast und ein an die Heimat erinnerndes Mittagessen. Das dann Gelieferte ließ uns schnell flüchten – wir hatten einen Spinatstrudel bestellt, der nach gut einer Stunde auch geliefert wurde. Mag sein, daß er lange Zeit irgendwo herumgestanden hatte, so daß die Bechamelsoße inzwischen die Konsistenz eines Briketts hatte, der eigentliche Strudel wies zwar einige grüne Sprenkel auf, schmeckte nach rein gar nicht – und alles zu einem Preis, für den wir in der Stadt locker jeder zwei Menüs erhalten hätten. Wenn man dann den Hausprospekt in die Hand bekommt und die Selbstdarstellung sieht und liest wird einem bewußt, was Werbung so alles kann! Die Entschleunigung setzte sich fort, denn am An- und Ablegesteg warteten und warteten wir auf ein zurück in Richtung Tigre fahrendes Boot. Natürlich war kein Fahrplan angeschlagen, aber wir waren sicher, zurück an das Festland zu kommen. So geschah es auch und nach ewigem Warten im Bahnhof ruckte der Zug nach Buenos Aires langsam an und brachte uns in “Rekordzeit” von 80 Minuten zurück in die Hauptstadt. Ob es daran lag, daß der Zug und seine Wagons hoffnungslos überfüllt war oder der Zugführer zu einem wichtigen Fußballspiel wollte – wir wissen es nicht, waren aber sehr froh endlich dem Gedränge entkommen zu können.

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Am Abend nahmen wir dann Abschied von unserem San Telmo, spazierten zum Plaza Dorrego, der uns aber zu laut war, um hier unseren Scheidewein zu trinken und landeten später in unserer fast schon Stammkneipe. Tschüss Buenos Aires, es war (manchmal)schön, aber auch lang genug !

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“Ist hier Winter?!–Ankunft in Buenos Aires

Die Deutsche Bahn hält – manchmal – was sie verspricht : wir kamen pünktlich am Flughafen in Frankfurt an, checkten problemlos ein und harrten der Dinge, die ab jetzt kommen. Nach Zwischenlandung in Madrid und einem langdauernden Wechsel zu dem Abflugterminal hob unser Airbus 340-600 gegen 00:20 gen Buenos Aires ab. gut zwölf Stunden Flug standen vor uns, zum Glück in die Nacht hinein, so daß wir die Zeit nutzten, zumindest etwas zu dösen. Iberia bleibt was es ist, im Service eine stark verbesserungsbedürftige Fluggesellschaft. Getränkeversorgung, wie auch bei unserem letzten Langstreckenflug von Costa Rica erfolgte in Form der Selbstversorgung. Während andere Gesellschaften auch nachts Getränke den Reisenden anbieten, will Iberia uns verdursten lassen! Wir haben es durch zahlreiche Gänge an den “Verpflegungsstützpunkt” überlebt, während die Crew sich die wohl notwendige Nachtruhe verschafft hatte.

Der Anflug frühmorgens auf Buenos Aires war imposant, insbesondere, als unter uns offensichtlich der Mündungsbereich des Rio de la Plata auftauchte mit seinen zahlreichen Nebenarmen, Verzweigungen, dem Schiffsverkehr, den kleinen bewirtschafteten Inseln, alles in sehr gedeckten Tönen gehalten – es ist ja jahreszeitlich gesehen jetzt Winterende!?

Wie zur Bestätigung wurden kurz vor der Landung die Wetterdaten vor Ort durchgesagt : Buenos Aires Minus 2 Grad! Wir sahen uns beide ungläubig an – daß es frisch sein würde war uns bewußt, aber so kalt? Die Flughafenbeschäftigten, die wir beim Andocken der Maschine durch die Fenster sahen, waren auch nicht gerade sommerlich gekleidet : dicke Overalls, Mützen oder Kapuzen auf/über dem Kopf, Handschuhe und vor allem eine Atemfahne bestätigten, wir hatten uns nicht verhört. Ja ist denn hier noch Winter – offensichtlich ja, aber im Endstadium, denn sie späteren Wettervorhersagen sprachen tagsüber von bis zu 20 Grad (Wärmegraden!). Wie wir anderntags bei unseren ersten Erkundungen durch San Telmo und Centro feststellten : die Argentinier scheinen Weicheier zu sein. Bei mindestens 15 Grad plus bewegten sich zahlreiche Menschen im dicksten Winteroutfit, d.h. Stiefel, Daunenjacke, Schal und hochgeschlagener Kragen,Mütze und Handschuhe. Wie müssen sie sich dann vermummen, wenn es wirklich kalt ist? Dem entspricht so gar nicht die Situation in den Gebäuden. Auch unser Hotel macht da keine Ausnahme; Einglasfenster, die zudem noch schlecht schließen, dünnes Mauerwerk, Heizung aus der Steckdose – offensichtlich ein Standard, der auch bei relativ neuen Bauten noch gültig ist. Die Frage stellt sich, woher kommt der ganze Strom – eine Rechercheaufgabe für die Zukunft, denn das Wasserkraftwerk in der Nähe von Iguazu dürfte dazu wohl nicht ausreichen. Nun denn, uns machte die relative Kälte nichts aus, denn das Zwiebelprinzip anwendend lief auch Katrin in den folgenden Tagen warm gehalten und in guter Laune durch die Stadt.

Von Argentinien lernen heißt bei der Überwachung seiner Bevölkerung an der Spitze der Entwicklung zu sein! Diesen Eindruck muß man gewinnen, wenn man vor der Passkontrolle in der Schlange wartend einen “Werbe”film des Innen- und Immigrationsministeriums verfolgt. Dort wird unter der Überschrift, je mehr wir von Ihnen wissen, um so besser können wir sie schützen (!!) plausibel gemacht, daß man nicht nur biometrische Fotos von jedem Bürger benötigt – das kennen wir ja –, sondern gleichzeitig Abdrücke aller Finger der rechten Hand abspeichert – so sei eine schnelle Identifizierung des Bürgers bei jeder Gelegenheit, z.B. auch beim Erteilen von Verwarnungsgeldern im Straßenverkehr möglich. Effizienz steht hier über Bürgerrechten, der Komplettüberwachung wird ein weiterer Schritt näher gerückt. Und das vor dem historischen Hintergrund der zahlreichen Militärdiktaturen in diesem Land, die immer noch nicht aufgearbeitet sind. Immer noch protestieren jeden Donnerstagnachmittag die Mütter der Plaza Mayor und fordern Aufklärung über das Schicksal ihrer Kinder.

Die Passkontrolle und den Zoll passiert galt es, uns die notwendigen Informationen zum Transport in die Innenstadt zu beschaffen, Geld zu beschaffen. Nun ist Buenos Aires Internationaler Flughafen Ezeiza kein kleiner, aber Geldautomaten scheinen versteckt zu sein und wenn man dann einen aufgespürt hat ist nicht erkenntlich, ob sie Visa-Kreditkarten akzeptieren. erste Geldversorgung, auch mit Kleingeld für die Bustickets, dann in einer Wechselstube. Diesem Erfolg folgte dann der nächste “Mißerfolg”. Sich Getränke am Automaten zu besorgen ist eigentlich eine Kleinigkeit, hier am Flughafen hatten wir den Eindruck, unter Raubritter gefallen zu sein. Nicht daß wir über den ausgewiesenen Preis uns gewundert hatten, aber die Scheine am Automaten einfach einzuziehen ohne den Gegenwert in Form einer Wasserflasche auszuspucken, dabei zu bleiben trotz “Nachwerfen” und gutem Zureden war schon derb. “Das fängt ja gut an!”

Nach zahlreichen Fragen – Englisch ist zwar eine Weltsprache, aber in Argentinien selbst am Flughafen nicht allzu verbreitet, somit liegen wir richtig, einen Spanischsprachkurs wie geplant zu besuchen – hatten wir endlich die Groborientierung hin zu unserem Bus Richtung Innenstadt. Es ist hier nicht so wie daheim, wo Hinweise auf die Transportmöglichkeiten deutlich angebracht sind – sie fehlen völlig, wohl um den vor dem Flughafen stehenden hunderten von Taxis das Geschäft zu erleichtern , die wie wir hörten 50-70 Euro für den Transfer in die Innenstadt aufrufen. Genau so schnell wie mit einem Taxi kamen wir dann für ca. 12 Euro downtown, aus eigener Schusseligkeit – waren wohl doch etwas müde – stiegen wir eine Station zu spät aus. So lernten wir dann auf dem ca 1 km langen Weg zu Hotel das Gewicht unserer Rucksäcke so richtig “schätzen”.

! Hasta luego a Nussdorf !

Am 25.7.2013 um 14:41 Uhr ist es dann soweit, unser begrenztes Abenteuer beginnt am Bahnhof Vaihingen/Enz. Nach einem letzten gemeinsamen Mitttagessen mit der Großfamilie bei Ruth beginnt sie nun, die große Reise. Auch wenn wir es immer wieder negieren oder zumindest vor der Umwelt verbergen – es gibt ihn, den Abschiedsschmerz. Er stellte sich immer dann besonders ein, wenn wie z.B. am Vorabend der Abreise Freunde aus Nussdorf bei uns hereinschneiten, wir über alles mögliche aber natürlich auch unsere Reise miteinander “schwätzten” und beim “Abschied” alle uns eine gute Reise wünschten, wie sehr sie auch dabei wären, und mit der Bemerkung “bis in einem Jahr” dann gingen. Ein Jahr!? Ganz schön lang, wenn man die Menschen um einen herum, das gewohnte Leben, das zu Hause, die Heimat mag und jetzt einmal eine ganze Zeit ohne persönlichen Kontakt zu einander auskommen muß. Da hilft es auch nicht, wenn auf die Möglichkeit des Internets hingewiesen wird – der persönliche Kontakt fehlt. Für die nächste Zeit werden wir beide, Katrin und Thomas – wie sollte es auch anders sein – sehr nah beieinander sein. Wir gehen in freudiger Erwartung auf das Neue, die Erlebnisse, Erfahrungen, Menschen, Regionen, haben aber auch Respekt davor, was diese Reise mit uns macht, wie wir mit dem sich sicherlich einstellenden Heimweh umgehen werden. Gut, mit Nussdorf und Bonn haben wir die Möglichkeit des Kontaktes per Skype hergestellt – aber reicht das? Zumindest haben wir dadurch die Chance relativ zeitnah am Geschehen in der Heimat teilzunehmen und diese an unserer aktuellen Stimmung teilhaben zu lassen. Schauen wir, was die Zeit ergibt.

Kurz nach 14:00 Uhr satteln wir die Pferde, Ulrike steht mit dem Wagen vor der Tür, um uns zum Bahnhof zu fahren. Mit einem letzten Blick auf den Martinsturm geht es dann links herum in Richtung Vaihingen. Tschüss Nussdorf – hasta pronto !

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Und so stehen wir dann auf dem zugigen Bahngleis, voll bepackt, mit einem mulmigen Gefühl was da so kommt?!.

So ein Scheiß !

Dieser oder ein ähnlicher derber Spruch war wohl laut zu hören, als ich am Samstagmorgen, also einen Tag vor der Abreise, meine Maileingänge öffnete. Darunter befand sich eine Information der deutschen Agentur, über die wir unser allererstes Quartier auf der Reise in Buenos Aires für 6 Nächte gebucht hatten. In wenigen dürren Zeilen teilt man uns mit, daß das Unternehmen am Freitagnachmittag Insolvenz angemeldet habe und nicht ausgeschlossen werden könnte, daß unser Zahlung für die Übernachtung in BA nicht weitergeleitet worden wären; Konsequenz : wir müssten aller Wahrscheinlichkeit ein zweites Mal in die Tasche greifen. So ein …

Anfangs waren wir mehr als entrüstet, aber unternehmen konnten wir so kurz vorher nichts mehr. So blieb nur die Anfrage im Hotel Bohemia, ob unsere Buchung/`Reservierung Bestand habe, damit wir uns nicht vor Ort übermüdet um ein neues Quartier kümmern müssten. Leider erreichte uns nie eine Rückmeldung. Da die Wahl auf das Hotel Bohemia von verschiedenen Kriterien bestimmt war (Lage in einem interessanten Viertel, Nähe zum Zentrum, gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wegen der Anreise von Flughafen, die mit dem ÖPNV erfolgen sollte) wäre es auf die Schnelle auch schwierig geworden, adäquaten Ersatz zu finden. So machten wir uns dann in Ezeza, dem internationalen Flughafen in Buenos Aires angekommen auf den Weg zum gebuchten – aber wohl nicht bezahlten – Hotel, das wir dann auch über einige Umwege, da wir an der falschen Stelle aus dem Bus ausgestiegen waren und gut einen km mit Gepäck auf dem Rücken und vor der Brust durch San Telmo liefen, erreichten. Dieser Umweg hatte einen Vorteil : wir konnten uns schon etwas in der Hotelumgebung orientieren und feststellen, daß es Restaurants ohne Ende und in großer Vielfalt gab. Die Verpflegung war also gewährleistet. Im Bohemia angekommen bestätigte sich unsere Befürchtung – wir mussten erneut zahlen! Zum Glück hatte Katrin zu Hause noch über booking.com verifiziert, ob das Hotel noch Vakanzen hat und den Preis abgefragt. Mit dieser Information bewaffnet mussten wir dann an deutliches drängen hin nicht der regulären Hotelpreis bezahlen sondern konnten uns zu dem im Internet präsentierten um gut 60 Euro günstigeren Logispreis einquartieren.

Sichtlich müde aber doch positiv gestimmt warten wir im Bohemia, daß wir unser Zimmer beziehen können.

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Wenn das denn der einzige “Verlust” auf unserer Reise sein sollte, nehmen wir das gerne in Kauf, allein der Glaube hieran fehlt uns. Solange es bei monetären Verlusten bleibt, die unsere Reise nicht gefährden, werden wir das wohl verschmerzen.

Warten wir ab, was noch auf uns kommt. Auch wenn der (Vor-)Beginn der Reise sich nicht gut anließ, das was kommt, kann nur besser werden!

Es ist soweit !

Eigentlich wollten wir schon seit Tagen unsere Rücksäcke gepackt haben, aber wie so  manches wurde auch dieses verschoben. Am Abend vor der Abreise standen sie dann endlich bereit, die großen und die kleinen. Was war das ein “Kampf”, die so angepriesene und das sei hinzugefügt zu Recht angepriesene Technik der Kompressionsbeutel praktisch zu nutzen. Mancher Versuch war nötig, um die Kleidung sinnvoll aufgeteilt in den Säcken luftdicht verschlossen und vom Volumen deutlich verkleinert zu verstauen. Ich glaube nicht, daß ohne dieses Hilfsmittel  die zwar schon deutlich reduzierte Kleidermenge so hätte verstaut werden können, um all den anderen Kleinkram auch noch unterzubringen, von Reiseliteratur, Technik, optischen “Hilfs”mitteln ganz zu schweigen. Im Ergebnis sind unsere Rucksäcke mit saldiert 35kg doch recht üppig belastet, was man dem Bild so gar nicht ansieht (die als Handgepäck vorgesehenen kleinen Exemplare sind dabei natürlich nicht berücksichtigt!)

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Wir sind gespannt, welche teile sich als überflüssig erweisen werden, was ersetzt werden muß oder welche Ergänzungen notwendig werden – wir haben unser Bestes getan, uns auf die Bedingungen der Route einzustellen.

das “Feschd”

Einfach so abreisen, das wollten wir dann doch nicht, aber eine “Abschiedsfeier” auszurichten, schien uns nicht sehr passend – Abschied klingt so nach unendlich, für immer, dabei wollen wir doch nur bis zu einem Jahr durch die Welt streifen! Andererseits hatten wir seit langem beabsichtigt, ein Fest mit allen Freunden und Bekannten in Nussdorf zu feiern, Gründe genug hatten sich in den vergangenen Jahren ergeben.  Uns mit allen auf unsere Reise einstimmen, das schien uns passend. Nachdem wir einen schön gelegenen Platz für Sommer- und Regenwetter in Rosswag bei den Kleintierzüchtern gefunden und uns auf vegetarisches (thailändisches) und fleischliches (Spanferkel am Spieß gegrillt) Essen verständigt hatten, konnte unsere Einladung herausgehen.

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Toll, daß nahezu alle, die wir gerne dabei haben wollten es auch möglich machten, mit uns den Tag zu verbringen. Dadurch wurde das geplante “Feschd” erst zu einem richtigen Fest. Das Sommerwetter mit seinen weit über 30 Grad trug ebenso zu der guten Stimmung bei, wie das vom Haggeroywirt zubereitetet Spanferkel oder der thailändische Buffet aus Nit`s Thaiküche. Bevor es zum kulinarischen Teil des Abends überging hatte Ulrike mit den anwesenden Kindern kurzfristig einige Zaubertricks einstudiert und uns präsentiert. Wie so oft bei größeren Festen – nicht jeder kennt jeden; dies zu verändern hatte Ulrike sich zum Ziel gesetzt und mit ihrem “Spiel” “Gemischtes Doppel” schnell zahlreiche neue Gesprächskontakte initiiert.  Und als dann Mike Janipka von 8 bis kurz vor Mitternacht fast ohne Unterbrechung seine Musik auf Konzertniveau zum besten gab,  war uns allen wohl ums Herz. Es wurde viel miteinander kommuniziert, gegessen, getrunken, kam Lebensfreude auf, hat richtig Spaß gemacht. Alle, auch wir waren (schienen) glücklich.

Vielen Gästen erklärte Katrin unsere Reise an Hand einer Landkarte, sie war teilweise so sehr damit beschäftigt, daß sie kaum zum Essen kam. Wie immer bei Feiern mit so vielen Anwesenden, uns blieb zu wenig Zeit, mit jedem ausführlich ins Gespräch zu kommen, dies war schade, aber wie Katrin zu sagen pflegt : “Das holen wir alles nach”!

Durch die Verantwortung für das Gelingen des Tages waren Katrin und ich ganz gut unter Wind, Zeit zum Nachdenken blieb an diesem Abend nicht. So haben wir eure vielen guten Reisewünsche gerne in uns aufgenommen, dabei aber auch in den Hintergrund geschoben, daß wir uns über längere Zeit persönlich nicht werden treffen können, jedoch die vermittelte Kommunikation uns bleibt. Zwar  kam noch nicht so direkt Abschiedsschmerz auf, aber um die Ecke lugte er schon, wie in vertrauten Gesprächen durchklang. Die guten Wünsche werden uns begleiten, ob sie – hoffentlich – uns auf dem richtigen Weg halten, kann auch an Hand dieser Berichte nachvollzogen werden.

Wir denken gerne an das “Feschd” zurück, uns haben die Stunden und der Zuspruch der Freunde und Bekannten viel gegeben; dies wird uns sicherlich helfen, dem irgendwann aufkommenden Blues mit Anstand zu begegnen.

? Comprendes espaniol?

Man kann Südamerika bereisen und sich mit Englisch behelfen – dies funktioniert leidlich in den touristisch stark erschlossenen Regionen, man wird nicht verhungern, findet irgendwie seinen Weg, kommt zurecht. Um aber etwas mehr als das Allernötigste von einem Land kennen zu lernen, ist es mehr als hilfreich, die Landessprache zumindest in groben Zügen zu beherrschen, so der einheitliche Tenor der in Südamerika monatelang umher Reisenden. Da für uns Südamerika schon seit gut einem Jahr zu den Regionen zählt, die wir näher kennen lernen wollen, war der Entschluß, vorher etwas Spanisch zu lernen, schnell gefasst. In Theresa hatten wir eine liebevolle sachkundige Nativespeakerin aus Peru, die seit gut einem Jahr ein Mal die Woche versuchte, uns in die uns fremde Sprache einzuführen. Und wie das so ist, der anfängliche Elan schwankte, nicht immer wurden die “deberes” erledigt, oft haben Katrin und ich uns vorgenommen, am Sonntag einige Spanischlernstunden einzuplanen – ebenso oft kam etwas dazwischen. Nun denn, einiges ist dennoch hängen geblieben – danke Theresa für deine Geduld –, hierauf können wir dann aufbauen. Früh war uns klar, nur wenn wir vor Ort einige Wochen an einer Sprachschule einen Intensivkurs in Spanisch besuchen, kommen wir unserem Anspruch, die Landesbevölkerung zumindest in groben Teilen zu verstehen, näher. Unsere Zeitplanung berücksichtigte deshalb immer einen wenigstens vierwöchigen Aufenthalt in Santiago de Chile um die Schulbank zu drücken. Der Aufenthalt in Santiago sollte auch dazu genutzt werden zu prüfen, ob wir Chile und Argentinien mit einem gekauften Gebraucht-PKW bereisen wollen/können und wenn ja, diesen dann in Santiago zu erwerben. Noch ist in dieser Hinsicht keine abschließende Entscheidung gefallen, jedoch hinsichtlich der Sprachschule haben wir uns nach langwierigem Studium der auch auf den chilenischen www-Seiten präsentierten Internetauftritten für die escuela bellavista in Santiago de Chile entschieden und in der Nähe, d.h. im Stadtteil Providencia, für einen Monat eine möblierte Wohnung über eine Agentur gemietet. So sind wir dann guter Hoffnung, nach diesen Lernwochen mehr als “!Hasta pronto” euch zurufen zu können.

Der Zwang, sich beschränken zu müssen

Es ist schon ein großer Unterschied, wie wir im Verlaufe der vergangenen Monate feststellen mussten, ob du einen Rucksack für vier Wochen oder rund ein Jahr packst, ob du während deiner Reise im wesentlichen nur eine Klimazone besuchst, in einer Jahreszeit unterwegs bist oder auf dich Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad warten, es von arschkalt bis saharaheiß geht. Während wir bei unseren wenige Wochen dauernden Länderreisen im Ernstfall entschieden haben, das beiseite gelegte T-Shirt doch mitzunehmen, die große Sonnenmilchflasche zu verstauen oder eine weitere Hose bereit zu legen, haben wir jetzt richtige Entscheidungsprobleme. Und Katrin kam immer wieder mal mit einem fragenden fast vorwurfsvollen Blick, wenn ihr Temperaturinformationen über den Salar de Uyuni oder Wind- und Wetterprognosen aus Patagonien ins Auge fielen : “da muß ich ja viel mehr warme Kleidung mitnehmen, um nicht zu (er)frieren”! Ein Blick in den Schrank signalisierte zwar alles Erforderliche ist vorhanden, aber nachdem wir z.B. einen Anorak ausgewogen hatten und erstaunt feststellen mussten, das “bischen” wiegt fast 1700gr. und kann nicht gerade platzsparend gefaltet werden, standen auf einmal “Ergänzungsanschaffungen” auf dem Plan. Jeder, der schon einmal sich in den Outdoorläden umgetan hat wird zustimmen – dort sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, weniger wäre wirklich mehr insbesondere dann, wenn bei einem Besuch dieser Läden einem schnell die Laune vergeht angesichts der Masse, der Mengen. Es galt auch hier, den Wissensfundus und die Erfahrungen anderer Globetrotter anzuzapfen und zu nutzen. Wieder wurde im Netz nach brauchbarer Information gesurft, um mit konkreten Vorstellungen uns in die Fachtempel zu “stürzen”. Wir hätten nie geglaubt, daß uns das Gewicht eines Softshells, einer Treckinghose etc. je interessieren würde, 200gr. mehr oder weniger Gepäck, das macht im Einzelfall bei einer drei-vierwöchigen Reise im Grunde nichts aus – aber wenn Kleidung, Technik und sonstige Utensilien für viele Monate mitgeschleppt werden müssen, dann beginnt man doch zu geizen, war das Ziel doch 16 bzw. 18kg Rucksackgewicht nicht zu überschreiten. Multifunktionalität war ebenso angesagt wie die Rückkehr zu Großmutters Zwiebelprinzip. Erstaunlich auch – nach kritischer Selektion sind es weniger Einzelteile als bei einem Dreiwochentrip. Es geht also doch, sich zu beschränken; in Erinnerung an die Kleidungskilos, die ungenutzt von mancher Reise wieder zurück in die Heimat transportiert worden war,  war die Hürde dann doch nicht mehr so groß. So nach und nach wurden die “Ergänzungskäufe” erledigt und seit gut zwei Wochen liegen die Kleiderstapel bereit, um verstaut zu werden.

Das Technikthema beschäftigte uns auch einige Zeit. Schnell war klar, die innig geliebte Nikon D100 mit den Wechselobjektiven bleibt zu Hause und damit über 2kg “Ballast”. Stattdessen wurde eine gebrauchte Panasonic Lumix F150 angeschafft und auf einem Schlag das Gesamtgewicht um gut 1,5kg reduziert!! An Stelle von Büchern wird ein E-Bookreader eingesteckt und zahlreiche als wichtig angesehene Informationen werden eingescannt und per Stick transportiert. Schließlich wurde, auch um leichter Kontakt mit der Heimat halten zu können, ein gebrauchtes Netbook erstanden, das hoffentlich die nächsten 12 Monate ein funktionierender Begleiter sein wird. Unser Budget wurde so mit manchem Euro belastet, bevor wir überhaupt Europa verlassen haben, aber wie hörten wir von Freunden : wenn ihr die Gesamtausgaben der Reise betrachtet sind diese vorher entstandenen Ausgaben im Grunde doch vernachlässigbar. So hatten wir dann wieder ein gutes Gewissen und sahen uns nicht als Verschwender an.

Was dann in dieser Woche platzsparend in Kompressionsbeutel und zur Erleichterung der Orientierung im Rucksack in zahlreiche Beutel verstaut wird, kann auf den folgenden Bildern erahnt werden (Hygiene, Tampen, Strips, Bänder, Wäscheleine, Dose mit Haken und Schrauben, Taschen-/Stirnlampen, Kabelschloss, Essbesteck, div. Karabiner, dit un dat kommen dann noch dazu).

Technikkruscht                            Katrins                             Thomas

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Der Teufel steckt im Detail

Der Weg von einem Traum hin zu einem konkreten RTW-Ticket mit klarer Route ist ein langer und beschwerlicher. Alter Tradition folgend – das kriegen wir doch selber hin (!?) wurde unendlich viele Stunden im Netz gesurft, viel zu viele Beiträge in diversen Reiseforen mehr überflogen als gelesen, Flugrouten und –pläne studiert, abgewogen, verworfen, in die engere Wahl gezogen kurzum eine große Menge an erst einmal unstrukturiert aufgesogenen Informationen zusammengetragen. Wir hatten dann ein grobes Bild über unser Vorhaben, Grundzüge eines Flugroutings, unendliche Empfehlungen zur Ausrüstung, zu guten oder schlechten Unterkünften, zu Geld- und Sicherheitsthemen, Technikeinsatz unterwegs etc., also einen Wissensfundus, der uns optimistisch machte, das Vorhaben auch erfolgreich in Angriff nehmen zu können. Auf eines sei an dieser Stelle ausdrücklich hingewiesen : es gibt zahlreiche Mitmenschen, die ihre Erfahrungen uneigennützig anderen Travelern in kompetenter Weise zur Verfügung stellen. Allem voran muß auf die beiden Foren unter www.weltreise-info.de und www.weltreiseforum.de hingewíesen werden, aus deren Beiträgen wir manchen Löffel Honig gesogen haben.

Als dann Reiserichtung, –zeitraum, –länder weitgehend konkret feststanden musste das Problem des günstigsten Flugtickets gelöst werden. Und wieder wurden zahllose Stunden vor dem Rechner verbracht, um die Feinheiten eines RTW-Tickets, die bei den verschiedenen Anbietern natürlich höchst unterschiedlich sind, zu erkennen und zu verstehen, ergeben sich daraus nicht unwesentliche Auswirkungen auf den tatsächlichen Ablauf der Reise. Dann war ein Punkt erreicht, ab dem die Planung professioneller Unterstützung bedurfte – eine Wunschliste von möglichen Flugabschnitten hatten wir erstellt, konnten aber weder die Kosten vernünftig abgreifen noch sicher sein, daß diese Wünsche sich auch alle in einem RTW-Ticket verwirklichen lassen. In o.a. Reiseforen fanden sich zahlreiche Hinweise auf kompetente Reisebüros, die besondere Expertise bei der Konfiguration von RTW-Tickets besitzen. Zu diesen gehören unzweifelhaft das Reisebüro travel nation in UK sowie Colibri Reisen aus dem Breisgau. Schon bald mussten wir im Kontakt mit den Experten erkennen, alles ist machbar, aber in der geplanten Form im Rahmen eines RTW-Tickekts extrem teuer. Und wieder galt es ein Routing zu entwerfen, bei dem wir die Vorgaben eines RTW-Tickets zu 100% ausnutzen und gleichzeitig möglichst viele der ins Auge gefassten Flugzielorte erreichen. Die für uns optimalste Lösung hatten schließlich die Kollegen bei Colibri-Reisen und das zu einem Gesamtpreis, der auch von den englischen Experten nicht getoppt werden konnte. Und so sieht nun unsere Reiseroute des RTW-Tickets aus :

Frankfurt – (via Madrid) – Buenos Aires – Santiago de Chile – Rapa Nui (Osterinsel) – Papeete (Tahiti) – Auckland (Neuseeland) – Sydney (Australien)  / Cairns (Australien) – Alice Springs (Australien)/ Darwin (Australien) – (via Singapore) Bangkok – (via Helsinki) – Frankfurt.

Tahiti hatten wir nicht auf unserer Wunschliste. Wiederholt haben uns beide Reisebüros darauf hingewiesen, daß wir, um nach Auckland weiterreisen zu können ein Rückflug nach Santiago de Chile unumgänglich sei, d.h. fast 2.400 Meilen entgegen der Reiserichtung?! Uns schien das nicht erstrebenswert zu sein und beim Studium der An- und Abflüge im Verlaufe einer Woche vom Flughafen auf Rapa Nui fiel uns auf, daß zwei Flüge je Woche nach Tahiti erfolgen. Da war dann die Entscheidung schnell gefällt, statt 2.400 Meilen zurück rund 2.600 Meilen im wesentlichen in Richtung unseres nächsten großen Ziels, also Zwischenstop in Papeete. Wenn man die Ruhe sucht sicherlich nicht erste Wahl, aber wenn wir schon mal in der Nähe sind…?! So zumindest die erste spontane Entscheidung. Schlußendlich blieb es auch dabei, denn das Problem, von der Insel Richtung Neuseeland “herunter” zu kommen konnte gelöst werden.  Die Flugpläne auf Tahiti zeigten eine sehr enge und intensive Verbindung zu den USA – aber Auckland/Neuseeland? Ganz versteckt zwischen den vielen USA orientierten Abflügen fanden sich dann drei wöchentliche Flüge in Richtung Neuseeland, die Lösung unseres “Problems”. Wie das so im Leben ist, einer gelösten Aufgabenstellung folgt die nächste auf dem Fuß. Von unserem Reisebüro bekamen wir, nachdem wir unsere Spezialwünsche formuliert hatten nach deren Recherche die Rückmeldung, daß die Plätze auf den wenigen Verbindungen zwischen Rapa Nui/Papeete und Papeete/Auckland/Neuseeland schon jetzt für unser geplantes Zeitfenster Januar 2014 fast ausgebucht seien.  Das war es dann mit der Zielstellung, uns alle Optionen auch zeitlicher Art offen zu halten. Ohne frühzeitige Reservierung von zwei der wenigen verfügbaren Plätze zum jetzigen Zeitpunkt könnte es uns passieren, Ende 2013/AAnfang 2014 zwar auf die Osterinsel zu gelangen, auf einen Weiterflug nach Papeete aber im schlimmsten Fall Wochen warten zu müssen. So haben wir dann schnell einen Knopf an die Hose genäht und uns für feste Termine entschieden, um auf diese Reservierungen im Ernstfall zurückgreifen zu können. Unser Flug auf die Osterinsel ist jetzt für den 9.1.14 geplant, weiter nach Tahiti geht es kurz vor Mitternacht des 13.1. und nach einer guten Woche für Tahiti und Mo’orea fliegen wir am 22.1. nach Auckland, der Startort unserer Neuseelandrundreise. So hat sich dann alles noch zum guten gefügt, die stundenlangen Recherchen und Kontakte mit den Leuten von Colibri haben uns ein nicht geplantes Reiseziel (wir sind doch eh in der Nähe?) beschert.

Unter Berücksichtigung der vorstehend notwendigen Festlegungen haben wir mit dem 365Tage gültigen RTW-Ticket die Flexibilität, die wir uns gewünscht haben; unsere nicht abgedeckten Reiseziele wie Iguazu Falls, Samoa, Rarotonga und Cook Inseln, Port Moresby/Papua Neuguinea werden wir mit Hilfe vor Ort gekaufter Billigtickets ansteuern. Und zwischendrin sind ausreichend Gelegenheiten, mit anderen Verkehrsmitteln Chile und Argentinien einige Monate lang zu bereisen, Australien in weiten Teilen auf vier Rädern zu erkunden, die Süd- und Nordinsel von Neuseeland kennen zu lernen und uns durch Papua Neuguinea, dem touristisch am wenigsten erschlossenen Reiseziel zu schlagen.

Just a dream?

Nicht schlaflose Nächte waren Grund, über eine längere Abwesenheit vom Leben in Deutschland nachzudenken, sondern die Erkenntnis, daß es mehr gibt, als in der täglichen Routine zu erstarren : neues zu versuchen, das Neue zu suchen, Eindrücke zu sammeln, nicht nur vom Leben zu träumen, sondern anzufangen, seine Träume zu leben. Gewiss, wir haben in den zurückliegenden Jahren immer wieder uns in fernen Ländern vollgesogen mit unbekannten Gerüchen, anderen Lebensweisen, bizarrer und wunderschöner Natur, Menschen kennenlernen können, die ohne die Saturiertheit unserer Zivilisation ihr Leben zu meistern versuchen, oft trotz für uns unvorstellbarer Armut immer wieder eine Lebensfreude erkennen lassen, die uns teilweise abhanden gekommen ist. Immer wieder sind wir in unser Leben in Deutschland zurückgekehrt und konnten feststellen, wie sehr uns die Reisen in weniger bekannte Kulturen dazu gebracht haben, unsere Zivilisationsprobleme heftig zu relativieren. Was stöhnen wir über Schwierigkeiten im Beruf, Familie, unserer Gesellschaft und kennen doch nicht die wahren Probleme, mit denen Milliarden von Erdenbürgern täglich konfrontiert werden.

Träumt nicht jeder davon, mindestens einmal aus dem geregelten Leben auszubrechen, nicht nur während der manchmal als zu  kurz empfundenen Urlaubszeit durch die Welt zu streifen, dabei jedoch oft daran denken zu müssen, wie begrenzt die Zeit ist, wie eingeschränkt die Auseinandersetzung mit Land und Menschen, wie schön es wäre, würde man ohne Zeitbeschränkung einmal dorthin reisen können, wovon man schon lange geträumt hat. Natürlich können einfühlsame und kompetente Berichte in Textform und oft in Bild und Ton tolle Eindrücke vermitteln – aber eben nur vermitteln, es sind nicht die selber erworbenen, ja teilweise unter Anstrengungen “erkämpfte” Einblicke und Erlebnisse in einer nicht so bekannten Welt.  Soll das nur ein Traum bleiben, wollen wir uns in den kommenden Jahren mit großem Interesse Reportagen über fremde Länder und Kulturen ansehen, Bücher lesen, die natürlich oft tiefgehende Einblicke vermitteln, steht den Autoren oft ein Heer von Hilfskräften und Sachkundigen unterstützend zur Seite. So ist uns klar, daß es uns nie gelingen wird, Tiere in freier Wildbahn so zu sehen, wie es z.B. begnadeten Tierfilmern mit ihrer schier unendlichen Geduld gelingt – aber sollen wir es nicht trotzdem versuchen?

Und dann kommt mit den Jahren auch noch die Erkenntnis hinzu, daß man in jungen Jahren aus finanziellen, zeitlichen und beruflichen Gründen – welcher Chef sieht es schon gerne, wenn man mal eben für ein Jahr praktisch nichts tun und durch die Welt streifen will, hat man dann nicht Zukunftsoptionen, zumindest bei weniger wohlwollenden Vorgesetzten, verspielt – von derartigen Ausflügen in die große, weite, unbekannte Welt Abstand genommen hat und dies bedauert. Wenn dann endlich die Chance besteht, seine Träume zu verwirklichen, warum dann noch zögern? Nachdem dann Thomas seinen Berufsweg für beendet erklärt hat, am neuen Wohnort endlich alles geregelt und sich für Katrin der Wunsch, für ein Jahr beurlaubt zu werden, erfüllen ließ, konnten wir beginnen, den Wunsch zu strukturieren, vom Träumen aufzuwachen.

Was hatten wir nicht alles für Länder und Regionen vor Augen – und das alles in einem Jahr? Schnell war klar : wenn wir entschleunigt reisen wollen, um unsere Reiseziele und die Menschen nicht an uns vorbei rauschen zu lassen, müssen wir uns (sehr) beschränken. Unstrittig : Besuch der Südhalbkugel, denn während der Schulferien (Zeit und Länge) ist eine Fahrt in diese Erdhälfte vor allem aus klimatischen Gründen nicht erste Wahl; aber welche Länder? Den einen, Thomas, reizte die Landschaft und Natur der südlichen Anden, Patagonien, die Bergmassive hautnah erleben, dort sich nicht nur, wie bei einer geführten Rundreise mal kurz die Füße zu vertreten, sondern Strecken unter die Sohle zu nehmen, d.h. Chile und Argentinien gehören auf den Plan. Katrin wies sofort auf ihre Sehnsucht nach Neuseeland und Australien hin. Ja und dann war da noch die zweitgrößte Insel der Erde, Neuguinea. Uns beide reizte, das weniger erschlossene Papua Neuguinea kennenzulernen, gelesen, gesehen hatten wir zwar das eine oder andere, waren sehr interessiert, selber in diesen Kulturkreis einzutauchen. Also waren auch dafür vier Wochen einzuplanen. Und wenn wir schon mal in Südamerika sind – der Salar de Uyuni, mit 10.000 Quadratkilometern der größte Salzsee der Welt, der zudem befahrbar ist (!),  hatte mich vor vielen Jahren fasziniert, das sollte auch Katrin in sich aufnehmen. Die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel zu berücksichtigen hieß für uns, in Chile/Argentinien beginnen, um zum Jahreswechsel – dort ist dann Sommer und die Temperaturen in den südlichen Gefilden entsprechen dann in etwa unseren normalen Frühlingswerten – in Patagonien anzukommen. Anschließend sollte es auf die Südinsel Neuseelands gehen, denn dort herrschen dann angenehme sommerliche Temperaturen (ein Blick auf die Weltkarte zeigt die Nähe zum Südpol – von südländischen Temperaturen werden wir wohl nur träumen). Von Chile ostwärts reisen bedeutet über die Osterinsel, auch ein Traumziel, nach Französisch Polynesien, genauer Tahiti, zu fliegen. Dieser Stop stand nicht auf unser Wunschliste, aber an Stelle eines 1500 Meilen langen Rückflugs von der Osterinsel nach Santiago de Chile, um dann in die gleiche Richtung nach Neuseeland zu fliegen, erschien uns nicht sinnvoll. So geht es dann mit dem genannten Zwischenstop nach Neuseeland. Ein bischen Südsee sollte es schon sein, aber wenn, dann nicht in einer Jahreszeit mit Zyklongefahr. So wollen wir zwei Wunschziele in das 2. Quartal 2014 integrieren : Samoa und die Cook Inseln. Schaun wir mal, ob alles sich so umsetzen lässt, wie wir es uns vorstellen. Auf jeden Fall “its not just a dream”, wir sind dabei, unseren Traum zu leben.