Im Fjordland

Wenn vom neuseeländischen Fjordland auf der Südinsel gesprochen wird, meint man den riesigen Fjordland National Park, in den kaum eine Straße hineinführt, der im wesentlichen fast unberührt ist, eine wilde Landschaft umfasst, wo Felsen, Eis, Wälder, Seen und Sumpfgebiete aufeinandertreffen, eine bezaubernde beeindruckende Landschaft, durch den in wenigen Bereichen einige der klassischen Trecks in Neuseeland führen, deren Sunde oder Fjorde meistens nur sehr schwer zu erreichen sind. Und wenn es leicht geht, dann strömen zigtausende jedes Jahr dorthin, wie es z.B. beim Milford Sound der Fall ist. Der Fjordland National Park umfasst mehr als 1,2 Millionen Quadratkilometer. Wer hier unterwegs ist, muß vor allen Dingen regenfeste Kleidung dabei haben, denn durchschnittlich an mehr als 200 Tagen im Jahr regnet es, im Doubful Sound kommen durchschnittlich mehr als 7.000mm Regen je qm herunter, im Milford Sound sogar bis zu 8.000mm! Dieser Regen ist natürlich die Basis für die zahllosen Wasserfälle der Region wie auch für das besondere Klima in den Wäldern. Im Fjordland soll auch der Kiwi heimisch sein. Also viele gute Gründe, nach Manapouri oder nach Te Anau zu kommen, beides zentral gelegene Orte, von denen aus es möglich ist, Teile des Nationalparks zu erkunden. Wir haben uns für Manapouri entschieden, da der Ort nicht so im Fokus der Touristen wie Te Anau steht, obgleich beide Orte nur 20 Straßenkilometer trennen.

Von beiden Orten aus ist es möglich zu dreien der herausgehobenen Trails/Trecks in Neuseeland zu gelangen, dem Keppler Trail, dem Routeburn Trail und dem Milford Trail. Gereizt hat auch uns, einen der drei bis sechs-tägigen Rundtrails zu gehen, aber ein Blick auf die für das gesamte Land zur Verfügung stehende Zeit ließ uns Abstand davon nehmen, zumal wir erst gestern beim Checkup feststellen mussten, die noch auf der Südinsel zu verbringenden Tage, am 19. müssen wir in Picton auf der Fähre zur Nordinsel sein, sind zu knapp bemessen, um alle unsere Wünsche zu erfüllen. Abstriche müssen gemacht werden, da können wir erst recht keine Mehrtageswanderung unternehmen. Aber wir haben die Möglichkeit, und das reizte uns, immer wieder an einen Tagesabschnitt dieser Trails zu gelangen und diesen zu wandern, natürlich mit doppelter Strecke, denn wir müssen ja zum Ausgangspunkt zurück. Hier von Manapouri aus kann man an die letzte/vorletzte Etappe des Keppler Trails gelangen und zur Moturau Hut wandern, keine aufregende aber sehr schöne Angelegenheit.

Startpunkt ist Rainbow Reach, wohin man über eine lange Hängebrücke gelangt.

P1110330P1110332

Dann ist man schon in einem Wald, der als verwunschener Wald beschrieben werden kann. Die Baumkronen sind nicht sehr dicht, Sonne fällt durch die oft sehr hohen Bäume und ihre Kronen auf den Boden, dennoch entsteht ein schönes gedämpftes Licht, lässt manches im ungefähren, undeutlich sein, hebt anderes aus dem Umfeld hervor. Man muß nicht gelesen oder gehört haben, wie oft und wie viel es hier regnet, ein Blick in das Unterholz, zu den Baumstämmen, reicht aus um festzustellen, hier ist es sehr feucht. Der Wanderer merkt es auch bei seinen geringen Anstrengungen. Überall wachsen Farne, der Boden, die am Boden liegenden Baumstämme, Äste sind von Moos überzogen, Flechten und Moos ziehen sich an den meisten Baumstämmen hoch, ein wunderschöner aber auch morbider Anblick. Der Wald wird sich selber überlassen, was krank ist stirbt und fällt um, nur wenn die Baumriesen die Wege versperren, werden sie zerlegt, aber an Ort und Stelle gelassen, um zu vermodern. Ein Wald, wie er den Bildern in Herr der Ringe entspricht. Und wie zur Bestätigung erfahren wir, daß unweit von Manapouri in den Wäldern auch für diesen Film Szenen gedreht wurden.

P1110342P1110364P1110343P1110340P1110367

Kein Wald ohne Geräusche. Wieder einmal begleiten uns die Zikaden mit ihrem Geknarre, Geknarze. Irgendwann nimmt man diese ständigen Laute nicht mehr wahr und ist in der Lage, auch Vogelstimmern zu erkennen. Wir hatten Glück, zwei Exemplare der musikalischen Art konnten wir sogar fotografieren, den Tui de Roy mit seiner weißen Halsfeder und den Toutouwei.

P1110345P1110351

Große Teile der Region müssen vor einigen zehntausend Jahren vergletschert gewesen sein, denn in den durch die Gletscher erzeugten Mulden, aus denen das Wasser nicht abfließen kann, haben sich Moore, die wetlands gebildet, für dass hiesige Ökosystem insofern von sehr großer Bedeutung, als sie große Mengen Wasser speichern und im Falle einer Trockenheit an die angrenzenden Flächen abgeben können. Moorvegetation war zwar erkennbar, geblüht hat leider nichts mehr.

P1110359P1110360

Pilzkenner sind wir nicht, vom sammeln dieser Nahrungsmittel nehmen wir Abstand. Offensichtlich signalisieren einige Exemplare bereits durch ihre Farbgebung, daß sie gefährlich sind. Sie anzuschauen lohnt dennoch.

P1110375P1110362P1110374

Der Trail führt nicht nur durch den Wald. Ab und an sind Ausblicke auf den Waiau River, der den Lake Te Anau mit dem Lake Manapouri verbindet, möglich. Breit ist dieser Fluß, auch wenn er derzeit nicht sein Maximalvolumen erreicht, und hat sich im Verlaufe der Zeit ein tiefes Flußbett geschaffen, wie die Uferabbrüche zeigen.  Der geringe Wasserstand ermöglicht Anglern, an einigen Stellen eines Nebenarmes ihr Glück im Flußbett stehend zu suchen.

P1110335P1110337P1110380

Die Moturau Hut mit ihren 40 Bunkbetten ist gut besucht. Zahlreiche Wanderer sind auf dem Kepler Trail unterwegs und übernachten hier als letzter Station. Hätten wir gewußt, an welch malerischen Stelle des Lake Manapouri, an der sandigen Shallow Bay, diese Schutzhütte des DOC liegt, wären die Badesachen nicht im Camper geblieben. So konnte nur knietief ins Wasser gegangen werden; das Bad im See wurde dann am Abend direkt vor unserem Campingplatz nachgeholt. Kalt war’s, erfrischend, und wir hatten den See für uns allein. So blieb uns an der Hütte im wesentlichen nur der verträumte Blick auf See, Wälder und Berge.

P1110370P1110372P1110371P1110373P1110385P1110397

Diese Wanderung hat Lust auf weitere Abstecher gemacht. Auf dem Weg zum Milford Sound haben wir bereits einige Möglichkeiten für einen Abstecher ins Grüne entdeckt.

Hier im Fjordland bieten sich, wenn man die Fjorde auch per Boot erkunden will, vor allem zwei Möglichkeiten an, der Milford Sound und der Doubtful Sound. Zu ersterem wird man gefahren oder fährt selber gut 2 1/2 Stunden an, um am Fjordende auf ein Ausflugsschiff zu steigen, das die Passagiere gut 1 1/2 Stunden für einen stolzen Preis durch den Fjord fährt, zu zweitem gelangt man per Schiff von Manapouri über den See, anschließender kurzer Fahrt über einen Pass an das Fjordende, um für einen deutlich stolzeren Preis für das Gesamtpaket dann drei Stunden über den Fjord zu cruisen. Während der leicht zugängliche Milford Sound eher von hundert- als von zehntausenden je Jahr besucht wird, scheuen wohl viele die etwas beschwerlichere Reise, die einen ganzen Tag in Anspruch nimmt, zum Doubtful Sound, obgleich dieser um ein vielfaches größer als sein Pendant ist.  Nach längeren Hin und Herüberlegen haben wir uns für die Tagestour zum Doubtful Sound am morgigen 8.2. entschieden.

… und Zikaden begleiten uns

Am Vorabend, als wir einen kleinen Spaziergang von unserem nur 300 Meter vom Meer entfernten Campingplatz zum Strand unternahmen, blies ein kräftiger Wind, gegen den auch ein Fleece wenig ausrichten konnte. Gut durchgeblasen kamen wir sehr bald wieder zum Camper zurück. Der stramme kalte Wind war nur der Vorbote für das, was man sehr kalte Nachttemperaturen nennen kann. Trotz warmer Decke, insbesondere Katrin fror beim oder statt des Schlafens erbärmlich. Um so froher waren wir, als wir die wirkliche Morgensonne begrüßen konnten, die einen sehr warmen Tag einläutete. Hier scheinen die Extreme sehr nah beieinander zu liegen. Temperaturmäßig ist Katrin von ihrem Wunschland sehr enttäuscht – das soll ein Sommer sein? Da trösten auch Hinweise von Einheimischen nicht, an einen derart kalten Sommer könnten auch sie sich nicht erinnern. Klingt ein bisschen nach Beschwichtigung. So bleibt uns nur die Hoffnung, die der Wetterbericht für die nächsten Tage in der dann zu besuchenden Region, das Fjord- (und Berg-)land gemacht hat – es erwartet uns in den nächsten vier Tagen strahlender Sonnenschein und bis Mitte 20 Grad (tagsüber). Darauf lässt sich aufbauen.

Nur noch wenige große Strände liegen heute, den 5.2. vor uns, bevor die Fahrtrichtung grob gesprochen Norden lautet, um in das Fjordland der Insel zu gelangen. Für diese wenigen Strandabschnitte haben wir uns jedoch ganz schön viel Zeit gelassen; Schönes soll man genießen.

Cosy Nook, so die Namensgebung einer kleinen Bucht mit einem kaum zu findenden Strand, die auf den im vorigen Jahrhundert hier seinen Lebensabend verbringenden Hafenmeister von Riverton, der unweit sein Refugium hatte, zurückgeht. Genutzt haben diese sehr steinige aber gut geschützte Bucht einige Jahre auch ein paar Fischer, jetzt wird hier höchstens noch geangelt. Zu Maorizeiten war diese Bucht ebenfalls besiedelt gewesen. Heute stehen hier vier oder fünf Behausungen, in die hineinzublicken bei dem einen oder anderen das Gefühl aufkommen lässt, man sei in einem übervollen Trödelladen gelandet. Dennoch, diese Minisiedlung war etwas besonderes, sie störte nicht, sie “schmückte” die Bucht. Und Schmuck in Form von Muschelschalen, in denen das Perlmutt nur so glänzte, hatte ein Bewohner an seinem Zaun befestigt.

P1110265P1110268P1110272P1110271

Ein strammer Wind geht hier, dem man sich entgegen stemmen muß. Dies gilt nicht nur für Mensch und Tier, in ganz besonderem Maße sind hier die Bäume “gefordert”. Ihre Anpassungsfähigkeit kann man ganz gut erkennen.

P1110277

Während wir um zur Cosy Nook zu gelangen, etliche Schüttelkilometer bewältigen mussten, bekamen wir andere wirkliche Traumstrände quasi im Vorbeifahren frei Haus geliefert. Wäre der stramme Wind nicht, wäre das Wasser nicht durch die aus der Antarktis hier vorbeiströmenden Wassermassen stark abgekühlt und für Normalsterbliche zum schwimmen geeignet, Neuseeland könnte sich des Ansturms sonnen- und badehungriger Gäste nicht erwehren. Aber so nutzen nur die Möwen die ausgedehnten Liegeflächen. Andere Strandabschnitte bestanden demgegenüber aus ausgedehnten Felsformationen. Und so langsam traten beim Blick gen Westen die Höhenzüge des Fjordlandes ins Blickfeld.

P1110281P1110279

Vorletzte Küstenstation war eine kleine Bucht, in der man bei Ebbe auf das Monkey Island und seinen kleinen Hügel trockenen Fuße gehen kann. Dieser kleine etwas vorgeschobene Hügel hatte bei den Maori eine besondere Bedeutung, sowohl hinsichtlich der Stammes- und Herkunftsgeschichte aber auch ganz praktisch als Ausguck nach früher vor dieser Küste auftauchenden Walen. Und während der eine von seinem Stühlchen mit der Angelrute versucht, seinen Fisch zu fangen, schnorcheln andere an den vor dem Ausguck liegenden Felsen, um sich die besten Muscheln zu sichern.

P1110285P1110280P1110283

An der Einfahrt zur Gemstone Beach sind wir vorbeigefahren, uns ist dadurch die Chance entgangen, mit viel Glück einen Halbedelstein zu finden. Nicht verpasst haben wir hingegen McCrackens Rest, wissen jedoch nicht, wie diese Aussichtsstelle zu diesem Namen gekommen ist. Auf jeden Fall war die Aussicht auf die Te Waewae Bay so schön, daß man durchaus hier auch länger Halt machen kann. In der Ferne sichtbar eine kleine Insel, Solander Islands, die vulkanischen Ursprungs ist. Im Westen die Berge des Fjordlandes.

P1110287P1110288

Dann ging es endgültig in Richtung Norden, dem Tagesziel Manapouri am Lake Manapouri entgegen. Die durchfahrene hügelige Landschaft der ersten 50 Kilometer war für Jahrzehnte Grundlage eines besonderen Wirtschaftszweiges, der Sägemühlen, deren Schwerpunkt sich in Tuatapere befunden hat. Die Ergebnisse des intensiven Holzeinschlages kann man gut sehen – riesige landwirtschaftliche genutzte Flächen wohin man blickt, manchmal ergänzt durch Neuanpflanzungen von Nutzholzbäumen. Von der einstigen wirtschaftlichen Herrlichkeit ist heute der Ort meilenweit entfernt, wie er auch sonst irgendwie am Rande liegt. Ein Sägewerk mit einfacher Holzverarbeitung existiert noch; ein Blick auf Lager und verarbeitetes Material zeigt, viel wird hier nicht verarbeitet. Der Ort darbt, siecht wohl vor sich hin und wer kann, sucht sich eine neue Heimat. Dies könnte man meinen, wenn man wie wir auf einer kurzen Strecke von knapp 500 Metern an einer aus dem Ort herausführenden Straße insgesamt 11 zum Verkauf stehende Häuser identifiziert.

P1110293P1110295P1110294

Es wird Zeit, wieder in einem Wald spazieren zu gehen. Der gut 25 Kilometer abseits unserer Strecke liegende kleine Regionalpark zum Schutz der Totara Bäume war unser Ziel. Der Park liegt wirklich fast im Nirgendwo, die Fahrt führte auch fast vollständig über Schotterstraße, aber der Anblick dieser Baummethusalems war fast jeden Umweg wert. Auf unserer kurzen Wanderung durch einen dunklen, feuchten, voller Farne, durch viel Unterholz sehr dichten Wald, in dem selten das Sonnenlicht bis zum Boden durchdringt, werden wir die ganze Zeit von Zikadengeknarrre begleitet. Ein echter Regenwald umgibt uns. Ergänzt wird dieser Dauerton, der mal mehr, mal weniger anschwillt immer wieder von Vogelgezwitscher, ein Gezwitscher, wie wir es bislang bei unseren Wanderungen noch nicht gehört hatten. Leider konnten wir keinen einzigen der Lautmaler erkennen. In einem kleinen für den Besucher zugänglichen Bereich, die Wegstrecke ist kürzer als 1 Kilometer, treffen wir auf gut 20 Totara Bäume von schier unglaublichem Alter. Die hier sichtbaren Exemplare sind etwa1000 Jahre alt; der mächtigste unter den einsehbaren Bäumen hatte einen Stammumfang von 8,31 Metern. Dieser gewaltige Umfang schraubt sich ohne wirklich stark abzunehmen hoch bis in den verasteten Bereich. Die Bäume erreichen eine Höhe, die mit meinem Weitwinkel beim besten Willen und unter allen denkbaren Verrenkungen nicht abgebildet werden kann. Wir schätzten sie auf deutlich mehr als 30 Meter, geht wohl eher auf die 40 Meter zu, denn die Bäume überragen den Rest des Waldes, der weitere sehr hochwachsende Bäume enthält, erheblich. Obgleich der Hinweis auf diesen geschützten Wald in einigen wenigen Broschüren enthalten ist, Massen reisen nicht hierhin, wir waren die einzigen, die vor Ort waren und bei unserer mehr als halbstündigen Anfahrt zu diesem Park wie auch bei der Rückfahrt begegneten wir keinem weiteren Naturliebhaber.

P1110299P1110298

Und noch ein Wald wird heute von uns angesteuert, diesmal umrahmt er einen kleinen See, den Lake Manowei. Warum nur sind alle schönen Plätze im Fjordland immer nur über kilometerlange Schotterpisten erreichbar? Will man den Besucherzuspruch so gering wie möglich halten? Die Fahrt dorthin ist wie immer etwas beschwerlich, denn unser kleiner Camper ist nicht das geborene Fahrzeug für eine schlaglochübersähte Schotterpiste. So ging es auch nur langsam vorwärts. Wie offensichtlich eine große Anzahl der Seen im Fjordland wird das Wasser zur Stromerzeugung genutzt; insbesondere die stromfressende Aluminiumhütte unmittelbar bei Bluff gelegen, ist der Großabnehmer der hier erzeugten Energie. Zu diesem Zweck wurde der vorhandene See durch Bau einer vielleicht 20 Meter hohen Staumauer weiter aufgestaut. Das hat dem Bild des Sees, der einsam und weitgehend verlassen zwischen den Bergen liegt, vom Wald umgeben, ruhig und friedlich scheint, keinen Abbruch getan. Insofern kann man von einem kurzen Spaziergang durch den ursprungsbelassenen alten Wald zu einem kleinen Ausguck an der Spitze einer Landzunge nicht anderes erwarten, als einen Blick in die Tiefe des Sees, der sich vor unseren Augen um diverse Bergrücken drehte. Einzig durch die Möglichkeit, daß hier über eine kleine Rampe auch Boote zu Wasser gelassen werden können, schmälert die Freude, denn wenn das Geknatter der Außenborder hier ertönt, ist es mit der himmlischen Ruhe dahin. Schade.

P1110318P1110321

Spät kamen wir von unserem Abstecher zum Manowai Lake zurück zur Hauptstraße und mussten uns sputen, wollten wir in einer von Touristen stark frequentierten Region noch einen vernünftigen Stellplatz auf einem Campingplatz erhalten. Zügig ging es auf Manapouri zu, jedoch nicht ohne ab und zu der Landschaft entlang der Strecke mehr als nur einen flüchtigen Blick zu schenken.

P1110310P1110327P1110325P1110311P1110312

Wir landeten auf einem kleinen aber toll am See gelegenen Campingplatz mit direktem Zugang zum See. Alles in Butter, wenn nur die Mücken nicht wären, gerade hier in Wassernähe sind sie eine echte Plage. Nicht zu hören, so winzig, daß man sie kaum erkennen kann, geschätzte 2 Millimeter groß, aber ihr Stich/Biß ist dauerhaft schmerzhaft. Es ist wohl an der Zeit, die Chemiekeule herauszuholen, wollen wir ruhig schlafen.

Invercargill

Muß man in Invercargill gewesen sein? Vor 150 Jahren sicherlich, denn damals hatte die Stadt im äußersten Süden der Südinsel eine gewisse Bedeutung. Aber heute, dazu kann man sich erst nach einer ausgiebigen Besichtigung äußern. In diesem Ort sind wir gestern gelandet weil er auf der Strecke liegt und einen zentralen gut ausgestatteten Campingplatz besitzt. Damit sind vorerst unsere Wünsche erfüllt. Nachdem uns aber beim Einchecken die Campingplatzbetreiberin von der Stadt viel Positives berichtet hatte entschieden wir, da ja kein Zeitdruck besteht, am Vormittag die Innenstadt zu erkunden und den Nachmittag im ebenfalls sehr lobend erwähnten Ort Bluff, 30 Kilometer südlich von Invercargill zu verbringen.

Die Stadt kann auf eine mehr als 150-jährige Geschichte blicken; der im Zuge der Urbarmachung des Landes entstandene gewisse Wohlstand aus dem Holzverkauf bildete die Basis für die Stadtentwicklung ab den 80er Jahren des 19. Jhd. Viele Bauten stammen aus dieser Zeit, also Grund, sich auf den Weg zu machen. In dem zwischen Gala und Tay Street sowie Dee Street und Queens Drive liegenden Viertel kann man den wesentlichen Kern des alten Invercargill vermuten. Hier findet man das Civic Theatre von 1906, zahlreiche ehemalige Geschäftshäuser, alte Bankgebäude, das noch intakte Railway Hotel, das WEA Gebäude von 1912 und zahlreiche weitere historische bzw. in den Augen der Stadthistoriker und Stadtvermarkter bedeutsame Gebäude, die alle angepriesen, auf die hingewiesen wird und die man besucht haben sollte. Eine Vielzahl von Baustilen ist für den Fachmann erkennbar, das geht von Art Deco bis zur Viktorianischen Architektur. Wir waren  unterwegs und haben den Innenstadtbereich sowie die sehr großen direkt am Rand der Innenstadt liegenden Parkanlagen durchlaufen und waren – enttäuscht! Nicht von den Grünanlagen, hier kann man nur neidisch sein, wie großzügig deren Gestaltung ausgefallen ist und allen zur Verfügung stehen. Gewiß, manches Gebäude wurde sehr professionell restauriert und strahlt aus, wird entsprechend genutzt. Bei vielen anderen wurde in vielen zurückliegenden Jahrzehnten allerhöchstens der Pinsel zur Kosmetik geschwungen, Bauschäden sind unübersehbar. Dem entspricht dann auch oft die Nutzung der Erdgeschossflächen, Hochwertiges haben wir selten bemerkt. Ehemals schöne Fassaden und Arkaden sind durch die überbordenden Reklametafeln verschandelt worden, vieles wirkt in keiner Weise schön, ansprechend, sondern sehr gewöhnlich. Wie in vielen Städten wurden Baulücken gefüllt, ohne dabei an das Stadtbild, sondern vor allem an den Ertrag aus dem Grundstück zu denken. Die extrem große Zahl zur Vermietung anstehender Geschäftslokale in der Innenstadt lässt auf begrenzte Kaufkraft im Ort und Umland schließen. Auch durch den Ausbau der kleinen Universität, die einige der innenstadtnahen Gewerbebauten inzwischen nutzt, konnte man wohl bislang nicht den Impuls für eine deutlich bessere Stadtentwicklung setzen. Das Gesamtbild fällt entsprechend aus. Wir liefen gut drei Stunden durch die Straßen und waren von dem Vorgefundenen ziemlich enttäuscht, deshalb unser Fazit, bis auf geringe Ausnahmen muß man nicht wirklich in Invercargill gewesen sein.

P1110206P1110212P1110226P1110227P1110210P1110228

Die Ausnahmen : die Parkanlagen, das Southland Museum & Art Gallery und der sehenswerte Watertower aus 1888. Für das Museum muß man Zeit mitbringen, um von den Exponaten und den Schautafeln über Geschichte des Landes, die Schätze der Natur, die gefährdeten Arten hier im Land, das Leben in den “roaring forties unterhalb der Antarktis”, um einige der Themen zu nennen, aber auch von den in der Galerie ausgestellten Bildern großen Nutzen zu ziehen. Die Hoffnung, einen Kiwi in freier Wildbahn zu sehen, hatten wir nie, denn der Vogel ist mehr als scheu und primär nachtaktiv; schön, hier im Museum zumindest mit ausgestopften Exemplaren Bekanntschaft gemacht zu haben. Dieser Besuch war ein Gewinn wie auch der anschließende Gang zum Watertower, dem man seine Funktion auch nicht beim zweiten Blick ansieht.

P1110215P1110218P1110219

P1110222P1110224

Der Ort Bluff wird als der älteste dauerhaft bewohnte Ort Neuseelands genannt, ist Ausgangshafen für die Überfahrt zu den Steward Islands und war früher der wichtigste Hafen im Süden Neuseelands. Früher bezieht sich dabei auf das Ende des 19. Jhd., als insbesondere das hier in Massen geschlagene Holz gen Australien verschifft wurde. Bluff liegt auf einer weit in das Meer hineinragenden kleinen Halbinsel, die eine große Bucht auf westlicher Seite umschließt. Den Stadtvermarktern und der Campingplatzbesitzerin Glauben schenkend, den Ort sollte man nicht verpassen, strebten wir am Nachmittag dorthin. Um das Ergebnis mit einem Kalauer zusammenzufassen : Bluff war ein Bluff. Hier und da stehen als “Heritage” bezeichnete Kulturgüter noch, ihr Zustand ist in fast allen Fällen bedauernswürdig. Charme hat das Nest nicht, wie sollte es auch, als kleine Massengüter abfertigende Hafenstadt ohne besondere Arbeitsmöglichkeiten, sieht man von der in der Nähe liegende Aluminiumschmelze einmal ab. Fährt man durch die Straßen trifft man auf eine große Zahl leerstehender, zum Verlauf stehender, in verwahrlostem Zustand befindliche Häuser; auch die gewerblich nutzbaren Objekte stehen eher leer als das sich ein Mieter gefunden hat. Hier ist man wohl ziemlich am Ende, nicht nur am fast südlichsten Ende der Südinsel. Ein trauriger Ort, der nur aus der Vogelperspektive glänzen konnte.

P1110233 P1110234P1110236P1110238

Einzig der Blick über das Meer hinüber z.B. nach Steward Island, etwa 8 Kilometer entfernt, die Küste entlang, hinüber zu den Leuchttürmen entschädigte etwas für den Bluff, dem wir aufgesessen sind.

P1110241P1110254P1110250P1110244

Da wir somit schneller als geplant unser Besichtigungsprogramm abgeschlossen hatten, ging es am späteren Nachmitttag weiter auf der südlichen “scenic route” nach Riverton, auch ein kleiner Hafenort, der aber im Gegensatz zu Bluff lebt, wo offensichtlich, wohl auch bedingt durch den wunderschönen Strand, die Wirtschaft etwas besser läuft. Hier ließen wir den Tag auf einem strandnahen Campingplatz auslaufen.

P1110256P1110257P1110260

In den Catlins unterwegs

In Richtung Süden der Küste entlang führt eine sogenannte “scenic route”, der zu folgen wir uns entschlossen. Sie führt zumindest auf dem Abschnitt von Dunedin nach Waihola immer nah an der Küste entlang, wieder einmal Gelegenheit, das Wellenspiel zu beobachten, leere Strände auszumachen, beim Aussteigen sich heftig vom Wind durchblasen zu lassen. Kleine Dünen trennen oft die Straße vom Sandstrand, ebenso oft verläuft die Straße aber auch direkt am Wasser entlang, nur durch eine Brandungsmauer getrennt. Heute am Sonntag, den 2.2., dem letzten Ferientag der Schüler, waren wohl viele Familien noch einmal unterwegs und wollten es wissen, zogen zum Strand und gingen, bis auf sehr wenige Ausnahmen, nicht ins Wasser, sondern genossen den sonnigen Tag im Sand und den Dünen.

P1100965P1100963P1100962

Über Waihola, Milton und Balclutha kamen wir dann an unser Tagesziel, wieder am Meer gelegen – wo denn sonst? –, den Ort Kaka Point. Ab Waihala ging es durch eine leicht hügelige Landschaft mit intensiver Landwirtschaft. Die großen Landmaschinenhändler in den Orten zeigen, um was es hier in der Region wirtschaftlich im wesentlichen geht. Von der Bundesstraße 92 mussten wir bei Otanomomo auf eine Nebenstraße die uns seewärts führte, abbiegen und bald ergab sich ein anderes Bild. Der auflandige Wind ist auf Dauer offenbar so stark, daß die Landwirte in Abständen von unter 100 Metern Baumreihen haben stehen lassen oder angelegt, um den Wind, der die Weiden sonst stark austrocknen würde, zu brechen. Diese ewiglangen Baumreihen, sie bestanden meistens nur aus einer einzigen Baumreihe, waren schon ein seltsames Bild. Dann waren wir am frühen Abend hier in Kaka Point, einem kleinen Nest mit schönen Blick und einem wieder unbenutzten Strand, an dem sogar eine Rettungsstation besteht.

Wir waren jetzt in den Catlins gelandet, einem angabegemäß besonderen Highlight auf der Südinsel. Die Region südlich und westlich von unserem Übernachtungsquartier zeichnet sich insbesondere durch eine große Zahl von übersichtlichen oder sehr ausgedehnten Nationalparks aus, deren größter der Catlins Conservation (Rainforest) Park ist. Hier findet man ausgedehnte teilweise im ursprünglichen Zustand erhaltene Wälder, eine hügelige Landschaft, tolle Steilküsten und sanft ins Wasser gehende lange Sandstrände, Zugang zur Tierwelt und immer wieder einen imposanten Blick auf das weite Meer.

Der heutige 3.2. kann unter das Motto gestellt werden : Sonne, Strand, Berge und Tiere. Nur gut 8 Kilometer die Küste hinunter von Kaka Point liegt Nugget Point. Von einer gut 80 Meter aus dem Meer ragenden Steilküste, auf deren vorgeschobenem Ausguck ein alter Leuchtturm von ca. 1880 steht, liegen im Meer eine Reihe von Felsen wahllos verstreut. Einige von ihnen wurden im Verlaufe der Millionen Jahre durch Wind und Wasser so schön geformt, so daß man glaubt, hier lägen große Nuggets. Dieser Punkt ist aus drei weiteren Gründen es wert, angesteuert zu werden. Zum einen sollen in der Roaring Bay, unmittelbar vor dem Leuchtturm gelegen, wieder einmal, gelb-äugige Pinguine sich in einem geschützten Bereich aufhalten aber sichtbar sein. Das mag so sein, gesehen haben wir trotz intensiven Studiums von Bucht und Umland keinen Pinguin; war auch sehr unwahrscheinlich, denn es heißt, frühestens am späten Nachmittag kommen die Pinguine jetzt in der Brüt- und Aufzuchtzeit der Jungen aus ihren Nestern/Höhlen und watscheln gen Meer. Zum zweiten sind einige der vor der Steilküste im Meer liegenden Felsen Ruhestätte, tagsüber, für Seelöwen und Fellrobben. Insbesondere die dunkelhäutigen Seelöwen sind aus der Ferne auf dem dunklen Felsen nur mit Mühe zu erkennen, aber ganz konnten einige sich nicht vor unseren Augen verstecken. Fellrobben hat es auch gegeben, wir haben jedoch keine identifizieren können. Zum dritten ist es von hier oben ein wunderschöner Blick die Küste hinauf und hinunter und in die Weite des Meeres möglich; links wie rechts vom Ausguck die prächtigsten ellenlangen und nicht genutzten Sandstrände, um die wir die Neuseeländer beneiden. Inzwischen ist auch klar, weshalb man hier meistens nicht ins Wasser geht, und wenn, dann oft im Neoprenanzug : die Durchschnittstemperatur des Meeres an der Südküste der Südinsel liegt über lange Zeiträume bei 12 (!) Grad im Badesommer. Das nötigte zusätzlichen Respekt vor denjenigen ab, die den Sprung ins Wasser wagen.

P1100983P1100981P1100991P1100995

Die Catlins sind ja auch eine Hügellandschaft; dies erfuhren wir im wahrsten Sinne des Wortes auf unserem Weg in die Nachbarbucht, die Cannibal Bay. Man kann hierhin zwar auch zu Fuß hinüber über die Berge laufen, unter 3 Stunden nicht zu machen, oder man fährt über kleine Schotterpisten 20 Kilometer hinüber. An einer Abzweigung war zwar ein Hinweis zu sehen, daß die weitere Strecke ziemlich eng sei und deshalb für Campervans nicht geeignet. In dem Glauben, unser kleines Vehikel ist damit sicherlich nicht gemeint, denn wir sind im Grunde nicht breiter als ein normaler Pickup, negierten wir den Hinweis und fuhren vorsichtig die noch fehlenden 8 Kilometer zur Bay. Vorsichtiges Fahren war auch deshalb angesagt, weil u.U. in den Mietbedingungen des Campers eine Schotterpistenklausel enthalten sein dürfte, die eine Haftung bei Unfällen auf diesem Untergrund ausschließt. Wir kamen ohne Schaden an und stellten fest, daß von den hier angeblich sichtbaren Seelöwen und Robben alle anderweitig beschäftigt waren und wir den Strand mit einem einsamen Angler teilen durften. Auch diese Bucht, an der man die Knochen von Menschen, die angeblich dem Kannibalismus zu Opfer gefallen waren, gefunden hat, war eine Wucht. Hier kann man es aushalten, wenn einerseits die Sonne nicht so erbarmungslos brennen und andererseits der Wind eine geringere Stärke entfalten würde. Für diejenigen, denen dies alles nichts ausmacht ist sie eine Topempfehlung.

P1110003P1110002P1110009P1110010P1110006

Bislang auf der Suche nach dem besonderen Tiererlebnis nicht fündig geworden, obgleich wir alle Hinweise auf Fundstellen genutzt hatten, sprachen wir eine gerade ankommende Reisende an. Von ihr kam der Hinweis, in der, wiederum benachbarten, Surat Bay hätte sie am Morgen einige Seelöwen gesichtet. Also Fahrt aufnehmen zur nächsten Bucht. Und immer heißt dies eine Stichstraße zurück zur der der Küste im Hinterland folgenden Straße fahren, um nach einigen Kilometern wieder in Richtung Meer abzubiegen. Die wunderschöne bergige, hügelige Landschaft mit seinen bis in das Meer reichenden Felsen erfordert dies. Dieser Tipp war der Jackpot. Seelöwen sollen an dieser Küste insbesondere bei Ebbe an Land kommen und sich im/auf dem Sandstrand zum dösen hinlegen bzw. teilweise eingraben. Wir liefen den gesamten Strand hinauf und hinunter, benötigten dafür gut zwei Stunden, was auch etwas über die Länge des Strandes aussagt, und trafen auf knapp 30 am Strand liegende oder aus dem Wasser herauswatschelnde Seelöwen sowie, leider, auf eine tote im Wasser liegende Seelöwin. Wenn man die Ruheplätze der Tiere in respektvollem Abstand umkurvt, blinzeln diese, falls sie einen überhaupt wahrnehmen, einmal kurz mit einem Auge und dösen weiter. Ab und an bewegen sich die Riesen, heben den Kopf, gähnen, schauen einen ungläubig an, schaufeln sich mit den Flossen Sand auf den Körper, drehen sich, suchen eine neue Position im Sand. Und das alles kann man in freier Wildbahn ansehen und staunen. Einige kamen zu ihrer Mittagsruhe sehr spät vom Fischfang aus dem Wasser und watschelten Richtung Dünen und Sandbett. Ich bin offensichtlich einer landwärts strebenden Seelöwin etwas zu nah gewesen, denn auf einmal bleckte sie die Zähne und schaltete gleich mehrere Gänge ihres Watschelgangs hoch, um auf mich zuzustürmen. Diese Drohgebärde erfüllte ihren Zweck, ich blieb diesem Tier fern. Seelöwen lagen manchmal in kleinen Gruppen unmittelbar nebeneinander im Sand, oft jedoch bevorzugten sie Einzellage. Auf unserem Rückweg konnten wir mitansehen, wie offensichtlich ein junger Seelöwe und eine junge Seelöwin, beäugt von einem ausgewachsenen Tier umeinander warben, miteinander spielten. Für uns war dieser ausdauernde Strandspaziergang ein ganz besonderes Erlebnis.

P1110012P1110016P1110043P1110051P1110061P1110073P1110079P1110084P1110093P1110100P1110102P1110104

Was sollte jetzt noch kommen? Sicherlich keine derartigen Tierbegegnungen zumindest am heutigen Tag, dafür aber andere Einblicke in die Landschaft der Catlins und der Besuch eines kleinen aber feinen Wasserfalls, der Purakaunui Falls, in einem der kleineren Naturparks mit einem sehr sehenswerten alten Baumbestand der Catlins gelegen, weitere Traumstrände mit sehr kaltem Wasser, einer Bucht, an der der ursprüngliche Wald noch bis an das Wasser heranreicht und bis zu 1000 Jahre alte Bäume enthalten soll, Berg- und Meersichten, Fahrten über selten genutzte Pisten – auch Umwege sind manchmal besonders interessant – und Ortschaften, die auf Landkarten vieltausendfache Einwohnerzahl vermuten lassen, aber innerhalb von zwei Minuten durchfahren sind. Angekommen sind wir dann am frühen Abend in der Nähe der McLean Falls auf einem Komfortcampingplatz.

P1110111P1110114P1110117P1110119P1110120P1110122

Auch für Dienstag den 3.2. hatten die Wetterfrösche strahlendes Wetter prognostiziert, gerade richtig, wenn man gemütlich an der Küste entlang fahren will. Um so enttäuschter waren wir frühmorgens einen sehr bedeckten Himmel festzustellen. Der Tag fing also nicht gerade verheißungsvoll an, aber das sollte sich erheblich ändern.

Bei diesem Wetter fiel unsere geplante Kurzwanderung zu den McLean Falls abgehend von unserem Campingplatz aus und wir starteten, nachdem die Buchung für unseren Camper in Tasmanien durchgezogen war, zu unserer Fahrt auf der besagten “scenic route”. Die Catlins zeigten sich von der richtigen Seite, d.h. viele, oft noch wilde und ursprüngliche Wälder durch die Einrichtung verschiedener Parks geschützt, wurden durchfahren, der dunkle Himmel passte zu dem dunklen, manchmal sehr durch den Wind zerzausten Grün. Über die Hügel zogen sich Wiesen und Weiden, Vieh graste, Mensch raste nicht.

P1110127

Unser Besuchsprogramm des Tages umfasste die Anfahrt einiger Buchten – was denn sonst -, meistens auf der Suche nach den bislang verpassten Hektor Delphinen, die auch in dieser Region in der einen oder anderen Bucht zu finden sein sollen. Katrins erster Wunsch war, in die Purpoise Bay gefahren zu werden. Im zweiten Versuch fanden wir auch die passende Abfahrt von unserer Hauptstrecke in Richtung Meer, natürlich war es eine geschotterte Straße. Unsere Karte wies nach etwa 4 Kilometern bei Progress Valley eine nach Westen führende Abzweigung auf, die wir aber nie fanden; stattdessen folgten wir dem einmal eingeschlagenen Sträßlein gute 14 Kilometer um dann von einem verschlossenen Zaun an der Weiterfahrt gehindert zu werden. Auf dem sehr langsam bewältigten Rückweg wurde uns auch klar, diese Straße hätte auf keinen Fall zum gewünschten Ziel geführt, die richtige Straße war aber auch nicht zu entdecken. Stattdessen konnten wir auch hier das Ergebnis intensiver “Forst”wirtschaft bzw. Holzeinschlag in den ursprünglichen Wald ausgiebig besichtigen, lagen doch zahlreiche Weiden voll von Restholz. Also ging es zurück auf die Sightseeingstrecke und an der Waikawa Bucht in den gleichnamigen Ort. Dieser bestand aus wenigen Häusern, kann jedoch auf eine beachtliche Geschichte verweisen, weshalb es sogar ein kleines Museum im Dorfe gibt. Mitte des 19. Jhd. war der Ort nur von See aus zu erreichen, verfügte aber kurze Zeit später bereits über einen Krämerladen, einen Bäcker und Metzger, ein Hotel und ein Postamt, nachdem man 1870 an das große Wegenetz des Landes angeschlossen worden war. Das war dann wohl auch die Zeit, in der nicht nur ein kleines Kirchlein errichtet, sondern auch Bedarf für ein lokales Gefängnis bestand. Praktisch, wenn der Dorfschmied daneben einquartiert ist, gilt es doch, den Delinquenten in Eisen zu legen. Die vor dem Kirchlein über den Zaun gehängten Hufeisen erinnern an den früheren Hufschmied.

P1110126P1110129P1110132

Hinter Waikawa öffnet sich die Bucht weit auf, wie üblich zeigt sich ein riesiger Sandstrand von einer hohen Düne begrenzt. Auf die Düne geklettert sahen wir weiter im Westen unseres Standpunktes eine weit in die Bucht hineinragende Landzunge, auf der sich offensichtlich Menschen befanden, ein besserer Aussichtspunkt als der aktuelle. Als wir auf diese Stichstraße zufuhren, bemerkten wir den Hinweis auf einen Campingplatz, Zugang nur für deren Nutzer, zu denen wir nicht zählten. Fast wären wir abgedreht wenn ich nicht gemeint hätte, ansehen könne man sich den Platz ja einmal und dabei auch die Aussicht genießen. Diese Entscheidung war die beste des Tages, denn einer von Katrins lang gehegten Wünschen wurde erfüllt. Vor dem Ausguck des Campingplatzes und dem noch darüber befindlichen Hügel lag ein wunderschöner Strand vor uns, auf den die Wellen gleichförmig zurollten. Nach Katrins Leseart blickten wir auf die Curio Bay. Über eine kleine Landenge ging es hinauf auf den höchsten Aussichtspunkt an diesem Flecken; unter uns Felstürme, auf denen eine ganze Anzahl von Kormoranen sich pflegte. Von niedrigeren Lagen aus versuchten Angler ihr Glück. Wir hatten Glück, denn ab und an machte sich einer oder mehrere der meistens inaktiven Vögel sich auf den Weg in die Lüfte. Die an- und abrollenden Wellen ließen das Seegras tanzen und sorgen manchmal für eine kräftige Dusche der Felsen. Alles ganz entspannend und mit Freude zu genießen.

P1110133P1110134P1110136P1110150P1110153P1110144P1110180P1110160

Während ich auf dem Ausguck mich umsah, lief Katrin auf einmal Richtung Campingplatz und rief mir zu, sie müsse mal nach unten. An ihre schwache Blase mich erinnernd glaubte ich den Grund zu kennen. Eine gute Viertelstunde später, ich hatte meinen Rundgang beendet und blickte auf die unter uns liegende große Bucht, glaubte ich von weitem so etwas wie Flossen im Wasser zu erkennen, mehrere fast nebeneinander. Gibt es hier doch Delphine? Also ging auch ich in Richtung Strand und fand dort Katrin mit einer Reihe anderer Wellengucker – alle blickten angestrengt auf die Wellen, vor ihnen stand jemand im Neoprenanzug brusthoch im Wasser. Ja, hier vor unseren Augen schwammen die gesuchten Hektor Delphine herum, die Katrin gesucht hatte. Wir waren nicht in der Curio Bay gelandet, sondern hatten, endlich, die Porpoise Bay gefunden. Lange standen wir und konnten immer wieder sehen, wie nah die Delphine an das Ufer kamen, wie sie die im Wasser stehende Frau umschwammen. Aber Katrin war nicht zu bewegen, auch in das zugegebenermaßen sehr kalte Wasser zu steigen, wollte sie doch mit Delphinen schwimmen! Wir waren fast dabei abzufahren, besann sich Katrin eines besseren und wollte ihre Badesachen herauskramen. Inzwischen waren weitere Schwimmer, oft im Neoprenanzug, ins Wasser gegangen, zu denen sich Katrin in ihrem Bikini gesellte. Mir war es zu kalt, deshalb blieb mir die Aufgabe, dies zu dokumentieren. Mindestens 10 Minuten hielt Katrin es bei den geschätzten 12-14 Grad warmen Wasser aus, bewegte sich, um einigermaßen warm zu bleiben. Sie wurde richtig belohnt. Immer wieder kamen einzelne Delphine oder Gruppen von Delphinen auf sie zu geschwommen, um im Abstand von 1 bis 1 1/2 Meter abzudrehen. Die Tiere sind sehr neugierig, und wenn man sich ruhig verhält, weckt man auch ihr Interesse sich zu nähern. Die Hektor-Delphine sind sehr klein, nach Katrins Einschätzung erreichen sich etwa 1 Meter. Einmal hat sie sogar Auge in Auge einem Delphin gegenüber “gestanden”. Als Katrin aus dem Wasser kam, fröstelte sie, aber innerlich war ihr enorm wohl, ein so beeindruckendes Tiererlebnis erfahren zu können. Da hat es der Zufall richtig gut mit uns gemeint. Dem Dokumentaristen ist es leider nicht gelungen, diese besonderen Tierbegegnungen auch nur annähernd anschaulich festzuhalten; sichtbar sind ab und an die Flossen oder ein Rücken des oder der Delphine. Die schemenhaften Umrisse können nur erahnt werden.

P1110189P1110197P1110195

Was als kleiner “Ausflug” zu einem Ausguck begann, endete mit einem überragenden Erlebnis, viele Glückshormone wurden dabei ausgeschüttet. Erst nach 15:00 Uhr stiegen wir wieder in den Wagen, um dann in die Curio Bay/Tumu Toka zu fahren, die gleich nebenan liegt. Hier sollen einige gelb-äugige Pinguine brüten, aber auch Reste eines vor 180 Millionen Jahren versteinerten Waldes bei Ebbe zu sehen sein. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, denn ab etwa 12:00 Uhr hat die Flut eingesetzt, um in einem abgegrenzten Bereich einige versteinerte Baumstämme zu sehen. Die Pinguine blieben um diese Zeit in ihren Nestern, werden sie, wie es heißt, erst am späten Nachmittag richtig aktiv in der Öffentlichkeit – dann ist diese aber zu Recht ausgeschlossen, denn die Population ist generell in ihrem Bestand gefährdet.

P1110202P1110203P1110201

Weiter ging es auf einer kleinen und deshalb auch geschotterten Küstenstraße in Richtung Fortrose, am westlichen Rand der Catlins gelegen. Noch einmal konnten wir die zunehmend flacher werdende Hügellandschaft, die zerklüftete Küste, die immer kleiner werden Wälder in uns aufnehmen. Intensive Landwirtschaft prägte zunehmend das Bild, erinnerte anfangs an unsere Mittelgebirge, je näher wir aber über Fortrose hinausgefahren an unser Tagesziel Invercargill kamen, desto flacher wurde das Land, und die Wiesen und Weiden hatten andere Dimensionen als zuvor, ein Bild wie aus Schleswig-Holstein. Im Unterschied zu diesem nördlichsten Bundesland – hier stehen deutlich mehr Kühe und Stiere auf einem Hektar Weideland als dort. Der wenig verheißungsvolle Tag hatte einen ungeahnten tollen Verlauf genommen, von dem insbesondere Katrin noch lange wird zehren können, konnte sie doch mit den Delphinen schwimmen.

Dunedin

Dunedin heißt es, sei die am besten erhaltene Stadt mit victorianischen und edwardianischen kulturellen Erbe, was sich an der Baukultur insbesondere widerspiegelt. Insofern kann man hier klein England erwarten, so auch unsere Erwartung. Die Geschichte der Stadt beginnt nicht erst mit der Ankunft der ersten Siedler um 1850, oder den bereits ab 1820  hier anlandenden Walfängern, sondern mit der Ankunft der ersten Maori um das Jahr 1100. Bislang haben wir über die Besiedlung durch die Maori noch wenig erfahren, wir setzten auf die gut bestückten Museen auf der Nordinsel. Dennoch, auch im Alltagsleben sind Bezüge zur Maorikultur spürbar, ist wahrzunehmen, wie man sich als Neuseeländer auch der Kultur der Urbevölkerung erinnert. In vielen Fällen wird man mit einer Maori-Begrüßung angesprochen. Der größere Anteil der Erstsiedler aus der neuen Welt stammte aus Schottland, auch Menschen mit einem besonderen Nationalstolz. Da ist es nur natürlich, wenn die neu gegründete Stadt nach der eigenen Hauptstadt, Edinburgh, genannt wird, natürlich dann auf gälisch, d.h. Dunedin. Nicht wirklich überraschend zu lesen war, daß bereits mit den ersten Siedlern auch Prediger ankamen, um ihre Kirche hier zu vertreten. Dabei hatte die presbyterianische Kirche mit ihrem Pfarrer Burns die Nase vorn, denn er war schon 1848 (?) vor Ort, so m.E. eine Tafel in der Ersten Presbyterianischen Kirche von Dunedin. Diese Kirche besitzt ein fast quadratisches Kirchenschiff, an das ein Chor gebaut wurde und wirkt im Inneren durch seine Schlichtheit.

P1100869P1100841P1100870

In heutigen Maßstäben nicht weit von der Stadt entfernt, wurde im 19. Jhd. Gold gefunden, eine Quelle des späteren Reichtums. Eine große Kolonie chinesischstämmiger Bewohner geht auf einen großen Zustrom zu Goldgräberzeiten zurück; das besondere Geschick der Asiaten trug ebenfalls zum Wohlstandsgewinn der jungen Stadt bei. Dieser Wohlstand aber auch der Bezug zur alten Herkunftsheimat England prägte in vielen Fällen die auch heute noch zu bestaunenden Bauten. Für Mitteleuropäer wie wir sind manche der gefundenen Baustile stark gewöhnungsbedürftig. Dies gilt insbesondere für die historischen Anleihen, das extrem verspielte in manchen der dennoch anmutigen Bauten.

Es heißt, die Dunedin Railway Station, m.E. erst nach 1900 erbaut, sei das meistfotografierte Objekt Neuseelands; kann durchaus sein, denn auch wir haben es uns von allen Seiten angesehen, seine alten Fahrkartenschalter bestaunt, nicht zuletzt auch deshalb, weil in unmittelbarer Nachbarschaft samstags ein  Bauernmarkt stattfindet.

P1100854P1100847P1100851

Mindestens ebenso interessant ist es, einen Blick auf das alte Gefängnis, auch heute noch in Gebrauch und das direkt daneben liegende prunkvolle Gerichtsgebäude zu werfen.

P1100843P1100856P1100858

Das “Octagon” ist der zentrale historische Platz der Stadt. Natürlich gruppieren sich hier herum besonders bedeutsame Gebäude. Die St.Paul’s Kathedrale ist eines davon, obgleich dieses anglikanische Kirchengebäude bei weitem nicht das älteste ist. Überraschend auch die Feststellung, daß es zum Bau dieses imposanten Gebäudes erst einer Schenkung mit der Auflage verbunden, den gestifteten Betrag zu verdoppeln bedurfte, um Anfang des 20. Jhd. mit dem Bau zu beginnen. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde dann der Chorraum hinzugefügt, das Geld für den vollständigen Bau der Kathedrale fehlte einfach. Diese Gebäude wie auch viele andere für das Stadtbild von damals wichtige Häuser wurden aus Sandstein gebaut bzw. die Fassaden mit diesem im Süden der Insel abbaubaren Stein verkleidet.

P1100864

Und wie es sich an solch einem Platz gehört, auch die Stadtoberen und ihre Verwaltung wollen sich präsentieren; die reichen Händler, der Hafen und die Goldgräber lieferten die Grundlagen für den damaligen Wohlstand.

P1100861

Das Rathaus sieht zwar ganz schön alt aus, wurde zwischen 1876 und 1880 gebaut. Die ursprüngliche Absicht, eine Art Volkshalle anzuschließen, wurde/konnte bis heute nicht umgesetzt werden. An deren Stelle muß der Bürger mit einem häßlichen Funktionalbau aus Beton vorliebnehmen.

Geht man durch die Straßen der Innenstadt begegnet man immer wieder wunderschön restaurierten alten Gebäuden aus der Gründerzeit Dunedins. Auffallend viele Handels-  und Bankgebäude von sehr großem Ausmaß schmücken die Straßen. Nicht immer entspricht die heutige Nutzung der Ladenlokale unserem Geschmack bzw. entspricht nicht unbedingt dem Stil des Hauses. Zu diesen gewöhnungsbedürftigen Nutzungen alter Gebäude gehören auch die zahlreichen um das Octagon herum befindlichen Gaststätten und Pubs. Für das Leben in der Stadt sind diese jedoch von besonderer Bedeutung. Während wir am Freitagnachmittag auf dem Weg zur Touristenauskunft am Octagon landeten und auf eine lebhafte, geschäftige, volle Innenstadt trafen, konnten wir die Besucher der Innenstadt am Samstagvormittag und –mittag, bei leider im Vortagsvergleich bedeckten Himmel, fast mit Handschlag begrüßen. Samstag und kaum einer bewegt sich in der Innenstadt! Heißt das, das Zentrum wird nur durch die hier arbeitenden Menschen an Wochentagen belebt?

Am Octagon befindet sich auch die Dunedin Public Art Gallery, für uns aus zwei Gründen am Samstag von Interesse. Zum einen um zu sehen, was hier so gezeigt wird, zum anderen gibt es in öffentlichen Gebäuden oft kostenlosen Internetzugang, den wir dringend benötigten. Letztere Möglichkeit war nur sehr begrenzt gegeben, dafür wurden wir jedoch mit einer beeindruckenden Ausstellung von Linolschnitten aus den 30ger Jahren des vorigen Jahrhunderts mehr als entschädigt. Unglaublich, wie die hier ausgestellten Künstler es vermocht haben, auch sehr dynamische Eindrücke in mehreren Farben auf Linol zu schneiden und dann in einer kaum vorstellbaren Präzision zu drucken. Linolschnitte, so heißt es, war auch der Versuch, die Kunst für den kleinen Mann, das Volk erschwinglich zu machen.

P1100865P1100867

Mit den von zumindest in Neuseeland sehr anerkannten Installationskünstlern ausgestellten Lichtinstallationen konnten wir hingegen wenig bis nichts anfangen.

Fast zwei Nachmittagsstunden verbrachten wir in der öffentlichen Bibliothek und  nutzten deren Internetmöglichkeiten, um unsere Flugmöglichkeiten von Sydney nach Hobart zu checken und nach einem günstigen Quartier in der Nähe von Sydneys Flughafen zu suchen.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz kamen wir an einem Playground vorbei, auf dem nun wohl Hobbymannschaften  im Kricket gegeneinander spielten und sahen kurz zu. Zu uns gesellte sich Ian, ein waschechter Dunediner. Wir baten ihn, uns diesen für uns sehr unbekannten Sport zu erklären, was er auch ausführlich, aber auf Grund seines stark dialektgefärbten und extrem schnell gesprochenen Englisch – oder war es doch eine andere Sprache? – für uns nicht in jeder Einzelheit verständlich versuchte. Das eine oder andere der Regeln haben wir verstanden, aber bei weitem nicht die Feinheiten. Insbesondere Katrin unterhielt sich dann mit ihm über dit un’ dat und zum Schluß, unvermeidlich, über das nicht gerade sommerliche Wetter, zumindest nach unserer Auffassung. Trocken und ohne eine Spur von Zweifel meinte Ian darauf, die heutigen 17 Grad wären doch warm, viel wärmer würde es eh nicht. Das sei hier der Sommer. Na dann haben wir die warmen Sachen wirklich zu früh Richtung Heimat verschickt!

Unser Campingplatz liegt ja in unmittelbarer Nähe zu einem großen Strand; was liegt näher, als diesem so weit wie möglich entlang zu laufen. Und wieder einmal ein Strand, von dem man träumen kann, bei Ebbe ein unendlich breiter Sandstrand und im Rücken eine mächtige Düne. Man kann in jede Richtung kilometerlang laufen, wir machten uns nur in eine Richtung auf den Weg und verschätzten uns erheblich, als wir wieder landeinwärts zu unserem Campingplatz kommen wollten. Angekommen sind wir; das Gehen im Sand fordert ganz andere Muskelpartien als auf der Straße, wie wir wieder einmal feststellen konnten. Morgen geht es dann auf die vor Dunedin gelegene Halbinsel Otago.

P1100820P1100827P1100834P1100835

Von allen Seiten wird man darauf hingewiesen, ja nicht zu versäumen, die direkt bei Dunedin gelegene  Halbinsel Otago zu besuchen. Gestern hatten wir uns richtig entschieden und blieben bei dem mehr als bedeckten Himmel in der Stadt und verschoben den Ausflug auf heute, den 2.2.. Wir lagen richtig, denn heute Morgen schien die Sonne und der Himmel war nur teilweise bewölkt. Das richtige Wetter, um die Landschaft der Halbinsel zu genießen.

Angepriesen werden vor allem Besuche bei den nur in einer sehr kleinen Kolonie hier noch lebenden gelb-äugigen Pinguine, die Albatrosse am Taroa Head und die sich dort oft auf den Felsen lümmelnden Seerobben. Von einer aus Fellbach stammenden mit uns in Dunedin übernachtenden Camperin erhielten wir den Ratschlag, diesen Anpreisungen nicht zu folgen. Sie hat am Samstag alle Angebote für teuer Geld in Anspruch genommen und hat im Grunde nichts zu sehen bekommen, ausgenommen die Fellrobben. Tiere haben halt so ihre Eigenarten und warten nicht auf uns Besucher. Die Pinguine tauchen, so ist zu hören, wenn dann in der Abenddämmerung auf. Dann ist bei einem frühen Ausflug die Enttäuschung vorprogrammiert. Für zwei Ausflüge jeweils gut 40 Euro pro Person hinzulegen und anschließend wegen der fehlenden Tierbeobachtung gefrustet weiter zu fahren, wollten wir nicht. Man kann auch ohne diese kommerziellen Ausflüge die Halbinsel ganz gut erkunden, was sich bei uns bis in den  Nachmitttag hinzog.

Otago ist eine von Höhenzügen durchkreuzte Halbinsel mit unendlich vielen Buchten, die alle mehr oder weniger zum baden einladen, wäre da nicht die sehr niedrige Badetemperatur und der starke Wind. An den Dutzenden Badestellen sahen wir niemanden, der es ins Wasser wagte. In der Nähe von Dunedin sind die Hügel, Aussichts- und Wasserlagen intensiv bebaut; viele Häuser haben sehr viele Jahrzehnte schon auf dem Buckel, die früheren Generationen, die über das notwendige Kapital verfügten, wußten sehr wohl, wo eine interessante Wohnlage besteht. Je weiter man jedoch sich von Dunedin entfernt, die Halbinsel ist etwa 20 Kilometer lang, desto ländlicher wird es. Die Häuser sind von einfacherer Bauart aber oft nicht weniger interessant anzusehen wie die Millionenbauten. Felder und Wiesen, oft von Schafen beweidet, dominieren. Interessant auch zu sehen, wie häufig hier zumindest Teile eines Waldes stehen gelassen wurden, wahrscheinlich um als Windschutz oder –brecher zu dienen. Manchmal sprangen die kleinen Höhenzüge etwas zurück, manchmal begleiteten sie uns auf der Fahrt über die Küstenstraße, die an der Nordwestseite von Otago entlang verläuft. Ein Pendant hierzu verläuft ab Portobello auf dem Bergrücken in gleicher Richtung; hiervon zweigen einige Stichstraßen in Richtung Ostküste ab, oft nicht asphaltiert, aber durchaus befahrbar. Uns hat es unheimlich viel Freude bereitet, in angemessenem ruhigen Tempo die Küstenstraße zu befahren, die sehr abwechslungsreiche Küstenlandschaft aufnehmen zu können.

P1100875_thumbP1100877_thumbP1100879_thumbP1100928_thumbP1100904_thumb

Besiedelt wurde die Halbinsel von den Einwanderer sehr früh. Ein Gang über einen kleinen am Ortsrand liegenden alten Friedhof führt zu Grabmalen, die aus 1853 stammen. Ab und an fallen auch im Vorbeifahren oder wenn man anhält und durch eine der kleinen wassernahen Dörfer läuft Häuser und Häuschen auf, die deutlich mehr als ein Jahrhundert Nutzung hinter sich gebracht haben. Manche wurden besonders herausgeputzt, wie das Fletcher Haus in Broad Bay, andere einfach nur ansprechend in Stand gehalten.

P1100882_thumbP1100887_thumb

P1100901_thumb

Sowohl hier, oft in exponierter toller Aussichtslage, als auch in der Stadt Dunedin sind zahlreiche der stilvoll gestalteten Häuser aus dem Ende des 19. Jhd. zu finden.

Auch auf der Halbinsel gab Auswirkungen der letzten Erdbeben. Das Marine Center auf einer Halbinsel vor Portobello besitzt ein interessantes Aquarium mit Meeresfischen, das wegen Erdbebenschäden seit drei Jahren geschlossen ist. Die Lage des Marine Centers reizte uns dennoch zu diesem Abstecher, konnten wir so einen Blick auf die Isolationsinsel werfen, die etwa 100 Meter vor der Halbinsel im Sund liegt. Hier wurden von 1880 bis 1940 erkannte kranke Einwanderer erst einmal vor dem Rest der Insulaner in Sicherheit gebracht und isoliert.

P1100894_thumbP1100896_thumb

Die Küstenstraße endet in Taiaroa Head; hier befand sich einmal eine Festungsanlage, wichtiger heute ist das Royal Albatros Center und die, zugegeben seltene, Möglichkeit, die Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Hier ist man nicht auf spanische oder französische Gäste, schon gar nicht auf deutsche eingestellt, sondern im Fokus stehen Japaner und Chinesen. Wie zum Beweis der auf Hinweisschildern entsprechenden Sprachen tauchen Besucher aus diesen Regionen auch mindestens in Hundertschaften auf, in großen Gruppen per Bus oder als Großfamilie mit dem entsprechenden Campmobil. Auch auf den von uns besuchten Campingplätzen war der Anteil asiatischer Reisender extrem hoch. Wie am Ende einer Insel üblich, sieht man einen Leuchtturm, oft einen steil abfallenden Felsen und das Meer. Wir hatten dann das Glück, einige faul auf der Haut und Felsen liegende Fellrobben am Ufer zu entdecken. Katrins anfängliche Begeisterung, sie habe vielleicht doch einen Albatros entdeckt, entpuppte sich nicht als Ente aber als eine sehr große Möwe. Schade.

P1100909_thumbP1100915_thumbP1100920_thumb

Und dann begann fast der schönste Teil unserer heutigen Ausflugs. Ich wollte gerne an die Ostküste über eine Stichstraße fahren, was problemlos gelang. Beim Versuch, auf die über die Inselhügel verlaufende Straße zu gelangen, sind wir falsch abgebogen und landeten zu unserer großen Freude am Sandymount. Vom Parkplatz war es nur ein kurzer gut 1 Kilometer langer Fußweg, der uns anfangs durch eine dicht gewachsene Baumallee führte, um einen besonderen Aussichtspunkt, the Chasm, zu erreichen. Ein weiter fast Rundumblick in das Hoopers Inlet, die Hügelkette vor Portobello, auf Allans Beach – ohne irgendeinen Nutzer –, den gegenüberliegenden Mount Charles und natürlich das weite Meer gab es hier.  Allein dieser Blick war es wert, auf die Halbinsel gefahren zu sein.

P1100959_thumbP1100930_thumbP1100944_thumb1P1100946_thumbP1100960_thumb1P1100937_thumb

Den Besuch eines wirklichen Schlosses hier auf der Halbinsel, Larnach Castle, 1871 gebaut, um zu imponieren, aber nicht wirklich in diese Landschaft gehörend, schenkten wir uns. Es war auch Zeit, weiter in Richtung Süden zu den Catlins zu fahren.

Von Mount Cook nach Dunedin

Früher als erwartet von der Wanderung am Camper zurück konnten wir ein neues Ziel für den Rest des Tages festlegen. Twizel, praktisch nur den Lake Pukaki zurück fahren, lag zu nahe. Der nächste akzeptable Campingplatz lag in Kurow.

Im Rückspiegel Mount Cook, ein kaum von einer Wolke gestörter Blick, linker Hand der Lake Pukaki mit seiner milchiggrünen Farbe, gesäumt von kleineren Bergen, eine Fahrt, die Spaß machte. Wir ließen uns Zeit, schenkten der Umgebung immer wieder auch bei Stops unsere Aufmerksamkeit, und wurden immer wieder von Schnellfahrern überholt. So können die 55 Kilometer gerne über eine Stunde in Anspruch nehmen. Twizel, entstanden im Zuge des Baus eines großen Wasserkraftwerkes in der Nähe, lebt offensichtlich vom Tourismus und der Nähe zu Mount Cook. Knapp 1000 Einwohner aber zwei große Supermärkte, übertroffen noch von den drei sich in näherer Umgebung befindlichen Campingplätzen, zeichnen Twizel aus, also ein Ort zum Durchfahren.

Hinter Twizel weitet sich die Landschaft auf, die Berge rücken deutlich in den Hintergrund, der Umfang der Landwirtschaft nimmt erkennbar zu, Felder werden größer, die Herden auch.

P1100710P1100712P1100713P1100716

Trocken scheint es hier zu sein. Darauf weist die eher ockerfarbige ehemals Gras darstellende Vegetation immer wieder hin. Dort wo möglich, wird mit riesigen Bewässerungsanlagen, deren Rohrsystem nach unserer Schätzung bis zu 500 Meter lang ist, die Weide gewässert, damit genügend Futtermittel für die großen Viehbestände erzeugt werden. Den entsprechenden Landmaschinenhändlern muß es richtig gut gehen, denn diese Großanlagen stehen hier nicht vereinzelt, sondern eher zu hunderten auf den Wiesen. Auf Grund ihrer Größe können sie wohl nicht umgesetzt werden, so daß praktisch je wichtiger Weide eine Anlage installiert werden muß. Wahrlich kapitalintensiv. Wenige Kilometer südlich von Twizel reiben wir unsere Augen als wir ein Schild erkennen, das auf ein Skigebiet hinweist, gleichzeitig jedoch mitteilt, daß die Anlage derzeit geschlossen sei. Am Lake Ohau befindet sich ein Skigebiet; die hier bis über 2.000 Meter aufragenden Berge erlauben im Winter Skifahren.

In Omarama zweigen wir in das Waitakital ab, ein malerisches, manchmal sogar enges Tal. Der Waitakifluß hat eine besondere Bedeutung für das Land, weniger wegen der auch hier bestehenden Maorivergangenheit, sondern aus wirtschaftlichen Gründen, denn der Fluß wurde an drei Stellen zu riesigen Seen aufgestaut, um Wasserkraftwerke zu betreiben. Das erste wurde 1928 bei Kurow in Betrieb genommen und erfüllt seine Funktion immer noch. Der Staudamm bei Kurow gehört eher zu den kleineren entlang des Flusses. Die weiter flußaufwärts liegenden Dämme bei Otematata und bei Aviemore weisen eine andere Größenordnung auf.

P1100720P1100722P1100734

Staudämme erzeugen Seen und im vorliegenden Fall kann man diese zumindest teilweise umfahren und vermeidet dabei die Rennbahn Richtung Oamaru. Um den aufgestauten Lake Aviemore kann man über 20 Kilometer herumfahren, links Wald und Berg, rechts der See, immer am See entlang. Es hatte am Nachmittag gut aufgebriest, hier an dem lang gestreckten See konnte man gut erkennen, wie durch den Wind sehr schöne lange und vergleichsweise hohe Wellen aufgebaut wurden. Ideal für Segler, von denen keiner in Sicht war. Ist hier in Neuseeland das sogenannte “freedomcamping” sehr eingeschränkt, man kann fast nur noch auf offiziellen Campgrounds über Nacht stehen, erstaunte uns festzustellen, das entlang der Ostseite des Sees in kurzen Abständen auf den schmalen Wiesen am See Wohnwagen standen, ohne daß es sich hier erkennbar um einen offiziellen Campingplatz handelt. es geht also doch, nur erwischen lassen darf man sich nicht. Wir steuerten unseren Kiwi-Campingplatz in Kurow an, gingen auf Nummer sicher. Kaum besucht, aber sehr schön gelegen war dieser Platz, denn er grenzte an den Fluß.

P1100725P1100729P1100731

Obgleich wir noch nicht in Australien sondern hier in Neuseeland reisen, es sieht so aus, als ob Katrin ihr erstes Känguru in freier Wildbahn entdeckt hat. Das diese Tiere hier im Land vorkommen, ist mir neu, aber der Blick auf das Foto überzeugte mich. Ich hatte im Vorbeifahren das bräunliche Fell eher für ein Stück Rotwild gehalten, Katrin forderte mich auf, zu dem am Straßenrand liegenden Fell zurück zu setzen und dokumentierte das Gesehene. Schade, lebend das Tier zu sehen hätte uns Freude bereitet. So bleibt für uns und insbesondere Katrin die Frage ungeklärt, wie kommt dieses Tier auf diese Insel!

P1100728

Auch Siedler benötigen wohl kirchlichen Zuspruch, immer wieder stoßen wir auf unserer Fahrt auf kleine Kirchlein, errichtet Mitte 1800. Manchen sieht man an, das Mittel nicht unbegrenzt vorhanden waren, andere wiederum wurden wohl erheblich von der Heimatkirche in England gesponsert, so daß im viktorianischen Stil Prachtbauten errichtet werden konnten. Anglikanische Kirche und die presbyterianische Kirche wetteiferten wohl um die Gunst der Gläubigen. Heute sind die Kirchen meist geschlossen und obgleich oft sehr klein gebaut, füllen sie sich nicht, zu wenig Menschen leben in deren Umfeld.

P1100735P1100736P1100743P1100744

Unser Interesse an historischen Wandmalereien war je bereits in Chile/Argentinien geweckt worden, deshalb bogen wir gerne ab, um uns die auf Maori zurückgehenden Wandmalereien in Takiroa anzusehen. Wir wurden enttäuscht. Der größte Teil der Abbildungen wurde vor vielen Jahrzehnten von interessierten Altertumssammlern und Museen freudig den Räubern abgenommen, der Rest ist nahezu unscheinbar und kaum erkennbar. Zwar sollen die Malereien erst aus dem 19. Jhd. stammen, wir haben aber auch andere Zeitangaben gefunden, die bis ins Jahr 1000 (!) zurück gehen, dennoch hätten wir gerne, auch um einen Vergleich zu haben, sie in Augenschein genommen. Abgesperrt ist der Bereich, obgleich man im Grunde nichts mehr sehen kann.

P1100740

Das Tal weitete sich zur Flußebene in der Nähe seiner Einmündung ins Meer, wir nähern uns Oamaru. Die Stadt ist es wert anzuhalten und sich das aus dem vorvergangenen Jahrhundert Erhaltene anzusehen. Wie so viele Städte hat sie ihre Blütezeit hinter sich, besitzt aber noch eine Vielzahl ansprechender Bauten aus der Vergangenheit. Gegründet in 1853 blühte die Stadt schnell auf, da sie über einen der wenigen Naturtiefseehäfen in Neuseeland verfügte; ein großer Teil der Fleischexporte erfolgte hierüber. In Hafennähe sind mehrere Lagerhäuser, Bürogebäude, Wohnhäuser dieser Zeit noch erhalten, werden genutzt. Viele kleine Geschäfte haben sich hier niedergelassen; das geht über Buchbinder, Filmausstatter, Buchladen, Antiquitätenhändler bis zu ganz normaler Haushaltsware. Auch ein Hotel hat sich in einem historischen Gebäude wieder etabliert. Die Baustile gehen offensichtlich querbeet, gestaltet wurde so, wie es dem Bauherrn gefiel. Dabei kam sehr oft ein in der Nähe gefundener Sandstein zum Einsatz, den ein eher weißlicher Ton auszeichnet. Das Harbour-Tyne-Viertel ist auf jeden Fall einen ausgiebigen Spaziergang wert.

P1100747P1100748P1100749P1100751P1100758P1100754

Und als ob es abgesprochen wäre, setzt sich auf einmal ein älterer Herr in einen Oldtimer und fährt gemütlich an den historischen Gebäuden der alten Innenstadt vorbei.

P1100756P1100757

Schöne Gebäude mit Sandsteinfassade findet man nicht nur in Hafennähe, sondern auch entlang und um die heutige zentrale Einkaufsstraße, die bereits damals diese Funktion hatte. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch festzuhalten : das Bedürfnis, überall Werbung für das jeweilige Geschäft anzubringen hat zu Laubengangkonstruktionen mit Werbetafeln geführt, die das Bild erheblich verschandeln. Nur vereinzelt kann man Gebäude ausmachen, die im wesentlichen  in ihrer historischen Form erhalten wurden.

P1100765P1100763P1100766P1100772P1100769

Ein Höhepunkt vor Dunedin stand uns noch bevor, die überirdischen Steine in Moeraki. Auch hier könnte man glauben, Überirdische seien im Spiel gewesen, zumindest spielen diese Steine auch in den Kulten der Maori eine Rolle. Vor und in der Küste, dem Strand von Moeraki liegen mehr oder weniger ebenmäßig runde marmorähnliche Steine, als wären sie von einem Riesen beim Murmelspielen hier vergessen worden. Einige sind zerstört; an ihnen kann man ersehen, wie diese Steine zusammengesetzt, quasi verleimt wurden – durch eine Form von Kalk? –, um dann durch Wind und Wasser in diese Form geschliffen zu werden. Wir haben nicht verstanden, wie eine solche Form entstehen kann; der Hinweis, um einen Kern herum wären wie bei einer Auster Ablagerungen ebenmäßig erfolgt, kann von uns nicht nachvollzogen werden. Im Grunde ist die quasiwissenschaftliche Erklärung auch nicht so wichtig, auf einer Tafel findet sich der dezente Hinweis, genau erklären könne man den Prozeß auch nicht – warum dann kaum nachvollziehbare Hypothesen als Stein der Weisen herausstellen? –, wir hatten unsere Freude, diesen Ort mit seinen Murmeln und seine interessante Küste zu besuchen und am Strand entlang zu wandern.

P1100779P1100785P1100789P1100802P1100805P1100795P1100811P1100806

Vielleicht sind die Kugeln ja auch mit Menschenkraft bewegt worden, es geht, man muß nur ordentlich Kraft einsetzen!

Ohne weitere besondere Kraftanstrengung rollten wir dann nach Dunedin, bogen wie immer bei der Touristeninformation kurz ab, um anschließend unser Quartier, den Campingplatz, diesmal nicht am Fluß, sondern direkt hinter der Meerdüne, anzusteuern.

Mount Cook

Vom Lake Tekapo ist es nur ein Katzensprung hinüber zum Mount Cook; im Grunde um drei Ecken fahren, ein bischen bergauf und bergab, 50 Kilometer Strecke, dann ist man  plötzlich am Südende des Lake Pukaki, über den wir sehr früh einen Blick auf den Königsberg Neuseelands, den Mount Cook/Aoraki (3.755 Meter) werfen können.

P1100634

Vom Südende des Sees Pukaki führt eine Straße auf seiner Westseite bis hinauf nach Mount Cook Village, Ausgangspunkt zahlreicher Wandermöglichkeiten in diesem Massiv, Standort für The Hermitage, in dem  sich u.a. auch ein Museum zu Ehren von Sir Edmund Hillary befindet. Anregend immer wieder die Möglichkeit hinüber auf die Bergkette zu sehen, die bei unserer Anfahrt sich ohne die oft herrschende Wolkendecke oder Wolkenkranz zeigte. Nach etwa 35/40 Kilometern Seebegleitfahrt waren wir am Nordende des Lake Pukaki angelangt; es schloß sich für einige Kilometer eine Strecke Feuchtland an, in dem ab und an auch einige Schafe nach Futter suchten.

P1100637P1100639P1100641

Das Talende kam immer näher und damit auch unser Ziel, Mount Cook Village. Hier wollten wir nähere Informationen zu den Wandermöglichkeiten einholen, was erfolgreich geschah und einen Blick in das Hillary Museum werfen. Leider handelt es sich nicht um ein reines Museum, sondern eine Art Bespaßungsaktion für die ganze Familie mit diversen Filmen und Filmchen, woran wir kein Interesse hatten. Da man leider nur alles im Paket “erleben” kann und der geforderte Preis von 20 Dollar für das Museum alleine uns unangemessen erschien, machten wir uns direkt auf die erste Halbtageswanderung. Die frühe Ankunft gegen Mittag machte dies möglich. Nach Prüfung aller uns mitgeteilten Möglichkeiten stellten wir fest, so richtig große Auswahl an Eintageswanderungen gibt es nicht. Für den Nachmittag machten wir uns daher auf den Hooker Valley Track, der uns in gut 1 1/2 Stunden zum Gletschersee des Hooker Gletschers führte, einer der Gletscher, die vom Mount Cook Richtung Talebene abgehen. Offensichtlich für die große Zahl der kurze Strecken wie hier unter die Schuhe nehmenden Gelegenheitswanderern wird der Trail fast zu einem rollstuhltauglichen Weg ausgebaut, Staatsmittel machen es möglich. Hier laufen auch nicht vereinzelte Wanderer gen Gletschersee, sondern die erste Hälfte der Strecke wird von Busladungen von Touristen oft in nicht angebrachter Ausrüstung in Angriff genommen.

Anscheinend wir bei ihrem Streben nach dem alles ersehnten Blick auf den Mount Cook eine schöne Stelle am Anfang des Weges links liegen gelassen, der Friedhof/Gedenkstätte für die am Berg verunglückten Bergsteiger. Er ist passend ausgewählt, denn er liegt in der Sichtachse zum Bergmassiv; nicht jeder an den hier erinnert wird, ist direkt am Mount Cook ums Leben gekommen, oft waren es auch Nachbarberggipfel, die ihr Schicksal waren. Wir konnten, als wir dort waren, die Horden in geringer Entfernung vorbeilaufen sehen. Es stellt sich die Frage, welche Beziehung diese Gucker zur Bergwelt haben.

P1100651P1100652P1100650

Der Hooker River muß mehrfach überquert werden; trockenen Fußes gelangt man über Hängebrücken an das andere Ufer; früher war es deutlich beschwerlicher. Vor der ersten Flußquerung hat man einen wunderschönen Blick auf den unterhalb des Footstool liegenden das Schmelzwasser des Mueller Glacier aufnehmenden Muller Lake. Sieht der Footstool aus großer Entfernung nicht besonders beeindruckend und schwierig zu besteigen aus, muß die Beurteilung heftig geändert werden. Der hinaufragende Gletscher ist mehr als nur von einzelnen Gletscherspalten durchzogen, der Felsen ist wirklich extrem steil. Eine Besteigung somit wirklich keine Sache im Vorbeigehen, was einigen Bergsteigern das Leben gekostet hat.

P1100653P1100654P1100656

Nach Überquerung der ersten Hängebrücke führte der Weg durch niedrige Vegetation, kleine Krüppelbäumchen und Büsche, ab und an blühte es auch; wir gewannen kaum an Höhe, stiegen dabei aber immer wieder über Moränen, dank es geebneten Weges ein Gehen wie im Schlaf. Die ganze Zeit hatten wir den Berg im Blick, aber er kam uns oder wir ihm kaum näher. Zweimal kamen und mit Rucksack, Seil, Steigeisen und Eispickel ausgerüstete Bergsteigerzweiergruppen entgegen. Wohin die wohl aufgestiegen waren?

P1100658P1100659P1100660P1100661

Bis zur zweiten Hängebrücke sind wohl die meisten der Bustouristen gekommen, der dann folgende Weg war nicht mehr im Schlaf zu gehen, man mußte Feuchtstellen durchqueren, hin und wieder über Steine klettern, nichts für Schnallenschuhträger. Nach etwa 1 1/4 Stunden zügigen Ausschreitens dann plötzlicher Stop, wir waren auf dem Aussichtspunkt am Hooker Lake auf 900 Metern angekommen. Bergsteiger gehen weiter; sie beginnen nach der dritten Hängebrücke am Hand entlang in Richtung Gletscher zu laufen; wir hingegen konnten maximal hinunter zum See gehen und mussten uns mit diesem Blick immer noch aus der Ferne begnügen. Erst auf den zweiten Blick wurde klar, daß das in den See unterhalb des Mount Cook ragende Etwas der Gletscher ist, schwarz und voller Geröll. Trotz dieser Auflage ist es möglich, weiße Gletschereiskälber zu zeugen, die dann auf dem See schwimmen. Auch aus der Ferne wird deutlich, welcher Anstrengungen es bedarf, um die schlappen 3.755 Meter hinaufzusteigen.

P1100667P1100663P1100670P1100673

In unmittelbarer Nähe zum Mount Cook Nationalpark existiert kein Campingplatz mit Stromversorgung; wir müssen deshalb zurück bis an die Nordseite des Lake Pukaki fahren. Für den 30.1. haben wir uns vorgenommen, an den auf der Ostseite der Mount Cook Range liegenden Tasman Gletscher und zur Ball Hütte zu wandern, ein Programm für einen ganzen Tag. Dementsprechend früh waren wir auch unterwegs zum Startpunkt des Trails im Tasman Valley. Das gleich zu Beginn den Weg formende Geröll hielten wir für eine zeitweilige Beschwernis, dem bald normale Pfade folgen würden. Wir irrten uns. In der Wegbeschreibung war zu lesen, die erste Hälfte der gut 4-stündigen Strecke müssten wir einen von Allradfahrzeugen genutzten Weg wandern, danach wären mehr Erfahrungen im Wandern in unwegsamen Gelände gefordert. Was für die erste Zeit so vage formuliert war entpuppte sich als dauerhafte Gerölltreterei, kein sauberer unkontrollierter Schritt war möglich, wahrlich kein schönes Wandern. Dabei hatte das Tal seine Reize, konnten wir immer wieder sehen, wo riesige Felsabbrüche erfolgt sind, die den anfangs noch sichtbaren Fluß zuschütteten und auch den Weg mehrfach unpassierbar gemacht hatten. Zu diesem wenig attraktiven Weg kam eine stechende Sonne hinzu, Schatten spendenden Baumwuchs gab es nicht.

P1100702P1100691

Nach eineinhalb Stunden versperrten große Steinblöcke jedem Fahrzeug den Weg, der jetzt endlich wie ein Wanderpfad aussah, aber nur für kurze Zeit. Nach zehn Minuten standen wir auf dem uns die ganze Zeit auf der östlichen Seite des Weges begleitenden Geröllberg, der sich als eine Seite des Gletschers deckende Moräne entpuppte. Auch hier bestanden anfangs Zweifel, ob wir  nun auf einen Gletscher blicken oder es sich um normalen Geröllschutt handelt. Weiter im Süden war zwar ein See, dies muß aber nicht zwingend der Gletschersee sein. Als wir endlich auf der Oberfläche der vor uns liegenden Masse etwas scheinbar weißes entdeckten war klar, wir stehen neben dem Tasman Gletscher. Ein Blick auf die andere Seite des Gletschertales machte deutlich, wie mächtig dieser einmal gewesen sein muß, denn die Spuren waren dort deutlich an den Hängen sichtbar. Auf dem Rückweg stieg ich die Seitenmoräne hinauf und konnte die Gletscherabbruchkante fotografieren, wodurch allerletzte Zweifel beseitigt werden konnten.

P1100675P1100676P1100677P1100678P1100703P1100705P1100687

Wir waren noch nicht am Ziel unserer Wanderung angekommen; jetzt ging es weiter bergauf. Aber nach kurzer Zeit war es kein Wandern mehr, sondern ein immer wieder nach dem richtigen Weg fahndendes mühsames Klettern über Geröllsteine und Felsen. Nur sehr langsam kamen wir voran und waren dankbar, wenn zwischendurch einige Meter normal gewandert werden konnte. Hin und wieder hatten wir dabei auch schöne Aussichtspunkte erreicht, aber zunehmend stellte sich uns die Frage, ob wir auf diese Art und Weise den Rest des Tages uns fortbewegen wollten. Nach einer Vesperpause auf den Felsen, einem langen Blick in unsere Zielrichtung, ist es noch eine halbe Stunde Plackerei oder mehr, wir wussten es nicht, entschieden wir uns, den Rückweg anzutreten getreu dem Motto : de ar ingen skam og snu!

P1100688P1100686P1100685P1100695

Wer gedacht hätte, der Rückweg ist leichter irrt. Das Geröll macht egal in welcher Richtung man geht, wenig Freude und ist anstrengend. Ein Liedchen auf den Lippen beim Wandern – hier eher nicht. Natürlich hatten wir immer wieder einen Blick für die Bergwelt übrig, suchten nach den Resten des verschütteten Baches, den wir erst kurz vor Ende des Trails fanden, aber am meisten dachten wir “hoffentlich hat dies bald ein Ende”. Das war einfach kein Wandern, es war eine Plackerei. Froh waren wir, am frühen Nachmittag wieder am Camper angelangt zu sein. Wir hatten uns diese Wanderung zum Tasman Gletscher anders vorgestellt, es sollte eine entspannte Eintageswanderung sein. Leider war es eher ein Kampf ums Vorwärtskommen als ein Wandern. Diesen Tag müssen wir wandertechnisch abhaken, auch wenn uns die Bergwelt auf dieser Seite des Massivs schwer beeindruckt hat.

P1100706P1100708P1100707

Also Abfahrt und an anderer Stelle z.B. an der Westküste einen neuen Versuch wagen, in die Nähe der großen Berge Neuseelands zu kommen.

Banks Peninsula in Richtung Mount Cook

Nach der Enttäuschung in Akaroa strebten wir unserem ersten großen Berg, dem Mount Cook entgegen, nicht sofort und direkt, aber mit einem oder zwei Zwischenstops möchten wir schon vor Ort sein.

Über kleine Seitenstraßen, die Ortschaften Lincoln und Burnbam erreichten wir die Nationalstraße 1, unser “Begleiter” für mehr als 140 Kilometer bis nach Hinds, von wo aus wir über Straßen und Sträßchen uns einem Zwischenziel, dem Peel Forrest näherten und ihn nach kaum einem Umweg auch erreichten. Schon bald hatten wir westlich unserer Route wunderschöne Begleiter ausgemacht, nicht nur eine Bergkette, sondern sogar schnee- oder eistragende Berge kamen in unser Sichtfeld. Irgendwie erinnerte dies uns an manche Strecke in Argentinien oder Chile.

P1100542

Landwirtschaft begleitete unsere Fahrt Richtung Peel Forrest; auf den letzten 20 Kilometern lernten wir eine weitere Form der neuseeländischen Viehwirtschaft kennen. Plötzlich sahen wir große Herden von Rehwild hinter deutlich höheren Zäunen als bei Rindern auf den Weiden äsen. Im Gegensatz zu den Schafen, die bereits beim Anschein eines Stops reißaus nahmen, blieben diese höchstens aufmerksam stehen und beäugten den Ankömmling. Die hiesige Viehwirtschaft hat wohl den steigenden Bedarf an Wildfleisch (aus China?) erkannt und bedient diese Nachfrage. Diese Reh-/Rotwildwiesen waren kein Einzelfall; je näher wir dem Peel Forrest kamen, desto häufiger bemerkten wir entsprechend große Herden von Rehwild auf den Weiden.

P1100543P1100545

Auf den Peel Forrest als erstes besonderes Ziel außerhalb des Einzugsbereiches von Christchurch sind wir per Zufall gestoßen. Der Park ist einer der kleineren im Land, erscheint recht unscheinbar, weist aber Baumbestände auf, von denen man träumen kann. Auch in dieser Region wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. heftig die Axt geschwungen; der wunderschöne alte Wald wurde mehr oder weniger systematisch gefällt und anfangs durch “pit sawing” in Bretter zersägt, später übernahmen diese Arbeit unzählige Sägewerke im Land. Der Raubbau an der Natur, nicht nur durch das Baumfällen, sondern teilweise auch durch Brandrodung, erschreckte das britische MP Arthur Mills bei einem Besuch so sehr, daß er 16 Hektar nicht angegriffenen naturbelassenen Waldes umgehend erwarb; dies war der Embryo des heutigen Peel Forrest, der inzwischen 783 Hektar groß ist. Innerhalb dieses Geländes wurden bis 1908 die meisten großen Bäume gefällt, zum Glück aber nicht alle. Und diese sowohl große Bäume als auch altersmäßig die ältesten im Lande haben unsere Neugier geweckt und uns hierhin gelotst.

Der Wald ermöglicht eine ganze Reihe von Wanderungen, kurze, sehr kurze und Tageswanderungen; bei allen kommt man mit der Besonderheit dieses Naturparks in Kontakt, den alten Pinienbäumen, deren größte und älteste des Landes hier stehen. Der Wald selber ist ein Regenwald, was auch bei jedem Schritt und Tritt durch das Gelände sichtbar und manchmal unter den Sohlen spürbar wird. Der strake Regen der Vornacht hatte auch hier im Wald und insbesondere auf den Pfaden seine Spuren hinterlassen; auf dem von uns ausgesuchten Weg war nach einer dreiviertel Stunde kein Weiterkommen mehr möglich. Natürlich hatten wir viel, aber nicht genug gesehen. Die Methusalems und Baumriesen kann man zwar aus der Entfernung teilweise erkennen, ihren Umfang, ihre Höhe, ihre schiere Mächtigkeit aber nur erahnen. Der von uns dann als Abschluß und zur Entschädigung  gewählte Rundweg führte uns dann an den ganz großen Bäumen praktisch haut-/rindennah vorbei. Diese Bäume sind einfach gigantisch. Und wenn man berücksichtigt, daß ihr Alter auf gut 1.000 Jahre geschätzt wird, wird man ehrfürchtig vor dieser Natur. Das  größte Exemplar ist mehr als 31 Meter hoch und weist einem Stammumfang von 8,40 Meter auf. Dieser Wald hat uns enorm beeindruckt, eine Empfehlung für jeden, der dieses Land bereist; man sollte auch mehr Zeit als uns zur Verfügung stand mitbringen, um, besseres Wetter vorausgesetzt, die längeren Wandermöglichkeiten zu nutzen.

P1100548P1100551P1100553P1100556P1100568P1100562P1100574P1100577

Das Department of Conservation (DOC) unterhält eine ganze Reihe von Campingplätzen in Neuseeland, auch hier am Peel Forrest kann man legal seinen Camper abstellen. Leider verfügen diese Plätze in fast allen Fällen nicht über einen Stromanschluß, so daß wir auf die Leistung unserer Batterie über die Nacht angewiesen sind, um unseren Kühlschrank in Betrieb zu halten. Wir sind skeptisch, ob die Leistung bis zum morgigen Tag ausreicht und verzichten auf den malerisch im Tal gelegenen Platz. Zum Glück befindet im nicht weit entfernten Geraldine ein Campingplatz, den wir ansteuern.

P1100578

Unser Ziel für den 28.1. ist Lake Tekapo. Auf dem Weg dorthin durchfahren wir Landschaften, die auch in Europa, z.B. Toskana, liegen könnten, leicht hügelig, weite Felder, Pinienbäume, Sonnenschein, kurvenreiche Straßen, bergauf und bergab geht es. Einzig die manchmal in der Ferne auftauchenden hohen Berge, der Schnee in den hohen Lagen, weist auf etwas anderes hin. Nicht viele Camper standen auf unserem gestrigen Campingplatz, anscheinend haben alle mehr oder weniger das gleiche Ziel, denn man trifft sich bei dem einen oder anderen Stop. Bereits jetzt wird deutlich, dieses Land wird zumindest an einigen Stellen von den mit Campmobilen fahrenden Gästen nahezu geflutet. Was hier an Wohnmobilen, Campern, selten Wohnwagen auf den Straßen unterwegs ist, kann in den großen Ferien mit unseren aus Holland kommenden Wohnwagenkolonnen bevölkerten Autobahnen durchaus Schritt halten.

P1100581P1100583P1100584P1100585

Unsere Fahrt von Geraldine nach Lake Tekapo verläuft immer wieder in Tälern, ab und an muß eine kleine Höhe genommen werden, bevor es in das nächste Tal hinunter geht. So erreichen wir entspannt den Flecken Fairlie, ein Ort zum Durchfahren, weniger um anzuhalten. Aber gute 30 Kilometer später halten wir an, da wir ein Hinweisschild auf die älteste Kirche der Insel gesehene haben, wir sind in Burkes Pass angekommen. Nur eine Handvoll Holzhäuser steht hier, die Menschen müssen wohl früher auf den im weiten Umfeld befindlichen Farmen gearbeitet haben. Wohl auf die geringe Zahl der Gemeindemitglieder ist die Größe der ansehnlichen Holzkirche abgestellt. Schön, daß die wenigen Dorfbewohner es vermocht haben, die fast zum Abriß vorgesehene Kirche wieder herzurichten. Im Umfeld der Kirche kann man auch einige weitere aus der zweiten Hälfte des 19. Jhd. stammende Holzhäuser besuchen; sogar eine Schule aus der damaligen Zeit existiert noch.

P1100588P1100589P1100590P1100591P1100592P1100593

Der Lake Tekapo mit seinem türkis schimmerndem Wasser kündigt sich früh an; wir fahren bergabwärts um eine Kurve und erhaschen den ersten Blick, wie er so vor der Bergkulisse da liegt. Viel Betrieb ist nicht mehr auf der Straße, aber als wir am ersten als sehenswert eingestuften Haltepunkt am Ort Tekapo anhalten, müssen wir uns den Blick auf die Kirche des guten Schäfers (Church of the Good Shepherd) mit einer großen Gruppe chinesischer Touristen teilen. Bürger aus dieser Region scheinen derzeit Neuseeland fast zu überfluten.

P1100596P1100600P1100599P1100603

Der Ort Lake Tekapo ist ausschließlich, wie so viele hier im Gebiet um den Mount Cook, auf Touristen und Urlauber eingestellt. Zahlreiche Ferienanlagen, Hotels “begrüßen” uns, eine ebenso große Zahl von Bettenkapazitäten ist anscheinend in Planung bzw. schon im Bau, wie die vielen Hinweise entlang der Durchgangsstraße andeuten. Hier kann man offensichtlich ganz gut in den Touristenboom investieren. Wir investieren in einen schönen Campingplatz, am See gelegen mit schnellem Zugang zum Mount John.

P1100606P1100609

Wir stellen unseren Camper ab, vespern kurz, peilen die Lage und machen uns auf den Weg hinauf zum Mount John. Keine wirklich anstrengende Angelegenheit, obgleich wir insgesamt gute drei Stunden unterwegs sind. Von einem kleinen Schwimmbad ging es die erste halbe Stunde durch einen uns vor der sengenden Sonne schützenden Wald bergauf. Welche Wohltat dies war merkten wir in den anschließenden mehr als zwei Stunden und wandern unter der prallen Sonne. Ziel war der Gipfel des Mount John, nicht wirklich hoch gelegen mit seinen vielleicht 900 Metern, aber Standort für eine Reihe von Observatorien. Uns war weniger an einem Blick in den Sternenhimmel gelegen sondern an der von dort auf Lake Tekapo und der in der Nachbarschaft liegenden Lake Alexandrina möglichen Sicht. Zwischen beiden Seen, obgleich vulkanischen Ursprungs, gibt es keine Verbindung; wäre das der Fall, würde der höher gelegene Lake Alexandrina schnell leer laufen, da der Wasserzustrom bei ihm sehr gering ist. Auch hier oben auf der Kuppe eine mit vielen geteilte Sicht mit dem einen Unterschied, während wir mehr als eine Stunde bergauf gewandert sind, hat die dort anwesende Hundertschaft, in der Mehrzahl Chinesen, den bequemen Weg genommen und ist über die Versorgungsstraße hier hinauf gefahren.

P1100613P1100621P1100618

Abwärts ging es dann in langen Serpentinen durch trockenes Gras, ab und an mussten wir Schafszäune überqueren, hatten ständig den See und seine Berge vor Augen. Grund genug, auch mal eine Ruhepause einzulegen. Hier war der Weg nicht (nur) das Ziel

P1100611P1100625P1100623

Eines konnten wir am Abend beim Blick in den Himmel bestätigen : die Bedingungen für Astronomen scheinen hier hervorragend zu sein, der Himmel war klar und zigtausende Sterne waren erkennbar, nicht mit dem Bild aus heimischen Breitengraden zu vergleichen.

Banks Peninsula und ein geplatzter Traum

Banks Peninsula ist eine sich direkt an das Stadtgebiet von Christchurch anschließende Halbinsel vulkanischen Ursprungs, geformt durch den Ausbruch zweier großer Vulkane in Vorzeiten. Die beiden Vulkankrater sind heute quasi geflutet, zum Meer geöffnet; die Orte Akaroa und Lyttelton und ihre Häfen liegen an den Kraterrändern. Diese Halbinsel ist für die Geschichte Neuseelands von besonderer Bedeutung, denn dieses Land wurde von einem französischen Wahlfänger 1838 von den dort ansässigen Bewohnern erworben. 1840 machten sich französische Siedler auf Veranlassung des französischen Landbesitzers dorthin auf den Weg, um die französische Tricolore zu hissen und das Land Frankreich “einzuverleiben”. Dem kamen die Engländer wenige Tage vor Ankunft der Franzosen zuvor, sonst wäre u.U. die Südinsel Neuseelands lange Jahre französische Kolonie gewesen. Die Siedler ließen sich, anfangs, nicht unterkriegen, und gründeten Akaroa. Obgleich bereits 1849 die Landrechte an die New Zealand Company und damit indirekt an England verkauft wurden, blieben die Siedler vor Ort und machten das Land der Halbinsel urbar. Auch heute noch soll die französische Fahne zumindest über einigen Häusern in Akaroa wehen und die Stadt ein gewisses französisches Flair besitzen. Dem wollten wir nachspüren und machten uns am Sonntag, den 26.1.2014, auf den Weg.

P1100838

Wie wir waren heute, am Sonntag, unzählige Radsportler unterwegs; die hügelige Landschaft, die manchmal steilen Anstiege und Abfahrten machten wohl den Reiz aus, hier auf der Halbinsel die gewünschten Trainingskilometer zu erradeln. Nur etwas mehr als 12 Kilometer von Christchurch entfernt, aber durch eine Hügelkette getrennt, liegt der kleine Hafenort Lyttelton. Auch er hat historische Bedeutung, gehen seine Wurzeln in die Mitte des 19. Jhd. zurück. Einige wenige Bauten aus dieser Gründerzeit der Stadt bestehen noch. Der Hafen hat sicherlich bessere Zeiten gesehen, derzeit ist er im wesentlichen Umschlagplatz für Holz. Bei unserem Spaziergang durch diese kleine Gemeinde, deren Bebauung sich den Hang hinaufzieht, waren auch einige erdbebengeschädigte Häuser erkennbar, aber die Schäden hielten sich in engen Grenzen. Schön war es bei einem Rundumblick über die Hänge immer wieder stilvolle Holzhäuser zu erkennen, wobei festzuhalten ist, nahezu alle Häuser hatten beplankte Holzfassaden, bunt gestrichen, oft gut unterhalten, und hin und wieder waren kunstvolle Holzschnitzarbeiten zur Betonung der Individualität in die Fassade und ihre Elemente integriert worden.

P1100452P1100450P1100453P1100454P1100456P1100457P1100460

Die Weiterfahrt von Lyttelton in Richtung Akaroa führte uns über die gesamte Halbinsel, rauf und runter auf einer Straße, die ziemlich kurvenreich war. Oben wiedergegebene Karte zeigt deutlich, wie hügelig diese Halbinsel ist, wie Bergrücken immer wieder gen Küste laufen, die zu überqueren waren. Wo möglich, waren die Flächen  landwirtschaftlich genutzt, große Schaf- und Rinderbestände waren aber nicht zu sehen, ebenso wenig wie größere Bauernhöfe. Nur Reste der früheren Bewaldung haben die Landnahme überlebt; manchmal dienen sie offensichtlich als Windbrecher. Ab und an streiften wir das Meer, z.B. am Lyttelton Fjord, immer wieder sahen wir auf unserer Fahrt Hinweise auf diverse andere Fjorde (Levy Fjord, Little Akaloa Bay, Pigeon Bay, Okains Bay), die anzusteuern jedoch einen 4WD erfordert hätte. So beließen wir es dabei, gemütlich in Richtung Akaroa zu cruisen, denn hier in Neuseeland gehen die Uhren gemächlich, man hetzt kaum.

P1100462P1100466P1100471P1100478P1100486P1100485

Wir näherten uns dem Hafenort aus der Höhe der umliegenden Berge und konnten dabei die wunderschöne Ortslage bestaunen. Die früheren Siedler hatten ein Gespür für einen zur Siedlungsgründung tauglichen und ansprechenden Ort. Aufregend ist das Örtchen nicht, aber interessant. Tatsächlich findet man eine ganze Anzahl historischer Gebäude, sowohl einfache Wohnhäuser, eine Kirche, mehrere Villen, ein altes sehr kleines Zollhaus am ehemaligen Hafen, eine Versammlungshalle, die Gaiety, einen alten französischen Friedhof, von dem nicht mehr als eine Erinnerungsstele erhalten ist. Es lohnte sich, langsam durch die Straßen des alten Ortes zu schlendern. Empfangen wurden wir von einem Freiluftkonzert auf der Freizeitwiese des Ortes; das Musikfestival von Akaroa hatte seinen letzten Tag, für alle, draußen und umsonst. Der Zuspruch war überschaubar; wenige Zuhörer saßen auf der großen Wiese und hörten zu.

P1100492P1100493P1100496P1100514P1100533P1100495P1100536

Neuseeland war zu Walfangzeiten wichtige Anlaufstelle der Schiffe; auch Akaroa profitierte vom Fischfang, worauf dezent durch die Ausstellung u.a. von Siedetöpfen für das Walfett entlang der Promenade hingewiesen wird.

P1100527P1100524

Nach wie vor ist der Ort mit dem Wassersport eng verbunden, die zwar überschaubare Anzahl der im Wasser an Bojen liegenden Segel- und Motorboote lässt das vermuten. Jedes Wochenende tragen einige Skipper auf der doch sehr rauen See vor Akaroa eine Wettfahrt nach Yardstickregeln aus, die man vom Ufer, wie wir es machten, ganz gut verfolgen kann. Für die lokale Wirtschaft jedoch von größerer Bedeutung sind die verschiedenen Angebote, die umliegende See und Natur auf unterschiedliche Art näher kennen zu lernen. Vor dem Akaroa Fjord im offenen Meer hat sich vor Jahren eine kleine Delphinkolonie etabliert, die Hektor-Delphine, die man zum einen “besuchen” kann, zum anderen bietet ein Veranstalter sogar das Schwimmen mit Delphinen an.

P1100837

Bisherige Erfolgsquote soll bei 80% liegen. Da war Katrin sofort Feuer und Flamme und wir buchten für den nächsten Tag, den Montag, morgens um 08:30 Uhr eine entsprechende Tour vor. Unsere Weiterreise verschoben wir deshalb auf den Nachmittag. Bevor wir uns bei leicht einsetzendem Nieselregen auf den Weg zu unserem Campingplatz machten, orderten wir bei einem Fischer standesgemäß Fish and Chips. Wo sonst, wenn nicht in Meernähe kann man gut zubereiteten Fish’n Chips essen?

P1100504

Hatte es bereits am Nachmittag beim Verzehr unserer Fish an’ Chips Portionen leicht zu tröpfeln angefangen, am Abend verdunkelte sich der Himmel vollständig, ein sehr starker Wind setzte ein und es regnete wie aus Kübeln extrem heftig. Sturm zog auf, die Wellen in der Bucht waren bald schaumbekrönt. Unser direkt an einer Bucht gelegene Campingplatz

P1100518

bot keinen Windschutz, so bekamen wir die steife Brise mit voller Breitseite ab. Obgleich nicht in einem Schiffbauch liegend, schaukelte unser Gefährt ganz schön. Irgendwann waren wir eingeschlafen; Katrin hatte dabei wohl die schlechteren Karten gezogen; ob es am Sturm oder an der Anspannung, wie dass Schwimmen mit Delphinen so werden könnte lag, auf jeden Fall schlief sie sehr schlecht. War es eine Vorahnung auf das was kommt? Während der Nacht schlief der Sturm ein, morgens blies nur noch ein laues Lüftchen und es war trocken. Früh machten wir uns auf den Weg nach Akaroa und hatten Hoffnung, da zumindest in der Bucht die Wellen nicht sehr hoch gingen, daß die Tour wie geplant stattfinden würde. Bei aufgewühlter See schwimmen und schnorcheln, sicherlich kein Vergnügen, aber machbar. Dann die ernüchternde Aussage im Büro des Veranstalters, die für 08:30 Uhr angesetzte Tour fällt wegen des Sturms aus, vielleicht geht um 11:00 Uhr etwas. Die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt. Wir glaubten nicht wirklich daran und buchten nicht um. Katrin trug die Absage mit Fassung, war aber heftig enttäuscht. Frust bekämpft man am besten mit neuen Eindrücken – wir sahen uns bislang vor uns verborgen gebliebene “Schätze” des Städtchens an, bedauerten einen Segler, dessen Boot sich im Sturm von der Boje gerissen hatte und vom auflaufenden Wasser immer weiter auf das Land geschoben wurde, und konstatierten gegen 11:00 Uhr, daß auch diese Ausfahrt wegen des Sturms gestrichen worden war. Eine Chance war dahin, aber es gibt noch an anderen Orten auf den Inseln vergleichbare Möglichkeiten – hoffen wir, daß dann das Glück auf Katrins Seite ist.

P1100531P1100532

Christchurch

Am Morgen des 24.1. nahmen wir unseren Camper in Empfang, klein, handlich, übersichtlich und, wie wir merkten, nur mit begrenzter Staufläche ausgestattet. Irgendwie erstaunlich, wie eine über Jason’s vermittelte Buchung bei der Firma Pure Motorhomes NZ landet, die den Auftrag an eine Tochterfirma, Kiwi Campers. weitergibt, damit wir zu guter Letzt das gebuchte Modell mit dem vereinbarten Baujahr von “happy camper”  erhalten. Es scheint, als ob alles mit allem zusammenhängt. Was außen drauf steht, sollte uns nicht stören, entscheidend ist, ob wir das Bestellte auch erhalten. Das ist der Fall, zudem scheint unser Camper vor kurzem beim Innausbau einer Generalüberholung unterzogen worden zu sein.

P1100354

Während der Erledigung der notwendigen Mietvertragsformalitäten kamen wir mit dem Agenturchef ins Gespräch. Natürlich fragten wir nach den Auswirkungen der Erdbeben in 2010 und 2011, wie es den Menschen heute ginge.  Man konnte merken, wie schwer es ihm fiel, kein trauriges Gesicht zu machen, die Tränen standen ihm in den Augen, so sehr belastete ihn noch heute, fast drei Jahre nach dem letzten Erdbeben die Situation in der Stadt. Erst als wir selber am folgenden Tag durch die Innenstadt gelaufen waren konnten wir die ganze Tragweite und die deutliche Trauer des Agenturchefs wirklich nachvollziehen.

Dann hieß es, sich auf den Linksverkehr einstellen. Zum Glück sitzt das Lenkrad auf der rechten Seite, dies hilft bei der Orientierung. Zu Anfang wird noch mehr mit dem Scheibenwischer geblinkt und mit dem Blinker die Scheibenwaschanlage in Betrieb gesetzt, aber nach einigen Kilometern schleift sich das auch ein. Sich in einer Stadt mit starkem Verkehr an den Linksverkehr zu gewöhnen hält die Konzentration hoch.

Unseren ersten Campingplatz hatten wir im Vorfeld ausgesucht; ein Kiwi-Campingplatz mit sehr gutem Standard, einer tollen Anlage, etwa drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und einem netten und auskunftsfreudigen Betreiber. Den Rest des 24.1. nutzten wir  Lebensmittel für die kommenden Tage einzukaufen und uns mit dem Camper vertraut zu machen. Manches wurde erst hierhin, dann dorthin verstaut, alles fand aber am Ende seinen Platz. Nur mussten wir uns fragen, wie es drei Personen, denn der Wagen ist für diese Anzahl Reisender ausgelegt, schaffen, nur dass Allernotwendigste an Kleidung unterzubringen und dann auch noch die dritte Schlafgelegenheit, bei uns der geborene Ablageplatz, nutzen zu können. Sei es drum, uns reicht es, auch wenn die vielleicht 5 qm Fläche ohne Fahrerkabine schon sehr beengt sind.

P1100353P1100363

Am Samstag den 25.1. machten wir uns auf den Weg, die Innenstadt von Christchurch, durch die Katrin am Vornachmittag schon einmal kurz gegangen war, kennenzulernen.

Christchurch, zweitgrößte Stadt Neuseelands, wird oft als die englischste Stadt des Landes bezeichnet. Gegründet 1850 ist sie keine wirklich alte Stadt, wie auch die Besiedlung Neuseelands durch Europäer nur knapp fünf Generationen zurück liegt. Viele in den letzten Jahrzehnten des vorvergangenen Jahrhunderts entstandene Gebäude weisen einen engen Bezug zu England auf, nicht nur, daß sie aus Stein gebaut wurden, sondern die gesamte Architektur war ziemlich britisch. Zu Wohlstand durch die Schafbarone gekommen, wurde dieser Reichtum auch gezeigt. Verständlich, wenn dann auch der die Stadt durchströmende Fluß Avon genannt wurde, die bzw. eine Universität Canterbury University heißt, die angelegten Parkanlagen den britischen Anlagen sehr nahe kommen. All dies und noch viel mehr wollten wir sehen, hatten im Hinterkopf den Englandbezug von Christchurch. Ausgeblendet waren die Auswirkungen der beiden letzten Erdbeben. Zum einen wurde nach unserer Erinnerung über das Beben in 2010 in den deutschen Medien so gut wie nichts berichtet, das starke Beben in 2011 war dann eine kurze Berichterstattung wert, denn dabei verloren weit über 100 Menschen ihr Leben. Die durchfahrenen Vororte hätten mit ihren Klinkerbauten aber insbesondere mit ihren Vorgärten ebenso gut irgendwie im Mutterland sein können, vieles enorm gepflegt, der Rasen, wenn es denn einen gab der so genannt werden konnte, kurz geschoren, Rosenstöcke als Beete und Einzelpflanze, Hortensienbüsche in jeglicher Farbe. Aber unser Ziel war ja die Innenstadt.

Nach einem strammen Spaziergang, unterbrochen bei einem Outdoorausrüster, um eine Rucksackschnalle zu kaufen, gegangen sind wir mit dem Ersatzteil sowie zwei Merinopullovern – wenn man schon im Land der Schafe ist …-, erreichten wir eine riesige Parkanlage, den Hagley Park, nach unserer Einschätzung mit den Ausmaßen 1 auf 1,5 Kilometer. Einige Baumalleen spendeten Schatten, ansonsten gab es eine satt grüne Rasenfläche, die für die unterschiedlichsten Sportarten genutzt wird, insbesondere aber für Kricket. Auf unserem Rückweg konnten wir mehreren parallel stattfindenden Spielen von Kricketmannschaften zusehen, ohne dabei den tieferen Sinn des sportlichen Tuns überhaupt zu erfassen.

P1100441P1100445

In den Hagley Park hinein ragt der Botanische Garten der Stadt, durch den auch der Avon fließt. Vor etwa 100 Jahren wurde das Gelände von einem Rechtsanwalt der Stadt gestiftet; nach unserer Erinnerung geht sogar die eigentliche Parkanlage auf den Gönner zurück. Zahlreiche Themengärten können besucht werden, vor allem aber sind eine sehr große Zahl damals angepflanzter äußerst unterschiedlicher Bäume inzwischen zu stattlichen Exemplaren herangewachsen, dominieren die Anlage und sind Blickfang. Erkennbar wird der Garten von den Bewohnern angenommen, wie die zahlreichen Spaziergänger zeigten. Touristisch genutzt wird der Avon, denn auf einer Art Stocherkahn können sich Gäste von den Bootsführern den Fluß hinauf und hinabfahren lassen. Aber auch normale Wassersportler nutzen das Bächlein.

P1100366P1100370P1100371P1100430P1100387P1100367

Dann standen wir vor dem Canterbury Museum, an das sich einige Ende des 19. Jhd. gebaute Gebäude der Universität anschließen. Das Museum war aber weniger unser erstes Ziel am Rand der Innenstadt, sondern das in der Nähe befindliche Gelände des Busker Festival, bei dem über eine ganze Woche weit über einhundert Veranstaltungen meistens umsonst und draußen stattfinden. Am heutigen Nachmittag mühten sich Kleinkünstler und Comedians insbesondere um die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen.

P1100375P1100376

Zwei Straßenblocks weiter beginnt dann die eigentliche alte Innenstadt. Eine kleine Broschüre der Touristeninformation hat alle für sehenswert angesehene Orte aufgelistet und kurz beschrieben. Am Schluß einer jeden Kurzdarstellung gab es dann einen Hinweis auf den aktuellen Zustand (due to earthquake currently closed; under repair; earthquake damaged). Erst später wurde uns bewußt, daß die komplett zerstörten und abgerissenen Gebäude gar nicht mehr erwähnt worden waren. Wir hatten gehört, einige Gebäude sind durch die Erdbeben in Mitleidenschaft (!) gezogen wurden, einiges musste abgerissen werden, an vielen Stellen ist bereits Neues entstanden oder wird gebaut, d.h. vorgewarnt waren wir. Was wir dann aber sahen, erschreckte uns, machte uns sprachlos und auch traurig. Zyniker würden darauf hinweisen, daß die Erdbeben endlich für genügend Parkplätze in der Stadt gesorgt hätten, denn auf den unzähligen Brachflächen waren zumindest vorübergehend Parkplätze ausgewiesen worden. Zahlreiche Häuser standen zwar noch, waren aber gesperrt, Zutritt verboten. Hier ist über das Schicksal wohl noch nicht entschieden worden. An den Giebelfassaden einiger noch aufstehender Gebäude war sichtbar, wo sich die anschließende Bebauung einmal befunden haben musste. Es war bedrückend, das Ausmaß der Zerstörung mit eigenen Augen zu sehen. Wenn wir schätzen, daß 50 Prozent der Innenstadtbebauung verloren ist, erscheint dies uns noch sehr optimistisch. In manchen Straßenkarrees steht nur noch ein in der Regel sehr neues Gebäude. Zahlreiche auch öffentliche Gebäude wie z.B. die Stadthalle, das Theater sind geschlossen wegen der Bauschäden; auch historische Brücken über den Avon müssen saniert werden. Beim Weg durch die zerstörte Innenstadt kann man immer wieder in Baugruben hineinschauen, im Grunde sind die Objekte nur bis auf die Fundamentplatte abgetragen worden. Christchurch hatte auch einmal eine wunderschöne alte Kathedrale; hier ist ein Teil des Kirchenschiffes eingestürzt, ob eine Sanierung erfolgt, ist noch nicht geklärt. Das frühere Teacher’s Training College, ein im gothischen Stil gehaltener großer prachtvoller Baukomplex aus dem Jahr 1930 war von Bauzäunen umstellt – Einsturzgefahr. Der Viktorianische Glockenturm, deren früheste Teile auf das Jahr 1859 zurückgehen, war erheblich beschädigt; man hatte gerade die Tragkonstruktionen erneuert. Das hinter dem Glockenturm stehende Art Deco Gebäude von 1935 wird wohl ebenfalls abgerissen werden müssen. Die Reihe ließe sich durch viele Beispiele fortsetzen, die wenigen stehen für das Ganze. Wir hätten großes Verständnis, wenn die Bevölkerung ein Trauma erlitten hätte, aus der Stadt weggezogen wäre. Wie uns unser Campingplatzbetreiber erzählte, geht man mit Optimismus an den Wiederaufbau heran. Motto, ihr Deutschen habt nach dem Weltkrieg doch auch euer Land wieder aufgebaut, wir werden das hier auch schaffen. In gewisser Weise zeugt auch der Aufbau einer aus Containern bestehenden Einkaufsstraße am Rande der alten Innenstadt, die am heutigen Samstag stark besucht wurde, man versucht einen Neuanfang und läßt sich nicht unterkriegen.

P1100380P1100382P1100384P1100392P1100396P1100381P1100399P1100404P1100421P1100422

Unten stehende Infotafeln fanden wir in der Innenstadt. Zum einen wird darauf dokumentiert, an welchen besonderen Gebäuden in der Innenstadt inzwischen Sanierungsmaßnahmen eingeleitet bzw. bereits abgeschlossen sind (Stand September 2013 fast 100 Gebäude), zum anderen ist ersichtlich, welch große Flächen einer neuen Bebauung zugeführt werden müssen.

P1100412P1100411

Nicht alles wurde zerstört, einiges ist noch oder wieder in Betrieb, so fahren einige historische Straßenbahnzüge wieder durch die Stadt, die Mutter aller anglikanischen Kirchen in Neuseeland, St. Michael an All Angels Church aus dem Jahre 1872 steht offen, das Canterbury Museum kann besucht werden und die alten Boat Sheds am Avon River werden immer noch als Bootshalle genutzt.

P1100406P1100408P1100427P1100436

Nicht gerade beschwingt, sondern ziemlich nachdenklich wanderten wir nach einigen Stunden Stadtspaziergang zurück zu unserem Campingplatz. Es bleibt zu hoffen, daß die Bewohner Christchurch sich nicht unterkriegen lassen.